Auch ohne Pakt: Freiberufler mobilisieren Ausbildungsplätze


Um die drohende Ausbildungsplatzabgabe zu verhindern, haben die Spitzenverbände der gewerblichen Wirtschaft im Frühsommer den Ausbildungspakt mit der
Bundesregierung unterzeichnet. Der Bundesverband der freien Berufe BFB, Spitzenorganisation der Freiberufler, ist diesem Pakt nicht beigetreten. Die Schaffung von Lehrstellen läßt sich nach Auffassung des BFB weder per Gesetz noch Pakt verordnen, sondern ist in erster Linie abhängig von der wirtschaftlichen Gesamtlage sowie der individuellen Zukunftserwartung der Freiberufler. Da in Praxen, Kanzleien und Büros zudem Jahr für Jahr angebotene Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, macht die Wahllose Akquisition zusätzlicher Kapazitäten wenig Sinn.

Doch auch ohne unmittelbare Beteiligung am Pakt setzen die freien Berufe alle Hebel zur Mobilisierung zusätzlicher und neuer Ausbildungsplätze in Bewegung (siehe Übersicht). Diese Aktivitäten werden zwar nicht erst seit der Diskussion um eine Abgabe oder den Pakt durchgeführt, sondern zählen zu den regelmäßigen Aufgaben der für die Berufsausbildung in den Freien Berufen zuständigen Kammern. Angesichts der angespannten Lage auf dem Lehrstellenmarkt haben diese ihre Anstrengungen allerdings nochmals erhöht.

Erforderlich für eine Zunahme der Ausbildungszahlen ist dabei nicht allein die (Rück-)Gewinnung neuer und ehemaliger Ausbildungsbetriebe sowie die Beseitigung systemimmanenter Ausbildungshemmnisse: Ebenso wichtig ist das Auffinden geeigneter Bewerberinnen und Bewerber. Schließlich bleibt der Großteil der unbesetzten Stellen wegen des Mangels an geeigneten Kandidaten frei. Auch wenn die Kammern diesbezüglich intensiv mit den Schulen zusammenarbeiten: Versäumter Schulstoff ist natürlich nicht im Rahmen einer Ausbildung nachzuholen. Und die im Rahmen des Ausbildungspaktes vereinbarten Einstiegsqualifizierungen können im Bereich der hochkomplexen, verantwortungsvollen freien Berufe nicht erfolgsversprechend angeboten werden. Ein „Hineintasten“ ist ohne entsprechende Mathematik- und Rechtschreibkenntnisse und ohne soziale Kompetenz nicht möglich, geschweige denn auf eine spätere Ausbildung anrechenbar.

Der BFB hat alternativ vorgeschlagen, leistungswilligen Jugendlichen den Erwerb von Grundqualifikationen parallel zu Ausbildung in ihrer Freizeit zu ermöglichen. Die ausbildungsrelevante Gesetzgebung wäre entsprechend zu ändern, um Schulstoff auch zusätzlich zur Arbeitszeit nachholen zu dürfen. Jugendliche, die eine solche Herausforderung annehmen würden, könnten potentiellen Ausbildern damit eindrucksvoll ihre Leistungsbereitschaft signalisieren und innerhalb eines halben Jahres erste deutliche Lernerfolge erzielen. Auf diese Weise könnten im Bereich der Freien Berufe nicht nur zahlreiche unbesetzte Ausbildungsplätze vergeben, sondern vermutlich sogar zusätzliche Stellen geschaffen werden.

(Autor: Marcus Kuhlmann, BFB-Geschäftsführer)

 
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