Pressemeldung


Meister Lampe sitzt im Drahtgitterkäfig

21.03.2005

In den nächsten Tagen werden Kinder und Erwachsene allerorts das Kaninchen als Osterhasen feiern. Das wahre Leben der „Osterhasen“ ist aber ein trauriges. Etwa 30 Millionen Kaninchen werden pro Jahr verzehrt. Die Masthaltung dieser Tiere ist qualvoll. Bisher gibt es keine rechtliche Bestimmung, durch die Kaninchenhaltung geregelt wird. Das Kaninchen in der Masthaltung ist recht- und schutzlos, bilanziert der Deutsche Tierschutzbund zu Beginn der Osterwoche.

Die typische Haltung der Mastkaninchen ist mit der Qual der Legehennen in den Käfigbatterien vergleichbar. Die Tiere werden in Drahtgitterkäfige eingepfercht, in denen sie aller artgerechten Verhaltensweisen beraubt sind. Es gibt kein „Hoppeln“, es gibt kein „Männchen machen“. Die grausamen Folgen: Verkrümmungen der Wirbelsäule und Gelenkprobleme. Der Drahtgitterboden verursacht bei den Mitgeschöpfen schmerzhafte Pfotengeschwüre und Ballenverletzungen. Das mangelnde Platzangebot führt zu Verhaltensstörungen. „Das Leben der Kaninchen ist keine Idylle. Das wahre Schicksal der als Osterhasen darf nicht länger im Abseits des öffentlichen Interesses stehen. Vorerst gilt: Verzichten Sie auf den Kaninchenbraten“, erklärt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes verstoßen die Haltungsbedingungen gegen das geltende Tierschutzgesetz. Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher, dass sich der EU-Agrarrat umgehend dieses Themas annimmt und eine artgerechte Kaninchenhaltung europaweit Pflicht wird. Wenn dies nicht auf EU-Ebene gelingt, muss ein nationaler Alleingang her, appelliert der Deutsche Tierschutzbund.

Auf Bundestagsebene ist Bewegung in das Thema gekommen. Die SPD-Abgeordnete Gabriele Hiller-Ohm, Mitglied im Ausschuss für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft wird nach Ostern zu einem Fachgespräch einladen. Gabriele Hiller-Ohm: „Die Mastkaninchen sind derzeit die vergessenen Tiere. Sie gehören auf die politische Agenda. Das Fachgespräch soll die Grundlagen legen, Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Danach müssen politische Konsequenzen gezogen werden.“ Auch Bundesministerin Künast hatte bereits Initiativen angekündigt.

Damit diese Gesprächsrunden nicht in puren Absichtserklärungen ohne Wirkung enden, fordert der Deutsche Tierschutzbund den „Bundesverband deutsches Kaninchenfleisch- und -wollerzeuger“ sowie den Zentralverband Deutsche Kaninchenzüchter auf, sich dieser Diskussion zu stellen und sich schon jetzt „freiwillig“ zu verpflichten, die Haltungsbedingungen noch vor einer entsprechenden gesetzlichen Bestimmung tiergerecht umzugestalten.

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