Aude sapere – Habe das Herz, Einsicht zu haben


Wolfgang Hannig, Heilpraktiker

Dieses Motto setzte Hahnemann seiner 6. Auflage des Organon voran, wohl wissend, wie schwer ein Umdenken in der medizinischen Welt zu allen Zeiten war.
 
Medizi und Religion waren seit Menschengedenken eng verknüpft, nicht nur in der Gestalt von Priester-Ärzten, sondern im gesamten Denken: Entscheidet doch die medizinische Behandlung über das irdische Geschick des Körpers während die religiöse „Behandlung" über das Schicksal der Seele im Jenseits verfügt. Aus dieser gedanklichen Verkettung ist der schon an religiösen Fanatismus grenzende Haß verständlich, der jeden Mediziner trifft, so er sich vom offiziellen Pfad der gerade herrschenden Lehrmeinung in der Schulmedizin abwendet. Heute übliche Standardverfahren bei Narkose, Operationen, Diagnosefindung etc. sind anfangs auf heftigste bekämpft worden, ihre Begründer wurden verfolgt und verfemt, wie z.B. der Erfinder des Herzkatheters W. Forssmann, der 1929 den Katheter im Selbstversuch testete; unglaubliche Vorfälle aus heutiger „schulmedizinischer" Sicht.
 
Das Schicksal der homöopathischen Lehre hat den gleichen Verlauf genommen. Noch um und nach der Jahrhundertwende wurden sowohl in Deutschland wie auch in Amerika homöopathische Ärzte aus Berufsverbänden ausgeschlossen, in Berlin wurden sogar Approbationen entzogen.
 
Was machte und macht die Ärzteschaft so aggressiv gegen die homöopathische Lehre?
 
Die Schulmedizin diagnostiziert aufgrund von Messungen in bestimmten Kategorien „Bronchitis", „Mittelohrentzündung" „Periodenbeschwerden", „-Syndrom", „Allergie", um nur einige Beispiele zu nennen. Sie orientiert sich an Patientengruppen die katalogisiert werden. Die Behandlung ist entsprechend dem Behandlungskatalog: Breitbandantibiotika, Operationen, Desensibilisierung und so fort. Die Erscheinungsform der Krankheit, ihre Symptome werden als bösartig aufgefaßt und beseitigt.
 
Die Homöopathie nimmt alle Symptome als positive Phänomene auf, sie sind die besonderen Reaktionen des Körpers als Ausdruck seines individuellen Zustandes und damit die Wegweiser des Homöopathen. Die Krankheit wird verstanden als eine Anstrengung des Körpers, die Gesundheit wiederherzustellen; d.h. ein bereits kranker Körper produziert Symptome. Die Schulmedizin betrachtet die Symptome und nimmt sie als die Krankheit. Wenn sie es schafft, die Symptome zu vertreiben, ist der Mensch wieder gesund. Nach den Erfahrungen der Homöopathen seit 200 Jahren führt die Behandlung von akuten Krankheiten mittels Vertreibung und Symptomunterdrückung ganz gezielt in die chronische Erkrankung, eine heutzutage besonders aktuelle Erfahrung, deren Wahrheitsgehalt uns die Schulmedizin tagtäglich durch den dramatischen Anstieg der chronisch Erkrankten, schon im Kindesalter, bestätigt.
 
Kleine Gaben - Große Wirkung
 
Die Homöopathie arbeitet immer mit der minimalsten Dosis, dahinter steht der Gedanke, daß die Lebenskraft - Hahnemanns Dynamis - eine geistige Kraft ist, die nur durch eine andere geistige Kraft beeinflußt werden kann.
 
Da Hahnemann die Erfahrung machte, daß eine unverdünnte Arzneitinktur so stark sein kann, daß die unmittelbare Wirkung, der Primäreffekt, eine Vergiftung und damit Verschlimmerung bedeutet, verdünnte und verschüttelte er seine Tinkturen bis der Primäreffekt so schwach war, daß kein Schaden mehr angerichtet wurde. Die auf den Primäreffekt folgende Reaktion des Organismus ist der Sekundäreffekt, es ist die Gegenwirkung. Sie stellt mehr oder weniger das genaue Gegenteil der „primären" Symptome dar. Aus den pharmakologischen Studien ist bekannt, daß hoch verdünnte Arzneistoffe statt des Primäreffektes - direkter Schaden - den Sekundäreffekt voll bewahren: Eine gegenteilige Wirkung der hochverdünnten Substanz. Diese Entdeckung Hahnemanns wurde später von der Schulmedizin übernommen im sogenannten „Arndt-Schulz-Gesetz": Jedes Medikament hat in kleinen Dosen eine stimulierende, in größeren eine inhibierende (behindernde) und in sehr großen Dosen eine tödliche Wirkung."
 
In den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts präsentierte der deutsche Arzt Karl Koetschau dieses Gesetz als „Typ-Wirkungs-Hypothese":
 
Kurve A: der stimulierende Effekt kleiner Dosen
 
Kurve B: der anfangs stimulierende, dann inhibitorische Effekt mittlerer Dosen
 
Kurve C: der nur kurz stimulierende, dann vergiftende und zum Tode führende Effekt hoher Dosen
 
Diese Effekte wurden von mannigfaltigen Studien belegt. Geringe Dosen von Chemotherapeutika unter dem Inhibitionsniveau können Bakterien zum Wachstum anregen, eine Stimulation, die in Krankenanstalten auftreten kann. (Garrod 1951).
 
Medikamente wie Narkotica, Tranquilizer, Cortison, ACTH, Adrenalin etc. können je nach Dosiskonzentration völlig entgegengesetzte Wirkungen haben, statt Betäuben wieder Erwachen, statt Ruhe Unruhe etc.
 
Verbrennungen 3. Grades wurden erfolgreich mit 0,5% Silbernitrat-Lösung behandelt, eine höhere Konzentration führt aber zu Gewebezerstörung. (Hartford Burn Clinic 1969).
 
Röntgenstrahlung verursacht Tumore und wird - paradoxerweise - auch zur Tumorbehandlung eingesetzt. (Erstmals eingesetzt 1896 von Emil Grubbe - Homöopath-, Medical College Chicago)
 
Die Schulmedizin hat mit dieser biphasischen Wirkung von Medikamenten Schwierigkeiten, sie glaubt an eine direkte Wirkung des Stoffes auf die „Krankheit" und sieht weniger den Organismus als lebendes System, was Fremdstoffe aufnimmt, bearbeitet, umbaut und nach eigenen Gesetzen einsetzt und auch entsorgt. Wie zum Beispiel Antibiotika genau wirken weiß man nicht, man nimmt an, daß sie direkt auf die Mikroorganismen einwirken.
 
Die Homöopathie ist immer davon ausgegangen, den gesamten Organismus mit sehr kleinen bis ultramolekularen Gaben zu reizen, um den Gesundungsprozeß einzuleiten.
 
Entdeckung der Schwingung und Pfusch mit Bioresonanz
 
Die experimentelle Erforschung der Atome zu Beginn dieses Jahrhunderts brachte sensationelle und völlig unerwartete Ergebnisse. Diese „kleinsten Teilchen" waren nicht hart und fest, sondern erwiesen sich als weiter Raum, indem sich extrem kleine Teilchen - die Elektronen - um den Kern bewegten. Die Quantentheorie machte einige Jahre später deutlich, daß selbst die subatomaren Teilchen - die Elektronen sowie die Protonen und Neutronen innerhalb des Kerns keine Festkörper im herkömmlichen Sinn sind. Diese subatomaren Gebilde besitzen eine doppelte Natur, sie erscheinen wie das Licht manchmal als Teilchen und manchmal als Wellen, als elektromagnetische Schwingungen. Diese paradoxe Erscheinung widerspricht unserer menschlichen Sinneserfahrung. Dieses kleinen Elektronen oder Photonen (beim Licht) wurden von Einstein als Quanten bezeichnet und daher der Ausdruck Quantentheorie.
 
Die Entdeckung des Doppelaspekts der Materie, die sowohl als Schwingung wie auch als Teilchen in Erscheinung treten kann, je nach Anordnung eines Versuchs, und deren Gesetzmäßigkeiten sich nur in Wahrscheinlichkeiten voraussagen lassen, hat die klassische Vorstellung von festen Objekten zerstört. Auf subatomarer Ebene lösen sich die festen materiellen Objekte in wellenartige Wahrscheinlichkeitsstrukturen auf, nicht Wahrscheinlichkeiten von Dingen, sondern Wahrscheinlichkeiten von Verknüpfungen von „Dingen", die wieder Wahrscheinlichkeiten von Verknüpfungen von „Dingen" sind, und so fort.
 
Mit Bioresonanzgeräten mißt man Frequenzen (Schwingungen pro Zeiteinheit) und ihren vermuteten Bezug zu Krankheiten und Blockaden etc. um herauszufinden, welche „disharmonische" Schwingung z.B. eine Allergie im Körper „verursacht". Durch das Aufstrahlen einer entsprechenden „Gegenschwingung" nicht Resonanz (eine Resonanz = Gleichschwingung würde ja die disharmonische Welle verstärken - vergleichen zerspringendes Glas), die die disharmonische „Welle" löscht, soll die Allergie beseitigt sein, weil jetzt kein Meßergebnis mehr zu erhalten ist.
 
Einen ähnlichen Vorgang kennt man vom elektrischen Strom: Gleichstrom kann z.B. aus Wechselstrom durch Phasenumkehr (Gleichrichter) hergestellt werden, der Wechselstrom ist nicht mehr meßbar, der Gleichstrom ist weiterhin existent.
 
Nicht beantwortet werden die Fragen nach der Ursache der Störung, nach der Quelle der störenden Schwingung und nach den unendlichen Verknüpfungen eines schwingenden Systems, sowie den Folgen eines Eingriffs in dieses System, für das uns nur theoretische Wahrscheinlichkeitsprognosen zur Verfügung stehen.
 
Bei der Kompliziertheit und Unüberschaubarkeit des „schwingenden" menschlichen Körpers, wo neben diesen „materiellen" Bausteinen eine Psyche = Seele besteht, die allem Geschehen übergeordnet ist, sollten Weisheit und Einsicht Vorsicht im Einsatz von Bioresonanz üben lassen.
 
Die Praxis zeigt immer häufiger schwer erkrankte Menschen, deren harmlose Allergie „gelöscht" wurde, die aber jetzt therapieresistent z.B. in einem bedrohlichen Asthma festsitzen.
 
Homöopathische Behandlung bringt die durch Bioresonanz unterdrückten Symptome wieder hervor und geht den echten Ursachen auf die Spur, gefolgt von Heilung für Körper und Gemüt.
 
Wie wirkt denn nun Homöopathie
 
Homöopathische Mittel werden nicht nur bis auf ultramolekulare Dosierungen verdünnt - hier ist kein Molekül der Wirkmaterie mehr zu finden - sondern mittels rhythmischer Verschüttelung/Verreibung potenziert. Wieso dieses Potenzieren mit jeder weiteren Verdünnung die erfahrbare Wirksamkeit einer homöopathischen Arznei verstärkt, versuchte Hahnemann dahingehend zu erklären, daß durch den Potenzierungsvorgang die Arznei dynamisiert wird und damit die Dynamis = Lebenskraft besser zur Wiederherstellung der Gesundheit gereizt werden kann.
 
Der amerikanische Physiker Barnard wies 1965 darauf hin, daß Hahnemann einem Naturgesetz auf die Spur kam: Den Informationsgehalt einer chemischen Struktur von seiner chemischen Trägersubstanz zu trennen.
 
Nuclear Magnetic Resonanz Untersuchungen, die 1975 am Hahnemann Hospital in Philadelphia an Sulfatverdünnungen mit Alkohol/Wasser von C5 bis C30 durchgeführt wurden, zeigten auf jeder Potenzstufe (verdünnt und verschüttelt) meßbare Veränderungen im Spectrum, wobei die Veränderungen eine Sinuskurve ergaben, was für diese Untersuchungen typisch zu sein scheint.
 
Die gleiche Sinuskurve konnte nicht nachgewiesen werden, wenn an den strengen Potenzierungsvorschriften etwas verändert wurde, so bei Rotation statt Verschüttelung, Verdünnung ohne Verschüttelung oder Verdünnung mit 87%igem Alkohol ohne Lösungsmittel, trotz erfolgter Verschüttelung.
 
Potenzierung - Infofilter und Verstärker
 
Stephenson und Barnard vermuten, daß die Wasserphase im 87% Hydroalkohol (Wasseralkoholgemisch) eine spezifische polymerische Struktur annimmt, die die Konfiguration der Moleküle in der Lösung wiederspiegelt.
 
Diese „Konfiguration" ist ein Cluster (= Büschel) von Einzelmolekülen, die als Einheit reagieren. Wie der Chemiker Gutmann feststellte, reagiert die Oberflächenstruktur dieses Clusters mit einer Geschwindigkeit von 10 hoch (-11)/sec. Diese Reaktion ist um so schärfer, je verdünnter die Flüssigkeit ist. Der Internist G. Resch fand heraus, daß die vor der Verschüttelung eher minimalen Energiedifferenzen zwischen den einzelnen Informationsmustern sich durch die Verschüttelung vervielfachen und so zum Untergang der schwächeren führen, im Klartext: Durch die Potenzierung wird die Hauptinformation klar herausgearbeitet.
 
Der Physiker Prigogine (Nobelpreis 1977) fand heraus, daß dissipative (verstreuende) Strukturen die Eigenschaft haben, bei geeigneter Energiezufuhr (z.B. Verschütteln) nicht mit Zunahme der Unordnung zu reagieren, sondern - meist plötzlich - hochgeordnete spezifische Bewegungsmuster unter Wärmeproduktion zu entwickeln.
 
Die Lösungssubstanz nimmt so eine für Grundsubstanz und Potenzierungsstufe typische und wiederholbare Clusterform an.
 
Die Vielzahl von Potenzierungsschritten erschließt die Informationen der Urtinktur, die sich dominant durchsetzen und gegenseitig stablisieren und kohärente (zusammenschwingende) Muster bilden, wie der Biophysiker Dr. Popp herausfand. Da Grundsubstanz und Potenzierungsstufe jeweils ein einmaliges und immer wieder reproduzierbares typisches Spectrum von Eigenschwingungen herausbildet, kann man von einer Informationsmatrix sprechen, die vom Körper/ Geist abgelesen wird.
 
Bei der Homöopathie wird diese Information von Geist/Psyche aufgenommen und zur Korrektur der gesamten Eigenschwingung eingesetzt. Das System heilt sich von innen nach außen selbst aus eigener Kraft.
 
Warum derjenige, der ein Globuli eines homöopathischen Mittels einnimmt, das kein Molekül der Urtinktur mehr enthält, sofort sichtbar und meistens auch für ihn fühlbar reagiert, kann mit der Schnelligkeit der Informationsübermittlung zwischen den Zellen erklärt werden. Andererseits erzeugt die Einnahme einer homöopathischen Hochpotenz (z.B. C30) keinerlei Effekt, wenn die zugeführte Information für diesen Menschen nicht von Interesse ist.
 
Der Mensch „liest" die durch Potenzieren erschlossene Information ab und reagiert in Form einer physikalisch-chemischen Reaktion ausgehend vom Großhirn bis hin zu den einzelnen Organen - oder die Information wird als belanglos abgetan und es erfolgt keine Reaktion.
 
Interessant ist, daß die Psyche oft sehr heftig reagiert, z.B. mit Weinen oder einem Wutausbruch. Diese psychische Reaktion kann sowohl auf eine LM 18, D/C 30, D/C 200 oder D/C 1000 erfolgen, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Potenz ist weniger wichtig, solange sie nur so hoch ist, daß sie sich im submolekularen Bereich befindet, die Information also ausreichend erschlossen ist.
 
Daß sehr hohe Potenzen wie C 1000, C 10.000 oder C 50.000 direkt die psychischen Symptome beeinflussen ist Spekulation. Die Erfahrung in der Homöopathie hat entsprechende Erfolge ebenso bei C 30/C 24/C 18 gesehen, wie Hahnemann sie üblicherweise anordnete oder mit seinen LM Potenzen, die er auch gern in der obigen Reihenfolge einsetzte.
 
Homöopathie ist angewandtes Naturgesetz
 
Versteht man in Hahnemanns Sinn Krankheitszeichen als eine begrüßenswerte Anstrengung des Organismus, eine Fehlsteuerung = Krankheit zu beheben, so greift das homöopathische Arzneimittel direkt am Steuerungsprozeß ein: Die benötigte Information ermöglicht die Selbstheilung mit eigener Kraft. Nicht umsonst werden auch Erfolge mit Musikstücken erzielt, mit verschiedenen Formen der Psychotherapie - überall werden Empfindungen und Informationen übermittelt. Die Homöopathie hat ein besonders breites Anwendungsspektrum, sie verlangt keinen Glauben, kein Vertrauen auf einen Heiler, nicht einmal Auffassungsgabe und Verstand (sie heilt Tiere ebenso gut); aber vom Homöopathen fordert sie Kenntnisse und Beobachtungsgabe und vom Patienten und seiner Umgebung bestmögliche Information.
 
Quellen:
 
Harris L. Coulter, Homöopathische Wissenschaft & Moderne Medizin, ISBN 3-905528-05.
 
G. P. Barnard, Microdose Paradox - A New Concept, Journal of the American Institute of Homeopathy 58 (1965), 205-212.
 
Timothy M. Young, Nuclear Magnetic Resonance Studies of Successed Solutions, Journal of the American Institute of Homeopathy 68 (1975), 8-16.
 
G. P. Barnard und James Stephenson, Fresh Evidence for a Biophysical Field, Journal of the American Institute of Homeopathy 62 (1969), 73-85.
 
Fritjof Capra, Wendezeit. Scherz Verlag

 
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