|
Heike Lück, Heilpraktikerin
Pestizide sind chemische Substanzen zur Bekämpfung von schädlichen Tieren und Pflanzen. Man unterscheidet Akarizide (gegen Milben), Fungizide (gegen Pilze), Herbizide (gegen Unkräuter), Insektizide (gegen Insekten), Molluskizide (gegen Schnecken), Nematizide (gegen Fadenwürmer) und Rodentizide (gegen Nagetiere). Des Weiteren differenziert man zwischen Atem-, Fraß- und Kon-taktgiften.
Deutsche Böden werden jährlich mit rund 30.000 Tonnen Insektiziden, Herbiziden und Fungiziden kontaminiert. Durch die intensive Landwirtschaft gelangen jedes Jahr tausende Tonnen davon ins Grundwasser (Quelle: Trinkwasser in Gefahr? Mahlzeit August 2005).
Von den über 800 Pflanzenschutzmittelarten, die in der Europäischen Union erlaubt sind, überprüfen Lebensmittelüberwachungs-Behörden aber nur 150. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin beurteilt das Gesundheitsrisiko für jedes Spritzmittel einzeln. Wechselwirkungen mit anderen Pestiziden oder mit Medikamenten werden nicht einkalkuliert. Die üblichen Kontrollen beziehen sich nur auf die für die jeweiligen Lebensmittel zugelassenen Pestizide. Verunreinigungen durch andere Biozide fallen oft nicht auf. Nach dem Verzehr von pestizidhaltigem Obst und Gemüse können Übelkeit, Schwindel, Tinnitus, Gleichgewichts- und Sehstörungen, Muskel- krämpfe und Herzrhythmusstörungen auftreten. (Quelle: Pestizide auf Obst und Gemüse? Gesundheit im Beruf 4/04 S. 43, Zeitschrift der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte).
Nach einer im Auftrag des Greenpeace-Einkaufsnetzes erfolgten Untersuchung wurden seit 2001 die Grenzwerte von über 100 Pestiziden in Deutschland angehoben. Darunter sind auch 33 besonders gefährliche Substanzen, die das Erbgut schädigen können und die als krebserzeugend, hormonell wirksam und fortpflanzungsschädigend gelten oder besonders giftig für die Umwelt sind. Sogar für die überaus gefährlichen Mittel haben die EU-Kommission und das Verbraucherministerium die Höchstmengen bis auf das 300-fache heraufgesetzt.
Bei einer US-Studie mit mehr als 55.000 Männern, die in der Landwirtschaft arbeiteten und mit Pestiziden in Kontakt kamen, entwickelte sich bei den Exponierten vermehrt Prostatakrebs. Die Krebsraten lagen bei ihnen 14 mal höher als bei der restlichen Bevölkerung. Als besonders gefährlich gilt Methylbromid (Quelle: Pestizide erhöhen Prostatakrebsrate, Natur & Heilen 11/2003, S. 7).
Die Europäische Umweltagentur nimmt an, daß Pestizide das Parkinson-Risiko um 15 bis 20 Prozent anheben können.
Der Grenzwert für das Insektizid Dimethoat ist z.B. in Kirschen um das 20-fache und in Frühlingszwiebeln um das 40-fache erhöht worden, trotz Krebsverdachts und obwohl es die Entwicklung des Kindes im Mutterleib beeinträchtigen kann (Quelle: Pestizid-Risiko steigt stetig, Eve 4/2005, S. 15).
Auch der Maximalwert für das möglicherweise krebserregende Fungizid Chlorthalonil in Hopfen ist um das 5000-fache angehoben worden (Quelle: Greenpeace: Kritik am Künast-Ministerium, Schrot & Korn, Dez. 2004, S. 82). Bis zum Jahr 2000 lag der zugelassene Höchstwert von Chlorthalonil in Erdbeeren bei 0,01 Milligramm je Kilogramm (mg/kg). Seitdem werden 3 mg/kg, also das Dreihundertfache, toleriert. Für andere Beeren wurde der Wert sogar auf 10 mg/kg festgesetzt. Die erlaubte Höchstmenge des Fungizids Prochloraz, ebenfalls potentiell krebserzeugend, möglicherweise hormonell wirksam sowie immunschädigend liegt bei Bananen seit 2003 nicht mehr bei 0,05 mg/kg sondern bei 8 mg/kg (Leo Frühschütz, Bundesregierung erlaubt mehr Gift, Schrot & Korn, Nov. 2004, S. 91).
Dem Fungizid Vinclozolin wird nicht nur ein hormoneller Effekt nachgesagt, sondern es gilt auch als Krebs erregend und Erbgut schädigend.
Als „höchst gefährlich“ bezeichnet die Weltgesundheitsorganisation z.B. das Insektizid Methomyl, in der EU gilt es als hormonell wirksam. Trotzdem wurden die Grenzwerte für Methomyl in Mandarinen und Zitronen um das 20-fache und in Tomaten und Pflaumen um das 10-fache gesteigert
(Quelle: EU/Künast erhöhen Grenzwerte für 33 hochgiftige Spritzmittel. Randerscheinung oder neuer Trend? Ökostadt Report 2/2005 S. 30).
Gemüsepaprika und Weintrauben weisen besonders häufig Pestizidrückstände auf. Noch gefährlicher als die Belastung mit einzelnen Giften sind sogenannte Pestizid-Cocktails, die vor allem auf Erdbeeren entdeckt wurden.
Nahezu pestizidfreie Ware erhält der Verbraucher nur bei Produkten aus biologischem Anbau. Auch heimische Lebensmittel sind normalerweise weniger kontaminiert als Importe. Außerdem sollte man saisonales Obst und Gemüse bevorzugen. Gründliches Waschen mit warmen Wasser und das anschließende Abreiben mit einem trockenen Tuch sind sinnvoll.
Pestizidvergiftungen können akut oder chronisch verlaufen.
Bei den Herbiziden führen Chlorphenoxysäurederivate, Bispyridiniumderivate (Diquat, Paraquat), Benzonitrile, Glyphosate und Harnstoffderivate zu Intoxikationen.
Phenoxyessigsäuren wie 2,4-Dichlorphenoxysäure sind als hormonell aktiv bekannt und lösen sehr wahrscheinlich Leukämien aus. MCPA und Mecoprop gelten ebenfalls als Krebs erregend bzw. mutagen.
Paraquat beispielsweise ist ein Kontaktherbizid, das weltweit von Landwirten eingesetzt wird. Durch die Berührung mit flüssigen Zubereitungen entstehen Hautverätzungen, Schleimhautreizungen und Augenschäden (Hornhautgeschwüre). Nach Aufnahme über den Mund kommt es infolge hoher Toxizität (Letaldosis < 6g) zu Geschwüren im Magen-Darmbereich, zu toxischer Nierenentzündung sowie Leber- und Lungenschäden (progressive Lungenfibrose) mit insgesamt schlechter Prognose.
Insektizidvergiftungen werden durch organische Chlorverbindungen (z.B. DDT, Lindan, Aldrin, Dieldrin), Pyrethroide, Cholinesterasehemmer (z.B. die Alkylphosphate Parathion E 605, Dimethoat), und Carbamate hervorgerufen. Pflanzliche Rohstoffe (z.B. Pyrethrum, Nicotin), anorganische (z.B. Antimon) und organische Verbindungen (z.B. Chlorkohlenwasserstoffe, Ester von Phosphor- und Thiophosphorsäuren z.B. E 605) bilden die Basis zur Insektizidherstellung. Bis 1940 setzte man hauptsächlich anorganische Insektizide wie Arsen ein. Die Entdeckung des DDT läutete das Zeitalter der synthetisch-organischen Insektizide ein. DDT ist die Abkürzung für Dichlor-diphenyl-trichlorethan (Chlorphenotan). Das Kontaktinsektizid gehört zu den Kokanzerogenen, d.h. es verstärkt die Wirkung von Kanzerogenen (krebserzeugenden Stoffen) ohne selbst kanzerogen zu sein. In Deutschland ist sein Einsatz wegen starker Persistenz (Beständigkeit) in der Umwelt und vermehrter Anhäufung in der Nahrungskette untersagt.
Lindan (gamma-Isomer Hexachlorcyclohexan) gilt als krebserzeugend, wird aber heute noch bei Kopf- und Filzlausbefall (Pedikulose) und Scabies (Krätze) verordnet. Folgende Präparate enthalten Lindan: Jacutin Emulsion oder Jacutin-Gel, Delitex Haarwäsche N Gel, Infectopedicul Lindan Gel. Bei nicht bestimmungsgemäßer Anwendung, d. h. nach versehentlicher Einnahme oder zu häufiger äußerlicher Anwendung wurden Unruhe, Erbrechen, Durchfall, Benommenheit, Schwindel, Kopfschmerz, Krämpfe, beschleunigte Herzfrequenz, Koma, Atemlähmung, Übererregbarkeit, Zittern und Bewußtlosigkeit beobachtet. Eine besondere Empfindlichkeit ist bei Säuglingen und Kleinkindern gegeben. Bei äußerlichem Gebrauch sind in Einzelfällen Überempfind- lichkeitsreaktionen wie Reizungen, Juckreiz und entzündliche Hautrötungen möglich.
Für Lindan sind bestimmte Holz-Schutzbehandlungen und die Verwendung in Innenräumen (gegen Schaben) ab dem 01.09.2006 sowie der Einsatz als Insektizid im Gesundheits- und Veterinärwesen ab dem 31. Dezember 2007 nicht mehr zulässig. Lindan enthaltende Pflanzenschutzmittel unterliegen in der gesamten EG seit Juni 2002 einem Anwendungsverbot (Quelle: www.bmu.de/ files/pdfs/allgemein/application/bericht-luftverunreinigung.pdf).
Vom 7. bis 11. November 2005 tagte in Genf das Expertenkomitee (POPs Review Committee) der Stockholm Konvention. Die Konvention verbietet weltweit die Produktion und Nutzung von langlebigen organischen Schadstoffen (Persistant Organic Pollutants, POPs) wie die Pflanzenschutzmittel Dieldrin und Aldrin sowie PCB. Die Agrargifte Lindan und Chlordecon sind zur Zeit in der Diskussion, um sie gegebenenfalls weltweit zu verbieten (Quelle: www.baua.de/nn_5858/de/Presse/Pressemitteilungen/2006).
In Deutschland gilt ein vollständiges Anwendungsverbot für folgende Pflanzenschutzmittel: Aldrin, Chlordan, Chlordecon, DDT, Dieldrin, Endrin, Hepta- chlor und Hexachlorbenzol.
Aldrin z.B. wirkt neurotoxisch. Vergiftungserscheinungen sind Übererregbarkeit und Lähmungen. Bei hoher Dieldrinbelastung verdoppelt sich das Brust- krebsrisiko. Ähnliches gilt auch für das Insektizid Heptachlor und das Herbizid Simazin.
Pyrethrum (Dalmatinische Insektenblume, Chrysanthemum cinerariifolium):
Familie: Asteraceae, Compositae (Korbblütler);
Botanik: ein ausdauerndes Gewächs, 20 bis 60 cm hoch, mit aufrechtem Stengel und wechselständigen, grob gesägten bis fiederspaltigen, auf der Unterseite filzig behaarten Blättern. An langen Stielen befinden sich einzelne Blütenköpfchen, die aus weißen Zungen- und gelben Röhrenblüten zusammengesetzt sind. Verbreitung: Balkan, wird auch z. B. in Kalifornien angebaut.
Das staubförmige Insektizid wird aus den getrockneten Blütenköpfen der Pflanze gewonnen.
Inhaltsstoffe: Pyrethrine (Ester von Monoterpensäuren mit Alkylcyclopentenolonen, ca. 0,3 bis 2 %): Hauptkomponenten Pyrethrine I (0,7 bis 1,4 %) und Pyrethrin II (0,3 bis 0,6 %), daneben Cinerine I und II, Jasmoline I und II, Flavonoide: u.a. Apigenin-, Luteolin- und Quercetin-7-O-glucoside und -glucuronide, Sesquiterpene: Sesquiterpenlactone, u.a. Pyrethrosin, Cyclopyrethrosin, Lignane: Sesamin, Polyine: Thiophene, u.a. 5-(4-Hydroxy-1-butenyl)-2,2‘-bithienyl.
Pharmakologie:
Hauptwirkstoffe: Pyrethrine, Zinerine, ätherisches Öl und Glykoside.
Pyrethrine und Zinerine sind Kontaktinsektizide, die das Nervensystem niederer Lebewesen lähmen; ein neurotoxischer Effekt am Natriumkanal von Insekten ist belegt. Eine Immunität tritt bei ihnen nicht ein.
Anwendungsgebiete: Äußere Anwendung: in der Humanmedizin gegen Kopf-, Filz- und Kleiderläuse und ihre Nissen (Goldgeist forte Lösung).
Pyrethrine sind für den Menschen und andere Warmblütler angeblich nur wenig giftig (Mengen bis zu 2 g der Droge gelten als nicht humantoxisch). Selten kann es zu lokalen Hautreizungen, Juckreiz, Rötung und sehr selten zu einer Kontaktsensibilisierung kommen. Bei wiederholtem täglichen Auftragen wurden Hauttrockenheit, Juckreiz, Rötung und Schuppenbildung beobachtet.
Pyrethrumextrakt wird in der Regel mit dem Wirkungsverstärker Piperonylbutoxid eingesetzt, einem Polyethylenglykol, das die Haut durchlässiger für Schadstoffe macht und das ebenfalls verdächtigt wird, hormonell wirksam zu sein. Außerdem blockiert die Substanz diverse Enzyme, die unter anderem für den Abbau anderer Chemikalien wichtig sind, so daß eine Verstärkung der Giftigkeit möglich ist.
Pyrethroide dagegen, wie z.B. Allethrin, wurden in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts erstmals synthetisiert. Weltweit wurden bisher ca. 1000 unterschiedliche Pyrethroide chemisch hergestellt. Allethrin, Bioallethrin, Cyfluthrin, Cypermethrin, Deltamethrin, Fenvalerat und Permethrin werden am häufigsten angewendet. Pyrethroide sind fettlöslich und sowohl im menschlichen Körper als auch in der Umwelt schwer abbaubar. Die Halbwertszeiten für Cypermethrin, Fenpropathrin und Fenvalerat betragen 2 bis 4 Wochen, bei Deltamethrin sind es mehr als 8 Wochen und bei Permethrin bis zu 15 Wochen.
Deltamethrin: Im September 2004 brachte Bayer ein Insektizid auf Deltamethrin-Basis auf den Markt, das zur Imprägnierung von Moskitonetzen Verwendung findet. Es soll dabei helfen, die Zahl der Malariatoten zu verringern. Deltamethrin wurde von der Weltgesundheitsorganisation offiziell als Moskitomittel bestätigt. Durch ein spezielles Bindemittel ist der Wirkstoff länger an der Netzfaser fixiert. Sogar nach mehr als 25 Wäschen soll der Mückenschutz noch gegeben sein. 1974 wurde Deltamethrin erstmals synthetisiert. Laut Bayer ist der Wirkstoff im Gegensatz zu einigen älteren Substanzen bei sachgemäßer Anwendung für den Nutzer, den Verbraucher und die Umwelt risikolos (Quelle: Unternehmensbroschüre 2004/2005, Bayer CropScience AG, Ihr Partner für gesundes Wachstum).
Auch Schurwollteppiche (Permethrin) und Wollteppichböden, Holzschutzmittel, Elektroverdampfer, Insektensprays sowie Floh- und Zeckenmittel für Haustiere enthalten häufig Pyrethroide.
Permethrin, Allethrin und Bioallethrin finden sich auch in antiparasitären Mitteln zur äußerlichen Anwendung gegen Kopflaus- und Krätzemilbenbefall beim Menschen. In den Beipackzetteln werden folgende Nebenwirkungen aufgeführt: selten Hautirritationen (Rötungen), Juckreiz, Prickeln, Brennen oder Stechen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Atembeschwerden, allergische Hautreaktionen, Mißempfindungen wie Kribbeln oder taube, schmerzhaft brennende Gefühle.
Pyrethroide zählen zu den am häufigsten eingesetzten Insektiziden, die man zuerst für relativ harmlos hielt und die die gesundheitsschädlichen Stoffe wie Lindan und DDT ersetzen sollten. Dann fand man heraus, daß die synthetischen Verbindungen Nervengifte sind, die beim Menschen Krämpfe, Lähmungen oder Übererregbarkeit hervorrufen können. Gereizte Schleimhäute, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Atemlähmung, Koordinationsstörungen, Allergien, Nervenschädigungen bis hin zu Konzentrationsstörungen, Abgeschlagenheit, Hautunreinheiten, erhöhte Blutungsneigung, Herzbeklemmung, Herzjagen, Herzrhythmusstörungen, Ohrge- räusche, Schwächegefühl und Zuckungen der Körpermuskulatur, Muskelkrämpfe, Schwindel, Taubheitsgefühle in Armen, Beinen und Füßen, Gangunsicherheit, Gelenkschmerzen, zeitweiliges Zittern der Hände in Ruhe, Gewichtsverlust, Schlaf- und Sehstörungen, Unruhe, Multiple Sklerose-ähnliche Störungen, Depression und extreme Müdigkeit deuten ebenfalls auf eine Pyrethroidbelastung hin.
Pyrethroide im Innenbereich lassen sich am besten durch die Analyse einer Hausstaubprobe feststellen.
Das Bremer Umweltinstitut hat zum Thema Pyrethroide eine Broschüre herausgegeben und seit 1994 mehrere tausend Stück versendet. Hier Zitate daraus:
„Wirkung von Pyrethroiden auf den Menschen: Für Warmblütler, also auch den Menschen, werden Pyrethrum und Pyrethroide häufig als wenig giftig dargestellt. Diese Einschätzung leitet sich aus Fütterungsversuchen von Tieren ab. Als Grund für die geringe Toxizität wird die schlechte Resorbierbarkeit dieser Wirkstoffe im Magendarmtrakt angegeben. Erfolgt die Aufnahme jedoch direkt in das Blut, dann sind Pyrethrum und Pyrethroide auch für den Menschen sehr giftig, da sie ihren Wirkort offenbar ohne vorherige Entgiftung erreichen. Von der gesunden Haut werden Pyrethroide nur schlecht aufgenommen, doch ist das Resorptionsverhalten stark von etwaigen Vorschäden der Haut (Verletzung, bestehende Allergien) abhängig und von der Formulierung des Wirkstoffes.“
Eine epidemiologische Studie von Prof. Greiser, durchgeführt im Februar 1995, deutet darauf hin, daß Pyrethroide möglicherweise Leukämien und Lymphdrüsenkrebs verursachen.
Über die Atemluft können die Stoffe offensichtlich viel einfacher in den Organismus gelangen. Als besonders kritisch gilt eine Exposition um den Geburtszeitpunkt herum.
Permethrin wird in Zukunft keine Verwendung mehr in der Landwirtschaft finden, da die Substanz nicht in der Positivliste der EU-Richtlinie 91/414 berücksichtigt wurde, während sie jedoch noch in ca. 80 % aller Holzschutzmittel enthalten ist.
Viele Pyrethroide treten mit Androgen-Bindungsorten in Wechselwirkung, in absteigender Reihenfolge:
Pyrethrine, Bioallethrin, Fenvalerat, Fenothrin, Fluvalinat, Permethrin und Resmethrin. Androgene sind Sexualhormone, die u.a. die Ausbildung der sekundären männlichen Geschlechtsmerkmale bestimmen. Fenvalerat hemmte bei männlichen Mäusen die Funktion des Schilddrüsenhormons.
Während z.B. Deltamethrin, Cyfluthrin oder Cypermethrin ein Syndrom auslösen, das durch einen motorischen Reizzustand des Körpers mit veitstanzähnlichen, unaufhörlichen und ungewollten langsamen Bewegungen sowie durch abnorm vermehrte Speichelbildung auffällt, führen z.B. Permethrin, Bioallethrin und Resmethrin hauptsächlich zu Muskelzittern.
Auch Textilien weisen oft Pestizidrückstände auf. Wolle oder Seide können mit Mottenschutzmitteln wie z.B. Permethrin belastet sein, sichtbar an Etiketten wie „mottenecht“, „Eulan“ oder „eulanisiert“.
Die Hersteller versprechen jedoch gesundheitliche Unbedenklichkeit. Baumwolle wird in tropischem und subtropischem Klima meist in Monokulturen kultiviert. Die Sträucher sind außerordentlich anspruchsvoll in der Pflege. Sie brauchen viel Wasser und sind sehr anfällig für Schädlinge. Deshalb werden die Pflanzen bis zur Ernte rund 25 mal gespritzt. Ein Fünftel der weltweit versprühten Pestizide entfallen auf den Baumwollanbau. Insgesamt kommt es jährlich zu rund 1,5 Millionen Vergiftungsunfällen durch Pestizide, von denen 28.000 tödlich ausgehen (Quelle: Margit Mertens, Vorsicht: Textilien, Westdeutsche Zeitung vom 17.07.2004);
Phosphorsäureester sind teilweise hochtoxische Verbindungen, die auch als chemische Kampfstoffe eingesetzt wurden und werden. Bekannt sind Tabun, Soman und Sarin, ein gut wasser- und fettlösliches, nahezu geruchloses Nervengas, das 1939 in Deutschland produziert wurde.
Zu dieser Dreier-Gruppe gehört auch das Entwesungsmittel Chlorpyrifos, das in den USA bereits verboten ist, in Deutschland aber nach wie vor in Haus und Garten gebraucht wird, um Ameisen, Silberfische, Küchenschaben oder andere Insekten zu vernichten. Auch Kammerjäger verwenden es häufig. Es stört beim Menschen den Signaltransfer im Nervensystem und kann neurologische Schäden verursachen (Quelle: Gefahr durch Kammerjäger, Schrot & Korn, Ausgabe 10/2000, S. 58).
Phosphorsäureester finden aber auch als Flammschutzmittel z. B. in den Gehäusen von Elektrogeräten Verwendung. Sie blockieren Enzyme, v.a. die Cholinesterase. Dadurch steigt der Acetylcholinspiegel im Körper an, d.h. es kommt zu einer inneren Acetylcholinvergiftung. Acetylcholin ist ein gefäßerweiternder Neurotransmitter (Botenstoff im Nervensystem). Eine akute Phosphorsäureester-Vergiftung äußert sich durch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Atemnot, Kopfschmerz und Schwindel, in schweren Fällen begleitet von Speichel- und Tränenfluß, Pupillenverengung, Koliken, Stimmritzenkrampf, Krampf der Bronchialmuskeln, Muskelzuckungen, Krämpfen, Blutdruckabfall, verlangsamte Herzschlagfolge, Lähmung, Koma, unter Umständen Tod. Bei Vergiftungen mit Trikresylphosphat treten schmerzhafte Nervenentzündungen mit Lähmungen auf.
Herbizide und Insektizide (auf der Basis organischer Phosphorsäureester) sowie Pilzvernichtungsmittel werden u.a. als Auslöser für Non-Hodgkin-Lymphome diskutiert. Die Erkrankungsraten in Deutschland und in anderen europäischen Ländern haben in den letzten 20 Jahren deutlich zugenommen (Broschüre: Krebs in Deutschland, Häufigkeiten und Trends, 4. Ausgabe, 2004, Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister in Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch Institut).
Carbamate sind Ester der Carbaminsäure, die als Insektizide oder als indirekt wirkende Parasympathomimetika (Substanzen, die die Wirkung des Parasympathikus, einem Teil des vegetativen Nervensystems, nachahmen) verwendet werden. Sie hemmen ähnlich wie Phosphorsäureester die Cholinesterase. Im Gegensatz zu diesen ist der toxische Effekt bei Carbamaten aber reversibel (umkehrbar).
Phosphorsäureester und Carbamate werden auch mit Anämien und Leukämien bei Kindern in Verbindung gebracht.
Eine Rodentizidvergiftung führt zur Unterbrechung des Vitamin-K-Zyklus. Zu den Rodentiziden gehören insbesondere Cumarinderivate (z.B. Warfarin).
Bekannt ist heute, daß Insektengifte wie Imidacloprid, Dimethoat, Butocarboxim, Butoxycarboxim, Beta-Cyfluthrin, Methiocarb, Pirimicarb und Pyrethrum schon in geringen Mengen das Nervensystem beeinträchtigen und chronische Leberschäden, Mißbildungen, Sterilität, Krebs, Kreislauferkrankungen und Allergien zur Folge haben können. Imidacloprid und Beta-Cyfluthrin zählen zu den halogenorganischen Verbindungen.
Auf Grund ihres Gefährdungspotentials müssen Pflanzenschutzmittel in deutschen Läden in verschlossenen Glaskästen aufbewahrt werden und dürfen nur nach fachlicher Unterweisung abgegeben werden. Doch nicht in allen Geschäften hält man sich daran.
Literatur:
Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 259. Auflage, 2001, Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin; Hrsg.: Wolfgang Bödeker/Christa Dümmler, Pestizide und Gesundheit, Stiftung Ökologie und Landbau, Pestizid Aktions-Netzwerk, 1990, Band 74, Verlag C.F. Müller, Karlsruhe; www.pan-germany.org (Pestizid Aktions-Netzwerk) www.ihg-ev.de (Interessengemeinschaft der Holzschutzmittelgeschädigten); Susanne Smolka und Patricia Cameron, WWF-Studie 2002: Gefahren durch hormonell wirksame Pestizide und Biozide, Hrsg.: WWF Dtld., Ffm., Stand 5/2002; Gefahrstoffe 2003, Herausgeber: Universum Verlagsanstalt GmbH KG, Wiesbaden, Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege; Andreas Schlumberger, Manfred Krautter, Pestizide machen krank, 20.08.2003, Greenpeace, www.greenpeace.de/ themen/ chemie/pestizide_lebensmittel/artikel; Mag. Michaela Reis-Mandl, Pestizide und Insektizide, Österreichische Apotheker-Zeitung Ausgabe 21/2003; Sabine Steimle, Global Player der Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer, Lyon (IARC)), Magazin Einblick 4/2005, S. 11-13, Hrsg.: Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg; Monika Riemer, Wohngifte: Es liegt was in der Luft, Öko-Test 1/2004, S. 138-141; Ulrike Fokken, Wie giftig sind Obst und Gemüse? Natur & Kosmos, März 2004, S. 24-31; Elgin R. Förster, Test: Mittel gegen Blattläuse, Öko-Test 8/2001, S. 60-63; Textilien: Schadstoff-Falle Hemd & Co., Apotheken Umschau A 03/02, S. 40-41; Rote Liste 2005, Arzneimittelverzeichnis für Deutschland, Hrsg.: Rote Liste Service GmbH, Ffm., Editio Cantor Verlag, Aulendorf; www.med.uni-magdeburg.de/ fme/ institute/ iah/ToxikologieI.pdf Christof Jänicke, Dr. Jörg Grünwald, Thomas Brendler, alle Berlin, Handbuch Phytotherapie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2003.
|