Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel beruft sich auf einen Vortrag der Autorin, gehalten anläßlich „9. Heilpraktikerkongreß Düsseldorf" des „Freie Heilpraktiker e.V." Vor jeder Therapie steht der exakte Befund - Sie lächeln, denn das ist doch selbstverständlich - dabei wird gerade in den energetischen Therapieverfahren häufig alleine nach der Symptomatik behandelt. Denken Sie nur an die vielen „Punkterezepte" in den Akupunkturbüchern. Grundlage der Energetik In der chinesischen Energielehre geht man davon aus, daß die gesamte Energiemenge, die dem Organismus zur Verfügung steht, eine Konstante ist, die sich beim Gesunden in einem harmonisch-dynamischen Fließgleichgewicht befindet. Jede Erkrankung ist in erster Linie eine Störung dieses Fließgleichgewichtes. Es baut sich einerseits eine Energiefülle, andererseits eine Energieleere auf. Die Therapie erfolgt mit tonisierenden Reizen üblicherweise dort, wo der Organismus einen Mangel an Energie aufweist. Nehmen wir einmal an, unser Patient leidet an Migräne. Der Organismus zeigt Störungen in seinem Fließgleichgewicht mit der Symptomatik Migräne. In der Akupunkt-Massage nach Penzel testet man am Schmerzpatienten über den Probestrich den energetischen Zustand im Yin- und Yang-Versorgungsgebiet. Probestrich Der Probestrich, ein Abschnitt auf dem Konzeptionsgefäß (KG), verläuft von der Unterkante Symphyse, entlang der Linea alba bis zum Bauchnabel. Ein tonisierender Reiz entlang des KG bewirkt eine Energieverlagerung vom Yang-Versorgungsgebiet in das Yin-Gebiet des Körpers. Der Kopf wird größtenteils von Yang-Meridianen energetisch versorgt. Wird ein tonisierender Reiz im Verlauf des KG, der „Mutter des Yin", gesetzt, wird dadurch das gesamte Yang entlastet. Energie-Stern Verändert sich der Migräneschmerz - der Patient gibt häufig an, der Schmerz verteilt sich, er wird nicht mehr so aggressiv empfunden - so lautet der energetische Befund: Migräne auf der Basis einer Energiefülle. Dieser Patient bekommt tonisierende Reize im Yin: In der APM nach Penzel z.B. eine SAM ventral, wobei entlang aller Yin-Meridiane sanft massiert wird, oder Punktereize auf den Yin-Meridianen, ein heißes Fußbad oder vielleicht eine Wärmeanwendung auf dem Bauch. Zentriert sich dagegen der Schmerz und wird noch spitzer, so ist dies ein Zeichen für eine Energieleere im Kopf. Die versorgenden Meridiane hatten schon wenig Energie, mit dem Probestrich wird noch mehr Energie entzogen, der Patient reagiert mit vermehrten Schmerzen, somit benötigt dieser Patient tonisierende Reize im Yang. Alles, was Energie in den Kopf bringt, wird diesem Patienten Erleichterung verschaffen. Angefangen von einer kräftigen Kopfmassage beim Friseur, Rotlichtbestrahlung, Punktereizungen der Yang-Meridiane oder in der APM nach Penzel eine SAM-dorsal. Zusammenfassend kann man sagen, alle Schmerzen, egal wo sie sich befinden, die sich nach dem Probestrich verringern, verlangen nach einer Behandlung im Yin-Versorgungsgebiet. Alle Probleme, egal wo sie sich befinden, die sich nach dem Probestrich verschlimmern, benötigen eine Behandlung im Yang-Versorgungsgebiet. Nach der Grundregulation über die Therapie der Meridiane, wir sprechen in der APM nach Penzel von der Zwei-Teilung, ist die nächste Fragestellung in der energetischen Befundung: Welcher Einzelmeridian ist hauptsächlich für den Schmerzzustand verantwortlich? Die seitliche Schädelpartie wird von den Meridianen Dreifach-Erwärmer (DE) und Galle (G) versorgt, die Schädelmittel von Blase (B) und dem Gouverneurgefäß (GG), die Stirn vom Übergang Dünndarm (Dü) zu Blase (B) und von Galle (G), die Schläfenpartie von DE und Magen (M). Mittag-Mitternachts-Regel Die Mittag-Mitternachts-Regel ermöglicht es, jeden einzelnen Meridian über seinen Oppositionsmeridian zu testen. Im Energiestern stehen sich immer zwei Meridiane mit unterschiedlicher Polarität gegenüber. So steht Blase in Opposition zu Lunge, Galle zu Herz, Magen zu KS etc. Ein langer Yang-Meridian steht immer in Opposition zu einem kurzen Yin. Gib man auf dem Lungen-Meridian den TON und Quell-Punkt, so wird dem Blasen-Meridian Energie entzogen. Wird der Schmerz geringer, so hatte der Blasen-Meridian zuviel Energie - wird der Schmerz heftiger, so liegt eine Energieleere vor, da dem bereits unterversorgten Meridian noch zusätzlich Energie entzogen wurde. Bleibt der Schmerz gleich, so ist dieser Meridian an der Schmerzsymptomatik nicht beteiligt. Entsprechend werden alle Meridiane, die durch das Versorgungsgebiet ziehen, energetisch getestet. Nehmen wir einmal an, der Schmerz läßt nach den Punkten Ton und Quell von Herz merklich nach, so lautet der energetische Befund: Fülle im Gallen-Meridian, d.h. auch Fülle im 2. Umlauf. Die Therapie erfolgt über die 3-Teilung, indem man den 2. vollen Umlauf entlastet. Bei einseitiger Problematik wird auf der gesunden Seite im 2. Umlauf gearbeitet, indem man sowohl die Meridiane als auch An, End, Ton und Quell-Punkt tonisiert. Ist der Befund beidseitig, so wird beidseitig der 3. Umlauf tonisiert. Mit der Mittag-Mitternachtsregel kann bei jedem Schmerzpatienten getestet werden, welcher Meridian im Versorgungsgebiet eine Energiefülle aufweist, indem man über den Oppositionsmeridian dem schmerzhaften Areal Energie entzieht. Verbessert sich der Schmerz, so liegt im Schmerzgebiet eine Energiefülle vor - wird der Schmerz noch aggressiver, so beruht der Schmerz auf einer Energieleere. Energetischer Befund über die Ohrzonen In der APM nach Penzel hat sich die vereinfachte Anwendung der Aurikulotherapie nach Nogier bewährt. Am Ohr läßt sich jede Störung im Energiehaushalt des Körpers durch Schmerzen in der entsprechenden Zone darstellen, auch wenn der Patient im Augenblick keine überschwelligen Störungen aufweist. Bezogen auf den Migränepatienten befundet man am Antitragus und am Lobulus. Druckschmerzen am Antitragus sind Anzeichen für eine Energiefülle im Kopf - Schmerzen am Lobulus zeigen dagegen eine Energieleere in den entsprechenden Kopfzonen an. Über die schmerzhaften Ohrzonen kann man auch erkennen, ob die Migräne durch eine Fehlstatik verursacht wird, durch ein Organleiden, durch Narben bzw. an welcher Stelle eine Störstelle im Energiefluß vorliegt. Bei einer ganzheitlich ausgerichteten Therapie möchte man ja nicht nur die Symptome lindern, sondern vor allem die Krankheitsursache erkennen und ausschalten. Beruht bei Frauen die Migräne auf einer hormonellen Dysregulation, so wird wahrscheinlich auch die Zone des DE mitreagieren. Ist die Ursache der Migräne ein statisches Problem so werden Abschnitte des Ohres, die die Wirbelsäule repräsentieren mitreagieren. Beruht die Migräne auf einer Stoffwechselerkrankung, so werden die betroffenen Organe in der Concha druckschmerzhaft sein. Auch vor der 10. Behandlung muß noch der Tagesbefund erhoben werden, denn die individuelle Ausgangslage ist für die jeweilige Behandlung von größter Bedeutung! Wie man den Befund letztendlich erhebt, ob nun Probestrich, Mittag-Mitternachts-Regel oder das Ohr ist nebensächlich, wichtig ist, daß nur dort tonisiert wird, wo auch tatsächlich ein Energiemangel vorliegt. Berücksichtigt man dagegen den energetischen Befund, dann werden Sie feststellen, daß Sie mit wenigen gezielten Reizen viel bewirken können und viele Reize nicht unbedingt eine Reizbeantwortung zur Folge haben. Zum Schluß noch ein Wort zu den „Punkterezepten" In jedem Akupunkturbuch finden Sie entweder eine Auflistung von Akupunkturpunkten nach Symptomen, oder Punkte im Verlauf des Meridians nach Indikationen geordnet. Diese „Punkterezepte" beruhen auf Erfahrungen und können in der Therapie sehr nützlich sein. Allerdings sollte auch bei der Auswahl der Punkte die energetische Ausgangssituation berücksichtigt werden. Beruht die Migräne auf einer Energiefülle im Kopf, so sollten auch die zusätzlichen Punkte, die man geben möchte, nur auf Yin-Meridianen liegen. Nach Stefan Palos z.B. KG 15 (Sternumspitze), Lu 7 (2 /1/2 QF proximal der distalen Handgelenksfurche). Bei einer Energieleere sind dagegen die lokalen Punkte am Kopf sehr hilfreich, z.B. GG 20 - höchster Punkt des Kopfes, B 10 - Schädelbasis, G 20 - Mastoid dorsal und die Fernpunkte B 60 - Meisterpunkt des Schmerzes, Dü 3 -Handkante. Ist nur der 1. Umlauf betroffen, so empfiehlt es sich bei Energieleere, Punkte auf den Meridianen H, Dü, B, N auszuwählen. Bei einer Energiefülle im 1. Umlauf sollten dagegen nur Punkte auf den Meridianen vom 2. und 3. Umlauf tonisiert werden. Der energetische Befund in Ergänzung zur medizinischen Diagnose ermöglicht Ihnen eine sichere Ausgangssituation für Ihre Therapie - in der Akupunkt-Massage nach Penzel ist er der Schlüssel zum Erfolg.
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