28.04.2010: Tendenz steigend - bei den Freien Berufen zeichnet sich entspannte Lage bei der Ausbildung ab


BFB-Präsident Dr. Ulrich Oesingmann kommentiert die aktuelle Umfrage zum Ausbildungsengagement der Freien Berufe:

An unserer Frühjahrsumfrage zur Zahl der derzeit bereits abgeschlossenen Ausbildungsverträge lässt sich ein erster Trend für die Endabrechnung im Herbst ablesen. Die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt in den Freien Berufen, dem drittgrößten Ausbildungsbereich mit rund 8 Prozent der Ausbildungsleistung, stellt sich zum 31. März 2010 entspannt dar. So wurden bereits rund 9.500 Verträge abgeschlossen, das sind rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Zwar wird der Großteil der Verträge erst ab Juni eingetragen und registriert, allerdings lassen die Zahlen durchaus eine erste Einschätzung zu. Wir rechnen bei der Schlussrechnung zum 30. September mindestens mit einem gleich guten Ergebnis wie im Vorjahr, in dem 42.675 Neuverträge abgeschlossen wurden. Bestätigt sich der aktuelle Trend aber weiterhin, könnte am Ende sogar ein leichtes Plus herauskommen.

Es zeigt sich damit erneut deutlich, dass, anders als im produzierenden Gewerbe, die Wirtschafts- und Finanzkrise auch im zweiten Jahr so gut wie keine Auswirkungen auf das Ausbildungsengagement und das Bereitstellen von Ausbildungsplätzen bei den Freien Berufen hat.

Auch ist ablesbar, dass sich aufgrund des demographischen Wandels die Situation auf dem Ausbildungsmarkt auch bei den Freien Berufen immer mehr vom Lehrstellenmangel hin zum Bewerbermangel entwickelt. Regional und von Ausbildungsberuf zu Ausbildungsberuf unterschiedlich stark, wird es für die Kanzleien, Praxen und Apotheken immer schwieriger, Bewerber zu finden. Wo sich früher noch bis zu 20 Bewerberinnen auf eine Ausbildungsstelle zur Medizinischen Fachangestellten beworben haben, sind es heute zum Teil nur noch fünf oder noch weniger. Damit verringert sich die Auswahlmöglichkeit, sodass immer häufiger auch Jugendliche eingestellt werden, die zusätzlicher Hilfen bedürfen, um eine Ausbildung erfolgreich zu Ende zu führen.


Da sich das Ausbildungshemmnis der mangelnden Ausbildungsreife nicht von heute auf morgen beseitigen lässt, müssen andere Wege der Nachqualifizierung gefunden und entwickelt oder vorhandene stärker genutzt werden. Hierzu bieten sich z. B. die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) der Arbeitsagenturen an, die noch immer viel zu selten in Anspruch genommen werden und für die wir an dieser Stelle nochmals ausdrücklich werben wollen. Mit diesen von den Arbeitsagenturen finanzierten Hilfen können Jugendliche durch Förderung des Erlernens der berufsspezifischen Fachtheorie, durch Stützunterricht zum Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten sowie durch sozialpädagogische Begleitung unterstützt werden. So könnte Jugendlichen eine Chance auf erfolgreiche Ausbildung gegeben werden, die auf den ersten Blick nicht in das Bewerbungsprofil passen.

 

Ferner sollte erwogen werden, das äußerst erfolgreiche Instrument der Einstiegsqualifizierung (EQ), von der Bundesagentur für Arbeit finanzierte Praktika, die als Brücke in Ausbildung dienen, flächendeckend auch bei den Freien Berufen einzusetzen. Mit der EQ können Freiberufler die jungen Menschen kennenlernen und sie in der täglichen Praxis betrachten. Dabei hat sich herausgestellt, dass viele Jugendliche, die auf den ersten Blick das Bewerberprofil klar verfehlen, sich oftmals als hervorragende Auszubildende herausstellten. Das belegt der sogenannte Klebeeffekt: Rund zwei Drittel der EQler werden anschließend in eine Ausbildung übernommen.

Der BFB fordert in diesem Zusammenhang, die EQ nicht mehr nur als Instrument der Nachvermittlung zu betrachten, sondern auch unterjährig anzubieten, sodass die erfolgreichen EQler mit den anderen Auszubildenden gemeinsam im Sommer die ordentliche Ausbildung beginnen können.

So könnten freiberufliche Praxen, Apotheken, Büros und Kanzleien trotz der sinkenden Zahl von zudem noch stets schlechter qualifizierten Bewerbern ihren Fachkräftenachwuchs gewinnen. Denn so besteht die Chance, talentierte und engagierte Jugendliche zu entdecken und zu fördern.“

Der BFB als Spitzenorganisation der freiberuflichen Kammern und Verbände vertritt rund eine Million selbstständige Freiberufler. Diese beschäftigen über 2,9 Millionen Mitarbeiter - darunter ca. 124 Tausend Auszubildende. Gemeinsam mit ihren Mitarbeitern erarbeiten Freiberufler rund 10,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und erwirtschaften so jeden zehnten Euro.


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