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Raimar Ocken, Heilpraktiker Die Bezeichnung „Indigo-Kind“ ist von aurasichtigen Menschen geprägt worden. Sie sehen die Ausstrahlung (Aura) des Kindes indigo (blau). Dieser Farbton weist auf mystische Fähigkeiten einerseits oder auf emotionale Kälte und Einsamkeit andererseits hin. Bei der Diagnosenstellung ist ggf. zu überprüfen, ob es sich dabei nicht um eine Wunschvorstellung des Diagnostizierenden handelt, da er das Kind so sehen möchte. Zur Überprüfung der Diagnose ist es im Zweifelsfalle sinnvoll, das Kind einem anderen sensitiven Behandler, der (u.a.) mittels biologischer Resonanz arbeitet, vorzustellen. Während meines therapeutischen Praktikums (1980) in der Kinder- und Jugendpsychiatrieabteilung der Nervenklinik Spandau (Berlin) war ich zum ersten Mal mit der Aufgabe betraut, mich mit der Problematik des kindlichen Andersseins zu beschäftigen und helfend daran mitzuwirken Mittel und Wege zu finden, Kindern, die nicht in die gesellschaftliche Norm passen, ein partiell besseres Leben zu ermöglichen. Autismus, Down-Syndrom, Verhaltensstörungen, Hyperaktivität, kindliche Psychoseformen, MCD (Minimale cerebrale Dysfunktion) und ähnliches waren die vorherrschenden Diagnosen auf „unserer" Station. Im nachstehenden Text benutze ich den Begriff Hyperaktivität synonym für verschiedene körperliche und/oder psychische Auffälligkeiten, die durch Bewegungs-, Denk- und/oder Verhaltensauffälligkeiten gekennzeichnet sind und bei denen die betroffenen Kinder als sozial unangepaßt oder gar störend erlebt werden. Die unterschiedliche Somatopathologie ist für die nachstehend beschriebene Psychodynamik/Psychopathologie der Beziehung von Mutter und Kind von untergeordneter Bedeutung, so daß die hier durchgeführte Zusammenfassung von mehreren Krankheitsbildern zu einem verträglich ist. Dazu sei ergänzend angemerkt, daß die basale Grundproblematik ggf. auch als Hypoaktivität auftreten kann. 10 Jahre waren ins Land gegangen, als mir - nunmehr in eigener Praxis tätig - Frau „A." mit ihrem 5-jährigen Sohn gegenüber stand. Sie stellte ihn mir mit der Hoffnung vor, daß eventuell naturheilkundlich etwas gegen seine Hyperaktivität zu machen sei. Mit der Hoffnung also, daß ich ihnen helfen könne. Ich hatte mir den Jungen angeschaut, mit ihm geredet und mit Hilfe der Mutter die Anamnese durchgeführt. Auf Grund meiner Faktensammlung kam ich zu der Entscheidung, der Mutter eine Psychotherapie zur Aufarbeitung ihrer Eheproblematik anzubieten. 1 ? Jahre hat diese Therapie gedauert, während der ich immer mal wieder erfuhr, daß der Junge sich auch ohne Therapie gut, d.h. normal, entwickeln würde. Eine spezielle Behandlung des Kindes war also nicht erforderlich. Gestern fand sich Frau „B". mit ihrem 11-jährigen hyperaktiven Sohn in meiner Praxis ein. Begleitet wurden die beiden von dem zweiten, jüngeren „normalen" Bruder/Kind. Auch Frau „B." war von dem Gedanken geleitet, daß dem älteren ein naturheilkundliches Präparat helfen möge. Der Ablauf der Sitzung war ähnlich, wie Jahre zu vor. Auch in diesem Falle - obwohl eine andere Diagnose vorlag - habe ich der Mutter empfohlen, sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben, da sie voller Einsamkeit, Traurigkeit, Schuldgefühle, Versagensängste u.a.m. war und ich hoffte, dem Kind eine Dauermedikation ersparen zu können. Grundgedanke bei dieser Art des therapeutischen Vorgehens ist: 1. Dem Kind kann es nur gut gehen, wenn es der Mutter gut geht und 2. die Mutter eilt dem Kind mit ihrer Symptomatik voraus, d.h., sie hat ihre Probleme schon länger und muß deshalb notwendiger behandelt werden. Mit „Mutter" ist hier nicht nur die leibliche Mutter gemeint, sondern die Bezeichnung bezieht sich auf alle Personen, die in einem bestimmten Moment für das Kind „Mutter" sind, das kann z.B. eine Erzieherin oder Lehrerin sein, ebenso wie in manchen Momenten der Vater oder eine andere männliche Bezugsperson. Wird Frau „B." sich auf meinen Therapievorschlag einlassen? Während des Beginns meiner Heilpraktikertätigkeit hatte ich mich im Zusammenhang mit der Begegnung von Frau „A." und ihrem Sohn - weitere Begegnungen mit anderen Kindern und deren Eltern (vorzugsweise den Müttern) ergaben sich daraus - intensiv mit der alternativen Behandlung von hyperaktiven Kindern beschäftigt. Es wurde mir auffällig, daß das Bemühen der Eltern und Behandler meistens monokausal ausgerichtet war. Sie waren von der Idee geleitet, daß ein Stoff, eine Noxe, gefunden werden könne, der das Leiden des Kindes ursächlich erklären würde. Also, ein Stoff sollte schuld daran sein, daß es dem Kind schlecht ging. Dabei könne dieser Stoff eine Mangelursache - er ist in zu geringem Maße im Organismus vorhanden - bewirken oder als Toxin vorliegen, da er im Organismus in einer Menge vorhanden ist, die der Gesundheit abträglich ist. Als Giftstoff der frühen Jahre - als die Bezeichnung Hyperaktivität noch wenig in Gebrauch war - wurde das Phosphat, das besonders in Lebensmitteln vorhanden war, benannt. Die sich daraus herleitende Therapie der Wahl war Phosphatkarenz, die in einer diätetischen Lebensführung des Kindes bestand. Wie sich Diagnostik von medizinischer Disziplin zu Disziplin und von Zeit zu Zeit verändert, so verändert sich auch die Vorstellung darüber, was den Kindern helfen könnte. Besonders auffällig war für mich, daß es anscheinend kaum ganzheitliche Fallbeschreibungen gab. „Ganzheitlich" bezieht sich auf die Wechselwirkungen von Psyche, Soma und Umwelt, wobei „Umwelt" wiederum hier ganz im Besonderen die familiäre und sonstige soziale Umwelt (Kindergarten, Schule u.a.) bezeichnet. Ich möchte in diesem Text der Familiendynamik etwas Aufmerksamkeit schenken, um den fachkundigen Leser eventuell eine Möglichkeit zu geben, seine Sichtweise zu dieser Problematik zu erweitern, damit er künftig Kindern und Eltern besser helfen kann. Da es in Deutschland immer noch verpönt ist, als „psychisch nicht ganz richtig zu sein" zu gelten - so sagen es häufig die Betroffenen -, ist eine besondere Sensibilität erforderlich, den Eltern, meistens den Müttern, da die Väter nicht in die Praxis kommen und sie häufig auch kausal nicht so sehr von Bedeutung sind, nahe zu bringen, daß sie die eigentlichen Patienten sind und einer Psychotherapie als Teil einer ganzheitlichen Therapie bedürfen. Als Behandler kommen wir um die Problematik Hyperaktivität nicht herum, denke ich, da auf Grund der zunehmenden Chemikalisierung** (Überbelastung durch Umweltgifte, Medikamente u.a.m.), Impfungen weiter Bevölkerungskreise, der zunehmenden sozialen Verelendung, des Zerfalls primärfamiliärer Strukturen, Ausweitung der Suchtstoffebenutzung, Zunahme der Fälle von Fehl- und Unterernährung***, Überforderung durch Leistungsdruck in Schule und Beruf usw. usf., immer mehr kranke Kinder in unsere Praxen gebracht werden. Um die neu auftretenden Krankheiten, Leidenszustände und Behinderungen besser diagnostizieren und behandeln zu können, ist es notwendig, daß die Behandler sich auch mit veränderten pathologischen Strukturen der Gesellschaft befassen. **In der aktuellen (29.07.2003) Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung" ist unter dem Titel „Weichmacher bremst Manneskraft" zu lesen, daß die vermehrte Aufnahme von Weichmachern, die in bestimmten Cremes, Shampoos, Klebstoffen, Farben u.a.m. vorhanden sind, im Organismus von Männern eine negative Auswirkung auf die Zeugungsfähigkeit haben kann. Gehen wir mal von der Annahme aus - spinnen wir also den Faden weiter -, daß ein davon betroffener Mann mittels Maßnahmen der Reproduktionsmedizin, z.B. der ISCI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion), seine diesbezügliche Insuffizienz kupiert und Vater wird. Welche gesundheitlichen Folgen für das Kind - und dadurch in einer anderen Art und Weise auch für die Eltern und die Gesellschaft - wird diese „Überlistung" der Natur haben? Siehe dazu z.B. „Die Kinder von der Samenbank" in „DER SPIEGEL" 31/2002 und „Und was wird aus den ‘Frosties‘?" in „Freitag" 12. April 2002. ***In derselben Ausgabe der „SZ" wird in dem Artikel „Angst ohne Konsequenzen" auf die Tatsache der Fehl- und Mangelernährung sowie deren Folgen, z.B. frühzeitiges Auftreten von Alterserkrankungen, hingewiesen. Was dort nicht steht ist, daß die Problematik der schlechten Ernährungsgewohnheiten der Nachkriegsgeneration mit dazu beigetragen haben, daß das Problem der Kieferanomalität und Zahnschäden bei Kindern immer verbreiteter anzutreffen ist. Siehe dazu z.B. Dr. Dietrich Volkmer „Ernährung und stomatognathes System" in „CO’MED" Nr. 3/2003. Ich möchte hier einen Schritt gehen, der, wie schon formuliert, in der Regel nicht gegangen wird. Ich möchte etwas Aufmerksamkeit auf die Psychodynamik zwischen Mutter und Kind lenken. Obwohl es sich auch bei der Hyperaktivität um ein multifaktorielles Geschehen handelt, beschäftige ich mich hier „nur" mit dem Bereich des Psychischen. Ausgangspunkt meiner Ausführung ist das Verständnis der Psycho-Somato-Ökologie, die besagt, daß immer eine Wechselwirkung zwischen Psyche, Soma und Umwelt besteht und sich aus einer Veränderung in einem Bereich dieser Trias immer auch eine in den anderen beiden Teilen ergibt. Dies hat für Diagnostik und Behandlung besondere Bedeutung, da alle drei Bereiche betrachtet werden müssen und in der Behandlung der günstigste Weg der Therapie gegangen werden sollte. Für die Therapie kann sich daraus ergeben, daß eventuell eine Psychotherapie der Mutter/Eltern von Nöten ist, eine Ernährungsumstellung des erkrankten Kindes erforderlich oder eine medikamentöse Behandlung angezeigt ist. Auch andere Notwendigkeiten, auf die ich hier nicht zusprechen kommen möchte, könnten sich zeigen. Auffällig ist, daß häufig seitens der Mutter (und ggf. anderer Bezugspersonen) als „Problemlösung" - da das Kind nicht normal ist - entweder eine Überbehütung, eine Leugnung des Sachverhaltes oder ein Verwahrlosungsverhalten gewählt wird. Ziel der Therapie ist es jedoch, der Mutter bei der Veränderung ihrer psychischen Muster behilflich zu sein, so daß sie dem Problem nicht ausweichen muß. Ist die Geburt des Kindes in dem Kompensationsversuch von Einsamkeit und/oder Minderwertigkeitsgefühlen, zur Rettung der Ehe oder zur Hebung des sozialen Status erfolgt, so wird das Auftreten des Leidens/der Erkrankung/der Behinderung als Kränkung oder Enttäuschung erlebt. Daraus resultieren die genannten Versuche der Problemlösung. Mütter, welche die Kränkung oder Enttäuschung „Mein Kind ist nicht okay" nicht bewußt erleben können, da daraus Traurigkeit und eventuell auch Wut entstehen, diese jedoch vom inneren Zensor mit „du darfst deinem Kind gegenüber nicht böse sein" kontrolliert und somit in Schach gehalten werden, entwickeln häufig quasi als Ausgleich ein überbehütendes Verhalten. Hierdurch entsteht eine sehr enge Bindung zwischen Mutter und Kind. Da das Kind schon vor der Geburt den latenten Auftrag „rette mich" vermittelt bekommen hat, also eine starke Bindung vorhanden war, wird diese beim Auftreten der Hyperaktivität noch verstärkt. Mutter und Kind sind im gegenseitigen Leid durch den Auftrag des Sich-gegenseitig-retten-Müssen verstrickt. Auf Grund dieser besonders engen Mutter-Kind-Bindung hat das Kind keine Chance, es selbst zu werden. Um aus diesem pathologischen Muster hinaus kommen zu können, ist es für beide notwendig zu lernen, in ihrer gemeinsamen Beziehung Abstand herstellen und zulassen zu können, andere Menschen in ihre Welt mit einzubeziehen und Mittel und Wege zu finden, um zu begreifen, daß auch ein nicht „normales" Kind, ein liebenswertes sein kann. Besonders für die Mütter (Eltern) ist es meist schwierig, einen anderen Lebensweg als den, den sie bisher gegangen sind, einzuschlagen. Sie haben nicht nur für sich selbst die Aufgabe, mittels Hilfe von Fachpersonen, Verwandten, Freunden usw. einen neuen, gangbaren Weg zu finden, sondern ganz besonders auch für „ihre" Kinder, den etwas anderen Erdenbürgern. Während der Jahre meiner therapeutischen Arbeit habe ich den Eindruck gewonnen, daß die Betrachtung der Psychodynamik/Psychopathologie von Mutter und Kind wenig Aufmerksamkeit erfährt, weil für viele Personen mit diesem Thema die Frage der Schuld zusammenhängt: Ist die Mutter schuld am Leid ihres Kindes oder das Kind am Leid der Mutter? Mit dieser Schuldthematik kann anscheinend keiner umgehen.Es geht während Diagnostik und Therapie letztlich nicht um Schuld, so daß ein vermeintlich helfender Zuspruch wie „Sie sind nicht schuld", als kontraindiziert anzusehen ist, da er Schuld fixiert: „Sie sind nicht schuld, aber irgend etwas anderes". Statt dessen ist es notwendig, die Komplexität von Ursachen und Wirkungen mit der Mutter zu erarbeiten. Dabei wird ihr mitverursachender Anteil, der meistens von wesentlicher Bedeutung ist, ersichtlich. Daraus leiten sich Möglichkeiten (Stärken erhöhen, Schwächen reduzieren) zur Heilung her. Meiner Meinung nach sollte der Weg, Lösungen zu erarbeiten, nicht in der Glorifizierung der Hyperaktivität bestehen, nach dem Motto: aus der Not eine Tugend machen und das kranke Kind zu einem Retter hoch stilisieren, wie es bei Eltern von Indigo-Kindern häufig anzutreffen ist. Dieser Versuch, die Kinder gar zu Rettern der Menschheit - also nicht nur zu Rettern der Mütter - zu machen, ist in den sogenannten New-age-Kreisen zunehmend häufiger anzutreffen. Frei nach dem Christus-Prinzip - das Kindlein, das uns retten soll - soll die symptomatische Auffälligkeit des Kindes als Zeichen seines Auserwähltseins verstanden und dementsprechend mit ihm umgegangen werden. Das adelt die Eltern, wie sie meinen, und ihre Minderwertigkeitsgefühle erfahren dadurch eine Kompensation. Dabei ordnen sich die Erwachsenen den Kindern unter und hoffen dadurch auf spätere Erlösung. Leider, und das ist meiner Meinung nach dabei das Tragische, geht den Kindern die Zeit einer unbeschwerten Kindheit verloren. Sie müssen etwas Besonderes sein, haben eine große Aufgabe vor sich... und tragen das doppelte Kreuz - das ihrer Eltern und ihr eigenes - der Leistungsgesellschaft durchs Leben.
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