20.07.2010: Stellungnahme zum Spiegelartikel zur Homöopathie


Homöopathie hilft!

Wie ein Hitzegewitter kam der Spiegel mit seinem Thema Homöopathie am 10. Juli über uns. Viel zitiert seit dem:

Der SPD-Obmann im Gesundheitsausschuss des Bundestags, Prof. Karl Lauterbach, sagte dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL: "Man sollte den Kassen schlicht verbieten, die Homöopathie zu bezahlen."

Das ZDF und Sat1 folgten, einige Zeitungen veröffentlichten eigene Beiträge. Das eine oder andere Blatt war um journalistische Objektivität bemüht. Das Sommermärchen Fifa-WM war gerade vorbei, da ging das Sommertheater los.

Worum geht es

Die gesetzlichen Krankenkassen (nicht die Privaten oder die Beihilfen) dürfen seit der letzten SPD/Grünen- Bundesregierung über Wahltarife zusätzlich zu den staatlich vorgeschriebenen Therapien z.B. homöopathische Leistungen in einem gewissen Rahmen erstatten.

Es ging also nicht um die Frage, Homöopathie zu verbieten (was gar nicht geht), sondern um den freiwilligen Leistungskatalog von gesetzlichen Krankenkassen.

Herr Lauterbach steht nun in seiner eigenen Partei nicht unumstritten da. Schließlich hat die von der SPD geführten Bundesregierung seinerzeit die Wahltarife zugelassen.

Die Grünen haben sich sofort von Herrn Lauterbach abgegrenzt, in der CDU gibt es geteilte Stimmen. Der Bundesgesundheitsminister (FDP) erklärte, er habe nichts gegen Wahltarife und nichts gegen die Homöopathie.

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte betonte, "dass die Homöopathie in der Praxis effektiv und kostengünstig ist". Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller kritisierte Verbotsforderungen als "Oppositionspopulismus". Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie warnte vor Rationierung und einer Einheitskasse statt Wettbewerb.

Nach vielen Protesten aus der eigenen Partei erklärte schließlich die Bundestagsfraktion der SPD, keine Änderungen am System vornehmen zu wollen.

Sommertheater oder mehr?

Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet zur Zeit an einer erneuten Gesundheitreform. Die Beiträge steigen und die Bundesregierung will das Wahlsystem stärken. Das finden nicht alle politischen Kräfte gut. Also wird von Politikern und bestimmten Medien eine Geschichte gebastelt. Das nennt man dann politische Kampagne. Dabei kommt es nicht immer auf Sachlichkeit an. In diesem Fall wurde die Homöopathie als Vehikel mißbraucht.

Natürlich wäre jeder ordentlich recherchierende Journalist auf Wirksamkeitsberichte gestoßen, die es natürlich gibt. Er würde auf die vielen nationalen und internationalen Artikel und Studien stoßen, die mit großer Ernsthaftigkeit durchgeführt werden.

Eine objektiv arbeitende Redaktion hätte sich bei den Praktikern kundig gemacht, hätte versucht, das Wesen dieser Therapieform zu begreifen. Unsere homöopathisch arbeitenden Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker wären gerne behilflich gewesen, die so tätigen Ärzte sicher auch. Das Bundesgesundheitsamt hätte berichten können, wie die Arzneimittelzulassung der Homöopathika verläuft. Die herstellenden Pharmafirmen wären mit ihren Dokumentationen mit Sicherheit hilfreich gewesen.
Aber darum ging es nicht.

Wir fühlen uns durch die Instrumentalisierung der Homöopathie für fremde Ziele angegriffen, wir sind empört, mit welcher Arroganz gegen diese alte und erprobte Therapiemethode vorgegangen wird.

Auch wenn es in diesem Fall um die Kassenmedizin und Kassenärzte ging, mußten wir Stellung beziehen. Es wurde wieder einmal ein Versuch gestartet, in diesem Fall die Homoöpathie zu verunglimpfen. Trotzdem dürfen wir dabei aber nicht vergessen, daß wir Heilpraktiker nicht Teil der staatlich reglementierten Medizin sind. Durch solche Kassenauseinandersetzungen wird plötzlich deutlich, wie umfassend unsere Therapiefreiheit aufgrund unserer spezifischen Heilkundezulassung ist. Wir können nach medizinischer Notwendigkeit entscheiden, der Kassenarzt hat erst einmal mit der Kassen-Normierung zu kämpfen.

Werden homöopathische Leistungen aus dem Wahltarifkatalog der Kassen herausgenommen, muß ein Patient die Behandlung beim Arzt aus eigener Tasche zahlen, wenn sich dann noch genügend homöopathisch tätige Ärzte finden. Für den Patienten wird dadurch eine gewisse Angleichung an unser Honorarsystem sichtbar, der Zahlung aus eigener Tasche.

Wie können wir reagieren?

Die Arzneimittelkommission der Heilpraktiker reagierte im Auftrag der großen Berufsverbände der Heilpraktiker sofort mit einer ausführlichen Stellungnahme (siehe unten oder auf Anforderung bei uns per Mail/Fax/Brief). Viele Kolleginnen und Kollegen griffen zur Feder, schrieben Leserbriefe, tippten eine Mail oder sprachen auf die Anrufbeantworter der Sender.  Wir im Verband haben Grundlagenmaterial zur Verfügung gestellt, unsere Kontaktarbeit gemacht und vieles angestoßen.

Wo immer dies möglich ist, müssen wir selber das Recht auf Meinungsäußerung in Anspruch nehmen.

Das galt und gilt für uns im Verband und für Sie. Nehmen Sie z.B. die Stellungsnahme der AMK und unseres Verbandes, schreiben Sie an ihren Wahlkreisabgeordneten (den/die gibt es!) oder sprechen Sie die Pressemedien an. Schauen Sie einmal systematisch in Ihren Verwandten- und Freundeskreis. Wer immer etwas mit den Medien oder der Politik zu schaffen hat, der sollte persönlich von Ihnen die Stellungsnahme erhalten. Und dann denken Sie bitte an Ihr Wartezimmer und Ihre Praxis.

Hier finden wir die Menschen, die sich von einer Studie oder einem Politikerwort, daß angeblich die Homöopathie nicht wirkt, nicht verblüffen lassen. Wer auf ein konkretes Leid hin eine konkrete Hilfe erfahren hat, weiß, ob etwas hilft oder nicht und erzählt dies weiter.

Studien, Zeitungsartikel und Worte kommen und gehen. Die Homöopathie bleibt.


Dieter Siewertsen
 
 
Zur Stellungnahme der "Arzneimittelkomission der Heilpraktiker" bitte hier klicken.

 
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