28.11.2007: Hydro- und Balneotherapie, Geschichte und Entwicklung


Diagnostik und Therapie

Rolf Lindner, Heilpraktiker

 

Lange ist es her, da wurde mit Sebastian Kneipp der Siegeszug der Wasserheilkunde schlagartig um die Welt bekannt. Doch es gab schon weit vor Kneipp bedeutende Männer der Wasserheilkunde, so 470 - 370 v. C. Hippokrates, bekannt die illustrierte Handschrift von Hippokrates. Um 512 n. C. war es der Wiener „Codex Constantinopolitanus“; er gab ausführliche Berichte über Trink- und Schlammkuren. Weiter 865 - 925 Rases, ein arabischer Arzt, er hat eine ausgezeichnete Abhandlung über Mineralbäder und Trinkkuren geschrieben. Im Mittelalter 1493 – 1541 war es Theophrastus Bombastus von Hohenheim, Paracelsus. Seine Hauptheilmittel waren Heilpflanzen und Mineralien. Er schrieb über seine besonderen Erfahrungen mit Heilquellen. Besonders zu erwähnen 1664 - 1742 Siegmund Hahn und Sohn Johann Siegmund, als „Die Wasserhähne“ bekannt. Sie sind 1696 - 1773 wohl als weitere Wasserpioniere zu benennen. Christian Wilhelm Hufeland, 1762 - 1836, schrieb immer wieder: „Die natürlichen Reize des Lichtes, der Luft, der Wärme und des Wassers haben einen wohltuenden Einfluß auf die Lebenskraft“. Per Henrik Ling, 1776 - 1839, ist es zu verdanken, daß Massage und Gymnastik in die heiltherapeutischen Maßnahmen eingegangen sind. Wer kennt nicht Johann Schroth, 1798 - 1856, die Schroth-Kur ist tagestherapeutisch eingeteilt: montags Trockentag, dienstags kleiner Trinktag, mittwochs wie Montag, donnerstags großer Trinktag, freitags wie montags und mittwochs, sonntags wie dienstags, sonntags wie donnerstags.


Hydro- und Thermotherapien sind als Maßnahmen wohl so alt wie die Heilkunst selbst. Dazu dient immer Wasser in verschiedenen Aggregatzuständen. Wasser kann als Eis oder Dampf, kalt oder heiß eingesetzt werden. Die Wirkung der hydrotherapeutischen Reize hängt von der Stärke der Applikation und der Konstitution des Patienten ab. Die kleine Hydrotherapie ist festgelegt als milde Anwendung in Waschungen, Abreibungen, Trockenbürstungen. Folgend die ansteigenden Teilbäder wie Fuß- und Armbad, Güsse nach Kneipp und Wickel. Letztlich die feuchte Wärme durch Auflagen wie Heublumensack, Fangopackungen und dergleichen. Mittlere Reize werden erreicht durch ansteigende Bäder, Schöpfbäder, warme Zusatzbäder, das kalte Reibesitzbad, wechselwarme Sitzbäder, Rumpfwickel und Dreiviertelpackungen, Sitzdampfbäder und Sauna. Zur Erreichung starker Reize werden Überwärmungsbäder, das russisch-römische Dampfbad, ein subaquales Darmbad, kalter oder heißer Blitzguß und lang angelegte Dreiviertelpackungen angewendet. Einflüsse auf die Reizstärke haben die Temperaturen und die Therapieserie.


In der Wirkung ist die Hydrotherapie auf den Wärmehaushalt des Körpers, das Nervensystem, die inneren Sekretion, den Stoffwechsel insgesamt, auf Kreislauf und Atmung, die Hautfunktion und den Hautturgor, gegeben.


Balneologie ist als kurörtliche Behandlung ebenfalls eine der ältesten therapeutischen Verfahren. Die Balneotherapie kennt die Anwendung ortsge- bundener Heilmittel, zum Beispiel in Kurorten. Dann die Klimakuren mit den vier Reizstufeneinteilungen. Brunnen und Quellen werden genutzt, Badekuren angewendet, Inhalationstherapie durchgeführt. Zu den nicht ortsgebundenen Einflüssen gehören die vom Ort unabhängigen Therapieformen. Zu benennen sind z.B. diätetische Maßnahmen, die Kneipptherapie, Milieuwechsel. In der Balneotherapie werden die Wirkstoffe in den Bädern als therapeutische Anwendung genutzt. Dazu gehören Trink- und Inhalationskuren ebenso wie Peloide, Liege- und Bewegungskuren unter Ausnutzung klimatischer Faktoren. Pflanzliche Zusatzstoffe können als Beigabe zu den Bädern eine heilende Wirkung auf den Organismus ausüben. Sie gehören zu den medizinischen Bädern. Diagnostisch zu benennende Sparten sind in der Balneologie das Rheumabad, Herzbad, Nierenbad, Leber- und Gallenbad, Bad für Frauenleiden und viele mehr. Dazu die Mineral- und Gasbäder, Seebäder und heilklimatische Bäder. Vor allem sind es Schwefelbäder (Dr. Klopfer Protina), die bei der zu unterstützenden Behandlung rheumatischer Erkrankungen den Vorrang finden. Rheumabad von Leukona, vor allem das Jod-Bad bei entsprechender Schilddrüsenfehlfunktion (Dr. Atzinger) sind in der balneotherapeutischen Zusatzbehandlung bewährt. Kneipp’sche Bäderzusätze, z.B. Baldrianbad als Sedativbad (Kneipp Werke) wirkt bei vegetativen Störungen. Kohlensäurebad (Bastian) bei Hypertonie, medizinische Ölbäder (Conzen) oder Ölbad Cordes (Ichthyol) bei Hauterkrankungen. Kamillenbad (Ritsert) bei Wunden, als Sitzbad, bei entsprechenden Hauterkrankungen im Einsatz. Fangopackungen von Eifelfango und Kytta Thermopack (Merck Selbstmedikation) sind in der Balneotherapie bewährte Anwendungen als Auflagen und Packungen. Besondere Beachtung sollte die Inhalationstherapie finden. Entscheidend ist für die Wirkung, welche Bereiche der Atmungswege erreicht werden sollen. Dementsprechend müssen die Aerosole abgestimmt sein. Meist erreichen normale Aerosole mit einer Partikelgröße von dreißig Mikron neben dem Hauptbronchus lediglich die Bronchien erster Ordnung. Das ist bei einigen bronchialen Erkrankungen zu wenig und muß durch den Einsatz entsprechender Vernebelungsgeräte die eine in der Partikelgröße unter zehn Mikron erreichen.

 


 
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