|
Ein Baum kann sehr wohl zu einem guten Freund werden, den wir von zeit zu Zeit gerne aufsuchen. Körper, Geist und Seele sind tagein, tagaus einer Vielzahl negativer und belastender Einflüsse ausgesetzt und es ist durchaus verständlich, daß uns das eine ganze Menge Kraft kostet. Unsere Umwelt schwächt uns in zunehmendem Maße. Unser Immunsystem - nicht nur das unseres Körpers, auch das der Seele.- verliert immer mehr die Fähigkeit, sich zu regenerieren. Spätestens dann wird es allerhöchste Zeit, sich der Bäume zu erinnern. Sich einmal in Muße unter einen mächtigen Baum zu setzen heißt, die Einladung der Bäume anzunehmen. Wir lehnen uns an den dicken Stamm eines alten Baumes, der unserem müden Rücken einen wunderbaren Halt gibt, wir betrachten seine kräftigen Wurzeln, die ringsum im Boden tiefverankert sind und fühlen uns unter dem grünbelaubten Blätterdach wohlgeborgen. Vögel hüpfen im Gezweig herum und kleinen Insekten fliegen von Blatt zu Blatt. Auch auf dem Waldboden rings um uns herum spielt sich ein reges Leben ab und wir fühlen uns eingebunden in die Lebensgemeinschaft Baum. Nichts scheint schöner und beständiger als ein Baum, der festwurzelnd aus der Erde emporstrebt ins Ätherblau. Als Prinzip der Hoffnung, allen Unbilden zum Trotz brechen aus den harten Winterknospen in jedem Frühjahr lebensbejahend die grünen Blätter, bis der Baum sie im Wechsel der Jahreszeiten wieder der Erde übergibt. Der stete Kreislauf von Werden und Vergehen läßt den Baum mehr sein als nur Symbol sein für das immer Wiederkehrende in der Natur. Auch ohne die Riten der alten Germanen zu kennen, deren Götter in alten Bäumen lebten, kennen wir Ehrfurcht und Andacht nachvollziehen, wenn wir knorrig alten Baumindividuen begegnen. Bäume warten geradezu darauf, mit uns in Kommunikation zu treten. Auch wenn wir uns dessen nicht immer bewußt sind: wir können uns kaum der beruhigenden Waldatmosphäre entziehen. Es ist nicht nur die Stille, die wir als angenehm und wohltuend empfinden: es muß mehr sein als unser Verstand zu realisieren vermag. Fest steht: Bäume tun uns gut! Wer sich die Fähigkeit bewahrt hat, die Sprache der Bäume zu verstehen, wird sie aufsuchen wie einen Freund und sich als zugehörig - als eingebettet in die Natur - begreifen und darin Trost finden. Viele Empfindungen haben hier Platz. Gedanken bekommen Raum und Ballast kann abgeworfen werden, die Seele wird weit und wir spüren etwas, was das verstandesgemäße Denken weder erfassen und erklären kann. Die Gesellschaft eines Baumes tut gut. Wer möchte schon leben ohne den Trost der Bäume? Angelehnt an den mächtigen Stamm ahnen wir, daß es noch andere Dimensionen gibt als die unserer eigenen kleinen begrenzten Welt, denn in welch kurzer Zeitspanne bewegt sich unser Leben gemessen an dem eines uralten Baumes? Baumriesen, mächtig und stolz, haben vieles erlebt, vieles gesehen und erlitten. Ihr Dasein wurde geprägt von Kultur und Religion und immer war es der Mensch, der ihnen seinen Stempel aufdrückte. So wurden Bäume verehrt und geheiligt, waren beseelt und Sitz von Gottheiten und Schutzgeistern. Später fielen die alten Bäume im Namen des „alleinigen Gottes" Axt und Anmaßung der Christenheit zum Opfer. Doch nicht nur religiöse, sondern auch politische Kriege hinterließen ihre unheilvollen Spuren. Verletzte Baumveteranen erinnern an das, woraus die Menschen nicht allzu viel gelernt haben, - denn die Kriege gehen weiter. Bäume sind Prediger, sagt Hermann Hesse. Sie mahnen uns, achtsam mit der Natur umzugehen. Zu keiner Zeit war dieses Gebot dringlicher als heute: immer mehr Bäume sind krank, zeigen Symptome einer Krankheit, deren alleiniger Verursacher der Mensch ist. Immer mehr Bäume fallen immer mehr Straßen zum Opfer, - sind buchstäblich im Wege. Selbst das Kreischen der Motorsäge kann das Ächzen eines sterbenden Baumes nicht übertönen und die Zeit scheint einen Augenblick still zu stehen für den, der den Baum geliebt hat. In wenigen Minuten sinkt krachend und splitternd stürzt krachend und splitternd all das zu Boden, was in langen Jahrzehnten gewachsen und Heimat nicht nur für Tiere war. Wie schmerzlich, wenn der altvertraute Baum dem „Fortschritt" hat weichen müssen. Schmerz, Wehmut und Unverständnis lassen die Kehle eng werden, denn gefällte Bäume tragen nie mehr Blätter, dort jubelt kein Vogel mehr. Bäume, Pflanzen und Tiere sind uns mit auf den Weg gegeben und haben ein Recht auf Leben, sie sind unsere Freunde und wir sollten achtsam mit ihnen umgehen in unserem eigenen Interesse.
|