20.01.2010: Paracelsus, sein Leben und seine Philosophie


Iwailo Schmidt, Heilpraktiker

15 Jahre benötigte ich, um das umfangreiche Schriftwerk des Paracelsus aufzuarbeiten und mit der Hilfe von Pro­fessor Manfred Junius auch phar­ma­- zeutisch praktikabel zu machen. Nach weiteren fünf Jahren intensiver Labor- und Praxisarbeit entstand mein Buch: „Der Homunkulus“. In ihm werden alle Themen der vorliegenden Artikel theoretisch und praktisch vertieft.

Das Schriftwerk des Theophrastus Phillipus „Aureolus“ Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, enthält wesentlich mehr, als die Aufsätze der Philologen und Medizinhistoriker erkennen lassen.
 
Paracelsus war nicht nur ein Mediziner, sondern wie einige wenige Menschen Universalgelehrter. Paracelsus lebte von 1493 bis 1541 und wurde somit nur 48 Jahre alt. Er hinterließ ein erstaunlich kompaktes Wissen auf tausenden von Seiten.
 
Eine zehnbändige Ausgabe sämtlicher Werke des Paracelsus erschien 1591 bis 1598.
 
Als Naturforscher, Philosoph, Mystiker, Prophet, Astrologe, Magier und Alche­mist schien er die Teilbereiche ineinander übergehen zu lassen. Ganz im Ge­genteil zur heutigen Wissenschaft, bei der die Fachleute durch ihre Spe­ziali­sierung von immer weniger immer mehr wissen, bis sie eines Tages von nichts alles wissen.
 
Die alten Meister benutzten Gedichte, in denen sich Rezepturen verbargen, sie fertigten Zeichnungen an, deren Sym­bol­wert klare Vorschriften für die Me­dikamentenherstellung enthielten. Sie mußten ihre wertvolle Arbeit immer wieder verbergen. Diese Ver­schlüs­selungen der Texte und Zeichnungen sorgten für Irrwege, die den Adepten, also den Schüler der Hermetik, häufig um sein gesamtes Vermögen brachten.
 
Paracelsus’ Weltbild fußte auf den Lehren des Hermes Trismegistos, der als Begründer der Hermetik gilt. Diese jahrtausendalte, aus Ägypten stammende Lehre sieht den ibisköpfigen Gott Thot als Hüter der Weisheitssuchenden und für die Initiation Verantwortlichen an. Ziel ist es, den Menschen wieder in Harmonie mit den kosmischen Kräften zu bringen. Das kann unter anderem mit wohldurchdachten und hochwirksamen Heilmitteln geschehen, welche als Arkana – also Hauptmittel bezeichnet werden. Der Gott Thot wurde von den Griechen Hermes und von den Römern Merkur genannt. Als Götterbote brachte er den Menschen das Wissen über Astrologie, Medizin, Alchemie, Musik und Dichtung.
 
Um Paracelsus entschlüsseln zu können, ist es also notwendig die Hermetik zu studieren. Sonst fehlt einem sozusagen der Übersetzungscode für seine Schriften. Unter anderem aus den Gründen der kirchlichen Verfolgung entstand ein Schweigegelübde unter den Hermetikern. Einer der Meister für sie war Harpokrates, der mystische Gott des Schweigens. „Wisse, wolle, wage und schweige.“, lautet aus diesem Grund einer der ersten Lehrsätze der Hermetik.
 
Paracelsus lebte in der Zeit der Re­naissance. Es war die Zeit zwischen Mittelalter und der Entstehung der Neu­zeit. Die Wissenschaft wandelte sich unter den Einflüssen Byzantz’. Grie­chisches Medizinwissen und spätantike Schriften gelangten in den deutschsprachigen Raum. In dieser Zeitepoche finden wir neben Paracelsus Zeitgenossen wie: Nikolaus Kopernikus, Nostradamus, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Al­brecht Dürer, Agrippa von Nettesheim und natürlich den Kirchenrevolutionär Martin Luther.
 
Die wichtigsten Werke der arabischen Medizin gelangten als lateinische Texte nach Zentraleuropa. Aus Italien kamen Impulse zur medizinischen Alchemie. Viele jüdische Ärzte vermittelten damals das Wissen, da sie sich mit den Handelskarawanen über ganz Europa verteilten. In dieser Epoche finden sich bei den medizinischen Schriften, die verbreitet wurden, Namen wie Geber, der eigentlich Jabir ibn Hayyan hieß, Rhazes, Hippokrates, Dioskurides, Ga­len und Plinius. Be­sonders der Bene­dik­tinerorden nutzte das Wissen schon viel früher in seiner Klostermedizin. Da der Buchdruck damals große Fortschritte machte, konnte das Wissen gut verbreitet werden. So wie heute war damals eine gut sortierte Bibliothek die Grund­voraussetzung für eine erfolgreiche For­schungs­arbeit.
 
Paracelsus wurde bei Einsiedeln in der Schweiz geboren. Seine Mutter war Leibeigene des dortigen Klosters, der Vater gehörte einem schwäbischen Adelsgeschlecht an und arbeitete als Arzt. Das Geburtshaus lag direkt am Jakobspilgerweg nach Santiago de Compostela. Die berühmte Schwarze Madonna des Ortes zog schon damals viele tausende Pilger an. Nach dem Tod der Mutter übersiedelten Vater und Sohn 1502 nach Villach in Kärnten. Der Vater arbeitete sowohl als Dozent an der Bergschule, als auch in ärztlicher Nieder­lassung. Paracelsus lernte neben der Medizin durch seinen Vater ebenso den Bergbau und den Umgang mit Mineralien kennen. In der Alchemie waren mit hoher Wahrscheinlichkeit der geheimnisvolle Abt Johannes Trithemius und Agrippa von Nettesheim seine Lehrer. Sigmund Fugger, Alchemist und Inhaber des größten Kupfer- und Sil­berbergwerkskonzerns in Österreich und Ungarn diente Paracelsus ebenfalls als Lehrer. 1509 bis 1515 studierte Paracelsus Medizin an deutschen, italienischen und französischen Hoch­schu­len. Unter anderem hielt er sich, wie viel später Hahnemann, in Leipzig auf. Am längsten studierte er aber in Ferar­ra, wo er in der Inneren Medizin und in der Chirurgie promovierte. Danach war er wie ein Walzbruder bis 1524 in ganz Europa unterwegs. Folgendes Zitat findet man in seinen Schriften: „Ich habe über 80 Bauern gekannt, die die Kräuter nur wegen ihrer Form und Anatomie mit den Krankheiten verglichen haben, und sie haben vor meinen Augen damit wunderbar und gut geholfen. Denn wenn man dies beim Lichte besieht, gelangten die sichersten Künste fast alle vom gemeinen Manne und unachtbaren Leu­ten an uns. Würden alle derartigen Erfahrungen ungefälscht durch Rezepte und Rezeptemacher in ein einziges Büchlein geschrieben werden, dann wä­re mir das lieber als alle Kommentare des Galenus und Avicenna.“
 
Es war klar, daß sich dieser Arzt ungeheuer unbeliebt bei seinen ärztlichen Kollegen und Apothekern gemacht hat­te, da diese nur selten über umfangreiches Wissen und Hand­werkskunst verfügten. Der Neid auf den Erfolg eines anderen war eben schon immer ein menschliches Problem. Paracelsus schuf eine große Anzahl Reise­be­schrei­bungen, die historisch fundierte Aus­sagen enthielten. 1542 wirkte Paracel­sus in Salzburg als Arzt und betrieb ein Labor, in dem er Naturstoffe bearbeitete. Die so entstehenden Medikamente und die damit verbundenen Ferti­gungs­abläufe nennt man Iatrochemie. Para­celsus gilt heute als Begründer dieser Wissenschaft. In Folge wirkte er als Dozent in Tübingen und Freiburg und verfaßte den „Herbarius“, die „Archi­doxis“, Bücher über ein langes Leben und die tartarischen Krankheiten. 1527 war er Stadtarzt und Dozent in Basel.
 
1529 schuf er in Nürnberg zwei Bücher über die Syphilis und schließlich 1530 das Werk „Paramirum“ in Regensburg. 1536 druckte in Ulm ein Verleger die „Große Wundarznei“. In Kärnten entstand 1537 – 1540 die „Philosophia Sagax“. In Salzburg fand er dann seine letzte Ruhe. 1960 wurden die Überreste von Paracelsus exhumiert. Die Ge­richts­mediziner fanden einen zu Lebzeiten zertrümmerten Schädel vor, der einen gewaltsamen Tod oder einen Unfall bewies, auf keinen Fall handelte es sich um einen natürlichen Tod. Die Werke von Jacob Böhme (1575 – 1624) und Giordano Bruno (1548 – 1600) wurden von mir ebenfalls ausgewertet, da beide Schüler der Paracelsuslehre waren. Auch sie wurden von der katholischen Kirche verfolgt.1559 wurden alle Para­cel­sus­werke auf den „Index librorum prohibitorum“ gesetzt. Somit waren bei An­drohung der Todesstrafe die Heraus­gabe und der Besitz der Paracelsus-Werke ab sofort verboten.
 
1585 beauftragte der Kölner Erzbischof den Arzt Johann Huser, das Werk Para­celsus’ zusammenzufassen und zu veröffentlichen.
 
Der Mensch wird von drei Gewalten eingeschränkt, meint Paracelsus. Alter, Krankheit und Tod lauten diese. Be­sonders die Krankheit macht auf die menschliche Unzulänglichkeit aufmerksam und auf die Sehnsucht nach Ge­sundheit, Harmonie und Geborgenheit. Krankheit und Unglück sind Ge­schwis­ter, schreibt Paracelsus. Die Ursache von Erkrankungen liegt nicht bei Säfte­dysbalancen, wie fast alle Ärzte dieser Zeit glaubten, sondern dieses Un­gleichgewicht der Säfte ist lediglich die Auswirkung einer Erkrankung. Nur wenn das Milieu des Patienten bereits ge­schwächt ist, kann es zu Disharmonien der Säfte oder zu einem Erregerbefall kommen. Das gilt auch für Pflanzen. Nur ein bereits geschwächter Baum wird von einer Mistel heimgesucht, von Blattläusen und Borkenkäfern. In der Regel denkt man ja meist, daß erst der Schädling den Baum in eine Erkrankung stürzt. Paracelsus dagegen sieht die Krankheitsursachen metaphysisch.
 
Für einen Therapeuten ist das ständige Lernen wichtig, so schreibt Paracelsus Dafür stellt er folgende Regeln auf. Die erste Regel ist das lebenslange Stu­dium, denn das Leben ist kurz und die Kunst ist lang, wie er schreibt. Wer glaubt, ausgelernt zu haben, hat das Wesentliche nicht begriffen. Die zweite Regel ist der Respekt vor dem Wissen und der Erfahrung anderer. „Daß der Arzt nicht alles, was er können und wissen soll, auf den hohen Schulen lernt und erfährt, sondern er muß auch zeitweise zu alten Weibern, Zigeunern, Schwarzkünstlern, Landfahrern, alten Bauersleuten und dergleichen mehr unachtsamen Leuten in die Schule gehen und von ihnen lernen. Denn diese haben mehr Wissen von solchen Dingen, als alle hohen Schulen.“
 
Dafür ist es erforderlich auf Wan­der­schaft zu gehen und das Studier­stüb­chen zu verlassen. „… weil keinem der Meister im Hause wächst und weil keiner seinen Lehrer hinter dem Ofen hat. Nicht alle Künste sind im Vaterland eines Men­schen verschlossen, sondern sie sind in der ganzen Welt verteilt.“ Die dritte Regel betrifft die Lebensweise. Diese sollte auf der einen Seite bescheiden sein, auf der anderen Seite aber auch im Einklang mit den kosmischen Gesetzen stehen. Auch wenn einem das nicht sofort und perfekt gelingt, das ist nicht das Entscheidende, viel wichtiger, so meint Paracelsus ist, daß man es anstrebt. Dabei sollte man jegliche Ein­seitigkeit und extreme Ver­haltensweisen meiden. Als vierte Regel nennt er die Erfahrung. Denn nur die Summe an Erfahrung jedes einzelnen Arztes macht ihn eines Tages zum Meister seines Gebietes.
 
Die genauen theoretischen Hinter­grün­de und exakten praktischen Anleitungen für die Paracelsusmedizin findet der ge­neigte Leser im Buch: „Der Homunkulus – Die Wiederentdeckung der Alchemie“.

Die Krankheitsursachen und deren Behandlung
In dem folgenden Artikel habe ich mich bemüht, aus dem umfangreichen Pa­racelsuswerk eine Zusammenfassung über die Krankheitsursachen zu erarbeiten, ohne Paracelsus Gedanken zu verfremden. Ausführliche Darstellungen kann man in meinem Buch: „Der Ho­mun­kulus“ finden.

Im Buch „Paramirum“ schreibt Para­cel­sus, daß es nur fünf Ursachen für jegliche Erkrankungen gibt. Diese nannte er die fünf Entien: „Merket wohl, es gibt fünf Entia, die alle Krankheiten schaffen und verursachen.“ Es gibt also für einen grip­palen Infekt zum Beispiel fünf Ur­sachen und nicht nur eine, in Form von vieren, wie heute behauptet. „So wisset denn, daß es fünferlei Pestilenz gibt, nicht in Bezug auf ihre Natur, ihr Wesen, ihre Form und Gestalt, sondern bezüglich ihrer Entstehung, mögen sie sich auch später in jeder beliebigen Weise äußern. Es gibt nämlich ... fünferlei Gelb­sucht, fünferlei Fieber, fünferlei Krebs und so fünf Arten jeder Krank­heit.“ Dabei bezeichnete Paracelsus als Ens das Wesen, die Idee, das Sein von etwas, „das die unbeschränkte Macht über den Leib besitzt.“ Also ist etwas Geistartiges zunächst vorhanden, was später den sichtbaren und fühlbaren Körper zur Erkrankung bringt.

Der Begründer der Homöopathie Sa­muel Hahnemann machte eine ähnliche Aus­sage: „Krankheiten sind dynamische Verstimmungen unseres geistartigen Lebens in Gefühlen und Tätigkeiten; das sind unmaterielle Verstimmungen unseres Befindens.“

Eine Abbildung zeigt die fünf Gewalten des Menschen, welche Paracelsus En­tien nennt, in Form eines Pentagramms. Ähnlich proportioniert wie Leonardo da Vinci stellte Agrippa von Nettesheim 1533 in „De occulta philosophia“ den Menschen innerhalb dieses Penta­gramms dar. Am Kopf, an den beiden Füßen und Händen sowie am Penis des dargestellten Mannes, der Beine und Arme nach beiden Seiten ausstreckt, um dem in einem Kreis eingezeichneten Pen­tagramm zu entsprechen, finden wir je­weils ein Symbol aus der Alchemie.
 
Dabei ist am Kopf das Symbol von Eisen, an der rechten Hand das von Messing und am rechten Fuß das von Merkur, an der linken Hand das von Zinn und am Penis eine Mondsichel dargestellt.
 
Die Entien werden in zwei Gruppen unterteilt. Die eine umfaßt drei Ur­sachen von Erkrankungen, die den körperlichen Bereich betreffen, also die Soma. Die zweite Gruppe umfaßt zwei Ursachen von Erkrankungen, die auf der geistigen Ebene wirken. Bei den drei körperlichen Ursachen handelt es sich um erstens das „Ens astrale“, also, wie Paracelsus sagt: „…die Kraft und das Wesen der Gestirne und ihre Gewalt über den Leib.“ Damit sind aber auch Umwelt­ein­flüsse, wie Radioaktivität, Erd­strahlen, Wasseradern gemeint, die ebenfalls unter dem Einfluß der Ge­stirne stehen. Die zweite körperliche Ursache „Ens veneni“ bezieht sich auf Toxine, die der Körper zum einen durch seinen Stoff­wechsel als Endprodukte selber produziert oder die von außen auf den Körper einwirken. Wenn die Ausscheidung dieser Toxine durch den Körper nicht ausreichend realisiert werden kann, kommt es nach Paracelsus zur „inneren Fäu­lung“. Diese kann dann zu jeder Art von Erkrankungen führen. Die dritte körperliche Ursache „Ens Naturale“ ist die persönliche Veran­la­gung jedes Einzelnen, also seine Kon­stitution und Disposition. Er schreibt dazu: „Wenn unser eigener Leib uns krank macht durch seine Verwirrung und dadurch, daß er sich selber schädigt.“ Die zweite Gruppe Ursachen für Er­krankungen, die auf der geistigen Ebe­ne wirken, umfassen zum einen die sogenannten heidnischen Ursachen, das sind psychosoziale und psychosomatische Einflüsse, die jeden Menschen unabhängig seines Glaubens betreffen können. Diese nennt er „Ens spirituale“ und beschreibt sie wie folgt: „die Geister, die unseren Leib krank machen“. Neben den psychosozialen Faktoren war für Paracelsus eine ausgeübte Magie, die Krankheiten hervorbringen konnte, durchaus realistisch. Die zweite Ur­sache, die auf der geistigen Ebene wirkt, nennt Paracelsus „Ens dei“. Also im Grunde genommen handelt es sich um gottgewollte Ursachen. Aus Sicht anderer Philosophien könnte man auch von karmischer Belastung sprechen.
 
Neben diesen genannten fünf Krank­heitsursachen läßt Paracelsus keine weiteren Ursachen gelten und schreibt dazu: „Denn fünf Einwirkungs­möglich­keiten gibt es für jeden einzelnen Men­schen. Wer nun etliche davon vergißt, und mit anderen kommt, der mag wohl ein falscher Prophet sein.“
 
Dabei sollte man, so schreibt er, immer bei der Beurteilung einer Erkrankung alle fünf Teilbereiche gleichzeitig analysieren. Die logische Konsequenz ist es für Paracelsus, daß alle fünf Ursachen selbstverständlich ebenso fünf unterschiedliche therapeutische Wege benötigen, die ebenso gleichzeitig am Pa­tien­ten angewendet werden müssen. Er schreibt dazu: „Ich muß besonders darauf aufmerksam machen, daß nicht die Krankheiten so behandelt werden müssen, als stammen sie aus einer Quelle, sondern man hat je nach den fünf En­tien ein verschiedenes Verfahren anzuwenden. Die Behandlung des Giftes soll nicht für die Krankheit, die aus dem Ens der Gestirne entspringt, gebraucht werden. Die geistige Be­handlung soll nicht für die Krankheit aus dem Ens Naturale gebraucht werden. Die Krankheit aus dem Ens Deale reimt sich auch nicht mit der geistigen Be­handlung.“
 
Dabei sah Paracelsus nicht immer die notwendige Anwesenheit eines Arztes bei der Behandlung. „Der äußere Arzt beginnt erst, wenn der innere unterliegt, verzweifelt, ermüdet.“ Prophylaxe be­deutet also in diesem Sinne nichts weiter, als den inneren Arzt so zu schützen, daß er seinen Aufgaben möglichst um­fassend nachkommen kann. So schreibt er: „Wird die Natur nur geschützt, so ist sie es selbst, die alle, Krankheiten heilt, denn sie weiß, wie sie sie heilen soll. Der Arzt kann es nicht wissen und daher besteht seine Aufgabe nur darin, die Natur zu schützen.“
 
Erst wenn der innere Arzt nicht weiter weiß, so muß ein äußerer Arzt helfend eingreifen und alle notwendigen fünf Therapiewege miteinander anwenden. Auf diesen fünf Säulen sollte nach Paracelsus jegliche Therapie aufgebaut werden. Dabei wird das „Ens astrale“ durch Energie aufbauende Maßnahmen unterstützt, welche vor allem bei zunehmendem Mond Anwendung finden sollten. Hierbei spielen Lebenselixiere wie das Aqua vitae nach Paracelsus eine große Rolle. Solche Lebenselixiere wurden von vielen Apothekern auch unter dem Begriff Theriak bevorratet. Die al­chemistischen Herstellungsprozesse müssen bestimmten kosmischen Kon­stellationen untergeordnet werden, um dem Medikament die notwendige Ener­gie zuzuführen. Ebenso können verschiedene Reiz- und Umstim­mungs­the­rapien zum Einsatz kommen. Das „Ens veneni“ muß logischerweise zu einer Entgiftung des Organismus führen. Durch das Verabreichen von Bitter­stof­fen wie Artischocke, Wermut, Kalmus­wurzeln und Löwenzahn, sogenannten Amara, werden die Leberfunktion und Gal­lensaftausscheidung gefördert. Da­mit kann die Leber besser entgiften und durch den Gallensaft wird die Darm­pe­restaltik angeregt und damit die Stuhl­ausscheidung gefördert.
 
Diuretika wie Brennnessel und Schach­telhalm regen die Entgiftung über die Nieren an. Antidyskratika verbessern die Körpersäfte und entsäuern den Orga­nismus. Sauna, Aderlaß und blutiges Schröpfen entgiften auf hervorragende Art und Weise. Das „Ens Naturale“ erfordert für jeden Patienten individuell er­stellte Therapiekonzepte. Hier geht es tatsächlich darum, die Konstitutions- und Dispositionstypen zu erkennen und hochspezifisch zu behandeln. Der Nervenschwache erhält Passionsblume, der Bindegewebsschwächliche Schach­tel­halm, der Gichtpatient Teufelskralle. Jeder Mensch benötigt aber auch ein spezifisches Mineral, zum Beispiel durch aufbereitete Edelsteine und vor allem die unterschiedlichsten Metalle. Natürlich wirken manche Metalle to­xisch, wenn man sie in der ursprünglichen Form verabreicht. Aus diesem Grund schließt die Alchemie die Metalle auf und macht sie organisch verwertbar. Zusätzliche Katalysatoren wie Tartarus, der Weinstein, werden ebenso alchemistisch aufbereitet und sorgen für eine ordnungsgemäße Resorption der Metalle bis in die einzelnen Körper­zellen. Solche Zubereitungen tragen dann Namen wie Aurum portabile, das kaltverflüssigte Gold. Die Arbeit mit Metallen gehört zum Werk eines fortgeschrittenen Adepten der Alchemie. Das „Ens spirituale“ wird durch einen Ge­genzauber, Geistheilung, Räuche­run­gen, Salzbäder und psychoaktive Pflan­zen behandelt. Dagegen hat das „Ens dei“ mit Bewußtwerdungsprozessen der Patienten zu tun, deren Verständnis, warum sie erkrankt sind, geweckt werden muß.
 
Wie kommt nun ein Therapeut an dieses Wissen?
 
Der erste Weg ist der, daß man mit der geistigen Welt in Kontakt tritt und unter den nicht materiellen Geistwesen einen oder mehrere kompetente An­sprech­partner sucht, um die beim Selbst­stu­dium offen gebliebenen Fragen beantworten zu können.
 
Dazu schreibt er: „Gib daher auf deinen inwendigen Garten acht, denn wie immer der innere Mensch geschaffen ist, er horche nur mit dem äußeren auf sich selbst, dann wird er lernen, was ihn niemand lehren kann, und jeder wird sich seinetwegen wundern müssen.“ Zum Beispiel führt Paracelsus Hildegard von Bingen an, die ihr Heilwissen im Traum erlangte.
 
„Wir haben keinen Menschen, der uns lehrt und keinen Menschen, der die Kräuter von selbst weiß und kennt. Er muß es von anderen haben, die mehr oder anders als Menschen sind.“ Also soll man eindeutig einen gezielten Kontakt zur geistigen Welt pflegen, um die Dinge zu erfahren, die ein lebendiger Mensch nicht wissen kann.
 
Der zweite Weg, sich Wissen anzueignen besteht darin, sich mit Überlieferungen von Vorfahren zu beschäftigen. Doch dieser Weg beinhaltet viele Feh­lerquellen, die sich aus Fehldeutungen der Vorfahren ergeben. Aus diesem Grund ist es notwendig, alles recherchierte Wissen einer praktischen Er­probung zu unterziehen. Damit erhält man auch die Chance, zufällige Ent­deckungen während der praktischen Arbeit zu machen. Genau diese Zufälle machen den dritten Weg zur Erlangung von Wissen aus, wie Paracelsus meint. Die vierte Möglichkeit, Wissen zu erarbeiten, ist der Kontakt zu den vorhandenen Elementarwesen. Dieser läßt sich am einfachsten durch Wünschelruten und Pendel erschließen oder durch das so genannte automatische Schreiben. Der fünfte Weg ist das Studium der „Chiromantie“. Das bedeutet, daß man auf bestimmte äußere Merkmale achtet, die eine Heilpflanze besitzt. So wachsen Misteln als Schmarotzer auf Bäumen und bedienen sich deren Lebenssaft. Dabei sind Misteln so rücksichtslos, daß sie den eigenen Wirt zerstören und da­mit auch sich selbst. Genau diese Eigen­schaft besitzt die Mistel für jeden sichtbar. Aus diesem Grund ist eben die Mistel eines der wesentlichsten Thera­peutika zur Behandlung von Krebs­erkrankungen. Der sechste Weg ist das Studium der „Physionomie“ von Sub­stanzen. Hierbei kann man aus dem äußeren Erscheinen auf die Wirkung einer Substanz innerhalb eines Orga­nis­mus angewandt schließen. Wenn ein Patient Durchfall hat, dann muß er eben trockene Nahrung zu sich nehmen. Dazu zählen Zwieback, Reis usw. Hat er dagegen Verstopfung, dann sind „feuchte“ Nahrungsmittel angebracht. Melone und Gurke sind nur zwei Beispiele dafür. Der letzte und wichtigste Weg zur Erlangung von Wissen über die Natur ist das Begreifen aller We­sensmerkmale in ihrer Gesamtheit, die zum Beispiel eine Heilpflanze ausmacht. Dabei kommt es auch auf un­sichtbare Eigenschaften an wie Ge­schmack, Geruch, aber vor allem die Interaktion mit den Planetenkräften. Man muß also eine Pflanze über längere Zeit beobachten und prüfen, bevor man weiß, wann ihr Wirkstoffgehalt am höchsten ist, sie geerntet oder verarbeitet werden sollte. Dabei haben in früheren Zeiten immer der Blick an den Himmel und die Beobachtung der Gestirne, als zeitliche Orientierung, eine große Rolle gespielt. Aus diesen Ge­dankengängen entwickelte Paracel­sus die vier Säulen, die die Heilkunst ausmachen. Die wichtigste und alles andere tragende Säule ist die Tugend. Ohne Tugend sind alle noch so fleißig zusammengetragenen Erkenntnisse und An­häufungen von Wissen auf Sand ge­baut. Dabei spielen die Beweg­gründe, die einen Menschen veranlassen Heiler oder Arzt zu sein, eine große Rolle. Diese sind entscheidend dafür, ob derjenige ein guter oder schlechter Arzt ist, egal über wie viel Wissen er verfügt. Diese Tugend muß natürlich auch vermittelt werden, schreibt Paracelsus im Buch „Para­gra­num“. Für diese Ver­mittlung sieht er drei Wege, um ein guter Therapeut zu sein: Ent­weder wurden Tugend und Fähig­keiten in die Wiege gelegt oder der Therapeut hatte einen guten Lehrer für die Vermittlung und schließlich besteht die dritte und wichtigste Vermittlung, indem der The­rapeut durch Gott berufen wird. „Die Werke machen den Meister und Doktor, nicht Kaiser, nicht Papst, nicht Fakultät, nicht Privilegia, noch eine hohe Schule. … Es ist noch nie ein Arzt von den Hohen Schulen hervorgegangen, auch nie einer, der imstande gewesen wäre, mit wahrem Wissen die Ursache der wenigsten Krankheiten darzulegen.“ Nur das eigene Bemühen um Nächstenliebe ist die Grundlage des Heilens. Para­cel­sus behandelte, nach eigenen Aus­sagen, Arme kostenlos oder gegen Kost und Logis. Die wichtigsten Tugenden eines Heilers sind von Paracelsus zu­sammengefaßt: Beschei­den­heit, Näch­sten­liebe, Optimismus und die Demut vor Gott. „Du mußt einen ehrlichen, redlichen, starken, wahrhaftigen Glauben an Gott haben, mit all deinem Gemüht, Herz, Sinn und Ge­dan­ken, mit aller Lie­be und allem Ver­trauen.“ Dabei stand er mit den Ge­bäuden und Ritualen der Kirche auf Kriegsfuß und mußte immer gewahr sein, von der Kirche verfolgt und vernichtet zu werden. „Ich behaupte und sage, es sei nützlicher, wenn man den Armen ihre Schäden wäscht, wenn deren Wunden verbunden werden, als wenn man in der Messe steht, um in der Prim und in der Terz in Vesper und Complet zu plärren. Ihr saget, ich sei deshalb unchristlich und handle gegen den christlichen Glauben. Ich habe es jedoch von Christus, der sagt: ,Du sollst speisen, tränken, und kleiden’, an die Messe hat er dabei nicht gedacht.“ Zwei der vier Säulen, die die Heilkunst tragen, sieht Paracelsus immer nur in Ge­meinschaft. Dabei meint er die Philo­sophie und die Astronomie. Schon aus ägyptischen Mysterienkulten wird diese Denkweise deutlich. Heute hat kein westlich ausgebildeter Medizinstudent auch nur das Fünkchen von Philo­so­phie­unterricht, von Astronomie ganz zu schweigen,

„Wer die Philosophie nicht studiert hat ..., der gibt einen Arzt ab, wie ein Ka­minfeger einen Bäckerknecht.“ Mit der Philosophie erhält man die Möglichkeit, das Unsichtbare zu begreifen. Philo­sophie ist nach Paracelsus das Wissen über „das Licht in der Natur. ... Sie ist die Erkenntnis der Gewächse der Erde und des Wassers, ihrer Natur und ihrer Kraft. Der ist auch ein Philosoph, der den Lauf des Menschen kennt, ihn erfahren hat und ihn erkundet.“ Alles in der Natur ist gekennzeichnet. Nur mit einer philosophischen Betrachtung er­schließen sich diese Zeichen der Natur und man erkennt, was mit den einzelnen Pflanzen in der Heilkunst anzufangen ist. Die Astronomie bestimmt den Zeitpunkt der Ernte und Verarbeitung sowie der optimalen Einnahme. So läßt sich die geist­artige „Urkraft“ der Materie erkennen und in Form der „Quint­es­senz“ heilkräftig einsetzen. Die Lehre von diesen Zusammenhängen nennt Paracelsus „goldene Ketten“.

Die letzte von den vier Säulen der Heil­kunst findet man in bestimmten Um­wandlungsprozessen von Materie. Die­se Umwandlungsprozesse nennt man Transmutationen. Jede dieser Trans­mutationen soll neben der Umwandlung der Materie gleichzeitig durch Er­kennt­nisse Untugend in Tugend verwandeln. Diesem Prozeß unterliegen sowohl die an diesem Werk beteiligten Personen wie auch die Menschen, die derartig transmutierte Medikamente einnehmen.
 
Die genauen theoretischen Hinter­grün­de und exakten praktischen Anleitungen für die Paracelsusmedizin findet der ge­neigte Leser im Buch: „Der Homunkulus – Die Wiederentdeckung der Alchemie“.
 
Die Paracelsus-Medizin und die Alchemie

Nur wenigen Naturheilkundlern ist es geläufig, daß der große Arzt Para­celsus Alchemist war. Die Alchemie war der Vorläufer der heutigen modernen or­ganischen und anorganischen Chemie und entsprach somit der allgemeinen Chemie. Hier wurden Farbstoffe, Rei­nigungsmittel und Medikamente entwickelt. Die Suche nach lebensverlängernden Rezepturen begleitete die Alchemie über Jahrhunderte. Die wichtigsten Heilmittel, die im Laufe der Zeit geschaffen wurden, erhielten den Na­men Arkanum, was so viel heißt wie Hauptmittel. Mit einem dieser Haupt­mittel gegen den Krebs beschäftigen sich dieser Artikel und mein Buch „Der Ho­munkulus“.

Paracelsus war neben dem Studium der Medizin ein ausgesprochener Kenner metallurgischer Prozesse und des damit verbundenen Bergbaus. Doch auch der Bereich der Astronomie und Astrologie, die damals noch nicht getrennt waren, machten Paracelsus zu einem Uni­versalgelehrten. Das Zusammenfügen der vorgenannten Erkenntnisse sind für das Verstehen der alchemistischen Pro­zesse unabdingbar.

Nach über 15 Jahren Studium seiner und der Schriften anderer Alchemisten aus dieser Zeit stieß ich auf Professor Manfred Junius, den ich für den größten Alchemisten unserer Zeit halte. Durch eine Freundschaft verbunden kam es zur fruchtbaren Zusammenarbeit, um die gewonnen Erkenntnisse vor allem praktisch umzusetzen. Das war nicht so einfach, da es keine „Kochrezepte“ in klarer Ausdrucksweise gab. Ein Grund dafür war unter anderem die Verfolgung der Alchemisten durch die katholische Kirche, die auch Paracelsus Leben in der Blüte seines Schaffens angekommen, beendete. Darum wurden alle alchemistischen Schriften, für den nicht Eingeweihten bis zur Unkenntlichkeit verschlüsselt, überliefert. Mit bildhaften Metaphern und Gedichten wurden Pro­zesse dargestellt. So ist ein Glaskolben mit einem langen Hals ein Schwan. Äthanol wird als Merkur und ätherische Öle als Sulphur bezeichnet, was mit dem ursprünglichen Sinn der Begriffe nichts gemein hat und schnell zur Ver­wirrung führen kann.

Das Krebsmedikament des Paracelsus bedarf in der Herstellung zwei Monate. Es wird unter anderem aus 40 verschiedenen Pflanzen hergestellt. Dabei ist das Rekonvaleszensmittel Salbei, aber auch der teure Safran. In Alchemistisch-Spagyrischer Tradition werden die ätherischen Öle der Pflanzen durch schonende Destillation gewonnen. Später wird durch Gärung der Alkohol getrennt hergestellt. Der nächste Schritt ist die Einäscherung der Pflanzenreste und die Trennung in das Caput mortum und das Sal Salis. Somit werden auch die wasserlöslichen Salze und Spurenelemente mit den anderen Fraktionen in der „himmlischen Hochzeit“ wieder vereint. Naturhonig und das Aurum potabile spielen ebenfalls eine große Rolle bei der Herstellung. Das Gold wird zerkleinert und in Säure gelöst. Nach dem Ab­dampfen der Säure erfolgt die An­kopplung des Metalls an das dazu passende Zimtöl, um die so genannte Bio­- verfügbarkeit zu ermöglichen. Eine der wesentlichsten Komponenten ist auch der Weinstein, von dem Para­celsus schreibt: „Vegetabilisch tu ich mich nennen und kann dennoch jedes Metall zertrennen.“ Die Arbeit mit Wein­stein sollte unter größten Vorsichts­maßregeln erfolgen, da dessen Dämpfe sehr toxisch sind. Die Verarbeitung erfolgt so wie bei den Pflanzen. Es ist nicht selten, daß eingefleischte Che­miker nur den Kopf schütteln und nicht glauben wollen, daß man Wein­stein trocken destillieren und auch dessen Salz fraktionieren kann. Mit der schon erwähnten himmlischen Hochzeit werden zum Schluß die Komponenten vereint und über Wochen eine Exaltation (Erhöhung der Wirkung, auch Reifung genannt) durchgeführt.

Alle beschriebenen Prozesse unterliegen in der Alchemie klaren astrologischen Bezügen, von der Ernte über die Laborarbeit bis zur Verabreichung des Medikaments. Da das „Aqua vitae“ Gold in Form von „Aurum potabile“ enthält, sollte es immer nur in den Vor­mittags­stunden angewendet werden. Gold wird der Sonne, dem rationalen Verstand und dem männlichen Prinzip zugeordnet, im Gegensatz zu Silber, welches mit dem Mond und damit dem weiblichen Zyklus, den Emotionen und der Nacht zugeordnet wird. Würde man das Arkanum zu spät einnehmen, würde es eine schlaflose Nacht bereiten. Die Komposition der einzelnen Kräuter führt nicht nur zur Substitution von Spuren­elementen, Mi­ne­ralien u.a. lebenswichtigen Stoffen, sondern hat auf das Krebsgeschehen spezifische grobstoffliche und feinstoffliche Einflüsse. Dabei ist die Signatur der Pflanzen entscheidend mitbeteiligt. So wird nicht umsonst in der Natur­heilkunde die schmarotzende Mistel beim schmarotzenden Tumor eingesetzt. Es wirkt also hier wie in der Ho­möo­pathie auch das Ähnlichkeitsprinzip. Nur daß der energetische Anteil we­sentlich hochwertiger ist als bei einer klassischen Potenzierung, was man mit der Hochfrequenzfotografie belegen kann. Der Grund liegt in der Frak­tio­nie­rung, Reifung und der anschließenden Ver­einigung der Substrate, die natürlich in der Verarbeitung gewissenhaft nach astrologischen Prinzipien ausgerichtet wird.

Die erneute Anbindung des Krebs­pa­tien­ten an den natürlichen Lebens­rhyth­mus der Gestirne, Pflanzen- und Tier­welt geben ihm die Chance auf Heilung. Das Arkanum wirkt dabei transformierend, sozusagen als Katalysator für diesen Prozeß. Doch verfolgen wir am besten Paracelsus` ganzheitliche Denk­weise, um zu verstehen, daß dieses Medikament zwar ein wesentlicher Bestandteil in der Krebstherapie war, aber bei weitem nicht der einzige.

Paracelsus teilt seine Therapie in fünf Teilbereiche, die er dem jeweiligen Arzt­typ unterstellt.
 
Der erste Arzttyp unterdrückt die Krank­heitssymptome mit den entsprechenden Gegenmitteln. So wird Fieber mit dem entsprechenden fiebersenkenden Mittel unterdrückt oder Schmerzmittel verabreicht. Dieses Handeln läßt Paracelsus höchstens bei akuten Krankheits­ge­schehen zu, denn Para­cel­sus wie auch Hahnemann schienen eine große Ab­neigung gegen die Allo­pathie entwickelt zu haben. Er schreibt dazu: „Wer War­mes mit Kaltem, Trocke­nes mit Feuch­tem heilen will, versteht das Wesen der Krankheit nicht.“ So sollten nach seiner Meinung die antipathischen Methoden zur Linderung akuter Zustände zum Einsatz kommen, aber immer mit an­schließenden Methoden die Be­hand­lung fortgesetzt werden. Denn eine bloße Unterdrückung der Symptome führt niemals zur Ausheilung einer Er­krankung. „Es treibt die Krank­heit zu­rück und läßt andere Übel daraus entstehen.“ „Arkana und Krank­heiten, das sind Contraria. Arcanum ist die Ge­sundheit und die Krankheit ist der Gesundheit entgegengesetzt. Diese zwei vertreiben einander, jedes das andere.“

Der zweite Arzttyp „Specificus“ kennt das geheime Wesen, die spezifischen Eigenschaften der Arznei ganz genau und hat diese auch an sich selbst erprobt. Dafür ist es aber notwendig, die Signatur der Krankheit und der Heil­pflanze genauestens zu kennen. Also wird bei diesem Arzttyp genauso wie in der Homöopathie gehandelt nach dem Lehrsatz: Heile Gleiches mit Gleichem“.
„Alle geheimnisvollen Kräfte der Dinge heilen ... die betreffenden Krankheiten auf dieselbe Weise, wie diese entstanden sind.“

„Nur das Gleichartige soll für das Zu­gehörige verwendet werden. Kaltes überwindet nicht das Heiße, auch das Heiße nicht das Kalte bei den entstehenden Krankheiten. Die Behandlung muß mit dem vorgenommen werden, was die Krankheit erzeugt hat.“ Also müssen Heilmittel und Heilmethode analog zur Erkrankung sein. Aus diesem Grund belegt er die Erkrankungen nicht mit Kunstnamen, sondern nennt diese nach dem einzusetzenden Heilmittel.

„Daraus ist abzuleiten, daß ihr nicht sagen sollt, das ist die Cholera, das ist die Melancholia, sondern das ist ein Arsenicus, das ist ein Aluminosum. ... Denn gleich und gleich soll mit dem gleichen Namen benannt werden.“

Der dritte Arzttyp befaßt sich mit den Zusammenhängen zu den Sternen und heißt „Charakteralis“. Da er keinen ma­teriellen Stoff in Form einer Arznei benötigt, ist er über die Dualität von Sympathie und Antipathie erhaben. Der Name dieses Arztes macht deutlich, daß er aus seinen inneren Einsichten heraus heilt. Allein das Charisma und die innere Wahrheit erzeugen die Heilreaktion beim Patienten. Dieser dritte Arzt benötigt selbstverständlich viel Einfühlungsvermögen und Erfah­rungen. Letzten Endes soll die Selbst­erkenntnis des Patienten unter Füh­rung des Arztes den Heilungsprozeß auslösen.

Der vierte Arzttyp trägt den Namen „Spiritualis“ und heilt einzig und allein mit Magie. Mit Hilfe der Energie der Gestirne wandelt der magische Mensch Materie. Diese so veränderte Materie kann dann als Heilmittel eingesetzt werden. Das hierfür notwendige Wissen wird durch Geistwesen vermittelt, mit denen man zu Lern- und Heilzwecken in Verbindung tritt. Diese hohe Kunst lernt der Mensch nicht von anderen Men­schen, sondern ausschließlich durch seine eigene Verbindung zur geistigen Welt.

Bei der Heilung von Patienten setzt dieser Arzt Arkana, so genannte Haupt­mittel ein, die ausgewogen die Er­kran­kung im mineralischen, pflanzlichen Reich und im Reich der Metalle widerspiegeln. Dabei hat jede Pflanze, jedes Mineral und jedes Metall seinen konkreten Bezug zu den Gestirnen. Alle diese Heilmittel gehen sozusagen untereinander und mit dem Kosmos in Resonanz und vervielfachen damit ihre Wirkung. Diese Arznei soll den Organismus und den Geist des Patienten auf eine Schwingungsebene bringen, die es ihm ermöglicht, zu einer Selbsterkenntnis zu gelangen, die jegliche Erkrankung überflüssig macht.

Der fünfte Arzttyp heißt „Fidelis“. Er ist Meister der Hermetik und hat keinerlei Zweifel am Glauben. Sein Geist ist zu einem Gefäß geworden, durch das der gesamte Weltengeist wirkt. Die Aufgabe dieses Arztes ist es, alle Sinne des Erkrankten für die höheren Mächte zu öffnen. Das gilt insbesondere für die Patienten, die aus irgendwelchen Grün­den das Urvertrauen in sich und die Welt verloren haben. Das passiert be­sonders häufig, wenn ein Kind in frühen Jahren missbraucht oder verstoßen wurde. Viele dieser Kinder werden dann zu Suchtpatienten. Egal ob Alkohol, Drogen oder medizinisch offiziell indiziert durch Psychopharmaka versuchen diese Menschen abzutöten, was in ihnen unverarbeitet liegt.

Es muß die Seele geheilt werden, um nichts anderes geht es bei der Arbeit dieses fünften Arzttyps. „Was uns über die irdische Natur erhebt, ist der Glaube, der uns zu Geistern macht, den Gei­stern gleichgestellt. ... Aus dem Miß­brauch des Glaubens muß notwendig ein Aberglaube entstehen.“ „Daher ist nicht in dem, den der Mensch erwählt, sondern in dem, den Gott erwählt, die Arznei. Er kennt den Arzt in seinem Herzen und achtet nicht auf seinen Grad, auf seine Hochschule, auf seinen Pomp, auf seinen Namen, auf seinen Brief und Siegel, sondern er achtet auf den Barmherzigen und dem gibt er die Arznei.“

Im Paracelsuswerk finden wir die Aus­sage: „Das dritte Fundament, auf welchem die Medizin beruht, ist die Al­chemie. Wenn der Arzt in dieser nicht gute Fähigkeiten und Erfahrungen hat, ist seine Kunst vergebens.“ Und er führt an anderer Stelle fort: „Der Alchimist soll im Lichte der Natur stehen.“

Praxisbeispiele:
Da Alchemiepräparate, die wir selbst herstellen, nicht als Medikamente angewendet werden dürfen, bedarf es eines spitzfindigen Schachzuges. Zum Bei­spiel können wir diese Präparate Raum­spray nennen und auch als solche nutzen. Ein Goldraumspray, der neben dem alchemistisch kalt verflüssigten „Aurum portabile“ natürlich auch die ätherischen Öle und wasserlöslichen Salze der mit dem Gold synergistisch wirkenden Pflan­zen enthält, ist die bei mir am häufigsten eingesetzte Al­che­mie. Denn wer kennt sie nicht, die Si­tuation, wo Gespräche drohen festzufahren. Gleich ob es sich um ge­schäft­- liche Ver­hand­lungen, Partner­thera­pie­sitzungen oder Auseinandersetzungen von Eltern mit ihren pubertierenden Kindern handelt, zeigt der Einsatz des Goldsprays sofortige Wirkung. Der Ver­stand der Be­teiligten wird klarer, der Blickwinkel beginnt sich so zu verschieben, daß die Problemsituation aus größerer Perspek­tive wahrgenommen wird. Eine weitere Indikation für das Goldspray ist das Versagen der Krea­tivität, gleich ob es sich um einen Künst­ler oder um einen Therapeuten handelt.

Im Gegensatz dazu wirkt das Raum­spray, das das kalt verflüssigte Silber „Argentum portabile“ und die dazugehörigen Pflanzen enthält. Durch die Zuordnung zum Mond und der weiblichen Emotionalität gehört dieses Spray auf den Nachttisch. Denn die viele Menschen quälenden und kreisenden Gedanken vor dem Einschlafen werden gedämpft. Statt klarer Rationalität kommt eine Wandlung zur Emotionalität in Gang. Patienten, die nach einem Schockerlebnis oder beim Verlust eines Angehörigen nicht trauern oder erleichternd weinen können, bedürfen des Silbersprays. Dieses löst die emotionalen Blockaden. Dauert die Trauerphase zu lange, und ist der Mensch nicht mehr in der Lage, zum Alltagsgeschehen zu­rückzufinden, ist wieder das Goldspray angezeigt.

Wer fertige Produkte erwerben möchte, kann sich zum Beispiel an die Firma Light-of-Nature wenden.
 
Die genauen theoretischen Hinter­grün­de und exakten praktischen Anleitungen für die Paracelsusmedizin findet der geneigte Leser in meinem Buch: „Der Homunkulus – Die Wiederentdeckung der Alchemie“.

 
zurück top Druckversion