Pilze in der Onkologie, neben Mistel, Flechten und Christrose - eine Betrachtung aus naturheilkundlich-anthroposophischer Sicht


Werner Schmötzer, Heilpraktiker

Dem Verfasser wurde für eine umfangreiche Arbeit zu diesem Thema wie auch für seine Verdienste um die anthroposophische Heilkunde der "Sonderpreis der Stiftung Deutscher Heilpraktiker" am 21.10.2006 bei dem Heilpraktiker-Kongreß in Berlin vom Bundesvorstand überreicht.

Zur Zeit ist es in Deutschland geradezu en vogue, Pilze in der Naturheilkunde einzusetzen. Allermeist sind es Pilze asiatischer Herkunft, die für bzw. gegen alle möglichen Erkrankungen verwendet werden. Eine Argumentation für deren florierenden Einsatz, so meine ich, fehlt oft oder wird ganz einfach in der langen Tradition der chinesischen oder japanischen Heilkunde gesucht.

Die Verordnung solcher Heilpilze wird oft asiatisch-empirisch begründet. In der Tatsche, daß diese Heilpilze eben allermeist nicht nach westlichen Standards untersucht bzw. als Arzneimittel zugelassen sind, liegt der Grund, daß solche Pilzpräparate nicht als Arzneimittel sondern als Nahrungsergänzungsmittel dem Patienten verabreicht werden.

RUDOLF STEINER, der Begründer der anthroposophischen Bewegung, beschreibt immer wieder, wie frühere Erdzustände auch andere, ganz andere, das heißt niedere Pflanzen hervorgebracht haben. So spricht er von Moosen, Schachtelhalmen, Farnen, die eine Größe bis zu 30 Metern erreichten, alle insgesamt sporenbildende Pflanzen.

In diesem Zusammenhang werden auch die Pilze genannt, genauso wie die Mistel. Die Mistel, speziell als alte Mondenpflanze, die nicht in der Erde, sondern auf Bäumen und Sträuchern wächst, das heißt auf holzigen Strukturen. STEINER beschreibt den Zustand der Erdentwicklung in der Phase des ,alten Mondes' so, daß es da noch keine Steine und Mineralien gab. Die härteste Substanz war holziger oder rindenartiger Struktur. Aus dieser Entwicklungsstufe stamme die Mistel. Sie hat sich, ebenso wie auch kleinere Formen sogenannter niederer Pflanzen, in unsere Zeit herübergerettet. STEINER beschreibt in seiner ?Geheimwissenschaft im Umriß?(1) Zwischenentwicklungsstufen von ?Pflanzentieren? und sogenannten ?Tier- pflanzen?.

Da könnte man sich auch die Pilze angesiedelt denken. Aus heutiger Sicht mag man darüber lachen. Man denkt, dies sei weltferne und weltfremde Spinnerei. Doch hören wir dazu den weltweit anerkannten Mykologen, Professor Dr. Jan Lelley, was er schreibt in seinem Buch über die ,Heilkraft der Pilze?(2), veröffentlicht l997:

?Über die neue Standortbestimmung für Pilze gab es langanhaltende, lebhafte Diskussionen. Der italienische Philosoph, Botaniker und Mediziner Andrea Cesalpino schlug im Jahre 1583 in seinem Werk ,De plantis libri XVI? zum ersten Mal vor, die Pilze in ein selbständiges Reich einzuordnen. Danach wehrten sich ganze Botanikergenerationen gegen die Abspaltung aus der Pflanzenwelt. Die Argumente jedoch, die eine Trennung der Pilze von der Pflanzen- und Tierwelt rechtfertigen, sind so fundiert, daß die Debatten seit Anfang der 60er-Jahre dieses Jahrhunderts zugunsten der neuen Auffassung allmählich verstummten.

Heute ist es nahezu unumstritten, daß Pilze eine eigene, wenn auch nicht einheitliche Gruppe unter den Eukaryonten bilden. Es sind Lebewesen, deren Zellen durch einen typischen Zellkern gekennzeichnet sind, wie die Einzeller, Pflanzen, Tiere und auch der Mensch. Einer der wichtigsten Gründe für diese Neuordnung ist die Tatsache, daß Pilze, im Gegensatz zu den Pflanzen, kein Blattgrün (Chlorophyll) besitzen. Sie sind deshalb nicht in der Lage, Zucker mit Hilfe der Photosynthese aus anorganischen Verbindungen zu bilden. Vielmehr sind sie wie die Tiere auf organische Nahrung angewiesen. Ihr Stoffwechsel geschieht über eine sogenannte Chemosynthese und steht dem tierischen Stoffwechsel nahe. Hinzu kommt, daß Pilze sogenannte Exoenzyme bilden, die durch die Zellwand in die Umgebung gelangen und die Nährstoffaufbereitung bzw. -verflüssigung außerhalb erledigen. Die vorverdaute, verflüssigte Nahrung wird dann von den Pilzzellen resorbiert. Während Pflanzen aus dem atmosphärischen Kohlendioxyd und aus Bodenmineralien mit Hilfe der Sonnenenergie organisches Material produzieren (man nennt sie auch Produzenten), reduzieren Pilze mit Hilfe ihrer Enzyme nach dem Absterben selbst den eigenen Körper in einfache chemische Verbindungen. Dieser Prozeß führt letztlich erneut zur Bildung von Bodenmineralien. Somit befinden sich die Pilze im Kreislauf der Materie den Pflanzen genau gegenüber und werden deshalb auch als Reduzenten bezeichnet. Ferner sind die Hauptbestandteile der Pflanzenzellwand Cellulose und Lignin. Der Hauptbestandteil der meisten Pilze ist jedoch Chitin, das zugleich den Hauptbestandteil der Körperhülle von Krebsen, Spinnen und Insekten bildet.

Abschließend sollte noch eine genetische Eigenart der Pilze erwähnt werden. Im Gegensatz zu den Pflanzen und Tieren besitzen sie in den Zellkernen ihres Geflechts nur die halbe Chromosomenzahl. Sie sind haploid. Die komplette Chromosomenzahl tritt nur in der kurzen geschlechtlichen Phase, nämlich bei der Fruchtbildung, ein. Hierbei unterscheiden sich Pilze von allen anderen Lebewesen - mit Ausnahme der Moose.

Wollen wir uns der zeitgemäßen Betrachtung der Pilze anschließen, ist auch die Einführung eines neuen Terminus technicus gerechtfertigt, um eine Heilbehandlung mit Pilzen und pilzlichen Substanzen sachgerecht zu bezeichnen. Als geeigneter Fachausdruck bietet sich ,Mykotherapie? an.?

Pilze haben in der Tat die gesamte Entwicklung der Medizin revolutionär beeinflußt. Die Menschheit ist über Jahrtausende entzündlichen, fiebrigen und infektiösen Prozessen ausgeliefert gewesen. 1941, also erst vor 65Jahren, wird das Penicillin als erstes Antibiotikum dem Menschen als Injektion verabreicht. Man meint nun, solche Krankheiten beherrschen zu können. Wie wir heute wissen, nicht ganz. Einerseits wird häufig ungerechtfertigt Fieber unterdrückt - andererseits entwickeln sich laufend neue, therapieresistente Bakterienstämme. Aber immerhin hat Penicillium notatum, ein Schimmelpilz, die Medizin revolutioniert.

Ebenso sei angeführt der therapeutische Einsatz des Mutterkorns (Claviceps purpurea) ? im Mittelalter gefürchtet wie die Pest ? in der Wirkung erst mal erkannt und erforscht, von da an in der Geburtshilfe segensreich angewandt als krampflösendes Mittel.

Dies waren Siegeszüge pilzlicher Substanzen in der Schulmedizin.

Schauen wir nun auf das Wesen holzbewohnender Pilze. Der Hallimasch ist bei uns in Mitteleuropa der bekannteste dieser Pilze. Er befällt zum großen Leidwesen der Forstleute relativ gesunde Bäume, durchzieht sie ganz mit seinem Myzel, einem feinen Geflecht, und bringt sie so langsam über den Krankheitsprozeß zum Absterben. So gibt es auch Pilze, die hauptsächlich abgestorbenes Holz befallen und mit ihrem Myzel durchwachsen. Ganz ähnlich, wie bei der Tumorerkrankung die Metastasenbildung den ganzen Organismus durchdringt und immer wieder neue Tochtergeschwülste hervorbringt.

Auf solchen Gegebenheiten gründen meine Überlegungen, spezielle Pilze bei Tumorerkrankungen einzusetzen.

Gerade solche holzbewohnenden Pilze wurden schon seit langem in der chinesischen und in der japanischen, also in der asiatischen Medizin, erforscht und nutzbringend auch in onkologischen Zusammenhängen therapeutisch eingesetzt, was neueste Untersuchungen pharmakologischer Art auch im Westen voll bestätigen.

Wie klinische Studien belegen, werden tumorwirksame Pilze - zwar noch nicht in Europa, jedoch in China und Japan ? neuerdings auch in den USA erfolgreich in der Onkologie eingesetzt.

Dies bestärkt mich darin, das Pilz-Wesen weiter nach geisteswissenschaftlicher Manier zu betrachten.

Bei dieser Abhandlung soll es gehen um ganz besondere Pflanzen, die STEINER empfohlen hat zum Einsatz in der Onkologie. Da wären zu nennen die Mistel, Helleborus niger, immergrüne Pflanzen, Winterblüher wie Vinca minor, Hamamelis und Flechten wie Cetraria. Man erinnere sich an das Vincristin und Vinblastin wie das Taxol der Eibe, sie zählen in der Schulmedizin zu wirkungsvollen Zytostatika pflanzlicher Herkunft.

Über Helleborus niger, die Christrose, die STEINER ja auch zur Behandlung atypischer Tumorerkrankungen und Lungentumoren empfohlen hat, finden sich im Text weiter unten angedeutet - in meinem Buch ?Grundlagen der anthroposophischen Heilkunde.....?(3) ausführlich behandelt - nähere Ausführungen zu speziellen Einseitigkeiten.

Ebenso wurde von STEINER die Flechte Cetraria islandica erwähnt, die auch hauptsächlich in der Onkologie zur Sarkom-Behandlung in Frage kommt. Das therapeutische Einsatzgebiet der Mistel ? in der Regel das Karzinom ? ist dem Leser am ehesten geläufig auf Grund der Häufigkeit. Einseitigkeiten und Wirkungsweise der Mistel habe ich hinlänglich beschrieben in dem Vortrag ?Die Mistel in der Onkologie? in meinem Buch ?Grundlagen der anthroposophischen Heilkunde...?(3).

Zu untersuchen wäre noch in diesem Zusammenhang, inwieweit Pilze in der Onkologie therapeutisch eingesetzt werden können. Nach geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkten ist davon auszugehen, daß sogenannte niedere Pflanzen oder Pflanzen, die zurückreichen in frühere planetarische Entwicklungsstufen unserer Erde, in Frage kommen als Heilmittel. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang Moose, Bärlapp-Gewächse, Farne, Schachtelhalme, Pilze, Flechten, wie auch die Mistel.

Wenn wir nun anhand STEINER?s Dreigliederung (Sinnes-Nerven-Prozess; Rhythmisches System; Stoffwechsel-Prozess) (3) die Unterschiedlichkeiten und die Einseitigkeiten dieser verschiedenen Pflanzengattungen betrachten, dann können wir für die Mistel feststellen, daß diese natürlich ganz klar auf holzigen Strukturen wächst, und daß die Haustorien des Senkers der Mistel sich einsenken in das Cambium des Baumes, also in die äußeren Schichten des Baumes. Hinzu kommt ferner, daß die Mistel sehr lichtorientiert ist und daß sie blüht und fruchtet, jahreszeitlich völlig azyklisch, in der kalten Jahreszeit, also im Winter - Januar oder Februar.

Die Mistel hat eine temperaturerhöhende Wirkung, wenn Sie in den menschlichen Organismus eingebracht wird, und Sie wird hauptsächlich eingesetzt zur Behandlung des Karzinoms. Im Zusammenhang mit der Mistelbehandlung ist zu erwähnen, daß das Karzinom den weitaus größten Teil der Tumorerkrankungen ausmacht. Karzinome sind, histologisch gesehen, immer solche Tumoren, die epitheliale Strukturen befallen, das heißt, formgebende Strukturen, Organgrenzen und Körpergrenzen. Von da aus setzt sich das Tumorwachstum zum Organ invasiv fort in das Parenchym hinein. Ganz ähnlich, wie das Karzinom im Grunde genommen Organgrenzen verletzt, Organgrenzen ignoriert und auflöst, dockt der Senker der Mistel am Cambium des Baumes an. Wir wissen, daß die Misteltherapie eine immun-stimulierende Wirkung hat, sie wirkt temperaturerhöhend. Wir Anthroposophen rechnen die Mistel dem ehemaligen Mondenzyklus der Erdentwicklung zu. Wir sagen, die Mistel sei eine Mondenpflanze. Die Mistel hat im Grunde genommen zwischen pflanzlichem und tierischem Sein ihren Platz. So sprechen heute noch Biologen bei der Samenbildung der Mistel von den sogenannten Embryonen. Die Mistel ist nur ein Teilschmarotzer, sie bildet aus eigener Kraft durch Photosynthese Chlorophyll und sie ernährt sich von organischer Grundlage - eben von Holz. Eine Mondenbeziehung hat sie deswegen, so STEINER, weil es auf der Entwicklungsstufe des ,alten Mondes? noch keine festen mineralischen Strukturen gab. Das Festeste, was vorkam, das waren holzige Strukturen.

Die Mistel bildet, im Gegensatz zu den Pilzen, Zellulose. Ihrer Einseitigkeit entspringen toxische Wirkstoffe. Da ist in erster Linie das Viscotoxin zu nennen, das ist dem Schlangengift, dem Kobragift ähnlich (tierischer Gestus), daneben die sogenannten Lektine und Polysaccharide. Viscotoxin wirkt zytotoxisch. Das Lektin hat eine immun-stimulierende Wirkung, wie auch das Viscotoxin, aber auch eine mitose- hemmende Wirkung. Den Poly- und Oligosacchariden in der Mistel wird eine in Richtung Immun-Stimulanz gehende Wirkung zugeschrieben.

Die Mistel wird STEINER?s Angaben zufolge - zumindest im anthroposophischen pharmazeutischen Herstellverfahren ? nicht potenziert sondern dem sogenannten Dreh-Prozeß unterzogen. Sie wird parenteral appliziert.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Flechten. Auch die Flechten sind sogenannt niedere Pflanzen ? sie stellen dar eine untrennbare Symbiose aus Alge und Pilz - die eben auch kein typisches Pflanzenwachstum zeigen. Die Flechte repräsentiert praktisch den Übergang, den ?Landgang? der Alge/Pilz hin zur Pflanze. Sie wächst auf Holz, Stein oder Erde. Sie hat keine Wurzel. Das Organ, das Haustorium, mit dem sie an Holz oder Stein andockt, wird auch als das sogenannte Lager bezeichnet. Auch die Flechte ist in aller Regel sehr lichtzugewandt. Die Flechte, in unserem Falle Cetraria islandica, kann bei Injektion Fieber erzeugen und wird hauptsächlich zur Behandlung von Sarkomen eingesetzt, also immer da, wo sich das Tumorgeschehen an Knochenhaut, Sehne, Bindegewebe abspielt. Auch hat die Flechte Cetraria eine immun-stimulierende bis immun-modulierende Wirkung.

Auch die Flechte würden wir den niederen Pflanzen oder den Pflanzen früherer Erdzustände (Saturn-Sonne-Mond) zuordnen. Flechten bilden keine Samen, sondern sind Sporenbildner. Die Flechte bildet in der aufsteigenden Reihe hin zur Pflanze bereits Chlorophyll (Alge) und sie hat als Lebensgrundlage anorganische und organische Stoffe. Als sogenannte Wirkstoffe oder flechtentypische Stoffe sind zu nennen, zu einem sehr großen Anteil die sogenannten Schleimstoffe und spezielle Flechtensäuren, die in der Lagerbildung sogar befähigt sind, Stein anzulösen.

Cetraria praeparata von WELEDA wird parenteral eingesetzt in der Tumortherapie, in der Therapie von Sarkomen, nachdem sie ebenfalls im sogenannten Dreh-Prozeß, wo man Winter- und Sommersaft unter sehr hohen Touren vermischt, hergestellt wurde.

Helleborus niger, die Christrose, ist eine normale ?irdische? Pflanze, ein Hahnenfußgewächs. Sie wurzelt in der Erde, sie hat eine Wurzel, ist auch sehr dem Licht zugewandt, blüht azyklisch, hauptsächlich im Winter. Die Helleborus-Pflanze hat die Wirkung, daß sie das Fieber senkt und sie wird nach STEINERs Angaben bei sogenannten atypischen Tumoren eingesetzt - hauptsächlich auch bei Lungentumoren. Die Lunge ist nach anthroposophischem Verständnis das sogenannte Erdorgan, deswegen ist es auch irgendwo klar ersichtlich, daß die Helleborus-Pflanze, die in der Erde wurzelt, hauptsächlich in der Therapie zu dem Erdorgan hin, der Lunge nämlich, eingesetzt wird. Auch hat die Helleborus-Aufbereitung eine immun-stimulierende Wirkung.

Die Helleborus-Pflanze ist ein Winterblüher, bildet ganz klar Samen wie auch Chlorophyll. Ihre Lebensgrundlage ist anorganisch, sie wurzelt in der Erde, und sie bildet natürlich Zellulose. Die Wirkstoffe oder die Giftstoffe, die typisch sind für die Helleborus-Pflanze, das sind das herzwirksame Hellebrin sowie das Helleborein und die sogenannten Ecdysteroide - beschrieben in meinem Vortrag zu Helleborus (3) -, die eine sehr starke Ähnlichkeit haben mit den Krötengiften.

Auch Helleborus wird parenteral verabreicht, nachdem es nach anthroposophischer Auffassung einen sogenannten pharmazeutischen Dreh-Prozeß durchlaufen hat, wo eben auch Sommer- und Wintersaft miteinander bei sehr hohen Touren vermischt werden.

Und wenn wir jetzt vor diesem Hintergrund uns anschauen, was ich bisher geschildert habe, so muß man sehen - Pilze sind ganz klar auch sogenannte niedere Pflanzen. Sie zeigen im Sinne der STEINERschen Dreigliederung kein rhythmisches System ? bilden kein Chlorophyll. Es treffen unvermittelt aufeinander Wurzel- und Frucht-Pol.

Das beschreibt auch Werner Christian Simonis in seinen Büchern sehr deutlich (4+5).

Wir können gleich von vornherein sagen, es gibt sogenannte holzbewohnende Pilze, und es gibt sogenannte erdbewohnende Pilze. Was Pilze generell gemeinsam haben, ist die Bildung von teilweise sehr großen Myzelen, das sind die Geflechte, die unterirdisch oder im Holz verlaufen und sich ausbreiten. Was typisch ist für das Pilzdasein, das ist das Wachsen, das sich Ausbreiten in der Finsternis. Auch (blüht? und) fruchtet der Pilz. Das äußert sich in seinem Fruchtknoten, das ist das, was man herkömmlich als Pilz bezeichnet. Das Gebilde mit diesem Hut, das ist der Fruchtknoten. Was sich irgendwo unheimlich aufdrängt, das ist die Frage, ob nicht hauptsächlich holzbewohnende Pilze geeignet sind bei der Behandlung, bei der Therapie von Tumoren in dem Moment, wo sie sich entwickeln oder wo Metastasen entstehen. Wir haben schon bei der Mistel gehört, daß diese hauptsächlich bei dem Karzinom eingesetzt wird. Die Mistel ist die Pflanze, die praktisch das Tumorgeschehen therapeutisch begleiten kann, wenn es sich von außen an die Organgrenzen setzt und praktisch invasiv einwächst, genauso wie eben der Senker sich ins Cambium des Baumes einsenkt. So könnte man die Überlegung anstellen, ob nicht Pilze, im Wesentlichen holzbewohnende Pilze, zur Therapie in Frage kommen ab dem Moment, wenn sich Metastasen im Organismus bilden. Metastasenbildung, das ist ein mehr oder weniger schwierig zu steuernder Ablauf im menschlichen Organismus, da sich Metastasen an allen möglichen Stellen des Körpers festsetzen können, und man so Parallelen sehen kann dazu, wie zum Beispiel das Myzel holzbewohnender Pilze das Holzinnere durchzieht.

Wir wissen von wissenschaftlichen Untersuchungen, daß die Pilze, hauptsächlich auch holzbewohnende Pilze, deutlich immun-stimulierende Wirkungen haben. Auch ich würde die holzbewohnenden Pilze eindeutig als niedrige Pflanzen früherer Erdentwicklungstufen (Saturn-Sonne-Mond) bezeichnen.

Pilze sind keine Pflanzen, sie bilden ja auch keine Samen, sondern Sporen. Beim Pilz ist ganz ausgeprägt, daß er kein Chlorophyll bildet, der Pilz hat eine eindeutig organische Lebensgrundlage - vornehmlich der holzbewohnende Pilz - und Pilze bilden kein Kohlenstoffgerüst wie andere Pflanzen bei der Zellulosebildung, sondern sie bilden das Chitin, das wir von tierischen Gebilden wie Insekten, Krebsen usw. kennen, womit diese Tiere dann ihre Panzer bilden. Pilze haben, wie bereits oben erwähnt, einen tierhaften Gestus.

Die Wirkstoffe der Pilze, der holzbewohnenden Pilze, sind vornehmlich das Lentinan, und es sind eben auch Polysaccharide bekannt wie das Kureha und das Krestin, von denen in der Literatur deutlich eine immun-modulierende und immun-stimulierende Wirkung beschrieben ist. Also, das heißt, im Grunde genommen wirken diese Wirkstoffe der Pilze ganz ähnlich wie die Wirkstoffe der Mistel.

Was ich in der Literatur einsehen konnte, ist, daß die Pilze, zumindest in Europa, hauptsächlich enteral verabreicht werden. In der chinesischen Literatur ist sehr häufig auch die parenterale Verabreichung beschrieben (keine Zulassung in Deutschland).

In Deutschland wurde bereits in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts von dem anthroposophischen Arzt in Pforzheim, Dr. Gustav BRUNCK, der Versuch gemacht, Tuber Brumale, den Wintertrüffel, zu veraschen und therapeutisch einzusetzen bei Tumorbildung, bei Knotenbildung. Er berichtete über sehr gute Erfolge. Dies wurde jedoch nicht weiter verfolgt.

Auf den Plan gerufen haben mich Artikel in der wissenschaftlichen Literatur über holzbewohnende Pilze aus China und Japan. So wird zum Beispiel Hericium, ein holzbewohnender Pilz, beschrieben, der eine sehr gute Wirkung zu haben scheint bei dem Sarkoma 180, wie auch bei dem Ehrlich'schen-Aszites-Karzinom, bei Lungenkrebs, Leberkrebs, bei Oesophagus- und Colon-Ca.

Von einem weiteren holzbewohnenden Pilz, dem Shitake, ist die Rede, daß er eine bis zu 70%ige Metastasenhemmung hätte. Der Maitake, ebenfalls ein östlicher, sehr verbreiteter Pilz, wird beschrieben, eine sehr gute immun-modulierende Wirkung zu haben. Makrophagen, Killerzellen und T-Killerzellen werden deutlich gesteigert. So auch bei einer anderen Pilzart, dem Polyporus, dem zugeschrieben wird, die Nebenwirkungen von Chemotherapie sehr gut und verträglich zu verringern und auch einen Leberschutz darzustellen, also die Leberfunktion deutlich zu stärken.

Dann gibt es noch den Coriolus-Pilz, auch ein Pilz aus der chinesischen Medizin, dem eine deutliche Leukozytentätigkeit nachgesagt wird, und der hauptsächlich vor und nach der Strahlen- und Chemotherapie zum Einsatz kommen würde.

Die gesamten Zusammenhänge sind in tabellarischer Übersicht dargestellt. Siehe Bild.

Nach ausführlichen Recherchen in der Fachliteratur konnte ich erkennen, daß meine Vermutung nicht auf tönernen Füßen steht, sondern daß zahlreiche klinische Studien (6) aus China, Japan und den USA die antitumorale Wirkung der oben angeführten Pilze belegen. In meiner Arbeit "Pilze in der Onkologie, neben Mistel, Flechten und Christrose......." ist dies in 190 DIN-A 4 Seiten ausführlich dargelegt und begründet. Für diese Arbeit erhielt ich den "Sonderpreis der Stiftung Deutscher Heilpraktiker".

Aus meiner anthroposophischen Überschau heraus bin ich überzeugt, daß es ganz deutliche Entsprechungen gibt zwischen Mistel und Pilzen bei deren Einsatz im Bereich der Tumorerkrankungen.

Obwohl STEINER Pilze eigentlich nur empfohlen hatte wegen ihrer zielgerichteten Wirkung auf den Kopfbereich, vornehmlich bei der Epilepsie, denke ich, gibt es deutlichste überzeugende Argumente, Pilze, hauptsächlich holzbewohnende Pilze, zu (über)prüfen auf ihre Wirksamkeit bei der Verringerung oder Vermeidung der Metastasenbildung.

Ich denke daran, Pilze einzusetzen mit der Mistel kombiniert, genauso oder ähnlich, wie es seit Jahrzehnten in der anthroposophischen Medizin praktiziert wird bei dem Karzinom oder bei dem Sarkom. Da wird dann die Mistel vikariierend, das heißt, abwechselnd mit Flechte, eingesetzt. Oder bei atypischen Tumoren, wo auch das Fieber gesenkt werden muß, da wird auch Mistel abwechselnd mit Helleborus-Präparaten eingesetzt werden. So denke ich, wäre das ein fast überzeugendes Argument, bei Metastasenbildung oder bei Verdacht auf Metastasenbildung die Mistel zusammen mit den Pilzen, mit holzbewohnenden Pilzen, abwechselnd einzusetzen.

Die Bewährung im Praxis-Alltag habe ich in meiner Arbeit durch viele Einzel-Kasuistiken belegt ? davon allein für Pilze mit 26 Krankengeschichten.

Anmerkung:

Der Verfasser wird einen anthroposophisch-mykologischen Arbeitskreis gründen, der sich dieser spannenden Frage annehmen soll. Aufgerufen sind interessierte Ärzte, Heilpraktiker, Pharmazeuten und Biologen.

Anthroposophisch-pharmazeutische Unternehmen haben tätige bzw. finanzielle Unterstützung zugesagt.

Interessenten wenden sich bitte an nachfolgende Kontaktadresse.

Mittlerweile wurde diese Arbeit in meinem Buch veröffentlicht. Erschienen im Verlag Volksheilkunde, Bonn 2007, ISBN: 978-3-9810261-3-9

Archäus- Institut für Naturheilkunde

Werner Schmötzer, Heilpraktiker
Klingenhaldenweg 23, 72175 Dornhan
Tel.: 07455 8795, Fax: 07455 2903
Email: werner.schmoetzer@t-online.de
Internet: www.werner-schmoetzer.de

Literaturangaben

1) Steiner, Rudolf: Die Geheimwissenschaft
im Umriß. 1.-10.Tsd. Dornach: Rudolf Steiner
Verlag, 1972

2) Lelley, Jan: Die Heilkraft der Pilze. 1. Aufl. Krefeld: Gesellschaft für angewandte Mykologie und Umweltstudien mbH (GAMU), 2003

3) Schmötzer, Werner: Grundlagen der anthroposophischen Heilkunde einschl. Mistel- und Metalltherapie. 1. Aufl. Bonn: Verlag Volksheilkunde, 2005

4) Simonis, W. Chr.: Die niederen Heilpflanzen. 2. Aufl. Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben GmbH, 1981

5) Simonis, W. Chr.: Die einkeimblättrigen Heilpflanzen. 2.Aufl. Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben GmbH, 1981

6) Schmötzer, Werner: Pilze in der Onkologie, neben Mistel, Flechten und Christrose - eine naturheilkundlich-anthroposophische Betrachtung. 1. Veröffentlichung Dornhan: Eigenverlag 2006


 
zurück top Druckversion