19.03.2009: Bachelor-Lehrgang - Wirklich etwas für Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker?


In jüngster Zeit wird ein sogenannter Bachelor-Studiengang für Komplementärmedizin und Naturheilverfahren angeboten.

Dies veranlaßt uns, hierzu zunächst stichwortartig Stellung zu nehmen und zur Vorsicht zu mahnen.

Der Bachelor-Studiengang, ein Angebot anderer Ausbildungsberufe,  ist generell ein verkürztes Studium, um Berufsanfängern einen schnelleren Berufseinstieg zu ermöglichen, als dies mit einem Regelstudium möglich wäre. Es handelt sich also nicht um einen offiziellen Ausbildungsgang für Heilpraktiker.

Die eigentliche Hochschulqualifizierung, z.B. für ein Diplom, ist der Master-Studiengang. Dieser ist nach bisheriger Kenntnis den Heilpraktiker-Bachelor-Absolventen aber verwehrt.

Es ist auch völlig unklar, welche Fachhochschulen diese Studiengänge wirklich durchführen. Bereits praktizierende Heilpraktiker müssen offenbar eine 5jährigen Berufspraxis und den Besuch einer etablierten Heilpraktikerschule vor der Überprüfung beim Gesundheitsamt nachweisen.  Es wird dann im Einzelfall geprüft, ob der Bewerber zugelassen werden kann. Und was eine etablierte Schule ist, dürfte der Willkür preisgegeben sein.

Soll hier schon wieder eine Zweiklassen-Heilpraktiker-Gesellschaft aufgebaut werden? Spielen kapitale Interessen, das Studium ist ja nicht ganz billig, eine Rolle? Fehlgeleitete berufspolitische Interessenmit all den schon in anderem Zusammenhang genannten Gefahren für den Berufsstand sind nicht zu übersehen.

Zu beachten ist, daß der Heilpraktiker kein Ausbildungsberuf ist, sondern eine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde erteilt wird. Und dies sichert uns aufgrund des Heilpraktikergesetzes überhaupt die weitere Existenz.

Wenn schon im Vorfeld seitens einer Heilpraktikerorganisation ausdrücklich darauf verwiesen wird, daß Heilpraktikergesetz würde durch diese Bachelor-Studiengänge nicht angetastet, so läßt dies schon aufhorchen. Mag dies im Moment richtig sein, so werden die langfristigen Risiken mal wieder übersehen.  Dauerhaft ließe sich eine Einflußnahme nicht vermeiden.

Die Berliner Hochschule für Gesundheit und Sport bietet den Bachelor-Studiengang für Berufseinsteiger als Grundausbildung zur Vorbereitung der Heilpraktikerüberprüfung an. Erfahrungen liegen nicht vor. Fachhochschulen treten damit in Konkurenz zu den Heilpraktikerschulen. Mehr Schein als Sein muß gefragt werden.

Und was soll hier besser sein als eine andere Vorbereitung auf den Beruf als Heilpraktikerin und Heilpraktiker in verantwortungsvoller Form mit dem Ziel Heilpraktikerin und Heilpraktiker entsprechend unserem Berufsbild, als Volksheilkundiger zu sein und nicht ein Arzt zweiter Klasse?

Grundsätzlich können wir als Berufs- und Fachverband vor einer Akademisierung der Heilpraktikerausbildung nur warnen. Das würde unsere Berufszulassung im Endeffekt im Kern treffen und es wäre eine Frage der Zeit, wann nicht universitär-wissenschaftlich belegte Naturheilverfahren zur Disposition stehen und der Bachelor-Heilpraktiker dem universitär-medizinischem Arzt-Studiengang angeglichen werden müßte mit dem Verlust unserer diagnostischen Vielfalt und dem Ende des schönen Heilpraktikerberufes.

Das das ganze auch noch recht kostenintensiv ist, bringt ein privates Studium mit sich.

Ob sich private Studiengänge nur eine neuen Finanzierungsgruppe erschließen wollen, ob sich die Befürworter solcher akademischer Studiengänge auf Kosten der traditionellen Heilpraktiker profilieren wollen, oder ob manche vielleicht heimlich oder offen die Akademisierung sogar gut finden, wir halten als Berufs- und Fachverband von dieser Variante der Aus- und Weiterbildung absolut gar nichts. Ohne Sarkasmus: Wer promovieren will, soll regulär studieren. Wer heilpraktikertypische Heilkunde ausüben möchte, soll sich seiner Berufung und seinen Fähigkeiten stellen, und den bewährten nichtakademischen Weg der Heilpraktiker einschlagen. Der Akademische ist bereits besetzt: Durch die Ärzte.

Wir wollen weiterhin Heilpraktiker und Heilpraktikerinnen als freier selbständiger Beruf sein.

Daß hierzu eine verantwortungsvolle und Vorbereitung und Weiterbildung gehört, versteht sich von selbst. Dafür bedarf es aber nicht eines Studienganges mit hochtrabendem Namen, der auch keine besseren Praxiserfolge und keine bessere Versorgung der Patienten mit sich bringen wird. Die hohen Kosten lassen sich sicher besser verwenden.

 
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