Balsam für die Blase


Ernährungs-Tips bei Blasenentzündung
Dipl. oec. troph. Roland Possin


Wer schon einmal Bekanntschaft mit ihr gemacht hat, kann ein Liedchen davon singen, wie unangenehm und lästig sie ist. Die Rede ist von der Entzündung der Blase. Kaum hat man sich einmal zu lange im Wasser in der Schwimmhalle aufgehalten oder ist auf kaltem Boden gestanden, schon wird der Gang zur Toilette zu einer Tortur. Der Ernährungswissenschaftler und Buchautor Roland Possin gibt in diesem Artikel Tips zur Linderung der Beschwerden.

Bakterien als Auslöser


Die Ursachen einer Blasenentzündung (Cystitis) können vielschichtig sein. In der Regel wird sie ausgelöst durch Bakterien, wie zum Beispiel E. coli aus dem Darm. Mitbeteiligt ist oft ein geschwächtes Immunsystem, da die Angriffe der krankhaften Erreger im Normalfall durch die Blasenschleimhaut abgewehrt werden. Betroffen sind überwiegend, aufgrund der vergleichsweise kurzen Harnleiter, trauen. Oft reichen jedoch kalte Füße oder ein unterkühlter Unterleib aus, um Schmerzen in der Blase auszulösen. Symptome einer Cystitis drücken sich aus, durch dringenden und häufigen Harndrang sowie schmerzhaftes oder brennendes Wasserlassen.

Was tun, wenn es brennt?


Verspüren Sie ein Brennen beim Wasserlassen, so ist es ratsam, die Ursachen von einem Arzt abklären zu lassen. Wird eine Blasenentzündung diagnostiziert, so können folgende Tips Erleichterung verschaffen:


Grundlegend wichtig bei einer Cystitis ist es, das Wasserlassen nicht aufzuschieben. Das Verzögern fördert das Bakterienwachstum und erhöht den Blasendruck. Da die Blase kälteempfindlich ist, sollten Sie es vermeiden, sich an kalten Plätzen aufzuhalten. Halten Sie darüber hinaus Ihren Unterleib warm und tragen Sie Unterwäsche aus Naturfasern. Als beruhigend auf die Blase wirkend hat sich auch das Auflegen einer Wärmflasche oder eines (vorgewärmten) Dinkelkissens über Nacht erwiesen.

Die Blase durchspülen


Zum Abtransportieren der Krankheitserreger empfiehlt es sich, die Blase gut durchzuspülen und viel zu trinken (2-3 Liter am Tag). Anbieten tun sich zum Beispiel Früchtetees, spezielle Blasen-Kräutertees (Apotheke), stilles Mineralwasser oder Rooibostee. Auf Kaffee, Schwarztee und Alkohol sollte verzichtet werden, da diese Genußmittel die Blase reizen.


Eine sehr heilsame und kostengünstige Möglichkeit, genügend Flüssigkeit am Tag aufzunehmen, ist der Genuß von heißem Wasser. Heißes Wasser wird innerhalb des indischen Heilsystems Ayurveda schon seit Jahrtausenden empfohlen. Es zeichnet sich unter anderem dadurch aus, daß es entgiftend und entschlackend wirkt.


Zubereitung von heißem Wasser: Ein Liter Wasser wird zehn Minuten lang gekocht. Eine Tasse des Wassers wird vor dem Frühstück schluckweise getrunken, die verbliebene Menge in eine Thermoskanne gefüllt und über den Tag verteilt genossen.


Vitalstoffreich essen


Da eine chronische Blasenentzündung auf ein geschwächtes Immunsystem hinweisen kann, empfiehlt es sich, die Abwehrkraft zu stärken und sich vitalstoffreich zu ernähren. Mit viel Frischkost in Form von Obst und Gemüse, Salaten, die mit kaltgepreßten 01 (Distelöl, Sonnenblumenöl, Weizenkeimöl) zubereitet werden sowie Vollkornprodukten.


Oft liegt bei einer Cystitis auch eine Übersäuerung des Körpers vor. Diese kann durch ein Indikatorpapier (Apotheke), welches in den Urin gehalten wird, festgestellt werden. Es ist sinnvoll, diesen Test mehrere Tage und zu verschiedenen Zeiten durchzuführen. Im Laufe des Tages sollten die Werte zwischen 6,6 und 7,0 liegen. Liegt der pH-Wert mehrere Tage lang unter sechs, deutet dies auf eine Übersäuerung hin. Dann ist es wichtig, sich möglichst säurearm (Meiden von Zucker, Weißmehlprodukten, Fleisch, Kaffee, Alkohol, Wurst, Cola-Getränken) und basen-reich (Bevorzugen von Kartoffeln, getrockneten Aprikosen und Feigen, Küchenkräutern, Löwenzahnblättern, Spinat, Oliven, Kohlrabi, Lauch, Sellerie) zu ernähren. Zusätzlich empfiehlt es sich, mit dem Arzt abzusprechen, ob es notwendig ist, ein Basenpulver (Apotheke) einzunehmen.


Eine Blasenentzündung kann auch auf einen Darmpilzbefall hinweisen. Das hängt damit zusammen, daß bei einer Canditose (pathologischer Darmpilzbefall) die Pilze vom Darm aus sich im ganzen Organismus verbreiten können, so auch im Urogenitalbereich. Besonders dann, wenn man an einer chronischen Cystitis leidet, ist es ratsam, den Stuhl auf einen erhöhten Pilzbefall testen zu lassen.*


Nahrung für die Blase


Eine Kur mit Preiselbeersaft ist Balsam für die Blase. Amerikanische Untersuchungen belegen, daß die Häufigkeit von Blasenentzündungen durch regelmäßiges Trinken von Preiselbeersaft (300 ml am Tag) um die Hälfte reduziert werden kann.


Wacholderbeeren wirken Harn treibend und fördern das Durchspülen der entzündeten Blase. Darüber hinaus zerstören sie die entzündungsverursachenden Bakterien in der Blase. Grund genug, Wacholderbeeren öfters in den Speiseplan miteinzubeziehen, zum Beispiel als Geschmackszugabe zu Sauerkraut oder zu Fischgerichten. Ein weiteres Blasen stärkendes Nahrungsmittel ist die Zwiebel. Sie hilft durch ihren antibakteriell wirkenden Stoff Allizin Nieren- und Blasenbeschwerden zu lindern und stärkt darüber hinaus auch das Immunsystem. Das gleiche gilt übrigens auch für Knoblauch. Die Heidelbeere sowie daraus hergestellter Saft können - kurmäßig getrunken - ebenfalls zur Stärkung der Blase beitragen. Diese Beere enthält Stoffe, die in der Lage sind, die Erreger von Blasenentzündungen zu bekämpfen. Nicht zu verachten ist auch der Verzehr von entzündungshemmend wirkenden Kräutern, wie Petersilie und Brunnenkresse.


Bärenstarke Trauben


Beschäftigt man sich mit der Heilwirkung von Kräutern bei Blasenentzündungen, so stößt man unweigerlich auf die Blätter der Bärentraube. Sie zählen zu den wirksamsten Heilpflanzen bei Cystitis, besonders dann, wenn diese sich noch im Anfangsstadium befindet. Der Bärentraubenblätter-Tee wirkt am effektivsten, wenn ihm eine Messerspitze Natron zugegeben wird. Erst dann gibt das Arbutin der Blätter seinen entzündungshemmenden Wirkstoff Hydrochinon frei.


Zubereitung von Bärentraubenblättertee als Auszug: Ein bis zwei Teelöffel werden mit 1/4 Liter kaltem Wasser übergossen und 12 bis 14 Stunden, bei gelegentlichem Umrühren, stehen gelassen. Davon trinkt man täglich eine Woche lang zwei bis drei Tassen, leicht angewärmt.


Die Stimme des Körpers


Aus ganzheitlicher Sicht gesehen ist es bei einer Blasenentzündung wichtig, den Körper als Sprachrohr der Seele zu betrachten und nach möglichen geistig/seelischen Ursachen seiner Beschwerden zu fragen. Wie steht es mit der Fähigkeit, mit inneren Konflikten und mit Streß umzugehen? Ist da etwas im Leben, was einem Angst bereitet? Werden Aggressionen ausgedrückt? All diese Punkte können zu permanent verspannten Blasenwänden und geringer Schleimproduktion führen und die Entstehung einer Blasenentzündung begünstigen, da sich dann Bakterien besser im Blasenmillieu durchsetzen können.


Vielleicht möchte Ihnen Ihr Körper auch über die Blasenentzündung mitteilen, daß es an der Zeit ist, zur Ruhe zu kommen und sich Streicheleinheiten zu gönnen. Sei es in Form von Teegenuß bei Kerzenlicht oder einer sinnlichen Massage.


*Näheres zum Thema Canditose ist nachzulesen in dem Buch: Possin, Karin und Roland: Essen Sie sich gesund! Von Allergie bis Übergewicht, Hugendubel Verlag


Literatur


Kilmartin, Angela: Blasenentzündung, Ehrenwirth Verlag
Oberbeil, Klaus und Lentz, Dr. Christiane: Obst und Gemüse als Medizin, Südwest Verlag
Pahlow, Mannfried: Hausapotheke, Bechtermünz Verlag
Pahlow, Mannifried: Heilpflanzen, Gräfe und Unzer Verlag
Zittlau, Dr. Jörg, Kriegisch, Dr. Norbert, Heinke, Dagmar: Hausmittel, Südwest Verlag

 


 
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