Reinhard Bayerlein, Heilpraktiker
Der Arbeitskreis hat es sich zur Aufgabe gemacht, unabhängig von der Dr. Bach Blütentherapie auch andere Themen in die Diskussion einzubringen. Unter diesem Gesichtspunkt der heutige Artikel zur Musiktherapie.
Die Musiktherapie ist eine elegante und effektive Möglichkeit um verschiedenen Krankheitsbilder, welche durch Streßerscheinungen ausgelöst oder begünstigt werden, positiv zu beeinflussen.
Neben der aktiven Möglichkeit Musiktherapie mit Tanz, Bewegung oder dem Spielen eines Instrumentes zu verknüpfen, gibt es auch die „passive" Behandlungsmöglichkeit, in der man Musik hört und wirken läßt. Dieser Artikel stellt ein solches „passives" Konzept, wie es der Komponisten Peter Hübner entwickelt hat, vor.
Streß, der Auslöser vieler Erkrankungen
Durch Untersuchungen in den USA geht man heute davon aus, daß etwa 70-80% aller Besuche bei Hausärzten aufgrund streßverursachender Auslöser zustande kommen. Der Begriff Streß wurde von dem kanadischen Arzt und Forscher Hans Selye geprägt. Er verwendete dieses Wort für Reaktionen von Labortieren die, aufgrund dauerhafter physischen und psychischen Bedrohungen (Labortests) denen sie ausgesetzt waren, krank wurden. Hierzu gehörten Erscheinungen wie Geschwüre, Herzinfarkte, Bluthochdruck, Gelenk- und Nierenschädigungen um nur einige zu nennen. Selye postulierte, daß Streß eine ähnliche Rolle bei der Erkrankung beim Mensch spielen könne und innerhalb kurzer Zeit wurde das Wort „Streß" zu einem Begriff, der sich auf alle Bereiche der Medizin und später auch darüber hinaus ausdehnte.
Ein Problem bei der Betrachtung von Streß ist, daß jeder Mensch verschieden mit der gleichen Situation umgeht. Während für den einen schon das Warten vor einer Ampel die auf Rot steht Streß darstellt, steht ein anderer einer solchen Situation gelassen gegenüber. Man geht deshalb auch davon aus, daß Streßkausa sich erst im Laufe der Zeit sozusagen hochschaukeln und die Ursache für eine Erkrankung in dem permanenten Vorhandensein von großen und kleinen Streßsituationen zu suchen ist.
Es existiert eine Bewertungsskala für den Schweregrad von Streßfaktoren, die hier teilweise dargestellt werden soll.
Tod des Ehepartners 100 Punkte
Ende einer Beziehung (auch Scheidung) 73 Punkte
Örtliche Trennung in der Ehe 65 Punkte
Tod, Gefängnisstrafe eines Familienmitglieds 63 Punkte
Bußgeld und ähnliche Situationen 14 Punkte
Tabelle 1. Bewertungsskala Streß
Zählt man die Punkte über den Zeitraum von einen Jahr zusammen, erhält man eine ziemlich exakte Aussage über den Grad des Streß, dem man in dieser Zeit ausgesetzt war. Je höher die Punktzahl, um so wahrscheinlicher ist, daß man in den folgenden 6-12 Monaten erkrankt. Hierfür werden unter anderem sympathikotone Mechanismen verantwortlich gemacht, die sich auch auf die Veränderung von Hormonproduktion und andere Faktoren auswirken (1).
Erklärungsmodell zur Wirkung der Musiktherapie
Musik ist eine sinnvolle Möglichkeit, um auf das Phänomen Streß einzuwirken. Abgesehen von kulturellen Gründen aus denen der Mensch auf Klang und Rhythmus reagiert, gibt es in der Zwischenzeit viele wissenschaftliche Erklärungsmodelle die uns helfen, die Wirkweise der therapeutischen Effekte darzustellen.
Die wissenschaftliche Betrachtung richtet sich besonders auf neurophysiologische Vorgänge. Das Ohr und dessen nervale Verbindung zum Gehirn spielen bei der neurophysiologischen Betrachtung eine wichtige Rolle.
Das limbische System ist nach allgemeiner Auffassung der Sitz von unbewußten emotionalen Vorgängen. Leidet ein Mensch nun andauernd unter Streß und Situationen welche ihn psychisch belasten, produziert das limbische System Impulse, welche zum Hypothalamus geleitet werden. Der Hypothalamus reguliert und koordiniert die vegetativen Impulse, die von Zentral in die Peripherie gelangen. Somit werden Sympathikus und Parasympathikus in ihrer Funktion durch die Arbeit des Hypothalamus gesteuert.
Durch die Störimpulse, welche vom limbischen System ausgehen, werden nun die Informationen mittels denen der Hypothalamus das vegetative Nervensystem steuert mit geprägt. Da Streß meist zu einer sympathikotonen Reaktionslage führt, erhalten die Nervenzellen im Seitenhorn des Rückenmarks vermehrt Impulse, die man dem Muster des sogenannten „Fluchtreflex" zuordnet. Hierzu gehören eine vermehrte Adrenalinausschüttung, Erhöhung der Herzfrequenz usw. Gleichzeitig kommt es aber zu einer Reduzierung der parasympathikotonen Tätigkeit und somit zu einer Verringerung der Durchblutung der meisten inneren Organe. Das Blut wird ja in der Muskulatur für Flucht oder Kampf benötigt. Hält eine solche Situation über Jahre an, kommt es in den betroffenen Organen, aufgrund der chronischen Minderdurchblutung, zu Zelldefekten.
Neben der in der Zwischenzeit allgemein anerkannten These, daß es bei Dauerstreß zu einer negativen Beeinträchtigung der immunologischen Vorgänge kommt, stellt sich die Frage, warum Streß bei dem einen Patienten zu Herzinfarkt und bei einem anderen Patienten zu einem Magengeschwür führt. Im Moment diskutiert man, daß die verschiedenen emotionalen Störungen mit jeweils spezifischen Neurotransmittern in Verbindung stehen. Diese Neurotransmitter hängen mit bestimmten Organen und deren zugeordneten parasympathischen Ganglien zusammen, welche wiederum spezifisch auf diese Neurotransmitter reagieren.
Abb. 1 Störimpulse vom limbischen System zum Hypothalamus
Unser Ohr
Dem Ohr kommt unter den Sinnesorganen eine wichtige Stellung zu. Es ist das erste Organ das seine Tätigkeit aufnimmt und das letzte, welches seine Funktion einstellt. Schon in der 8. Woche beginnt das Ohr im Mutterleib zu hören und in der 18. Woche ist die Hörfähigkeit voll entwickelt. Andererseits ist bei der Feststellung des Gehirntodes die Überprüfung der Funktion des Hörnervs ein wichtiges diagnostisches Kriterium.
Man geht heute davon aus, daß etwa 80% der Informationsenergie welche in das Gehirn gelangen vom Ohr geliefert wird. Dadurch hat diese Information mit großer Wahrscheinlichkeit einen enormen Einfluß auf die Aktivität der elektrischen Vorgänge. Weiter nimmt man an, daß die Verknüpfungen, welche die Neuronen im Gehirn eingehen, ebenfalls wesentlich durch die vom Ohr gelieferten Informationen geprägt werden. Da durch die Art der Neuronenverknüpfung der Austausch von elektrischen Informationen abhängig ist, kann die Beeinflussung von Reifungsvorgängen während der kindlichen Entwicklung vermutet werden. Weiter weiß man heute, daß das Ohr über die Verbindung des Vagus einen Einfluß auf die Muskelspannung, sowie auf die Wärmeregulierung des Körpers hat (2).
So gesehen nehmen die elektrischen Impulse, die durch die Bewegung des Trommelfells entstehen, einen wesentlichen Einfluß auf neurophysiologische Vorgänge im ZNS des Menschen. Diese elektrischen Impulse beeinträchtigen nun wiederum das limbische System, wodurch die vegetative Antwort auf die Musiktherapie, aber eventuell auch die emotionale Reaktion auf die Art der Musik, zu erklären ist.
Harmonie als Therapieprinzip
Nun ist es naheliegend, daß je harmonischer die „Information" ist, die auf das Trommelfell trifft, es um so positivere Effekte im elektrischen Feld des Gehirns gibt. Disharmonische und laute, chaotische Töne (Lärm) erzeugen andere elektrische Potentiale im Gehirn wie harmonische und rhythmische Töne. Immer wieder kommen Notfälle in Diskotheken vor, in denen es aufgrund von lauter Musik zu Kreislaufstörungen und natürlich auch Hörschädigungen kommt.
Der Komponist Peter Hübner hat in jahrelangen Studien die Grundlagen der Harmonie untersucht. Harmonie stellt nach Hübner die Verbindung von Musik und den damit verbundenen Obertonverhältnissen natürlicher Instrumente dar. Besonders die Harmoniegesetze wie sie Pythagoras dargestellt hat, sind Grundlage seiner Arbeit, die in der Zwischenzeit international anerkannt ist. Der Grundgedanke besteht darin, daß die Harmoniegesetze von Makrokosmos, biologischen Leben und dem Mikrokosmos Zelle aufgrund physikalischer Zusammenhänge, identisch sind. Hübner bezeichnet seine Methode als „Medizinische Resonanz Therapie Musik" (MRTM).
So steht bei dieser Art der Musiktherapie die Musik den Träger, der eigentlichen therapeutisch wirksamen harmonikalen Information, dar. Diese Betrachtungsweise wurde auch von vielen rituellen Kompositionen sowie klassischen Komponisten geteilt (3).
Da es sich hierbei also um grundlegende physikalische Gesetze handelt, steht demnach auch das Krankheitsbild (Symptom) nicht unbedingt im Mittelpunkt der Betrachtung. Absicht ist es vielmehr, den Organismus wieder an die natürlichen, harmonischen Rhythmen der Natur einzustimmen. Gelingt dies, normalisieren sich aufgrund der Verminderung der Störimpulse vom limbischen System auch die vegetativen Störungen, wodurch die Stoffwechsellage der betroffenen Zellverbände wieder verbessert wird .
Anwendungsgebiete
Wissenschaftliche Untersuchungen und klinische Beobachtungen zeigen, daß die MRTM nach Hübner eine große Anzahl von Erkrankungen positiv zu beeinflussen vermag.
Verminderung des Medikamentenverbrauchs
- Reduzierung von Schmerzmittel bei Migränepatienten (bis zu 70%)
- Verzicht von Tranquilizer bei radioaktiv geschädigten Kindern
- Reduzierung von Schmerzmittel bei gynäkologischen Eingriffen
Neurodermitis /Schuppenflechte
- Rückgang des Juckreizes um bis zu 59% bei Neurodermitis
- Rückgang des Juckreizes um bis zu 89% bei Schuppenflechte
- Rückgang der Krankheitserscheinungen bis zu 65% bei Schuppenflechte
Schlafstörungen
- Reduzierung von Schlafstörungen bei Diabetikern um 81%
- Reduzierung von Schlafstörungen bei Migränikern um 43%
Streß
- Auflösung von Streß durch Senkung des Kortisol-Wertes um 39%
- Verbesserung der Streßsituation bei MS-Patienten
- Verbesserung des Gemütszustandes bei älteren Patienten
Angst
- Reduzierung von Angstgefühlen bei älteren Menschen
- Reduzierung der Angst während Wehen
Herz-Kreislauf
- Normalisierung des RR bis zu 20 mm hg (bei Schwangeren mit einem leichten OPH-Syndrom)
- Verbeserung der Herzaktivität beim Fötus (bei Schwangeren mit OPH-Syndrom)
- Normalisierung nervlich fehlgesteuerten hohen RR-Werten bei Kindern mit neurozirkulatorischer Dystonie hypertonischen Typs.
Hormon-Immunbereich
- Normalisierung des Immunogramms nach zwei Wochen bei 25% einer Gruppe radioaktiv überbelasteter Kinder
- Verbesserung des Kariopiknotischen Indexes bei Risikoschwangerschaften
Psychischer Zustand
- Geringere Reizbarkeit bei 80% einer Gruppe von Kindern mit Diabetes
- Anregung der Phantasie bei älteren Menschen
- Stärkung des harmonischen Empfindens bei MS-Patienten
- Normalisierung der psychischen Funktion nach gynäkologischen Eingriff
Diabetes
- Schnellere Insulinprozeßstabilisierung bei Kindern mit Diabetes
- Deutliche Reduzierung des Kopfschmerzes bei 80% einer Diabetikergruppe
Gehirn / Nervensystem
- Verbesserung der Nervenleitgeschwindigkeit des Sehnervs bei MS-Patienten um bis zu 27 Millisekunden
- Reduktion der Betawellen bei Patienten mit MS
- Verbesserung der Lernfähigkeit alter Menschen um 18% (nach 10 Behandlungen)
Bei den genannten Beispielen handelt es sich um eine kleine Auswahl an therapeutischen Effekten, die mit der MRTM zu erzielen sind. Im Bereich der MRTM werden ständig neue Erfahrungen gesammelt, so daß sich die Indikationsliste in den nächsten Jahren sicher noch erweitern wird (4).
Anwendung der MRTM
Die MRTM wird entweder mittels eines Kopfhörers oder eines Lautsprechers verabreicht. Die Anwendung über einen Kopfhörer bringt sicher die besseren Ergebnisse, wobei die harmonikale Information aber auch über Lautsprecher übertragen wird. So eignet sich auch das Wartezimmer als eine Möglichkeit, die Patienten schon vor der Sprechstunde vegetativ zu beeinflussen.
Hübner hat für verschiedene Erkrankungen spezielle Hörpläne zusammengestellt, die aus einem Grund-, Aufbau- und Intensivprogramm bestehen, so daß eine gezielte Vorgehensweise möglich ist.
Zusammenfassung
Die MRTM ist eine spezielle Form der Musiktherapie, die harmonikale Informationen übermittelt. Die MRTM dient deshalb nicht zur Unterhaltung, sondern zu medizinischen Zwecken.
Wahrscheinlich werden durch den Abbau der Streßimpulse vom limbischen System Organe besser durchblutet, wodurch die betroffenen Zellverbände sich wieder besser regenerieren können. Die Beeinflussung der elektrischen Aktivität im Gehirn wirkt sich wahrscheinlich auf viele Regulationsmechanismen im Organismus aus, was der Auslöser zu regenerativen Prozessen sein könnte.
Fußnoten:
1. Prof.Dr.med P.J.Rosch / Streß und Herzkrankheit / Naturmedizin AAR Edition
2. Prof.Dr.med H.Köditz / Das Ohr als medizinisches Instrument / Naturmedizin AAR Edition
3. H.J.Behrendt / Die Welt ist Klang / Vom Hören der Welt/ Muscheln in meinem Ohr / alle Network Medien Cooperative
4. Angaben aus Naturmedizin, Wissenschaftliche Untersuchungen und klinische Beobachtungen Stand 7/98
Sonstige Literatur:
Cousto / Die kosmische Oktave / Synthesis 1984
Cousto / Die Oktave / Simon und Leutner 1987
Ruegner / die musikalische Hausapotheke / Ariston 1991
Steiner / Das Wesen des Musikalischen / R.Steiner-Verlag 1991
Informationen zur MRTM über: AAR-Edition Wissenschaftlicher Informationsdienst, Rainsborn 1, 34295 Edermünde
|