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Dr. Jörg Zittlau
Aromatherapie: Viel Esoterik, doch auch wissenschaftliche Daten
Es waren französische Kosmetikchemiker, denen vor etwa 70 Jahren auffiel, daß ätherische Pflanzenöle (sie werden per Hitze aus Pflanzen heraus destilliert) nicht nur gut duften, sondern auch über medizinische Eigenschaften verfügen. Die französischen Forscher erfanden auch den Begriff „Aromatherapie“, und die mauserte sich in den letzten Jahren zu den großen Trends der Naturheilkunde. Bücher zu dem Thema erreichen traumhafte Auflagen, und in den Telefonbüchern finden sich immer mehr Adressen von Aromatherapeuten. Viele von ihnen sind allerdings ziemlich esoterisch orientiert. Da wird Kamillenöl zum „Annehmen des eigenen Schicksals“ eingesetzt und Rosenöl zur „Befreiung von seelischen Schmerzen“. Sogar Ängste und Depressionen werden in Angriff genommen, und es fehlt auch nicht an Versprechungen, durch Aromastoffe überschüssige Fettpolster zum Schmelzen zu bringen.
Klar, daß Wissenschaftler derartige Aussagen mit Skepsis betrachten. Dabei macht die Aromatherapie von ihrer ursprünglichen Konzeption her durchaus Sinn. Denn die pflanzlichen Duftstoffe wirken auf zweierlei Weise auf unseren Körper: einerseits über den Geruchssinn, der als der älteste Sinn des Menschen überhaupt intensive Kontakte mit den tieferen Zentren unseres Gehirns besitzt; andererseits gelangen die Duftmoleküle über die Schleimhäute von Nase und Bronchien direkt in den Blutstrom und damit auch zu den Organen.
Mittlerweile existieren auch wissenschaftliche Belege für die Wirkung einiger Aromaöle. So wirken Zimt- und Manukaöl laut einer Untersuchung des Heidelberger Universitätsinstituts für pharmazeutische Chemie antibiotisch, und auch Salbei-, Teebaum-, Thymian- und Zitronenmelissenöl töten Erreger ab, vor allem jene, die sich in unseren Atemwegen einnisten. Offen bleibt, inwieweit die Öle auch im tatsächlichen „Kampfgebiet“ des menschlichen Körpers Infekte niederringen. Nichtsdestoweniger besitzt ein Kopfdampfbad mit Salbei- oder Thymianöl zumindest realistische Chancen bei Erkältungen und Husten.
Ängste, Depressionen, Zwangsneurosen und dergleichen gehören hingegen nicht zu den Indikationen der Öle. Nichtsdestoweniger scheinen sie psychoaktiv wirksam zu sein. Wissenschaftler der University Gainesville, USA untersuchten an 26 Testpersonen, wie sich das Einatmen von Rosmarin- und Lavendelöl auf das Schmerzempfinden auswirkt. Im Ergebnis zeigte sich, daß die Probanden zwar nicht weniger Schmerzen, doch diese dafür als weniger belastend empfanden als vor der Behandlung.
In einer japanischen Studie gelang es Aromatherapeuten – unter anderem auch durch ein Einmassieren ausgewählter Öle, die Wechseljahresbeschwerden von 15 Frauen zu lindern; koreanische Wissenschaftler verbesserten per Aromatherapie das Wohlbefinden ihrer Arthritis-Patienten, wobei neben Lavendel- und Pfefferminz- auch Rosmarin- und Eukalyptusöl zum Einsatz kamen. Neurologen der Universitätsklinik Kiel entdeckten, daß Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmer- zen ähnlich hilfreich ist wie das bekannte Arzneimittel Parazetamol – weswegen auch schon Massagestifte auf Pfefferminzbasis entwickelt wurden. Und daß Hopfenöle beruhigend wirken, wußte schon unsere Großmutter, als sie ihr Haupt auf das Hopfenkissen bettete.
Eine weite Palette von möglichen Wirkungen also für die Aromaöle. Bleibt die Frage, ob sie auch Schaden anrichten können. So entwickeln sie mitunter ein gewisses allergisches Potential, vor allem dann, wenn sie bereits eine längere Lagerzeit hinter sich haben und ihre Fläschchen immer wieder geöffnet wurden. Der Chemiker Prof. Dietrich Wabner von der TU München empfiehlt Patienten mit Allergien und Hautproblemen, vor der Anwendung testweise einen Tropfen des Öls auf die Armbeuge zu geben. Zeigt sich dort eine Rötung, sollte das betreffende Öl nicht zum Einsatz kommen. „Außerdem“, warnt Wabner, „sollten möglichst selten unverdünnte Öle eingesetzt werden.“ Die innerliche Einnahme ist ohne spezielle Vorkenntnisse ohnehin tabu, denn in hohen Dosierungen kann die Einnahme eines Aromaöls zu Vergiftungen führen. •
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