Psychologie - Der Verdrängung auf der Spur


Dr. phil. Baldur R. Ebertin, Heilpraktiker, Diplom-Psychologie, Psychotherapeut

Der Rat der Geobiologen wird heute von zunehmend mehr Menschen eingeholt, wenn es um den Kauf eines Grundstücks oder Hauses, die Miete einer Wohnung, den Verdacht auf irgendwelche krankheitsfördernden Störfelder in Schlafräumen geht. Ob die Ergebnisse der Untersuchungen aber letztlich angenommen und in die Tat umgesetzt werden, ist zunächst offen. Wenn aus geobiologischen Untersuchungen keine Konsequenzen gezogen werden, ergibt sich die Frage nach dem Warum.


A. Zweifel – Zögern – Verzicht

Kennen Sie, verehrte Leser, solche und ähnliche nachstehende Formulierungen, die darin einmünden, daß doch alles so bleiben solle, wie man es sich gewünscht hat?

„Wir müssen uns das Ganze nochmals durch den Kopf gehen lassen!“ – „Wir möchten noch eine weitere Untersuchung abwarten!“ – „Eigentlich möchten wir dieses Haus wegen seiner Lage doch gern kaufen, auch wenn es belastet ist!“ – „Das Umstellen der Möbel wird sich sehr schwierig gestalten!“

Versuche, die Klienten letztlich zu einer geobiologisch sinnvollen Entscheidung zu veranlassen, ist bei solchen Einwänden oft zum Scheitern verurteilt. Aber warum?


B. Ein tiefenpsychologischer Test

Der Arzt und Maler Dr. Heinrich Reich, dessen Foto nebenstehend abge- bildet ist, entwickelte in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts einen tiefenpsychologischen Test, der wesentlich dazu beitragen kann, das angesprochene „Warum?“ zu verstehen.

Reich hatte sich seinerzeit meditativ auf Ursymbole der Mensch- heit im Sinne der Archetypen, wie C. G. Jung sie nannte, eingestellt. In der Meditation auf Symbole wie Lebensflamme, Sonne, Mond, Alpha, Omega, Schlange, Kind, Ring, Distel, Ähre entstanden Gemälde, die aus einer Art Innenschau zu abstrakten Bildern gestaltet worden waren. Reich äußerte sich dazu:

„Während der Intellekt sich der Worte und Begriffe bedient, muß die Seele zu Symbolen greifen, um Unsagbares verständlich zu machen. Solche Symbole finden sich in der Astrologie als Planeten- und Tierkreiszeichen, zum Beispiel Sinnbilder für das Aggressive (Mars), das Joviale (Jupiter), das Mütterliche (Mond) oder ein Quadrat für eine Spannung und ein Trigon für eine Harmonie. Andere Symbole sind etwa „Ring“ für eheliche Partnerschaft oder „Messer“ für gewaltsame Trennung oder „Herz“ für Liebe ...

Sollte es möglich sein, diese seelischen Strukturen, wie sie sich in Symbolen ausdrücken, in gegenstandslosen Farb-Form-Komplexen darzustellen, so müßte auch der Versuch gelingen, durch Wahl oder Ablehnung solcher Bilder auf Grund von Sympathie oder Antipathie auf seelische Haltungen zu schließen.

Es wurden gegenstandslose Bilder gemalt in der festen Absicht, einen besonderen Bestandteil des Innenlebens darzustellen. Demut oder Stolz, Koketterie oder Mütterlichkeit, Freiheit oder Zwang, nur mit Farben und Linien, also modern im besten Sinn. Tatsächlich hat sich experimentell in hunderten von Versuchen an Menschen jeglichen Alters, Geschlechts und Bildungsgrades erwiesen, daß aus diesen gegenstandslosen Bildern, unbewußt natürlich, gefühlsmäßig und vielleicht sogar spielerisch, diese in den Bildern heraus- meditierten Symbole erkannt werden.

Wie im Röntgenbild der innere Aufbau, die Größe und Lage von Organen und Fremdkörpern zur Darstellung kommen, so müssen sich also in diesen Röntgenbildern der Seele durch die Wahl
nach Zuneigung oder Abneigung Schlüsse auf die Struktur der Seele ziehen lassen.“

Für die Geobiologen kann nun die Frage entstehen, ob es möglich und vom Klienten erwünscht ist, vorhandene Blockaden gegen geobiologische Konsequenzen herauszufinden. Der Tu-Anima-Bildertest, kurz TUA-Test genannt, kann hierfür eine Hilfe sein.


C. Die Durchführung des Tests

Die 36 Symbolkarten werden vor den Klienten oder Patienten hingelegt, am besten in 4 Reihen mit jeweils 9 Bildern. Daraus werden 12 sympathische und 12 unsympathische Testkarten ausgewählt, die restlichen 12 werden weggelegt, sie gelten als neutral.

In einer zweiten Wahl ist das sympathischste und das unsympathischste Symbolbild auszuwählen, woraus sich eine Art Grundspannung des Klienten ergibt. Diese geschilderten Wahlvor-gänge werden in wenigen Minuten bewältigt, und das Testprotokoll mit der Aufzeichnung der Bildnummern ist ebenfalls schnell erledigt.

Für die Bewertung der sympathischen und unsympathischen Symbolkarten liegen ausführliche Interpretationen vor, die noch durch jeweils 3 Fragen, die der Gutachter stellen kann, ergänzt werden. Verwiesen werden darf auf das Buch „Schlüssel zum Geheimnis der Seele – mit dem Tu-Anima-Bildertest“ *.


D. Was kann diagnostiziert werden?

Nach dem gegenwärtigen Stand der TUA-Diagnostik können die folgenden Persönlichkeitsbereiche erfaßt werden:

- Wie stehen die Menschen zu sich selbst?

- Wie stehen sie zu ihrer Mitwelt?

- Individuelle Einstellung zu Gesundheit und Krankheit

- Wille und Leistung, Erfolg und Mißerfolg

- Aggression und Wut, Verzeihung und Versöhnung

- Welt der Phantasien und Ideen

- Verzicht und Trauer

- Leben und Tod

- Religiöse Einstellung

- Leben und Erleben von Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit


E. Was ist nun für den Geobiologen wichtig?

Die Zeit spielt im menschlichen Leben erfahrungsgemäß eine große Rolle, sei es die Vergangenheit mit bisherigen Erlebnissen und Erfahrungen, die Gegenwart mit dem erreichten Reifungsstand, die Zukunft mit den auf sie gerichteten Sehnsüchten, Wünschen und Motivationen. Diese drei Zeiten sind im TUA-Test erfaßt. Als Beispiele werden nachstehend die Symbolbilder für die Vergangenheit und die Gegenwart gezeigt und deren Deutungsgehalt offengelegt:

Wird in der Testsituation das Symbolbild „Gebrochene Säule“ als sympathisch erlebt, dann läßt sich daraus schließen, daß der Klient oder Patient bereit ist, Rückschau auf seine bisherige Vergangenheit zu nehmen, sich zu besinnen und zu erinnern. Dabei kann es sein, daß frühere Erlebnisse und Erfahrungen noch nachschwingen, vielleicht sogar im tiefsten Innern „brodeln“, aber sie wollen nochmals nacherlebt und verarbeitet werden.

Wird jedoch die „Gebrochene Säule“ abgelehnt, dann will jemand mit seiner Vergangenheit nichts mehr zu tun haben. Frühere Traumata werden dann in die tiefsten Seelenschichten verdrängt, ohne nachträglich aufgearbeitet werden zu wollen. Eine der Folgen hieraus kann sein, daß im Laufe der Zeit erhebliche Herz- und Kreislauf-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Angstzustände bis hin zu rheumatischen Schmerzen entstehen.

Die Gegenwart wird durch das Symbol „Stehende Säule“ repräsentiert. Sympathie für diese Symbolkarte ist dann so zu interpretieren, daß „hier und jetzt“ die anstehenden Aufgaben und Probleme angegangen werden wollen. Es besteht also die Bereitschaft, „den Stier bei den Hörnern zu fassen“. Auf der geobiologischen Ebene heißt das, der Beratung sollen auch die Taten folgen!

Das als unsympathisch abgelehnte Symbol „Stehende Säule“ vermittelt den Eindruck, daß die Gegenwart nicht akzeptiert, „der Kopf in den Sand gesteckt“ werden will, günstige Gelegenheiten übersehen, vertrödelt werden oder ungenutzt bleiben. Es will demnach auch im Umfeld möglichst nichts verändert werden.


F. Das Symbol „Schlange“ und die Reifungsprozesse

Jeder von uns hat sicher schon Situationen erlebt, die zunächst unangenehm und beunruhigend waren; aber nach einiger Zeit konnte erkannt werden, daß ein wichtiger Reifungsprozeß für die Persönlichkeitsentwicklung anstand, ähnlich einer Krankheit wie Röteln, Masern oder Scharlach, nach deren natürlicher Überwindung sich eine Häutungs- und Regenerationsphase ergab.

Solche Häutungsphasen können sich körperlich, seelisch, aber auch symbolisch zeigen. Was den TUA-Test angeht, verbindet sich damit das Symbol der Schlange. Diese muß bekanntlich von Zeit zu Zeit ihre alte, harte und zu klein gewordene Haut abstreifen und der neuen, zunächst noch verletzbaren Haut weichen.

Wie dieser Häutungsprozeß auf der seelisch-geistigen Ebene aussehen kann, können wir aus der sympathischen oder unsympathischen Wahl des Symbolbildes „Schlange“ erfahren. Deshalb nachfolgend ein Auszug aus den entsprechenden Interpretationen, wenn das Schlangensymbol gewählt wurde:


1. Die „sympathische“ Schlange

Wird dieses Symbol als sympathisch gewählt, dann wird damit deutlich, daß eine Phase der Veränderung, der Wandlung, der Erneuerung ansteht und auch angenommen werden will. Der Tiefenpsychologe C. G. Jung würde in einem solchen Fall den Wunsch nach „Individuation“, Selbstwerdung, erkennen.


2. Die „unsympathische“ Schlange

Das abgelehnte Schlangensymbol läßt vermuten, daß gegenwärtig ein Reifungsprozeß abgelehnt wird, der Klient oder Patient von irgendwelchen anstehenden Veränderungen nichts wissen will und es bevorzugt, die „alte Haut“ zu behalten und bisherige Verhaltensweisen weiter zu nützen: Der Mensch ist bekanntlich ein „Gewohnheitstier“! Die bisherigen Lebensumstände gelten dann als bekannt, frei von irgendwelchen Verpflichtungen zur Veränderung, es will im „alten Trott“ weitergelaufen werden, so wie der „alte Karrengaul“.


G. Gesundheit und Krankheit

Wer mit Patienten umgeht, wird natürlich mit der Polarität von Gesundheit und Krankheit konfrontiert. Im Allgemeinen können wir davon ausgehen, daß Patienten wieder gesund werden wollen, wenn sie unter Beschwerden, Schmerzen, Krankheiten leiden. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß auch Krankheit einen „positiven“ Wert erhalten kann: Krankheit kann das Freiwerden von bisherigen Pflichten bedeuten, der Leidende erfährt Mitgefühl, Mitleid, Anteilnahme, Hilfsbereitschaft, Unterstützung durch die Mitwelt, und denken wir nur an das Wort von der „Flucht in die Krankheit“. In solchen Fällen wird es auch schwer sein, den Wechsel des Schlafplatzes zu vollziehen!

Es sind vor allem zwei Symbolbilder, die allein oder auch in der Kombination mit anderen Symbolen Aussagen über die Vitalität im weitesten Sinne zulassen.


1. Das Symbol der Lebensflamme

Dieses Symbol steht für die Einstellung zum eigenen Leben. Wird es als sympathisch gewählt, wird das Leben mit seinen täglichen Aufgaben bejaht. Wird es abgelehnt, muß darauf geschlossen werden, daß die Lebensfreude erheblich gedrückt ist und deshalb auch keine geobiologischen Maßnahmen ergriffen werden wollen, die aus der einen oder
anderen belastenden Sackgasse herausführen könnten.


2. Das Symbol der Sonne

Damit werden Lebenskraft, Konstitution, Körper, Herz, Blutkreislauf, Vitalität erfaßt. Die sympathische Wahl läßt auf den Wunsch schließen, gesund, vital, stark, den Anforderungen des Lebens gewachsen zu sein.

Wird das Sonnensymbol abgelehnt, muß vermutet werden, daß alles, was mit Konstitution, Blutkreislauf, Gesundheit zusammenhängt, eingeschränkt oder sogar blockiert ist. Der Klient oder Patient kann trotz bester Vorschläge nicht gesund werden!


H. Zusammenfassung

Der TUA-Test gehört in Durchführung und Auswertung natürlich mehr in den Bereich von Psychologie und Psychotherapie, Heilkunde und Medizin. Aber zahlreiche Geobiologen sind neben ihrer beratenden Tätigkeit in den genannten Gebieten tätig und könnten mit einem tiefenpsychologischen und psychosomatisch besonders ergiebigen Test zusätzliche Informationen über ihre Klienten und Patienten erhalten.

Als Autor des Buches „Schlüssel zum Geheimnis der Seele – mit dem Tu-Anima-Bildertest“ habe ich in über 4 Jahrzehnten psychotherapeutischer und heilkundlicher Tätigkeit den Eindruck gewonnen, daß dieser Test einen wesentlichen Beitrag zum ganzheitlichen Verständnis des Menschen leisten kann.


Literatur:

Ebertin, B. , Schlüssel zum Geheimnis der Seele – mit dem Tu-Anima-Bildertest. 2. A., 208 S., 14 SW-Abbildungen, 36 mehrfarbige Testkarten, gebunden.

Ebertin-Institut Edition, 75323 Bad Wildbad 2006.

 
zurück top Druckversion