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Atmen von Dr. O. Z. A. Hanish, deutsch von Dr. O. Rauth Wer meint, er wisse schon alles, hat von Natur aus eine gut arbeitende Lunge, ist deshalb anderen in vielen Dingen voraus, bemerkt aber nicht, daß er ihnen in vielen anderen Dingen nachsteht. Deshalb gibt er auch nichts darum, sich zum Atmen zu erziehen. Aber auch die Stimme eines großen Sängers verlangt Übung und Pflege, wenn sie Nutzen bringen soll. Pflege und Übung können sogar eine schwache und unsichere Stimme stärken und festigen und ihr Lieblichkeit verleihen. Die Pflege und Übung des Atems kommt nicht nur der Stimme zugute, sondern weckt auch schlummernde Gehirnzellen und erweitert dadurch das Denkenswesen. Denn Lunge und Gehirn stehen in Wechselbeziehung zueinander. Je besser die Lunge die eingeatmeten Elemente umwandelt, um so regsamer und leistungsfähiger wird das Gehirn. Ist die Lunge schwach oder dehnt sie sich ungenügend aus, so erhalten die Gehirnzellen zu wenig Anregung und leisten dementsprechend wenig. Ist aber die Lunge mit allen Gehirngruppen harmonisch verbunden, dann entspringt dem Gehirn der zur gegenwärtigen Zeit bestmögliche Gedanke, der uns Nutzen bringt. Das erste und einfachste, was wir üben und lernen müssen, ist das Ausatmen. Das ist keine neue Entdeckung, sondern eine uralte Erkenntnis. Wir mögen viele Dinge wissen, können aber sehr weit davon entfernt sein, sie zu begreifen und Nutzen daraus zu ziehen. Wir mögen viele und sogar überdurchschnittliche Erfahrungen im täglichen Leben gesammelt haben, können aber doch außerstande sein, uns ein richtiges Urteil darüber zu bilden. Nur zu oft geht unser Urteil infolge unseres Vorurteils, Eigensinnes, Stolzes oder Trotzes fehl, womit wir uns den Eingebungen unserer Individualität im Herzen entgegenstellen, weil wir fürchten, der Außenwelt gegenüber als Sonderling zu erscheinen. Wir könnten also sehr wohl verständiger und weiser sein, wenn wir uns nicht durch falschen Stolz den besseren Weg zur inneren Überzeugung abschnitten. Dadurch begrenzen wir die Tätigkeit unseres Gesinnes in der Zirbel zu Gunsten der nur äußerlichen Eindrücke und unterbrechen die Verbindung zwischen der abstrakten Seite des Gesinnes und dem Herzen. So geraten wir vom schmalen Wege der Ursprünglichkeit oder Originalität auf die breite und bequeme Bahn des Scheines und der Äußerlichkeiten, verlaufen uns in zahllose Nebenwege und ernten Illusionen und Sinnestäuschungen. Es ist aber besser, über diese oder jene Einzelheit der Außenwelt unwissend zu erscheinen und dafür den Eingebungen und Weisungen der abstrakten Seite unseres Wesens oder unserer Individualität (im Herzen) zugänglich zu bleiben, so daß wir zu unfehlbaren Schlußfolgerungen gelangen, die sich durch den Erfolg als richtig erweisen.Wollen wir uns von der Begrenztheit unseres Denkenswesens und von unserer Urteilsunfähigkeit befreien, dann ist und bleibt die Verlängerung der Ausatmung das einfachste und wirksamste Mittel. Die völlige Entspannung ist dabei von großem Einfluß. Merken wir irgendwo auch nur die geringste Spannung, so ändern wir unsere Stellung sogleich ein wenig. Selbst eine ganz geringfügige Änderung kann dazu führen, daß wir die Ausatmung leicht verlängern können. Je mehr wir mit dem Gedanken bei den Übungen sind, um so eher werden wir uns auch der unterschiedlichen Wirkungen bewußt, die wir durch unterschiedlichen Rhythmus erzielen können, besonders wenn wir den Atem mit der Tonleiter in Verbindung bringen und Lieder auf den Atem singen. Jede verlängerte Ausatmung wird uns neue und erstaunliche Wirkungen offenbaren und uns noch unbekannte Schätze und Kräfte erschließen. (siehe auch Drüsenkunde + Harmoniekunde) Ausatmung Die Atempflege fängt mit Ausatmungsübungen an als den Elementarstudien. Selbst wer ein großes Musiktalent hat, muß sich erst die Technik der Musik aneignen. Wer für Mechanik oder das Bauwesen veranlagt ist, muß als Lehrling anfangen. So ist es auf allen Gebieten, die der Mensch meistern will. Wenn wir die in uns schlummernden Talente wecken wollen, um von ihnen Gebrauch machen zu können, dann müssen wir zuerst das Ausatmen lernen. Wollen wir etwas erhalten oder empfangen, dann müssen wir uns dafür empfänglich machen und uns dafür interessieren. Dann fallen uns die Elementarstudien leicht und wir haben Erfolg damit. Dieses Interesse wird durch volles, tiefes Ausatmen geweckt, weil dadurch das Lungengewebe nicht nur in Bewegung gesetzt, sondern gleichzeitig auch von den angesammelten Säuren befreit wird. Da wenden vielleicht manche ein: „Wir besorgen doch alle das Ausatmen.“ Gewiß, sonst würden wir überhaupt nicht leben. Wir alle essen und trinken ja auch und doch kommt es vor, daß wir nicht immer das Richtige essen und trinken und dadurch leiden, weil wir nicht immer daran denken, warum wir überhaupt essen und wann wir nicht essen sollen. So ist es auch mit dem Ausatmen, an das wir am allerwenigsten denken. Deshalb müssen wir das Ausatmen geradezu lernen. Schon Jesus verwies seine Jünger auf das Ausatmen. Sie hatten sich vorher Johannes dem Täufer angeschlossen gehabt, der sie gelehrt hatte, gewisse Sprüche oder Gebete ausatmend zu sprechen. Deshalb fragten sie den Heiland: „Willst du uns nicht auch ein Gebet lehren?“ Und er lehrte sie ein Gebet, das sie „ohne Unterlaß“, d. h. auf eine Ausatmung beten oder sprechen sollten. Also können wir vom „Vaterunser“ nur eine gute Wirkung erwarten, wenn wir es auf eine einzige Ausatmung aussprechen; denn dann erst entleeren sich die Lungen vollständig. Erst wenn die Lungen vollständig entleert worden sind, ist ein voller Einatmungszug möglich. Verhelfen uns die Gebete dazu, dann ist kein Grund zu erkennen, warum wir nicht beten sollten. Gerade die Leute, die sagen, über das Beten seien sie längst hinaus, bitten und betteln am meisten, daß ihnen noch dieses und jenes auf Erden zuteil werde. Wir sind über das Beten durchaus noch nicht hinaus, sondern müssen im Gegenteil eingestehen, daß wir mit all unserem Pessimismus und Materialismus nichts vorwärts geschafft haben. Alle Errungenschaften, deren wir uns erfreuen, sind uns durch Offenbarungen geworden, also durch Menschen, die überzeugt waren, daß die ewigwirkende Gottesintelligenz in ihnen rege ist. Wenn uns auch bisher noch nicht alles nur Denkbare durch das Beten offenbar gemacht worden ist, so müssen wir uns doch gegenüber der ewigwirkenden Gottesintelligenz empfänglich machen, müssen gewillt sein, daß sie sich durch uns offenbar mache, so daß wir neue Wege erkennen und einschlagen, die uns zur Fülle des Lebens und zur Glückseligkeit führen. Deshalb müssen wir beten, gerade jetzt müssen wir es und je mehr wir an Jahren zunehmen und in die Gesetze der Natur und die Prinzipien der Unendlichkeit eindringen, um so mehr müssen wir beten, um uns von allen angeborenen Irrtümern der Vergangenheit zu befreien und uns der Fülle der Gegenwart bewußt zu werden. Durch das Aussprechen der Gebete auf eine Ausatmung erlangen Körper und Geist die Freiheit, die Voraussetzung für die Erkenntnis der Wahrheit ist. Also wollen wir das Vaterunser „ohne Unterlaß“ beten, wie es Jesus empfohlen hat. Wenn wir uns aber an den Worten stoßen, so wählen wir uns einen anderen Spruch von derselben Länge und mit demselben Rhythmus. Erst sprechen wir das Vaterunser einmal auf eine Ausatmung, später zweimal und schließlich sogar dreimal hintereinander auf eine Ausatmung. Beim Ausatmen bleibt die Brust gehoben und soll sich nicht bewegen. Die Lungen müssen sich innerhalb des Brustkorbes frei bewegen, ausdehnen und zusammenziehen können. Wir brauchen das Gebet nicht laut zu sprechen; es genügt sogar, daß wir es in Gedanken sprechen, wenn wir uns nur beim Ausatmen der Länge und des Rhythmus bewußt bleiben. Durch Tausende von Beispielen ließe sich beweisen, daß der Mensch durch wissenschaftliche Atempflege körperlich gesund, kräftig und stark wird, sich geistig entwickelt und sich dadurch seiner Stellung und seines Wesens bewußt wird, so daß er die Wege erkennt, auf denen er das Ziel seiner Wünsche erreicht. Denn alles ist dem Menschen möglich, was er ernstlich will, insofern er die Gesetze der Natur, die zur Verwirklichung führen, erkennt und befolgt. Solange wir noch unter körperlicher Schwäche oder Krankheit leiden, müssen wir uns tagsüber öfter im Ausatmen üben, also uns wenigstens fünfmal am Tag, alle 31/2 Stunden, für 3-5 Minuten üben, bis zum Äußersten auszuatmen. Selbst wenn es scheint, als könnten wir nicht weiter ausatmen, versuchen wir es immer wieder, zehn- bis zwölfmal, ohne die Stellung zu ändern. Geht es wirklich nicht weiter, dann atmen wir ein, wobei wir die Muskeln des Unterleibs nach dem Sonnengeflecht ziehen, so daß sich eine große Welle in die Brust zu ergießen scheint. Das Ausatmen müssen wir also bewußt mit unserem Willen verlängern, während sich dann die längere Einatmung von selbst vollzieht, gleich einer großen Welle von selbst einströmt, alles mit sich führend, was ihr von der Natur anheimgestellt ist, um es in den Lungen zwecks Weiterverarbeitung abzulagern. Vor das Einatmen setzen wir immer ein Momentum des Wartens oder der Erwartung, ohne aber dabei einen Gedanken zu verfolgen; ein Gedanke kommt uns von selbst. Erst wenn wir das zu Wege bringen, bekommen wir den Körper unter unsere Kontrolle. Die Natur wählt sich immer ihren eigenen Weg. Ist uns etwas Schmerzhaftes zugestoßen, dann stöhnen wir unwillkürlich. Bedrücken uns Kummer und Sorgen, dann schluchzen wir. Sehen wir keinen Ausweg und möchten, daß uns eine Hilfe komme, dann seufzen wir. Das Stöhnen, Schluchzen, Seufzen bringt uns allmählich wieder zur Besinnung. Kommen wir auf natürlichem Wege zur Besinnung, so kommt uns gleichzeitig ein eigener wertvoller Gedanke. Sucht uns aber jemand in einer solchen Lage zu trösten, so stellt er sich gleichsam unserem eigenen Gedanken in den Weg, so daß wir unsicher werden, ob wir weitergehen oder umkehren sollen. Stößt uns etwas zu oder erkranken wir, so müssen wir uns einfach sagen: „Es geschieht mir ganz recht; jetzt sehe ich doch klar und deutlich, daß ich in einer falschen Richtung gegangen bin.“ Nun heißt es: „Um so mehr ausatmen!“. Die Weisen aller Zeiten haben den Wert und die Bedeutung der Ausatmung erkannt, konnten sie aber den geistig Unterentwickelten nicht begreiflich machen und lehrten sie daher, Gebete zu sprechen, um sie zu langen Ausatmungen anzuhalten. Es kommt also nicht so sehr auf die Worte des Gebetes als darauf an, daß beim Aussprechen der Worte ununterbrochen ausgeatmet wird. Das Ausatmen zu üben, sollten wir nie vergessen. Stößt uns materiell oder körperlich etwas zu, nehmen wir sofort unsere Zuflucht dazu, weil das Ausatmen die materielle Seite des Körpers entlastet und hilft, sogar manche chronische Leiden zu beseitigen oder gewisse ungünstige Einwirkungen der Witterung, der staubigen oder unreinen Luft und dergleichen, was zum Husten reizt, unschädlich zu machen. Kommt uns ein Hustenreiz, so atmen wir sogleich aus, immer weiter und immer länger aus und alsbald fühlen wir uns wieder besser. Haben wir uns erkältet, dann atmen wir immer wieder aus und in einigen Minuten sind wir den Trubel los. Ist die Erkältung schon auf die Lunge gefallen, dann müssen wir das Ausatmen einige Minuten lang üben und anschließend sofort einige Schlucke sehr heiße Milch trinken. Müssen wir aufhusten oder fühlen wir ein Brennen, so atmen wir gleich wieder für einige Minuten aus und trinken anschließend wieder einige kleine Schlucke sehr heiße Milch. Innerhalb einer halben Stunde ist die Gefahr vorüber und die Heilung im Gang. Aber man muß es systematisch machen. Der Arzt, der sich des Erfolges sicher sein will, bleibt solange bei dem Kranken, bis dieser wirklich alles befolgt hat. Das Ausatmen mag uns spirituell und intellektuell nicht weiter entwickeln; aber es richtet uns körperlich immer wieder auf, so daß wir mit Leichtigkeit verrichten, was in den Bereich der Materie gehört. Darauf können wir die Erweiterung der spirituellen und der intellektuellen Seite unseres Wesens mit Erfolg aufbauen. Einatmung Verlängern wir die Einatmung indem wir dabei die Muskeln des Unterleibes aufwärts gegen das Zwerchfell ziehen, bis wir uns im Inneren eines leisen Seufzens oder Schluchzens gewahr werden, dann verlegen sich die Schwingungen allmählich auf das Gehirn und es wird uns die Umwandlung oder Konverte der eingeatmeten Elemente. Üben wir diese Einatmungsverlängerung täglich ein- bis fünfmal ohne Übertreibung, aber mit liebevoller Aufmerksamkeit auf das, was wir uns mit der Einatmung angezogen haben, dann wird uns vermittels der Umwandlung oder Konverte die Empfängnis, eine unbefleckte Empfängnis, die sich von Tag zu Tag erweitert und die Materie des Körpers nach und nach vergeistigt. Das bedeutet nichts anderes, als daß die Gehirnintelligenzen erwachen, sich ihrer selbst bewußt werden und demgemäß ihre Aufgabe bewußt erfüllen. Während sie vorher noch beeinflußbar waren, sind sie nun einflußfrei geworden und weisen alles Negative von sich ab. Dann kann uns nichts mehr zustoßen und wir leiden keinen Schaden mehr. Je mehr Gehirnzellen sich so ihrer Freiheit bewußt werden, um so mehr erweitert sich unser Selbstbewußtsein im Großen und Ganzen. Bedrückt oder bekümmert uns etwas, suchen wir einen Ausweg oder brauchen wir Hilfe, so nehmen wir sogleich diese verlängerten Einatmungszüge, weil sie das Gehirn freier und klarer machen, so daß wir eine Lösung finden. Haben wir ein Studium durchzumachen und durch eine Prüfung zu gehen oder haben wir Unterricht oder einen Lehrkursus zu geben, so nehmen wir zuvor diese verlängerten Einatmungszüge und verlängern auch noch die Pause nach jeder Einatmung immer mehr, so daß wir förmlich froh sind, wieder ausatmen zu können, und dabei wie von selbst sagen: „Gott sei Dank!“ Machen wir das nur 3 Minuten hintereinander, so sind alle Ideen verflogen, wir sind von allem Grübeln befreit und denken freier und leichter, weil wir konzentrierter geworden sind und unser eigener Gedanke in uns aufkommt, der uns auf alles aufmerksam macht, was vor uns tritt oder uns vorgesetzt wird. Nehmen wir die verlängerten Einatmungszüge tagsüber alle 3 Stunden für je 3 Minuten oder wenn wir vor einer neuen Aufgabe stehen oder wenn Müdigkeit eintritt, und stauen wir dabei den Atem nach jeder Einatmung wenigstens 10 Sekunden, dann können wir weiter schaffen, der Kopf bleibt klar und wird von Tag zu Tag klarer, weil die verlängerte Einatmung den Gehirnzellen die Arbeit erleichtert. Natürlich übertreiben wir die Übung nicht. Die Natur wirkt beim Einatmen nur für 3 Minuten. Gehen wir mit der Übung über diese 3 Minuten hinaus, so schlägt die Natur zurück gleich einem feinfühligen Vollblutpferd, das man mit der Peitsche antreiben will; es leidet das aber nicht und schlägt aus. Entspannung Bei allen Übungen müssen wir auf völlige Entspannung achten und die Übung ganz entspannt durchführen. Weil uns im Alltag so manches in Spannung bringt und der Körper sich von Natur aus alle dreieinhalb Stunden spannt, sollten wir uns von Zeit zu Zeit bewußt für drei oder mehr Minuten entspannen, indem wir uns einfach prüfen: „Ist mein Hals, sind meine Füße, ist der Sitz entspannt?“ Wir dürfen also nicht gespannt dasitzen und die Schwere des Körpers sozusagen auf den Sitz werfen. Der Körper sollte sich auf den beiden Sitzknöchelchen leicht balancieren und diese sollten sich der Entspanntheit des ganzen Körpers bewußt sein. Dann haben wir das Gefühl der Federleichtigkeit und können jeden Augenblick in die Höhe gehen. Sitzen wir aber voller Spannung da, dann leiden wir unter der Schwere des Körpers und dem Druck der vielen unfruchtbaren Ideen. Durch die Spannung werden uns wenigstens 50 Prozent aller körperlichen Leiden und Schwächen. Auch das Gehirn kann sich nur entwickeln, wenn die Atmung ganz entspannt vor sich geht. Entspannen wir uns, dann fallen die Schwächen ab, wir denken klarer und fühlen das Richtige mit aller Sicherheit. Durch das klare Denken werden wir uns der Entspanntheit bewußt und fühlen, wie sich die Natur allmählich regelt und uns zu Hilfe kommt. Die Gehirnintelligenzen werden sich ihrer selbst bewußt und fangen wieder an, ihre Aufgabe zu erfüllen. Das ist doch besser, als wenn wir beständig auf den Magen achten und ihm Mittel geben müssen, damit er arbeitet, oder wenn wir die Leber, die Nieren oder den Darm beständig beobachten müssen, daß sie ihre Arbeit tun. Wer möchte ein halbes Dutzend Gehilfen um sich haben, die zu jedem Handgriff eine Anleitung brauchen, anstatt ihre Arbeit selbständig zu verrichten! Rhythmisches Atmen Der rhythmische Atem ist notwendig um die Lungenmuskeln zu üben, in einem festgesetzten Zeitmaß zu arbeiten, und sie dadurch zu stärken und anzuleiten, die eingeatmeten Elemente nicht nur festzuhalten, sondern sie auch in die Lungenfelle weiterzuleiten, wo sie in Chemikalien und chemische Verbindungen umgewandelt und in das Blutlaufsystem weitergeleitet werden. Im Blut werden diese eingeatmeten Elemente weiter verfeinert und in Chemikalien verwandelt, die das spezifische Gewicht des Blutes aufrecht erhalten helfen und dadurch die Lebenslänge der Blutkörperchen verbessern. Aus dem Blut werden die eingeatmeten Elemente nach neuen Verfeinerungen in das Nervensystem geleitet und hier in flüchtige Nervensubstanzen umgewandelt, die das Nervensystem ausbalancieren oder ihm das elektromagnetische Gleichgewicht verschaffen. Das bedeutet Vermehrung der Nervenkraft, der Entschlußkraft, der Willenskraft und der Geistesgegenwart. Wenn immer es uns an Geistesgegenwart fehlt, ist es ein Zeichen, daß unser Nervensystem unausgeglichen ist, und dann fehlt es uns an Entschluß-, Willens- und Widerstandskraft. Diese eingeatmeten Elemente vollziehen im Nervensystem eine Riesenarbeit, wenn man bedenkt, daß im ganzen Körper 72 000 negative und 72 000 positive Nervenknoten vorhanden, beständig auszugleichen und im Ausgleichszustand zu erhalten sind, damit sie ihre Schwingungstätigkeit nicht unterbrechen. 144 000 Nervenknoten sind in diesem kleinen menschlichen Körper beständig an der Arbeit und bei Tag und bei Nacht beständig in Schwingung. Wie wunderbar! Nur soweit diese 144 000 Nervenknoten beständig ihre Arbeit leisten, sind sie imstande, die eingeatmeten Elementarstoffe weiter zu verfeinern und dem Drüsensystem zuzuführen. Die Drüsen verfeinern sie noch weiter und leiten sie über die graue Materie in das Gehirn und die Zirbeldrüse, von wo aus sie nach neuen Umwandlungen in das Denkenswesen hinter der Stirn gelangen. Wenn wir fähig wären, die Wirkungsweise der Drüsen im einzelnen zu beobachten, wie intelligent und in vollkommenem Rhythmus sie arbeiten, würden wir alle unsere anatomischen Versuche und Untersuchungen einstellen, weil sie uns im Vergleich mit der lebendigen Wirklichkeit so gut wie nichts offenbaren. Zunächst verarbeiten die Drüsen die eingeatmeten und unzählige Mal verfeinerten Elemente in neuartige Elemente für das Venenblut, damit dieses in Arterienblut verwandelt werden kann. Die Substanzen, die hierzu nicht geeignet und nicht bestimmt sind, werden nach weiteren vielfältigen Umwandlungen in neue Ätherstoffe übergeführt, die ähnliche Eigenschaften wie der Äther und die Aufgabe haben, die Gehirnzellen zu beleben und sie nicht nur in Tätigkeit zu halten, sondern auch sie leistungsfähiger zu machen, wodurch sich schließlich unser Denkvermögen erweitert, und zwar unter Führung des Denkenswesens im Stirnhirn, das aus fünf Zellen besteht, von denen das Abwägen, Vergleichen, Beurteilen, Entschließen und Beschließen abhängen. Je vollkommener und harmonischer sich alles das vollzieht, um so mehr erweitert sich unser Begriffsvermögen, unser Wissen, unsere Erkenntnis und die Verwirklichung unserer Gedanken im Alltagsleben und anderweit. Für alle diese Vorgänge, die sich um die aus dem Weltall eingeatmeten Elemente bis zu deren Wirksamkeit im menschlichen Gehirn abspielen, haben die Durchschnittsmenschen kein Verständnis. Unter Umständen können sie zwar noch zu diesem Verständnis kommen; wir aber, die wir den rhythmischen Atem gepflegt haben, haben alles das bereits begriffen. Wir begreifen die Arbeitsweise dieser wunderbaren Maschinerie des menschlichen Körpers und suchen deshalb auch die Erfüllung unserer Wünsche und Pläne nicht mehr in der unendlichen Weite der Räumlichkeit, weil wir uns bewußt sind, daß uns aus dieser unendlichen Räumlichkeit alles Nötige zur Erfüllung unserer Wünsche und Pläne zukommt. Das offene Buch der Natur liefert uns die Bestätigung; wir brauchen nur darin zu lesen, brauchen nicht in die Ferne zu schweifen, sondern lesen die Bestätigung auf Schritt und Tritt, wo wir auch gehen. Da stehen die Pflanzen und die Bäume vor uns und sogar das Sonnenlicht muß zu ihnen kommen; sie sammeln die Sonnenstrahlen nur ein. Da stehen die Felsen und Berge vor uns und die Wolkenbrüche kommen zu ihnen herunter und die Stürme umbrausen sie. Die Lüftchen umfächeln die Pflanzen, die Sonnenstrahlen küssen ihre Blätter und aus dem Boden der Erde empfangen sie die mineralischen Substanzen, die ihr Wachstum, ihre Entfaltung und Entwicklung fördern. Alles das wird herbeigeführt durch die Intelligenz der Pflanze, des Grashalms, der Blume, des Strauches, des Baumes, durch diese Intelligenz, die aus ihrer Umgebung alles an sich zieht, was zur eigenen Aufrechterhaltung und zur Erhaltung der Art notwendig ist. Und hier stehen wir als Menschen mit einem Körper, der so fein organisiert ist, daß wir uns etwas feiner Organisiertes nicht denken können! Dann sollte uns aus dieser uns umgebenden Unendlichkeit nicht auch alles Nötige zukommen? Entspannen wir uns körperlich während der Ausatmung und ergeben wir uns geistig während der Einatmung, dann werden wir uns bewußt, daß der Atem der Schlüssel ist, der die Intelligenz in uns erschließt, so daß sie Äther und Atom, die beiden entgegengesetzten Mächte der Unendlichkeit, der Natur und unseres Körperwesens, verbinden kann und wir schöpferisch werden können. Wüßten wir weiter nichts vom Lehrsystem Mazdaznans, wäre uns alles andere unbekannt geblieben, blieben wir uns aber während der Ausatmung der körperlichen Entspanntheit bewußt und achteten wir darauf, daß wir uns während der Einatmung innerlich ergeben und dadurch geistig gehoben fühlen, träten wir also weder körperlich noch geistig aus unserem Mittelpunkt heraus, so würde uns mit jedem Tag größere Klarheit hinsichtlich der Möglichkeiten dieses Lebens werden. Das Anbringen meiner Talente ist dann die Gegenleistung für meinen Wunsch oder mein Verlangen und verbürgt mir die Erfüllung meiner Wünsche. Verlangen kann jeder; dazu bedarf es keiner Talente. Aber um das Verlangte zu bekommen, muß man seine Talente einsetzen. Darum erhält der Durchschnittsmensch das Verlangte nicht, weil er zwar ein Verlangen hat, aber nicht die entsprechende Gegenleistung erbringt. Denn nur Gleiches erzielt Gleiches. Atme dich frei Wäre das Atmen eine Glaubens- oder Bekenntnisangelegenheit, so würde es an Dogmen über das Atmen nicht fehlen und Atemgemeinden wären wie ein dichtes Netz über die ganze Erde verbreitet. Da es sich aber dabei um eine wissenschaftliche und tatsächlich auszuübende Sache handelt, wenden sich nur die selbständigen Denker diesem für den wirklichen Fortschritt ausschlaggebenden Gegenstand zu und von diesen selbständigen Denkern gibt es noch sehr wenige. Die Statistiker haben berechnet, daß bei den Kulturvölkern nur 2 Prozent (Prozentangaben von 1934, ob sich da bis heute etwas wesentlich geändert hat?) der Menschen selbständige Denker sind, die einen wirklich freien, selbständigen Gedankenlauf haben. Die übrigen 98 Prozent sind des eigenen, selbständigen Denkens unfähig und stützen sich mit allen ihren Kenntnissen nur auf ihr Gedächtnis und selbst diese Kenntnisse sind nur oberflächlicher Art, entstammen nicht ihrem eigenen Forschen, sondern beruhen auf gesprochenen oder geschriebenen Mitteilungen anderer. Diese 98 Prozent können nicht selbständig denken oder wagen es nicht und geben nur gleich einer Schallplatte das wieder, was ihrem Gedächtnis eingeprägt worden ist, gleichviel welche Fähigkeit sie besitzen, welchen Beruf sie haben oder welcher Beschäftigung sie nachgehen. Sie sind sich gar nicht bewußt, daß sie ihren freien Willen und ihre freie Wahl, die ihr menschliches Erbgut sind, verloren haben. Von diesen 98 Prozent erwachen nur sehr wenige zu der Erkenntnis, daß es ihrer unwürdig ist, sich gleich einer Schablone gebrauchen zu lassen. Diese wenigen fangen dann an, zu suchen, zu untersuchen, zu unterscheiden, zu vergleichen und sich in dieser und jener Beziehung ein eigenes Urteil zu bilden. Bleiben sie sich treu und halten sie fest an ihrem Ziel, dann müssen sie den üblichen Vergnügungen der Welt entsagen, außerordentlich große Opfer bringen, viele Erfahrungen sammeln, Kummer, Sorgen und Versuchungen in Kauf nehmen und harte Prüfungen bestehen. Dann aber gehen sie den Dingen immer weiter nach, in denen sie ihr Glück sehen, und erkennen, daß wahre, tiefe und nützliche Erkenntnis, im Alltag angebracht, viel wertvoller ist als alle aufgestapelten Schätze und Reichtümer dieser Welt, deren Besitz bei denen, die sie haben oder ererben bis zum Lebensabend eine Art Besessenheit auslöst und ihnen mehr schadet als nutzt, wie es schon der Heiland zum Ausdruck gebracht hat: „Du Narr, wessen wird es nun sein, was du angesammelt hast!“ Schließlich stoßen diese wenigen, die ihr Schicksal in die eigene Hand genommen haben, auf die Quelle, die sie in Wirklichkeit suchen, auf den Atem, der ihr Wissen vertieft und verinnerlicht, ihr Begriffsvermögen erweitert und die Erkenntnis der Wirklichkeit erwachen läßt. Sie begreifen es, daß die Atemkunde nicht nur ein wissenschaftliches Studium, sondern zugleich praktisches Üben verlangt. Die praktische Atemkunst setzt wie die Musik ein Talent und den Drang zur Verwirklichung voraus, der einem angeboren sein kann oder den man sich entwickeln muß, wenn man aus dem Talent Nutzen ziehen will. Die Atemfähigkeit ist zwar allen Menschen angeboren, aber der Verwirklichungsdrang ist bei den meisten nicht geweckt. Sie wünschen sich wohl alles Mögliche und Unmögliche, scheuen aber die Mühe, die sie zur Verwirklichung aufbringen müßten, und sind zu träge oder zu taub, um dem Geistestrieb ihres Wesens und der leisen, sanften Stimme ihres Herzens zu folgen. Sie geben sich damit zufrieden, ihre Muskeln auszubilden, und haben kein Gefühl dafür, daß sie sich zu Sklaven der Umstände und Verhältnisse herabwürdigen, anstatt sie zu beherrschen und zu ihrem Fortschritt auszunutzen. Die Statistiker haben die Bilanz aus ihren zahlenmäßigen Feststellungen gezogen und sind zu dem Ergebnis gelangt, daß von allen Altersstufen der Kulturmenschen 99 Prozent ihrer ungenügenden Atmung zum Opfer fallen, also sich aus Unwissenheit armselig durch das Dasein schleppen und mehr in der Vergangenheit oder Zukunft leben als in der Gegenwart, anstatt die Gegenwart mit beiden Händen zu ergreifen und sich frei zu machen von den Banden des Aberglaubens und des Hypnotismus. Mit freundlicher Genehmigung aus der Zeitschrift „Wassermann“ Heft Nr. 16.
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