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Definition Gesundheit aus ayurvedischer Sicht: Ein Mensch ist nur dann gesund zu nennen, wenn eine Harmonie besteht zwischen: Den Tridoshas (Vata, Pitta, Kapha) Den 3 Malas (Urin, Schweiß, Stuhl) Dem Verdauungsfeuer Agni Auch müssen die fünf Sinne ihre Funktion normal erfüllen, damit Körper, Seele und Geist harmonisch zusammenschwingen!Ayurveda (Sanskrit: Ayus = Leben, Veda = Wissen) ist die Wissenschaft vom Leben oder anders ausgedrückt von der Gesundheit. Seine Zielsetzung ist dreifach: Für das Individuum das Erlangen von Gesundheit Für das Volk der Schutz vor Krankheit Für die Seele die endgültige Erlösung Ayurveda ist schätzungsweise 5.000 Jahre alt. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen sollen 3.500 Jahre alt sein. Die Caraka Samhita stammt aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert, die Suruta Samhita wurde etwas später niedergeschrieben. Diese beiden Werke sind die Basisschriften für die Ayurveda-Medizin.Ayurveda wird in 8 Bereiche (Astanga Ayurveda) aufgeteilt: 1. Innere Medizin (Kayacikitsa) 2. Chirurgie (Salyatantra) 3. Krankheiten des Auges und des Kopfes (Salakyatantra) 4. Kinderheilkunde (Kaumarabhrataya) 5. Toxikologie (Agadatantra) 6. Psychiatrie (Bhutavidya) 7. Wissenschaft von der Verjüngung (Rasayana) 8. Wissenschaft von den Aphrodisiaka (Vajikarana) Wobei es immer wichtig war, den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist zu sehen, als Mikrokosmos im Makrokosmos. Das ayurvedische System hat seine Wurzeln in zwei Philosophiesystemen, dem Nyaya-Vaisesika und der Samkhya Philosophie, die für Ayurveda die größere Rolle spielt. Zwar hat Ayurveda einige wesentliche Grundzüge des Vaisesika übernommen, z.B. basiert die ayurvedische pharmazeutische Theorie auf dem vom Vaisesika-System hergestellten Zusammenhang, daß Substanzen Wirkungen entsprechend ihrer Eigenschaften hervorrufen, z.B. was heiß ist auch erhitzt etc. Die ayurvedische Medizin weist den fünf Elementen zwanzig solcher Qualitäten zu. Alle Stoffe werden entsprechend dieser Theorie der ähnlichen oder gegensätzlichen Eigenschaften eingesetzt. Die Samkhya Philosophie Den entscheidenden Beitrag für das ayurvedische System liefert jedoch die Smakhya Philosophie. Samkhya ist die Grundlage für Ayurveda, Yoga und Tantra. Sie ist eine Dvaita-Lehre (dva = zwei) und setzt demzufolge zwei Grundprinzipien für die Weltentstehung voraus: 1. Der Purusa Er ist eine männlich/passive Energie, die nicht manifest ist, formlos, jenseits von Eigenschaften, Ursache und Wirkung sowie Raum und Zeit. Purusa ist reines Sein (Gott). 2. Prakriti Sie ist eine weiblich/aktive Energie, die die Welt erschafft. Ursprünglich befindet sich die Prakriti in einem labilen Gleichgewicht, das auf Sanskrit Avyakta heißt und als ihre erste Manifestation gilt. Die Prakriti besteht aus den drei Gunas: Sattwa, Rajas, Tamas. Das sind Ur-Eigenschaften bzw. Grundprinzipien des unmanifestierten Universums. Guna bedeutet Faden, und wie ein Seil aus mehreren Fäden geflochten ist, so sind alle Erscheinungen im Kosmos mit den drei Gunas verflochten. Je nachdem welches Guna vorherrscht, stellt sich der Charakter der jeweiligen Erscheinung dar. Sattva Guna = Bewußtsein und Klarheit Rajas Guna = Bewegung, Veränderung, Erregung, Handlung Tamas Guna = Dunkelheit, Trägheit, Unwissenheit, Verhaftung Aus dem Zusammenspiel von Purusa und Prakriti entstehen 24 Manifestationen: Avyakta (labiles Gleichgewicht) Mahad oder Buddhi (kosmische Intelligenz) Ahamkara (Ich-Bewußtsein/Ego) Aus Sattva entwickeln sich mit Hilfe von Rajas: Manas (Geist) Die 5 Jnanendriyas (die fünf Sinnesorgane: Ohren, Augen, Nase, Zunge, Haut) Die 5 Karmendriyas (5 Handlungsorgane: Mund, Hände, Füße, Genitalien, Anus) Aus Tamas entwickeln sich mit Hilfe von Rajas: Die 5 Tanmatras (5 Elemente der Wahrnehmung: Schall, Konsistenz, Form und Farbe, Geschmack, Geruch) Aus den 5 Tanmatras entwickeln sich: Die 5 Mahabhutas (5 Grundelemente: Äther, Luft, Feuer, Wasser, Erde) Diese fünf Grundelemente, aus denen alle materiellen Körper bestehen, bilden die Basis für die Lehre der Tridoshas: Vata, Pitta und Kapha. Sie sind der Schlüssel zum Verständnis der Ayurveda-Lehre. Während die drei Gunas die Grundeigenschaften der nicht-manifestierten Welt bilden, sind die Tridoshas körperlich/geistige Wirkprinzipien, sozusagen Bio-Energien, die sich im menschlichen, tierischen, pflanzlichen und mineralischen Körper als die "drei Körpersäfte" manifestieren. Damit bildet ihre Zusammensetzung sozusagen den genetischen Code, der zeitlebens unverändert bestehen bleibt.Die Tridoshas steuern alle körperlichen und geistigen Abläufe. Sie spiegeln die kosmischen Kräfte im Mikrokosmos Mensch wieder. Sind die Tridoshas in Harmonie, ist der Mensch geistig, seelisch und körperlich gesund. Vata, Pitta und Kapha werden durch äußere Faktoren, z.B. Sinneseindrücke, geistige Aktivitäten und Nahrung beeinflußt. Vata Ist das Bewegungsprinzip und kontrolliert Pitta und Kapha. Es reguliert die Bewegung, die Atmung und die Aktivität des Nervensystems.Seine Eigenschaft ist beweglich, leicht, trocken, rauh, kühl und schnell. Auf der geistigen Ebene steht Vata für Wachheit, Klarheit und Kreativität. Der Sitz von Vata ist der Beckenraum, der Dickdarm, die Knochen und die Sinnesorgane. Pitta Ist das Stoffwechselprinzip und das Verdauungsfeuer. Es regelt den Wärmehaushalt und die Verdauung. Seine Eigenschaft ist beweglich, heiß, scharf, sauer und leicht ölig. Auf der geistigen Ebene steht Pitta für den Intellekt, Aktivität und den emotionalen Ausdruck. Der Sitz von Pitta ist der Magen, der Dünndarm, die Haut, das Blut und die Augen. Agni ist ein Prinzip von Pitta und wichtig für die Transformation der Dhatus (Körpergewebe). Kapha Ist das strukturgebende und verbindende Prinzip und steht für die Immunität. Es regelt den Flüssigkeitshaushalt und die Aktivität der Lymphe. Seine Eigenschaft ist süß, schwer, stabil, kühl, langsam, träge, ölig und glatt. Auf der geistigen Ebene steht Kapha für Ruhe, Vergebung, Liebe, Stärke und Ausdauer. Sein Sitz ist im Brustraum, Kopf, Hals, Mund, Zunge, Nase, Nebenhöhlen, Gelenke und Plasma. Die Tridoshas prägen den Grundcharakter des Menschen, seinen Körperbau und sein geistig/seelisches Naturell, das durch eine Dosha-Störung aus dem Gleichgewicht geraten kann. Deshalb ist es im Ayurveda wichtig im Einklang mit seiner Konstitution zu leben. Ein regelmäßiger Tagesablauf und regelmäßige Mahlzeiten sind wichtig. Aktivitäten und Ruhe müssen ausgewogen sein. Die Nahrung muß auf den Konstitutionstyp abgestimmt werden. Ist das Gleichgewicht der Tridoshas gestört, so werden davon auch die sieben Dhatus* (Körpergewebe) betroffen sein. Störungen der Doshas und Fehlfunktionen der Dhatus sind immer direkt an Krankheitsprozessen beteiligt. Die sieben Dhatus (Körpergewebe) sind: Rasa (Plasma), Rakta (Blut), Mamsa (Muskeln), Meda (Fett), Asthi (Knochen), Majja (Knochenmark) und Sukra (Reproduktionsflüssigkeit). Eine Veränderung der Tridoshas hat Ama (Schlackenstoffe) zur Folge, die sich an den Schwachstellen ansammeln (z.B. Harnsäurekristalle in den Gelenken bei Gicht) und zur manifesten Krankheit werden. Ama ist der wichtigste Störfaktor für Agni, Dhatus (Körpergewebe) und Srotas (feinstoffliche und grobstoffliche Leistungsbahnen des Körpers). Die freien Radikalen entsprechen in etwa dem Ama, d.h. sie sind ein Teilaspekt von Ama. Auch unterdrückte Gefühle können zur Bildung von Ama führen und sich auf diese Weise im Körper auswirken. Eine Störung der Doshas kann man durch die Pulsdiagnose (Nadi) feststellen.Diagnose Die ayurvedische Medizin kennt verschiedene Diagnosemöglichkeiten: 1. Anamnese Anhand eines sehr umfassenden Fragebogens wird die Konstitution des Patienten ermittelt. 2. Die Pulsdiagnose (Nadi) Sie gibt ebenfalls Aufschluß über die Konstitution des Patienten sowie über Störungen der Tridoshas und Beeinträchtigungen von Organen. 3. Die Inspektion. Dazu zählen: Augendiagnose Zungendiagnose Lippendiagnose Nageldiagnose allgemeine Körpererscheinung 1. Palpation (Sparsana) 2. Auskultation (Sravana) 3. Riechen (Ghrana) 4. Schmecken (Rasana) - ist heutzutage nicht mehr üblich 5. Stuhl (Purisa) - Farbe, Konsistenz, Geruch (Schwimmprobe) 6. Urin (Mutra) - Farbe, Konsistenz, Geruch (Öltropfentest) Therapie In der Ayurveda-Medizin wird die Mitarbeit des Patienten verlangt. Je nach Dosha-Störung muß er seine Ernährung und/oder Lebensweise umstellen. Darüber hinaus werden Präparate aus Pflanzen, Metallen und Edelsteinpulvern (Bhasma) verordnet, die nach alchemistischen Verfahren in sehr aufwendigen Prozessen hergestellt werden. Vata-Störungen Hier werden Sesamöl-Anwendungen gemacht, z.B. Ganzkörperölmassage (Abhyanga) aber auch Einläufe (Basti) mit Sesamöl. Pitta-Störungen Hier behandelt man mit Ghee (geklärter Butter) oder setzt Virechan (die Abführ-Therapie) ein. Kapha-Störungen Oft wird Vaman (Brech-Therapie) verordnet, sowie eine Ernährung, die arm ist an kapha-haltigen Lebensmitteln, z.B. fette, schwere, süße Lebensmittel. Die Arzneimittel werden entsprechend der Dosha-Störung verordnet und müssen in der Regel dreimal täglich eingenommen werden. Handelt es sich um eine schwere Störung, so wird eine Panchakarma-Kur verordnet, die in Indien 6 Wochen und länger dauern kann. Panchakarma (5 Tätigkeiten) Die fünf Tätigkeiten sind: 1. Abführen (Virechan) mit Sennesblättern und Rizinusöl Wird überwiegend bei Pittastörungen eingesetzt. 2. Einläufe (Basti) mit mediziniertem Sesamöl oder Heilpflanzendekokt. Wird zur Reduzierung von Vata eingesetzt. 3. Einführung von Arzneien in die Nase (Nasya) Wird bei Störungen eingesetzt, die im Kopfbereich liegen. Nasya ist gut für alle drei Doshas. 4. Blutentzug (Rakta Moksha) Aderlaß (z.B. bei Psoriasis) blutiges Schröpfen Blutegeltherapie (z.B. bei Ekzem) Wird eingesetzt bei Pittastörungen des Blutes. 5. Erbrechen (Vaman) Wird bei Kaphastörungen eingesetzt, z.B. Asthma bronchiale, aber auch bei Pittastörungen. Vor einer Pancha-Karma-Kur wird festgestellt, ob der Patient für die Therapie geeignet ist, d.h. er darf nicht zu jung (Kind) oder zu alt sein, auch nicht schwach oder akut krank. Zu den fünf Handlungen, die oben beschrieben wurden, werden Ölmassagen des ganzen Körpers (Abhyanga), Ölbehandlung des Kopfes (Shirodara und Shirobasti) sowie Kräuterdampfbäder (Swedana) verabreicht. Während der gesamten Kur gibt es eine spezielle, rein vegetarische Diät und es muß viel heißes Wasser getrunken werden, da heißes Wasser Vata und Kapha Dosha beruhigt und Pitta Dosha nicht stört. Die Pancha-Karma-Kur ist geeignet bei vielen chronischen Leiden. Es ist eine Entschlackung mit dem Ziel, die gestörten Doshas wieder zu regulieren und damit die Krankheitsursache zu beheben. Trotz ausgeklügelter Therapieformen befaßt sich Ayurveda vorrangig mit der Vorbeugung und erst an zweiter Stelle mit der Heilung von Krankheiten. Das Ziel von Ayurveda ist: Gesundheit zu fördern und Krankheit zu verhindern durch Steigerung der Vitalität sowie das Alter durch geeignete Maßnahmen (Rasayanas) hinauszuzögern. Es darf aber nie vergessen werden, daß Ayurveda die Eigenverantwortlichkeit und Mitarbeit des Patienten verlangt, ohne die nach ayurvedischer Auffassung nichts erreicht werden kann, da Körper, Seele und Geist eine Einheit bilden. In der Chakra Samhita steht: Hitahitam sukham duhkham ayus tasya hitahitam manam ca tac ca yatroktam ayurveda sa ucyate „Gutes und schlechtes Leben, Glückliches und unglückliches Leben, Das, was dem Leben zu-, bzw. abträglich ist, Das Maß des Lebens und seiner Komponenten Und das Leben selbst, Wo all dies erklärt wird, das nennt man Ayurveda"
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