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Ulrike Metzler, Dipl.-Ing. (FH) für Ernährung, Heilpraktikerin
Was ist Histamin?
Histamin ist ein biogenes Amin, das durch den bakteriellen Abbau des Eiweißbausteins Histidin entsteht. Dieser Vorgang findet bei der Herstellung von gereiften Lebensmitteln, wie z.B. Käse, Wein, Bier, Sauerkraut, geräucherten Fleisch- und Fischwaren u. a. statt und gibt mitunter Auskunft über die Qualität der Produktion. Sehr große Mengen von Histamin können auch ein Zeichen von Verderb sein.
Entstehung und Physiologie
Histamin entsteht durch den Umbau der semi-essentiellen Aminosäure Histidin. Semi-essentiell deshalb, weil sie in erster Linie für den Säugling essentiell ist und während der Wachstumsperiode für den Gewebeaufbau wichtig ist. Durch Decarboxylierung von Histidin entsteht Histamin, das wiederum die Magensaftsekretion stimuliert, den Blutdruck senkt, die Darmperistaltik steigert und entzündungserregend ist. Weitere physiologische Funktionen von Histamin beim Menschen sind:
- Kontraktion der glatten Muskulatur (Uterus!, Darm, Lunge…) - Dilatation der Blutgefäße - Zellwachstum und -differenzierung - Mediatorsubstanz bei praktisch allen allergischen Phänomenen und bei vielen Schmerzreaktionen Was versteht man unter einer Histamin - Intoleranz (HIT)?
Ein Überschuß an Histamin, z.B. durch vermehrte Zufuhr histaminreicher Nahrungsmittel, wird normalerweise durch das Enzym Diaminoxidase (DAO) im Darm abgebaut. Bei einer Histamin-Intoleranz (HIT) besteht ein Mangel an diesem Enzym. Dadurch können je nach Nahrungszusammenstellung grössere Mengen Histamin aus den Lebensmitteln in den Blutkreislauf gelangen und die unterschiedlichsten Be- schwerden verursachen. Dazu gehören z.B. Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Fließschnupfen, Schwindel, Verdauungsbeschwerden (Blähungen, Durchfall, Übelkeit), asthmatische Beschwerden, Hautrötungen, Juckreiz, Herz- Kreislauf-Beschwerden (schneller Puls, Herzrhythmusstörungen, niederer Blutdruck, Bluthochdruck), Regelschmerzen, Antriebsschwäche, Konzentrationsmangel, neurologische Auffälligkeiten (bes. bei Kindern) etc.
Mögliche Ursachen für einen Histaminanstieg im Körper
Neben den Lebensmitteln mit hohem Histamingehalt (siehe Liste) gibt es noch weitere Ursachen für einen Histaminanstieg im Körper: 1. durch die Zufuhr von sog. Histaminliberatoren - das sind Substanzen, die im Körper unspezifisch Histamin freisetzen können, wie z. B. Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Tomaten, Meeresfrüchte, Ananas?, Kiwi?, Milch?, Nahrungsmittelzusatzstoffe wie Glutamat, Benzoate, Farbstoffe, Sulfite, Nitrite und weitere E-Stoffe, Helicobacter Pylori und Streß!
2. Nahrungsmittel mit hohem Gehalt anderer biogener Amine, wie z. B. Putrescin (Orangen, Tomaten), Cadaverin, Spermin und Spermidin (Weizenkeime), Tyramin und Phenylethylamin (Schokolade, Kakao), Serotonin und Dopamin (Ananas, Bananen, Walnüsse).
3. Medikamente, die die Histaminfreisetzung steigern: anti-inflammatorische Medikamente, wie z. B. ASS, Diclofenac, Indometacin, Naproxen etc. im Gegensatz zu den Medikamenten, die sich hemmend auf die Histaminfreisetzung auswirken, wie z. B. Ibuprofen, Fenbufen und Levamisol.
4. Medikamente, die das Enzym DAO blockieren: Über 90 Medikamentenwirkstoffe stehen im Verdacht, das Enzym Diaminoxidase (DAO) zu blockieren. Dazu zählen u. a. einige Schmerz- und Schlafmittel, Hustenlöser, Antirheumatika und Antibiotika, wie z. B. Isoptin, Paspertin, Novalgin, Buscopan comp., Rifoldin, Mucosolvan, Ambroxol, Pulmovent u. v. m.
5. Akute Magen-Darminfekte oder Durchfall können vorübergehend die Aktivität des Enzyms DAO mindern, was ebenfalls zur Unverträglichkeit von histaminreichen Lebensmitteln führen kann.
6. Ferner kann durch den Einsatz von Röntgenkontrastmitteln Histamin aus den körpereigenen Zellen freigesetzt werden.
Wir haben es bei diesem Krankheitsbild mit einem komplexen und multifaktoriellen Geschehen zu tun, von dem viele Menschen betroffen sind, ohne es zu wissen. Wieviel Prozent der Bevölkerung davon betroffen sind, ist nicht genau bekannt, bekannt ist nur, daß wesentlich mehr Frauen als Männer darunter leiden - die Erkrankung zeigt sich häufig um das 40. Lebensjahr herum. Bei besonders empfindlichen Menschen, die ähnlich wie bei einer Allergie bereits bei sehr geringen Mengen an Histamin ausgeprägte Reaktionen zeigen, kann es bei einer HIT bis hin zu schockartigen Erscheinungen und lebensbedrohlichen Situationen kommen.
Wer also nach Rotwein- und Käsegenuß am nächsten Morgen ausgeprägte Kopfschmerzen oder sogar Migräne entwickelt, sollte unbedingt an eine HIT denken, da diese Kombination am häufigsten migräneauslösend wirken kann. Alkohol und seine Abbauprodukte hemmen dann den Histaminabbau über das Enzym DAO. (Je hygienischer die Herstellung von Wein, Sekt und anderen alkoholischen Getränken, desto niedriger ist der Histamingehalt!) Weitere Tips für den Alltag
Generell gilt: Nahrungsmittel so frisch wie möglich verzehren und alles, was in den Kühlschrank zur Aufbewahrung gehört, möglichst schnell dort hinein bringen.
Histamin entsteht vor allem durch Einwirken von Mikroorganismen (Bakterien und Hefen) und wird weder durch Kochen oder Einfrieren zerstört. Auch einmal fertig zubereitete Speisen sollten nicht wieder aufgewärmt werden, da dabei die Bildung von Histamin gefördert wird. Die Rolle von Vitamin C, B - Vitaminen und Mineralstoffen
Vitamin C spielt eine Rolle in der Kontrolle des Histaminspiegels im Blut, da es das Histamin oxidativ im Körper abbaut. Eine unzureichende Vitamin C Versorgung erhöht den Histaminspiegel im Blut. Dieser wiederum verschlimmert Allergien, Asthma, Magengeschwüre und ganz bestimmte psychische Erkrankungen. Raucher sind aus diesem Grund besonders gefährdet, da die Gefahr einer Vit. C Unterversorgung sehr groß ist.
Außerdem muß auf eine ausreichende Zufuhr von Pyridoxin (Vit. B6) geachtet werden, da dieses Vitamin für die Bildung des Enzyms DAO benötigt wird. Vit. B6- haltig sind u. a. Bananen, Pellkartoffeln, Avocados, Vollkornprodukte. Besonders bei einer konventionellen Ernährung mit Weißmehlprodukten und Zucker ist auf eine ausgewogene Vitaminzufuhr von Vit. B3, B5, B6, B12 und Folsäure zu achten.
Antihistamin wirken auch Calcium, Magnesium und Zink. Bei allen Histamin-Patienten sollte die Optimierung dieser 3 Mineralstoffe Grundvoraussetzung sein. Auch der Kupferspiegel sollte in diesem Falle überprüft werden, da Kupfer (wie auch Zink) eine Schlüsselrolle für viele Enzymsysteme hat. Die spektrometrische Vollblutanalyse aus dem Labor Dr. Bayer in Stuttgart kann hierbei wertvolle Hilfe leisten.
Einseitige Ernährung bestimmter histaminreicher Nahrungsmittel, Übersäuerung des Organismus, schlechte allopathische Therapie, falsch indizierte Antibiotikagaben, Kontrazeptiva und Streß können somit an diesem Krankheitsbild direkt beteiligt sein und das Auftreten einer Histamin-Intoleranz begünstigen. Fazit
Eine qualifizierte Ernährungsberatung unter Ausschluß der o. g. Auslöser sollte der 1. Schritt bei einer Therapie sein, d.h. konkret: 1. Reduktion histaminreicher Lebensmittel sowie reduzierte Zufuhr von sog. Histaminliberatoren
2. Reduktion bzw. Meidung von Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt anderer biogener Amine
3. Reduktion von histaminfreisetzenden Medikamenten und von Medikamenten, die das Enzym DAO blockieren, und Substitution durch naturheilkundliche Alternativen
4. Optimierung des Wasser- und Salzhaushalts des Körpers (siehe Beitrag: Wasser das Antihistaminikum in der letzten CO`MED Ausgabe).
Eine 4-wöchige Histaminabstinenz hilft meist schon weiter. Verringern sich die Beschwerden, kann man davon ausgehen, daß eine Histaminintoleranz (HIT) vorliegt. Zur Sicherheit läßt sich das auch über einen Bluttest verifizieren.
Die jeweils verträglichen Mengen sind individuell und von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Durch eine gezielte Auswahl an „Lebens“mitteln (lt. Definition von Prof. Kollath) und so wenig wie möglich „Nahrungs“mitteln, die industriell sehr stark verarbeitet wurden und eine ausreichende Wasserzufuhr sollte es normalerweise möglich sein, ohne medikamentöse Unterstützung sog. Antihistaminika auszukommen oder zumindest diese nur in Ausnahmesituationen einzusetzen. Leider gibt es (noch) keine Deklarationspflicht für histaminhaltige Nahrungsmittel, was im Hinblick auf unsere europäischen Nachbarländer zu befürworten wäre. Literaturquellen:
Ibrahim Elmadfa / Claus Leitzmann - Ernährung des Menschen
Burgerstein - Handbuch NährstoffeW. Bayer / W. Gerz - Kupferstoffwechsel, Biomedizinische Bedeutung, Sonderdruck Naturarzt 01/06
R. Jarisch - Histamin-Intoleranz
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