Nicht alles ist Migräne - was Kopfschmerz angeht!


Doris Brauner-Kochta, Heilpraktikerin

Ein normaler Anruf in der Praxis, -- es geht mir so schlecht, ich hab solches Kopfweh!, -- Meine Migräne!- Sie wissen schon! Können Sie mir nicht was geben, daß es mir besser geht?
 
So etwas kommt tagtäglich in jeder Praxis vor. Und es gibt keinen Behandler, der nicht seine Klientel kennt, die geistige Schublade öffnet und ihn ablegt unter „Psyche", „Streß", „Migräne", „Wechseljahre" etc.
 
Ein Kopfschmerzmittel, allgemeine Ratschläge, etwas Ruhe, -- das wird schon helfen! Doch wie lange! Bis zum nächsten Anfall? Oder gibt es doch etwas, was man vielleicht übersehen hat? Die Migräne gehört zu den häufigsten Schmerzphänomenen in der täglichen Praxis und man verbindet mit ihr häufig Sehstörungen, Erbrechen, Übelsein.
 
Was verbirgt sich dahinter?
 
Es gibt mannigfaltige Erklärungs- und Modellvorstellungen, die jedoch meist bei genauer Betrachtung einer umfassenden Aufklärung nicht standhalten.
 
Man weiß, daß die ersten Migräneanfälle bereits im Kindes- und Jugendalter anfangen, daß die Häufigkeitsfrequenz der Attacken unterschiedlich ist, und daß mit zunehmendem Alter die Häufigkeit nachläßt. Man fand, daß auffällig viele Patienten gerade in der Entspannung und am Wochenende einen Migräneanfall erleiden.
 
Durch Zwillingsversuche konnte eindeutig festgestellt werden, daß eine wirkliche Migräne nicht vererbbar ist. Lediglich das Reaktionsmuster wird weitergegeben. Das heißt, ein Kind, das die Anfälle bei der Mutter miterlebt hat, übernimmt später häufig die Art und Weise der Schmerzbewältigung. Auf dieser Grundlage entwickelt sich eine Reaktionsbereitschaft, die durch verschiedene Faktoren (endogen, exogen) in Gang kommt.
 
Wie entsteht nun eine Migräne?
 
Voraussetzung für die Entstehung der Migräne ist gewiß eine abnorme Gefäßlabilität der Gefäße innerhalb und außerhalb des Kopfes.Allgemein hat man heute die Vorstellung, daß „die echte Migräne" in drei Phasen abläuft die vasokonstriktorische Phase (die Gefäße verengen sich) die vasodilatorische Phase (die Gefäße erweitern sich) die Ödemphase (die Verquellung der Gefäße)
 
Bei der vasokonstriktorischen Phase kommt es zur Verengung der Gefäße innerhalb des Kopfes und dadurch zu einer Minderdurchblutung. Durch die Blutleere im Kopf klagen manche Patienten dann über Doppelsehen, teilweisem und zeitweiligem Gesichtsfeldausfall, Sprachstörungen etc. und erst dann beginnt der große Kopfschmerz.
 
Nach dieser Phase folgt die vasodilatorische Phase. Die Gefäße, vor allem die großen Kopfarterien außerhalb des Kopfgebietes (extrakranial) erweitern sich. Dies führt zum typischen Migränekopfschmerz, der sich durch erhebliche, schwere, oft halbseitige Schmerzlokalisation auszeichnet.
 
Der Patient gibt an, -- „mein Kopf pulsiert und es wird etwas besser, wenn ich auf die heraustretende Ader, seitlich an der Stirn, drücke." Dieses äußere Zeichen, das Heraustreten der Arteria temporalis findet man in diesem Stadium oft. Spätestens jetzt muß sich der Patient hinlegen.
 
Bei längerer Dauer schließt sich die Ödemphase an, bei der eine Transsudation (eine abnorme Durchlässigkeit der Gefäße für Flüssigkeiten) in die Gefäßwand bzw. in das perivaskuläre (das Ader umgebende Gewebe) erfolgt.
 
Jetzt wird der Kopfschmerz mehr dumpf und er kann mehrere Tage anhalten. Bei längerer Dauer und großer Häufigkeit der Attacken sind schließlich bleibende Störungen möglich, die infolge Minderdurchblutung entstehen. Glücklicherweise findet man einen derartigen Ausgang einer Migräne sehr selten.
 
Da viele Migränepatienten auch unter „normalen Kopfschmerzen" leiden, stellt sich für sie immer wieder die Frage, ob die ersten Anzeichen eines Kopfschmerzes auch bereits Vorzeichen eines Migräneanfalles sind.
 
Wir unterscheiden deshalb unsichere von sicheren Anzeichen:
 
Unsichere Anzeichen sind Befindlichkeitsstörungen wie Ziehen im Kopf, Kopfdruck, Unwohlsein. Sie könnten aber auch wetterlagenbedingt, streßbedingt oder blutdruckbedingt sein.
 
Wirklich sichere Anzeichen jedoch sind kurzzeitige Vorboten wie Funken, Blitze, Flimmern in den Augen und ein vermehrtes Urinieren. Bei der Erklärung der Migräneattacken spielen biogene Amine, Stoffe, die durch Kohlehydratabspaltung (Dekarboylierung) von Aminosäuren entstehen, eine Rolle. Viele dieser Stoffe haben pharmakologische Wirkungen, wie zum Beispiel Histidin, oder sie sind Teile von Coenzymen oder Vorstufen von Hormonen. Auch die Thrombozyten spielen eine nicht unwichtige Rolle.
 
Eine Schlüsselrolle gibt man dem Serotonin (= 5-Hydroxi-tryptamin; stimuliert die Nozirezeptoren), einem Gewebehormon, das die Funktion hat, die glatte Muskulatur der Gefäße, der Bronchien, des Darmes und des Uterus zu erregen und dadurch je nach Ausgangslage des Kreislaufes den Blutdruck senkt oder erhöht. Man konnte nachweisen, daß sich während des Vorstadiums einer Migräneattacke die Plasmakonzentration von Serotonin erhöht und in den späteren Phasen sich erniedrigt. Die einzelnen Vermittlungsschritte sind heute weitgehend aufgeklärt, jedoch der auslösende Faktor, der eine Lösung der Entstehung von Migräneattacken zur Folge hat, ist bis heute nicht gefunden.
 
Wann spricht man von einer schweren oder leichten Migräne?
 
Die einfache Migräne (common migraine) hat zwar Schmerzanfälle, jedoch der phasenhafte Verlauf fehlt. Sie ist häufig verknüpft mit Symptomen, die vom autonomen Nervensystem ausgehen. Die Reizschwelle des Zentralen Nervensystems ist erniedrigt und die Symptome wie emotionelle Labilität, Lichtempfindlichkeit oder Lärmempfindlichkeit, Schwindel etc. herrschen vor, aber man findet keine begleitenden neurologischen Funktionsstörungen. Zu der einfachen Migräne zählen 70 bis 80% aller Migräneanfälle.
 
Die klassische Migräne (classical migraine) tritt bei circa 20% alle Migräne-Patienten auf. Hier findet man den phasenhaften Ablauf und die kurzdauernden neurologischen Funktionsstörungen, die dem Kopfschmerz vorangehen oder ihn streckenhaft begleiten (Flimmerskotom, Halbseitenblindheit). Im einzelnen handelt es sich dabei um visuelle, sensorische, motorische oder aphasische Störungen.
 
In diesen Bereich gehören die ophthalmische Migräne (die Augen betreffend) und die Migraine accompagnee.Die ophthalmische Migräne ist verbunden mit einer reversiblen, Stunden bis Tage dauernden, gleichseitigen Sehnervschwäche. Hier kann auch ein Wettereinfluß (Hochdruck/Tiefdruck) ausschlaggebend sein.
 
Die Migraine accompagnee ist eine Form der Migräne, bei der in zeitlichem Zusammenhang mit dem Kopfschmerz und seinen vegetativen Begleiterscheinungen, Funktionsstörungen einer Großhirnhemisphäre, wie motorische Lähmungen und Sprachstörungen auftreten.
 
Die komplizierte Migräne (complicated migraine) tritt bei nur etwa 1% aller Migräne-Patienten auf. Hierbei handelt es sich um Kopfschmerzanfälle mit langdauernden Funktionsstörungen, die das eigentliche Kopfschmerzstadium um Stunden oder Tage überdauern können. Zu den komplizierten Migränen gehören die hemiplegische Migräne, die ophthalmoplegische Migräne sowie die Basilarismigräne.
 
Unter einer ophthalmoplegischen Migräne versteht man eine Migräne mit reversibler Okulomotorisierung. Diese Migräne ist symptomatisch und kommt vor allem vor bei intrakraniellen Aneurysma der Arteria communicans anterior und beim Kavernosus-Syndrom (Symptomenkomplex mit Reiz- und Ausfallerscheinungen im Bereich des Nervus trigeminus und der Augenmuskelnerven) vor. Diese Migräneform wird auch als Moebius-Syndrom bezeichnet.
 
Was ist differentialdiagnostisch zu beachten?
 
Nicht alles was sich mit Kopfschmerzen darstellt sind auch als solche zu behandeln bzw. sind unter Migräne abzuhandeln. Es wäre nicht das erste Mal, daß an einer schweren Krankheit vorbeitherapiert wird oder sich grobe Kunstfehler in eine Therapie einschleichen. An folgende schwerwiegende Erkrankungen sollte bei jedem Kopfschmerzpatienten gedacht werden:
 
Trigeminusneuralgie
 
Sie tritt meist bei älteren und alten Menschen auf, wobei Frauen etwas häufiger als Männer befallen sind. Eine Trigeminusneuralgie zeigt sich durch attackenweise auftretende Schmerzanfälle eines oder mehrerer Äste des Trigeminusnerves. Sie können durch Niesen, Husten, Gähnen und Kauen ausgelöst werden. Stets findet man im Gebiet des erkrankten Nerves eine Hyperästhesie, mit Hitze und Rötung des Gesichts sowie vermehrter Tränen- und Speichelfluß. Die Valleix Punkte sind druckschmerzhaft. Hinter einer solchen echten Trigeminusneuralgie verbergen sich meist schwerwiegende Erkrankungen wie Infektionskrankheiten, Virenbefall, Diabetes, Gicht, Zahn-, Nasen-, Ohren- und Nebenhöhlenerkrankungen sowie Tumore.
 
Der Clusterkopfschmerz (Bing-Horteon-Syndrom)
 
Der Clusterkopfschmerz ist ein Histaminkopfschmerz und findet sich eindeutig mehr bei Männern als bei Frauen (Verhältnis 7:1).
 
Es ist ein flüchtiger, manchmal stundenlang anhaltender, meist einseitiger Kopfschmerz mit Bevorzugung der Schläfengegend und der Umgebung des Auges, gelegentlich begleitet von einer Rötung des Auges, Tränenträufeln und Schwellung der Nasenschleimhaut. Eine Allergie spielt nicht unwesentlich eine Rolle. Dieses Krankheitsbild wird treffend auch als Migraine rouge bezeichnet.
 
Die Artheritis temporalis
 
Die Artheritis temporalis oder Riesenzellartheritis, auch als Horton-Magath-Brown-Syndrom bekannt, ist eine Auto-Immunerkrankung. Das Krankheitsbild tritt meist jenseits des 50. Lebensjahres auf und zeichnet sich durch einen Schläfenkopfschmerz und eine Schwellung im Bereich der Arteria temporalis aus, die auch meist strangartig verdickt ist. Gelegentlich findet man einen Temperaturanstieg, rheumatische Beschwerden, eine Blutsenkungsbeschleunigung und eine Miterkrankung der Arteria ophalmica und der daraus resultierenden Ausfallerscheinungen. Die Sterblichkeit liegt etwa bei 10% und unter den tödlichen Folgen liegt die Minderdurchblutung des Kopfes an erster Stelle.
 
Ein Fehler hier in der Differentialdiagnostik und der Medikamentenwahl kann nicht wieder gutzumachende Schäden hinterlassen.
 
Das akute Glaukom
 
Das akute Glaukom ist eine Steigerung des Augeninnendrucks weit über die Normalwerte von 15-20 HG hinaus. Folge dieses Überdruck-Auges mit schädigender Einwirkung auf den Sehnerv und die Netzhaut kann eine völlige Erblindung sein. Vorboten eines akuten Glaukoms sind: Sehen von Regenbogenfarben, alle Gegenstände werden wie durch Rauch und Nebel wahrgenommen, manchmal Ziliar und Trigeminusneuralgie, träge Lichtreaktion und Erweiterung der Pupille. Druck auf den Augapfel tut weh und fühlt sich hart an. Erst bei längerer Dauer bekommt der Patient fast unerträgliche Schmerzen.
 
Während bei der Trigeminusneuralgie und dem Clusterkopfschmerz im Hinblick auf eine „Migräne-Diagnose" durchaus ein diagnostischer Fehler unterlaufen kann, ohne daß dies dem Patienten wesentlichen Schaden zufügt, darf eine Arteritis temporalis oder ein Glaukom keinesfalls übersehen werden.
 
Sonderformen der Migräne aus naturheilkundlicher Sicht
 
Die digestive Migräne Die digestive Migräne ist den meisten Behandlern unbekannt. Es ist jedoch wichtig zu wissen, daß es sie gibt, da mit der richtigen Behandlung eine schnelle Besserung der Beschwerden erreicht werden kann.
 
Diese Art der Migräne zeichnet sich durch einen zunehmenden Kopfschmerz (bis zu 48 Stunden) in der Verdauungsphase aus. Damit verbunden ist ein bitter Geschmack, Appetitlosigkeit, Geruchsempfindlichkeit und physische und psychische Schwäche.
 
Gerade bei dieser Migräneform bzw. -ursache, aber auch bei allen anderen Migräne-Patienten, bei denen eine abdominelle Mitursache vermutet wird, ist eine gezielte Anamnese besonders wichtig. Bitte denken Sie einmal an den Desmoidtest, der Ihnen für wenig Geld Aufschluß über die Säureverhältnisse geben kann. Bei Achylie, die eine digestife Migräne gerne begleitet, ist Cortex chinae (Chinarinde) ein echtes Stomachikum, das die Magensaftsekretion anregt. Bei einem Gallerückstau regt außerdem die Zitwerwurzel (Rhizoma curcumae) die Magensaftsekretion und den Gallenfluß an. Das y Bisabol in den Kamillenblüten wirkt antiphlogistisch, muskelentspannend, antiseptisch und ulcusprotectiv. Chamazulen und Matricin sowie Spiroether unterstützen und verstärken die Wirkung von y Bisabol.
 
Alle drei, Chinarinde, Kamillenblüten und Zitwerwurzel können als Tee verabreicht werden bzw. wenn es einfacher gehen soll als GASTROL S, Firma Fides, rezeptiert werden.
 
Stehen jedoch Magen- und Darmentzündungen im Vordergrund oder wenn Stauungen im Pfortadersystem ursächlich für eine abdominelle Migräne verantwortlich sind, kommen Pflanzen wie der Queckenwurzelstock (Rhizoma graminis), das Sonnenhutkraut (Herba echinaceae angustifoliae), Schwefel (Sulfur) und Phosphorsäure (acidum phosphoricum) zur Anwendung.
 
Die Phosphorsäure reguliert den Kalkstoffwechsel und bekämpft die Erschöpfungszustände, der Schwefel regt die Zelltätigkeit an und entgiftet, der Sonnenhut stimuliert die körpereigenen Abwehrkräfte und der Queckenwurzelstock wirkt blutreinigend und ist ein mildes Diuretikum.
 
Ein gutes Komplexmittel, in dem alle diese Drogen vereint sind, ist Contravenenum M.
 
Eine weitere Sonderform der Migräne ist das Barre-Lieou-Syndrom oder auch cervicale Migräne genannt. Hierbei handelt es sich um ein Zervikobrachialsystem mit Irritationen der Arteria vertebralis und des Sympathicus infolge Arthrose oder auch nach einem Schleudertrauma. Die Symptome sind hierbei okzipitaler Kopfschmerz, Schwindel, Hörstörungen und Sehstörungen.
 
Festzustellen ist also, daß ursächlich für eine Migräne cervicale ein atraumisches Halswirbelsäulensyndrom (Irritation der Arteria vertebralis und des Plexus sympathicus durch zervical-arthrotische Veränderungen = Barre-Lieou-Syndrom) aber auch ein traumatisches Halswirbelsäulensyndrom (Bärtschi = Rochaix-Syndrom) in Frage kommen. Das Peitschenschnurknall-Syndrom (Whiplash-Syndrom), ein mehr oder minder großes Schleudertrauma, kommt heute bei Unfällen durch Autos besonders häufig vor.
 
Bei dieser Migräneursache ist besonders an Restructa forte S (Tabletten) zu denken, wobei die Einzelbestandteile in diesem Kombinationspräparat wie folgt zu charakterisieren sind. China ist wie Silicea ein „Schwächemittel", das bei Wirbelsäulenschwäche, Osteoporose, Osteochondrose, Osteoarthrose angezeigt ist.
 
Außerdem hat China im Arzneimittelbild Ohrensausen, Schwindelgefühl und Kopfschmerzen. Lithium chloratum ist ein Mittel, welches auf die kleinen HWS-Gelenke wirkt. Ferrum phosphoricum erweitert verhärtete Gefäße und wirkt beim HWS-Syndrom ebenso wie beim Schulter-Arm-Syndrom.
 
Colchicum wirkt bei besonders verhärteten, schmerzhaften Gelenken wie den kleinen HWS Gelenken und Bryonia ist immer dann angesagt, wenn ein berstender Kopfschmerz plagt. Formica rufa lindert die Druckempfindlichkeit der Nervenaustrittsstellen der nervi occipitales major und minor der HWS.
 
Coffeinum hat im Arzneimittelbild den typischen „Nagelkopfschmerz", der verbunden ist mit Ruhelosigkeit und Schlaflosigkeit.
 
Leider sehen wir den Migränepatienten fast nie im akuten Anfall in unserer Praxis, sondern erst viel später. Um ihn richtig therapieren zu können ist es wichtig, die vier großen Kopfschmerzmittel, das Wanzenkraut, den kanadischen Blutwurz, die Schwertlilie und den Jasmin im Arzneimittelbild zu kennen.
 
Der kanadische Blutwurz (Sanguinaria) wirkt bei periodischem Kopfschmerz, bei Kopfschmerz nach Weingenuß oder Völlerei und Hungerkopfschmerz.
 
Die Schmerzen beginnen im Hinterkopf und setzen sich über dem rechten Auge fest. Der Patient ist geräusch- und geruchempfindlich und schildert seinen Schmerz als so stark, daß er meint, den Verstand zu verlieren. Während des Schmerzanfalls preßt er den Kopf in die Kissen und fühlt ein Frösteln und Brennen in der Magengegend. Es ist ein periodischer Kopfschmerz im Tagesrhythmus. Die Schläfenvenen sind empfindlich gegen Druck.
 
Das Wanzenkraut (Cimifuga) ist ein sogenanntes Linksmittel, d.h., die lokalen Beschwerden finden sich überwiegend auf der linken Seite. Die Schmerzen sind blitzartig und laufen von innen nach außen zum Auge, zum Nacken, oder es ist ein scharfer Schmerz vom Hinterkopf zur Stirn. Alles verschlechtert sich durch Geräusche und bessert sich durch Kälte.
 
„Wanzenkraut-Menschen" sind blasse Menschen, mit blassem Gesicht, blassen Lippen und Bindehäuten. Sie haben meist tiefblaue Ringe unter den Augen, neigen zu hypophysärer Fettleibigkeit (= Oberkörper hager, Unterkörper übermäßig dick). Sie haben Probleme mit der Sexualität und bei Frauen verstärkt sich das Kopfweh nach dem Motto, je stärker die Regel, desto stärker das Kopfweh.
 
Die Schwertlilie (Iris versicolor) ist das Mittel der Sonntagsmigräne, weil sie vor allem bei Entspannung und an Ruhetagen auftritt. Die Augenschmerzen und Kopfschmerzen beginnen nach dem Frühstück. Der Patient gibt an, Schleier zu sehen oder Flecken. Die rechte Schläfe ist besonders vom Schmerz befallen, die Kopfhaut ist wie eingeschnürt. Das Kopfweh tritt periodisch auf und geht mit galligem, saurem Erbrechen und Durchfall einher. Wenn eine vermehrte Harnausscheidung erfolgt, wird der Schmerz besser.
 
Der Jasmin (Gelsemium) ist das Mittel für den nervösen, sensiblen, reizbaren Menschen, der zu Zornesausbrüchen neigt. Das Gesicht ist hochrot, stumpfsinnig, das Denken ist erschwert und er redet verwirrt, wenn der Schmerz beginnt. Dieser Patient leidet zuerst an einer Hemikranie mit vorausgehender Sehstörung und auch sein Schmerz wird durch einen vermehrten Harnabgang gemildert.
 
Dem „Jasmin-Menschen" ist während des Kopfschmerzes bei jeder Bewegung schwindelig. Er klagt über einen dumpfen Hinterkopfschmerz mit einem Bandgefühl um den Kopf. Er hat stets das Verlangen, den Kopf hoch zu lagern, da ihn ein heftiger Blutandrang zum Kopfe quält. Wenn er erbrechen muß, wird alles nur noch schlimmer.
 
Die häufigsten Auslöser dieser Kopfschmerzart sind Diätfehler.
 
Alle vier Pflanzen können Sie bei der Firma Fides unter den gleichlautenden Namen, Gelsemium Homobion S, Iris Versicolor Hombion S, Sanguinaria Homobion S und Cimifuga Homocent S finden. Diese Komplexmittel sind nach bewährten Rezepturen von alteingesessenen Heilpraktikern gemischt worden und ich kann mich nur anschließen: sie überzeugen in der Praxis!
 
Die Prophylaxe von Migräneanfällen
 
Auf eine Vermeidung bzw. Eruierung auslösender Faktoren ist bei allen Patienten mit Migräne größter Wert zu legen, nicht nur bei der digestiven Migräne ist anamnestisch stets nach spezifischen Nahrungs- und Genußmitteln zu fahnden, die als auslösende Faktoren in Frage kommen und zwar in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit. An erster Stelle steht der Alkohol, gefolgt von Schokolade, Käse, Milchprodukte, Obst, chemischen Zusatzstoffen, Konservierungsmittel und künstlichen Farbstoffen.
 
Außerdem können auch Hunger, Erschöpfung, Störung des Schlaf-Wach-Rhythmusses, Schlafdefizit, Arbeitsplatz sowie Streß und psychische Faktoren und nicht zuletzt auch Medikamente für die Auslösung von Migräneattacken verantwortlich gemacht werden. Es ist also stets auf eine verbesserte Lebensführung des Migränepatienten einzuwirken.
 
Da die meisten Menschen arbeiten müssen, ist ein Beruhigungsmittel, welches schläfrig macht, nicht anzuraten. Behandeln Sie deshalb lieber mit Hypericum (Johanniskraut), Homobion S. Hypericum hellt bei Verstimmungen und Depressionen auf und wirkt auch bei zerebralsklerotischen Symptomen sowie auch bei osteochondrotischen Veränderungen im Bereich der Zervicalwirbel, also auch bei konsekutiver Migraine cervicale. Hypericum Homobion S ist stets ein Langzeitmittel.
 
Falls eine Hochdruck-Symptomatik ursächlich für Migräne-Attacken verantwortlich zu machen ist, sollte in Form einer Dauertherapie Glonoin Homobion S zur Anwendung kommen. Durch den Bestandteil Nitroglycerin (Glononin) wird ein roter Hochdruck, der meist mit Kopfkongestionen verbunden ist, therapeutisch gut beeinflußt. Synergistisch unterstützt die Belladonnakomponente in diesem Präparat die Hirn-Hyperämie. Denken Sie bei diesem Geschehen auch einmal an einen Aderlaß bzw. an eine Blutuntersuchung. Ist das Ferritin sehr hoch, so ist das Eisendepot überladen und Eisen kann sich in anderen Geweben, so zum Beispiel im Gehirn festsetzen und dort zu Ausfällen führen.
 
Nebenwirkungen, Gegenanzeigen „schulmedizinischer Migränemittel"
 
Die meisten Migränemittel sind aufgebaut auf Mutterkornalkaloide, Coffein, Antihistaminika, Paracetamol, Prophypenazon und Codein. Es kann für einen Behandler, der einfach nur in die Schublade greift, um irgendein Mittel zu verschreiben, verheerende Wirkung haben, was den Erfolg einer Behandlung angeht.
 
So kann Codein das Atemzentrum dämpfen und die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn unterdrücken, was zu stärkeren Beschwerden führen kann, als vor der Einnahme eines solchen Präparates. Außerdem kann es abhängig machen und ein labiler, von seinem Arzt gut motivierter Patient, der ein solches Mittel wirklich hochdosiert einnimmt, wird bald nicht mehr davon loskommen und in seinem Krankheitsverlauf immer tiefer rutschen.
 
Coffein selbst hat als Nebenwirkung Kopfschmerzen, Schwindel, Reizbarkeit und kann bei abruptem Absetzen nach längerem hochdosierten Gebrauch vegetative Symptome nach sich ziehen. Ob dies sehr sinnvoll für eine Langzeittherapie ist, wage ich zu bezweifeln.
 
Mutterkornalkaloide haben eine gefäßverengende Wirkung und sind bei bluthochdruckbedingtem Kopfschmerz absolut kontraindiziert. Als Nebenwirkungen sind hier Übelkeit, Erbrechen und Vasospasmen zu nennen. Diese Kriterien sprechen für sich.
 
Antihistaminika bei einem nicht erkannten Glaukom setzen Schäden für immer. Außerdem können sie Sehstörungen verursachen, ein Glaukom auslösen und Miktionsstörungen verursachen. Wenn man bedenkt, daß es vielen Migränepatienten nach vermehrtem Harnfluß besser geht und sie sowieso schon unter Sehstörungen leiden, ist vielmehr danach zu fahnden, was diesen Histaminfluß ausgelöst hat, als ihn zu unterdrücken.
 
Hohe Dosen von Paracetamol können die Nieren schädigen und Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen, was wiederum zu einer vermehrten Histaminausschüttung führt. Der Patient kommt in einen Circulus vitiosus.
 
Propyhenazon kann Überempfindlichkeitsreaktionen mit größerem Auswurf von Histamin mit sich bringen. Nicht wenig sehen wir Patienten, die mehrfach nebeneinander mehrere Mittel einnehmen, wobei das eine Präparat die Nebenwirkungen des anderen unterdrücken soll. Dies kann niemals eine Behandlung aus ganzheitlicher Sicht sein.
 
Ein Behandler, dem das Wohl seines Patienten am Herzen liegt, wird stets das Für und Wider eines Präparates abwägen und nach sorgfältiger Diagnose und Anamnese entscheiden, was für diesen speziellen Patienten gut ist.
 
„Kopfweh ist nicht immer Migräne und die Patienten passen nicht immer in die gleichen Schubladen." Daran sollten wir denken!

 
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