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Gerhard Valerius, Heilpraktiker
Die Osteopathie umfaßt spezielle manuelle Diagnose- und Therapiemethoden, mit dem Schwerpunkt auf den strukturellen Beziehungen und Wechselwirkungen der verschiedenen Gewebe.
Das Ziel einer Osteopathischen Behandlung ist die Erhöhung der individuellen Lebensqualität des Patienten, die Verbesserung des strukturellen und dynamischen Gleichgewichts in seinen Körpersystemen.
Die Osteopahtische Medizin ist bestrebt, im Körper alle Ressourcen freizusetzen und sich entwickeln zu lassen, die die Grundlage bilden für seine Wiederherstellung und seine Widerstandsfähigkeit gegenüber krankhaften Einflüssen. In diesem Sinne richtet sich die Vorgehensweise in der Osteopathie weniger nach einer analytischen isolierten Betrachtung der störenden Symptome als viel mehr nach der Fragestellung, unter welchen Bedingungen der Organismus seine Ordnung und Intaktheit autonom aufrecht erhält.
Erst dann wird der Erforschung der Ursache nachgegangen, die zur Entstehung von Krankheitssymptomen geführt haben.
Osteopathie findet Anwendung in der Kinderosteopathie, Sportosteopathie, in der Behandlung von orthopädischen und chirurgischen Krankheitsbildern, des weiteren in der Zahn- und Kieferheilkunde, der Urologie und Gynäkologie, in der Internistik und HNO-Heilkunde und begleitend in der Augenheilkunde sowie in der Behandlung des venösen und lymphatischen Systems aus osteopathischer Sicht.
Die vielfältigen Zusammenhänge führen dazu, daß selbst kleine Ursachen zu Symptomen führen können, die im Verhältnis zum „Auslöser“ große Ausmaße annehmen und oft auch in weit entfernten Bereich sichtbar werden.
Die Diagnostik stützt sich vor allem auf aktive und passive Palpation, Mobilitättests.
Ziel ist das Erkennen von Läsionsketten im gesamten Körper, Schädel und innere Organe eingeschlossen.
Die Methode geht auf den amerikanischen Arzt Dr. A. T. Still (1928-1917) zurück, der durch den Tod von dreien seiner Kinder die Grenzen der Medizin seiner Zeit erkennen mußte.
Von neuem studierte er Anatomie, Physiologie und Biomechanik, allerdings unter ganz neuen Aspekten. Dabei erkannte er folgende grundlegende Gesetze bzw. Osteopathische Prinzipien.
Die Osteopathischen Prinzipien 1. Globalität 2. Struktur und Funktion 3. Leben ist Bewegung 4. Zirkulation 5. Autoregulation
1. Globalität Alle Zellen, Gewebe und Organe des Körpers arbeiten zusammen und sind als Einheit zu sehen, im kranken und gesunden Zustand.
Abnorme strukturelle Veränderungen oder Störungen in der Funktion einzelner Gewebe wie z.B. Knochengelenke, faszialer Strukturen oder Organe können sich auf den gesamten Organismus auswirken.
In der Osteopathie wird weder der Psyche noch der Physiologie oder den Körperstrukturen eine Vormachtstellung eingeräumt.
Die Osteopathie ist bestrebt, auf den gesamten Organismus Einfluß auszuüben.
2. Strukturen und Funktion Als Struktur bezeichnet man knöcherne, fasziale, viszerale und neurale Teile.
Eine normale Struktur und ein physiologischer Spannungszustand der gesamten Körpergewebe sind notwendig, um seine optimale Funktion zu gewährleisten.
Dem gegenüber können abnorme strukturelle Veränderungen zu einer Verschlechterung der Funktion, z.B. zu einer verminderten lokalen Durchblutung von Gewebe oder zu einer gestörten Verdauung führen.
3. Leben ist Bewegung Hierunter versteht man, daß Störungen in der Bewegung eines Knochengelenkes oder eines Organs, ohne Schmerzen zu hinterlassen, an anderer Stelle Probleme oder Störungen aufbauen können; z.B. Bewegungsverlust im Kniegelenk kann einen Schmerz in der Lenden-Becken-Region provozieren.
4. Zirkulation In der Osteopathie spielen die Körpersäfte eine wichtige Rolle, insbesondere das venöse und lymphatische System, sowie die Liquorbewegungen. Störungen in der Funktion bei einem Organ, z.B. der Leber (aber auch von anderen Organen) können einen venösen Rückstau bis in die Wirbelsäule verursachen.
Diese Patienten leiden oft unter chronischen Rückenschmerzen, die oft nachts auftreten.
5. Autoregulation Das Entstehen von Krankheiten ist abhängig von den Abwehr- und Selbstheilungskräften des Organismus und der Stärke der toxischen Einflüsse.
Ab einem bestimmten Niveau sind die Kompensationsfähigkeit und Abwehrkraft des Organismus soweit vermindert, daß sie durch einen erneuten Auslöser überwunden werden kann.
Es entsteht Symptom oder Krankheit.
Durch die therapeutische Auflösung (Behandlung) ist man in der Lage, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
Einer seiner Schüler, W. G. Sutherland (1873-1954), befaßte sich gezielt mit dem Schädel und brachte die Idee auf, daß der Schädel ein mobiles Glied in der „Kette Organismus“ sein muß. Er vertrat die Auffassung, daß der Schädel mehr als nur ein Schutz für das Gehirn darstellt, vielmehr jeder einzelne Schädelknochen Bewegungen durchführt und einem speziellem rhythmischen Impuls unterliegt.
Diese therapeutische Richtung wird das Craniocacral-Therapie bezeichnet.
Ein weiterer wichtiger Teil der Osteopathie ist die Viszerale Osteopathie.
Sie basiert auf dem Grundsatz, dass auch die inneren Organe in ihrem physiologischen Rahmen mobil sein müssen.
Das geschieht in Verbindung mit der Atmung, der Peristaltik von Körperbewegung und Lageveränderungen.
Es besteht ein Zusammenhang zwischen den inneren Organen, dem Parietalen System und dem Craniosacralen System.
Die Ursache für eine veränderte Kieferposition kann beispielsweise eine Magenptose oder ein Beckenproblem sein.
Eine isolierte Anwendung und Betrachtung (z.B. aus dem Craniosacralen-System) ist aus dem in der Einleitung genannten Aspekt weder möglich noch sinnvoll.
Folgende Techniken werden in der Osteopathie angewandt - Parietale Techniken - Viszerale Techniken - Craniosakrale Techniken
1. Parietale Techniken: direkte Techniken an: Knochen Muskeln Sehnen Bändern und Faszien (auch Gefäße und Nerven)
2. Viszerale Techniken: direkte und indirekte Techniken zur Behandlung von Organen
3. Craniosakrale Techniken: direkte und indirekte Techniken für das Kreuzbein die Rückenmarkshaut die Hirnhaut die Schädelfaszien (Falx) die Schädelknochen die Schädelnähte (Suturen)
Osteopathische Dysfunktionen und Kompensation 1. Genetische Einflüsse 2. Traumata, wie Schleudertrauma, Geburtstrauma 3. Folgen einer schweren Erkrankung, wie Otitis media 4. Folgen von Operationen z.B. Narben 5. Folgen von Zahnproblemen 6. Mechanische Einflüsse, z.B. Rükkenschmerzen durch Fehlbelastung 7. Viszerale Einflüsse, z.B. Organdysfunktionen (z.B. der Leber) 8. Psychische Einflüsse z.B. Stress 9. Einflüsse durch die Ernährung auf die Körperphysiologie 10. Einflüsse durch Umweltbelastungen
Eine Osteopathische Dysfunktion kann sich äußern im Gelenk im Muskel in Faszien - Sehnen - Bändern in Hirnhäuten und Schädelnähten in jedem Organ im Knochen
Das Craniosacrale System Das Interkraniale Membran-System (Falx Cerebri, Falx Cerbelli, Dura Mater cranialis, Tentorium, Cerebelli, Diaphragma Sellea) stehen nicht nur untereinander in Verbindung, sondern auch mit der Dura Mater Spinalis (und damit mit jedem Spinalnerv sowie dem Sacrum), die wiederrum mit der Außenmembran zweier Hirnnerven (N. Opticus und N. Olfactorius).
Ebenfalls hat das Intercraniale Membran-System mit vielen Schädelknochen direkten Kontakt und stellt damit eine funktionelle Einheit dar.
Die Dura Mater Spinalis endet in Höhe des 2. Sacralwirbels. Von dort zieht nun das Filium Terminale zum Steißbein und stellt eine direkte Verbindung zum Beckenboden dar. Des weiteren baut die Dura Mater Spinalis mit jedem Spinalnerv eine weitere wichtige neurologische wie fasziale (über den Duralsack in das Epineurum des Spinalnerven) Verbindung bis in die Peripherie auf.
So besteht eine fasziale Kette von den Zehen bis zu den intercranialen Membranen. Tension und Adhäsion des Beckenbodens können auf faszialem Weg (Filium Terminale- Dura Mater Spinalis-Intercraniale Membrane) Tensionsen im cranialen System erzeugen, so daß auf diesem Weg eine Dysfunktion an einem Schädelknochen (z.B. Os Temporale) erzeugt werden kann.
Aus der Dysfunktion des Os Temporale kann dann ein Problem des Kiefergelenkes entstehen.
Die wichtigsten Bestandteile des Craniosacralen Systems heißen: Os Sacrum Dura Mater Spinalis Dura Mater Cranialis Intercraniale Membransystem Sinussytem Suturen Schädelknochen Ventrikelsystem
In einer ganzheitlichen Osteopathischen Betrachtung wird bei einer Craniosacralen Therapie das Myofasziale (z.B. Beckenboden)-System in die osteopathische Behandlung einbezogen.
Kurze Beschreibung des Craniosacralen Systems und seiner Entdeckung Das Craniosacrale System ist ein erst kürzlich entdecktes, physiologisches System.
Es ist ein halb-geschlossenes, hydraulisches System in einer festen, wasserdichten Membran (der Dura Mater), die das Gehirn und das Rückenmark umgibt.
Eine wichtige Funktion dieses Systems sind die Produktion, Zirkulation und Absorption der cerebrospinalen Flüssigkeiten (Liquor cerebrospinalis, kurz Liquor). Der Liquor wird innerhalb des Craniosacralen Systems hergestellt und gewährleistet das physiologische Umfeld, in dem das Gehirn und das Nervensystem sich entwickeln, leben und funktionieren können.
Normalerweise führen die Produktion und Absorption der cerebrospinalen Flüssigkeit zu einem ständigen Anstieg und Abfall des Flüssigkeitsdrucks im Craniosacralen System.
Die rhythmischen Druckschwankungen bewirken eine gewisse Ausdehnung und ein gewisses Sich-Wieder- Zusammenziehen des halb-geschlossenen hydraulischen Systems.
Diese Anpassung verhindert, daß sich ein zu großer Druck innerhalb des Craniosacralen Systems aufbaut.
Wenn der Körper aus irgend einem Grund nicht in der Lage ist, diese Druckschwankungen aufzufangen, kann der entstehende übermäßige Druck zu Funktionsstörungen im zentralen Nervensystem führen, was eingebettet im Craniosacralen System liegt.
Erste Untersuchungen auf diesem Gebiet wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von William G. Sutherland, D.O. durchgeführt.
Anfangs befaßte man sich nur mit den Schädelknochen und ihrer Bewegung an den Schädelnähten (Suturen), den Verbindungsstücken zwischen den einzelnen Schädelknochen.
In bestimmten Bereichen wurde eine ungewöhnliche Bewegung der Schädelknochen induziert und mit Handgriffen korrigiert.
Bald wurden Methoden zur Behandlung krankhafter Schädelknochenbewegungen entwickelt.
Untersuchungen zur cranialen Manipulation wurden zunächst hauptsächlich von Chirurgen, die sich in erster Linie mit Knochenchirurgie befassen, und Chiropraktikern durchgeführt.
Diese Pioniere standen in Widerspruch zu den großen wissenschaftlichen Gesellschaften und oft auch ihren eigenen Kollegen bzgl. eines zentralen Aspektes des cranialen Systems: der Bewegung der Schädelknochen.
Anfang der 70iger Jahren hat das „College of Osteopathic Medicine“ der Michigan State University versucht, den Streitpunkt zu klären. Es stellte ein Forscherteam zusammen mit dem Ziel, die Lehre der Manipulation der Schädelknochen zu beweisen oder zu widerlegen. Die Hauptfrage war natürlich, ob sich die Schädelknochen bewegen oder nicht.
Es wurden frische Präparate von Schädelknochen untersucht und nicht wie bisher chemisch behandelte Präparate.
Dabei konnte das Team der Michigan State University darstellen, daß eine Bewegung der Schädelknochen möglich ist.
Im Licht- und Elektronenmikroskop wurden Blutgefäße, Nervenfasern, Kollagenfasern und elastische Fasern in den Schädelnähten gefunden.
Es wies wenig auf eine Verknöcherung der Schädelnähte hin, die allein eine Bewegung der Schädelknochen gegeneinander unmöglich machen würden.
Für weitere Untersuchungen des Teams der Michigan State University wurden Radiowellen zwischen Antennen ausgesandt, die an freigelegten Flächen der Schädelknochen von lebenden, erwachsenen Primaten befestigt worden waren. Dies führte zu genauen Messungen von Häufigkeit und Umfang der Bewegung von Schädelknochen.
Nachdem die Bewegung der Schädelknochen erwiesen war, versuchte das Team der Michigan State University die Mechanismen, die eine derartige Bewegung in Gang setzten, zu erforschen. An diesem Punkt wurde die Rolle, die die craniosakrale Dura Mater und der Liquor spielen, in ein umfassendes Modell des Craniosacralen Systems eingebracht.
Die Ergebnisse der Untersuchungen der University of Michigan haben die therapeutischen Methoden der cranialen Manipulation beeinflußt.
Anfangs waren sie darauf beschränkt, daß die Schädelknochen beweglich sind, jetzt wußte man, daß die Dura Mater eine entscheidende Rolle bei der Bewegung der Schädelknochen spielt.
Die Methoden zur Evaluierung und Behandlung der Dura Mater wurden weitgehend von Dr. John. E. Upledger, einem Mitglied des Teams der Michigan State University, entwickelt.
In der zentralen Rolle, die die Dura Mater in der Bewertung und Behandlung des Craniosacralen Systems spielt, unterscheidet sich die Craniosacrale Therapie des Upledger Institutes von anderen cranialen Therapiemethoden.
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