Angst


Fritz Riemann Charakterkunde Angst
 
Irmgard Wenzel, Heilpraktikerin
 
Aus Anlaß des 100. Geburtstages von Fritz Riemann veröffentlichen wir diesen Beitrag zum Thema „Angst“, welcher gerade in der heutigen Zeit größte Bedeutung beizumessen ist und mit der auch und gerade die Heilpraktiker in der täglichen Praxis konfrontiert werden.
 
Wer ist Fritz Riemann?
 
Fritz Riemann, geb. am 15. 9.1902 in Chemnitz, gestorben am 24.8.1979 in Unterföhring, war nach einem Studium der Psychologie und der Ausbildung zum Psychoanalytiker Mitbegründer des Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie in München (heute: Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie).
 
Er schrieb mehrere Bücher.
 
„Grundformen der Angst“ erschienen als Neuauflage im Ernst Reinhardt Verlag München Basel ISBN 3-497-01749-3 ist eines seiner bekanntesten. Grundformen der Angst
 
Wer kennt nicht die Angst vor zu enger Bindung und die Angst vor dem Verlassenwerden? Wer hat nicht die Angst vor dem Ungewissen, aber auch die Angst vor dem Endgültigen durchlebt? Riemann nennt sie Die vier Grundformen der Angst und entwickelte daraus eine kleine Charakterkunde.
 
Was sind die 4 Grundformen der Angst?
 
Riemann untersuchte die vier mächtigen Impulse dieser Welt
 
I. Bewegung um die Sonne wirkt: revolutionär
II. Fliehkraft wirkt: zentrifugal
III. Drehung um die eigene Achse wirkt: rotierend
IV. Unterliegung der Schwerkraft wirkt: zentripetal
 
und folgerte,
 
daß jede Einseitigkeit dieser Impulse zu tiefsitzenden Ängsten im Leben eines Menschen führen. Nur die Ausgewogenheit garantiert gesetzmäßige Ordnung. Und in jedem Menschen als Mikrokosmos befindet sich die kosmische Ordnung, in dem sich die 4 mächtigen Impulse des Makrokosmos widerspiegeln
 
I. er bewegt sich um die Sonne bewirkt: Umwälzung
II. er nutzt die Fliehkraft bewirkt: Loslösung
III. er dreht sich um die eigene Achse bewirkt: Eigendrehung
IV. er unterliegt der Schwerkraft bewirkt: Festhalten Der angstbesetzte Mensch ist ein verletzter, nicht mehr in seiner Mitte ruhendes Wesen, da er durch seine Angst aus der kosmischen Ordnung geschleudert worden ist:
 
I. Angst vor Ich Verlust/ Umwälzung Schizoide
II. Angst vor Selbstwerdung/ Loslösung Depressive
III. Angst vor Wandlung/ Eigendrehung Zwanghafte
IV. Angst vor Endgültigem/ Festhalten Hysterische
 
1. Angst vor Ich-Verlust zeigt die schizoide Charakterstruktur
 
Angst vor Selbsthingabe durch Hemmung seiner intensionalen Antriebe in der Kindheit führen zu Kontaktstörungen sowie
 
fehlende Du-Beziehung und mangelnde Ich-Findung
 
Störung kann als Bindungslosigkeit aber auch als Anklammerung erlebt werden
 
als Erwachsener Angst vor Nähe mit starken Unabhängigkeitstendenzen
 
2. Angst vor Selbstwerdung, depressive Angst, aus der Geborgenheit herauszufallen zeigt die depressive Charakterstruktur
 
Trennungsängste sind oft Auslöser.
 
Leistungswille und soziale Hilfsbereitschaft täuschen häufig über das Minderwertigkeitsgefühl hinweg.
 
Riesenansprüche und Ersatzbefriedigung bilden den Kern dieser neurotischen Struktur.
 
3. Angst vor Wandlung zeigt die zwanghafte Charakterstruktur
 
Verleitet zur übermäßigen Sicherung des zwangsneurotischen Charakters. Die Zwangshandlungen sind zunächst nur da, die Angst zu binden, später verselbständigen sie sich.
 
Die Ursache liegt in der Hemmung kindlicher Neurotik und Aggression. Der Aggressionstrieb ist für den Reifeprozeß sehr notwendig und setzt mit dem Laufenlernen ein. Bei einer überbeschützenden oder harten Mutter ist das nicht immer problemlos. Diese Selbstbehauptung ist jedoch nur möglich durch die vorangegangene Phase des Beschütztwerdens. Durch das hier gelernte Vertrauen vollzieht sich beim Aggressionstrieb die Loslösung von der Mutter. Aggressionstriebe sind störbar durch Strafe oder durch fehlende Auslöser. Die Hemmung des Aggressionstriebes hat zur Folge, daß sich Unsicherheit, Angst und ein Mangel an Spontaneität abzeichnen. Die Selbstentfaltung kann sich nur mühsam entwickeln. Eigensinn, Sparsamkeit und Starre sind typische Merkmale einer Aggressionsstörung.
 
4. Die Angst vor dem Endgültigen, dem Notwendigen, vor Verpflichtungen zeigt die hysterische Charakterstruktur
 
Die Ursache liegt in der Hemmung des Zärtlichkeitsstrebens. Da das Kind in seiner Gefühlswelt behindert wurde, neigt es dazu, sich an fremde Ideale anzulehnen, es muß eine Rolle spielen. Das Fehlen einer liebevollen Zuwendung führt in späteren Jahren zu einer planlosen Aktivität. Dazu gehört das Nichterkennen der eigenen Möglichkeiten, das Bedürfnis, expansiv leben zu wollen.
 
Die Chirologie
 
ist ein wertvolles Hilfsmittel, die Ursachen der Angst und ihre differenzierten Auswirkungen zu erkennen sowie Möglichkeiten, einen Ansatzpunkt zur Überwindung der Angst zu finden. Sie hilft, Angstbewältigung als Entwicklungs- und Reifevorgang zu erfahren.
 
Um die 4 Strukturen der Angst nach Riemann in der Hand in der zu erkennen ist es erforderlich, sich den Aufbau der Hand in 3 Schichten vorzustellen:
 
An der Handbasis die Triebschicht
 
in der Mittelhand die Bewußtseinsschicht
 
über der Herzlinie die seelisch-geistige Schicht.
 
Hier ist die Formzuordnung der Hand von größter Bedeutung, da die Handform als Ausdruck des Grundcharakters auf den Bereich hindeutet, wo die Angst zu erwarten ist und wie die Angst erlebt wird.
 
Die Triebschicht (Venusberg, Neptunberg, Uranusberg und Mondberg) soll in der spatelförmigen Hand dominieren. Der Mensch wird durch die aus diesem Raum wirkenden Kräfte von Grundstimmungen, Instinkten und Urstrebungen getrieben.
 
Die Angst in der Spatelhand ist die Unsicherheit
 
Diese Hand als Sinnbild der Selbsterhaltung benötigt einen Freiraum zum Einsatz ihrer Aktivität. Mangelnde Triebkräfte (flacher Venusberg) und fehlende Aktivität (reduzierte Marskräfte) sind Verursacher der Angst.
 
Die Bewußtseinsschicht
 
(Verlauf Anfang Kopflinie bis Ende Herzlinie, Marsberg, Daumenansatz bis Plutoberg)
 
soll in der eckigen Hand dominieren. Die Handlungen des Menschen werden durch das steuernde, wertende und dynamische Prinzip bestimmt. Die Bewußtseinsschicht ist richtungweisend für die Auseinandersetzung des ICHs in der Umwelt.
 
Die Angst in der Eckigen Hand ist die Ordnungslosigkeit,
 
sind Ausdruck von Gebundenheit, der Gestaltung und Systematik, benötigt die feste Zielrichtung der Kopflinie.
 
Mangelnde Bewußtseinskräfte durch eine gestörte oder abfallende Kopflinie führen zu Konflikten, fehlende Impulskraft und ein überbetonter Mondberg (Unruhe) wirken als Angstverstärker.
 
Die seelisch-geistige Schicht
(Fingerberge)
 
ist Ausdruck der seelisch-geistigen Dynamik und typisch für die konische Hand.
 
Der Weg zur Transzendenz, wie ihn die konische Hand sucht, ist nur durch innerseelische Kräfte zu verwirklichen.
 
Die Angst der konischen Hand ist die Disharmonie,
 
ist Ausdruck der Sensibilität und Hingabe. Lebt aus den seelischen Kräften der Fingerberge und Kommunikationsbereitschaft einer guten HL und KL. Streßsituationen und Unruhe werden als Bedrohung empfunden = Angst.
 
Die chirologische Zeichensetzung der vier 4 Angststrukturen nach Riemann in der Hand
 
I. Der Schizoide - Angst vor Ich-Verlust
 
feste Konsistenz = Selbstbewahrung
eckige Handform = Beschränkung, Bewahrung
trennende Kopflinie = sachlich, analytisch distanziert
kurze Herzlinie = realistisch, zurückhaltend
feine Papierstruktur = Sensibilität
Angstlinie auf Thenar = Isolation
Saturnbetonung = Härte, Introversion
enges Tischquadrat = innere Unfreiheit
flacher Mondberg = kühl, distanziert
tief angesetzter Daumen = Unabhängigkeit
 
II. Der Depressive - Angst aus der Geborgenheit herauszufallen
 
gestautes 1. Daumenglied = innere Spannung, kämpferisch
durch Saturnlinie unterbrochener Venusring = Hingabe
in Daumenwinkel herabfallende Herzlinie = Ansprüche
weiche Konsistenz = Nachgiebigkeit
Samariterlinien = Hilfsbereitschaft
Ulnarbetonung = Du-Betonung
Kopflinie in Mondberg = depressiv
Herzlinienende zw. Zeige- + Merkurfinger = gute Sozialstruktur
feines Papillarbild = Sensibilität
kurzer Zeigefinger = schwaches Selbstwertgefühl
biegsamer Daumen = Anpassung
 
III. Der Zwanghafte - Angst vor Wandlung
 
fülliger Saturnberg = eigenwillig, eigenständig
eckige oder spatel = motorisch expansiv
Radialbetonung in der Hand = Durchsetzungsvermögen
kraftvoller Daumen = Durchsetzung kämpferische
gestautes 1. Daumenglied = innere Spannung, Triebstau
geknotete Finger = Mangel an Spontaneität
enge Fingerzwischenräume = Selbstkontrolle
harte Konsistenz = Wille, Eigensinn
betonter Marsberg = Kampf, Auseinandersetzung
lange Saturnlinie = Zwangsbeglückung
gesperrte Hand = Perfektionismus
 
IV. Der Hysterische - Angst vor dem Endgültigen, Notwendigem, Verpflichtendem
 
eine linienreiche Hand = vielseitige Erlebnisintensität
lange Apollolinie = Selbstdarstellungswille, Selbstspiegelung
überlagerte oder zerrissene Merkurlinie = geringe nervliche Belastbarkeit überlagerter,
zerrissener Venusring = Problem der Selbstdarstellung
fehlende Saturnlinie = fehlende Verantwortung
feines Papillarbild = Sensibilität
biegsame Finger = Anpassung

 
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