Mit Amalgamausleitung voll im Trend, oder gibt es


Wolfgang Hannig, Heilpraktiker

Gelangt Silberamalgam in den Körper, kann es zu akuten oder auch chronischen Störungen kommen. Quecksilber ist nun mal eine giftige Substanz für den menschlichen Organismus, worüber man nach dem derzeitigen Wissensstand nicht mehr zu streiten braucht.
 
Schon Hahnemann berichtete ausführlich über Quecksilbervergiftungen und ihre Folgen. Schließlich wird Quecksilber schon seit dem Ende des 15. Jahrhunderts, kaum 20 Jahre nach erstmaligem Auftreten der Syphilis, von deutschen Ärzten zur Behandlung dieser Krankheit verwandt.
 
Das Quecksilber ist in Verbindung mit dem Silber aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften ein idealer Füllstoff für Zahnlöcher, was hier aber nicht weiter erörtert werden soll.
 
Für den Homöopathen ist die Frage interessant, warum so viele Menschen nicht unter Silberamalgam leiden, und warum diejenigen, die Gesundheitsstörungen davontragen, so verschiedene Störungen aufweisen.
 
Welches Miasma spielt hier mit?
Die Zahntechniker haben es geschafft, zwei Miasmen zu „verkneten": das syphilitische Mercurius und das sykotische Argentum Metallicum. Diese beiden in der Homöopathie seit alters bekannten und erforschten Stoffe finden sich jeweils 3wertig bei den entsprechenden Rubriken im Kent. Eine brisante Mischung für den Miasmaträger! (Daß sie auch einwertig in der jeweils anderen Rubrik zu finden sind, soll hier keine Rolle spielen.)
 
Amalgam, der große Übeltäter ist nun in aller Munde, aber warum weisen nur so wenige Menschen Quecksilbervergiftungen auf?
 
Offensichtlich gilt auch hier: Jedes Individuum hat sein ganz individuelles Immunsystem, und dieses reagiert nach der ganz persönlichen Eigenart dieses besonderen Menschen, einmal abgesehen von der guten oder schlechten Qualität des verwendeten Silberamalgams.
 
Wie also zeigt sich eine Silberamalgamvergiftung bei diesem Menschen? Haben wir das Problem einer chemischen Reaktion wie im Labor, wo die giftigen Substanzen nur mit den entsprechenden Zugaben neutralisiert zu werden brauchen? Oder ist der Mensch nicht ein lebender Organismus, wo Millionen Einzeller schon lange mit der Verarbeitung und Neutralisierung aller eingeschleusten Gifte befaßt sind und diese nach dem System des geringsten Schadens bereits entsprechend umgeformt und deponiert haben?
 
Was nun soll unter diesem Aspekt eine sogenannte Ausleitung bewirken? Welchen Sinn hat es, die Schublade Amalgamvergiftung zu nehmen, eine stereotype Antwort wie z.B. DMPS soll dann die Lösung bringen? Jeder, der konventionelle Silberamalgamfüllungen trägt oder beseitigt, bekommt DMPS gespritzt, ohne Ansehen von persönlichen Merkmalen?
 
Endet mit DMPS schon die homöopathische Repertorisation, ohne daß die kranke Persönlichkeit überhaupt noch wahrgenommen wird?
 
Wenn es sowohl Hahnemann wie auch den folgenden Generationen von homöopathischen Behandlern anscheinend mühelos gelang, mit schweren Quecksilbervergiftungen fertig zu werden und diese zu heilen, ganz gleich ob akute oder chronische Vergiftungen vorlagen, so müßte es doch heute um vieles leichter sein, diese relativ geringen Mengen an giftigem Metall aus dem Körper zu entfernen und die Folgen zu heilen.
 
Uns stehen heutzutage Repertorien, Computer und eine weit größere Vielfalt an homöopathischen Mitteln zur Verfügung als den „alten" Homöopathen.
 
Zudem ist DMPS auch nicht „ohne" in seiner Wirkung. Ohne jetzt zu sehr in die Chemie abzuschweifen, so ist doch zu bedenken, daß dieser Stoff zunächst massiv Kupfer aus dem Körper entfernt, um erst anschließend das Quecksilber zu binden, ein Vorgang, der dem lebenden System in seiner natürlichen Funktionsweise extrem entgegengesetzt ist. Dieser massive Kupferverlust hat schon bei mehreren Patienten zu größeren Gesundheitsstörungen geführt, als diejenigen, an denen die angebliche Vergiftung durch Silberamalgam Schuld sein sollte.
 
Für die homöopathische Behandlung muß bereits der Begriff des Mißbrauchs von DMPS eingeführt werden, es ist inzwischen auch hochpotenziert erhältlich.
 
Die zweite Komponente des Silberamalgams ist das Silber. Dies edle Metall soll im Organismus ohne Wirkung sein? Hier zunächst die Kurzfassung eines Praxisfalls:
 
Eine Patientin kommt nach Ausleitung mit DMPS wegen Schmerzen im rechten Knie in die Praxis. Diese Schmerzen hatte sie schon länger, nach der DMPS-Behandlung waren sie für etwa 4 Wochen verschwunden, anschließend kehrten sie heftiger als zuvor zurück. Eine mitgebrachte Haaranalyse zur Quecksilberkontrolle bringt mich schnell auf das Mittel: Mercurius! Frage ist, wieso? Laut Haaranalyse war der Quecksilberwert normal.
 
Der Silberwert allerdings, der völlig unbeachtet geblieben war, betrug ein vielfaches des Normalen. Den Homöopathen sind zwei Fakten über das Silber bekannt:
1. Es zerstört mit Vorliebe Knorpelgewebe.
2. Das Antidot für Argentum Metallicum lautet Mercurius!
 
Bei dieser Patientin war das sykotische Miasma stärker vertreten, wodurch sie für diese typischen Silberstörungen empfänglicher war. Daher verstärkten sich die Knieschmerzen nach kurzer Zeit, da der Körper durch die DMPS-Behandlung mit großen Mengen freigesetzten Silbers konfrontiert wurde. Die Knieschmerzen verschwanden mit Mercurius solubilis in der 18 LM nach kurzer Zeit und diesmal dauerhaft, ein Volltreffer auch im Sinne der Antidotlehre. Bei dieser Patientin ergab bereits die Anamnese eine sykotische Familienbelastung.
 
Ähnlich gelagerte Fälle sind inzwischen nach Amalgamausleitungen nicht mehr selten, was bedeutet, daß nicht eine Verbesserung, sondern eine weitere Verschlechterung sehr leicht die Folge dieser Ausleitungen sein kann. Homöopathische Heilmittel für echte Quecksilberschäden sind in den Repertorien leicht zu finden unter verschiedenen Rubriken mit den Hinweisen: „nach zu viel Quecksilber", oder „Mißbrauch von Quecksilber" (hier allein 50 Mittel in der Allgemeinrubrik).
 
Hier ein Fall von echter Quecksilbervergiftung aus der Praxis:
Im Januar 1993 wird ein 9jähriges trauriges kleines Mädchen aus dem Krankenhaus in die Praxis gebracht. Es hatte geschwürige Hautausschläge an Händen und Füßen, nachdem es in Kontakt mit Quecksilber gekommen war. Das Fieberthermometer war zerbrochen. Durst, Schwitzen, Gesichtsröte, Blasenentleerung verzögert, muß lange pressen, waren weitere Symptome. Ärztliche Bemühungen hatten während 6 Wochen nichts bewirken können. Aus der Repertorisation ergab sich Hepar sulfuris (18 LM) als Simile und es brachte in der nächsten halben Stunde bereits eine weitgehende Besserung der psychischen Verfassung, so daß das Kind nicht mehr ins Krankenhaus zurückgebracht wurde.
 
Die Symptome waren beim Folgetermin (3 Wochen nach dem Erstbesuch): Übelkeit und Erbrechen morgens und nachts, wiederholte erschreckende Träume, die Hände waren abgeheilt, die Füße am Abheilen; das Simile war nun Natrium muriaticum (18 LM). Die Heilung war schnell, sanft und dauerhaft, wie Hahnemann es in seiner homöopathischen Lehre postuliert.
 
Der betreuende Chefarzt aus dem Krankenhaus erkundigte sich nach diesem so erstaunlich gut wirkenden Heilmittel, nur leider wird man dieses Mittel so nicht im nächsten Fall einer Quecksilbervergiftung anwenden können!
 
Sicher ist Homöopathie nicht immer leicht, und Schubladendenken ist bei Homöopathen auch nicht gefragt. Aber die präzise Mittelwahl ist unter allen Behandlungsmethoden doch die für den Behandler befriedigenste und für den Patienten immer noch der sicherste, schnellste und schonendste Weg der Heilung.
 
Drum: schlag nach bei Hahnemann

 
zurück top Druckversion