Ernährung ist mehr als nur Sattwerden


Hildegard Willms-Beyard

Um Gesundheit kümmern wir uns meistens erst, wenn wir sie nicht mehr haben. Wer dann nach einer gesunden Ernährungsweise sucht, läuft Gefahr, sich im Dickicht der vielen verschiedenen Ernährungsformen und Diäten zu verirren.
 
Wegweiser sollte eigentlich unser gesundes Empfinden sein; aber wie in so vielen anderen Dingen ist uns das Gespür für das Natürliche und Wesentliche im Leben verloren gegangen.
 
Erinnern wir uns an die Nachkriegsjahre, wo Schmalhans Küchenmeister war. Die Statistik beweist, daß die Menschen damals trotz all ihrer Sorgen und Nöte wesentlich gesünder waren als sie es heute sind. Wir essen viel zu üppig, viel zu viel und vor allen Dingen essen wir die falschen Sachen.
 
Die meisten Bundesbürger nehmen ein krankhaft Übermaß an tierischem Eiweiß zu sich und ahnen nicht, daß dies ein Faktor ist, der schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich zieht.
 
Wir sind eine Nation von Fleischessern geworden; je größer das Schnitzel, je besser das Mahl. Die erschreckend hohe Zahl der Übergewichtigen beweist das in aller Deutlichkeit.
 
Salatteller stehen auf der Rangliste weiter unten, oft nur unter „ferner liefen". Dabei wäre das umgekehrte Verhältnis, weniger Fleisch, dafür mehr Salat und naturbelassene Lebensmittel unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden wesentlich dienlicher, denn sie sind Lieferanten unzähliger lebensnotwendiger Stoffe. Es sind die, die unser Organismus benötigt, um auf Dauer leistungsfähig und gesund zu bleiben.
 
Natürliche Lebensmittel sind noch „lebendig", dynamisch und voller Kraft, die Selbstheilungskräfte unseres Körpers in Gang zu setzen - im Gegensatz zu den Nahrungsmitteln, die durch die Lebensmittel-Technologie so verändert werden, daß sie nur noch wenige wertvolle Substanzen enthalten.
 
Fast Food, Pommes und Hamburger, Light-Produkte, Fertiggerichte, Konserven - kurz, alle fabrikatorisch und chemisch veränderten Nahrungsmittel sind denaturiert und genügen allenfalls zur Sättigung und Aufrechterhaltung des Lebens, jedoch nicht zur Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit.
 
Viele unserer heutigen sogenannten Zivilisationskrankheiten sind auf diesen ständigen Mangel an Vitalstoffen zurückzuführen - eben jenen Stoffen, die dieser so hochgepriesenen „modernen Ernährung" fehlen.
 
In den letzten Jahrzehnten ist in der Ernährungswissenschaft viel geforscht worden. Fest steht, daß die Vitalstoffe sich als unerläßlich herausgestellt haben, will man dem Körper das geben, was er braucht, um richtig funktionieren zu können. Man muß wissen, daß Vitalstoffe keine Nährstoffe, sondern Wirkstoffe sind. Dazu zählen die Ernährungswissenschaftler die fett- und wasserlöslichen Vitamine, die Mineralien und Spurenelemente, Enzyme und Fermente. Auch die ungesättigten Fettsäuren, die einfach- bis hochungesättigten und die Faserstoffe (früher als Ballaststoffe bezeichnet) gehören zu diesen lebenswichtigen Stoffen.
 
Viel frisches Obst und Gemüse, vor allen Dingen Rohkostsalate aller Art, naturbelassene Fette wie Butter und kaltgepreßte Öle, Nüsse, Getreide, Vollkornreis und Vollkornbrote enthalten diese lebensnotwendigen Stoffe.
 
Ein großer Schritt zur Wiedererlangung der Gesundheit ist getan, wenn man erkennt, daß die Nahrung um so wertvoller ist, je weniger sie fabrikatorisch verändert wurde. In der Regel zahlt es sich aus, die Zutatenliste - meist kleinstgedruckt auf der Rückseite versteckt - zu studieren. Je länger sie ist, um so skeptischer sollte man sein.
 
Zum Schluß noch ein paar Gedanken des bekannten Ernährungswissenschaftlers Dr. M. O. Bruker, der in einem seiner Bücher schreibt: „Es ist ein tragisches Kapitel menschlicher Geschichte, daß der Mensch sich soweit hat beeinflussen lassen, daß er der Nahrung um so mehr traut, je unnatürlicher und künstlicher sie ist, und daß er sich das Mißtrauen zu allen Lebensmitteln wie die Natur sie uns beschert, so fest hat einpflanzen lassen, daß er eher zugrunde geht, als diese Haltung aufzugeben. Daß er dieses Mißtrauen zur Schöpfung selbst nicht als Unrecht und widersinnig empfindet, ist ein Zeichen dafür, wie weit er sich durch ständige Fehlinformationen seinen Instinkt hat nehmen lassen."

 
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