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Peter Bahn, Heilpraktiker
Wir als HeilpraktikerInnen haben in der Regel unsere spezifischen Therapieformen. Von den Ausleitungsverfahren nach Aschner über die Homöopathie, der Neuraltherapie bis hin zum Schröpfen und der Zellentgiftung. Jede dieser Therapien hat ihre Berechtigung, ihren Erfolg und findet Akzeptanz bei den Patienten. Oft müssen wir uns jedoch Fragen des Patienten stellen, was er denn mit seinen Symptomen, seinem Krankheitsbild noch selbst tun kann, um wieder zu mehr Vitalität und damit auch zu mehr Lebensfreude zu gelangen.
Viele Patienten, die vor einer Erkrankung Sport getrieben haben, fühlen sich oft hierzu nicht mehr in der Lage, sei es, daß sie übergewichtig, kurzatmig sind, oder auch Gelenkprobleme o.ä. beklagen.
Ich glaube schon, daß wir als Therapeuten die Aufgabe haben, auch hier zumindest beratend tätig zu sein.
Ich selbst war und bin immer noch ein sportlich ambitionierter Mensch. Früher als Langstreckenläufer hin bis zum Marathon und als Lehrer für Selbstverteidigung; heute leidenschaftlicher Nordic Walker.
Sport hatte somit in meinem Leben einen hohen Stellenwert, konnte ich hierbei doch Streß abbauen und für Vitalität und Gesundheit gutes tun.
N.W. habe ich im Herbst 2003 anläßlich eines Urlaubs in Südtirol kennengelernt. Ein Jahr später habe ich auf der DSHS Köln den Schein zum Nordic Walking Instructor absolviert und setze diese Sportart nunmehr auch als Therapie bei meinen Patienten ein.
Vorab einige Informationen zur Geschichte des N.W.
- Ursprünglich eine Sommertrainingsmethode von Skilangläufern als Lauf- und Sprungtraining mit Stöcken. - Dann Bergwandern mit Wander- Trekkingstöcken. - 1992 erstmals in der amerikanischen Fachliteratur erwähnt (Pole Walking) - 1992/1993 erste Studien zu Ausdauereffekten (Walking mit Stöcken) - 1996 Aufnahme des Berglaufs mit Stöcken in den Lehrplan Skilanglauf des DSV - 1997 Vorstellung des Breitensportkonzepts „Nordic Walking“ durch den Carbonstockhersteller Exel in Finnland - ca. 2000 Erste N.W.-Angebote in Deutschland - 2002 erste N.W.-Strecken in Deutschland, Beginn der breiten touristischen Vermarktung von N.W. (50.000 Menschen betreiben N.W.) - 2003 N.W. etabliert sich in Deutschland „Boom“ (schon ca. 750.000 Nordic Walker) - 2004 Tendenz bis 3 Millionen N.W.
Im Ursprungsland Finnland betreibt 1/3 der Gesamtbevölkerung N.W. 3 x wöchentlich. Auf Deutschland bezogen wären dies ca. 28 Millionen.
Was geschieht nun beim Walken mit den Stöcken?
1.) Muskelkräftigung; ca. 400 Muskeln werden bewegt, insbesondere Oberkörper- und Rumpfmuskulatur. 2.) Entlastung für Hüft-, Knie- und Sprunggelenke, geringere Stauchung der Wirbelsäule.
3.) Herz- Kreislaufbeeinflussung; Regulation des Blutdrucks, Kapillarisierung, Muskel-Venenpumpe, Aktivierung der Lymphbahnen.
4.) Sauerstoffaufnahme; Verbesserung der Sauerstoffaufnahme in der Muskulatur, höhere Sättigung des Blutes, Verbesserung der Lungenventilation.
5.) Stoffwechsel; vermehrter Kalorienverbrauch, Regulation der Cholesterinwerte, Senkung der Blutfettwerte, Erhöhung der muskulären Enzyme und der Mitochondrienzahl, Regulation der Hormone.
6.) Streßreduktion; Bewegung in der Natur, emotionales Erlebnis, Abbau von Adrenalin und Noradrenalin.
Aus diesem großen Potential an Beeinflussung auf unseren Körper und Organismus ergibt sich eine Vielzahl von Indikationen.
Was erreiche ich mit N.W., respektive wo kann ich als Therapeut N.W. gezielt in der Behandlung einsetzen?
1.) Muskelkräftigung; Verbesserung der muskulären Situation im Schulter- Nackenbereich, damit Minderung der Schmerzen und der Bewegungseinschränkung, Verbesserung der Körperhaltung, sicheres Bewegen auch im Gelände (Balancierung). 2.) Entlastung der Bandscheiben, der arthrotischen Gelenke, darüber Entlastung im prae- und postoperativem Zeitraum, Entlastung auch für Träger von Endoprothesen.
3.) Herz-Kreislauf; positive Beeinflussung bei Arteriosklerose, Koronarsklerose, Hypertonie, Herzinfarkt und Bypass.
4.) Venen- und Lymphbahnsystem; auch hier positive Einflüsse bei Ödemen, Krampfadern und lymphatischen Stauungen.
5.) Lunge u. Thorax; Besserung der Sympthomatik bei Kurzatmigkeit, Raucherhusten, Asthma.
6.) Stoffwechsel; postive Impulse bei diabetes mellitus, Rheuma, Krebs, Fibromyalgie und naturlich Gewichtsreduktion. Dazu kommen noch, wenn nicht schon erwähnt, therapeutische Beeinflussung bei
7.) Streß (Reduktion)
8.) Morbus Bechterew
9.) Osteoporose
10.) Verzögerung des Alterungsprozesses
Der Therapeut hat somit mannigfaltige Möglichkeiten N.W. zumindest als Begleittherapie einzusetzen.
Für mich besonders wichtig ist das Training des Patienten in der Gesundheits- und Fettstoffverbrennungszone. Was versteht man hierunter?
Jede Sportart kann man in Belastungszonen einteilen, also in Bereiche mit mehr oder weniger Belastung des Herz- Kreislauf- und Lungensystems.
Die Zonen heißen:
- Gesundheitszone - Fettverbrennungszone - Aerobe Zone - Anaerobe Zone - Warnzone
Die einzelnen Zonenbereiche errechnen sich nach der genetisch festgelegten maximalen Herzfrequenz (MHF), die bei Frauen und Männern unterschiedlich ist. Dies sei kurz erläutert: Es gibt drei Möglichkeiten zur Ermittlung der max. Herzfrequenz (HF max) als Basis zur Berechnung der Trainingszonen.
1.) Über die „Faustformel“ Männer Max. HF = 220 abzgl. Lebensalter Frauen Max. HF = 226 abzgl. Lebensalter (Zum Vergleich: Baby 120-160, Elefant 15-20, Kolibri 250-300) 2.) Über die Herzfrequenzvariabilität. Hierunter versteht man die physiologischen Pausen zwischen zwei Herzschlägen; nicht zu vergleichen mit den pathologischen Herzrythmusstörungen. Der Puls vermittelt die Quantität, die Variabilität jedoch die Qualität der Pulsschlages. Je variabler das Herz schlägt desto besser.
3.) Über maximalen Belastungstest Es sei noch erwähnt, daß ca. 5 % der Menschen sogenannte Hochfrequenzler sind, die immer einen höheren Puls haben. Dies ist bei einem guten Ausdauerzustand nicht pathologisch.
Auf meine Person bezogen berechnet sich die max. HF wie folgt:
Alter 55. Ergo max. HF 22o minus 55 = 165
Hieraus ergeben sich folgende Zonenbereiche, wiederum auf mich bezogen
1.) Gesundheitszone 50 % – 60/65 % der max. HF, dies sind 83 – 99/107 Pulsschläge
Hier findet allgemeines Gesundheitstraining statt. Positiver Einfluß auf Bluthochdruck, Diabetes etc. Gleichzeitig auch Reha-Training, Koronarsport, regeneratives Training
2.) Fettverbrennungszone 60/65 % - 70/75 % der max. HF, dies sind 99 – 116 respektive 107 – 124 Pulsschläge
Hier streßfreies Training des Fettstoffwechsels, Stabilisierung des Herz-Kreislauf-Systems, Erhöhung der muskulären Enzyme für den aeroben Stoffwechsel und der Mitochondrien. Dies sind die „Fettverbrennungsöfchen“ in den Muskelzellen. Denn nur der Muskel ist das einzige Organ im Körper das Fett verbrennt.
Je höher die körperliche Belastung – desto geringer die Energiebereitstellung aus den Fetten.
3.) Aerobe Zone 70/75 % – 80/85 % der max. HF, dies sind 116 – 132 bzw. 124 / 140 Pulsschläge
Geeignet als Grundlagenausdauertraining, Verbesserung der aeroben Muskelausdauer, des Herz-Kreislaufsystems, Erhöhung der aeroben Kapazität.
4.) Anaerobe Zone (Warnzone) 80/90 % - 85/100 % der max. HF. Dieser Bereich sollte dem Hochleistungs- und Spitzensportler unter ständiger Trainingsbeobachtung vorbehalten bleiben. Er dient der Erhöhung der anaeroben Kapazität, Erhöhung der Wettkampfgeschwindigkeit, der Verbesserung der Lactattoleranz etc.
Für unsere Tätigkeit als Therapeut sind primär die Gesundheits- und Fettverbrennungszonen interessant, haben wir hier doch die Möglichkeit effiziente Präventions- und Therapiearbeit am Patienten zu leisten.
Die Effizienz des N.W. ist auch wissenschaftlich erwiesen. Studienergebnisse des amerikanischen Cooper Instituts haben ergeben, daß sowohl der Energieaufwand als auch der Sauerstoffverbrauch bei gleichem Tempo um 20 % über dem des herkömmlichen Wanderns liegt.
Wissenschaftliche Auswertungen der TU München haben ergeben, daß prinzipiell festgestellt werden kann, daß N.W. neben den unumstrittenen Vorteilen im physiologischen Bereich, d.h. durchschnittlich 20 % höherer Energieumsatz und 6 % höhere Herzfrequenz bei gleicher Geschwindigkeit zu besonders hohen Belastungsreduzierungen führt, damit auch zu Reduzierungen der Gelenkbelastungen und der Wirbelsäule.
Dr. Ernst Jakob, DSV-Mannschaftsarzt und Chefarzt der Abt. Sportmedizin des Sportkrankenhauses Hellersen kommt in seiner wissenschaftlichen Forschungsarbeit zu dem Ergebnis, daß N.W. nicht nur Trainingssport für Skilangläufer ist, sondern sich diese Ausdauersportart auch besonders gut eignet für ältere Menschen und im gesundheitsorientierten Sport so z.B. als begleitende Sporttherapie in der Behandlung von Adipositas oder in der Reha nach Gelenkersatz- oder anderen Operationen im Bereich der unteren Extremitäten sowie als Sporttherapie bei Fibromyalgie und auch Osteoporose.
Der Fachbereich für Biomechanik im Sport der TU München empfiehlt Interessenten dieser Sportart, sich durch autorisierte N.W.-Trainer die korrekte N.W.-Technik zeigen zu lassen oder noch besser, einen Kurs zu besuchen, um mit Hilfe der sehr leicht zu erlernenden N.W.-Technik die Effektivität des Stockeinsatzes zu erhöhen.
Also rann an die Stöcke! Lernen und praktizieren Sie N.W. entweder als Sporttreibender oder als Therapeut. Der Erfolg wird sich bald einstellen.
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