26.10.2009: Myrtus communis (Echte Myrte)


Heike Lück-Knobloch, Heilpraktikerin

Weitere Namen: Brautmyrte, Romanische Myrte;

Myrtus communis gehört zur Familie der Myrtaceae (Myrtengewächse). Der Gattungsname „Myrtus“ stammt von dem griechischen Wort „myron“ (wohlriechender Saft, Balsam) ab und geht auf den Duft der Droge zurück. Der lateinische Zusatz „communis“ steht für „gewöhnlich“, wobei die typische Art gemeint ist. Man findet die Charakter- pflanze der Macchien sowohl im Mittelmeergebiet als auch in Südasien.

Laut einer altarabischen Überlieferung  hat Adam einen Myrtensproß aus dem Garten Eden als Erinnerung an das paradiesische Glück mitgenommen. Die Myrte ist eine alte Kulturpflanze, die von den Griechen rituell verwendet wurde und als Symbol der Reinheit, Jungfräulichkeit, Jugend und Schönheit gilt. Deshalb wird sie einem alten Brauch nach, auch gerne für Brautkränze und Kränzchen zur Erstkommunion genutzt. Sie war der Aphrodite von Paphos geweiht. Die Göttin der Schönheit und der Liebe soll dort aus dem Meer gekommen sein und ihren nackten Körper hinter einem Myrtenstrauch verhüllt haben. Die Kultur der Topfpflanze „Königsberger Brautmyrte“ ist mit dem Aberglauben vergesellschaftet, daß ein Verdorren der Pflanze einen Todesfall zur Folge hat.

Botanik
Die Myrte ist ein immergrüner, meist bis 3 Meter hoher Strauch, seltener ein kleiner, maximal 5 Meter hoher Baum. Durch eingesenkte Drüsen ist es ein in allen Teilen wohlriechendes Gewächs mit dunkelgrünen, glänzenden, lederartigen, durchscheinend drüsig punktierten, wie durchlöchert aussehenden Blättern. Die Blüten sind weiß, haben zahlreiche Staubblätter und erscheinen von Juli bis August. Die Früchte sind  8-10 mm große, bläulich-schwarze, beerenartige Scheinfrüchte mit würzig-süßem Geschmack. Die Ausbreitung der Pflanze erfolgt über Vögel, die die Beeren fressen. Aus dem Fruchtsaft kann vergoren ein Getränk hergestellt werden. Dioskurides empfahl die blauschwarzen  Früchte bei Erkrankungen der Blase und gegen den Biß giftiger Spinnen und Skorpione. Den eingekochten Saft, vermischt mit Wein, verordnete er gegen Darmkatarrh. Das Holz wird gerne für Schnitzereien verwendet und liefert eine ausgezeichnete Holzkohle.

Myrtenblätter (Folium myrti)
Die getrockneten Blätter enthalten: ätherisches Öl (0,3 bis 0,5 %) mit 1,8-Cineol (12 – 45 %), a-Pinen (15 – 38 %), Myrtenol, Myrtenylacetat (4 – 20 %), Camphen, Nerol, Geraniol und Dipenten. Sie sind außerdem reich an Gerbstoffen (Gallotannine (8 %) und kondensierten Tannine (14 %)); desweiteren finden sich ein Bitterstoff und Phloroglucinderivate: Myrtucommulon A, Myrtucommulon B;

Pharmakologie
Wäßrige Extrakte der Blätter entfalten gute antibiotische Effekte gegenüber Pseudomonas aeruginosa und anderen Bakterienstämmen, die sich besonders häufig auf Brandwunden niederlassen (Al-Saimary et al. 2002). In einer anderen Untersuchung wirkte Myrtucommulon A gegen Antibiotika-resistente Keime (Appendino et al. 2002). Eher geringe antiinflammatorische Eigenschaften zeigten sich im Rattenpfotenödem-Test (Al-Hindawi et al. 1989), während ein anti-hyperglykämischer Effekt eines wäßrig-ethanolischen Extraktes von Myrtus communis an Streptozotocin-induziertem Diabetes bei Mäusen demonstriert werden konnte (Elfellah et al. 1984).

Anwendungsgebiete
Der medizinische Gebrauch der Droge wird bereits in den hippokratischen Schriften erwähnt.

Volksmedizin: innerlich bei Diarrhö, Hämorrhoiden, Prostatitis, Bronchitis, Sinusitis, Tuberkulose und Schnupfen.

Äußerlich bei Gehörgangsentzündung, Müdigkeit und Leukorrhoe.

Dosierung: Innerlich: Aufguß: 15 – 30 g Droge/Wasser, 3 Tassen am Tag;

Myrtenöl
Das ätherische Öl wird aus den Blättern und Zweigen von Myrtus communis gewonnen, und zwar hauptsächlich in Marokko, Tunesien, im Libanon, dem ehemaligen Jugoslawien und auf Korsika.

Aus den leicht angetrockneten Blättern, Blüten und Zweigen wird der besonders für Kinder geeignete Chemotyp „Myrtenylacetat“ destilliert, erkennbar an der meist rötlich-braunen Farbe. In der Türkei werden die frischen Zweige verarbeitet, deshalb weist der Chemotyp „Cineol“ einen höheren Anteil an 1,8-Cineol (Eucalyptol) auf, identifizierbar auch an der vorwiegend grünlichen Farbe. Die aus den Anden (Peru) kommende Myrte besitzt im Gegensatz zu den anderen Myrtenölen einen hohen Anteil an Monoterpenen, einen geringen Oxidgehalt und keine Ester. Sie duftet süß, ähnlich wie „Gummibärchen“.

Myrtenöl wird als Aromastoff für Lebensmittel und von der Parfumindustrie genutzt. Es ist Bestandteil von Eau d’Anges (Engelswasser), dem geheimnisvolle Kräfte zugeschrieben werden und das in Frankreich häufig gebraucht wird, um vergehender Schönheit vorzubeugen.

Inhaltsstoffe:  Hauptkomponenten: 1,8-Cineol (15 bis 45 %), a-Pinen (15 bis 38 %), Myrtenol (1 bis 5 %), Myrtenylacetat (4 bis 20 %), Linalool (2 bis 19 %), Limonen (4 bis 10 %), a-Terpineol (2 bis 12 %), Geraniol (0,5 bis 1,5 %), Geranylacetat (1 bis 5 %).

Pharmakologie
Das mono- und sesquiterpenhaltige ätherische Öl wirkt antibakteriell, fungizid sowie gegen Ektoparasiten (Läuse, Flöhe), außerdem spasmolytisch, desinfizierend, sekretolytisch, auswurffördernd, lymphentstauend und stimmungsaufhellend.

Nach der Einnahme von Myrtenöl riecht der Harn nach Veilchen.

Anwendungsgebiete
Volksmedizin: akute und chronische Erkrankungen der Atemwege (z.B. Bronchitis, Pertussis, Lungentuberkulose); Durchfall, Helminthiasis und Erkrankungen der Harnwege.

Externer Gebrauch des Öls bei Wunden, Akne, Hämorrhoiden und Zahnfleischentzündungen.

Dosierung: Einzeldosis zur Einnahme 0,2 g.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen
In seltenen Fällen kommt es bei innerlicher Anwendung des Myrtenöls zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen. Bei entzündlichen Erkrankungen im Gastrointestinaltrakt und der Gallenwege sowie bei schweren Hepatopathien sollte auf eine Einnahme verzichtet werden.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind Öl-Zubereitungen im Gesicht kontraindiziert: Glottiskrampf oder Bronchospasmus bis hin zu asthmaähnlichen Anfällen oder Atemstillstand möglich!

Bei Überdosierung des Öls (mehr als 10 g) ist aufgrund des hohen Cineolgehaltes das Risiko von lebensgefährlichen Intoxikationen gegeben, die sich durch Symptome wie Blutdrucksenkung, Kreislaufstörungen, Kollaps und Atemlähmung äußern können.

Myrtol
Myrtol ist eine zwischen 160 und 180°C siedende Fraktion des Myrtenöls, Hauptkomponenten sind 1,8-Cineol und a-Pinen. Das Antiseptikum wird hauptsächlich als Expektorans bei Bronchitis verordnet. Es erweitert die Bronchien und erhöht die ziliäre Schlagfrequenz. Im Gegensatz zu ACC wirkt Myrtol standardisiert nicht zilientoxisch. Zudem hat es nachweislich eine abschwellende Wirkung auf die Nasenschleimhaut sowie sekretolytische, antientzündliche, antioxidative und antibakterielle Eigenschaften. Es hemmt u.a. Streptococcus pneumoniae und Hämophilus influenzae, die häufigsten Erreger präklinisch erworbener Sinusitiden.

Klinisch belegte Anwendungsgebiete: akute und chronische Sinusitis, akute und chronische Bronchitis.

Myrtenöl in der Aromatherapie (www.aromainfo.at/tipp_05.htm)
Auf Geist und Seele wirkt Myrtenöl reinigend und klärend, weshalb es sich gut in Grenzsituationen des Lebens anbietet. Auch bei eingeschränkter Sichtweise, zu starker Verhaftung an materiellen Dingen oder an der Vergangenheit sowie bei selbstzerstörerischen Verhalten (z. B. Süchten) kann Myrtenöl nützlich sein.

Indikationen: Unausgeglichenheit: Stärkung und zugleich Entspannung des Nervensystems, Hautpflege: es verbessert den Hautstoffwechsel, Atemwegs-, Harnwegsinfektionen, Hämorrhoiden, Pollinosis/Allergien;

Anwendungsmöglichkeiten:
Raumbeduftung

Zur Reinigung der Raumluft (bzw. Atmosphäre) oder zur Linderung bei Erkältungskrankheiten: 1 Tropfen Myrte, 3 Tropfen Zitrone, Limette oder Grapefruit.

„Reinigungs“-Bad
(zur Entgiftung und mentalen „Reinigung“)

1 Tropfen Myrte, 3 Tropfen Limette, 1 Tropfen Zypresse, 1 Tropfen Wacholderbeere, 1 Tropfen Weihrauch in 1/8 Liter Milch oder 1 EL Mandelöl mischen.

Erkältungsbad für Kinder
1 Tropfen Myrte, 1 Tropfen Lavendel, 1 Tropfen Thymian ct. Linalool, 2 Tropfen Mandarine in 1/8 Liter Milch oder 1 EL Mandelöl mischen.

Reinigungsmilch (Gesicht)
1 TL Buttermilch mit 1 Tropfen Myrte verrühren.

Heuschnupfen
1 Tropfen Myrtenöl bei akutem Niesreiz in den Handflächen verreiben und eine Trockeninhalation durchführen.

Körperöl
„Loslassen und Stärken“

2 Tropfen Myrte, 2 Tropfen Muskatellersalbei, 2 Tropfen Tuberose, 1 Tropfen Vetiver, 6 Tropfen Limette (oder Mandarine) mit 10 ml Jojobaöl mischen; 2 x täglich das Herzchakra damit einreiben.

Myrtucommulon
Die Myrte, die seit Jahrtausenden als Gewürz und zur Herstellung von Likören genutzt wird, enthält 0,12 % Myrtucommulon in getrockneten Blättern, wobei die Substanz bisher nur in Myrtus communis nachgewiesen wurde. Die lipophile Säure zeigte in zellulären Experimenten potente antiphlogistische Wirkungen und inhibierte unter anderem die 5-Lipoxygenase, ein Schlüsselenzym der Leukotriensynthese. Außerdem hemmte Myrtucommulon proinflammatorische Eigenschaften von Leukozyten. Neben den oben genannten pharmakologischen Wirkungen wurden für Myrte bzw. deren charakteristische Inhaltsstoffe übrigens auch analgetische Effekte nachgewiesen.

Die vorliegende Erfindung betrifft Zubereitungen aus Myrte, ihren Inhaltsstoffen und/oder deren Derivate, insbesondere Myrtucommulon, die Bereit- stellung dieser Zubereitungen für die Therapie von onkologischen Erkrankungen sowie das dazugehörige Verfahren. Myrtucommulon wirkt selektiv über die Apoptose auf maligne Zellen und ist für gesunde Zellen kaum toxisch. Bei der Herstellung der Zubereitung können Extrakte aus der Pflanze Myrtus communis oder reines Myrtucommulon verwendet werden, wobei dieses entweder aus der Heilpflanze extrahiert oder künstlich synthetisiert werden kann. Die Verwendung von Myrtucommulon-Derivaten ist ebenfalls ein Teil der Erfindung.

In einer Ausführung der Erfindung werden Extrakte aus den ganzen Myrtengewächsen oder Teilen davon genutzt, wobei vor allem frische oder getrocknete Blätter die höchste Konzentration der Substanz aufweisen. Lipophile Extrakte, z. B. auf der Basis von Chloroform, Aceton o.ä. enthalten wesentlich mehr Myrtucommulon als nicht-lipophile Extrakte (z.B. Extrakte in Wasser oder Ethanol).

Die Zubereitungen aus Myrte, ihren Inhaltsstoffen und/oder deren Derivaten oder diese enthaltenden pharmazeutischen Zusammensetzungen zur Therapie von Krebserkrankungen können oral oder parenteral gegeben werden. Sie sollen die Nebenwirkungen nach Strahlen- und Chemotherapie verringern oder ganz verhindern. Der intrinsische Weg der Apoptoseinduktion vollzieht sich mit Hilfe der Mitochondrien, die Cytochrom C freisetzen, welches zur Aktivierung der Caspase-9 führt. Caspasen sind wichtige Signal- und Effektorproteasen, die für die Einleitung des programmierten Zelltods unerläßlich sind.

Die Cytochrom C-Freisetzung als Zwischenschaltstelle wird jedoch nicht von allen Zytostatika angekurbelt, wohl aber von Myrtucommulon. Daher ist vor allem die Kombination von Myrtucommulon mit einem Zytostatikum sinnvoll, welches nicht über Cytochrom C wirkt oder auch mit Substanzen, die nur die Zellproliferation stören, wie z. B. Rezeptortyrosinkinase-Inhibitoren (Imatinib), Metalloprotease-Inhibitoren, Sexualhor- mon-Therapeutika, Zytokine und Antitumor T-Zellen.

Homöopathie
Zur Herstellung des homöopathischen Mittels werden die frischen, blühenden Zweige von Myrtus communis verarbeitet.

Indikationen: Erkrankungen der unteren Atemwege (Bronchitis), der Nieren und ableitenden Harnwege (Zystitis, Pyelitis); Brustschmerzen, wie bei Lungentuberkulose; stechende Schmerzen in der linken Brust, die bis zum Schulterblatt ziehen; Empfindung von Brennen in der linken Brust.

Trockener, hohler Husten, mit Kitzeln in der Brust. Verschlechterung morgens.
Tuberkulose im Anfangsstadium. Myrtus communis gilt als Nervensedativum und Stimulans für die Schleimhäute.

Dosierung: Dritte Potenz.

Empfehlenswerte Präparate
Ätherische Öle der Firmen Bombastus, Wada sowie:

Myrte Anden bio und Myrte türkisch bio, Fa. Primavera; Kopf-Herz-Note: anregend und gleichzeitig emotional ausgleichend;

Pflügerplex Myrtus 319 H Tabletten, Fa. Pflüger (enthält u.a. Myrtus communis D3).

Literatur
www.awl.ch/heilpflanzen/myrtus_communis/index.htm;

www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/ dok/2006/2006-4/32 –38-Wie-sekundaere-Pflanzeninhaltsstoffe;

www.patent-de.com/20071108/ DE102006021154A1.html;

Prof. Dr. Ruprecht Düll und Irene Düll, Taschenlexikon der Mittelmeerflora, Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim, 1. Auflage 2007;

Christof Jänicke, Dr. Jörg Grünwald, Thomas Brendler, alle Berlin, Handbuch Phytotherapie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2003;

Prof. Dr. Hans Behrbohm, Die chronische Rhinosinusitis: sekretolytische, antientzündliche, antibakterielle und antioxidative Wirkung standardisierten Myrtols, Report Naturheilkunde Nr. 1/2008;

William Boericke, Handbuch der homöopathischen Materia medica, Haug Verlag, 1994

 
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