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Brigitte Fabian, Heilpraktikerin
1. Die Sinnfrage im Überblick 2. Zusammenhänge von Sinn und Sinnlichkeit 3. Nähere Betrachtung einiger Sinne und der Sinnlichkeit selbst 4. Bedeutungsentwicklung der Begriffe Sinn und Sinnlichkeit 5. Ursachen Folgen des Sinn- und Sinnlichkeitsverlustes heute 6. Werte-Kategorien 7. Wozu das Ganze?
1. Die Sinnfrage im Überblick
Der Mensch hat genug, „wovon" er leben, aber zuwenig, „wofür" er leben kann. V.E. Frankl „Findet der Mensch auf seine Frage ‘Wozu’ in einer konkreten Situation keine Antwort, so kann er an Sinnmangel erkranken.
Sinnmangel wirkt sich auf den ganzen Menschen aus: auf Körper, Seele und Geist."
Frankl spricht hier von existentieller Frustration.
Der frustrierte Mensch wird kraftlos, matt, unzufrieden - versteht sich und andere nicht, beklagt einen Mangel an Interessen, und Initiativen, ist ratlos, ängstlich, niedergeschlagen, abwehrend - denkt häufig negativ, und hat wenig Hoffnung auf Veränderung. Er fühlt sich oft leer, ausgelaugt, unsicher, sein Welt- und Werteverständnis ist eingeschränkt. Er lebt wie in einem Vakuum.
Die Sinnfrage bricht in Übergangssituationen und -zeiten auf.
Übergangszeiten sind Zeiten, in denen Konflikte und Krisen das Leben beeinträchtigen - z.B. Partnerwechsel, Trennung, Abschied, Tod, Berufswechsel, Pubertät, Wechseljahre usw.
Aber auch in Zeiten, in denen das Leben so dahinplätschert, es uns eigentlich an nichts zu fehlen scheint, geraten wir manchmal plötzlich in dieses Vakuum.
Die meisten Menschen der westlichen Welt, leben in einem Sicherheits- und Anspruchsdenken, das mehr und mehr von medial vermittelten Wert- und Wunschvorstellungen beeinflußt wird. Niemand will auf seine Bedürfnisbefriedigung verzichten. Wie gut es uns geht, wird nicht mehr gewürdigt.
Beziehungslosigkeit ist häufig die Folge.
Hans Küng reflektierte über dieses Thema wie folgt.
Wir Menschen, und wir Menschen allein, sind sinnsuchende Wesen. Einen tieferen Lebenssinn gewinnen wir aber nur dadurch, daß wir unser Leben auf eine Tiefendimension hin öffnen.
Dadurch daß wir bei allem Leben und Erleben und bei allem Arbeiten und Verarbeiten in erster und letzter Instanz uns doch auf etwas verlassen, dessen Quelle wir nicht selber sind.
Einen alles übergreifenden, alles umgreifenden Sinn im Leben gewinnen wir nur, indem wir inmitten allen Erlebens mit guten Gründen ein Vertrauen auf diese verborgene Wirklichkeit setzten:
ein durchaus vernünftiges Vertrauen auf jenen allerersten-allerletzten Sinn-Grund, der uns zu tragen, zu durchdringen, zu geleiten vermag, und den wir mit dem viel mißbrauchten und geschändeten Namen „Gott" bezeichnen.
Selbstverständlich geht es nicht in jedem Moment um die Frage nach dem Sinn des Lebens an sich, sondern mehr um den Sinn in einer speziellen Lebenssituationen. Immer stehen wir, da menschliches Leben entscheidendes und wagendes Leben ist, an einer Kreuzung. Wir haben die Freiheit und die Pflicht zu entscheiden, in welche Richtung wir gehen. Und wir müssen die Verantwortung für unsere Entscheidung übernehmen.
Sinn muß gefunden werden, und zwar in jeder konkreten Situation.
Sinnvolles Leben ist die Antwort auf die Frage, wie ich mich in jeder Situation mit meinem ganzen mir zur Verfügung stehenden Potential einbringen kann: mit meinem Wollen, meinem Fühlen, meinem Denken. - wie ich mich kreativ einsetzen kann im Respekt vor meinen Grenzen sowie in der Auseinandersetzung mit meinen Spielräumen, meinen Änderungsmöglichkeiten, für die ich frei bin, in denen ich Werte erkenne, nach denen ich (sinnvoll ) handeln kann, also das Bestmögliche aus einer Situation, aus den Umständen, dem Schicksal machen kann.
In bezug auf Krankheit - ich rede hier im Rahmen einer Vortragsreihe, die heißt, „Gesundheit - die hohe Kunst des Lebens" also in Bezug auf Krankheit ist es eigentlich nicht so wichtig, woran ein Mensch leidet, sondern vielmehr, wie er die Krankheit annimmt - oder ob er sich ihr entziehen will, sie abgeben will beim Arzt, in der Klinik, im Krankenhaus. Wichtig ist, welche Antwort der Mensch auf die Krankheit gibt, wieviel Verantwortung - darin liegt das Wort „Antwort" - er bereit ist, zu übernehmen, wie er sein Leid erträgt und wofür, welche Werte ihm trotz des Leidens das Leben lebenswert machen - und dadurch dennoch sein Leben gelingen lassen.
Glück ist Gelingen des Lebens.
Nur der wird seinen Weg finden, der sein Ziel sehen kann, der sich auf den Weg macht.
An dieser Stelle - besonders, wenn es um Sinnverwirklichung geht, wird es in mir ganz still.
Nur Demut, aus der heraus ich mich - wie Hans Küng sagt - einer tieferen Dimension hin öffnen kann, dessen Quelle ich nicht selber bin - nur aus dieser Demut heraus kann ich das Vertrauen schöpfen, einen möglichen Sinn erkennen - und verwirklichen zu können, und zwar - durch mein Bemühen, mich mit jedem Hindernis, jedem Problem, jeder Herausforderung kreativ auseinanderzusetzen und mich darauf einzulassen.
Überleben kann nur, wer um einen Sinn weiß, den er in Zukunft zu verwirklichen und zu erfüllen hat.- sagt Frankl.
Das Wort Überleben hat Frankl an dieser Stelle sicher aus der Situation im Konzentrationslager gebraucht, wo es wirklich nur noch um Überleben ging, wo von Leben - wie wir es heute verstehen - eigentlich gar nicht mehr gesprochen werden konnte.
Ich möchte heute behaupten, daß nur der Mensch gesund bleiben und leben kann, - - d.h. ökonomisch und ökologisch mit sich selbst - also seinem Körper, seiner Seele, seinem Geist - aber auch mit den ihn umgebenden Menschen - also in seinen sozialen Beziehungen - und mit der ihn umgebenden Natur, daß nur der Mensch subjektiv gesund bleiben kann, der immer wieder den Willen zum Sinn entwickelt und verwirklicht.
Es geht im Leben eines jedes einzelnen Menschen darum, seine Einmaligkeit zu entfalten, zu werden, wer wir sind, und vor allem, wer wir werden können -. Scheitern und Irrwege eingeschlossen - Unterlassungen ebenso. Es geht, (wenn wir gesund bleiben wollen) darum, den Aufruf des Lebens an uns zu vernehmen, und dann zu entscheiden, mit allem Mut und aller Angst die dieser Entscheidung inne wohnen, zu entscheiden, ob es für uns Sinn macht, diesem Aufruf zu folgen oder ob es einen anderen Sinn gibt, der in dem Moment stärker ist, mehr Gewicht hat - sinnvoller erscheint.
Dabei ist es gar nicht so leicht zwischen Bequemlichkeit und Angst vor dem Ungewissen, zwischen wahrer Verantwortung und vorgeschobenen Pflichten, zwischen Neugier und Abenteuerlust, zwischen Liebe und Machtstreben zu unterscheiden.
Soviel vorab zum Sinn.
>b>2. Zusammenhang von Sinn und Sinnlichkeit
Der Mensch reift zum Menschen, weil es ihm gelingt, das Göttliche über die Sinnlichkeit zu erfahren und zu leben (H. Teusch)
Wie nun hängen Gesundheit und Ökologie mit dem Thema Sinnlichkeit zusammen, wie Sinnlichkeit mit Sinn und wie Sinn mit Sinnlichkeit? Was verstehen Menschen von heute darunter?
Nun, ich habe viele Menschen befragt und gebeten, ganz spontan, ohne lange zu überlegen in möglichst wenigen Worten zu beschreiben, was sie unter Sinn verstehen, was unter Sinnlichkeit.
Einige Antworten will ich aufführen:
1. Was verstehst Du unter Sinn -
2. was unter Sinnlichkeit?
Frau, Angestellte 46: Zufriedenheit alles mit dem Einsatz aller Sinne erleben
Mann, Informatiker, 43 Das Rationale des Zustandes der Sinnlichkeit Hochgefühl, das man nicht beschreiben kann
Junger Unternehmer, 23 sinnvoll, Tagesplanung, warum, wozu Gefühl, einfühlsam sein, Geborgenheit, Ruhe und Kraft
Studentin Marketing, 21 Idealismus, Verstand, Berechnung Liebe, Romantik, Küssen
Unternehmensberater, 50 Sinn erfüllen, Werte verwirklichen Sensitivität, sinnlicher Mund, Sinnlichkeit ist etwas Leises
Bankmann, 40 Sinne - Hören Sehen etc. Eindrücke der Natur auf die Sinne wirken lassen - alles, was vorbehaltlos auf die Sinne wirken kann, Lagerfeuer, Natur,
Arzt, 38 Lebenssinn, Lebensziele, Lebensinhalte mehr die körperliche Ausstrahlung, wie man wirkt
Controlerin, 50 Hirn, Verstand Einfühlungsvermögen, Erotik, Geist
Ehem. Manager, 64 zielorientiertes Handeln, das im Einklang mit meinem Ich-Sein besteht - wenn ich etwas Sinnvolles tue, mit dem ich persönlich im Einklang bin eine mit den 5 Sinnen gemachte Erfahrung, die den ganzen Menschen beeinflußt - wenn eine Erfahrung mit allen 5 Sinnen so gemacht wird, daß es bei einem Mann unterhalb des Bauchnabels ankommt
Heilpraktikerin, Trainerin, 49 Die Anforderung des Augenblicks zu erfüllen ein lustvoller Genuß bis zum Schwelgen im Exzeß aller Sinneswahrnehmungen
Lektor, 38 - nur Theoretisches macht Sinn - alle Glaubensbekenntnisse, alles, das sich in Gruppen- oder Einzelgedanken im Warum und Wofür manifestiert. Sinn gibt es nur, wenn man an die Wiederbringbarkeit glaubt. geht von einem Menschen aus, der tief empfindet und Drähte in „Wellen" hat, in die normale Menschen nicht kommen. Das ist eine Gnade des Einblicks, die zusammenhält und mit Gesundheit zu tun hat.
Nur zu Sinnlichkeit:
??? Von der Beherrschung der Erfahrungen lösen - auf natürliche Weise ins Lot kommen. Die Seele muß genug Ausdrucksmöglichkeiten haben.
Grafiker fühlen, kleben Handwerk
Mutter, 45 Wohlgefühl, wenn alle Sinne angesprochen sind, hat viel mit Frauen zu tun Ab und zu kann Sinnlichkeit mit einem Mann gelebt werden
Apotheker, 52 'was ganz Schönes! auch Sexualität, Seele, aber nicht Beate Uhse
Verkaufsmanager Begreifen der Welt mit 5 Sinnen und die Fähigkeit zu fühlen - mit der Seele
andere: etwas Persönliches, Genuß in jeder Form, Intimität, Momente der Rührung, Gefühl, Gespräch bei Kerzenschein, Romantik, Poesie
Nur zu Sinn:
• daß es einen Sinn hat • mit dem Ergebnis zufrieden sein, • daß es mich ausfüllt, • daß es Wert hat, bes. gefühlsmäßig • nicht umsonst ist • wertvoll sein • etwas erreicht zu haben • Erfüllung
Die meisten Menschen verbinden demnach Sinn mit etwas Geistigem, Vernünftigem, mit etwas, das mit unserem Verstand zu tun hat....
Sinnlichkeit hingegen scheint zunächst überwiegend profaner Natur zu sein - scheint mehr mit Genuß, mit Lust, mit Lustbefriedigung, mit Erotik, mit Sexualität, mit prallem Leben zu tun zu haben - mit Seele und Gefühl auf jeden Fall.
Meine Frage ist, ob Sinnlichkeit nicht überhaupt erst eine Voraussetzung für Sinn schafft.
Sinn ist eine der unendlichen vielen Möglichkeiten der Wirklichkeit, die jeder für sich finden kann.
Sinnfindung setzt jedoch Sinneswahrnehmung voraus. Sinn muß jeder für sich selbst finden.
Freunde, Gefährten, Ärzte und Therapeuten können einem Menschen nur helfen, das Gesichtsfeld über ihre wie auch immer und wodurch auch immer beschränkte Wahrnehmung hinaus zu erweitern. Sie können aufhellen helfen, damit sich der Horizont für Sinn und Werte erweitern kann. Sinn bleibt aber immer ganz individuell und damit auch durch die jeweilige Person und ihre Wahrnehmungsmöglichkeit begrenzt.
Beispiele:
Für den Blinden wird es keinen Sinn machen, einen Beruf zu ergreifen, in dem er mit Farben gestalten muß, so wie es für einen Tauben keinen Sinn macht, Tontechniker zu werden.
Es für einen sehr altruistischen Menschen Sinn machen, jahrelang Geld - in harter Arbeit verdient - anzusparen, um dann damit ein Sterbehospiz oder eine Leprastation zu gründen.
Für ein sehr einfaches Gemüt kann es Sinn machen, tagtäglich monotone Arbeit zu verrichten, um dadurch seine Kinder und vielleicht seine Frau zu ernähren und ihnen seine ganze Liebe zu geben.
Auch für differenzierter strukturierte Menschen, die viel mehr Möglichkeiten hätten, kann es Lebensphasen geben, wo derartige Arbeit den Sinn macht, zu überleben. Der Mensch selbst wird durch die Art seiner Tätigkeit in diesem Falle nicht abgewertet.
Für wieder jemand anderen mag der besondere Sinn seines Lebens in der Liebe zu seinen Pflanzen oder einem Tier bestehen.
Lebenssinn kann sowohl im Aufnehmen - z.B. aus der Natur oder Kultur (Musik, Kunst, Architektur etc.) bestehen, als auch in einer Aufgabe, einer Tat, einer Arbeit, im Geben von dem, was wir haben - sei es Materielles oder Herzenswärme, Geld oder Mitgefühl und Liebe - Sinn kann zum Quell von Gesundheit oder gar zur Quelle von Heilung werden.
Sinnlosigkeit oder Sinnlosigkeitsgefühle hingegen sind oft Ursache von Leiden und Krankheit.
Nicht umsonst wird in psychiatrischen Kliniken, bei Rehabilitationsmaßnahmen, in der Geriatrie so viel Wert auf Ergotherapie gelegt. All diese Maßnahmen dienen dazu, die Menschen in psychischen oder somatischen Krankheitssituationen - wobei Körper, Seele und Geist immer als Einheit zu sehen sind - über Sinneserfahrungen, also auch über Sinnlichkeit zu sinnvollem Tun zu inspirieren.
Daß diese Maßnahmen auch Beschäftigungstherapien genannt werden, läßt vermuten, warum diese Menschen, wenn sie wieder in ihrem häuslichen Alltag sind, oft sehr schnell zurückfallen in ihr Loch - denn, sie wurden manchmal nur beschäftigt, konnten zwar Sinnlichkeit entfalten, wurden aber nur ablenkt, um sich nicht mit den Ursachen ihrer Probleme, mit den Wurzeln ihrer Krankheit auseinander setzen zu müssen. An dieser Stelle gibt es sicher noch viel zu tun.
Nur Sinnlichkeit zu leben ohne Sinn ist also wie ein Vogel mit nur einem Flügel.
Auch der Film nach dem Buch von Jane Austen „Sinn und Sinnlichkeit" - Sense und Sensibility - dessen Titel m.E. nach falsch übersetzt worden ist - es sind wohl mehr Gefühl und Verstand gemeint - zeigt dennoch, daß der Sinn von Anstand und Etikette, wenn er der Sinnlichkeit entleert ist, krank macht.
Ein anders Beispiel aus der Musik:
Eine CD macht Sinn. Sinn der CD ist u.a. die Perfektion.
Wirkliche Musikfreaks jedoch basteln heute bereits daran herum, wieder ein Röhrengerät zu entwickeln, das dann in Aufnahmestudios eingesetzt wird, um der Perfektion der CD wieder etwas entgegenzusetzen und Musik wieder lebendiger zu machen.
Noch ein Beispiel aus dem Berufsleben:
Es könnte also durchaus ein Mensch, der z.B. therapeutisch tätig ist sagen:
Ich sehe den Sinn meines Lebens darin, Menschen zu helfen, Ihren Teil der Verantwortung an den Umständen Ihres Lebens zu tragen und unterscheiden zu lernen vom Teil, den wir wirklich „Schicksal" nennen dürfen. - zu erkennen, daß Schicksal ein geschickter Störfaktor ist, an dem wir uns weiterentwickeln können, an dem wir etwas Wesentliches für unser Leben erkennen können. Das impliziert auch Vertrauen in für uns unfaßbares Geführtsein.
Schicksal bedeutet ja oft auch Leid. Die Frage ist immer, wie er - leiden wir Schicksal?
Ein andere Frage ist:, liegt auch Sinn im für uns Unfaßbaren?
Häufig entdecken wir erst Jahre später den Sinn eines Schicksalsschlages, der uns damals als nichts anders als ungerechtes Zufügen von Leid erschien.
Zurück zum Bedingtsein von Sinn und Sinnlichkeit:
Kann ein Mensch nur durch Sinnlichkeit sich ganz einer anderen Person oder Sache hingeben und sich dadurch auf ein Objekt (eine Aufgabe, Arbeit, Tat, Gott) - das heißt auch weg von sich selbst und seinem Leiden oder seiner Krankheit ausrichten, sich transzendieren und so über sich selbst hinauswachsen und lieben?
Je mehr ich lieben kann, desto mehr kann ich mich auch selbst vergessen.
Nur über die Sinnlichkeit jedoch kann ich gleichzeitig bei mir bleiben, mich selbst wahrnehmen, mir selbst Freude verschaffen.
So zumindest erscheint es uns gesunden Menschen.
Ob diejenigen, die zu keiner Sinnesäußerung mehr fähig sind, die komatösen Patienten, die Alzheimer-Patienten oder Schwerstbehinderte, sich selbst wahrnehmen können und wie, das wissen wir nicht.
Zumindest können sie sich nicht selbst sinnvoll für uns wahrnehmbar in dieses Leben einbringen.
Andererseits geben sie denen, die sie pflegen vielleicht ihren Lebenssinn und erfüllen damit möglicherweise ihren eigenen, für uns nicht direkt wahrnehmbaren.
Es bleibt also eine tiefgehende Frage, ob - Sinnlichkeit - die ja möglicherweise zunächst ganz profaner Lustbefriedigung dient (Essengenuß, Erotik, Sexualität, bis hin zu wahren Exzessen) nicht überhaupt erst Sinn möglich macht.
Kann ein Künstler Künstler werden, ohne seine Formen, seine Farben, den Klang seiner Worte, seine Musik über seine Sinne wahrzunehmen?
Beispiel:
Beethoven war am Ende seines Schaffens taub. Aber dieser Künstler hatte, bevor sein Gehörsinn schwand, die Sinnlichkeit des Sehens, Hörens und Erfühlens bereits verinnerlicht.
Blinde Maler haben andere Sinne verfeinert, Farbe kann gespürt werden. Versuche mit Personen, denen der Sehsinn genommen wurde, können die unterschiedlichen Qualitäten von Farben in Räumen, in die man sie hineinsetzt, wahrnehmen. Sie entfalten andere Sinne.
An dieser Stelle komme ich nicht daran vorbei, Rudolf Steiner zu zitieren, der von den 12 Sinnen des Menschen spricht. Er unterscheidet die mehr nach außen gerichteten Sinne wie den Gesichtssinn, den Gehörsinn, den Geruchssinn, den Geschmackssinn und den Tastsinn von den mehr nach innen gerichteten Sinnen. Das sind der Wärmesinn, der Sprachsinn (Wortsinn), der Gedankensinn, der Bewegungssinn, der Lebenssinn und der Gleichgewichtssinn.
Wärmesinn: richtet sich nach innen
Gleichgewichtssinn: dadurch unterscheiden wir, ob wir stehen oder liegen, nehmen wahr, ob wir im Gleichgewicht sind. Wir nehmen die Beziehung unseres Inneren zur Außenwelt wahr, innerhalb der wir uns im Gleichgewicht fühlen.
Wortsinn/Sprachsinn dadurch dringen wir in den Sinn der gesprochen Worte und das dahinter liegende Gemeinte ein, aber erst durch den
Gedankensinn: dringen wir noch mehr in die äußere Welt hinein.
Bewegungssinn durch den Bewegungssinn können wir wahrnehmen, ob wir bewegt sind, innerlich an der Muskelverkürzung oder Verlängerung, am Zustand unseres Körpers
Ichsinn Der Ichsinn nimmt mehr als die Gedanken des anderen wahr, er nimmt das Ich des anderen Menschen wahr und dringt damit sozusagen in den anderen ein.
Lebenssinn damit gehen wir in uns selber hinein, wir erfühlen uns innerlich, wir nehmen wahr, daß wir sind.
Zwischen diesen 12 Sinne
spielt sich das ab, was wir Intuition, Imagination und Inspiration nennen.
Unser Alltagsbewußtsein ist in der Regel egozentrisch, d.h. wir fühlen uns als Zentrum, alles andere rundherum ist Peripherie.
Diese Egozentrik ist Voraussetzung, ein Selbstbewußtsein bilden zu können. Sie dient allerdings nicht dazu, den Weg zum anderen zu finden. Dazu bedarf es eines sinnbezogenen Zuhörens und eine Überwindung des In-sich-gefangen-Seins, es bedarf der Übung - zum Beispiel - die Welt des Klanges sensibel, also in ihrer ganzen Sinnlichkeit aufzunehmen., wegzukommen vom ausschließlichen WAS, hin zum WIE. Sinnlichkeit hat immer etwas mit Erleben zu tun, mit erlebendem Verstehen.
Diese Fähigkeit wird heute kaum noch gefördert. Wir leben in einer Welt der Macher und Denker.
Ein namhafter Professor hat einmal zu mir gesagt: „Die Hochschulen spucken jährlich Tausende von Studenten aus, die alles wissen und nichts können." Nun, ich hoffe nicht, daß es ganz so schlimm ist - auf der anderen Seite der „Wissenden" stehen die Macher, die hemmungs- und rücksichtslos alles Machbare - ohne es mit einem gesunden Gefühl zu verbinden - auch ausführen.
Sinnlichkeit - in diesem Sinne - wird nicht mehr geschult. Im Gegenteil, Sinne verselbständigen sich, die Sinnordnung gerät aus den Fugen. Es scheint nur noch Nervenkitzel angesagt.
Kleine Kinder werden schon im Vorschulalter mit intellektuellen Lernspielen konfrontiert, nicht erfahrenes Wissen wird in sie hineingestopft, sie sitzen - anstatt mit anderen draußen zu spielen - mehr und mehr allein vor dem Fernseher oder irgendwelchen Computerspielen.
Alles Beschäftigungen, die die sinnliche Erfahrung der Welt und auch die sinnliche Erfahrung von sich selbst und in Bezug auf ihre Mitmenschen auf ein Minimum reduzieren. Ihr Erlebnishorizont ist stark eingeschränkt.
Die vermittelnde Ebene, das Herz, das gesund ausgeprägte Gefühl, kommen zu kurz. Kinder werden viel zu früh zum Urteilen aufgefordert, ohne die Möglichkeit zu bekommen, zunächst einmal ein gesundes Gefühl für Gut und Böse, für Sinn zu entwickeln, aus dem heraus menschliches Urteilen überhaupt erst möglich ist.
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