Gewerbesteuerpflicht für Freiberufler hilft Kommunen nicht und schwächt den Mittelstand
Berlin, den 09.05.2003
Gewerbesteuerpflicht für Freiberufler hilft Kommunen nicht und schwächt den Mittelstand
Nach der neuerlichen Vertagung der Kommission zur Reform der Gemeindefinanzen deutet sich weiterhin ein "Kompromiss" zu Lasten Freier Berufe an. Offenbar ist geplant, Freiberufler wie Ärzte, Anwälte und Architekten in die Gewerbesteuerpflicht zu nehmen. Dazu erklärt der Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB), Dr. Ulrich Oesingmann:
"Freiberufler sind keine Gewerbetreibenden. Das sieht auch das Bundesverfassungsgericht so. Über ihre Ertragssteuern leisten die Angehörigen der Freien Berufe zudem schon ihren vollen Anteil an der Gemeindefinanzierung. Jede zusätzliche Belastung gefährdet mittelständische Existenzen und Arbeitsplätze in der Wissensgesellschaft.
Der BFB appelliert an die Kommission und den Bundesfinanzminister, einen Reformvorschlag zu präsentieren, der für die Bürger belastungsneutral ist und die Finanzlage der Gemeinden wirklich verbessert. Anders als im Hause Eichel dargestellt, würde eine Gewerbesteuer nach bisherigen Plänen sehr wohl zu Mehrbelastungen der Freiberufler führen. Eine volle Verrechnung mit der Einkommensteuer ist ab einem Hebesatz von rund 350 Prozentpunkten nicht mehr möglich - und in fast allen deutschen Groß- und Mittelstädten liegt dieser Satz darüber.
Umgekehrt käme das bei den Freiberuflern eingesammelte Geld offenbar gar nicht bei den Gemeinden an. Wie Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Kommunalfinanzen zeigen, bliebe ein Großteil der Mittel bei Bund und Ländern hängen. Lediglich gut 60 von geschätzt 390 Steuermillionen würden demnach in den Stadtsäckeln landen.
Das aus unserer Sicht kleinere Übel ist das sogenannte BDI-Modell. Ein darin vorgesehenes Hebesatzrecht der Kommunen auf die Ertragssteuern würde deren Einnahmesituation wirklich verstetigen. Die Gewerbesteuer als abschreckende europäische Rarität sollte dagegen abgeschafft werden.
Wenn es dennoch zu einer Gewerbesteuerpflicht für Freiberufler kommt, müssten viele die Änderung Ihrer Rechtsform unter Belastungsgesichtspunkten überdenken. Am Ende wird der Staat nicht mehr, sondern weniger Geld einnehmen."
Der BFB als Spitzenorganisation der freiberuflichen Kammern und Verbände vertritt rund 785 Tausend Freiberufler. Diese beschäftigen über zwei Millionen Mitarbeiter - darunter ca. 156 Tausend Auszubildende - und erwirtschaften annähernd neun Prozent des Bruttoinlandproduktes.
Bundesverband der Freien Berufe (BFB) Stephan Caspary Pressereferent Reinhardtstr. 34 10117 Berlin Postfach 04 03 20 10062 Berlin Tel.: 030/28 44 44 34 Fax: 030/28 44 44 40 stephan-caspary@freie-berufe.de http://www.freie-berufe.de
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