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Die Krankheitsursachen und deren Behandlung In dem folgenden Artikel habe ich mich bemüht, aus dem umfangreichen Paracelsuswerk eine Zusammenfassung über die Krankheitsursachen zu erarbeiten, ohne Paracelsus Gedanken zu verfremden. Ausführliche Darstellungen kann man in meinem Buch: „Der Homunkulus“ finden. Im Buch „Paramirum“ schreibt Paracelsus, daß es nur fünf Ursachen für jegliche Erkrankungen gibt. Diese nannte er die fünf Entien: „Merket wohl, es gibt fünf Entia, die alle Krankheiten schaffen und verursachen.“ Es gibt also für einen grippalen Infekt zum Beispiel fünf Ursachen und nicht nur eine, in Form von vieren, wie heute behauptet. „So wisset denn, daß es fünferlei Pestilenz gibt, nicht in Bezug auf ihre Natur, ihr Wesen, ihre Form und Gestalt, sondern bezüglich ihrer Entstehung, mögen sie sich auch später in jeder beliebigen Weise äußern. Es gibt nämlich ... fünferlei Gelbsucht, fünferlei Fieber, fünferlei Krebs und so fünf Arten jeder Krankheit.“ Dabei bezeichnete Paracelsus als Ens das Wesen, die Idee, das Sein von etwas, „das die unbeschränkte Macht über den Leib besitzt.“ Also ist etwas Geistartiges zunächst vorhanden, was später den sichtbaren und fühlbaren Körper zur Erkrankung bringt.
Der Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann machte eine ähnliche Aussage: „Krankheiten sind dynamische Verstimmungen unseres geistartigen Lebens in Gefühlen und Tätigkeiten; das sind unmaterielle Verstimmungen unseres Befindens.“
Eine Abbildung zeigt die fünf Gewalten des Menschen, welche Paracelsus Entien nennt, in Form eines Pentagramms. Ähnlich proportioniert wie Leonardo da Vinci stellte Agrippa von Nettesheim 1533 in „De occulta philosophia“ den Menschen innerhalb dieses Pentagramms dar. Am Kopf, an den beiden Füßen und Händen sowie am Penis des dargestellten Mannes, der Beine und Arme nach beiden Seiten ausstreckt, um dem in einem Kreis eingezeichneten Pentagramm zu entsprechen, finden wir jeweils ein Symbol aus der Alchemie.
Dabei ist am Kopf das Symbol von Eisen, an der rechten Hand das von Messing und am rechten Fuß das von Merkur, an der linken Hand das von Zinn und am Penis eine Mondsichel dargestellt.
Die Entien werden in zwei Gruppen unterteilt. Die eine umfaßt drei Ursachen von Erkrankungen, die den körperlichen Bereich betreffen, also die Soma. Die zweite Gruppe umfaßt zwei Ursachen von Erkrankungen, die auf der geistigen Ebene wirken. Bei den drei körperlichen Ursachen handelt es sich um erstens das „Ens astrale“, also, wie Paracelsus sagt: „…die Kraft und das Wesen der Gestirne und ihre Gewalt über den Leib.“ Damit sind aber auch Umwelteinflüsse, wie Radioaktivität, Erdstrahlen, Wasseradern gemeint, die ebenfalls unter dem Einfluß der Gestirne stehen. Die zweite körperliche Ursache „Ens veneni“ bezieht sich auf Toxine, die der Körper zum einen durch seinen Stoffwechsel als Endprodukte selber produziert oder die von außen auf den Körper einwirken. Wenn die Ausscheidung dieser Toxine durch den Körper nicht ausreichend realisiert werden kann, kommt es nach Paracelsus zur „inneren Fäulung“. Diese kann dann zu jeder Art von Erkrankungen führen. Die dritte körperliche Ursache „Ens Naturale“ ist die persönliche Veranlagung jedes Einzelnen, also seine Konstitution und Disposition. Er schreibt dazu: „Wenn unser eigener Leib uns krank macht durch seine Verwirrung und dadurch, daß er sich selber schädigt.“ Die zweite Gruppe Ursachen für Erkrankungen, die auf der geistigen Ebene wirken, umfassen zum einen die sogenannten heidnischen Ursachen, das sind psychosoziale und psychosomatische Einflüsse, die jeden Menschen unabhängig seines Glaubens betreffen können. Diese nennt er „Ens spirituale“ und beschreibt sie wie folgt: „die Geister, die unseren Leib krank machen“. Neben den psychosozialen Faktoren war für Paracelsus eine ausgeübte Magie, die Krankheiten hervorbringen konnte, durchaus realistisch. Die zweite Ursache, die auf der geistigen Ebene wirkt, nennt Paracelsus „Ens dei“. Also im Grunde genommen handelt es sich um gottgewollte Ursachen. Aus Sicht anderer Philosophien könnte man auch von karmischer Belastung sprechen.
Neben diesen genannten fünf Krankheitsursachen läßt Paracelsus keine weiteren Ursachen gelten und schreibt dazu: „Denn fünf Einwirkungsmöglichkeiten gibt es für jeden einzelnen Menschen. Wer nun etliche davon vergißt, und mit anderen kommt, der mag wohl ein falscher Prophet sein.“
Dabei sollte man, so schreibt er, immer bei der Beurteilung einer Erkrankung alle fünf Teilbereiche gleichzeitig analysieren. Die logische Konsequenz ist es für Paracelsus, daß alle fünf Ursachen selbstverständlich ebenso fünf unterschiedliche therapeutische Wege benötigen, die ebenso gleichzeitig am Patienten angewendet werden müssen. Er schreibt dazu: „Ich muß besonders darauf aufmerksam machen, daß nicht die Krankheiten so behandelt werden müssen, als stammen sie aus einer Quelle, sondern man hat je nach den fünf Entien ein verschiedenes Verfahren anzuwenden. Die Behandlung des Giftes soll nicht für die Krankheit, die aus dem Ens der Gestirne entspringt, gebraucht werden. Die geistige Behandlung soll nicht für die Krankheit aus dem Ens Naturale gebraucht werden. Die Krankheit aus dem Ens Deale reimt sich auch nicht mit der geistigen Behandlung.“
Dabei sah Paracelsus nicht immer die notwendige Anwesenheit eines Arztes bei der Behandlung. „Der äußere Arzt beginnt erst, wenn der innere unterliegt, verzweifelt, ermüdet.“ Prophylaxe bedeutet also in diesem Sinne nichts weiter, als den inneren Arzt so zu schützen, daß er seinen Aufgaben möglichst umfassend nachkommen kann. So schreibt er: „Wird die Natur nur geschützt, so ist sie es selbst, die alle, Krankheiten heilt, denn sie weiß, wie sie sie heilen soll. Der Arzt kann es nicht wissen und daher besteht seine Aufgabe nur darin, die Natur zu schützen.“
Erst wenn der innere Arzt nicht weiter weiß, so muß ein äußerer Arzt helfend eingreifen und alle notwendigen fünf Therapiewege miteinander anwenden. Auf diesen fünf Säulen sollte nach Paracelsus jegliche Therapie aufgebaut werden. Dabei wird das „Ens astrale“ durch Energie aufbauende Maßnahmen unterstützt, welche vor allem bei zunehmendem Mond Anwendung finden sollten. Hierbei spielen Lebenselixiere wie das Aqua vitae nach Paracelsus eine große Rolle. Solche Lebenselixiere wurden von vielen Apothekern auch unter dem Begriff Theriak bevorratet. Die alchemistischen Herstellungsprozesse müssen bestimmten kosmischen Konstellationen untergeordnet werden, um dem Medikament die notwendige Energie zuzuführen. Ebenso können verschiedene Reiz- und Umstimmungstherapien zum Einsatz kommen. Das „Ens veneni“ muß logischerweise zu einer Entgiftung des Organismus führen. Durch das Verabreichen von Bitterstoffen wie Artischocke, Wermut, Kalmuswurzeln und Löwenzahn, sogenannten Amara, werden die Leberfunktion und Gallensaftausscheidung gefördert. Damit kann die Leber besser entgiften und durch den Gallensaft wird die Darmperestaltik angeregt und damit die Stuhlausscheidung gefördert.
Diuretika wie Brennnessel und Schachtelhalm regen die Entgiftung über die Nieren an. Antidyskratika verbessern die Körpersäfte und entsäuern den Organismus. Sauna, Aderlaß und blutiges Schröpfen entgiften auf hervorragende Art und Weise. Das „Ens Naturale“ erfordert für jeden Patienten individuell erstellte Therapiekonzepte. Hier geht es tatsächlich darum, die Konstitutions- und Dispositionstypen zu erkennen und hochspezifisch zu behandeln. Der Nervenschwache erhält Passionsblume, der Bindegewebsschwächliche Schachtelhalm, der Gichtpatient Teufelskralle. Jeder Mensch benötigt aber auch ein spezifisches Mineral, zum Beispiel durch aufbereitete Edelsteine und vor allem die unterschiedlichsten Metalle. Natürlich wirken manche Metalle toxisch, wenn man sie in der ursprünglichen Form verabreicht. Aus diesem Grund schließt die Alchemie die Metalle auf und macht sie organisch verwertbar. Zusätzliche Katalysatoren wie Tartarus, der Weinstein, werden ebenso alchemistisch aufbereitet und sorgen für eine ordnungsgemäße Resorption der Metalle bis in die einzelnen Körperzellen. Solche Zubereitungen tragen dann Namen wie Aurum portabile, das kaltverflüssigte Gold. Die Arbeit mit Metallen gehört zum Werk eines fortgeschrittenen Adepten der Alchemie. Das „Ens spirituale“ wird durch einen Gegenzauber, Geistheilung, Räucherungen, Salzbäder und psychoaktive Pflanzen behandelt. Dagegen hat das „Ens dei“ mit Bewußtwerdungsprozessen der Patienten zu tun, deren Verständnis, warum sie erkrankt sind, geweckt werden muß.
Wie kommt nun ein Therapeut an dieses Wissen?
Der erste Weg ist der, daß man mit der geistigen Welt in Kontakt tritt und unter den nicht materiellen Geistwesen einen oder mehrere kompetente Ansprechpartner sucht, um die beim Selbststudium offen gebliebenen Fragen beantworten zu können.
Dazu schreibt er: „Gib daher auf deinen inwendigen Garten acht, denn wie immer der innere Mensch geschaffen ist, er horche nur mit dem äußeren auf sich selbst, dann wird er lernen, was ihn niemand lehren kann, und jeder wird sich seinetwegen wundern müssen.“ Zum Beispiel führt Paracelsus Hildegard von Bingen an, die ihr Heilwissen im Traum erlangte.
„Wir haben keinen Menschen, der uns lehrt und keinen Menschen, der die Kräuter von selbst weiß und kennt. Er muß es von anderen haben, die mehr oder anders als Menschen sind.“ Also soll man eindeutig einen gezielten Kontakt zur geistigen Welt pflegen, um die Dinge zu erfahren, die ein lebendiger Mensch nicht wissen kann.
Der zweite Weg, sich Wissen anzueignen besteht darin, sich mit Überlieferungen von Vorfahren zu beschäftigen. Doch dieser Weg beinhaltet viele Fehlerquellen, die sich aus Fehldeutungen der Vorfahren ergeben. Aus diesem Grund ist es notwendig, alles recherchierte Wissen einer praktischen Erprobung zu unterziehen. Damit erhält man auch die Chance, zufällige Entdeckungen während der praktischen Arbeit zu machen. Genau diese Zufälle machen den dritten Weg zur Erlangung von Wissen aus, wie Paracelsus meint. Die vierte Möglichkeit, Wissen zu erarbeiten, ist der Kontakt zu den vorhandenen Elementarwesen. Dieser läßt sich am einfachsten durch Wünschelruten und Pendel erschließen oder durch das so genannte automatische Schreiben. Der fünfte Weg ist das Studium der „Chiromantie“. Das bedeutet, daß man auf bestimmte äußere Merkmale achtet, die eine Heilpflanze besitzt. So wachsen Misteln als Schmarotzer auf Bäumen und bedienen sich deren Lebenssaft. Dabei sind Misteln so rücksichtslos, daß sie den eigenen Wirt zerstören und damit auch sich selbst. Genau diese Eigenschaft besitzt die Mistel für jeden sichtbar. Aus diesem Grund ist eben die Mistel eines der wesentlichsten Therapeutika zur Behandlung von Krebserkrankungen. Der sechste Weg ist das Studium der „Physionomie“ von Substanzen. Hierbei kann man aus dem äußeren Erscheinen auf die Wirkung einer Substanz innerhalb eines Organismus angewandt schließen. Wenn ein Patient Durchfall hat, dann muß er eben trockene Nahrung zu sich nehmen. Dazu zählen Zwieback, Reis usw. Hat er dagegen Verstopfung, dann sind „feuchte“ Nahrungsmittel angebracht. Melone und Gurke sind nur zwei Beispiele dafür. Der letzte und wichtigste Weg zur Erlangung von Wissen über die Natur ist das Begreifen aller Wesensmerkmale in ihrer Gesamtheit, die zum Beispiel eine Heilpflanze ausmacht. Dabei kommt es auch auf unsichtbare Eigenschaften an wie Geschmack, Geruch, aber vor allem die Interaktion mit den Planetenkräften. Man muß also eine Pflanze über längere Zeit beobachten und prüfen, bevor man weiß, wann ihr Wirkstoffgehalt am höchsten ist, sie geerntet oder verarbeitet werden sollte. Dabei haben in früheren Zeiten immer der Blick an den Himmel und die Beobachtung der Gestirne, als zeitliche Orientierung, eine große Rolle gespielt. Aus diesen Gedankengängen entwickelte Paracelsus die vier Säulen, die die Heilkunst ausmachen. Die wichtigste und alles andere tragende Säule ist die Tugend. Ohne Tugend sind alle noch so fleißig zusammengetragenen Erkenntnisse und Anhäufungen von Wissen auf Sand gebaut. Dabei spielen die Beweggründe, die einen Menschen veranlassen Heiler oder Arzt zu sein, eine große Rolle. Diese sind entscheidend dafür, ob derjenige ein guter oder schlechter Arzt ist, egal über wie viel Wissen er verfügt. Diese Tugend muß natürlich auch vermittelt werden, schreibt Paracelsus im Buch „Paragranum“. Für diese Vermittlung sieht er drei Wege, um ein guter Therapeut zu sein: Entweder wurden Tugend und Fähigkeiten in die Wiege gelegt oder der Therapeut hatte einen guten Lehrer für die Vermittlung und schließlich besteht die dritte und wichtigste Vermittlung, indem der Therapeut durch Gott berufen wird. „Die Werke machen den Meister und Doktor, nicht Kaiser, nicht Papst, nicht Fakultät, nicht Privilegia, noch eine hohe Schule. … Es ist noch nie ein Arzt von den Hohen Schulen hervorgegangen, auch nie einer, der imstande gewesen wäre, mit wahrem Wissen die Ursache der wenigsten Krankheiten darzulegen.“ Nur das eigene Bemühen um Nächstenliebe ist die Grundlage des Heilens. Paracelsus behandelte, nach eigenen Aussagen, Arme kostenlos oder gegen Kost und Logis. Die wichtigsten Tugenden eines Heilers sind von Paracelsus zusammengefaßt: Bescheidenheit, Nächstenliebe, Optimismus und die Demut vor Gott. „Du mußt einen ehrlichen, redlichen, starken, wahrhaftigen Glauben an Gott haben, mit all deinem Gemüht, Herz, Sinn und Gedanken, mit aller Liebe und allem Vertrauen.“ Dabei stand er mit den Gebäuden und Ritualen der Kirche auf Kriegsfuß und mußte immer gewahr sein, von der Kirche verfolgt und vernichtet zu werden. „Ich behaupte und sage, es sei nützlicher, wenn man den Armen ihre Schäden wäscht, wenn deren Wunden verbunden werden, als wenn man in der Messe steht, um in der Prim und in der Terz in Vesper und Complet zu plärren. Ihr saget, ich sei deshalb unchristlich und handle gegen den christlichen Glauben. Ich habe es jedoch von Christus, der sagt: ,Du sollst speisen, tränken, und kleiden’, an die Messe hat er dabei nicht gedacht.“ Zwei der vier Säulen, die die Heilkunst tragen, sieht Paracelsus immer nur in Gemeinschaft. Dabei meint er die Philosophie und die Astronomie. Schon aus ägyptischen Mysterienkulten wird diese Denkweise deutlich. Heute hat kein westlich ausgebildeter Medizinstudent auch nur das Fünkchen von Philosophieunterricht, von Astronomie ganz zu schweigen, „Wer die Philosophie nicht studiert hat ..., der gibt einen Arzt ab, wie ein Kaminfeger einen Bäckerknecht.“ Mit der Philosophie erhält man die Möglichkeit, das Unsichtbare zu begreifen. Philosophie ist nach Paracelsus das Wissen über „das Licht in der Natur. ... Sie ist die Erkenntnis der Gewächse der Erde und des Wassers, ihrer Natur und ihrer Kraft. Der ist auch ein Philosoph, der den Lauf des Menschen kennt, ihn erfahren hat und ihn erkundet.“ Alles in der Natur ist gekennzeichnet. Nur mit einer philosophischen Betrachtung erschließen sich diese Zeichen der Natur und man erkennt, was mit den einzelnen Pflanzen in der Heilkunst anzufangen ist. Die Astronomie bestimmt den Zeitpunkt der Ernte und Verarbeitung sowie der optimalen Einnahme. So läßt sich die geistartige „Urkraft“ der Materie erkennen und in Form der „Quintessenz“ heilkräftig einsetzen. Die Lehre von diesen Zusammenhängen nennt Paracelsus „goldene Ketten“.
Die letzte von den vier Säulen der Heilkunst findet man in bestimmten Umwandlungsprozessen von Materie. Diese Umwandlungsprozesse nennt man Transmutationen. Jede dieser Transmutationen soll neben der Umwandlung der Materie gleichzeitig durch Erkenntnisse Untugend in Tugend verwandeln. Diesem Prozeß unterliegen sowohl die an diesem Werk beteiligten Personen wie auch die Menschen, die derartig transmutierte Medikamente einnehmen.
Die genauen theoretischen Hintergründe und exakten praktischen Anleitungen für die Paracelsusmedizin findet der geneigte Leser im Buch: „Der Homunkulus – Die Wiederentdeckung der Alchemie“. Die Paracelsus-Medizin und die Alchemie Nur wenigen Naturheilkundlern ist es geläufig, daß der große Arzt Paracelsus Alchemist war. Die Alchemie war der Vorläufer der heutigen modernen organischen und anorganischen Chemie und entsprach somit der allgemeinen Chemie. Hier wurden Farbstoffe, Reinigungsmittel und Medikamente entwickelt. Die Suche nach lebensverlängernden Rezepturen begleitete die Alchemie über Jahrhunderte. Die wichtigsten Heilmittel, die im Laufe der Zeit geschaffen wurden, erhielten den Namen Arkanum, was so viel heißt wie Hauptmittel. Mit einem dieser Hauptmittel gegen den Krebs beschäftigen sich dieser Artikel und mein Buch „Der Homunkulus“.
Paracelsus war neben dem Studium der Medizin ein ausgesprochener Kenner metallurgischer Prozesse und des damit verbundenen Bergbaus. Doch auch der Bereich der Astronomie und Astrologie, die damals noch nicht getrennt waren, machten Paracelsus zu einem Universalgelehrten. Das Zusammenfügen der vorgenannten Erkenntnisse sind für das Verstehen der alchemistischen Prozesse unabdingbar.
Nach über 15 Jahren Studium seiner und der Schriften anderer Alchemisten aus dieser Zeit stieß ich auf Professor Manfred Junius, den ich für den größten Alchemisten unserer Zeit halte. Durch eine Freundschaft verbunden kam es zur fruchtbaren Zusammenarbeit, um die gewonnen Erkenntnisse vor allem praktisch umzusetzen. Das war nicht so einfach, da es keine „Kochrezepte“ in klarer Ausdrucksweise gab. Ein Grund dafür war unter anderem die Verfolgung der Alchemisten durch die katholische Kirche, die auch Paracelsus Leben in der Blüte seines Schaffens angekommen, beendete. Darum wurden alle alchemistischen Schriften, für den nicht Eingeweihten bis zur Unkenntlichkeit verschlüsselt, überliefert. Mit bildhaften Metaphern und Gedichten wurden Prozesse dargestellt. So ist ein Glaskolben mit einem langen Hals ein Schwan. Äthanol wird als Merkur und ätherische Öle als Sulphur bezeichnet, was mit dem ursprünglichen Sinn der Begriffe nichts gemein hat und schnell zur Verwirrung führen kann.
Das Krebsmedikament des Paracelsus bedarf in der Herstellung zwei Monate. Es wird unter anderem aus 40 verschiedenen Pflanzen hergestellt. Dabei ist das Rekonvaleszensmittel Salbei, aber auch der teure Safran. In Alchemistisch-Spagyrischer Tradition werden die ätherischen Öle der Pflanzen durch schonende Destillation gewonnen. Später wird durch Gärung der Alkohol getrennt hergestellt. Der nächste Schritt ist die Einäscherung der Pflanzenreste und die Trennung in das Caput mortum und das Sal Salis. Somit werden auch die wasserlöslichen Salze und Spurenelemente mit den anderen Fraktionen in der „himmlischen Hochzeit“ wieder vereint. Naturhonig und das Aurum potabile spielen ebenfalls eine große Rolle bei der Herstellung. Das Gold wird zerkleinert und in Säure gelöst. Nach dem Abdampfen der Säure erfolgt die Ankopplung des Metalls an das dazu passende Zimtöl, um die so genannte Bio- verfügbarkeit zu ermöglichen. Eine der wesentlichsten Komponenten ist auch der Weinstein, von dem Paracelsus schreibt: „Vegetabilisch tu ich mich nennen und kann dennoch jedes Metall zertrennen.“ Die Arbeit mit Weinstein sollte unter größten Vorsichtsmaßregeln erfolgen, da dessen Dämpfe sehr toxisch sind. Die Verarbeitung erfolgt so wie bei den Pflanzen. Es ist nicht selten, daß eingefleischte Chemiker nur den Kopf schütteln und nicht glauben wollen, daß man Weinstein trocken destillieren und auch dessen Salz fraktionieren kann. Mit der schon erwähnten himmlischen Hochzeit werden zum Schluß die Komponenten vereint und über Wochen eine Exaltation (Erhöhung der Wirkung, auch Reifung genannt) durchgeführt.
Alle beschriebenen Prozesse unterliegen in der Alchemie klaren astrologischen Bezügen, von der Ernte über die Laborarbeit bis zur Verabreichung des Medikaments. Da das „Aqua vitae“ Gold in Form von „Aurum potabile“ enthält, sollte es immer nur in den Vormittagsstunden angewendet werden. Gold wird der Sonne, dem rationalen Verstand und dem männlichen Prinzip zugeordnet, im Gegensatz zu Silber, welches mit dem Mond und damit dem weiblichen Zyklus, den Emotionen und der Nacht zugeordnet wird. Würde man das Arkanum zu spät einnehmen, würde es eine schlaflose Nacht bereiten. Die Komposition der einzelnen Kräuter führt nicht nur zur Substitution von Spurenelementen, Mineralien u.a. lebenswichtigen Stoffen, sondern hat auf das Krebsgeschehen spezifische grobstoffliche und feinstoffliche Einflüsse. Dabei ist die Signatur der Pflanzen entscheidend mitbeteiligt. So wird nicht umsonst in der Naturheilkunde die schmarotzende Mistel beim schmarotzenden Tumor eingesetzt. Es wirkt also hier wie in der Homöopathie auch das Ähnlichkeitsprinzip. Nur daß der energetische Anteil wesentlich hochwertiger ist als bei einer klassischen Potenzierung, was man mit der Hochfrequenzfotografie belegen kann. Der Grund liegt in der Fraktionierung, Reifung und der anschließenden Vereinigung der Substrate, die natürlich in der Verarbeitung gewissenhaft nach astrologischen Prinzipien ausgerichtet wird.
Die erneute Anbindung des Krebspatienten an den natürlichen Lebensrhythmus der Gestirne, Pflanzen- und Tierwelt geben ihm die Chance auf Heilung. Das Arkanum wirkt dabei transformierend, sozusagen als Katalysator für diesen Prozeß. Doch verfolgen wir am besten Paracelsus` ganzheitliche Denkweise, um zu verstehen, daß dieses Medikament zwar ein wesentlicher Bestandteil in der Krebstherapie war, aber bei weitem nicht der einzige.
Paracelsus teilt seine Therapie in fünf Teilbereiche, die er dem jeweiligen Arzttyp unterstellt.
Der erste Arzttyp unterdrückt die Krankheitssymptome mit den entsprechenden Gegenmitteln. So wird Fieber mit dem entsprechenden fiebersenkenden Mittel unterdrückt oder Schmerzmittel verabreicht. Dieses Handeln läßt Paracelsus höchstens bei akuten Krankheitsgeschehen zu, denn Paracelsus wie auch Hahnemann schienen eine große Abneigung gegen die Allopathie entwickelt zu haben. Er schreibt dazu: „Wer Warmes mit Kaltem, Trockenes mit Feuchtem heilen will, versteht das Wesen der Krankheit nicht.“ So sollten nach seiner Meinung die antipathischen Methoden zur Linderung akuter Zustände zum Einsatz kommen, aber immer mit anschließenden Methoden die Behandlung fortgesetzt werden. Denn eine bloße Unterdrückung der Symptome führt niemals zur Ausheilung einer Erkrankung. „Es treibt die Krankheit zurück und läßt andere Übel daraus entstehen.“ „Arkana und Krankheiten, das sind Contraria. Arcanum ist die Gesundheit und die Krankheit ist der Gesundheit entgegengesetzt. Diese zwei vertreiben einander, jedes das andere.“ Der zweite Arzttyp „Specificus“ kennt das geheime Wesen, die spezifischen Eigenschaften der Arznei ganz genau und hat diese auch an sich selbst erprobt. Dafür ist es aber notwendig, die Signatur der Krankheit und der Heilpflanze genauestens zu kennen. Also wird bei diesem Arzttyp genauso wie in der Homöopathie gehandelt nach dem Lehrsatz: Heile Gleiches mit Gleichem“. „Alle geheimnisvollen Kräfte der Dinge heilen ... die betreffenden Krankheiten auf dieselbe Weise, wie diese entstanden sind.“
„Nur das Gleichartige soll für das Zugehörige verwendet werden. Kaltes überwindet nicht das Heiße, auch das Heiße nicht das Kalte bei den entstehenden Krankheiten. Die Behandlung muß mit dem vorgenommen werden, was die Krankheit erzeugt hat.“ Also müssen Heilmittel und Heilmethode analog zur Erkrankung sein. Aus diesem Grund belegt er die Erkrankungen nicht mit Kunstnamen, sondern nennt diese nach dem einzusetzenden Heilmittel.
„Daraus ist abzuleiten, daß ihr nicht sagen sollt, das ist die Cholera, das ist die Melancholia, sondern das ist ein Arsenicus, das ist ein Aluminosum. ... Denn gleich und gleich soll mit dem gleichen Namen benannt werden.“
Der dritte Arzttyp befaßt sich mit den Zusammenhängen zu den Sternen und heißt „Charakteralis“. Da er keinen materiellen Stoff in Form einer Arznei benötigt, ist er über die Dualität von Sympathie und Antipathie erhaben. Der Name dieses Arztes macht deutlich, daß er aus seinen inneren Einsichten heraus heilt. Allein das Charisma und die innere Wahrheit erzeugen die Heilreaktion beim Patienten. Dieser dritte Arzt benötigt selbstverständlich viel Einfühlungsvermögen und Erfahrungen. Letzten Endes soll die Selbsterkenntnis des Patienten unter Führung des Arztes den Heilungsprozeß auslösen.
Der vierte Arzttyp trägt den Namen „Spiritualis“ und heilt einzig und allein mit Magie. Mit Hilfe der Energie der Gestirne wandelt der magische Mensch Materie. Diese so veränderte Materie kann dann als Heilmittel eingesetzt werden. Das hierfür notwendige Wissen wird durch Geistwesen vermittelt, mit denen man zu Lern- und Heilzwecken in Verbindung tritt. Diese hohe Kunst lernt der Mensch nicht von anderen Menschen, sondern ausschließlich durch seine eigene Verbindung zur geistigen Welt.
Bei der Heilung von Patienten setzt dieser Arzt Arkana, so genannte Hauptmittel ein, die ausgewogen die Erkrankung im mineralischen, pflanzlichen Reich und im Reich der Metalle widerspiegeln. Dabei hat jede Pflanze, jedes Mineral und jedes Metall seinen konkreten Bezug zu den Gestirnen. Alle diese Heilmittel gehen sozusagen untereinander und mit dem Kosmos in Resonanz und vervielfachen damit ihre Wirkung. Diese Arznei soll den Organismus und den Geist des Patienten auf eine Schwingungsebene bringen, die es ihm ermöglicht, zu einer Selbsterkenntnis zu gelangen, die jegliche Erkrankung überflüssig macht.
Der fünfte Arzttyp heißt „Fidelis“. Er ist Meister der Hermetik und hat keinerlei Zweifel am Glauben. Sein Geist ist zu einem Gefäß geworden, durch das der gesamte Weltengeist wirkt. Die Aufgabe dieses Arztes ist es, alle Sinne des Erkrankten für die höheren Mächte zu öffnen. Das gilt insbesondere für die Patienten, die aus irgendwelchen Gründen das Urvertrauen in sich und die Welt verloren haben. Das passiert besonders häufig, wenn ein Kind in frühen Jahren missbraucht oder verstoßen wurde. Viele dieser Kinder werden dann zu Suchtpatienten. Egal ob Alkohol, Drogen oder medizinisch offiziell indiziert durch Psychopharmaka versuchen diese Menschen abzutöten, was in ihnen unverarbeitet liegt.
Es muß die Seele geheilt werden, um nichts anderes geht es bei der Arbeit dieses fünften Arzttyps. „Was uns über die irdische Natur erhebt, ist der Glaube, der uns zu Geistern macht, den Geistern gleichgestellt. ... Aus dem Mißbrauch des Glaubens muß notwendig ein Aberglaube entstehen.“ „Daher ist nicht in dem, den der Mensch erwählt, sondern in dem, den Gott erwählt, die Arznei. Er kennt den Arzt in seinem Herzen und achtet nicht auf seinen Grad, auf seine Hochschule, auf seinen Pomp, auf seinen Namen, auf seinen Brief und Siegel, sondern er achtet auf den Barmherzigen und dem gibt er die Arznei.“
Im Paracelsuswerk finden wir die Aussage: „Das dritte Fundament, auf welchem die Medizin beruht, ist die Alchemie. Wenn der Arzt in dieser nicht gute Fähigkeiten und Erfahrungen hat, ist seine Kunst vergebens.“ Und er führt an anderer Stelle fort: „Der Alchimist soll im Lichte der Natur stehen.“
Praxisbeispiele: Da Alchemiepräparate, die wir selbst herstellen, nicht als Medikamente angewendet werden dürfen, bedarf es eines spitzfindigen Schachzuges. Zum Beispiel können wir diese Präparate Raumspray nennen und auch als solche nutzen. Ein Goldraumspray, der neben dem alchemistisch kalt verflüssigten „Aurum portabile“ natürlich auch die ätherischen Öle und wasserlöslichen Salze der mit dem Gold synergistisch wirkenden Pflanzen enthält, ist die bei mir am häufigsten eingesetzte Alchemie. Denn wer kennt sie nicht, die Situation, wo Gespräche drohen festzufahren. Gleich ob es sich um geschäft- liche Verhandlungen, Partnertherapiesitzungen oder Auseinandersetzungen von Eltern mit ihren pubertierenden Kindern handelt, zeigt der Einsatz des Goldsprays sofortige Wirkung. Der Verstand der Beteiligten wird klarer, der Blickwinkel beginnt sich so zu verschieben, daß die Problemsituation aus größerer Perspektive wahrgenommen wird. Eine weitere Indikation für das Goldspray ist das Versagen der Kreativität, gleich ob es sich um einen Künstler oder um einen Therapeuten handelt.
Im Gegensatz dazu wirkt das Raumspray, das das kalt verflüssigte Silber „Argentum portabile“ und die dazugehörigen Pflanzen enthält. Durch die Zuordnung zum Mond und der weiblichen Emotionalität gehört dieses Spray auf den Nachttisch. Denn die viele Menschen quälenden und kreisenden Gedanken vor dem Einschlafen werden gedämpft. Statt klarer Rationalität kommt eine Wandlung zur Emotionalität in Gang. Patienten, die nach einem Schockerlebnis oder beim Verlust eines Angehörigen nicht trauern oder erleichternd weinen können, bedürfen des Silbersprays. Dieses löst die emotionalen Blockaden. Dauert die Trauerphase zu lange, und ist der Mensch nicht mehr in der Lage, zum Alltagsgeschehen zurückzufinden, ist wieder das Goldspray angezeigt.
Wer fertige Produkte erwerben möchte, kann sich zum Beispiel an die Firma Light-of-Nature wenden.
Die genauen theoretischen Hintergründe und exakten praktischen Anleitungen für die Paracelsusmedizin findet der geneigte Leser in meinem Buch: „Der Homunkulus – Die Wiederentdeckung der Alchemie“.
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