Der übersäuerte Mensch


Wolfgang Podmirseg, Heilpraktiker


Der stoffwechselübersäuerte Mensch, was heute auf einen großen Teil der Bevölkerung zutrifft, durch ungesunde Lebensweise und Streß, ist in seiner Psyche, wie im Gemüt, auch sprichwörtlich sauer, im Sinne von Unzufriedenheit, Launenhaftigkeit, Fehleinschätzung, Neid und Streitsucht und vieles mehr.

Intensive Gedankenarbeit verlangt außerordentlich viele Betriebsstoffe für das Gehirn. Es entstehen auch entsprechende Abfallstoffe. Durch negative Gedanken (sehr oft bedingt durch Übersäuerung) entstehen jedoch besonders viele belastende Abfallstoffe, Schlacken und Ablagerungen, auch in Form von Säuren, die die körperliche Gesundheit sehr belasten. Schlechtes Denken ist mit Angst gekoppelt und spannt dementsprechend das Muskelgeflecht an, was einen weiteren hohen Verschleiß an Mineralstoffen zur Folge hat, wodurch wiederum sehr viele Abfallstoffe entstehen, die im Körper verbleiben. In der Immunologie ist es geglückt zu fotografieren, wie ein Mensch sein Abwehrsystem schwächt, wenn er negativ denkt.

Wenn durch vorgenannte Punkte die Vorräte der Mineralstoffe extrem abnehmen, ist der Organismus nicht mehr in der Lage, die entstehenden Säuren zu neutralisieren und auszuscheiden. Es entsteht eine Übersäuerung mit entsprechenden Folgen, welche sich in drei Sammelbegriffen zusammenfassen lassen.

Entmineralisierung des Körpers:

Probleme an Haaren und Nägeln. Bindegewebsschwäche, Zahnkaries, Schädigung der Blutgefäßwandungen wie Krampfadern und Hämorrhoiden, offene Beine (weil sich der Organismus einen Ausgang bildet, um die belastenden Stoffe los zu werden) Osteoporose, Altersknochenbrüche, Leistenbrüche, Bandscheibenschäden usw....

Ablagerung von Stoffen:

die normalerweise ausgeschieden werden. Alle Ablagerungen verbrauchen, damit sie überhaupt lagerfähig sind, zur chemischen Bindung viele wertvolle Betriebsstoffe. Rheuma, Arthritis, Gicht, alle Steinablagerungen (Galle, Niere); durch die dauernde Überforderung der Niere, weil sie die Harnsäure nicht so gut ausscheiden kann, entsteht eine Reduzierung der Filtrationsfähigkeit, wodurch die auszuscheidenden Belastungsstoffe im Körper abgelagert werden. Dies ist ebenfalls der Ausgangspunkt verschiedener Krankheiten, weil bestimmte Organe besonders empfindlich auf die Verunreinigungen reagieren. Auf sie wirken sich die in Lösung befindlichen Belastungsstoffe besonders stark aus. Außerdem leiden sie daran, daß die eigenen Abfälle, welche durch den alltäglichen Betrieb produziert werden, nicht abtransportiert werden können. Zu den Folgen gehören Kreislaufstörungen, Schädigung des Seh- und Hörvermögens, Arteriosklerose mit Endstation: Schlaganfall und Herzinfarkt. Die Gefäßwände leiden besonders an der chronischen Säureüberladung des Blutes (welches dann eindickt und zähflüssig wird).

Schwächung des Immunsystems:

Es entsteht eine Anfälligkeit gegenüber allen Infektionskrankheiten, angefangen von der simplen Erkältung bis zu den verschiedensten schwersten Infektionen – ein jeder Bagatellinfekt kann dann zur großen Gefahr werden.

Als erste Maßnahme gilt es, eine gesunde Basenkost anzustreben. Sie stellt die Säule jeder vernünftigen Behandlung dar.

Kleine Exkursion
in die „saure“ Nahrung


Was die Nahrung betrifft, gibt es so manche Mißverständnisse: Manchmal werden z.B. einseitige Ernährungsformen oder Diätvorschriften (speziell aus den Seifenopernmedien) als „gar so gesund“ angepriesen, entpuppen sich aber unter Umständen nach folgenschwerer Auswirkung als verhängnisvoller Umweg auf dem Weg zur Gesundheit. Unter diesem Gesichtspunkt sind die folgenden Abschnitte zu verstehen.


Das vermeintlich
„gesunde“ Obst


Einen großen Anteil an der Übersäuerung des Menschen hat die Nahrung und hier vor allem das Obst! Es wird wahrscheinlich sehr überraschen, daß vor dem Obst gewarnt wird. Doch lassen wir die Argumente für sich wirken. Das heutige rohe Obst, das in den Handel kommt, wird zu 90% unreif geerntet. Anders würde es sonst die Lagerung und den Transport nicht überstehen. Außerdem wurden die Gewohnheiten der Konsumenten so gesteuert, daß fast nur mehr optisch einwandfreies Obst angenommen und gekauft wird. So mancher Leser/Leserin, wird sich noch daran erinnern, daß er als Kind irgendwo einen unreifen Apfel organisiert, gegessen und später Bauchweh oder gar Durchfall bekommen hat. Jammern war wahrscheinlich zu hause ja deswegen nicht möglich, denn sonst wäre doch nur der Vorwurf zu hören gewesen: „Du weißt doch, daß man kein unreifes Obst ißt.“ Und wie sieht es heute aus? Das Obst wird unreif gepflückt, kommt ins Lagerhaus und wird oftmals noch chemisch behandelt, nicht selten auch „radioaktiv bestrahlt“. Nach der Lagerung kommen die Früchte dann in den Handel. Es ist aber noch genauso unreif wie beim Pflücken. Eine natürliche Reifung gibt es für die Früchte nur am Baum – bei Licht, Luft und Sonne, dem Lebenselement der Natur und der Schöpfung. Unreifes Obst ist sehr stark säurehaltig. Selbst für einen guten Magen ist schon eine reife Frucht am Tag, am besten am Vormittag, die stärkste Belastung, die er noch gut verarbeiten kann. Dies ist dann nach dem Reizgesetz von Arndt – Schulz beschrieben ein Reiz, der die Lebenskraft fördert. Selbstverständlich verträgt der Körper auch mehr Belastungen, so daß auch viel mehr Obst gegessen werden kann, nur darf die dabei entstehende Beanspruchung des Mineralstoffhaushaltes nicht übersehen werden. Dies ist für Menschen mit einem belasteten, speziell übersäuerten Stoffwechsel von großer Bedeutung. Menschen mit einem intakten Stoffwechsel können auch aus einem säurehaltigen Nahrungsmittel die Basen freisetzen, weil sie die Säuren neutra- lisieren können. Es sollte auch, wie schon erwähnt, nicht die Angst die Ernährungsgewohnheiten bestimmen. Es soll hier jedoch immer darauf hingewiesen werden, was den Mineralstoffhaushalt belastet. Man soll ja in der Lage sein, diese Belastungen zu erkennen und nach eigenem Ermessen diese Kenntnisse in sein Leben einbauen. Nach erfolgten Belastungen läßt sich mit Hilfe der Mineralstoffe nach Dr. Schüßler die Säure immer wieder ausgleichen, wodurch der Organismus in einem guten Säure-Basen-Gleichgewicht gehalten werden kann. Nicht zu unterschätzen sind heute die Unmengen von Spritzmitteln, mit denen das Obst behandelt wird. Von der Blüte bis zur Ernte wird durchschnittlich 19 – 26 x gespritzt. Unter den Bäumen wächst oft kein Gras mehr (von Blumen ganz zu schweigen). Diese Gifte bleiben nicht nur an der Schale haften, sondern dringen auch bis in die Frucht vor. Bei Allergien ist auf diesen Gesichtspunkt besonders zu achten. So werden heute große und fleckenlose Früchte produziert, die aber im Geschmack meistens fade und nichtssagend sind. Das Aroma von früher haben sie verloren. Nur Obst aus biologischem Anbau hat noch ein gutes Aroma. Diese letzten Zeilen spiegeln das Bild der heutigen Gesellschaft wieder: „Schön und groß an der Oberfläche, in Wirklichkeit aber nichts dahinter.“ In einigen Ländern Südeuropas wurde vor ca. 10 Jahren begonnen, neue Apfelsorten, also „Designeräpfel“ zu züchten. Dafür wurden die alten traditionell bewährten Baumkulturen vernichtet. Die neuen Pflanzen wurden „gentechnisch“ verändert und erreichen nur noch Strauchhöhe. Diese Gewächse müssen mit Drahtzäunen gestützt werden ,denn beim Früchtetragen würden sie sonst abknicken wie ein Strohhalm im Wind. Es handelt sich also bei diesen Pflanzen nicht um Bäume, sondern um „Krüppel“, die ohne Stützen nicht überlebensfähig wären. Im Frühjahr ist die Anzahl der Blüten viel geringer, als in der traditionellen Form, was zur Folge hat, daß manche zu gering oder gar nicht von den Bienen bestäubt werden, die Folge: mancher Imker hat Insolvenz anmelden müssen, der Fruchtertrag ist viel geringer, der Arbeitsaufwand höher. Im Herbst 2005 beklagten viele Obstbauern einen „Besenwuchs“ an ihren neuen Gewächsen, was bedeutet, die Pflanzen gehen ein und tragen keine Früchte mehr – eine Folge der „Genmanipulation“.


Das Ergebnis: auch hier, schöne große Früchte, dafür fader und ekelhafter Geschmack, kein Duft und kein Aroma.


Gekochte Früchte haben als Kompott nur noch ca. 10% der Säure, was für den Basenhaushalt eine enorme Entlastung darstellt. Säureempfindliche Menschen können auf diese Weise Obst gut vertragen. Bananen werden wie das meiste andere Obst unreif gepflückt. Sie enthalten aber nur wenig Säure und sind deshalb nicht so belastend. Allerdings werden die Bananen intensiv chemisch behandelt, so daß der Genuß nicht unbedingt empfohlen werden kann. Was für das rohe Obst gilt, trifft in verstärktem Maße auf die Zitrusfrüchte zu. Sie werden unreif gepflückt, in Kisten verpackt und verschickt. Ausgereift würden sie den Transport nicht gut überstehen.


Die Ascorbinsäure (Vitamin C)


Damit die Ascorbinsäure als Vitamin wirksam ist, muß sie als L-Ascorbinsäure vorliegen, aus der nach Oxidation die L – Dehydroascorbinsäure gebildet wird. Die Anwesenheit von
Vit. C ist bedeutungsvoll für den Stoffwechsel im Gehirn, im Pankreas, in Milz, Lunge, Herz, Thymusdrüse und Auge. Es ist auch beteiligt bei der Knorpel-, Knochen- und Zahnbildung. Damit das Vitamin seine Aufgaben erfüllen kann, ist die Anwesenheit von Mineralstoffen unerläßlich. Es ist ein großer Irrtum zu glauben, daß der Bedarf an Vit. C nur durch den Konsum von Zitrusfrüchten allein gedeckt werden könne. Werden diese Früchte aus dem Speisezettel weggelassen, wird kein wertvoller Stoff fehlen. Im Gegenteil, dem Verdauungsapparat und damit dem Organismus wird ein großer Dienst erwiesen. Er hat so viel weniger Säure zu verarbeiten, wodurch der Verschleiß von wertvollen Mineralstoffen reduziert wird. Es wird dann mit Recht gefragt, woher soll der Organismus das Vit. C nehmen? In diesem Zusammenhang sollte auch darauf verwiesen werden, daß wir leider den Rhythmus in der Nahrung im Jahresverlauf verloren haben. Wir haben heute, wie schon weiter oben erwähnt, kaum Probleme mit zuwenig Vitaminen. Wir bekommen genügend Vitamine durch die Lebensmittel, die es auch schon zu früheren Zeiten gab. Kartoffeln, Sauerkraut, Gemüse, Petersilie, Beeren, Sanddorn u.v.a. Die angeführten Beispiele sollen klarstellen, daß heutzutage kaum noch die Gefahr eines Vit. C Mangels besteht. Eher ist das Gegenteil der Fall, nämlich ein Überschuß. Dann allerdings benötigt der Organismus viele Mineralstoffe, um die überschüssige Ascorbinsäure neutralisieren und ausscheiden zu können.

Die Wirkung der Säure
im Organismus


Dr. Worlitschek weist in seinem Buch: „Der Säure – Basenhaushalt“ eindringlich auf die Notwendigkeit der Basenzufuhr in der Nahrung hin und zitiert Ragnar Berg, der schon im Jahr 1920 darauf hingewiesen hat, daß die zugeführte Nahrung zu 80% aus basischen und nur zu 20% aus sauren Nahrungsmitteln bestehen soll. (Heute hat sich das Verhältnis durch Unwissenheit und mangelnde Aufmerksamkeit in Ernährungsfragen umgekehrt.)

Es gibt auch Meinungen, wonach saure Substanzen, wie z.B. der Zitronensaft oder Früchtetees im Körper „basisch“ wirken sollen. Wahrscheinlich ist dies für Menschen mit einem gestörten Säurestoffwechsel ein großer Irrtum. Der Organismus muß nämlich seine eigenen Mineralstoffe aus den Speichern einsetzen, um die zugeführten Säuren zu neutralisieren bzw. binden zu können. Die vermutete „basische“ Wirkung bestünde nur darin, daß der Organismus eine Mineralstoffkonzentration herbeiführt, um die Säuren in ihrer Wirkung unschädlich zu machen, also zu neutralisieren, was hauptsächlich durch Natrium phosphoricum geschieht. Das erklärt dann die hochkonzentrierte Anwesenheit von Mineral- stoffen, die aus den Speichern abgerufen, die Säure gepuffert haben. Das Ergebnis ist dann ein versäuerter Körper mit entsprechenden Symptomen.

Beim kranken Menschen geht es darum, den Körper durch verminderte Zufuhr von Säuren zu entlasten, um dadurch eine schnellere Besserung seiner Zustände zu erreichen.

Verdauung und Säure


Der Verdauungstrakt ist durch jahrelange falsche Behandlung verkümmert. Er reagiert oft nicht mehr ablehnend, wenn ihn etwas belastet. Im Gegensatz zum Säugling. Oft genug kommt es vor, daß ein Neugeborenes plötzlich starken Durchfall hat. Meistens liegt die Ursache bei der falschen Ernährungsweise der Mutter. Sie hat unter Umständen zuviel Obst oder Säfte verzehrt. Die Muttermilch veränderte sich in der Zusammensetzung und der empfindliche Stoffwechsel des Neugeborenen reagiert sofort darauf. Es stößt die belastenden Stoffe sofort als unbrauchbar ab, wodurch es zur „Störung“ kommt! Allerdings muß abgeklärt werden, ob dieser Durchfall wirklich nur im Diätfehler der Mutter begründet liegt. Starke Durchfälle können für Säuglinge lebensbedrohlich sein. Erwachsene, die sich noch ein sehr ursprüngliches Empfinden bewahrt haben, bekommen auch meist nach dem Genuß von sehr viel säurehaltiger Nahrung Durchfall. Der Darm verschließt sich vor so viel Belastung, und der Nahrungsbrei verläßt ohne Eindickung den Körper.

Der Säuregehalt von Wein


Eine weitere schwere Belastung bezüglich der Säure stellt der „Weißwein“ dar. Im Gegensatz zum Rotwein, bei welchem der gepreßte Traubensaft von den Beeren nicht getrennt wird, wird beim Weißwein nur der Traubensaft ohne das Fruchtfleisch und die Schale gekeltert. Dadurch entfallen wertvolle Stoffe, die im Rotwein enthalten sind. Durch Konsum von Weißwein werden durch die intensiven Säuren immer wieder Rheuma und Gichtschübe ausgelöst. Derselbe Vorgang kann auch beim Genuß großer Mengen von Apfelsaft oder Most beobachtet werden. Die Fruchtsäure des Apfels ist eine der intensivsten überhaupt.


Die Säureschaukel

Wird der Körper mit viel Säure belastet, baut der Organismus in einer Reaktion einen chemischen Mechanismus auf, mit dem er imstande ist, diese Belastung auszugleichen. Je stärker die Belastung, um so stärker muß der Organismus arbeiten, damit er mit der anfallenden Säure irgendwie zurecht kommt. Wenn dann plötzlich durch Veränderungen in der Lebensweise und der Ernährung nur noch wenig Säure zugeführt wird, schreit der aufgebaute chemische Apparat nach mehr Säure. Das ist die Ursache, warum ein Patient, der schon einen Herzinfarkt hinter sich hatte und dessen Silicea Vorrat schon sehr angegriffen war, noch immer zu einem sauren Wein greift. Er war und ist nicht in der Lage, die Schaukel zu durchbrechen, da er den Regulationsmechanismus nicht durchschaut und bei entsprechenden Hinweisen glaubt, man würde ihm den Wein nicht vergönnen. Diese Schaukel, die ja dann einmal in der Sucht endet, wenn der aufgebaute Neutralisierungsapparat eine Eigendynamik entwickelt hat, kennen wir auch als Koffeinschaukel, Nikotinschaukel, evtl. auch die Schokolade, Süßigkeiten (alles Süße macht sauer), Cola, Geräuchertes, Kochsalz usw....

Die Sprache des Körpers

Es ist von großer Bedeutung, in diesem Zusammenhang auf einen Satz aufmerksam zu machen, der den Menschen in die Irre führen könnte. Es wird nämlich manchmal behauptet, daß der Organismus zeigt und sagt, was er braucht. Man müsse nur seinem Gespür nachgehen. Da wir gelernt haben, unser Gespür möglichst nicht zu beachten, sind Hinweise auf den „wissenden“ Körper nicht mehr zielführend. Ja, sie sind sogar eher gefährlich, wenn wir uns den Mechanismus der Säureschaukel oder eines Suchtverhaltens ansehen. Hinter so manchem sehn-„süchtigen“ Verhalten steckt nämlich oft ein Mineralstoffmangel, der nur entziffert werden müßte. Wir verstehen die Sprache des Körpers nicht mehr. Wenn er „wörtlich“ verstanden wird, und die Nahrungsmittel zugeführt werden, wonach man „sich sehnt“, verschärft sich die Problematik und die Not wird immer größer. Das Mißverhältnis zwischen den Mineralstoffen innerhalb und außerhalb der Zellen wird immer größer. Der Organismus schreit nach Mineralsalzen, die er in die Zellen einbauen kann. Wenn diese Signale nicht verstanden werden, bekommt er sehr oft die falschen Stoffe zur Verfügung gestellt, was die Not immer mehr verschärft. Erst mit wachsendem Verständnis kann entsprechend auf den Bedarf geantwortet werden. Wird dann der Mangel abgestellt, verschwindet das Bedürfnis von selbst. Das ist an vielen Menschen zu erleben. Werden die Mineralstoffe längere Zeit eingenommen (die fehlenden), werden auf einmal keine Süßigkeiten mehr gekauft, keine Schokolade. Das Salz ist auf einmal nicht mehr so nötig, das Suchtverhalten schwindet langsam.

Säurebildende, saure und basische oder basenbildende Speisen

Wer an Beschwerden der Übersäuerung und Demineralisation leidet, darf sich nicht damit begnügen, den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit erkannt zu haben. Er muß auch unterscheiden können zwischen Speisen, die zum Säuregehalt und solchen, die zum Basengehalt des Milieus beitragen. Man sollte meinen, daß die Lebensmittel direkt aufgrund ihrer Wirkung auf den ph-Wert des Urins in säure- und basenbildende Produkte eingeteilt werden können. Leider ist dies nicht der Fall. Bei manchen Menschen treten nach dem Verzehr von sauren Speisen gleichzeitig basische ph-Werte im Urin und parallel dazu Symptome der Übersäuerung auf – das genaue Gegenteil des theoretischen Normalfalls, nachdem ein basischer Urin auf einen basischen Organismus und ein saurer auf einen übersäuerten Organismus schließen lassen. Der Widerspruch ist darauf zurück zu führen, daß ein gestörter Säurestoffwechsel diese Säuren anders metabolisiert als ein gesunder. Nimmt eine Person mit einem intakten Säurestoffwechsel ein stark säurehaltiges Nahrungsmittel wie eine Frucht oder Zitronensaft zu sich, werden die Säuren oxidiert und die basischen Mineralstoffe der Frucht freigesetzt. Die Frucht oder der Zitronensaft wirken sich in diesem Fall positiv aus und führen zur Bildung von Basen. Bei Personen mit einem gestörten Säurestoffwechsel hingegen werden die Säuren derselben Früchte weder oxidiert noch umgewandelt. Sie bleiben als Säuren im Organismus bestehen. Die im Urin auftretenden Basen stammen somit nicht von den Früchten, sondern wurden zur Aufrechterhaltung des normalen ph-Wertes dem eigenen Körpergewebe entnommen. Auch dieser Vorgang führt zu einem basischen Urin, doch bewirken die Früchte hier auf Kosten des Organismus eine Verarmung an Mineralstoffen. Ob ein Nahrungsmittel in einem bestimmten Organismus säure- oder basenbildend wirkt, ist vom Stoffwechsel der betreffenden Person abhängig. Nahrungsmittellisten, bei deren Zusammenstellung der ph-Wert des Urins den Ausschlag gab, entsprechen daher der Wirklichkeit nur bedingt und gelten nur für Menschen mit einem einwandfrei funktionierenden Säurestoffwechsel. Gerade sie haben jedoch diese Listen nicht nötig, da sie nicht unter den entsprechenden Beschwerden leiden.

Säurebildende Nahrungsmittel

Säurebildende Speisen enthalten ursprünglich keine Säure, produzieren jedoch im Verlauf des Verdauungsprozesses und bei ihrer Aufnahme und Weiterverwendung durch die Zellen saure Substanzen. Diese Säureproduktion ist also ein natürlicher, unvermeidlicher Vorgang, der sowohl bei säureempfindlichen wie bei diesbezüglich unempfindlichen Menschen stattfindet. Man bezeichnet diese Nahrungsmittel als säurebildende Speisen. Dazu gehört z: B. das Fleisch. Die Verdauung und Umsetzung von Eiweiß führen zwangsläufig zur Produktion von Säuren, von denen die Harnsäure am besten bekannt sein dürfte. Bei den säurebildenden Speisen handelt es sich um Grundnahrungsmittel. Man kann sie deshalb nicht einfach beiseite lassen mit der Begründung, daß sie das Milieu übersäuern. Die Lösung besteht darin, ihren Konsum einzuschränken. Denn wenn auch bei einer beschränkten Einnahme dieser Lebensmittel eine leichte Säurezufuhr normal und unvermeidlich ist, so kann diese Zufuhr doch bei einem erhöhten Konsum beachtliche Ausmaße annehmen. Bedrohlich wird dieses Ausmaß dann, wenn solche Speisen im Übermaß verzehrt werden. (Was heute leider üblich ist mit vermehrtem Konsum tierischer Eiweiße und Fette.)

Ausschnitt säurebildender Nahrungsmittel

• Fleisch, Geflügel, Wurstwaren, Fleischextrakt, Eier, Fisch
• Käse, Milchprodukte, Joghurt, Sauermilch, Weißkäse, Kefir
• Tierisches Fett, Erdnußöl, gehärtete/raffinierte, pflanzliche Öle
• Getreide, auch Vollkorn, Weizen, Hafer, vor allem Hirse
• Brot, Teigwaren, Flocken auf Getreidebasis
• Hülsenfrüchte, Erdnüsse, Sojabohnen, weiße Bohnen, Saubohnen
• raffinierter weißer Zucker, Süßigkeiten, Konfekt, Schokolade, Bonbons
• Konfitüre, kandierte Früchte usw.
• unreife Früchte, saure Früchte wie Beeren, Stachelbeeren
• Johannisbeeren, Himbeeren, Zitrusfrüchte, Zitronen, Mandarinen
• Grapefruits, Orangen, bestimmte Sorten Äpfel, Kirschen, Zwetschgen
• Aprikosen, saures Gemüse, Tomaten, Rhabarber, Sauerampfer, Kresse
• Sauerkraut, Fruchtsäfte, industriell gefertigte Getränke, Honig, Essig

Die sauren Speisen

Saure Speisen enthalten zahlreiche Stoffe in Form von Säuren, so daß sie an ihrem Geschmack leicht zu erkennen sind. Dazu gehören unter anderem Zitronen, Rhabarber oder Essig. Saure Speisen wirken säure- oder basenbildend, je nachdem, wie der Stoffwechsel der betreffenden Person funktioniert. Mit Ausnahme von Früchten sind die sauren Nahrungsmittel im Unterschied zu den säurebildenden für den Körper kein Muß. Der weitgehende oder vollständige Verzicht auf saure Speisen ist deshalb nicht nur notwendig, sondern auch durchführbar.

Die basischen oder basenbildende Nahrungsmittel

Diese Nahrungsmittel sind reich an Basen und enthalten nur wenig oder gar keine Säure. Sie produzieren auch bei der Umwandlung und Weiterverwendung durch den Körper keine Säuren, so daß sie in jedem Milieu Basen bilden, unabhängig davon, ob sie in großen oder kleinen Mengen genossen werden. Diese Eigenschaft kommt allen zugute und entfaltet sich sowohl in einem intakten wie in einem gestörten Säurestoffwechsel. Personen, die unter Übersäuerung leiden, müssen sich vor allem an diese Kategorie Nahrungsmittel halten. Natürlich umfaßt ihre Kost auch die für den Körper notwendigen, aber mit großer Sorgfalt zu dosierenden Mengen an säurebildenden Speisen. Saure Speisen schließlich dürfen nur hie und da eingenommen werden, und zwar umso sparsamer, je schlechter der Säurestoffwechsel funktioniert.

Ausschnitt basenbildender Nahrungsmittel

• Kartoffeln, grünes Gemüse, Lattich, grüne Bohnen, Kohl
• farbiges Gemüse, Karotten, rote Bete, Rüben, Fenchel, Sellerie
• Kürbis, Zucchini, Milch, Milchpulver, Sahne, frische Molke, Bananen, Melone
• Mandeln, Paranuß, Kastanie, Dörrfrüchte in kleinen Mengen
• Basisches Mineralwasser

Die basische Gemüsesuppe

Um den Säure-Basenhaushalt günstig zu beeinflussen wird vielfach empfohlen, eine basische Gemüsesuppe zu sich zu nehmen. Folgendes Rezept hat sich bewährt:

• 250 g Kartoffeln, kleingeschnitten mit Schale
• 50 – 100 g Gemüse entsprechend der Jahreszeit z. B. Petersilienwurzel, Sellerieknollen, Karotten, Liebstöckel, Krautblätter, Fenchel, Löwenzahn, Brennessel
• Gewürz: Lorbeerblätter, Gewürznelken, Wacholderbeeren, Muskatnuß, Majoran, Kümmel, Zwiebel, Knoblauch. ...

Nachdem die Gemüsesuppe insgesamt 10 Minuten gekocht hat, werden die festen Bestandteile abgeseiht. Das ausgekochte, ausgelaugte Gemüse hat keine Mineralstoffe mehr und ist für den Organismus ein Säurespender, deshalb wird es nicht mehr verwendet. Die Menge läßt sich beliebig variieren, indem man jeweils Gemüse und Wasser vermehrt oder vermindert. Die Gemüsebrühe wird langsam getrunken; evtl. eine Tasse auf nüchternen Magen. Da sie sehr intensiv ist, kann eine Tasse am Tag schon genügen. Man muß bei Verwendung der Basenbrühe auf die eigenen Wahrnehmungen achten und sollte sich von diesen leiten lassen.

Die Bedeutung einer guten Verdauung

Sie beginnt im Mund. Die Speicheldrüsen sondern pro Tag ca. 1 Liter Speichel und Schleimsubstanzen ab. Darin enthalten sind Natriumchlorid, Natriumhydrogenkarbonat und ein Stärke abbauendes Enzym, das Ptyalin. Der gesunde Speichel ist leicht alkalisch, basisch. Es werden Kohlenhydrate und Stärke noch im Mund abgebaut. Der Nahrungsbrei kommt vom Mund in den nächsten Sammelraum, den Magen. Hier kommt es zu einer ph-Wert-Änderung. Magensäure wird von den Mucosazellen der Magenschleimhaut ausgeschieden. Im Magen wird die eiweißhaltige Nahrung aufgespalten. Deshalb sondern Magendrüsen eiweißspaltende Enzyme ab, die nur im sauren Milieu wirken. Zum Schutz der Magenwand bauen Becherzellen eine Schleimschicht auf, die eine Selbstverdauung durch die Magensäure verhindert. Fette werden hier nicht verdaut. Der Pförtner öffnet sich und läßt den Nahrungsbrei portionsweise in das Duodenum passieren. Dieses ist der Beginn des Dünndarms, der aus den drei Abschnitten Zwölffingerdarm, Leer- und Krummdarm besteht. Insgesamt ist er für die Hauptarbeit im gesamten Verdauungsgeschehen zuständig. In den Zwölffingerdarm münden Pankreas und Gallengang. Das Gallensekret der Leber enthält keine Enzyme, sondern wirkt durch die Gallensäure emulgierend auf die Fette. Das Pankreas sondert Enzyme ab: Trypsin, Chymotrypsin und Pankreaspepsin. Durch diese Enzyme werden Polypeptide (Eiweiß) zu Aminosäuren abgebaut. Im Zwölffingerdarm wird der ph-Wert durch Bikarbonatausscheidung von sauer auf basisch umgestellt, Lipasen, fettspaltende Enzyme, zerlegen die emulgierten Fette. Kohlenhydrate werden durch Karbohydrasen, spezielle Enzyme, in Monosaccharide aufgespalten. Der gesamte Darm muß pro Tag insgesamt 10 ltr. Flüssigkeit resorbieren:

1,5 l Speichel
3 l Magensaft
2 l Pankreassekret
0,7 l Galle
1,5 l aus der Nahrung u. a.

Diese enorme Flüssigkeitsmenge ist nur durch die Oberflächenvergrößerung zu bewältigen. Durch die Faltung, Bildung von Zotten, Villi und Mikorvilli wird die innere Oberfläche fast verzehnfacht.

Monosaccharide, Aminosäuren und Mineralstoffe gelangen durch aktiven Transport in die Darmzellen, von wo sie dem Konzentrationsgefälle folgend durch Diffusion ins Blut weitergeführt werden. In den Darmepithelzellen kommt es zur Synthese von Fetten und höhermolekularen Polypeptiden, das sind Eiweißsubstanzen, die in die darunterliegenden Lymphgefäße abgegeben werden. Rhythmische Pumpbewegungen der Darmzotten sorgen für die Entleerung der Lymphsäcke in das Lymphgefäßsystem. Der Dickdarm ist reich an Colibakterien, die eine wichtige Rolle bei der Gewinnung einiger Vitamine spielen. Ein Teil des Dickdarms ist der Appendix mit seinem Wurmfortsatz. Dieser ist vollgepackt mit Lymphsäcken und hat eine ähnliche Funktion, wie die Tonsillen, weshalb er auch Dickdarmmandel genannt wird. Im Dickdarm wird der Stuhl eingedickt und durch peristaltische Bewegungen in den Mastdarm befördert.

Durch die heute übliche chronische Übersäuerung der Menschen, sind diese wichtigen Funktionen alle gestört, woraus eine Unzahl an Krankheiten entstehen kann. Das darminduzierte Immunsystem macht ca. 80% der Abwehrkraft aus, ist dieses massiv geschädigt, bricht das zelluläre, humorale und lymphatische Abwehrsystem auch bald zusammen.

Literaturhinweise

Feichtinger/Niedan/Mandl, Handbuch Biochemie Dr. Schüßler, Haug Verlag
Dr. K. Werthmann, Ernährungsumstellung Kochrezepte, Semmelweis Verlag
Dr. K. Werthmann, Ratgeber für Allergiker u. chron. Kranke, Semmelweis Verlag
Dr. K. Hoffmann, Rette Dein Immunsystem, Vier Flamingos Verlag
Hoffmann/Berendes/Brichl, Revolution in der Küche, Vier Flamingos Verlag
Dr. Worlitschek, Der Säure-Basenhaushalt, Haug Verlag
Dr. L. Burgerstein, Handbuch Nährstoffe, Haug Verlag
Waerland Ebba, Fest- und Alltagsrezepte, Humata Verlag
Waerland Are, Das Waerland System,
Humata Verlag
Wareland Ebba, Die Waerland Therapie,
Humata Verlag
Waerland Arel, Handbuch der Gesundheit, Humata Verlag
Waerland/Röhling, So heilt die Waerland Kost, Humata Veralg
Waerland Are, Übersäuerung als Grundursache der Krankheiten, Humata Verlag
Vasey C, Das Säure-Basengleichgewicht, Midena Verlag, Aarau

 
zurück top Druckversion