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Elvira Bosse, Ernährungsberaterin Synonyme: Obesitas, Obesity, Fettleibigkeit, Fettsucht, krankhaftes Übergewicht
Übergewicht ist längst nicht mehr das Phänomen der Erwachsenen – immer mehr Kinder und Jugendliche sind übergewichtig und sogar „fett“. Medien sprechen von einer XXL-Generation. In Deutschland sind jeder 3. Jugendliche und jedes 5. Kind übergewichtig oder gar adipös (krankhaft übergewichtig). Die Zahl der „dicken Schulanfänger“ ist lt. Untersuchen doppelt so hoch wie noch vor 20 Jahren, bei den Zehnjährigen vierfach höher - Tendenz steigend. Die Ursachen für die Adipositas sind vielfältig und müssen im Einzelfall abgeklärt werden.
Wichtig ist das Gespräch mit den Eltern, um möglichst genaue Informationen über das Umfeld, das soziale Verhalten und das Eßverhalten der Kinder und Jugendlichen zu erhalten.
Häufige Ursachen für eine Gewichtszunahme - unregelmäßiges Essen keine festen Essenszeiten, dadurch wird zwischendurch auf Snacks zurückgegriffen, meist sind es Süßigkeiten, Fastfood und/oder Junkfood. - unausgewogene Ernährung vorwiegend zu fettes ballaststoffarmes Essen, Süßigkeiten und dazu stark zuckerhaltige Getränke.
- mangelnde körperliche Bewegung mit dem Auto oder mit anderen Verkehrsmitteln zum Kindergarten, in die Schule und im Kindergarten und in der Schule wird vorwiegend sitzende Tätigkeit. Fernseher und Computer tun ihr übriges.
- genetische Faktoren lt. wissenschaftlichen Studien und aus der Zwillingsforschung geht man davon aus, daß der Anteil der genetischen Veranlagung zwischen 50 und 70 % liegt.
- soziokulturelle Hintergründe niedriger Sozialstatus und niederer Bildungsgrad der Eltern, berufliche Situation und Stellung der Eltern, adipöse Eltern, sozial schwaches Umfeld, Einwandererfamilien
- psychische Faktoren Angst, Streß, Depressionen, Aggressionen, gestörtes Sozialverhalten
- Hypothyreose
- Obstipation durch ballaststoffarmes Essen, zu wenig Bewegung, zu wenig Flüssigkeit
Sehr selten sind angeborene Erkrankungen: - Cushing-Syndrom - Wilson-Turner-Syndrom - Prader-Willi-Syndrom - Badet-Biedl-Syndrom - Cohen Syndrom - Borjeson-Forssman-Lehmann-Syndrom - Leptinmangel - Appetitanregung als Nebenwirkung von Medikamenten wie z. B. Glukokortikoide, Antidiabetika, Antidepressiva oder Neuroleptika
Feststellung von Übergewicht oder Adipositas bei Kindern und Jugendlichen: Die Feststellung von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter wird anhand von BMI-Perzentilen vorgenommen. Es sind Referenztabellen, die von Gesundheitsorganisationen (WHO) anhand von alters- und geschlechtsspezifische Daten entwickelt wurden.
Kurzform zur Auswertung der BMI-Perzentilen bei Kindern und Jugendlichen: BMI-Werte bei Erwachsenen: Normalgewicht 18.5 - 24.9 Übergewicht 25.0 - 29.9 Adipositas Grad I 30.0 - 34.9 Adipositas (Grad II) >35.0 Adipositas (Grad III) ab 40.0 BMI-Perzentilen für Kinder: Normalgewicht p10 - p90 Übergewicht p90 - p97 Adipositas Grad I >p97 Adipositas (Grad II) p97 - p99,5 Adipostias (Grad III) >99,5 (Tabellen, die genaue Werte zu männl. oder weibl. Kindern und Jugendlichen beinhalten s.z.B. unter www.adipositasgesellschaft.de, www.aid.de) Gewichts- und Größentabelle (Durchschnittswerte) Altersklasse 1-14 Jahre Mädchen Knaben Alter Größe in cm Referenzgewicht in kg Größe in cm Referenzgewicht in kg (Normalbereich) (Normalbereich) 1 75 +/-6 9,3 (7,4–11,2) 77 +/-6 10,3 (8,2–12,4) 2 87 +/-7 12,2 (9,8–14,6) 89 +/-6 12,8 (10,2–15,4) 3 96 +/-7 14,5 (11,6–17,4) 97 +/-7 14,9 (11,9–17,9) 4 103 +/-8 16,6 (13,3–19,9) 104 +/-8 16,8 (13,4–20,2) 5 111 +/-9 19,0 (15,2–22,8) 111 +/-8 19,1 (15,3–22,9) 6 117 +/-9 21,0 (16,8–25,2) 117 +/-9 21,1 (17,0–25,4) 7 122 +/-9 23,3 (18,6–28,0) 124 +/-10 24,0 (19,2–28,8) 8 129 +/-10 26,8 (21,4–32,2) 130 +/-10 26,9 (21,5–32,3) 9 135 +/-10 29,8 (23,8–35,8) 135 +/-11 29,6 (23,7–35,5) 10 142 +/-11 34,5 (27,6–41,4) 141 +/-12 33,5 (26,8–40,2) 11 148 +/-12 38,8 (31,0–46,6) 147 +/-13 37,1 (29,7–44,5) 12 154 +/-14 43,7 (35,0–52,4) 156 +/-14 45,1 (36,1–54,1) 13 158 +/-13 46,3 (37,0–55,6) 161 +/-16 50,5 (40,4–60,6) 14 165 +/-11 54,3 (43,4–65,2) 168 +/-17 53,5 (47,4–71,2) Quelle: Reinken L.; Stolley H.; Droese W. (1980): Monatsschr. Kinderheilkunde 128:662-667.
Die Auswirkungen von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter sind ebenso bedrohlich und schwerwiegend wie bei Erwachsenen. - Die Schäden beginnen nur früher und wirken sich negativ auf die normale Entwicklung des Kindes aus. Es kann zu folgenden evtl. irreparabelen Gesundheitsstörungen kommen:
- Diabetes mellitus Typ II - Metabolisches Syndrom - Hyperlipidämie - Hypertonie - Eisenmangelanämie - Herz-Kreislauferkrankungen - psychische Probleme - Störungen im Hormonhaushalt - Überlastungserscheinungen der Gelenke und des Skeletts - Haltungsfehler - Eßstörungen Richtwerte zur orientierenden Beurteilung von Lipidbefunden bei Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahren
Alter Cholesterin LDL-Chol. HDL-Chol. Triglyceride (mg/dl) (mg/dl) (mg/dl) (mg/dl) 1-3 <140 <90 ≥35 <100 4-7 <150 <100 ≥40 <110 8-15 <160 <110 ≥40 <110 16-19 <170 <110 ≥40 <120 Erwachsene <200 <130 ≥40 <150 (Leitlinien unter www.aps-med.de)
Vorschläge zur Prävention der Adipositas:
- Wahrnehmung des kindlichen Eßverhaltens welcher Übergewichtstyp ist das Kind: Big-Eater – Sweet-Eater – Fat-Eater – Snack-Eater – Nightly-Eater – Binge-Eater - Einhaltung von bestimmten Essenszeiten - regelmäßige Mahlzeiten - Frühstück niemals ausfallen lassen - Mahlzeiten gemeinsam mit den Kindern einnehmen - auf bewußte Nahrungsaufnahme beim Kind achten - dem Kind Vorbild sein durch eigenes Eßverhalten - das Kind nicht mit Essen belohnen (Süßigkeiten) - gesunde und ausgewogene Ernährung - Süßigkeiten, Cola, Chips usw. nur in kleinsten Mengen - regelmäßige Bewegung wie z. B. in den Kindergarten oder in die Schule laufen - für genügend Entspannung sorgen – Streß vermeiden
Vorschläge zur Gewichtsreduktion: - Änderung des Eßverhaltens - Mischkost: fettmoderat, stärkebetont, faserstoffreich - Süßigkeiten: wegen des hohen Fettanteils möglichst keine Backwaren und Schokolade - regelmäßig trinken: Wasser pur oder gemischt mit Säften, Früchte- oder Kräutertees, die füllen den Magen - für zwischendurch, um „Heißhunger“ zu vermeiden, Obst, Yoghurt, Salzstangen, Müsli - regelmäßige körperliche Aktivitäten: möglichst 3 Mal die Woche 30 Minuten, denn „jeder Gang macht schlank“
Wichtig: Sich mit dem Kind über einen Abnehmerfolg, und sei er noch so klein, freuen.
Fakt ist: Ist die Energieaufnahme in Form von Nahrung höher als der Körper an Energie verbraucht, kommt es zur Gewichtszunahme. Energieaufnahme im Vergleich zum Energieverbrauch Wie lange muß ich mich körperlich betätigen, um ca. 500-550 kcal zu verbrennen?
Inlineskating 35 Min. Seilspringen (mittlere Intensität) 44 Min. Fahrradfahren (mittlere Intensität) 55 Min. Langlaufen (mäßige Intensität) 55 Min. Jogging allgemein 1 Std. 4 Min. Skifahren 1 Std. 4 Min. mit Hund spazieren gehen 2 Std. 27 Min. Schlafen 8 Std. 9 Min. (Teilansicht einer Tabelle: Nutritional Consulting Mannhart)
Bei stark übergewichtigen Kindern können zur unterstützenden Therapie pflanzliche Arznei- oder Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden:
Pflanzliche Präparate, die sich positiv auf die Verdauung und den Lipidstoffwechsel auswirken: Knoblauch (Allium sativum L.) im Handel erhältlich als Dragees und überzogene Tabletten
Artischocke (Cynara scolymus) im Handel erhältlich als Liquidum, Dragees, Kapseln und Tabletten
Fischöl im Handel erhältlich als Kapseln
Flohsamenschale (Psyllii semen) im Handel erhältlich als Pulver und Granulat
Sojabohnen (Glycine max) im Handel erhältlich als Kapseln
Mate (Ilex paraguariensis St.-Hil.) im Handel erhältlich als Tee, Tropfen und Kapseln
Topinambur (Helianthus tuberosus) im Handel erhältlich als Trinkpulver, Pulver, Kautabletten
Madar (Calotropis gigantea) im Handel erhältlich als Pulver, flüssige Verdünnung und Tabletten
Blasentang (Fucus vesiculosus) im Handel erhältlich als Kapseln und Tabletten
Grüner Tee
Spargel (Asparagus officinalis L.) im Handel erhältlich als Tabletten
Brennesselblätter (Urticae dioicae folia) im Handel erhältlich als Tee, Tropfen, überzogene Tabletten, Kapseln
Birkenblätter (Betulae folium) im Handel erhältlich als Tee, Tropfen und Tabletten
Katzenbartkraut (Orthosiphonis folium) im Handel erhältlich als Tropfen, Kapseln und Tabletten
Goldrutenkraut (Solidaginis virgaureae herba) im Handel erhältlich als Tee und Tabletten
Alternative Methoden Psychotherapie – Verhaltenstherapie – Hypnose – Akupunktur – Bioresonanz – Bachblüten – Entspannende Maßnahmen – Bewegungstherapie
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