Aufmerksamkeits-Defizit


Wenn das Orchester im Gehirn verstimmt ist (ADS/ADHS)

Roy I. Vasanta, Heilpraktiker

Der Inhalt des folgenden Artikels setzt sich mit dem Thema der Aufmerksamkeits- und Impulssteuerungsstörungen ADS/ADHS auseinander. Es ist erschreckend zu beobachten, welche Rückschlüsse and Maßnahmen aus der Erforschung dieser Störungen auf breiter Front dem unwissenden Verbraucher vorgesetzt werden. Andererseits ist gerade der häufig unhinterfragte Einsatz von Amphetaminen (z.B. Ritalin) für diese Erscheinungen durch Hausärzte und Psychologen auf Verlangen von häufig verzweifelten Eltern ein deutliches Zeichen für die weite Verbreitung von Unaufmerksamkeit anderer Art. Die oft verheerenden Spätfolgen, die aus dem Einsatz von Amphetaminen für Kinder mit Symptomen von ADS/ADHS resultieren, werden sich früher oder später allgemein bemerkbar machen und sich bei unseren Kindern bitter rächen. Es gibt auch andere sehr erfolgreiche und auch gangbare Wege, mit diesem großen Problem unserer Zeit fertig zu werden.

Das Leben selbst ist ein Phänomen der fortwährenden Anpassungsfähigkeit und war schon von jeher davon abhängig, dass Verschiedenheiten nebeneinander kooperativ bestehen bleiben durften. Zellverbände/Organe arbeiten jeweils nach einem bestimmten Rhythmus und leben in fast ständiger Kooperation, orchestriert im Verborgenen durch einen unsichtbaren Dirigenten. Die Qualität und die Leitungsfähigkeit des Dirigenten bestimmen über den Gesamtklang der Symphonie. Glücklicherweise laufen die meisten Prozesse im menschlichen Körper, wie auch in anderen Lebewesen, vollkommen automatisch ab, sonst hätten wir es mit weitaus mehr Störungen zu tun.

Stellen Sie sich einen Augenblick vor, Sie würden für ein Jahr zu Zeiten Goethes leben. Sie würden in dieser Zeit in etwa so viel erleben wie heute innerhalb von ein paar Tagen. In jener Zeit würden Sie alles viel langsamer und gemächlicher erleben und auch verarbeiten können.

Die Zeitqualität ist heute so, daß wir derart mit Reizen überflutet werden und dennoch aus der Summe der Reize und des Chaos Prioritäten setzen und irgendeinen Sinn für eine Ordnung aufbauen müssen. Das Leben ist für viele sehr kompliziert, und der Leistungsdruck ist enorm geworden, sowohl für Eltern als auch für Kinder. Kinder sind in einer Gesellschaft einerseits das kostbarste Gut, denn sie sichern den Fortbestand des menschlichen Lebens, andererseits sind sie das schwächste und schützenswerteste Glied in der Kette des Lebens, das wir haben (und ich meine das nicht in dem Sinn, daß sie dazu da sind, unsere Rente zu sichern!). Der Garant für Erfolg und Produktivität ist die Fähigkeit, sich ständig an neue Lebenssituationen anpassen zu können. Ein ständig lernender Mensch ist ein Mensch, der das Leben erfolgreich meistern kann, und die Fähigkeit ständig lernen zu können, wird bereits in sehr jungen Jahren geprägt.

Welchen Einflüssen
werden Kinder ausgesetzt?

Wenn Eltern (meistens Mütter) ihre Kinder in die Praxis bringen wegen diverser Auffälligkeiten, dann tut es gut, sich einmal zu überlegen, was das Kind eigentlich zum Ausdruck bringt. Die kindliche Entwicklung ist geprägt von dem Bestreben, eine Identität oder „Ich-Gefühl“ zu entwickeln. Um diesen festen Kern in seinem Inneren aufbauen zu können, muß es versuchen, aus allen Einflüssen, die auf es einwirken, einen Sinn zu machen und sie in irgendeiner weise zu harmonisieren oder zusammen zu bringen. Die Symptome von ADS/ADHS, also das, was es nach außen hin präsentiert, sind der Ausdruck seines Kampfes, irgendeine Ordnung zumindest für sich herzustellen. Seine Verhaltensauffälligkeiten sind daher nicht unnormal sondern durchaus normal (für es) und sind so das Beste, was es in dem Augenblick unter den Umständen bewirken kann. Wenn man sich als Therapeut einmal für einen Augenblick in die Lage des Kindes versetzt, dann kommt man schnell dahinter was für Einflüsse auf es wirken. Da ich selber 4 Kinder im Alter zwischen 9 und 22 Jahren habe, kann ich hier sehr gut mitreden. Da ist zunächst einmal die häusliche Situation. Die Eltern haben vielleicht irgendwelche Sorgen. Vielleicht ist der Vater beruflich total eingespannt oder hat Angst um seine Arbeitsstelle. Vielleicht, wie bei so vielen Paaren heutzutage, schaffen es die Eltern nicht ganz, in Gleichschritt zu gehen. Vielleicht muß die Mutter zur Familienkasse durch eine Teilzeitarbeit beitragen und ist selber sehr zersplittert und von Streß geplagt. Ich konnte feststellen, daß selbst Mütter, die das Glück haben, nicht arbeiten gehen zu müssen, alle Hände voll damit zu tun haben, die Kinder zu betreuen. Dann bleibt es auch nicht aus, daß die Kinder mit den Medien zu tun haben. Sie schauen fern, schauen Videos, spielen am Computer, kaufen sich altersentsprechende Zeitschriften usw. Wenn sie zur Schule gehen, stehen sie unter Druck von ihren Kameraden. Sie haben noch keine feste Persönlichkeit und können sich häufig nicht gegen diese Einflüsse genügend abgrenzen. Sie wollen unbedingt die Dinge besitzen, die andere auch haben, und wollen verständlicherweise überall mitreden können. Konsumdrang steht ganz im Vordergrund. Die Eltern wollen nach Möglichkeit diese Wünsche auch erfüllen und wollen „das Beste“ für ihr Kind und setzen sich folglich auch selbst unter Druck, ohne sich selbst ein rundes Bild vom Besten gemacht zu haben.

Das Kind bekommt also von allen Seiten unterschiedliche Botschaften, die für es sehr verwirrend sein können. Es spielt sich der reinste „Turm zu Babylon“ in seinem Kopf ab. Die unterschiedlichen Botschaften aus seiner Erfahrungswelt ziehen alle in verschiedene Richtungen, und da ist es völlig verständlich, wenn es keine klare innere Linie hat, mit diesen Reizen umzugehen. Selbst Erwachsenen fällt es zunehmend schwer, aus der enormen Flut an Reizen eine klare Linie zu bekommen, und immer mehr manifestieren die Symptome des Erwachsenen-ADS/ ADHS. Die traditionellen Werte der nuklearen Familie mit stark „Taktgebender Wirkung“ werden immer stärker in den Hintergrund gedrängt. Oft fehlt es an Zeit von hoher Qualität zusammen mit den Eltern. Die Vorlesestunde am Ende des Tages bleibt häufig aus, und selbst so grundlegende Dinge wie das gemeinsame Essen werden allein schon aus Zeitgründen häufig vernachlässigt oder in aller Eile abgewickelt. Die Mütter fühlen sich häufig mit den zusätzlichen Aufgaben der Hausaufgabenbetreuung total überfordert, und das Kind bekommt alle diese Konflikte mit. Und dann ist da die ganz stiefkindlich behandlte Thematik der richtigen Ernährung für das im Aufbau befindliche Gehirn, worüber schon soviel bekannt ist aber dennoch so wenig unternommen wird. Da ist es eigentlich kein Wunder, daß das Orchester des Gehirns verstimmt wird. Und dann kommen, ganz im Sinne unserer „Soforterlebnis“-Gesellschaft, für die geplagten Eltern die Wunderdrogen Ritalin und Co., und vor lauter Verzweiflung wird fleißig zugegriffen. Ich werde absichtlich nicht auf die verschiedenen Erkenntnisse der Langzeitanwendung von Ritalin hier eingehen. Es ist genug darüber geschrieben worden und wer sich wirklich dafür interessiert, kann überall Informationen darüber erfahren. Mir geht es hier mehr darum, eine sehr potente und in vieler Hinsicht äußerst interessante Alternative aufzuzeigen, um die Verstimmung im Gehirn wieder in Einklang zu bringen: in der Form des EEG-Neurofeedback. Doch vorher möchte ich einen kleinen Überblick über die typischen Merkmale des ADS/ADHS aufzeigen. Wir können hier grob die Merkmale in 4 Hauptgruppen unterteilen:

1. Beeinträchtigte Aufmerksamkeit:

- leichte Ablenkbarkeit (spazierenschauen im Klassenraum, der Hintermann raschelt mit einem Papier o.ä., Tagträumen)
- hastig überhüpfender Wahrnehmungsstil (bekommt einerseits schnell etwas mit, aber übersieht wieder Wichtiges)
- Vergeßlichkeit (Schulheft, Turnzeug, zu erledigende Aufgaben)
- überhört Anweisungen
- ungenügende Selbstkontrolle (z.B. abgeschriebene Wörter)
- Stimmungsschwankungen
- reizoffen (springt auf alles Neue an)
2. Impulsivität (mangelnde Selbststeuerung)
- sagt, was es denkt (ohne jedoch die Situation zu bedenken und zu überschauen, ist manchmal taktlos und merkt häufig nicht, was es gesagt hat)
- kaum gedacht, schon getan
- unterbricht andere oder platzt ins Gespräch / Spiel hinein
- redet zu viel, beachtet dabei soziale Signale nicht (z.B. ob es dem anderen zuviel wird)
- rennt ohne zu schauen über die Straße, begibt sich in gefährliche Situationen
drängelt sich vor, kann nicht abwarten
- Jähzorn, Wutanfälle, heftige, plötzliche Gefühlsausbrüche
3. Motorische Überaktivität (muß nicht immer sein)

- der Zappelphilipp
- plötzlich einschießende Bewegungen (Kind schreibt, plötzlich greift es so ausladend nach dem Radiergummi, daß die Umsitzenden sich erschrecken)
- redet mit Händen und Füßen
4. Sonstige (möglich)

- Einschlafschwierigkeiten
- Kaspern / Stören
- Lernstörungen und Schulschwierigkeiten
- geringe Frustrationstoleranz
- Ungeschicklichkeit
- Schwierigkeiten, fremdgestellte Aufgaben zu tätigen
- krakelige Schrift, verbiegt Federn, bricht Bleistifte ab
- beeinträchtiges Selbstwertgefühl
- schlägt öfter über die Stränge, testet permanent die Grenzen aus
- soziale Beziehungsstörungen
- Aggressivität
- Angeberei
- Überempfindlichkeit
- Entwicklungsverzögerung
- Distanzlosigkeit
- mangelndes Selbstwertgefühl

Fairerweise seien auch noch die ausgesprochen positiven Eigenschaften zu nennen, die ein Kind mit ADS/ADHS manifestieren kann:

- charmant
- fröhlich
- hilfsbereit
- lustig
- kreativ
- fürsorglich
- aufgeweckt
- phantasievoll
- flexibel
- tierlieb
- sensibel
- interessiert
- gutmütig

Es ist auch insbesondere für das Kind als auch für die Eltern wichtig, zu erkennen, daß es sich bei ADS/ADHS nicht um eine Krankheit im herkömmlichen Sinn handelt, daß es auch keinen „Schuldigen“ gibt, und daß die Erscheinungen keineswegs die Einnahme von Mitteln wie Ritalin rechtfertigen. Wenn das Gesamte um ein betroffenes Kind aus der Sichtweise einer „Taktgeber-“Störung betrachtet werden kann, dann werden auch die notwendigen taktgebenden Maßnahmen leichter zu verstehen sein. Es ist auch für betroffene Eltern wichtig zu erkennen, daß es hier nicht darum geht, was richtig oder falsch ist, sondern was für einen gegebenen Zeitpunkt als passendes oder unpassendes Verhalten betrachtet werden kann. Auch dem Kind muß schnell vermittelt werden, daß es nicht grundsätzlich böse ist, denn durch die Rückmeldungen aus seiner Umwelt kann diese Annahme schnell entstehen und sich auch festsetzen. Für viele Eltern von betroffenen Kindern er- scheint vielleicht das Problem ADS/ ADHS als sehr dramatisch, aber ganz so schlimm ist es nicht.

Was sind Gehirnwellen? (EEG)

Ein EEG ist ein elektrisches Wellen
muster, das über Elektroden an der Kopfhaut von einem elektronischen Gerät aufgenommen, verstärkt und auf einem Computer angezeigt wird. Hierbei ist die Platzierung der Elektroden von Bedeutung. Es besteht aus einer Welle, die sich über Zeit verändert, sehr ähnlich einem Tonsignal oder einer Vibration. Als solches enthält es Frequenzkomponenten, die gemessen und analysiert werden können, und diese Frequenzkomponenten haben interessante und wertvolle Eigenschaften.
Es gibt viele Ansätze, wie Gehirnwellen verstanden werden können, aber für unseren Zweck hier genügt es, wenn wir den Ansatz verwenden, daß Gehirnwellen in der Lage sind, subjektiv geistige Prozesse und Zustände zu beschreiben und darzustellen. Das heißt, daß unsere jeweilige innere Erfahrungswelt ganz bestimmte Gehirnwellen produziert. Diese Erkenntnisse wurden empirisch anhand von klinischen Versuchen über Jahrzehnte ermittelt.

Gehirnrythmen können auch trainiert werden. Die Reize, denen wir ausgesetzt werden, haben einen solchen Trainingseffekt. Jeder Reiz hat eine andere Wirkung. Wenn wir zum Beispiel Tag für Tag einer hohen Geräuschkulisse ausgesetzt werden, dann hat es einen bestimmten Effekt auf die Gehirnwellen. Wenn wir zum Beispiel auf einer Südseeinsel wohnen würden, mit genügend zu essen, einem intakten Familienumfeld mit mehreren Generationen denen es allen gut geht, genügend Bewegung und ein allgemein relativ sorgloses Leben führen würden, dann gäbe es sicherlich kein ADS/ADHS. Wir wären dann lediglich den Na-turgewalten ausgesetzt, auf die wir allerdings durch Überlieferungen und Stammeserfahrungen vorbereitet wären. Hierin liegt auch der Grund für die zunehmende Aus-steigerwelle von Menschen, die sich zur Natur in seiner Urform hingezogen fühlen. Diese Lösung ist jedoch für die meisten von uns weder möglich noch wünschenswert. Die Entwicklung des Lebens schreitet unaufhörlich voran und fordert uns und unseren Kindern etwas ab. Der Umstand, daß Gehirnrythmen fast so wie Muskeln trainierbar sind, wird beim EEG-Neuro-feedback zugunsten des Betroffenen eingesetzt. Der Betroffene kann darin trainiert werden, selber zu erlernen, wie spezifische Frequenzen erzeugt oder reduziert werden können, um dadurch Verän-derungen in der Gehirnfunktion zu bewirken. Diese Veränderungen in der Ge-hirnfunktion bewirken dann ihrerseits eine positive und für den Betroffenen befriedigende Veränderung im Verhalten. Was eigentlich gelernt wird, ist eine Mei-sterschaft der inneren Welt und wenn die innere Welt gemeistert wird, dann ist die äußere Welt auch viel leichter zu meistern, ohne das konfliktreiche oder zerstörerische Verhalten. Das Schöne hierbei ist, daß der Betroffene es selber lernt. Er bekommt nicht über Verhaltensmaßregeln so sehr vermittelt, daß es „falsch oder böse“ ist, sondern bekommt vermittelt, daß er immer mehr innere konfliktfreie Zonen selber schaffen kann, was in einem sehr befriedigenden Gefühl mündet.

Manche haben vielleicht die Vorstellung, daß über die EEG festgestellt werden kann, was man gerade denkt. Das ist natürlich nicht richtig. Allgemeine Aussagen sind jedoch sehr wohl möglich, wie zum Beispiel ob sich gerade jemand für etwas interessiert und aufmerksam ist oder ob eine wachsame Entspannung gerade erfahren wird usw.

Wie werden Gehirnwellenrythmen (das EEG)
im Gehirn erzeugt?

Zellverbände im Gehirn generieren die Rhythmen, wenn sie entpolarisieren und synchron abfeuern. Diese Aktivität geschieht hauptsächlich in den äußersten vier Schichten (etwa 6mm) des cerebralen Kortexes. Die Anwesenheit eines EEG-Rhythmus deutet an, daß eine Gehirnaktivität stattfindet in der Größenordnung von einigen Millionen Zellen gleichzeitig, und das in einer synchronisierten Art und Weise. Die Tragweite dieser Synchronisation kann daran erkannt werden, wenn wir bedenken, daß jede Gehirnzelle mit ca. 1000 anderen verknüpft ist. Wenn also eine Zelle aus der Marschrichtung gerät, dann wird sehr viel bewirkt. Wer gerne Fußballspiele anschaut, hat vielleicht mal eine Hula-Welle beobachtet. An einer Stelle unter den Zuschauern beginnt zunächst eine kleine Gruppe damit, die Arme hoch zu werfen. Diese Welle setzt sich dann progressiv fort, bis der Zuschauerraum umflossen wird. Dann beginnt es wieder von vorne – wenn es gut geht! Wenn natürlich aus dem Takt geratene Gruppen eigene Wellen beginnen, dann wird das schöne Bild gestört, und die Kohärenz kann nicht entstehen. Ähnliche Phänomene können überall beobachtet werden - Mannschaftssportarten, Teamwork in Firmen, Teamwork in harmonisch funktionierenden Familien und überall dort, wo es auf jeden Einzelnen ankommt, damit sie dann in Harmonie und Gleichklang zu-sammenwirken. So kann Großes erreicht werden.

Insgesamt kann man sich die Gehirnwellenfrequenzen als „Randphänomene“ vorstellen, die Nebenprodukte der normalen Gehirnfunktion sind aber nicht ein Signal des Gehirns selbst. Das Gehirn kommuniziert nicht über die Gehirnwellen und verrichtet seine Arbeit auch nicht über sie. Die Gehirnwellen sind eine Nebenwirkung des inneren Zustandes, in etwa wie die Vibrationen, die in einem Motor gemessen werden können oder die Arbeitstemperatur eines elektronischen Schaltkreises. Daher ist es nicht so, daß eine bestimmte Wellenart für einen bestimmten Zweck produziert wird. Die Wellenfrequenzen entstehen als Resultat einer bestimmten Art von Gehirnaktivität, und es ist möglich sie zu erkennen und sie zum Vorteil zu benutzen, indem gelernt wird, was sie darstellen und was passiert, wenn wir mit ihnen arbeiten.

Verteilung über Raum und Zeit:

Das Gehirn besteht aus über 100 Milliarden Zellen, die in viele verschiedene Regionen unterteilt sind, die alle gleichzeitig mit irgendeiner Aktivität beschäftigt sind. Das Gehirn ist NICHT wie ein Computer. Es ist eine Sammlung von Millionen und Milliarden verschiedenen Computern. Deshalb kann das Gehirn zu einem beliebigen Zeitpunkt und an jeder spezifischen Stelle eine Kombination von Frequenzen erzeugen. EEG-Signale verhalten sich wie Ebbe und Flut. Das heißt, sie werden größer und kleiner über Zeit und zeigen kontinuierliche Veränderungen von Moment zu Moment. Alpha-Wellen zum Beispiel werden fast immer als „Spindel“ und „Stöße“ beobachtet und fast nie als eine kontinuierliche Welle. Die Produktion von mehr oder größeren Stößen rhythmischer Aktivität werden mit einer größeren Menge dieser Komponente in Verbindung gebracht. Beta z.B. kann in sehr kleinen Stößen von einer Zehntel Sekunde oder weniger auftreten, kommt und geht also sehr schnell. Im Vergleich nehmen Alpha-Wellen im Allgemeinen in Stößen von etwa einem Fünftel bis zu 1 - 2 Sekunden ab und zu.

Da das Gehirn aus grob identifizierbaren Zonen mit zuordnungsfähigen Funktionen besteht, können spezifische Rhythmen beobachtet werden, die mit den entsprechenden Funktionen übereinstimmen. Daher ist die Platzierung der Elektroden wichtig bei der Messung und dem Trainieren von spezifischen Rhythmen. Das Training an einem bestimmten Ort wird die EEG-Aktivität hauptsächlich an diesem Ort beeinflussen.

Das EEG ist einer Symphonie ähnlich, das aus einer komplexen Mischung von Tönen besteht, die sich über Zeit und Raum verändert. Das Gehirn kann als ein massives parallel verarbeitendes System verstanden werden, bestehend aus vielen tausend spezifischen Zellensystemen. Zu einem gegebenen Zeitpunkt kann eine Häufung von einem oder mehreren Rhythmen auftreten, und diese Kombination hilft uns, den inneren Zustand und die Aktivitäten des Gehirns zu verstehen.

Das Trainieren
von EEG-Rhythmen

Neurofeedback-Technologien werden eingesetzt, um wünschenswerte EEG-Rhythmen zu trainieren. Die technischen Möglichkeiten sind heute sehr vielfältig. Trainingssysteme können visuelles Feedback, Gehörfeedback (Geräusche) oder einen persönlichen Trainer einsetzen, um verbales Feedback zu geben, um dadurch den Betroffenen darauf aufmerksam zu machen, welche Gehirnrythmen vorhanden sind. Die optische Darstellung kann sehr vielfältig sein. Computerdisplays sind in der Lage, ein breites Spektrum von sehr interessanten und ansprechenden Anzeigen darzustellen. Diese lassen sich in Altersgruppen und Trainingszweck oder Ziel einteilen. Insbesondere für Kinder mit ADS/ADHS eignen sich Anzeigen mit mehr spielerischem Inhalt. Das Kind lernt z. Bsp. über die Beeinflussung seiner Gehirnaktivität, eine Wippe zu bewegen oder Wolken vorbeiziehen zu lassen, einen Ball, einen Satz Zahnräder oder ein Auto in Bewegung zu halten. Hierbei gibt es, ähnlich wie bei Computerspielen, unterschiedliche Schwierigkeitsstufen, so daß die nächste Schwierigkeitsstufe erst zugänglich wird, wenn die vorherige genügend eintrainiert wurde. Die Protokolle hierfür werden nach den diagnostischen Messungen vom Therapeuten festgelegt. Die Einstellung und Abstimmung der Protokolle werden so ausgelegt, daß jeder Rhythmus oder die Kombination von Rhythmen verstärkt oder vermindert werden kann. Für komplexere Situationen kann das Training so eingerichtet werden, daß verschiedene Gebiete synchronisiert oder entkoppelt werden können; oder es können bestimmte Gebiete trainiert werden, um andere Frequenzen zu produzieren oder vorhandene zu unterdrücken. Dabei werden diese Veränderungen sehr leicht und in spielerischer Art erreicht, während dabei das Kind selber darauf kommt wie die Veränderung bewirkt wurde.

Es ist heute möglich, komplexe Vorgänge zu trainieren, wie z.B. die Gehirnwellen-Synchronizität, Kohärenz oder die Beziehung zwischen Gehirnwellen, die von verschiedenen Stellen gemessen werden. So lernt das Gehirn, anders mit seinen verschiedenen Teilen zu kommunizieren. Dieses Vorgehen wird insbesondere für das Training von Konzentration und Entspannung für Athleten oder Manager eingesetzt, die sehr hohe Leistungen erbringen wollen. Jede andere Art von Training (Disziplin), sei es über Sportarten, Koordinationstraining, Verhaltenstraining, kognitive Therapien oder andere häufig wiederholte oder erzieherische Tätigkeiten haben auch eine Auswirkung auf die Gehirnwellen. Beim Neurofeedback werden die Gehirnwellen gezielt und effizient direkt trainiert.

Es ist wichtig zu verstehen, daß obwohl spezifische Rhythmen trainiert werden können, die Erzeugung oder Minderung eines spezifischen Rhythmus kein Ziel für sich alleine ist; und eine Veränderung in den Gehirnwellen bedeutet nicht zwangsläufig, daß eine gewünschte Veränderung sich eingestellt hat. Es ist eher so, daß die gewünschten Gehirn-/Mentale Änderungen ein Nebenprodukt des Trainings sind, ganz unabhängig von den Veränderungen im EEG selbst. Das Gehirn ist ein selbstregelndes System und verhält sich ähnlich einem Thermostat, das bestrebt ist, das System stabil zu halten. Es sucht ständig, sich in ausgeglichenem Zustand zu befinden. Über eine Analogie läßt sich das eher verstehen. Wenn im Winter ein Fenster offen gelassen wird, dann ist es im Haus vielleicht nicht kalt aber die Heizung wird sehr hart arbeiten müssen, und die Heizkosten und der Verschleiß werden entsprechend hoch sein. Wenn das Fenster geschlossen wird, was einer Rückkehr zur normalen Funktion darstellt, dann wird die Temperatur nicht deutlich steigen, aber die Heizung wird deutlich weniger arbeiten müssen, und die Heizkosten und der Verschleiß werden niedriger sein. In dieser Weise kann das Gehirn den gewünschten Zustand erreichen, selbst wenn die meßbaren Parameter der Gehirnrythmen nicht bedeutsam verändert sind. Trotzdem haben Veränderungen in der Gehirnfunktion stattgefunden, und die Vorteile stellen sich selbst ohne große Veränderungen der Gehirnwellen ein.

Kürzlich las ich einen sehr interessanten Artikel über einen „Laienforscher“, also einen Nichtakademiker, der dabei ist, die seitherigen Erkenntnisse über die Bienen radikal umzuwälzen. Seine Entdeckungen über das Leben der Bienen sind von solcher Tragweite, daß die Lehrbücher neu geschrieben werden müssen. Eine für mich sehr interassante Entdeckung war, daß die Bienenlarven eine Art Trainingsprozeß durchlaufen, wobei gezielt bestimmte für das Volk notwendige Eigenschaften herangezüchtet werden. Die Bienen sind alle mit ähnlicher genetischer Ausstattung ausgerüstet, aber über Variable wie Haltungstemperatur, Futter, Zuwendung und andere Parameter wird bestimmt, was aus den Jungbienen später wird.

Die Grund-EEG-Rhythmen werden wie folgt in Bezug zu ihrer typischen Verteilung auf dem Kopf, den subjektiven Erfahrungen mit denen sie in Verbindung stehen, den spezifischen Aufgaben, physiologischen Entsprechungen und den Auswirkungen des Trainings dargestellt. Es handelt sich hierbei um einen allgemeinen Leitfaden und nicht um in Stein gemeißelte Regeln:

Langsame Wellen:
Delta (0,1-4 Hz):
Verteilung: im Allgemeinen breit oder diffus, kann beidseitig sein, breit gefächert

Subjektive Gefühlszustände: tiefer traumloser Schlaf, Schlaf ohne REM, Trancezustände, Bewußtlosigkeit

Verbundene Aufgaben und Verhalten: Lethargie, Unbeweglichkeit, Unaufmerksamkeit

Physiologische Entsprechungen: Bewegungslosigkeit, geringe Erregbarkeit, Reaktionsstarre

Wann angebracht: während des Tiefschlafs, sehr unangebracht für Denkprozesse

Wirkung des Trainings: kann Müdigkeit auslösen, Trance, sehr tief entspannende Zustände

Theta (4-7 Hz):
Verteilung: meist regional, kann mehrere Gebiete umfassen, kann lateral oder diffus sein

Subjektive Gefühlszustände: intuitiv, kreativ, Informationsabruf, Fantasie, bildliche Vorstellung, kreatives und traumähnliches hin- und herschalten zwischen Gedanken, Schläfrigkeit; „Eins-sein“, „wissend“

Verbundene Aufgaben und Verhalten: kreativ, intuitiv; kann aber auch abgelenkt sein und unkonzentriert

Physiologische Entsprechungen: Heilungsphase, Integration von Körper und Geist

Wann angebracht: tiefe Meditation, manche kreative Aufgaben, gut zum Schlafengehen, nicht angebracht für Arbeit oder im Klassenzimmer

Wirkung des Trainings: wenn vermehrt, kann es einen sich treibenlassenden, tranceähnlichen Zustand auslösen, wenn unterdrückt, können die Konzentration und die Fähigkeit die Aufmerksamkeit gezielt auf etwas zu fokussieren sich erhöhen

Alpha (8-12 Hz):
Verteilung: regional, umfaßt normalerweise ein ganzes Gebiet

Subjektive Gefühlszustände: entspannt, nicht aufgeregt aber auch nicht schläfrig, ruhig, bewußt

Verbundene Aufgaben und Verhalten: meditative Zustände, keine Handlung

Physiologische Entsprechungen: entspannt, Heilung

Wann angebracht: für Entspannung und Kreativität, nicht angebracht für intensives Lernen

Wirkung des Trainings: kann Entspannung herbeiführen

Unterrhythmus unteres Alpha 8-10 Hz: innere Aufmerksamkeit von Selbst, Körper/Geist-Integration, Gleichgewicht und Harmonie

Unterrhythmus oberes Alpha 10-12 Hz: Zentriertheit, Heilung, Körper/Geist-Verbindung, Präsenz, Gegenwärtigkeit

Schnelle Wellen:
Beta (über 12 Hz, SMR)
Der Beta-Rhythmus hat ein relativ breites Spektrum und wurde definiert als alles oberhalb des Alphabandes.

Unteres Beta (12-15 Hz)
Verteilung: lokalisiert nach Seite und nach Gebiet (vorne, Hinterkopf, usw.)

Subjektive Gefühlszustände: entspannt aber fokussiert, integriert

Verbundene Aufgaben und Verhalten: zu geringer Anteil unteres Beta kann ein Zeichen für „ADS/ADHS“ sein, Mangel an fokussierter Aufmerksamkeit

Physiologische Entsprechungen: wird durch Bewegung unterbunden, körperliche Einschränkung/Impulskontrolle kann zur Erhöhung von unterer Beta-Frequenz führen

Wann angebracht: stilles Lernen ohne hohe Intensität, nicht angebracht für intensives Lernen

Wirkung des Trainings: die Erhöhung von unterem Beta kann entspanntes Fokussieren produzieren, verbesserte Aufmerksamkeitsfähigkeiten, kann Aufmerksamkeitsmangel verbessern

Mittelband Beta (15-18 Hz)
Verteilung: lokalisiert über verschiedene Gebiete; kann auf eine einzige Elektrode fokussiert sein

Subjektive Gefühlszustände: Denken, Bewußtsein des Selbstes und des Umfeldes

Verbundene Aufgaben und Verhalten: geistige Aktivität

Physiologische Entsprechungen: aufmerksam, aktiv, aber nicht aufgewühlt

Wann angebracht: zum Lernen während einer Aktivität, Konzentration, nicht angebracht zur Entspannung

Wirkung des Trainings: kann geistige Fähigkeiten erhöhen, Fokus, Gegenwertigkeit, IQ

Oberes Beta (über 19 Hz):
Verteilung: lokalisiert, kann sehr fokussiert sein.

Subjektive Gefühlszustände: Gegenwärtigkeit, aufgewühlt sein

Verbundene Aufgaben und Verhalten: geistige Aktivität, z.B. Mathematik, Planen usw.

Physiologische Entsprechungen: generelle Aktivierung von geistigen und körperlichen Funktionen

Wann angebracht: angebracht, um sehr schwieriges Material zu lernen, wo intensive Konzentration erforderlich ist, nicht angebracht für normale alltägliche Aktivitäten

Wirkung des Trainings: kann Aufmerksamkeit stimulieren, kann auch Aufgewühltsein stimulieren usw.

Gamma (40 Hz):
Verteilung: sehr lokalisiert

Subjektive Gefühlszustände: das Denken, integriertes Denken

Verbundene Aufgaben und Verhalten: hochgradige Informationsverarbeitung

Physiologische Entsprechungen: wird mit informationsreicher Aufgabenverarbeitung in Verbindung gebracht

Wirkung des Trainings: nicht vollständig erforscht .

Die Sehnsucht nach Erfolgserlebnissen

Neben den Grundbedürfnissen nach Nahrung, Unterkunft und menschlicher Zuwendung haben wir zur Erhaltung eines gesunden Selbstwertgefühls auch ein natürliches Bedürfnis nach Erfolgserlebnissen. Selbst bei den ganz kleinen Kindern kann dies beobachtet werden. Ich kann mich erinnern, daß, als unsere mittlerweile 22-jährige und damit älteste Tochter das Laufen auf ebener Fläche beherrschte, sie sich darin übte, auf den niedrigen Treppenstufen im Garten fehlerfrei zu laufen. Sie war sichtlich mit dem Ergebnis zufrieden wenn sie eine „Runde“ ohne Hinfallen geschafft hatte. Wir haben ein inneres Belohnungssystem wo wir uns für das geleistete unabhängig von äußeren Impulsen auf die Schulter klopfen. Wenn noch zusätzlich von außen Zuspruch kommt, dann freuen wir uns umso mehr. Beim ADS/ADHS Kind ist dieser Mechanismus notgedrungen gestört. Es kann sich selbst nicht belohnen für erbrachte Leistungen, weil die Leistungen eben häufig nicht erbracht werden können, und der Zuspruch von außen bleibt nicht nur völlig aus, sondern sie bekommen ständig Negativfeedback für ihre Missetaten. Und zu allem Überfluß erlernen sie dabei, daß Negativfeedback immer noch besser ist als überhaupt keine Zuwendung.

Betroffene Kinder sind durchaus fähig, sich sehr intensiv auf Videospiele, TV oder andere Dinge, für die sie sich nteressieren, zu konzentrieren; sie können sich jedoch nur sehr schwer auf ihre schulische Arbeit konzentrieren. Ein Mensch mit ADS/ADHS produziert übermäßige Mengen von Theta Gehirnwellenmustern (4-7 Hz), die wie ein Nebel oder Filter wirken. Hohe Mengen von Stimulierung/körperlicher Aktivität können den Nebel durchdringen und die Aufmerksamkeit aktivieren. Während ein Kind sich mit einem Videospiel auseinandersetzt, ist genügend Stimulierung in der Aktivität vorhanden, um diese langsamen „Filterwellen“ zu durchdringen und die Aufmerksamkeit zu erregen. Während sie bei Aufgaben mit einer geringen Stimulierung wie Lesen, Hausaufgaben oder Aufgaben im Haushalt nicht genug Stimulierung aus dem Umfeld erhalten. Somit wird der Nebel nicht durchdrungen, um die Erregung zu aktivieren, und es ist fast unmöglich, die Aufmerksamkeit gezielt zu richten. Die niedrige Stimulierung resultiert in Langeweile, die wiederum zu erhöhten wahllosen Aktivitäten führt.

Betroffene Kinder sind davon abhängig, vom Umfeld angeregt zu werden, damit sie ihre Aufmerksamkeit richten können und sind unfähig, sich selbst zu regulieren. Wenn nicht genug Stimulierung im Umfeld vorhanden ist, dann gehen sie auf die Suche nach Stimulierung. Das Kind wird dann zum Zappelphillip, unruhig, läuft in der Klasse herum, spricht mit dem Nachbarkind und stört allgemein. Diese Aktivitäten haben den Sinn, die Stimulierung zu erhöhen, um aus diesem Zustand der geringen Erregung herauszubrechen. Neurofeedback ist hier ein ideales Werkzeug, um den Betroffenen zu helfen, die physiologischen Unterschiede, die bei ADS/ADHS vorhanden sind, zu verändern, denn der Zustand ist auch für das Kind unbefriedigend.

Anhand eines alltäglichen Beispiels läßt sich das verdeutlichen, denn jeder ist zeitweilig diesem Zyklus ausgesetzt. Sie erinnern sich vielleicht an eine Erfahrung bei der Sie zu Mittag oder zu Abend essen, um dann an einer Schulung oder Besprechung teilzunehmen. Während der Stoffwechsel des Verdauens einzugreifen beginnt, fühlt man sich schläfrig, und die Aufmerksamkeit läßt sich schwer richten. Man beginnt mehr Alpha-Gehirnwellen zu produzieren. Sie sind gezwungen dort zu sitzen, die Augen werden schwer, und Sie sind so schläfrig, daß es schwer ist nicht einzuschlafen. Jetzt produzieren Sie mehr Thetawellen. Weil Sie so schläfrig und abwesend sind, ist es nicht wahrscheinlich, daß die Information so gut ankommt und verarbeitet wird, als wenn Sie voller Aufmerksamkeit und wach sind. Sie wollen dann vielleicht aufstehen, sich bewegen, eine Tasse Kaffee holen und etwas tun um aufzuwachen!

Dieses ist, was mit dem ADS/ADHS Kind passiert. Während es dort in einem Umfeld mit geringer Stimulierung sitzt wie z.B. im Klassenzimmer, während der Hausaufgaben oder bei der Hausarbeit, dann produziert das Gehirn eine langsamere Gehirnwellenaktivität. Während die Thetawellen sich vermehren, wird das Kind unruhiger, es steht auf und stört den Unterricht bei dem Versuch, sich selber zu stimulieren und aus diesem Zustand der Untererregung herauszukommen. Sein Gehirn ist unterstimuliert, und es versucht mehr Stimulierung zu produzieren um aufzuwachen. Und das Tragische hierbei ist, daß das Kind versucht sich selber einzuregeln, bekommt aber aus dem Umfeld Botschaften, daß es nicht in Ordnung ist, was es tut, denn es ist aus dem Takt mit der übrigen Gruppe und wirkt als Störenfried. Sie sagen im Prinzip „stimuliere mich, denn ich habe Schwierigkeiten mich selber zu stimulieren“; selbst wenn die Stimulierung sich als dramatisch erweist und letztendlich selbstschädigend.

Die Rolle der Neurotransmitter

Wissenschaftler haben festgestellt, daß das Gehirn weitaus plastischer und empfindsamer gegenüber Umwelteinflüssen ist als seither angenommen. Früher herrschte die Annahme, daß das Gehirn, wenn es sich einmal gebildet hat, nur noch schwer zu beeinflussen ist. Sie erinnern sich vielleicht an die Aussage, daß wir mit einer bestimmten Anzahl Gehirnzellen geboren werden und daß wir danach keine mehr dazu bekommen werden. Diese Aussage wurde deutlich widerlegt. Inzwischen ist bekannt, daß Gehirnzellen routinemäßig durch neue Zellen ersetzt werden, und daß ständig neue neuronale Verbindungen hergestellt werden, während wir neue Dinge lernen.

Das Lernen findet statt durch das Anlegen von neuen neuronalen Netzwerken oder Pfaden

Unsere Neuronen „sprechen“ miteinander über ein delikates System, das chemisch eingeleitete elektrische Impulse verwendet, um Botschaften zu übermitteln. „Sprechen“ ist vielleicht zuviel gesagt, denn sie flüstern eher miteinander. Dieses System verwenden Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin und Neurorezeptoren, um Signale zu empfangen. Der Spalt zwischen den Neuronen (synaptischer Spalt) wird über diesen Mechanismus überbrückt, damit Signale weitergeleitet werden. Unsere fünf Sinne verarbeiten Informationen (externe Reize) und wählen dann bestimmte neuronale Verbindungen, um aktiv zu werden. Ein Mangel in irgendeinem dieser Bereiche wird einen Mangel an Aufmerksamkeit bewirken. Die Aufmerksamkeit benötigt ein chemisches Gleichgewicht, einen fokussierten Zustand des Gehirns und ausreichende Verarbeitungsfähigkeiten. Die Zellmembrane und synaptische Endpunkte dieses Systems bestehen aus DHA, einer Omega-3 essentiellen Fettsäure. Diese Membrane werden ranzig, wenn sie nicht durch Antioxidantien geschützt werden. Die meisten Menschen nehmen über die Ernährung nicht genug DHA auf, und da das Gehirn zu über 60% aus Fett besteht, werden dann andere Fettarten in das Gehirn eingebaut, die jedoch nicht so gut funktionieren, weil sie die falsche Form haben (sie sind gerade geformt, während DHA kurvig geformt ist), und alle für das Wohlergehen so bedeutenden Neurotransmitter werden vom Körper aus diätetischen Vorstufen produziert. Beim Einbau von ungeeigneten Fetten werden die Dopaminrezeptoren verformt und können daher nicht so gut funktionieren. Wenn diese Ernährungsart Tag für Tag und Jahr für Jahr wiederholt wird, dann kann es dazu führen, daß Probleme wie Depressionen und Aufmerksamkeitsstörungen entstehen. Das Problem ist am gravierendsten für Kinder, deren Gehirn sich noch stark am Vernetzen befindet, während es lernt. Damit die Herstellung von harmonischen Gehirnchemikalien vollzogen werden kann, müssen die B-Vitamine, Magnesium, Zink und Vitamin C in ausreichender Menge vorhanden sein.

Die einzige Möglichkeit den tatsächlichen Pegel der Neurotransmitter in Betroffenen von Neurotransmittermangel zu erhöhen, besteht darin, die Baustoffe dem Körper zuzuführen, die das Gehirn braucht, um daraus neue Neurotransmitter zu erzeugen. Neurotransmitter selbst können die Blut/Hirn Schranke nicht überqueren, aber die Baustoffe dafür können diese Schranke passieren, wo sie im Gehirn zu Neurotransmittern aufgebaut werden und somit den Gesamtbestand an verfügbaren Neurotransmittern in einem mangelhaften System erhöhen. Wenn im Gehirn schon mal ein Mangel entstanden ist, dann reichen diätetische Maßnahmen alleine nicht mehr aus. Eine perfekte Diät für den Aufbau von Neurotransmittern würde bedeuten, die Nährstoffe aus ca. 800 g rotes Fleisch oder aus 18 Eiern täglich aufzunehmen. 800 g rotes Fleisch hat etwa 2400 Kalorien und würde seine eigenen Probleme mit sich bringen. Hier sind also intelligent gewählte Nahrungsergänzungen gefragt.

Die wichtigen Neurotransmitter sind
Norepinephrin und Dopamin:
kontrolliert die Aufmerksamkeit und Hyperaktivität. Dopamin ist die Chemikalie, die ein „gutes Gefühl“ erzeugt. Zu niedrige Pegel davon können als unruhige Langeweile erfahren werden. Stimulierende Umwelteinflüsse erhöhen beide Chemikalien.

Serotonin (5-http): wird mit Depressionen in Verbindung gebracht sowie mit Aggression, Schlaf, chronischen Schmerzen, Impulsivität, Angstzuständen, Eßstörungen und der Regulierung der Körpertemperatur. Sehr niedrige Pegel können selbstmörderische oder gewalttätige Gedanken auslösen.

Acetylcholin: wird für das Abrufen von Erinnerungen gebraucht.

Stellen Sie sich vor, ein Kind ist in der Schule und lernt gerade Mathematik. Der Vorgang des Lernens stimuliert das Gehirn dazu, neue neuronale Bahnen zu bilden. Dazu wird DHA gebraucht, besonders für die sehr delikaten neuronalen Synapsen, die ausschließlich aus DHA bestehen. Wenn wir die durchschnittliche Ernährung eines Kindes betrachten kann festgestellt werden, daß fast keine Omega-3 Fettsäuren eingenommen werden. Was macht dann das Gehirn? Es gerät in eine Notlage und verwendet dann letztendlich andere Fettarten mit der falschen Form, denn irgendwas muß als Baustoff verwendet werden. Das neuronale Netzwerk entwickelt sich dann langsam und ist dabei auch noch ungünstig geformt. Das Kind hat Lern- und Gedächtnisprobleme und auch noch Verhaltensstörungen, die es schnell zum sozialen Außenseiter machen.

Die Forschung hat gezeigt, daß die Eßgewohnheiten der Jäger und Sammler reich an Omega-3 Fettsäuren war. Sie ernährten sich von einer Mischung aus Fleisch, Obst und Gemüse mit wenig oder gar keinen Getreideprodukten. Grünes Blattgemüse, bestimmte Samen und Nüsse und Wild sind reich an Omega-3.

Was kann von Neurofeedback erwartet werden?

ADS/ADHS beeinflußt den Betroffenen ein Leben lang in vielen Bereichen, von dem Privatleben bis zu beruflichen und akademischen Leistungen und befriedigenden sozialen Kontakten. Die Betroffenen bilden auch eine Risikogruppe für andere nicht wünschenswerte Zustände wie z.B. Depressionen, die manische Depression, zwanghaftes Verhalten, Angst- und Panikattacken, Phobien und vieles mehr. Das, was sich meines Erachtens am tragischsten auswirkt, ist die verdrehte Selbsteinschätzung, gründend auf dem mangelnden Selbstwertgefühl. Dabei sind alle diese Erscheinungen nur der Ausdruck des Versuches des Gehirns in einem harmonischen Zustand zu bleiben.

Praktisch betrachtet wird bei einem Kind bei dem Erstbesuch eine Bestandsaufnahme über die Gehirnwellenaktivität gemacht. Dazu werden an 12 Stellen am Kopf die Gehirnwellen aufgezeichnet und ausgewertet. Danach ergibt sich ein Bild der betroffenen Bereiche und die Art der Störung und auch über die Eignung für Neurofeedback als Trainingsmethode, und es kann in der Folge ein Trainingsprotokoll vorgeschlagen werden. Gewöhnlich sind 20 bis 40 Trainingssitzungen nötig, bis das gewünschte Resultat erzielt wird. Mehr Trainingssitzungen bringen auch mehr Wirkung. Trainingssitzungen können ruhig mehrmals die Woche bis täglich durchgeführt werden. Nach 10 Trainingssitzungen sind sowohl tendenzielle Erfolge für die Eltern als auch für das betroffene Kind sichtbar, und es kann auch daran gedacht werden, das Training mit Leihgeräten zu Hause weiterzuführen wenn die Bedingungen dafür günstig sind.

Neurofeedback als Trainings- oder Coachingmethode alleine ist schon sehr potent. Wenn es mit intelligenten Änderungen der Nahrungsgewohnheiten und der Einnahme von bestimmten Nahrungsergänzungen gekoppelt wird, dann steht dem Betroffenen nichts im Weg, sich dauerhaft wohl zu fühlen sowie ein produktives und rundum befriedigendes Leben zu führen.

Bezüglich ADS/ADHS kann Neurofeedback folgendes verbessern:

• die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu fokussieren
• die Ablenkbarkeit
• die visuelle Koordinationsfähigkeit
• die Zeit, die mit einer Aufgabe konzentriert verbracht werden kann
• die Unterscheidungsfähigkeit
• die Verarbeitung des Kurzzeitgedächtnisses
• die Impulskontrolle
• Depressionen
• die Körper/Geist Koordination
• der IQ
• die Fähigkeit mit Streß umzugehen
• das Selbstwertgefühl

Über folgende weitere Indikationen wird sehr rege diskutiert:

• Migräne
• Spannungskopfschmerzen
• PMS
• Alkohol- und Drogenabhängigkeit
• Schlafstörungen
• Panikattacken
• chronische Schmerzen
• milde Kopftraumen
• rebellisches Verhalten
• Epilepsie
• chronische Müdigkeit/Burnout Syndrom
• Schlaganfall
• mehrfache Empfindlichkeit gegenüber chemischen Stoffen
• Autoimmunerkrankungen
• Tinnitus
• Dysregulation des Glukosestoffwechsels: Diabetes Typ II, Hypoglykämie
• spezifische Lernschwierigkeiten/Dyslexie
• Erkrankungen durch Silikon (z.B. Brustimplantate)

Unter betroffenen Eltern von ADS/ADHS Kindern besteht ein enormer Aufklärungsbedarf, daß es leistungsfähige, für das Kind angenehme und nebenwirkungsfreie Methoden zur Integration des Kindes in den Fluß des Lebens gibt, die die Einnahme von z.B. Ritalin überflüssig machen können. Es besteht ebenso ein enormer Bedarf an ausgebildeten Neurofeedbacktrainern, die dazu verhelfen können ADS/ADHS aus dem pathologischen Bereich herausnehmen. Der Autor betreibt eine EEG-Neurofeedback Trainingspraxis für Kinder und Erwachsene in Freudenstadt im Schwarzwald. Er bildet auch aus in der Anwendung von Neurofeedback in Verbindung mit dem Einsatz entsprechender Nahrungsergänzungen zum gezielten Aufbau der Gehirnchemikalien.

Das größere Bild bei ADS/ADHS

Das emotionale und schlecht angepaßte Verhalten, das bei Aufmerksamkeitsstörungen so typisch ist, gibt den Anschein eines Krieges und läßt leicht eine „ich gegen den Rest
der Welt“- Mentalität entstehen. Diese Kampfhaltungen sind in Wirklichkeit nur ein Ausdruck eines grundlegenden Überlebenstriebs – das Verhalten bei ADS/ADHS, wie bei jedem Verhalten, ist der Versuch des Gehirns, in diesem Fall durch Überanstrengung, sich im Gleichgewicht zu halten und sich so gut wie möglich in seine Umwelt zu integrieren.

Während das Gehirn versucht, einen Sinn aus den organisierenden Prinzipien der Natur in seinem selbstregulierenden Mikrokosmos zu bringen, versucht es auch, über das Verhalten seinen Sinn für Ordnung seiner Umwelt aufzudrängen. Die relative „Enge“ in der Funktionsweise des Gehirns bei Aufmerksamkeits- und Impulssteuerungsproblemen zwingen den Betroffenen, der Welt seinen „Stempel“ aufzuzwingen, statt daß erkannt wird, daß Innenwelt und Aussenwelt in intimer Beziehung und Kooperation stehen. Diese Verknüpfung kann vom Betroffenen gar nicht gemacht werden, denn die Verknüpfungen sind in der Innenwelt auch nocht nicht vorhanden. Seine Innenwelt denkt streng „insularisch“. Bestimmte Bereiche „schlafen“ tatsächlich noch, was sich im EEG auch bildlich darstellen läßt. Diese Vorgehensweise des Gehirns drückt sich aus über die Fähigkeit oder auch Unfähigkeit, Aufgaben zu bewältigen, das Umfeld zu pflegen und über soziale Kompetenzen und Verbundenheitsgefühle. In meinem Büro habe ich über dem Computer einen Zettel hängen, darauf steht „Wer der Realität widerspricht wird IMMER verlieren“. Dieser Spruch stammt von einer Amerikanerin, die ich sehr schätze – Katie Byron. Dies drückt aus, wie ein ADS'ler sich ein Eigentor schießt und am Thema vorbei lebt, indem er im ständigen Konflikt mit sich und allem lebt. Bei der Auflösung der Aufmerksamkeits- und Impulssteuerungsstörungen wird ein neues Verbundenheitsgefühl MIT dem Leben realisiert, der Betroffene ist sich selber gegenüber aufmerksamer und infolgedessen der Welt gegenüber auch aufmerksamer. Der Kampf zwischen Innenwelt und Aussenwelt wird beigelegt. Was viele Eltern von betroffenen Kindern nur sehr schwer verstehen können ist, daß ihre Kinder sich häufig gar nicht anders verhalten KÖNNEN. Sie können es einfach nicht, denn die Selbstwahrnehmung ist so getrübt, daß es einfach nicht geht. Diese Selbstwahrnehmung ist eben Selbstwahrnehmung. Die Selbstwahrnehmung kann nicht von jemand anderem übernommen werden. Das geht nicht. Wenn ADS/ADHS sich ungünstig entwickelt und solche Betroffenen aufgegeben werden, dann übernimmt tatsächlich eine andere Instanz die Selbstwahrnehmung in der Form von Justiz- und Strafvollzugsbehörden, was sehr tragisch ist, denn es sind keine schlechten Menschen.

Betroffene Kinder und Erwachsene sind keinesfalls Invaliden oder minderbemittelt, sondern sind mit allem ausgestattet was sie brauchen, um ein produktives und erfüllendes Leben geniessen zu können, nur sie benützen es in einer Weise, die oft schädigend für sie selbst oder für andere ist. Außer den Ernährungsfaktoren, die weiter oben erwähnt wurden, sind bislang keine allgemein gültigen organischen Ursachen für ADS/ADHS gefunden worden – ich vermute, weil es einfach keine gibt. ADS ist eine Fehlfunktion in der Selbstregulation, und wie die meisten reinen Dysregulationsprobleme ist es im Allgemeinen der Auflösung zugänglich. Ich vergleiche die Regulationsfähigkeit des Gehirns mit einem Formel Eins Motor. Diese Motoren sind ein Wunderwerk der modernen Technologie, bestehend aus vielen Teilen und Aggregaten, die zusammen zu hoher Leistung fähig sind. Wenn ein Teil aus dem Takt gerät oder der Motor insgesamt nicht richtig eingestellt ist, dann können keine besonderen Leistungen erwartet werden, ja es kann sogar sein, daß der Motor gar nicht läuft oder nur sehr eingeschränkt. Erst wenn alle Teile wie vorgesehen ihre Rolle übernehmen, dann kann der Fahrer einsteigen und seine Rennen mit Erfolgen und Niederlagen bestreiten.

Das Ziel des Trainings mit Neurofeedback ist es nicht, anders als bei der Behandlung mit Ritalin o.ä., angepasste Kinder zu erzeugen. Die Überanpassung bei Kindern und Erwachsenen ist in sich schon wenig wünschenswert, denn alle diese Anteile, die dabei unterdrückt wurden, müssen irgendwann an die Oberfläche drängen und können sich in Erscheinungen wie z.B. Amokläufen mit oft so tragischem Ausgang äußern. Das wirklich Schöne an dem Training mit Neurofeedback ist, daß von außen gar nicht auf das Verhalten eingewirkt werden muß, sondern dem Klient wird nur gezeigt, wie er selber sein „bestes“ Stück anders einsetzen kann. Der Neurofeedback Trainer und die, wenn auch kompliziert erscheinende aber im Prinzip dennoch recht einfache Technologie, sind lediglich Begleiter, die dem Betroffenen auf seiner Reise aus dem „Sumpf“ ein paar Schritte voraus sind. Betroffene können sich gar keine weiteren Selbstwertgefühleinbußen leisten und sind für normale Förder- oder Erziehungsmaßnahmen wie Coaching oder Persönlichkeits- oder Lebensgestaltungstraining häufig nicht mehr oder noch nicht zugänglich. Der Trainer ist immer nur darauf bedacht, wie der Dirigent bei einem Orchester, dem Klienten bei seinen eigenen Aufwachbemühungen zur Seite zu stehen. Nur wer wirklich über innere Freiräume verfügt, kann proaktiv an seinem Lebensskript mitschreiben und die passenden Entscheidungen zur jeweiligen Situation treffen. Das Leben ist herausfordernd genug, da ist es überflüssig, sich noch mehr Probleme selber zu schaffen. Es geht hierbei nicht um „richtig“ oder „falsch“ sondern um passend und daher auch gesundheits- und lebensfördernd, oder unpassend und daher auch gesundheits- und lebensfeindlich. Sie lernen auf ihr selbstgeschaffenes Drama zu verzichten, denn das Drama wird nicht mehr gebraucht als Methode sich wachzurütteln oder kein Gefühl der Langeweile mehr zu haben. Somit können auch Ziele und Visionen für das Leben konsequent ins Auge gefaßt und verfolgt werden.
 
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