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Neulich brachte der Postbote ein Angebot des Autohändlers, der unser Auto checken wollte. Sozusagen mit gleicher Post erreichte uns ein Brief der Krankenkasse mit einem ebensolchen Angebot für uns selber. Beide Angebote landeten letztendlich im Papierkorb; dennoch setzte jeder Brief eine Menge Gedankenanstöße, - sicher andere, als es der Absender bezweckte. Durch das zufällige Zusammentreffen dieser beiden Briefe drängt sich mir folgender Gedanke auf: Wenn das Auto reparaturbedürftig oder alt geworden ist, bringen wir es einfach in die Werkstatt, wo es wieder auf Vordermann gebracht wird. Und ebenso verfahren wir mit unserem Körper. Wenn wir gegen besseres Wissen unsachgemäß und fahrlässig mit ihm umgehen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn bald kaum noch etwas richtig funktioniert. Sind Schäden und Mängel dann unübersehbar geworden, geben wir gerne die Verantwortung an den „Fachmann" ab, denn wofür bezahlen wir unsere Krankenkassenbeiträge? „Es geht um Ihre Sicherheit" wird in Fettdruck versichert und leise Angst kommt auf. Für Auto und Körper gibt es lange Checklisten mit einer Unmenge Positionen; für den Laien beinah furchterregend ob der Vielzahl all dessen, was möglicherweise schon oder bald defekt sein könnte. Was ist, wenn ... ielleicht schlummert schon der Keim einer schlimmen Krankheit in uns; vielleicht sind wir deshalb immer so müde und abgespannt? Lieber kein Risiko eingehen und die gebotene Chance nutzen! Damit wir wieder ruhig schlafen können, nehmen wir diese Check-Angebote gerne wahr. Nun mag das beim Auto ja noch angehen und sinnvoll sein, aber den menschlichen Körper einem Gesundheits-Check zu unterziehen heißt möglicherweise, nur Teilaspekte vom Ganzen zu erhalten. Wie oft hört man die Diagnose: „Organisch ist bei Ihnen alles in bester Ordnung." Was bei dem ganzen Aufgebot an Untersuchungsmethoden vergessen wird, ist die Seele, die Psyche des Menschen. Wenn die Seele krank ist, zieht der Körper nach. Diese Beschwerden sind nicht immer nachweisbar oder nachvollziehbar für den Arzt und beim Patienten entsteht leicht der Eindruck, er werde für einen Simulanten gehalten. Die andere Möglichkeit ist, daß durch einen Gesundheits-Check möglicherweise eine Maschinerie in Gang gesetzt wird, die der Patient kaum zu stoppen vermag. Da braucht nur ein einziger Untersuchungswert nicht der „Norm" zu entsprechen und schon wird ihm das Etikett „krank" angeheftet. Apparate befinden: dieser Mensch ist krank oder gesund, sein XY-Wert ist zu niedrig oder zu hoch. Der Beteuerung des Patienten, er fühle sich aber sehr wohl und kein bißchen krank, wird kaum Bedeutung zugemessen, denn schließlich ist er der Laie. (Man beachte, wie schnell aus dem Gesundheitsbewußten ein Patient geworden ist.) Und außerdem: die hochkomplizierten technischen Geräte lügen nicht, sie spucken nur Fakten und Ergebnisse aus, - die leider oft genug ganze Dramen im Schlepp haben. Ohne medikamentöse Verordnung geht kaum ein so Durchgescheckter aus der arztlichen Praxis heraus und der Gang zur Apotheke schließt sich dem Arztbesuch an. Man sollte sich einmal fragen, ob es richtig ist, verschiedenartig konstitutierte Menschen und die vielfältigen Funktionen ihres Organismus zu pauschalieren mit festgelegten Normwerten. Über- oder Unterschreitung bedeutet in den Augen der Mediziner schon Krankheit, die sofort behandelt werden muß. Würden manche Untersuchungen eine Woche später noch einmal durchgeführt, kämen unter Umständen ganz andere Werte zustande, weil die Psyche nun vielleicht eine ganz andere ist als in der Woche zuvor, wo Streß und Sorgen uns belasteten. Kein Wunder, daß der Blutdruck dann höher ist oder das EKG ganz andere Kurven zeigt. Eine weitere Variante,- und das wird wohl auch die häufigste sein, ist: Die Summe der Untersuchungsergebnisse läßt den Arzt zu der Schlußfolgerung kommen, ein bestimmtes Organ, sagen wir die Bauchspeicheldrüse, arbeite nicht mehr ordnungsgemäß. Medikamente sollen nun die Blutzuckerwerte normalisieren und wenn das tatsächlich gelungen ist, meint der Patient, er sei gesund. Ein gefährlicher Trugschluß zu glauben, man sei geheilt, nur weil das Symptom verschwunden ist. Durch Medikamente löscht man nur die Alarmlampen aus. Symptome und Schmerzen sind eine deutliche Äußerung des Körpers, daß irgendwo etwas nicht ganz in Ordnung ist. Es gilt, die Ursache hierfür zu finden, nur dann kann echte Heilung erfolgen. Symptome zu „bekämpfen" statt sie sinnvoll zu deuten und ihrem Ursprung nachzugehen zeugt vom heute so weit verbreiteten Denken, der Körper sei eine Art Maschine, ein „Apparat" (Muskelapparat, Bewegungsapparat usw.) der nötigenfalls mit Medikamenten und diversen Ersatzteilen wieder flott gemacht werden kann. Die moderne Medizin entspricht natürlich auch dem heutigen Zeitgeist, sie ist rational, nüchtern und materialistisch ausgerichtet. Viele Ärzte sind Fach-Spezialisten, die im Patienten nur einen interessanten Fall sehen. Eine menschliche Beziehung kommt selten auf; der Terminplan läßt keine Gespräche über den Umgang und den Sinn von Krankheit zu. Ein wahrhaft guter Arzt nimmt an der Krankheit seines ihm anvertrauten Patienten persönlichen Anteil. Dr. Helmut Hark formuliert das in einem Gespräch über ganzheitliches Heilen so: ... „Der moderne Mediziner ist ein nüchterner Spezialist, der im Patienten einen wissenschaftlich definierbaren Fall sieht und ihn, - etwas krass formuliert, - wie ein Roboter nach bestimmten Programmen und Regeln behandelt, die ihm von der jeweils herrschenden Schulmedizin vorgeschrieben werden. Eine persönliche Beziehung zum Kranken als einem subjektiv empfindenden Menschen und zur Krankheit als bedeutungsvollem Lebensphänomen ist dabei natürlich unmöglich und unerwünscht. Der 'Arzt' dagegen (von dem glücklicherweise meist auch im 'Mediziner' etwas steckt) nimmt an der Krankheit seines Patienten persönlichen Anteil. Er erkennt sich selbst darin und versucht, ihn auf einen Weg zu führen, auf dem seine Krankheit ihren Sinn entwickeln kann. Denn nur so kann sie wirklich geheilt oder, besser gesagt, zum 'Heil' werden. Krankheiten sind ja keine Pannen oder Entgleisungen, sondern ein sinnvoller Ausdruck des Lebens. Ein Arzt, wenn er kein „Mediziner" und „Wissenschaftler", sondern ein fühlender und suchender Mensch ist, kann sich nicht mit dem gesenkten Blutdruck, dem normalisierten Blutzucker, dem unterdrückten Asthma, der amputierten Brust oder dem weggeschnittenen Darm zufriedengeben, obwohl auch er selbstverständlich die körperlichen Leiden zu lindern versucht. Er weiß aus seinem eigenen Erleben, daß sich hinter jeder Krankheit grundsätzliche und schwerwiegende Lebensprobleme verbergen und daß ohne den Versuch, sie zu lösen, sein Einsatz nur oberflächliche Effekthascherei bleibt. Dagegen besteht das übliche Vorgehen des „Mediziners" darin, die Ganzheit, mit der der kranke Mensch vor ihm erscheint und die nicht nur seinen körperlichen, sondern auch seinen seelischen Zustand umfaßt, durch den Scheuklappenblick seines angelernten Bücherwissens so weit zu reduzieren, bis am Ende tatsächlich nur noch ein „objektives" Krankheitsbild übrigbleibt, nicht aber ein einmaliger, subjektiv empfindender, an Leib, Seele und Sinn leidender Mensch. Daß daraus nur eine unheilvolle Therapie resultieren kann, auch wenn sie vorübergehend Beschwerden lindert, liegt auf der Hand." Weiter führt Dr. Hark aus: „Diese Art der Therapie, die nur äußerliche Symptome beseitigt, macht die Patienten immer kränker statt gesunder. Sie bekommen blockierende und betäubende Medikamente oder werden operiert, natürlich mit momentanen Besserungseffekten. Nach einiger Zeit aber bricht die vertuschte und unterdrückte Krankheit wieder - meist stärker - hervor oder wird von einer noch schwereren abgelöst. Aber nicht nur das, obendrein gehen dabei auch seine eigentlichen menschlichen Werte, seine Lebensfreude, sein Lebenssinn, sein Seelenreichtum verloren, - Kriterien, die in wissenschaftlichen Statistiken keinen Platz haben -, so daß schließlich ein trauriges Wrack übrigbleibt: der innerlich erstorbene Rest jenes Menschen, der sich eigentlich hätte entwickeln sollen. Jahrelange Arbeit mit Kranken zeigte mir, daß die schematische Wiederherstellung eines früheren Zustandes und die schnelle Beseitigung von Beschwerden - so angenehm sie zugegebenermaßen sind - mit Heilung im tieferen Sinn nur wenig zu tun haben.Wirkliche Heilung ist viel mehr, nämlich der längst fällige Schritt in der inneren Entwicklung eines Menschen. Sie erfaßt ihn in allen seinen Schichten, verändert ihn von Grund auf und bringt ihn seinem 'Heil' näher. Die Krankheit ist ein Katalysator im Heilungsvorgang, der sich ja nicht nur auf die körperliche Verfassung, sondern auf den ganzen, beseelten Menschen und sein Leben bezieht. Wer das Gefühl für sich verloren hat, erlebt sie als schmerzliche Korrekturmaßnahme, die ihn daran hindert, seinen falschen Weg weiterzuverfolgen und zur Änderung seiner Haltung zwingt. Dieser Prozeß kann sich, wenn der Betroffene sich dagegen sträubt, über viele Jahre, ja bis zum Tode hinziehen." Wer also den Menschen nicht in seiner gottgewollten Ganzheit sieht, - als Einheit von Körper, Geist und Seele, wird zwangsläufig die Bedeutung von Analysen und Laborbefunden überbewerten und felsenfest auf die Pharmakologie bauen. Gesundheit verdanken wir immer der Heilkraft unserer Natur und diese muß der Arzt zu unterstützen suchen. Wollen wir also gesund bleiben oder werden, müssen wir die Gesetze der Natur achten und natürlich auch befolgen. Krankheit resultiert immer aus falschem Verhalten der Menschheit (Kollektivschuld?), auch wenn uns das noch so unwahrscheinlich vorkommen mag. Krankheit ist also immer ein Verstoß gegen die Schöpfungsgesetze. Wir müssen lernen, Verantwortung für uns zu übernehmen und endlich begreifen, daß Gesundheit nicht käuflich zu erwerben ist, - auch wenn immer mehr Apotheken aus dem Boden sprießen. Gesundheit und Wohlergehen sind im wesentlichen von einer gesunden, unserer Natur gemäßen Lebensweise und -philosophie abhängig. Freude, Gottvertrauen, Dankbarkeit und Zufriedenheit stellen sich dann von ganz alleine ein. Sie befähigen uns, einer möglichen Krankheit schon im Vorfeld zu begegnen, - besitzen wir doch ein starkes, nicht zu unterschätzendes geistiges und körperliches Gegengewicht gegen die weitverbreitete, von der Pharma-Industrie und den Medien geschürte Angst, krank zu werden. Wie Dr. Hark in seinen wertvollen Ausführungen erklärt, ist Krankheit oft eine Weiche, die die eingefahrenen Wege in andere Bahnen lenkt. Je mehr wir uns der Zerbrechlichkeit und Kostbarkeit des Lebens, - auch unseres eigenen, bewußt werden, je intensiver und achtsamer werden wir zu leben versuchen und ganz neue Aspekte eröffnen sich uns. Literatur: „Medizin zwischen Heil und Unheil" von Günther Stolzenberg „Wirf ab, was Dich krank macht" von Dr. Götz Blome „Trau keinem Doktor" von Dr. med. Robert S. Mendelsoh
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