Conrad Johann Glückselig und die Spagyrik


Jürgen Christian Bauer, Heilpraktiker

I. Der Gründer des PHÖNIX Laboratoriums Conrad Johann Glückselig Der am 13. Juli 1864 geborene Conrad Johann Glückselig war etwa seit seinem 20. Lebensjahr Theosoph, wie es einige Jahre auch Rudolf Steiner war. Bis zum Ende seines Lebens war Conrad Johann Glückselig Leiter eines theosophischen Kreises. Wie er allerdings zur Theosophie kam ist unbekannt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß die Begründerin der Theosophischen Gesellschaft - Helena Petrowna Blavatsky - sich im Jahr 1884 bei der Familie Gebhardt in Elberfeld, ganz in der Nähe des Wohnortes von Glückselig, aufhielt. Hier wurde im Beisein von William Quan Judge und Wilhelm Hübbe Schleiden die erste deutsche Theosophische Gesellschaft gegründet. Derselbe Hübbe Schleiden schlug Rudolf Steiner zum Generalsekretär vor, als 1902 ein deutscher Zweig der Adyar TG (TG = Abk. f. Theosophische Gesellschaft. Adyar ist ein Vorort von Madras) gegründet wurde.
 
Im Gegensatz zu Steiner war Glückselig Mitglied der Theosophischen Gesellschaft Point Loma, Kalifornien (H.P. Blavatsky, W.Q. Judge, A. Tingley, G.v. Purucker).Diese Point Loma TG spaltete sich mit mit dem ersten Nachfolger von H.P. Blavatsky- William Quan Judge - im Jahr 1895 von der Adyar TG (H.S.Olcott, A. Besant) ab. Rudolf Steiner war meines Wissens von 1902 bis 1913 Generalsekretär der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft (Adyar TG). Bekanntlich kam es auch hier zu einer Abspaltung, in deren Folge die Anthroposophische Gesellschaft entstand.
 
Im Jahr 1896 veröffentlichte C. J. Glückselig eine Abhandlung mit dem Titel „Auf was wirkt die Elektro Homöopathie?" in der Fachzeitschrift „Blätter für Electro Homöopathie"; weitere Beiträge zu spagyrisch therapeutischen Themen folgten bis zum Jahr 1919 in derselben und in der -"Monatszeitschrift für Electro Homöopathie".
 
Aufgrund dieser Veröffentlichungen und Publikwerden seiner therapeutischen Erfolge mit spagyrischen Präparaten war Glückselig in einschlägigen Kreisen kein Unbekannter. 1911 wurde der um 16 Jahre jüngere Alexander v. Bernus, der Begründer des damaligen Laboratoriums Stift Neuburg - heute Laboratorium Soluna -, auf C.J. Glückselig aufmerksam. In einem Brief an Melchior Lechter berichtet Bernus:
 
„... Ich bin nun im letzten Jahre in der okkulten Medizin etwas heimisch geworden, bin auch einem theosophischen Arzt nahegetreten, der schon fabelhafte Kuren gemacht hat, ..." (A1)
 
A. v. Bernus, der über die nötigen Mittel verfügte, mit denen eine weiterführende Spagyrik Forschung und Arzneimittel Entwicklung finanziert werden konnte, bot Glückselig im Mai 1914 eine entsprechende Stelle in seinem teilweise schon eingerichteten Labor auf Stift Neuburg bei Heidelberg an. Da Glückselig nicht vermögend war und eine spagyrische Forschung auf diese Weise für ihn möglich wurde, nahm er das Angebot an. Mit seiner Erfahrung im Pflanzenanbau und seinen alchymistischen Kenntnissen konnte das pharmazeutisch spagyrische Laboratorium des v. Bernus fertiggestellt werden.
 
Weitere Zitate, welche die Mitarbeit Glückseligs bei v. Bernus schildern, sind bekannt:„1914 besitzt er (Anm.: v. Bernus) ein schon fast fertiges Laboratorium. Im Mai dieses Jahres nimmt er Conrad Johann Glückselig aufs Stift, einen gut empfohlenen Alchymisten aus Stuttgart, mit dem er die ersten Remedia herstellt. Die chemische Zusammensetzung teilt er Rudolf Steiner zur Beurteilung mit." (A2)
 
„Als der Sommer 1914 vorbei war, berichtet Bernus Steiner von seinen Ergebnissen: Fertig sind bis jetzt: Magisterium anacardiae, - melissae -, - euphrasiae -, - digitalis -, - persicariae -, - hypereon -, - baldriani -. Tartarus ist nicht fertig geworden; beim Magisterium Mercurii, woran uns am meisten lag, ist im letzten Augenblick die Retorte geplatzt und alles ausgelaufen. - Außerdem stehen noch vor allem aus: Aurum potabile, argentum, corralarum. Ehe aber an diese Mittel gegangen wird, warte ich, wie gesagt, bis Sie sich dazu geäußert haben..." (B1)
 
„Aus ihrer (Anm.: Steiner/Bernus) Korrespondenz und Steiners häufigen Aufenthalten auf Stift Neuburg geht hervor, wie sehr Steiner an der Entstehung des Laboratoriums dort ... Anteil nahm." (B2)
 
Hermann Sinsheimer berichtet:"War Steiner in Heidelberg, wohnte er auf Stift Neuburg ..." (B3)
 
„Dort habe ich Steiner ... des öfteren getroffen. (B4)
 
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß Hermann Sinsheimer in seinen Erinnerungen „Gelebt im Paradies" C. J. Glückselig als Gärtner und Laboratoriumsdiener bezeichnet, der anthroposophische Weisheiten von sich gibt:
 
„... wie Bernussens Gärtner und Laboratoriumsdiener mit dem unwahrscheinlichen Namen Glückselig seinen dünnen strähnigen Bart strich und, über Pflanzen oder spagyrische Retorten gebeugt, anthroposophische Lebens- und Himmelsweisheiten von sich gab, ..." (B5)
 
Nach 7jähriger Forschungsarbeit produzierte und vertrieb das Laboratorium Soluna diverse spagyrische Präparate. Im Anschluß an diese Zeit auf Stift Neuburg ging Glückselig nach Stuttgart. Hier führte er seine frühere Tätigkeit fort.
 
Für die Behandlung seiner Patienten stellte er Einzelzubereitungen her, die er entsprechend der Diagnose kombinierte. Die therapeutische Erfahrung zeigte, daß bestimmte wirksame Mischungen in der Praxis häufiger indiziert waren als andere. Aus diesem Grund hielt er diese als Spezialitäten stets vorrätig.
 
Da C. J. Glückseligs Heilerfolge schnell im süddeutschen Raum bekannt wurden, entstand auch bei anderen Behandlern das Interesse, über diese Präparate in der eigenen Praxis verfügen zu können. Die Produktion weitete sich daher mehr und mehr aus, was ihn im Jahr 1925 dazu veranlaßte, sein Laboratorium als gewerblichen Betrieb anzumelden.
 
C. J Glückselig starb am 2. Oktober 1934, 9 Jahre nach der Firmengründung, in Stuttgart. Entsprechend seines letzten Willens wurde seine Asche nach der Feuerbestattung dem Neckar übergeben.
 
C. J. Glückselig war sicherlich einer der letzten der "klassischen" Spagyriker, welche ihre Arzneimittel selbst herstellten und am Patienten anwandten. Der Wahlspruch der Theosophen, denen C. J. Glückselig aus tiefer Überzeugung angehörte, lautete: „Keine Religion ist höher als die Wahrheit" oder auch „Kein Gesetz über der Wahrheit".
 
Die Entwicklung des Phönix Laboratorium nach dem Tod des Gründers: M
 
it dem Tod des Gründers im Jahr 1934 traten seine Witwe - Luise Glückselig - und eine der Töchter - Elise Glückselig - seine Nachfolge an. Nach dem Ausscheiden ihrer Mutter führte Elise Glückselig, die dieses Jahr ihren 103. Geburtstag feiern konnte, das Laboratorium selbständig weiter. Seit dem Jahr 1972 wird das Familienunternehmen vom Enkel des Firmengründers - Jochen Kadau - geführt.
 
II. Die Spagyrik
 
Schon beim Versuch Spagyrik definieren zu wollen, bemerkt man, daß sich diese Therapierichtung von anderen Therapierichtungen unterscheidet. Die Spagyrik ist eine besonders „lebendige" Angelegenheit, sie läßt sich nicht gerne in Worte zwängen.
 
Auch kann man nicht einfach ein Buch über Spagyrik lesen und dann „wissen" was Spagyrik ist. Die Spagyrik flieht vor toten Buchstaben und ganz besonders auch vor allem, was nach Dogmatismus „riecht". Spagyrik muß man erfahren. Dies gilt sowohl für die Laborarbeit, wie auch für die therapeutische Praxis. Man kann sagen, daß man sich das Verständnis für die Spagyrik selbst erarbeiten muß. Dazu benötigt man aber einige Orientierungspunkte. Dies ist der beste Einstieg. Durch diese Orientierungspunkte ist man dazu in der Lage, selbst "spagyrisch" denken zu lernen und die "Philosophie" in die Praxis umzusetzen.
 
Kurze Zusammenfassung der wichtigsten Orientierungspunkte für die Spagyrik
 
Bei der Spagyrik handelt es sich um eine eigenständige, sog. besondere Therapierichtung. Den geistigen Ursprung der Spagyrik findet man in der Alchymie. Die Alchymie war schon im alten China, im alten Indien und im alten Ägypten bekannt. Alchymie ist eine Wissenschaft und doch unterscheidet sie sich von den Wissenschaften, so wie sie heute definiert werden.
 
Die beste Voraussetzung für ein Verständnis der Alchymie haben wir, wenn wir erkennen, daß das, was wir von der Welt wahrnehmen, nur ein Ausschnitt der Realität sein kann - und, daß wir diesen Ausschnitt entsprechend unseres Bewußtseins in unserer Wahrnehmung verändern.
 
Für das Verständnis der Alchymie - der Wissenschaft vom Leben in der Materie - ist es hilfreich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Chemie die Wissenschaft von den Stoffen ist und die Biologie die Wissenschaft von der belebten Materie.
 
Chemie = Wissenschaft von den Stoffen
Biologie = Wissenschaft von der belebten Materie
Alchymie = Wissenschaft vom Leben in der Materie
 
Was ist dieses Leben?
Leben organisiert sich selbst und ordnet den Stoff, der dieses Leben trägt. Leben ist die Grundlage für jede Heilung. In der Spagyrik geht man von einer ganzheitlichen „Anatomie" aus. Der Mensch, so wie er heute auf der Erde existiert, umfaßt folgende Bereiche:
 
Hinter der Stofflichkeit des Menschen verbirgt sich das Leben, im Leben die Seele und in der Seele der Geist:
 
„Leben" ist praktisch überall vorhanden. Man könnte es auch als „Feld" bezeichnen. Dieses Feld verfügt über mehr oder weniger Intensität (Quantität). Wird es strukturiert (Qualität), dann bildet es den Vorgänger der materiellen Erscheinung.
 
Alchymie und Spagyrik
Wenn die alchymistischen Erkenntnisse in Diagnose, Prophylaxe, Therapie und Arzneimittelherstellung praktisch umgesetzt werden, dann wird dies Spagyrik genannt.
 
Die Krankheitsentstehung aus spagyrischer Sicht Nach Ansicht der Spagyrik kommen die Einflüsse, die der Krankheitsentstehung zugrunde liegen, aus verschiedenen Bereichen. Folgende Ebenen werden dabei unterschieden:
 
Die physikalische Ebene
Klima, Geographie, atmosphärische/ätherische Einflüsse, Felder, Strahlung usw.
 
Die toxische Ebene
exogene und endogene Stoffe mit toxischer Wirkung
 
Die hereditäre Ebene g
enetisch bedingte Erkrankungen. Vererbte Konstitution, Disposition und Diathese
 
Die seelische Ebene p
sycho-somatische Wechselwirkungen; familiäre, psychosoziale Einflüsse D
 
ie karmische Ebene
eine übergeordnete Ebene, kausale Grundlage der anderen Ebenen
 
Je mehr Einflüsse vorhanden sind und je stärker diese in ihrer Summe sind, desto zwingender kommt es zur Erkrankung. In dem Bereich, in dem sich die Einflüsse in ihren Auswirkungen auf den Menschen überschneiden, kommt es bevorzugt zur Erkrankung.
 
Die Diagnose in der Spagyrik
 
Ausgehend von dieser Erkenntnis der Krankheitsentstehung undda Mensch - so wie er heute auf Erde lebt die 4 Bereiche KörperLebenSeele Geist umfatstrebt Spagyrik eine grtmgliche Ganzheitlichkeit in Diagnose an. Dazu bedient sie sich sowohl konventioneller Diagnostik als auch anderer Verfahren.
 
Wichtig ist bei allen angewandten Diagnoseverfahren zu einer Präzisierung Therapie führen nach diesem Gesichtspunkt sollten beurteilt werden.
 
Spagyrische Therapie
Die spagyrische zielt immer Vitalisierung Ordnung Selbstheilkrfte hin. Diese ihrer Qulit Quantit gestrt sein. besonderer Bedeutung Regeneration physiologischen Prozessen Geweben.
 
Eine wichtige Säule der Spagyrik sind ihre Arzneimitteln. Es werden aber auch neben der Therapie mit spagyrischen Präparaten andere naturheilkundliche Behandlungsmethoden, bspw. diätetische, physikalische und psychologische Methoden angewandt.
 
Die spagyrische Arzneimittelherstellung
 
Spagyrik ist, wenn aus den Naturreichen Heilkräfte entwickelt werden, die als Arzneimittel angewandt eine therapeutische Wirksamkeit aufweisen.
 
Mit Hilfe der spagyrischen Prozesse werden stoff- und indikationsspezifische Heilkräfte aus metallischen, mineralischen, pflanzlichen und manchmal auch tierischen Natursubstanzen entwickelt, die besonders in lebendig-vitalen Bereichen ihren Wirkort haben. Die Beschreibung eines Prozesses umfaßt sowohl das Verfahren als auch die Substanz bzw. die Substanzen welche durch das Verfahren aufbereitet werden. Die therapeutische Wirksamkeit der spagyrischen Zubereitungen beweist die Richtigkeit der angewandten Prozesse.
 
Therapeutische Wirksamkeit
 
Therapeutisch wirksam ist ein Arzneimittel, wenn es die Heilung z.B. eines physiologischen Prozesses oder eines Gewebes bewirkt. Die Heilung kann dabei partiell oder vollkommen sein. Therapeutisch wirksam kann ein Arzneimittel nur bei Erkrankten werden. Allein der Therapeut kann die therapeutische Wirksamkeit eines Arzneimittels beurteilen. Streng unterscheiden muß man die therapeutische Wirksamkeit von der pharmakologischen Wirkung. Die pharmakologische Wirkung entsteht sowohl bei Gesunden als auch bei Erkrankten. Für die Beurteilung der pharmakologischen Wirkung ist der Pharmakologe zuständig.
 
Pharmakologische Wirkung bei Kranken und Gesunden Therapeutische Wirksamkeit ausschließlich bei Kranken
 
Ausgangs-Substanzen zur Herstellung von spagyrischen Arzneimitteln
 
Folgende Grundsubstanzen werden in der spagyrischen Arzneimittelherstellung angewandt:
 
Frischpflanzen und Drogen; pflanzliche Stoffe, z. B. Weinstein, Harze natürlich vorkommende Mineralien und Gesteine (Mineral-)Wässer
 reine einfache Verbindungen und elementare Stoffe natürliche gediegene Metalle
im spag. Laboratorium aus Naturstoffen hergestellte Verbindungen tierische Substanzen, z. B. Schlangengifte
 
Besonders wichtig ist die Qualität und die Herkunft der Grundsubstanzen. So werden bevorzugt Frischpflanzen und Drogen aus biologischem Anbau verwendet.
 
Eine besondere Behandlung der Heilkräuter mit spagyrischen Präparaten beim Pflanzenanbau führt zu einer erwünschten Steigerung bestimmter vitaler Kräfte (spagyrisch-biologischer Pflanzenanbau).
 
Mineralien und Metalle sollten aus der Natur stammen. Bei manchen Stoffen, insbesondere bei Metallen, ist es auch möglich, daß sie in der reinen elementaren Form oder als reine einfache Verbindungen (als Grundsubstanzen) verwendet werden.
 
Verfahren der spagyrischen Arzneimittelherstellung
 
Die Verfahren der spagyrischen Arzneimittelherstellung sind sehr zahlreich. Durch sie sollen die stoff- und damit indikationsspezifischen Heilkräfte aus der Natursubstanz entwickelt und in die Form eines Arzneimittels gebracht werden. Auch hier gibt es mehrere Wege, die „nach Rom" führen. Ein häufiges Mißverständnis besteht darin, daß angenommen wird, daß eine besonders aufwendige Herstellung, bei der möglichst alle Verfahren hintereinander durchgeführt werden, zu einer maximalen Entwicklung der Heilkraft führt. Hier ist Vorsicht geboten! Wenn hier die nötige Einsicht fehlt, können die Heilkräfte durch die unterschiedlichen Manipulationen auch zerstört werden. Oft führt ein einfaches Verfahren sicherer zum erwünschten Ergebnis.
 
Allgemein werden in der Spagyrik Verfahren wie z. B. folgende angewandt: Löseverfahren mit Lösungsmitteln, die keine oder eine Reaktion mit der zu lösenden Substanz eingehen.
 
Extraktionsverfahren mit und ohne Wärmeanwendung. Calcination und Reverberation.
 
Destillationsverfahren, z.B. einfache Destillation, Kohobation (Mehrfachdestillation über dem selben Stoff), Rotation (spag. Rückflußdestillation), Zirkulation (spag. Rückflußdestillation).
 
Gärverfahren, insbesondere die ethanolische und milchsaure Gärung. Konjugation oder Konjunktion (Kombination unterschiedlicher spagyrisch-laborantischer Produkte nach besonderen Gesichtspunkten).
 
In der Laborarbeit bezeichnet man alles Feuerfeste mit dem Begriff Sal. Merkur ist alles was „vor dem Feuer flieht", d.h. nicht brennbar, aber flüchtig ist. Sulfur ist alles Verbrennliche.
 
Sal = das Feuerfeste
Merkur = das Flüchtige S
ulfur = das Verbrennliche
 
So werden z.B. feuerfeste, pflanzliche Aschensalze mit dem Begriff „Sal" bezeichnet. Harze und andere nichtflüchtige brennbare Pflanzeninhaltsstoffe werden als „fixer Sulfur" bezeichnet. Die flüchtigen brennbaren Bestandteile, wie z.B. die ätherischen Öle sind der „flüchtige Sulfur". Alles was flüchtig, aber nicht brennbar ist, also das Wässrige, wird Merkur genannt.
 
Die Verwendung der genannten Begriffe im laborantischen Bereich ist für den Außenstehenden vielleicht irreführend. Es handelt sich bei der oben genannten Anwendung der Begriffe „Sal, Sulfur und Merkur" nur um eine technisch-laborantische Bezeichnung von bestimmten Stoffgruppen, die zwar zu Mißverständnissen bei Außenstehenden führen kann, sich aber im spagyrischen Labor seit vielen Jahrhunderten bewährt hat. Die Begriffe „Sal, Sulfur und Merkur" haben ursprünglich eine viel wichtigere und tiefere Bedeutung.
 
Sal, Merkur und Sulfur
 
Sal, Merkur und Sulfur sind die sog. „3 philosophischen Prinzipien" der Alchymie. Man darf sie nicht mit dem gewöhnlichen Salz, Quecksilber und Schwefel verwechseln. Die Stoffe und ihre Namen werden als Symbole verwendet. Die „3 philosophischen Prinzipien" kann man in verschiedenen Bereichen finden. Beim Menschen haben die „3 philosophischen Prinzipien" folgende Entsprechung:
 
Sal = Körper, verdichtendes Prinzip
Merkur = Leben, Lebenskraft, Lebenssubstanz, Äther
Sulfur = Plan, das formgeebende Prinzip, die Information
 
Beim spagyrischen Arzneimittel haben die Begriffe „Sal, Sulfur und Merkur" folgende Bedeutung: Der alchymistische Begriff „Sal" bezeichnet beim spagyrischen Arzneimittel die stoffliche Basis. „Merkur" steht in diesem Zusammenhang für die Heilkraft (Quantität) und „Sulfur" für die indikationsspezifische Ausrichtung (Qualität) dieser Heilkraft. S
 
al = stoffliche Basis eines spag. Arzneimittels
Merkur = anonyme" Heilkraft
Sulfur = indikationsspezififische Ausrichtung der Heilkraft
 
Wenn man nach den „3 philosophischen Prinzipien" beim Hausbau suchen würde, dann würde man vielleicht folgende Entsprechung finden: S
 
al = Baumaterial
Merkur = Arbeitskraft
Sulfur = Bauplan
 
Merkur an sich ist „anonym" wie manche sagen. Erst durch „Sulfur" wird „Merkur" aus der ursprünglichen Ungeformtheit heraus gestaltet und ist dann dazu in der Lage „Sal" entsprechend anzuordnen.
 
Die Zukunft der Spagyrik
 
Wenn sich die Spagyrik in die richtige Richtung entwickelt, wird sie in Zukunft eine viel größere Bedeutung erlangen wie heutzutage. Eine gute Richtlinie für diese Weiterentwicklung gibt die praktische Anwendung dieser Therapierichtung - an der therapeutischen Wirksamkeit, der praktisch angewandten Spagyrik, muß sich ihre Fortentwicklung für die Zukunft orientieren.
 
Literatur:
 
Franz Anselm Schmidt. Alexander von Bernus. Verlag Hans Carl, Nürnberg (A1) Bernus an Melchior Lechter am 15. Juli 1913, S. 130 (A2) S. 130 S
 
ladek, Mirko / Schütze, Maria. Alexander von Bernus. Verlag Hans Carl, Nürnberg 1981
(B1) S. 97 Bernus an Steiner, am 29.09.1914
(B2) S. 97
(B3) S. 80
(B4) S. 80
(B5) S. 82 aus: Hermann Sinsheimer. Gelebt im Paradies. Pflaum Verlag, München 1953, S. 97
 
Weitere Literatur:
PHÖNIX Laboratorium GmbH, Bondorf P
HÖNIX Spagyrik, 1995
Harald Krebs. Entgiftung durch spagyrische Mittel. ZUM THEMA NR.1, 1996
 
Anmerkung der Redaktion: Der vorstehende Artikel wurde uns freundlicherweise von der Firma Phönix-Laboratorium zur Verfügung gestellt.

 
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