Theoretische Grundlagen zum Fasten


Klaus Georg Dechert, Heilpraktiker

Seit 1992 leite ich Fastenseminare und führe Fasten- und Entgiftungskuren in meiner Praxis durch. Stets bin ich bemüht, meinen Seminarteilnehmern und Patienten die natürlichen, gesunden Körperfunktionen und die Reaktionen des Organismus während des Fastens und Entgiftens nahe zu bringen. Denn es gibt in der Bevölkerung ein ganz unterschiedliches Verständnis der Begriffe „Entschlacken", „Ausleiten" und „Entgiften". Viele Menschen unterliegen immer noch dem Irrglauben, Entschlacken hätte etwas mit Gewichtsreduktion zu tun, oder das Fasten sei eine Gefahr für die Gesundheit. So beutet fasten auch nicht einfach nur „nichts Essen", sondern richtig fasten will gelernt sein. Zudem reagieren Angehörige, Freunde und Arbeitskollegen nicht selten mit Unverständnis, Frotzelleien und herber Kritik.
 
Diese Schrift soll helfen die Notwendigkeit des Fastens und die Vorgänge im fastenden Körper besser zu verstehen. Sie will weiterhin dem Fastenden Menschen Hilfen zur Argumentation bei Angriffen von außen geben. Begriffe wie Fasten, Heilfasten, Ausleitung, Entschlackung und Gewichtsreduktion sollen erläutert werden.
 
1. Die Geschichte des Fastens
 
Von den Anfängen des Fastens können wir sprechen, seit die ersten Menschen von der intuitiven Nahrungsverweigerung zur bewußten Entscheidung für Nahrungsverzicht übergingen. Diese intuitive Nahrungsverweigerung kennen wir heute noch sehr gut bei kranken Kindern oder Haustieren. Ihr naturgegebenes Hunger- und Sättigungsgefühl ist noch relativ unverfälscht, und es führt sie bei Unpäßlichkeit oder Krankheit zu natürlichem Verzicht auf Nahrung.
 
In allen Religionen ist die Gesundheit von Körper und Seele sehr stark verbunden. Priester waren gleichzeitig Ärzte und für die Gesundheit von Seele und Körper verantwortlich. So findet man die ersten Ursprünge des Fastens meist in Verbindung mit der Ausübung religiöser Praktiken. Das Fasten hat seinen festen Platz in allen Religionen vom indianischen Schamanismus über Hinduismus, Buddhismus, den Römern und Griechen, der jüdisch-christlichen Tradition bis zum Islam.
 
Mit vorbereitenden, längeren Fastenzeiten zur körperlichen und seelischen Reinigung begannen viele Propheten, Lehrer und Religionsgründer wie Mose, Elia, Jesus, Buddha und Mohamed ihre religiösen Tätigkeiten.
 
In der Medizin ist das Fasten bereits seit Hippokrates als Therapie bekannt. Er empfahl in schlimmen Fällen ausschließlich das Trinken von Honigwasser. Auch Heilkundige des Mittelalters, Hildegard von Bingen bis Paracelsus empfahlen das Fasten als heilsamen Therapie. Paracelsus sprach von einem „inneren Arzt" der durch das Fasten aktiviert wird und die kranken Menschen zur Selbstregulation und Heilung führt.
 
Das neuzeitliche Fasten ist geprägt von dem Landwirt Johannes Schroth, dem Geistlichen und Naturheilkundigen Sebastian Kneipp, dem österreichischen Arzt Dr. Franz Xaver Mayr und dem Marineoffiziersarzt Otto Buchinger. Sehr häufig gelangten die anfänglichen Nichtmediziner über eigene Erkrankungen zum Fasten. Ein bewegtes Leben sowie außergewöhnliche geistige und körperliche Aktivität bis in das hohe Alter bestätigt bei allen die Wirksamkeit ihrer entwickelten Therapien.
 
Das Fasten nahm zu allen Zeiten einen hohen Stellenwert in der Heilkunde ein.
 
2. Fasten und Nulldiät
 
Erst die heutige Wohlstandsgesellschaft mit industriell hergestellten Nahrungsmitteln und einem Übermaß an Nahrungsmittelangeboten kennt das Übergewicht als ein kosmetisches Problem. Mit den steigenden Krankenzahlen durch die Zivilisationskrankheiten wurde das Übergewicht zusätzlich noch als Risikofaktor besonders für Herz-Kreislauf und Gelenkerkrankungen erkannt.
 
Das Problem Übergewicht führte zu der Entwicklung von Diäten und Kuren mit dem Ziel einer Reduktion des Körpergewichtes. Diese Diäten reduzieren die Kalorienzufuhr (aus der Nahrung) und führen dem Körper chemisch veränderte oder hergestellte, essentielle Nährstoffe (Vitamine, Mineralien, Proteine) in Form von Pulver, Kapseln oder Riegeln zu.
 
Bei der Durchführung einer solchen Kur geschah im Jahre 1978 der „Liquid-protein-diet-scandal". Hierbei starben nach mehrmonatiger, nicht medizinisch betreuter, eiweißsubstituierter 400 Kcal Formula-Diät ca. 60 übergewichtige Personen. Als Todesursache wurde Herzversagen nach Abbau der Herzmuskulatur und Herzrhythmusstörungen festgestellt. Die wirklichen Ursachen sind bis heute noch nicht ausgiebig untersucht worden. Lag es an dem Mangel an fachlicher Betreuung? Lag es an der Qualität des Protein-Nährstoffgemisches? Oder an gar nicht, oder mangelhaft durchgeführten begleitenden Entgiftungsmaßnahmen?
 
Wo immer auch der eigentliche Grund zu suchen ist, dieser dramatische Zwischenfall ist hauptverantwortlich für die Panikwelle, die in den letzten 25 Jahren bis in jede Arztpraxis geschwappt ist. Seitdem wird von vielen Ärzten jegliche Fastentherapie mit den Formula-Diäten gleichgesetzt und grundweg abgelehnt. Nach Meinung der breiten Ärzteschaft führt jede Eiweißunterversorgung über mehrere Wochen zu Muskelabbau und der Gefahr des Herzversagens.
 
Bei allen seriösen Fastenmethoden ist es bisher noch nie zu einem ähnlichen Zwischenfall gekommen.
 
Merke: Fasten ist eine, in allen Kulturen und in der Medizingeschichte verankerte grundlegende Therapie zur Heilung und Vorbeugung von vielen Krankheiten und dient in keiner Form der Gewichtsreduktion.
 
Die eben beschriebene Vielfalt der Angebote erfordert ein grundlegendes Verständnis der Fastenkonzepte und eine genaue Gliederung zu deren Einordnung. Die folgende Begriffsklärung soll Ihnen etwas Licht in den Fasten- und Diätendschungel bringen.
 
Das Fasten für Gesunde dient der Sensibilisierung des Körperbewußtseins und der Reflektion über die individuelle Lebenssituation und der angestrebten Ziele. Es dauert maximal 10 Tage und sollte nur von Gesunden durchgeführt werden. Die Heilung schwerer Erkrankungen benötigt längere Fastenzeiten von ca. 3 - 6 Wochen.
 
Hierzu dient das Heilfasten, das nur unter qualifizierter medizinischer Betreuung (Heilpraktiker oder Arzt) durchgeführt werden sollte. Es dauert 3-6 Wochen und wird evtl. mit Medikamenten und naturheilkundlichen Maßnahmen begleitet. Es wird meist in stationären Kliniken, aber in geeigneten Fällen auch ambulant durchgeführt.
 
Entschlackungskuren in einer speziellen Kombination von Diäten und Fastenzeiten über 3-6 Wochen eignen sich in ambulanter Durchführung zur Heilung von Krankheiten und Vorbeugung sowie für den Erhalt von Schönheit Vitalität und Leistungsfähigkeit.
 
Gewichtsreduktions-Diäten (Formula -, FDH Diäten) gibt es erst seit knapp 30 Jahren. Der menschliche Körper existiert mit seinem Stoffwechsel- und Verdauungsapparat aber bereits seit ca. 2 Millionen Jahren in ähnlicher Form. Seit dieser Zeit sind ihm Fastenzeiten von 3-5 Tagen durchaus geläufig als intuitive Nahrungsverweigerung bei Erkrankungen. Durch die Einsparung der Verdauungsenergie aktiviert der Organismus vermehrt Energie zur Bekämpfung der Krankheitserreger.
 
Merke: Gewichtsreduktions-Diäten kennt unser Körper nicht!
 
Was denken Sie nun, wie unser Körper auf diese Diäten reagiert? Für unseren Körper sind Reduktions-Diäten nichts weiter als Hungersnöte, denn die sind ihm ausreichend bekannt. Wenn unserem Körper über einen längeren Zeitraum weniger Energie zur Verfügung steht als er verbraucht, reduziert er nach 6-9 Tagen automatisch seinen Stoffwechselverbrauch auf ein Minimum. Das merkt jeder, der einmal länger als 10 Tage gefastet hat oder eine Reduktions-Diät durchgeführt hat. In der ersten Woche verliert der Körper ca. 3-6 Kilogramm Körpergewicht und danach nur noch grammweise.
 
Haben Sie nun Ihre 3-6 Wochen Reduktionsdiät hinter sich und kaum mehr Gewicht verloren als in der ersten Woche, fangen Sie frustriert wieder an zu essen - und meist mehr als Ihnen guttut, denn Sie wollen ja alles versäumte wieder aufholen. Und das Gleiche denkt sich unser Körper auch, denn er braucht ja wieder Reserven für die Hungersnöte, die noch kommen werden. So behält unser Körper den niedrigen Stoffwechselverbrauch bis zu 3 Wochen bei und sammelt in diesen 3 Wochen nicht selten die in 6 mühsamen Wochen heruntergehungerten Kilos wieder zusammen. Nach diesem mißglückten Versuch folgt nun meist innerhalb weniger Monate die nächste Abmagerungskur mit dem gleichen Erfolg.
 
Dann kommt es aber noch schlimmer. „Da kommen ja ständig neue Hungersnöte", sagt sich unser Körper „da brauche ich unbedingt höhere Reserven". So sammelt er sich von Abmagerungskur zu Abmagerungskur ein Kilo nach dem anderen mehr an. Es entsteht die sogenannte Gewichtsschaukel.
 
Ja, es kann sogar soweit kommen, daß der Stoffwechsel überhaupt nicht mehr auf den höheren Verbrauch umschaltet und einige Menschen so wenig umsetzen, daß sie bereits vom „anschauen geringster Nahrungsmengen" an Gewicht zulegen.
 
Das muß nicht bei allen Menschen geschehen, und die individuelle Stoffwechsellage reagiert bei jedem Menschen anders. Doch bei längeren Diäten und auch Fastenkuren besteht gerade bei übergewichtigen Personen diese Gefahr. Denn Langzeitfasten (3-6 Wochen) finden wir auch in der Religionsgeschichte als Einweihungsfasten oft nur wenige Male im Leben eines Menschen.
 
Gewicht reduzieren läßt sich nur langfristig durch gleichmäßig reduzierte Energiezufuhr und konstante höhere Energieabgabe - sprich körperliche Aktivität. Natürlich nur, wenn sonst keine gravierenden Stoffwechselentgleisungen vorliegen. So sind alle Erfolge von Abmagerungskuren immer auf das Leben danach gegründet und nicht auf die Kur selbst. Eine Gewichtreduktion erreiche ich jedoch auch ohne Diät ausschließlich durch eine Umstellung des Lebenswandels. Das Fasten hilft hier durch Sensibilisierung des Ernährungsbewußtseins.
 
Von den Formula-Diäten zur Gewichtsreduktion ist aus gesundheitlichen Gründen generell abzuraten. Die pulverisierten Nährstoffgemische enthalten allesamt synthetisch hergestellte oder zumindest chemisch verarbeitete Proteine. Dies führt zwar nicht zu Todesfällen wie im Jahre 1978, doch die Wirkungen dieser Proteine im Körper sind nicht sicher überprüft und können durchaus zu Langzeitschäden führen können.
 
3. Gründe für das Fasten
 
Wie bereits beschrieben ist das Fasten eine wichtige gesundheitsfördernde Maßnahme und dient nicht zur Gewichtreduktion. Fasten wirkt vorbeugend bei vielen Erkrankungen und unterstützt deren Heilung erheblich, es ist die beste Maßnahme für ein natürlich, schönes Aussehen, macht körperlich und geistig leistungsfähiger und steigert die Sensibilität für größeren Eßgenuß und einen gesundheitsförderlichen Lebenswandel.
 
3.1 Die Vorgänge im fastenden Körper
 
Zunächst fragen Sie sich sicher, wovon soll ich bloß überleben ohne Nahrung? Dies ist nicht so schwierig wie Sie vielleicht denken. Die aufgenommenen Nährstoffe werden nur zu 1/3 für die allgemeinen Körperfunktionen verwendet, die restlichen 2/3 verbraucht der Verdauungsvorgang selbst, um Enzyme bereit zu stellen und die Darmschleimhaut stetig zu erneuern. Dieses Verhältnis setzt aber eine ideale Ernährung und gesunde Darmflora voraus. Bei industrieller Zivilisationskost und degenerierten Verdauungsorganen wird es immer ungünstiger mit evtl. über 80% Eigenverbrauch der Verdauung.
 
Eigenverbrauch der Verdauung Nährstoffe aus Depots
 
Nun wird deutlich, daß es gar nicht so unwahrscheinlich ist, diese 20-30% Nährstoffe zur Körperversorgung aus den Depots des Körpers bereit zu stellen.
 
Glykogen als schnell verfügbarer Energielieferant wird in Muskulatur und Leber gespeichert und reicht nur für maximal 24 Stunden. Danach erfolgt die primäre Energieversorgung aus dem Speicherfett und nur zu 3-5% wird Eiweiß für den Hirnstoffwechsel verbraucht.
 
Merke: Der Körper benötigt nur max. 1/3 der aufgenommen Nahrung für Arbeitsleistung und Regeneration. 2/3 der aufgenommenen Nährstoffe verbrauchen die Verdauungsorgane selbst zur Bereitstellung von Enzymen und Darmschleimhaut.
 
Funktion der Verdauung im Nahrungsprogramm
 
Diese Black Box „Verdauung" wollen wir uns nun etwas näher anschauen.
 
Die Nahrung kommt über den Magen in den Darm, wird durch Enzyme der Bauchspeicheldrüse und die Galle verdaut (d.h. in ihre Grundbausteine zerlegt), resorbiert (durch die Darmwand in den Körper aufgenommen) und via Pfortader zur Leber transportiert. Dort erfolgen die komplexen Funktionen, die Sie im Abschnitt Leber kennengelernt haben: Umbau der Nährstoffe und Toxine sowie Einlagerung und Freisetzung von Stoffen zur Versorgung des Körpers. Die Nieren scheiden Toxine aus dem Blut aus. Natürlich nehmen alle Organe Nährstoffe aus dem Blut auf und Toxine werden aus dem Darm ausgeschieden.
 
Funktion der Verdauung im Fastenprogramm
 
Entfällt die Nahrungsaufnahme und wird gleichzeitig der Darm entleert, kommen keine resorbierten Grundbausteine mehr an der Leber an. Dies ist das Signal für einen Umschaltprozeß.
 
Die Leber nimmt vermehrt fertige Nährstoffe aus den Depots des Körpers auf, die Umbauarbeit der Grundbausteine in brauchbare Nährstoffe entfällt. Die freigewordene Kapazität nutzt die Leber nun zu Toxinabbau und eigener Regeneration.
 
Der Darm wird befreit von der Verdauungsarbeit. Die durch die Nahrung und die schädlichen Darmbakterien verursachten Gärungs- und Fäulnistoxine entfallen. Der Darm schaltet um auf Ausscheidung und eigene Regeneration.
 
Die Bauchspeicheldrüse reduziert die Bildung von Verdaungsenzymen und schaltet um auf Regeneration und Ausscheidung.
 
Das Blut wird frei vom Transport der Verdauungsenzyme, der Nahrung und Nährstoffe. Ablagerungen, Schlacken und Toxine aus Bindegewebe, Muskulatur und Gelenken gehen vermehrt im Blut in Lösung. Dies kann zu Anfangsbeschwerden wie Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel führen. Die Ausscheidungsorgane Niere, Haut und Lunge erhöhen ihre Toxinausscheidung, da die Toxinkonzentration im Blut nun höher ist (Mundgeruch, Urin und Schweiß verändern sich). Der Organismus hat auf das Fasten-, Regenerations- und Aufbauprogramm umgeschaltet.
 
Der Kopf wird klarer, leistungsfähiger und die Konzentrationsfähigkeit erhöht sich. Das Schlafbedürfnis reduziert sich. Die Muskulatur wird geschmeidiger, die Gelenke beweglicher, evtl. Schmerzen nehmen ab. Die Haut wird reiner, die Poren kleiner, Unreinheiten und Flecken werden reduziert.
 
Merke: Der Körper hat zwei unterschiedliche Funktionsprogramme.
 
1. Das Programm Versorgung aus resorbierten Nahrungsbestandteilen.
 
2. Das Programm Versorgung aus Depots und Nährstoffspeicher.
 
Die eingeleitete Darmentleerung ist der Umschaltimpuls auf das 2. Funktionsprogramm.
 
3.2 Fasten als Therapie und Prävention
 
Die Toxinansammlung als Ursache vieler Krankheiten ist bereits bekannt. Somit können wir nun auch den Rückschluß ziehen, daß die Reduzierung der Toxine, Erkrankungen heilt oder ihnen vorbeugt.
 
3.2.1 Erkrankungen des Verdauungsapparates
 
Häufige Verstopfungen (jeder nicht-tägliche Stuhlgang ist Verstopfung!), mit zeitweise jahrelanger Einnahme von Abführmitteln führen zu Darmdegeneration, Divertikeln und deren Entzündungen. Der Stuhl ist ein Ausscheidungsprodukt und sollte so schnell wie möglich den Körper verlassen. Bei Stauungen gibt es Rückvergiftungen. Die klassische Migräne ist zu 80% eine solche Rückvergiftungsreaktion und ist in diesem Maße auch mit Fasten und Darmreinigungen heilbar.
 
Die Leber lagert Toxine, die sie nicht abbauen kann, in Fetttröpfchen innerhalb ihrer Zellen ein. Geschieht dies über mehrere Jahre werden die Fetteinlagerung immer mehr und es kann sich eine Fettleber entwickeln. Durch fortschreitende Degeneration und narbigen Umbau der Leberzellen wird aus der Fettleber eine Leberzirrhose. Im Gegensatz zur irreversibel geschädigten Leberzirrhose ist die Fettleber regenerationsfähig und spricht sehr gut auf Fasten an. Die Energie des Fettes wird beim Fasten aufgezehrt, die Toxine abgebaut und ausgeschieden.
 
Steine oder Grieß aus der Gallenblase können durch die Ruhigstellung der Verdauungsarbeit in Bewegung kommen und über den Darm ausgeschieden werden.
 
Das Insulin der Bauchspeicheldrüse hilft den Körperzellen, Glukose durch die Zellmembran in das Zellinnere zu schleusen. Es führt den Zellen Energie zu und senkt dadurch den Blutzuckerspiegel. Hierfür hat die Zellmembran Rezeptoren, an diese dockt das Insulin an, um dem Zucker das „Zelltürchen" zu öffnen. Bei unserem Überangebot an Glukose und gleichzeitigem Bewegungsmangel reduzieren die Zellen die Rezeptoren, Glukose bleibt im Blut und der Zuckerspiegel steigt an. Geschieht dies über Jahre, kann sich ein Altersdiabetes ausbilden. Fasten reduziert den Zuckerspiegel und vermindert die Gefahr des Diabetes oder kann die Heilung eines bereits bestehenden Altersdiabetes unterstützen.
 
3.2.2 Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systemes
 
Ablagerungen an den Gefäßwänden werden während Fastenzeiten schnell abgebaut, zerlegt und ausgeschieden. Durch diverse Toxine wird das Blut dickflüssig, die Viskosität steigt an und zwangsläufig auch der Blutdruck, um das dicke Blut noch durch die feinen Gefäße zu transportieren. Der Abbau der Toxine macht das Blut dünnflüssiger, und der Blutdruck sinkt oft bereits nach wenigen Tagen erheblich.
 
Auch für Krampfadern sind Toxine und dickes Blut mitverantwortlich. Dickes Blut schädigt die Venenklappen und verursacht eine Nährstoffunterversorgung des Venengewebes, was eine Degeneration beschleunigt. Fasten kann Venenleiden vorbeugen und ist auch bei bereits geschä- ........ digten Venen sinnvoll. Eine Regeneration ist jedoch schwierig und es kann meist nur ein zeitweiser Stillstand der Degeneration erreicht werden.
 
3.2.3 Erkrankungen des Rheumatischen Formenkreises
 
Hierzu zählen alle Erkrankungen des Bewegungsapparates, Gicht, Arthrose, Arthritis, Rheuma. Jede dieser Erkrankungen entsteht durch Ablagerung der Harnsäure (ein Abbauprodukt des Eiweißstoffwechsels) in den Gelenken oder im Bindegewebe. Die Kristalle verursachen durch kleinste Verletzungen eine Entzündung im Gewebe und das Erscheinungsbild mit starken Schmerzen entsteht. Bei Arthrose gibt es keine Entzündung, sondern durch die Kristalle werden die Gelenkknorpel zerstört. Schmerzen setzen erst ein, wenn die Knochen schon direkt aufeinander reiben. Beim Fasten entsteht durch Eiweißentzug keine Harnsäure mehr. Die Nieren können ihr Ausscheidungsdefizit nachholen, die Kristalle werden abgebaut und die Beschwerden häufig reduziert oder beseitigt.
 
3.2.4 Hautkrankheiten Ekzeme, Furunkel, Akne, selbst Psoriasis (Schuppenflechte) und Neurodermitis entstehen durch fehlgeleitete Ausscheidungsversuche auf das Ausscheidungsorgan Haut eines toxinüberlasteten Körpers. Werden dem Körper durch Nahrungsentzug weniger Toxine zugeführt und durch Fasten die Ausscheidung erhöht, erübrigen sich diese Ausscheidungsreaktionen von selbst, und sie verschwinden häufig erstaunlich schnell.
 
3.2.5 Infektionen der Nieren, Blase, des Hals- und Rachenraumes Jedes Tier und jedes Kind verweigert natürlicherweise bei Infektionen die Nahrung. Der Körper wird frei von der Belastung der Verdauung und kann mit allen seinen Kräften die Infektion angehen. Der Körper hat mehr Reserven und Stoffe zur Immunabwehr. Durch Ausscheidung der Säuren wird der pH-Wert des Gewebes basisch, das Milieu für die Mikroben ungünstiger und für die Immunabwehr förderlicher.
 
3.2.6 Regelbeschwerden und Fehlgeburten Die Menstruation der Frau ist ein wichtiger Ausscheidungsvorgang - ähnlich wie ein Aderlaß. Diese zusätzliche regelmäßige Ausscheidung hat die Natur deshalb eingerichtet, weil Frauen in Schwangerschaftszeiten für zwei Organismen Toxine entsorgen müssen.
 
In den Schwangerschaftszeiten sind die Ausscheidungsorgane der Mutter mit der Entsorgung von zwei Organismen häufig überlastet. Es besteht die Gefahr der Dauerschädigung der mütterlichen Organe. Der mütterliche Körper hilft sich aus Selbstschutz durch Abstoßung des Embryos, es kann zur Fehl- oder Frühgeburt kommen.
 
Wenn wir die Überlegung weiter führen ergibt sich der logische Schluß: Sieht der mütterliche Körper von Anfang an nicht die Chance ein Kind auszutragen, kommt erst gar keine Befruchtung zustande. Wird nun durch Fasten das Toxinniveau gesenkt kommt es plötzlich zur Befruchtung oder es kann nach mehreren Fehlgeburten ein Kind ausgetragen werden.
 
Als Zeichen wird das Menstruationsblut nach längerer Fastenzeiten frei von übermäßigen Toxinen und nimmt eine mehr und mehr hellrote Färbung an.
 
3.2.7 Psychische Störungen, Depressionen, Streß
 
Unser Nervensystem hat zwei Grundprogramme. Den Sympathikus fürs „akute" Überleben (Kampf, Flucht mit Streß und schnellen Reaktionen) und den Parasympathikus fürs dauerhafte Überleben (Regeneration und Verdauung). Normalerweise sollte zwischen diesen beiden Programmen ein ausgewogenes Verhältnis bestehen. Unser Lebensstil aber ist geprägt von stetem Streß und sympathikotoner Aktivität. Mit dem Umschalten ins Fastenprogramm schaltet der Körper auch vermehrt ins parasympathikotone Programm um. Die Reaktionsgeschwindigkeit wird langsamer, der Mensch wird ruhiger und gelassener. Wenn dieser Vorgang mit begleitenden psychischen Maßnahmen unterstützt wird, hilft Fasten sehr gut bei allen depressiven und neurotischen Beschwerden.
 
Depressionen haben oft auch einen rein organischen Ursprung, sog. endogene Depressionen. Sie haben ihre Ursache in Störungen im Hormon- und Toxinabbau des Leberstoffwechsels. Der Leberstoffwechsel wird natürlicherweise beim Fasten regeneriert und verbessert, die Depression gemildert.
 
3.2.8 Narben, Verwachsungen, Myome
 
Auch da, wo es oft niemand vermutet, hilft das Fasten. Der Körper baut das ab, was ihn stört. Dazu gehören auch die narbigen Verwachsungen und Myome, selbst bösartige Krebsgeschwüre können in Fastenzeiten kleiner werden oder verschwinden.
 
Merke: Fast alle degenerativen Zivilisationskrankheiten gehen auf die Ansammlung von Toxinen und Stoffwechselendprodukte der Zellen zurück. Eine Reduzierung derselben lindert die Beschwerden, ja kann die Erkrankungen an ihrer Ursache heilen.
 
3.3 Fasten für natürliche Schönheit von innen
 
Viele der oben genannten Erkrankungen gehen mit kosmetischen Beeinträchtigungen einher. Ganz natürlich reduzieren sich mit den Krankheitssymptomen auch die kosmetischen Schönheitsfehler.
 
Bei Hauterkrankungen und Venenleiden (Besenreiser, Krampfadern) ist Ihnen nun inzwischen der Zusammenhang sicher deutlich, aber welche Auswirkungen haben innere Erkrankungen? In der Naturheilkunde gibt es einen ganzen Diagnosebereich, der sich mit den Krankheitszeichen im Gesicht und am Körper beschäftigt die sog. Pathophysiognomie. Diese Krankheitszeichen sind allesamt nicht gerade Vorteilhaft für das Aussehen.
 
Einige Beispiele:
 
Die Lippen stehen als Zeichen für den Darm. Ideale Lippen sollten kirschrot mit einem scharf umgrenzten Rand zum umliegenden Hautgewebe sein. Oft sind sie aber fast hautfarben mit ganz verwaschenen Rändern. Dies kostet manche nicht nur gehörige Mengen Lippenstift, sondern ist ein klares Zeichen für einen stark degenerierten Darm.
 
Ebenso ist die Gesichtsfärbung ein Indiz für innere Stoffwechselvorgänge. Normale Gesichtshaut ist zartrosa, wie es ein ideales Make up vortäuscht. Gelb-orange Färbung deutet auf eine Leberstörung hin, violette bis grüne Färbung auf starke Toxineinlagerungen, Stoffwechselschwächen zeigen sich durch weißlich blasse Farbe und die globale Degeneration verläuft in Stufen von hellbraun über dunkelbraun bis grau.
 
Auch Nagelfehler wie Flecken, Längs-, und Querrillen zeigen auf Stoffwechseldegenerationen hin.
 
Ein gesunder Körper hat auch einen gesunden und vitalen Haarwuchs. Bei Toxinbelastungen wird das Haar spröde und fällt gar aus, wie bei starken Vergiftungen z.B. bei der Chemotherapie.
 
Man kann sagen, daß sich durch regelmäßiges Fasten viel Geld für Make up sparen läßt!
 
Ein kleiner Oberflächenvergleich als Rechenbeispiel soll Ihnen die richtigen Relationen aufzeigen:
 
Gesicht : 220 qcm
Körper : 20 000qcm
Lunge : 700 000 qcm
Darm : 6 000 000 qcm
 
Vergleichen Sie doch nur einmal für sich die Zeit und das Geld, das Sie zur Pflege der einzelnen Bereiche verwenden, mit der entsprechenden Größe der Oberfläche!
 
Merke: Die Darmfunktion ist die Basis für alle Körperfunktionen und die Haut, Haare und Nägel nur deren Spiegel.
 
Durch das Fasten reduzieren sich viele Schönheitsfehler, die Haut wird rosiger und straffer, Flecken gehen zurück und die Poren verkleinern sich. Die oft so natürlich mit dem Alter akzeptierten Schönheitsfehler und Hautunreinheiten (sog. Altersflecken) sind nichts weiter als Toxineinlagerungen und müssen nicht vor dem 60. Lebensjahr sein.
 
3.4 Fasten zur Leistungssteigerung
 
Daß Sie beim Fasten nicht verhungern, haben Sie mir noch geglaubt, aber jetzt geht es doch wohl zu weit. Wie soll ich durch „nichts essen" meine Leistung noch steigern?!
 
Wieder macht es uns die Tierwelt vor. Die Zugvögel fasten auf ihrer langen Reise nach Afrika. Der Königspinguin fastet sogar 6 Monate lang. Jeder Sportler weiß: Nach schwerer Mahlzeit sinkt die Leistung.
 
Sicher werden Sie schon gemerkt haben, daß sie nach einem schweren Essen etwas müde waren und nicht ganz so leistungsfähig.
 
Jeder, der einmal gefastet hat, wird dies bestätigen: Nach 5-6 Tagen reduziert sich das Schlafbedürfnis auf ca. 5-6 Stunden, die geistige Klarheit und Konzentrationsfähigkeit nimmt zu. Die körperliche Ausdauerleistung steigert sich wie Fasten-Wander-Seminare mit Tagesstrecken bis zu 20-30 Kilometer beweisen.
 
Viele Sportler und Mediziner lehnen das Fasten wegen der Gefahr des Eiweißabbaues ab. Dies ist genauso ein Ammenmärchen, wie Sportler große Proteinmengen in der Nahrung brauchen. Das Gegenteil beweisen inzwischen mehrere, vegetarisch lebende Spitzensportler. Beim Fasten wird nur das an Eiweiß abgebaut, was der Körper nicht mehr benötigt. So ist während Fastenzeiten eine sportliche Betätigung bis höchstens 60% der normalen Maximalleistung für den Erhalt der Muskulatur ausreichend und sogar notwendig - aber nicht mehr!
 
Fastenzeiten (bis maximal 6-10 Tagen) sind gerade für Sportler ideale Regenerationszeiten, in denen der Organismus die Verletzungen durch die sportliche Aktivität regeneriert, und die Ablagerungen durch die hohe Stoffwechselaktivität in Muskulatur und Gewebe ausscheidet. Denn die Masse an Muskeln ist weniger entscheidend als die Effektivität und Geschmeidigkeit der Muskulatur.
 
Durch den Abbau von Ablagerungen und uneffektiven Muskelzellen ist der Körper nach Fastenzeiten wesentlich dehnungsfähiger, die Muskulatur reaktionsschneller und der Bewegungsablauf harmonischer. Durch die bessere Versorgung des Muskelgewebes mit Nährstoffen kann nach einer Fastenzeit die Muskelmasse sogar schnellerer aufgebaut werden.
 
3.5 Fasten zur Steigerung des Eßgenusses
 
Häufig hört man die Bedenken: Ich kann nicht fasten, ich esse und genieße doch so gern. Unsere Geschmacksnerven stumpfen für Genüsse nach einiger Zeit ab und es braucht immer höhere Dosen, um noch einen Genuß zu erleben. Während Fastenzeit regeneriert sich das Geschmacksempfinden, es wird feiner und sensibler. So z.B. das Süßbedürfnis: nach einigen Fastentagen ....... wird ein Löffel Honig zum absoluten Hochgenuß und die Schokolade, die vor dem Fasten noch herrlich schmeckte wird nach dem Fasten unerträglich süß.
 
Merke: Durch freiwilligen Verzicht (= Fasten) wird Genuß wieder neu erfahrbar.
 
3.6 Fasten für spirituelles Wachstum und sexuelles Erleben
 
Die Verbindung von Spiritualität und Sexualität ist für erfahrene Tantriker eine alltägliche Erfahrung. Sowohl für das spirituelle Wachstum wie auch das sexuelle Erleben ist der freie „energetische Fluß" innerhalb des Körpers von entscheidender Bedeutung. Diese fließende Lebensenergie wird gehemmt und zerstreut durch toxische Ablagerungen.
 
Toxische Ablagerungen im Muskelgewebe führen zu Verklebungen und Muskelknoten (sog. Myogelosen) mit häufig stark eingeschränkter Beweglichkeit der Gelenke. Durch unseren bewegungsarmen Lebenswandel (nötig wären 5-15 km kontinuierlicher, rhythmischer Fußmarsch täglich) tritt diese besonders im Beckenbereich auf. Das Becken ist das Zentrum für die Entstehung dieser als Kundalini-Energie bezeichneten Energieform. Die Energie wird geweckt durch sexuelle Vereinigung oder Meditation. Sie steigt die Wirbelsäule hinauf und verteilt sich im gesamten Körper. Dieser Energiefluß ist die Hauptursache dafür, warum Menschen, die seit jungen Jahren regelmäßig meditieren oder jahrzehntelang eine befriedigendes Sexualleben haben, oft wesentlich dynamischer sind und jünger, frischer ausschauen als andere.
 
Der allgemeine Toxinanstieg (besonders in den unteren Extremitäten) mit den damit gekoppelten Durchblutungsstörungen, kann bei Männern ab dem 50. Lebensjahr zu Erektionsstörungen führen. Energetische Blockaden fördern die vorzeitige Ejakulation des Mannes und Orgasmusstörungen der Frau.
 
Durch Fasten werden die Energieblockaden abgebaut, die Kundalini-Energie kann ungehindert fließen und das sexuelle Empfinden wird erheblich gesteigert. Durch den Abbau der Muskelverklebungen im Beckenbereich (gerade in Kombination mit täglichen, 3-4ständigen Wanderungen) und der erhöhten Beweglichkeit der Gelenke, werden - nach dem Fasten - zuvor unbequeme sexuelle Stellungen ohne Krämpfe und eingeschofene Beine plötzlich spielend möglich.
 
Der von F.X. Mayr überlieferte Spruch bestätigt dies:
 
In der Kur, von Lust und Liebe keine Spur,
 
hinterher, um so mehr!
 
3.7 Fasten zur Steigerung der Sensibilität und des Körperbewußtseins
 
Dies ist der absolut wichtigste Grund für das Fasten überhaupt. Es reicht nicht in Fastenzeiten das Toxinniveau zu reduzieren und hinterher genauso weiterzuleben wie bisher. Das Fasten sensibilisiert unser intuitives Empfinden für das was uns natürlich guttut und das was uns schadet oder belastet. Das Verhalten nach dieser Intuition auszurichten ist der eigentliche Garant für eine anhaltende Gesundheit und Beschwerdefreiheit.
 
Unsere Geschmacksempfindungen werden durch chemische Aromastoffe und Geschmacksverstärker in unserer Industrienahrung verzerrt. Während der Fastenzeit steigt das Geschmacksempfinden zu einer überraschenden Sensitivität. Dies wird besonders gefördert durch die bewußt harmonisch aufeinander abgestimmten fünf Geschmacksrichtungen (süß, sauer, salzig, bitter, scharf) der. Auf diese Sensitivität sollte nach dem Fasten bei der Nahrungsmittelauswahl geachtet werden.
 
Auch psychisch werden wir sensibler für Situationen und Menschen die uns nicht guttun und eine negative energieraubende Wirkung auf uns haben. Damit umgehen zu lernen ist ein weitere Aufgabe nach dem Fasten.
 
Das Fasten macht uns unsere Leistungsgrenzen bewußter. Es hilft uns zu lernen in dieser streßgeladen Zeit unsere Energien auf uns zu zentrieren und uns nicht in Hektik und Streß zerstreuen zu lassen.
 
Hier helfen Meditationen und Übungen zur Förderung des Körperbewußtseins.
 
3.8 Männer und Fasten
 
Frauen haben grundsätzlich ein höheres Körperbewußtsein durch die unüberhörbaren, regelmäßigen, hormonellen Signale. Zudem verläuft die Toxinverarbeitung deutlicher und spürbarer weil größere Mengen umgesetzt werden können. So gehen Frauen meist bewußter und achtsamer mit ihrem Körper um. Frauen kränkeln zwar oft frühzeitig, doch Männer übergehen meist erste ernste Symptome und die Erkrankung führt schneller zum Tode.
 
Die Frau hat mit der Menstruation einen Ausscheidungsweg mehr als der Mann und somit im Toxin-Überlebenskampf einen Trumpf in der Tasche.
 
Für Männer ist es darum in unserer heutigen toxikologischen Situation besonders wichtig regelmäßig zu fasten. Einmal um Toxine loszuwerden, zweitens um mehr Körperbewußtsein zu bekommen und früher auf die Signale des Körpers zu reagieren.
 
Warum tun sie es nicht?
 
Männer haben eine unglaubliche Scheu vorm Fasten. In allen meinen Fasten und Ernährungskursen sind zu 70% Frauen.
 
Merke: Fasten ist gerade für Männer lebens- und überlebenswichtig!
 
4. Grundsätzliche Überlegungen vor dem Fasten
 
Fasten bedeutet weit mehr als nur einfach mit dem Essen aufzuhören. Ein negatives Fastenerlebnis kann nicht nur schwere organische Schäden verursachen, sondern hinterläßt unter Umständen negative Erinnerungen, die einen erneuten Anlauf zum Fasten sehr schwierig machen. Damit durch das Fasten nicht organische und psychische Schäden verursacht werden müssen einige wichtige Dinge beachtet werden.
 
4.1 Wer darf nicht Fasten?
 
Menschen mit psychischen oder organischen Störungen können das Fasten nur mit Einschränkung oder evtl gar nicht durchführen. Unser Lebensstil und Gesundheitszustand kann ebenso zu Einschränkungen führen. Gewisse berufliche Tätigkeiten oder starker Berufsstreß schließen ein berufsbegleitendes Fasten aus.
 
4.1.1 Wer darf grundsätzlich nicht Fasten?
 
Bei Kindern unter 14 Jahren besteht aus toxikologischen Gründen keine Notwendigkeit zum Fasten. Die Toxinkonzentration ist in diesem Alter normalerweise noch nicht so hoch, daß eine Fastenzeit notwendig wäre. Hin- und wieder vorkommende Wachstumsschübe benötigen ohnehin schon alle vorhandenen Nährstoffe. Wenn unglücklicherweise ein Wachstumsschub mit einer Fastenzeit zusammentrifft, könnte dies zu Schäden führen.
 
Es treten jedoch in den letzten Jahren bei vielen Kindern Allergien, Neurodermitis und andere Störungen des Immunsystemes auf. Diese sind häufig nahrungsmittelabhängig und lassen sich sehr gut mit Unterstützung von Fasten oder Diäten therapieren. In diesem Fall nimmt man die Risiken des Fastens in Kauf, da der Schaden durch diese Erkrankungen wesentlich höher ist, als die durch Fastenzeiten entstehenden Belastungen. Dies sollte jedoch nur unter Betreuung eines fastenerfahrenen Arztes oder Heilpraktikers in Verbindung mit naturheilkundlichen Medikamenten erfolgen.
 
Während der Schwangerschaft sind die Ausscheidungsorgane der Frau bereits bis an ihre Grenze belastet und nicht selten sogar um ein mehrfaches darüber hinaus. Eine zusätzliche Toxinfreisetzung durch eine Fastenzeit würde zu einer nicht vertretbaren Zusatzbelastung führen. Bei einer derartigen Erhöhung des Toxinvolumens besteht die Gefahr der dauerhaften Schädigung des Fötus und der inneren Organe der Schwangeren.
 
Genau wie eine Schwangerschaft bedeutet auch die Stillzeit mit der Nährstoffbereitstellung für den Säugling einen höheren Energieumsatz und ein vermehrtes Toxinaufkommen. So sollten durch Fastenzeiten nicht noch mehr zehrende Faktoren hinzukommen.
 
Auf keinen Fall länger als 5 Tage fasten sollten Menschen mit starken Darmmykosen. Durch Darmsanierungstherapien hat man in den letzten Jahren festgestellt, daß die Mykosen nach 5-9 Tagen „Hungerns" durch die Darmwand über die Blutbahn in die verschiedensten Organe (meist Leber und Lunge) auswandern, dort zu noch schwerwiegenderen und kaum therapierbaren Mykosen führen.
 
Ebenfalls vom Fasten absehen sollten stark Untergewichtige und Menschen mit zehrenden Erkrankungen wie Tbc, Schilddrüsenüberfunktion, etc. Hier bieten sich Entgiftungskuren mit diätischer Begleitung an.
 
4.1.2 Fasten unter Anleitung eines Fastenleiters
 
Wenn Sie krank sind oder sich krank fühlen, können unangenehme Heilungs- und Reinigungsreaktionen auftreten, wie Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Aufstoßen und Sodbrennen sowie eine kurzzeitige Verstärkung der Krankheitssymptome. Die sind durch eine erfahrene Betreuung oft sehr einfach und schnell zu regulieren, können einem unerfahrenen Fastenden das Fasten aber so verleiden, daß es abgebrochen wird.
 
Allen, die zu Depressionen oder schwermütigen Stimmungen neigen hilft eine psychische Betreuung durch einen Fastenleiter oder die Unterstützung mehrerer Fastengenossen in einer Gruppe.
 
Sollten Sie täglich Genußgifte wie Kaffee, schwarzen Tee, Alkohol, kohlensäurehaltige Getränke, Zucker, Auszugsmehle oder Nikotin zu sich nehmen, ist von einer Fastenzeit im Alleingang auch abzuraten. Durch die Zufuhr darin enthaltener saurer Toxine oder erhöhten Verbrauch basischer Mineralstoffe durch diese Genußgifte, wird der gesamte Organismus stark übersäuert. Die Ausscheidungsreaktionen des Körpers sind hier oft sehr heftig und müssen unterstützend korrigiert werden.
 
Als einfach durchzuführende und hinreichend exakte Kontrolle dient der pH-Speicheltest. Er ist von jedem durchzuführen und bringt ausreichend verwertbare Ergebnisse, ob dem Körper genügend basische Mineralstoffe zur Ausscheidung der sauren Toxine zur Verfügung stehen.
 
Vor dem Test darf 2 Stunden nicht gegessen oder irgend etwas wie z.B. Getränke, Bonbons, Kaugummi in den Mund eingebracht oder Zigaretten geraucht werden.
 
Sammeln Sie etwas Speichel auf der Zungenspitze und tupfen Sie mit einem pH-Teststreifen (Bereich 4,9-7,9 möglichst fein abgestuft) in den Speicheltropfen. Dieser so gemessene Ruhespeichel sollte zwischen pH 6,1 und pH 6,7 liegen.
 
Nun trinken Sie einen Schluck Zitronensaft-Wasser-Gemisch (1:1), spülen es einige Sekunden im Mund und schlucken es dann hinunter. Diesen Säureeinbruch im Mund korrigiert der Organismus jetzt normalerweise mit einem extrem basischen Speichel. Nach 5 Minuten messen Sie wieder den pH-Wert des Speichels und sollten nun einen Wert von über pH 7,6 erhalten.
 
Liegt Ihr Ruhespeichel unter pH 6,1 oder der Belastungsspeichel unter pH 7,0, sind begleitend zum Fasten unbedingt stützende basische Maßnahmen durchzuführen, die eine qualifizierte therapeutische Betreuung notwendig machen.
 
Wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie alleine fasten können, dann fasten Sie das erste Mal zumindest unter Begleitung eines erfahrenen Fastenleiters.
 
4.1.3 Fasten mit medizinischer Betreuung durch Heilpraktiker oder Arzt
 
Jeder, der Medikamente nimmt, darf nur unter Betreuung eines Arztes oder Heilpraktikers fasten. Fast jeder Kräutertee stellt medizinisch betrachtet bereits ein Medikament dar, und auch die Anti-Baby-Pille ist ein Medikament! Ist dieses Medikament verschreibungspflichtig, darf nur unter Betreuung eines fastenerfahrenen Arztes gefastet werden. Es könnte eine Dosierungsänderung notwendig werden, die nur ein Arzt vornehmen darf.
 
Auch bei schwerwiegenden Erkrankungen, wie Immunstörungen, Allergien, Asthma, Rheuma, Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen etc. sollte eine medizinische Betreuung durch einen Heilpraktiker oder Arzt erfolgen.
 
Es gibt natürlich immer Grenzfälle, und wer ist heute schon noch ganz gesund? Deshalb prüfen Sie gewissenhaft Ihre eigenen Fähigkeiten oder die Qualifikation Ihres Fastenleiters, Heilpraktikers oder Arztes und gehen Sie im Zweifelsfall den sicheren Weg. Sollte etwas schiefgehen, müssen Sie die Konsequenzen davon tragen und mit den entstandenen Schäden leben.
 
4.1.4 Wer darf nicht im Beruf Fasten?
 
Beim Fasten verlangsamt sich das Reaktionsvermögen. Aus diesem Grund ist bei allen Berufen die eine schnelle Reaktion erfordern vom Fasten abzuraten, wie Berufskraftfahrer, Kranführer, bei Arbeiten an gefährlichen Maschinen etc.. Hierzu sollten Sie sich einige Tage Urlaub gönnen und ich kann versichern, man kann seinen Urlaub nicht sinnvoller einsetzen.
 
4.2 Fasten im Berufsalltag
 
Fasten im Berufsalltag ist durchaus möglich und kann die berufliche Arbeit sogar unterstützen und befruchten. Es sollten nur einige wesentliche Mechanismen des fastenden Organismus berücksichtigt werden.
 
Während des Fastens wird die Aktivität des Sympathikus reduziert und der Parasympathikus erhöht. Dies führt zu reduzierter Reaktionsfähigkeit und Schnelligkeit.
 
Dieser Verlust an Geschwindigkeit und Schnelligkeit macht der Organismus wett durch deutlich höhere Krativität. Diese kreative Phase können Sie im Beruf gezielt ausnutzen und anschließend neue innovative Impulse setzen.
 
Durch die reduzierte Arbeitsgeschwindigkeit sollten Sie bei allen Tätigkeiten ca. 30% mehr Zeit einkalkulieren. Dies können Sie erreichen durch Ausnutzung der Gleitzeitregelung, durch Vorarbeiten, durch gezieltes Plazieren der Fastenzeiten über Feiertage und Brückentage. Im Zweifelsfall planen Sie einige Urlaubstage ein. Legen Sie zumindest die kritische Zeit der Einstiegs- und Aufbautage auf die Wochenenden oder andere arbeitsfreie Tage.
 
Seien Sie sich bewußt, daß Ihre psychische Sensibilität steigt und das Durchsetzungsvermögen in unserer Ellenbogengesellschaft schwieriger wird. Sie werden sensibler gegenüber „gutgemeinten" Ratschlägen und kleinen Frotzelleien. Versichern Sie sich vorher der Akzeptanz Ihrer Kollegen, informieren Sie sie über das Fasten, und sprechen Sie mit Ihnen über Ihr Vorhaben.
 
Suchen Sie sich Rückzugsmöglichkeiten bei Stimmungsschwankungen, denn die werden sicher kommen. Sollten Sie sich unsicher sein, planen Sie Ihre Fastenzeit besser im Urlaub - zumindest das erste Mal.
 
Durch die Reinigung und Ausscheidung verändert sich auch Ihr Atem- und Körpergeruch. Dies kann zumindest bei einer Arbeit mit Kundenkontakt zu Unannehmlichkeiten führen.
 
Wenn ein so wichtiger Faktor im Leben wie die tägliche Ernährung zweitrangig wird, treten andere Dingen ebenfalls in ihrer Wertigkeit zurück. Sie werden sich ganz schnell klar darüber, was wesentlich ist in Ihrem Leben. Eine Gefahr besteht allerdings dann, wenn plötzlich die tägliche Arbeit als unwesentlich und als nicht ausreichend sinngebend erkannt werden sollte.
 
4.3 Fasten im Familienalltag
 
Nicht nur Ihre Arbeitskollegen, auch Ihre Familienmitglieder sollten Sie ausreichend informieren und aufklären. Sichern Sie sich die nötige Akzeptanz für Ihr Vorhaben, insbesondere wenn Sie allein ohne die gegenseitige Unterstützung einer Gruppe fasten wollen. Informieren Sie auch die Nachbarn und weitere Verwandte, wenn Sie es für notwendig erachten.
 
Berücksichtigen Sie wichtige Familienfeiern und Geburtstage bei der Auswahl des Fastenzeitpunktes. Sie sollten es sich wegen einer Fastenzeit auch nicht mit der Lieblingstante verscherzen, indem Sie auf deren Geburtstag nichts essen und nur Wasser und Tee trinken.
 
Die gewohnte Umgebung und die Alltagsroutine können zu kleinen Naschereien verführen. Plötzlich steckt etwas im Mund und sie haben es noch nicht einmal gemerkt. Nach drei Tagen können Sie im allgemeinen anderen beim Essen gut zuschauen. Sind Sie sich sicher, daß die anderen auch Ihnen beim Nichtessen zuschauen können?
 
Sollten Sie Ihre Familie mit Essen versorgen müssen, stellt dies meist auch kein Problem dar, da Sie nach drei Tagen keinerlei Hunger verspüren. Das von Fastenden gekochte Essen schmeckt sogar oft doppelt gut, kommt häufig als Kompliment von den Familienangehörigen fastender Köche/innen. Die gesteigerte Sensibilität und Kreativität beim Fasten ermöglicht ein abgerundetes Würzen allein über den Geruch, ohne das Gericht überhaupt zu versuchen.Sie werden durch das Fasten auch psychisch sensibler und brauchen Rückzugsmöglichkeiten. Informieren Sie die Familienangehörigen und verteilen Sie einige Ihrer Aufgaben. Geben Sie sich die Erlaubnis, sich zurückzuziehen, wenn Sie das Bedürfnis dazu haben.
 
Mit freundlicher Genehmigung als Auszug aus dem Lehrbrief „Fasten" des Fernlehrgangs Naturkost des Forum Berufsbildung e.V., Charlottenstraße 2, 10969 Berlin, entnommen.

 
zurück top Druckversion