25.06.2008: Krank durch Parodontitis


Der Fachzahnarzt für Parodontologie über krankes Zahnfleisch

Dr. Rainer Buchmann, Facharzt für Parodontologie

Der Mund liegt nicht abseits vom Körper! Als Hauptrisikofaktor für die Parodontitis gilt das Rauchen. Die Ergebnisse von Parodontalbehandlungen sind bei Rauchern weniger gut. Erfolglose Behandlungen und Rezidive findet man zu 90 % bei rauchenden Patienten. Als Ursache kommen die Nikotineinwirkung auf Abwehrzellen und die verschlechterte Durchblutung des Zahnfleisches in Betracht. Parodontalerkrankungen bei bestehendem Diabetes verlaufen nicht nach dem üblichen Muster. Häufig sind der Schweregrad der Entzündung und das Ausmaß des Knochenschadens unverhältnismäßig groß und ausgedehnt. Patienten, bei denen nach einer Transplantation durch Medikamente die Immunabwehr herabgesetzt ist, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Parodontitis. Andauernde Streßbelastungen verändern die Durchblutung und vermindern über die Gefäße die Abwehrkraft des Zahnfleisches.

Keine andere Erkrankung im Mund hat so weitreichende Fernwirkungen auf den Körper wie die Parodontitis. Bei schweren Entzündungen werden aus dem Mund über die Zahnfleischtaschen ständig hochaktive Bakterien in das strömende Blut ausgeschwemmt. Ihre Stoffwechselprodukte gelangen bei Schwangeren in die Plazenta und behindern die Entwicklung des Fötus. Schwangerschaftskomplikationen bis hin zur Fehlgeburt können die Folge sein. Neugeborene, deren Mütter an einer schweren Parodontitis erkrankt waren, haben häufig ein geringeres Gewicht. Schwangere Parodontitispatienten haben ein 3-fach größeres Risiko einer Frühgeburt mit verringertem Geburtsgewicht des Babys.

Bei starker Parodontitis und ausgeprägter Entzündung verändert sich die Blutgerinnung. Daher besteht ein erhöhtes Thromboserisiko, ein größeres Risiko für koronare Herzerkrankungen, für thromboembolische Komplikationen und sogar für den Schlaganfall. Das Apoplexrisiko ist bei bestehender Parodontitis bis zu 25 % erhöht. Für Männer unter 60 stellt die Parodontitis einen größeren Risikofaktor für kardiovaskuläre Komplikationen dar als ein erhöhter Blutdruck. Patienten mit Schädigungen des Herzmuskels, Herzklappenveränderungen und nach Versorgung mit Knie- und Hüftendoprothesen müssen besonders geschützt werden.

Schon heute ist bekannt, daß die Erfolgsaussichten bei der Behandlung schwerer Parodontalerkrankungen durch zusätzliche Streßkontrolle und Senkung der Blutfette verbessert werden. Bei Diabetikern führt die Behandlung des kranken Zahnfleisches zu einer Entlastung des geschädigten Zahnhalteapparates.

Damit sich eine Parodontitis entwickelt, sind Bakterien aus dem Zahnbelag erforderlich. Ein sauberer Zahn wird nicht krank. Wie bei allen anderen Allgemeinerkrankungen werden der Verlauf und besonders die schweren Formen der Parodontalerkrankung durch die eigene Konstitution, durch Medikamente, hormonelle Störungen, Blutbildveränderungen oder Überlastungen durch einen falschen Biß mitbestimmt. All diese genannten Faktoren verändern die Geweberesistenz und beeinflussen die Anfälligkeit gegenüber Schadstoffen sowie auch die Regenerationskraft des Zahnfleisches. Neben einer guten Mundhygiene und regelmäßigen Teilnahme an Prophylaxeprogrammen sind Information und Aufklärung durch die Medien, das Internet und Ihren Zahnarzt wichtig. Die frühzeitige Vermeidung chronischer Erkrankungen, eine präventionsorientierte Lebensführung und Stärkung der eigenen Konstitution sind die wichtigsten Bausteine für eine erfolgreiche Parodontalbehandlung.

Parodontalbehandlungen müssen nicht wehtun. Durch spezielle zahnwurzelschonende Reinigungssysteme verkürzt sich die Behandlungsdauer auf wenige Stunden. Neue Entwicklungen zur Taschendesinfektion und Regeneration von Zahnfleisch und Kieferknochen eröffnen je nach Ausgangsbefund und Patientenwunsch eine Vielzahl von Möglichkeiten, auch schwere Formen des Knochenabbaus erfolgreich zu behandeln. Damit es gar nicht erst dazu kommt, sollte man sich nur an einen qualifizierten Fachzahnarzt wenden, der mit ausreichend Zeit in Untersuchung und Beratung auch einen allgemeinmedizinischen Check-Up und Vorsorgebehandlungen durchführt.

Die moderne Parodontalbehandlung ist wenig belastend. Spezialisten arbeiten mit Lupenbrillen oder Mikroskop, und ergänzen bei schweren Zahnbetterkrankungen die Behandlung durch den Einsatz von Antibiotika. Spezielle Reinigungssysteme erhöhen den Behandlungskomfort und verkürzen die Behandlungszeiten. Man sollte stets danach fragen! Häufig ist damit die aktive Behandlung abgeschlossen, und die Nachsorge durch regelmäßige Zahnreinigungen (Recall) kann beginnen. Anfänglich tiefe Zahnfleischtaschen weisen auf einen Knochenschaden hin. Ist noch ausreichend Zahnfleisch vorhanden, kann der Schaden durch einen chirurgischen Spezialeingriff beseitigt werden, indem der Zahnarzt Knochenmaterial transplantiert oder Knochenersatz in die Zahnfleischtasche einbringt. Die richtigen Ansprechpartner dafür sind Fachzahnärzte und Spezialisten für Parodontologie.


 
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