Bade heiß!


Gesund durch Bad und Wärme von Werner Zimmermann

Heiß oder kalt baden? - Diese Frage ist noch umstritten und bedarf einer Abklärung. Beide Badearten haben ihre glühenden Verehrer. Der Arzt Edwin Blos sieht im warmen Bad eine Ursache oder einen Ausdruck der Verweichlichung unserer Rasse, des Niedergangs und Zerfalls unserer Volksgesundheit, während der Arzt Wilhelm Winsch gegen die Kältefanatiker zu Felde zieht und eine Wärmekultur fordert.
 
Wer von beiden hat recht? Es geht hier wie bei den meisten Streitfragen. Kommen wir dem Wesen der Sache näher, so erkennen wir, daß beide dort recht haben, wo sie eigenes Gutes bejahen und daß ihre Verneinung hilft, Einseitigkeiten auf einen wahren Kern zurückzuführen. Sie ergänzen und befruchten sich beide, sobald der Betrachter sich zu übergeordneter Schau erhebt.
 
Wärme ist Leben, Kälte ist Tod
Ohne eine gewisse Wärme gibt es kein Leben. Der Mensch ist ein warmblütiges Wesen und gedeiht am besten bei einer Innenwärme seines Leibes von 36-37 Grad Celsius. (Alle folgenden Grad-Angaben bedeuten Celsius.) Verringert sich diese Innenwärme während längerer Zeit auch nur um einige Grade, so erfriert er; steigt sie während längerer Zeit um mehrere Grade, so verbrennt er. 44 Grad wirken tödlich.
 
Dennoch ist der Mensch imstande, gesund in einer Umwelt zu leben, deren Außenwärme zwischen Tag und Nacht, Sommer und Winter, ja sogar von einer Minute zur anderen um 80 und mehr Grade sich verändern kann. So lief ich eines Winters in Nordwest-Kanada bei 40 Grad Kälte aus einem heißen Bade ins Freie und wälzte mich nackt im Schnee, bei herrlichem Wohlgefühl und ohne nachteilige Folgen. Die Finnen pflegen dies Dampf- und Schnee-Wechselbad seit langem mit besten gesundheitlichen Ergebnissen.
 
Das Organ, das unserem Leibe solch erstaunliche Leistung ermöglicht, ist die Haut. Ihre Leistungsfähigkeit kann durch Bäder in Licht, Luft, Sonne und Wasser mächtig gesteigert werden. Auch die Art der Bekleidung ist für Hautpflege und Abhärtung von großer Wichtigkeit. Doch können viele Teilfragen hier nicht behandelt werden.
 
Erfrierende Glieder reiben wir mit Schnee, in einem kalten Raume, um die Lebenswärme zurückrufen zu können. Ein heißes Bad brächte dem Erfrierenden Verderben. Mit Frostbeulen laufen wir barfuß durch den Schnee und holen uns dort glühende heiße Füße, wie beim barfüßigen Lauf durch die funkelnde Tauwiese am frischen Sommermorgen.*) Was lehren uns diese bekannten Beispiele?
 
Der Kältereiz, richtig angewendet, erzeugt Wärme. Ja, die Wärme, die der Körper in Abwehr eines Kältereizes selber erzeugt, kann höher sein und nachhaltiger wirken als die verweichlichende Erhitzung in dicken Kleidern und überhitzten Wohnungen, ohne eigene körperliche Leistung. Die Kälteanwendung ist somit nicht gegen die Lebenswärme gerichtet, sondern weckt und steigert sie oft viel stärker, als Wärmezufuhr bei Untätigkeit. Das hebt die scheinbare Gegensätzlichkeit beider Anwendungsformen auf.
 
Winsch schreibt:
"Es ist in unserem Klima für einen gesunden und kräftigen Menschen möglich, sich bis zu 15 Grad Kälte stundenlang nackt im Freien aufzuhalten. Interessant waren die Versuche im Kreiskrankenhaus Groß-Lichterfelde. Es ergab sich dabei, daß bei fortgesetztem stundenlangen Nacktaufenthalt in der Winterkälte die Innentemperatur des Körpers beständig steigt, so daß sie schließlich 38 Grad und mehr beträgt. Man kann daraus entnehmen, daß der menschliche Körper bei guter konstitutioneller Kraft die Fähigkeit hat, bei starker Abkühlung von außen sogar seine Eigenwärme zu erhöhen, sich selbst besser zu heizen."
 
Kneipp ist bekannt als Meister kalter Güsse und Wickel und Bäder. Doch er stellt eine wichtige Forderung auf. Vor der kalten Anwendung sei der Körper keinesfalls fröstelnd, sondern richtig durchwärmt, sei es durch Bettruhe, Sonne oder kräftige Bewegung im Freien. Dann kann die kurze oder längere kalte Anwendung die Wärmebildung des Leibes mächtig herausfordern und das innere Lebensfeuer in frohere Glut steigern.
 
Tauwandern, Wassertreten, Schenkel-, Knie-, Leibgüsse, kurze kalte Luft- und Wasserbäder regen stark an, kräftigen den Leib und erhöhen seine Fähigkeiten der Abwehr von Kälte und Krankheiten.
 
Beim Wickel wird ein grobes, poröses Leinentuch naßkalt auf die Haut gelegt, mit einem trockenen porösen Leinentuch und zum Abschluß mit Wolle oder Flanell warm umwickelt. Die Leibeswärme erhitzt in kurzer Zeit das kalte Wasser, es dampft und kann zu starken Schweißausbrüchen führen. Die Kälte ist Dienerin der Lebenswärme.
 
Kneipp schreibt auch vor, daß nach keiner kalten Anwendung (Waschung, Guß, Bad) der Körper mit einem Hand- oder Badetuch abgetrocknet werde. Streife mit den Händen leicht ab, was tropft, und lege dich feucht ins Bett oder zieh dir so die Kleider an und bewege dich, bis alle Teile trocken und warm sind. Das versetzt die körpereigenen Kräfte in starke Tätigkeit und schenkt ein herrliches Gefühl des Wohlbehagens.
 
Das kalte Sitzbad von Kuhne wurde durch Madaus zum Nervenbad vervollkommnet. Badeanwendung für Frauen (nach Paul Häusle): Wasser stets kalt, im Sommer so kalt als möglich, im Winter nicht unter 12 Grad; doch lauwarm beginnen. Badezeit 15-30 Minuten. Da nur ein geringer Teil des Körpers dem kalten Wasser ausgesetzt ist, schadet der Wärmeentzug nicht.
 
Badeimer oder Gefäß wird bis auf zwei Finger breit unter dem Rand gefüllt. Brett oder Handtuchrolle auf Eimerrand, mit dem linken Gesäß darauf sitzen, in warmem Raum oder warm gekleidet. Mit der rechten Hand und weichem Lappen spülen, die Außenfläche vom Mastdarm bis zum Bauchrand, was mit der Handfläche gedeckt werden könnte, intensiv, bis zu 15 Minuten oder länger. Der Mann kühlt in gleicher Art die über das Glied vorgezogene Vorhaut, die Hoden und die Leistengegend.
 
Die Kühlung wirkt von den großen Nervenwurzeln des Unterleibes, der Geschlechtsorgane zu den Nervenverzweigungen im Rücken, wird nach dem Sympathikus und dem Gehirn übergeleitet und beruhigt wunderbar. Erkältung oder Erregung kann bei richtiger Anwendung niemals eintreten.
 
Kalt oder heiß!
Der kalte Reiz weckt schlafende Kräfte in uns, auch Selbstheilkräfte, macht er aktiv. Wir werden widerstandsfähig, abgehärtet. Für Menschen mit gutem Blut und Nervenkraft ist der Kältereiz ein wahrer Jungbrunnen. Doch dies ist abhängig von einer Voraussetzung: Es müssen noch schlummernde Kräfte und Reserven verfügbar sein. Leider trifft das heute, im Zeitalter der Blutarmut und der Nervenschwäche, bei vielen nicht mehr zu. Solche erschöpfte Leute können schwere Schäden erleiden, wenn sie sich nach den Methoden der üblichen Abhärtung kräftigen wollen. Sie werden dadurch erst recht geschwächt, wie ein lahmes Pferd durch starke Reize, durch die Peitsche, ganz zusammenbricht.
 
Deshalb sei mit Vater Kneipp eindringlich zur Vorsicht gemahnt. Je schwächer und empfindlicher ein Körper, desto durchwärmter muß er vor einer kalten Anwendung sein; zugleich ist die Kälte auf lauwarm zu mäßigen. Immer muß die Methode dem zu Behandelnden angepaßt werden, niemals der Kranke einer Methode! Der Kulturmensch, durch Überarbeitung, Diätfehler, Schlafmangel ausgepumpt, braucht oft zuerst eine Aufladung durch Wärme. Ist er am Morgen durch ausgiebigen Schlaf durchwärmt und magnetisch aufgeladen, so hat er eher Lust zu einer kalten Abwaschung, während am Abend die heiße Brause oder das heiße Bad vorgezogen werden.
 
Die Wärmekultur muß viele Menschen zuerst soweit kräftigen, mit milden, geduldigen Anwendungen, bis sie allmählich auch auf laue und zuletzt auf kalte Reize gut zu antworten vermögen. Solcher Aufbau erfordert viel Zeit, ist jedoch notwendig und dankbar. Gewaltige Entwicklungen sind möglich. Beherrschung des Atems hilft mächtig mit, daß „Kälte wird zum heilgen Brand" , wie die Zarathustrier sangen.
 
Alexandra David-Neal berichtet von ihren Reisen durch Tibet, daß Klosterschüler als Prüfung in strenger Winterkälte nackt über Nacht draußen stehen mußten, um durch ihre Eigenwärme den Schnee um sich zu schmelzen oder Leinentücher, aus eiskaltem Wasser gezogen, um sich zu legen und zu trocknen, eins nach dem andern.
 
Wirkungen der Kaltwasserreize
Behandlung durch Wasser scheint sehr einfach zu sein. Und doch können große Fehler gemacht und schwere Schäden verursacht werden. Das beweist uns die Lebensarbeit eines polnischen Ärzte- und Geschwisterpaares: Dr. Jan und Dr. Janina Zniniewicz.
 
Der junge Mann litt an schwerer Neurasthenie und war zehn Jahre lang, unfähig zu richtiger Berufsarbeit. Kein Arzt, keine Behandlungen konnten ihm helfen. Da begann er selber mit Wasserkuren, machte tausende von Versuchen und heilte sich. Das beeindruckte ihn derart, daß er nachträglich Medizin studierte. Seit 1908 arbeitet er mit seiner Schwester als selbständiger Arzt, machte über 30.000 Selbstversuche und behandelte bis 1933 gegen 20.000 Kranke mit mehr als 700.000 Wasserprozeduren. Außerdem führten sie mit etwa 30 gesunden Personen langdauernde Versuchsreihen durch. Alles wurde genau aufgezeichnet und in den Wirkungen nachgeprüft. Diese Erfahrungen finden sich in dem großen Werk dargestellt. Wir können hier nur einige Leitgedanken mitteilen.
 
Kaltes und heißes Wasser dient nicht nur der Reinigung, sondern bringt tiefgreifende Nervenreize und Körperwirkungen, besonders wenn nicht der ganze Körper (samt Kopf und Haarboden) gebadet wird. Wer morgens nur Gesicht, Hals, Nacken wäscht, nicht den ganzen Körper, der tue es mit neutralem Wasser von 30-35 Grad, sonst peitscht er seine Nerven auf und schädigt sich auf die Dauer. Nur die Hände (und Füße) vertragen häufigeres Kaltwasser ohne viel Schädigung.
 
Bei Teilreizungen des Körpers wirkt heißes Wasser (über 30°) auf die Dauer so stark wie kaltes Wasser. Körperwarmes Wasser hat fast keine Reizwirkung. Auch der ganze Körper (samt Haarboden) darf heiß oder kalt gewaschen oder gebadet werden. Die tägliche kalte Waschung des Gesichtes erfrischt zuerst, hat aber nach Stunden und Tagen schädliche Nachwirkungen. Wer damit aufhört, erleidet Abstinenzstörungen wie bei Abbruch gewohnheitsmäßigen Alkohol- oder Tabakgenusses. Ältere Leute mit Gefahr verkalkter Arterien dürfen nur allmählich wärmeres Waschwasser benützen, bis sie nach 3-4 Wochen bei 30-35° angelangt sind.
 
Jeder Teilreiz hat örtliche und mehr noch entfernte Tiefenwirkung. Stete Wiederholung bringt je nach ihrer Art eine krankhafte Störung oder Heilung. Dabei kann die Wiederholung ganz andere Wirkungen haben als der einmalige Reiz. Man merke sich: Alle wiederholt angewandten Kopf- und Nackenprozeduren laden das Gehirn mit einer gewissen spezifischen Nervenenergie und bewirken eine vermehrte dauernde Blutzufuhr zum Kopf und zum Gehirn. Alle Prozeduren auf den ganzen Körper oder auf einzelne Körperteile, doch mit Ausschluß des Kopfes und des Nackens, leiten dagegen die Nervenenergie und das Blut vom Kopfe ab.
 
Als kalter Guß zu Behandlungszwecken gilt: 6 Minuten Dauer + 2 Atmosphären Druck. Temperatur 15-10 Grad. Bei Schwächlichen zuerst wärmer und kürzer (25-18 Grad, 1-6 Minuten). Heiße Güsse von über 38 Grad haben ähnliche Nachwirkungen. Als zentrale Prozeduren gelten: Kopf/Nacken - oder - Rücken (Wirbelsäule vom 7. Halswirbel abwärts). Der 7. Halswirbel ist die Grenze zwischen Nacken und Rücken. Als periphere Prozeduren gelten: Arme, Beine, Brust und Bauch. Wird ein Körperteil (z.B. der Kopf) immer wieder einseitig gereizt, so beobachten wir zwei Stufen der Schädigung:
 
1. Kopf und Gehirn werden überladen (Hyperämie).
2. Krampf der Blutgefäße in Kopf und Gehirn (Pseudo-Anämie).
 
Ist im ersten Stadium der Kopf rot, überlastet, so wird er im zweiten Stadium blaß und der Körper vielseitigen Störungen unterworfen, über empfindlich gegen Kälte, Luftzug, Ansteckung. Wird nun die Gegenseite von Kopf/Nacken, der Körper solange einseitig gereizt wie vorher Kopf/Nacken, so wird das Tonus-Gleichgewicht des ganzen Organismus wieder hergestellt. Dabei ist der Rücken (Wirbelsäule) der stärkste Gegensatz zum Kopf. Es gibt nun, je nach Schwäche und Erkrankung, eine unendliche Vielfalt von Reihenfolgen bestimmter Güsse (oder Abwaschungen oder nur Abreibungen). Dabei ist jeden Tag nur eine bestimmte Anwendung üblich, z.B.:
 
1. Tag: Kopf und Nacken (bis Schlüsselbein-Gruben).
2. Tag: Rücken (vom 7. Halswirbel abwärts).
3. Tag: die übrigen Körperteile. (Oder am 3., 4. und 5. Tag gesondert: Arme mit Schultergelenken, Beine bis zu den Hüftgelenken, ganzer Rumpf ohne Rücken.) Dann beginnt die ganze Serie von vorne. Eine Kur dauert 2-3, höchsten 5-6 Wochen. Dann wird sechs Wochen ausgesetzt, um die Nachwirkungen zu erzielen. Was bewirken nun diese drei verschiedenen Tagesanwendungen? zu 1.: Kopf/Nacken-Guß zieht das Blut zum Kopfe und verursacht Neubildung von Nervenenergie durch die Gehirnzellen. zu 2.:Rücken-Guß zieht Blut und Nervenenergie zum Rückenmark, auch vom Kopf her. zu 3.:Rumpf-Glieder-Guß fixiert die Nachwirkung der zuletzt behandelten zentralen Region (Kopf/Nacken oder Rücken), leitet jedoch allgemein Energie von allen zentralen Stellen ab in die Peripherie.
 
"Alle peripheren Prozeduren erniedrigen zwar das Potential in der ganzen Zentrale, vermehren jedoch das relative Übergewicht des Zentrums, das vorher zuletzt gereizt worden ist." (Zniniewicz) So kann die Überladung eines Zentrums durch periphere Anwendungen abgeleitet werden. Eigenartig ist, daß jeweils eine letzte Anwendung wochenlang in ihrer Wirkung anhält, wenn sie nicht durch eine neue An wen dung abgelöst wird. Daher soll immer eine periphere Anwendung eine Kur abschließen und zum Ausklingen bringen.
 
Zniniewicz hat erstaunliche Erfolge auch da, wo alle sonst üblichen Mittel versagen, bei Geistes- sowohl als bei Körper-Kranken. Das erfordert jedoch gründliches Studium und langjährige Erfahrung. Für uns muß hier die Anregung durch die vorgelegten Leitgedanken genügen. Da und dort mag sie vor verderblichem Irrtum bewahren oder zu wohlbedachten eigenen Versuchen führen. Damit hat sie ihren Zweck erfüllt.
 
Vom Sinn des heißen Bades Der Kaltwasserreiz erfrischt, kräftigt, festigt uns und gehört in jeden Alltag. Doch es gibt noch andere Aufgaben zu lösen, bei denen uns Wasser und Wärme zusammen besondere Dienste zu leisten vermögen. Fey berichtet im großen Kneipp-Buch über den dreifachen Zweck der Wasseranwendungen und nennt:
1. Auflösung der Krankheitsstoffe,
2. Ausscheiden der Krankheitsstoffe,
3. Kräftigung des Organismus.
 
„Im allgemeinen kann gesagt werden, daß der erste Dienst des Lösens durch warme Kräuterbäder und Dampf besorgt wird; der zweite Dienst des Ausscheidens von sämtlichen Wickelungen, zum Teil von den Gießungen, Waschungen und Aufschlägen; der dritte Dienst der Kräftigung von allen kalten Bädern, allen Gießungen, zum Teil von den Waschungen, endlich von den gesamten Mitteln der Abhärtung." Wind härtet ab: im Winter durch kalte Luft und heißes Wasser, im Sommer durch warme Luft und kaltes Wasser. Die Wärme hilft im besonderen auflösen und ausscheiden. Das ist für jedes Gesundwerden und Gesund bleiben von größter Wichtigkeit.
 
Verschlackung bringt Krankheit und Tod Die Amöbe ist ein einzelliges Lebewesen, das durch seine feine Haut seine Nahrung aus der Flüssigkeit, in der es lebt, aufnimmt und seine Schlacken dorthin abgibt. Durch Einschnürung und Abtrennung teilt es sich in zwei neue Einzeller. Tod tritt nicht ein, solange der Austausch von Nahrung und Abfall sich ungehindert vollziehen kann.
 
Die winzigen Zellen, aus denen unser Leib aufgebaut ist, sind in ähnlicher Art Lebewesen, wenn auch in einen großen Verband eingeordnet. Auch sie nehmen durch die feine Haut Nahrung auf aus der sie umspülenden Blutflüssigkeit und geben dorthinein ihre Schlacken, ihre verbrauchten Stoffe ab. Solange sie diesen Austausch ungestört und vollwertig vollziehen können, altern oder erkranken sie nicht, sondern bleiben ewig jung.
 
Dieser Nachweis wurde im Rockefeller Institut für medizinische Forschung in den USA, durch Carrell erbracht. 1912 nahm er ein Stück eines Hühnerherzens und hielt es in einer idealen Nährlösung, aus der regelmäßig alle durch die Zellen ausgeschiedenen Schlacken entfernt wurden. Dies Stück Fleisch lebt heute noch (oder lebte jahrzehntelang) in unveränderter Frische, und es scheint keinen Grund zu geben, warum es nicht ewig leben sollte, solange alle Schlacken des Lebensvorganges dauernd entfernt werden. (Fisher)
 
Aus solchen Zellen ist unser Leib aufgebaut, und Krankheit, Alter, Tod sind Folgen einer wachsenden Verschlackung, die nicht mehr bewältigt werden kann. Die Zellen ersticken im eigenen Unrat, der nicht genügend abgeführt wird. Einige der vielen Ursachen seien erwähnt:
1. Die übliche entwertete gekochte Nahrung, zusammen mit Genuß- und Medizingiften, bringt an sich eine stark übersteigerte Verschlackung.
2. Die Ausscheidungsorgane sind dadurch dauernd überlastet und verbrauchen sich vorzeitig.
3. Mangelhafte Atmung, schlechte Hautpflege, Darmträgheit fördern Verschlackung und Verstopfung der Zellen und lebenswichtigen Bahnen.
 
Lebenskraft und Gesundheitswillen des Leibes versuchen immer wieder, sich dagegen zu wehren. Sie erzwingen gewaltsame Säuberungen (akute Krankheiten), mindern Tätigkeit und Kraftverbrauch herab (chronische Leiden), legen ganze Körperteile lahm, bis schließlich auch das Herz durch Überanstrengung zusammenbricht. Fast alle Menschen sterben heute viel zu früh, oft nach qualvollen Leiden, und auch ihr ganzes Leben hat niemals die Fülle, die Schönheit, die Beschwingtheit, wie sie einer naturhaften Gesundheit zu eigen sind; erschweren, hemmen doch die sich häufenden Schlacken alles Tun und Schaffen und belasten, verdüstern auch Geist und Seele.
 
Ewig auf Erden leben? Solche Möglichkeiten kümmern uns hier nicht und vermögen uns nicht einmal zu begeistern. Doch wir wollen froher und länger leben und in Freudigkeit viel mehr schaffen und vollbringen! Um das zu erreichen, müssen wir unserem Leibe helfen, sich andauernd all seiner Schlacken entledigen zu können:
1. Durch gesunde Kost, biologisch gezogen und lebensfrisch eingenommen, mit allen Vitaminen und mineralischen Stoffen für Aufbau und Betrieb.
2. Durch wohlbedachte Unterstützung all unserer Ausscheidungsorgane mittels alltäglicher Körperpflege und regelmäßiger Reinigungs- und Entschlackungskuren. Damit haben wir das heiße Bad in die großen Zusammenhänge eingeordnet.
 
Wasser und Wärme
Wasser weicht auf, Wärme dehnt aus, Hitze verbrennt, Schlacken können aufgeweicht und weggeschwemmt, Poren geöffnet, Bazillen getötet, vertrieben werden. Trockenheit und Kälte wirken solchen Vorgängen entgegen.
 
Sind zwei Flüssigkeiten durch eine feine Haut getrennt, so kann durch diese hindurch ein Austausch verschiedener Stoffe beider Lösungen vorgenommen und ein Ausgleich erreicht werden. Dieser Vorgang heißt Osmose. In dieser Art nimmt die Zelle ihre Nahrung aus dem Blutstrom und übergibt ihm ihre Schlacken. Feuchtigkeit und Wärme sind Vorbedingung.
 
Unsere Körperhaut, so derb sie sich anfühlt, besitzt ähnliche Fähigkeiten. Nicht nur besteht auch sie aus feinen Zellen; sie hat außerdem Millionen winziger Pforten, Poren, durch die Schweiß, Schlacken, Gifte aus dem Leibe austreten und andere flüssige Stoffe von außen eintreten können, besonders wenn Wärme und Feuchtigkeit mithelfen. Die Länge all der feinen Porenkanäle durch die Haut beträgt mehr als 40 Kilometer.
 
Wir kennen den tragischen Tod der beiden russischen Knaben, die bei einer kirchlichen Feier als Engel mitzuwirken hatten. Ihre ganze Haut wurde mit Goldlack überstrichen, die Poren dadurch verschlossen, und beide Knaben starben nach etwa zwei Stunden. Als Gegenbeispiel sei erwähnt, daß Schiffbrüchige, die ohne Trinkwasser auf dem Meere treiben, den Tod des Verdurstens bannen oder doch stark hinauszögern können, wenn sie von Zeit zu Zeit im Meere schwimmen. Das Wasser dringt durch die Haut in den Körper ein, während das Salz nicht oder nur in unschädlichen Spuren durchgelassen wird. Würden sie das Salzwasser dagegen trinken, so müßten sie sehr bald qualvoll sterben.
 
Bleibt nun ein Körper lange im warmen Wasser, so kann er durch Osmose und durch die geöffneten Poren Schlacken und Gifte ins Badewasser abgeben und im Austausch das Wasser selber oder auch nützliche Stoffe, die dem Wasser beigegeben wie Kräuterabgüsse und heilkräftige Mineralstoffe, in geringen und doch belebenden Mengen aufnehmen.
 
Mit freundlicher Genehmigung des "Drei Eichen Verlag", Rote Kreuz-Straße 30, 97762 Hammelburg, entnommen aus „Bade heiß!, die Praxis heißer und kalter Wasseranwendungen für Gesundheit und Heilung von Werner Zimmermann", Auflage 8.-10.000 1951. Dieses Buch erschien in späteren Jahren unter dem Titel „Heilendes Baden", ebenfalls im Drei Eichen Verlag, veröffentlicht in Wir - Heilpraktiker Organ 1/97.
*) Mildere Anwendung gegen Frostbeulen: Fußbad in kühlem Wasser, aufsteigend, mit Lehm, Ringelblume oder Eichenrinde angemacht, nachher Johannisöl einreiben. Schneelauf wirkt für viele zu kräftig und schmerzhaft. Carl Fauser.

 
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