12.07.2010: Brennessel


Das immer währende heilende Unkraut Urtica dioica

Lothar Wagner, Heilpraktiker
 
Botanik
Die Brennessel gehört zur Familie der Nesselgewächse (dazu zählen auch der Hopfen und Hanf). Sie wird bis 1,5 m hoch, und man findet sie fast überall. Vor allem an Wegrändern, Waldrändern, auch auf kargen Böden gedeiht sie prächtig.
 
Wachsend teilweise weltweit, vor allem in Europa, bis auf 3000 m Meereshöhe.
Ihr Aussehen läßt sich wie folgt be­schreiben:
 
Stengelpflanze, nicht verzweigt, aufrecht wachsend. Entlang des Stengels wachsen zahlreiche, sich gegenüberstehende Blätter. Diese sind leicht herzförmig, zugespitzt und übersät mit vielen kleinen Haaren, die bekanntlich das Bren­nen auslösen, deshalb auch der Name der Nessel. Je jünger die Blätter sind, desto mehr Haare. Auch entlang des Stengels finden sich Brennhaare. Diese Haare sind hohl und durch diese gelangt die Menthansäure (Amei­sen­säure) in unsere Haut, welche dann den Brennschmerz verursacht. Wir werden „gestochen“ und die Säure infiltriert. Als Pardon gibt es noch die Taubnessel, welche optisch der Brennessel sehr ähnelt, hingegen aber nicht brennt. Sozusagen taub bleibt. Die Blattränder der Brennessel sind grob gezahnt und erinnern an ein Sägeblatt.
 
Entlang des Stengels (farblich rötlich bis violett) bilden sich jeweils meist 4 Blü­ten­hüllblätter und an deren Enden sitzen die Blütenknospen, die sich rispenartig bilden. Diese Knospen (Früchte) werden auch Nüßchen genannt. Sie sind von heller bis violetter Farbe. Die Pflanze ist eingeschlechtig, das heißt entweder männlich oder weiblich.

Es gibt etwa 35 Brennesselgattungen. Die hier beschriebene Brennessel ist die gemeine große Brennessel (Urtica dioica), die wir das ganze Jahr über finden können. Blüte von Juni bis Ok­tober.

Auf stickstoffreichen Böden wächst die Brennessel besonders reichlich. Das heißt, dort, wo man üppige Brenn­es­sel­pflanzen findet, kann man von einem stickstoffreichen Boden ausgehen, und somit wurde / wird die Pflanze als „Zeiger“ über die Bodenbeschaffenheit verstanden.

Pflanzeninhaltsstoffe
Mineralstoffe, Vitamine, reich an Eisen, Acetylcholin, Chlorophyll, Serotin, Hista­min und andere.

Historie/ Interessantes
Die Brennessel wird seit urgedenken verwendet. Bereits vor Einführung von Baumwolle wurde ab dem Mittelalter aus den Fasern der Brennesseln Nesseltuch (das Leinen der armen Leute genannt) gewonnen. Somit war sie also auch Nutzpflanze und nicht nur Heilpflanze. In Skandinavien wird sie angepflanzt zur Gewinnung von Futter für die Landwirtschaft. Die Brennessel­verfütterung an die Kühe bringt einen besseren Milchertrag. Bei Hühnern be­wirkt es vermehrtes Eierlegen.

In früheren Jahrhunderten machte man sogar Schiffstaue aus den Fasern der Brennessel, die besonders gut gehalten haben sollen.

Auch als Färbemittel wurde und wird die Brennessel verwendet. Heutzutage als Färbeauszug in Le­bensmitteln, wie z. B. in Gum­mi­bärchen.

An manchen Orten in Österreich und der Schweiz verbrennt man Brenn­nes­seln aus Aberglauben heraus, um ein drohendes Unwetter (Schutz vor Blitz­schlag) abzuwehren.

Schmerzende Körperteile hat man früher mit frischen Brennesselbündeln ausgepeitscht.

Von manchen Heilkundigen wird die Brennessel als Alleskönner bezeichnet und als Königin der Heilpflanzen verehrt.

Anwendungen
Die Brennessel wird komplett verwendet. Das ganze Jahr über nutzbar. Auch die Wurzeln sind sehr dienlich. Sowohl innerlich als auch äußerlich findet die Brennessel Anwendung.

Innerlich
Als Teezubereitung, als Nahrungsmittel wie „Gemüse“, „Pfannengericht“, Suppe, Saft, Brennesselkäse.

Vorsicht bei Herz,- und/ oder Nie­ren­in­suffizienz, speziell als Teezubereitung.

Die Brennessel dient der Blutreinigung, bei Rheuma, zur Ausschwemmung von Schlacken und Harnsäure, Wasser­an­sammlungen, wirkt harntreibend. Ist unser wertvollster Eisenlieferant.

NICHT der früher beschworene Spinat liefert viel Eisen, sondern die Bren­nessel!

Sie hilft bei Nesselsucht, bei Nasen­bluten, gut für Haut und Haare.

Als Frühjahrs- und Herbstkur zur Kör­perentschlackung.
 
In früheren Zeiten wurde die Brenn­nessel wie folgt empfohlen
Pfarrer Kneipp preist Brennesseltee gegen beginnende Wassersucht.

Nasenbluten wurde gestoppt mit ausgepreßtem Saft der Stengel und Blätter, den man per Baumwolle (Tupfer) in die Nase einbrachte.
 
Tee wird gegen Brust- und Lun­gen­verschleimung empfohlen.
 
Teezubereitung, wie folgt
Man kocht reines Wasser auf und gibt in den abseits der Kochstelle gestellten Topf die nötige Menge Brennesselkraut hinzu. Man nehme etwa 1- 2 Teelöffel getrocknetes Pflan­zenkraut (Blätter, Stengel) auf 1 große Tasse Wasser­men­ge. Dies decoctum läßt man ruhig 10 Minuten ziehen, seiht es ab und fertig ist der Tee. Es ist immer besser einen Tee ungesüßt zu sich zu nehmen. Sollte man hingegen etwas Süße wünschen, so verfeinert man diesen (nicht mehr all zu heißen) Tee mit naturbelassenem Honig. In der Regel genügen 3 Tassen Tee, verteilt am Tag, zu trinken. Jede Tasse bitte frisch aufgießen.

Bei Eisenmangel ist Bren­nes­seltee ein sehr probates Mittel; 2 Wochen lang täglich 3 Tassen.
 
„Gemüsezubereitung“ , „Spinatersatz“, wie folgt
Das Grün der Pflanze waschen, etwas zerkleinern und mit etwas Wasser etwa 10 Minuten aufkochen, bzw. sieden lassen. Mit Kräutersalz ab­schmecken. Evtl. noch Creme fraiche unterrühren. Fertig. Dazu Spiegelei, Kartoffeln.

Geröstete Brennessel
Die zarteren Brennnessel-Blätter trocken säubern, in der Pfanne mit etwas Pflan­zen­fett oder Butter rösten. Man kann seiner Kochfantasie freien Lauf lassen und noch klein geschnittene Zwiebeln oder Scharlotten hinzufügen und mit rösten.

Im Teller ggf. würzen, evtl einen „Dip“ dazu und eine wohlschmeckende, leichte Kost ist kreiert.
 
Beilagen, je nach Geschmack, runden das Gericht ab.
 
Panierte Brennessel
Man kann richtig große („alte“) Blätter verwenden. Diese trocken säubern; nicht waschen. Vor der Pfannenzugabe werden sie mit Panierteig (Paniermehl verwenden) paniert. In der Pfanne anbraten, fertig.

Suppe
Brennesseln waschen, mit einem Messer ganz fein zerkleinern (wie bei Schnittlauch / Petersilie), mit Suppen­würze oder klarer Brühe zu einer Suppe aufkochen. Ggf. aufdicken mit Mehl oder heller Soße/ Gemüseeinlagen.

Brennesselsaft kauft man am Besten im Reformhaus / Drogerie. Oder man kocht reichlich Brennesseln aus. Etwa eine gute Handvoll auf 250 ml. Wenn der Sud erkaltet ist, dann mit Honig oder Rohrzucker süßen. Ist durch die Zucker­beigabe ein Energielieferant.

Brennesselkäse bieten verschiedene Hersteller (Sennereien) an.
 
Die Brennesselwurzel gräbt man im Herbst aus. Nach dem Waschen wird sie zerkleinert, damit sie besser trocknen kann. Nach dem Trocknen raspelt man die Wurzelstückchen zu einem Pulver, das man über’s Essen geben kann und somit hat man immer etwas von der köstlichen Brennessel zur Hand.

Äußerlich
Als Haartonikum, als Umschlag/ Auf­lage, als Badezusatz, Gel gegen Ver­brennungen etc.

Anderweitiger Einsatz: als Sud gegen Blattläuse (Pflan­zen­schutzmittel, Dün­ger).
 
Als Haartonikum (gibt es auch zu kaufen):
 
Ganze gesäuberte Pflanze inkl. gewaschener und aufgespaltener Wurzel verwenden. Alles kräftig auskochen. Da­nach abseien. Pflanzenreste gut aus­­drücken, damit nichts verloren geht, und sämtliche Flüssigkeit in Glasbehältnisse abfüllen. Dunkel lagern. Um eine bessere Haltbarkeit zu erzielen, geht man wie folgt vor: 2/3 Abfüllung (Sud) und etwa noch 1/3 ca. 40%igen klaren Schnaps dazu. Um ein möglichst starkes Haar­tonikum zu erreichen, gibt man zur ge­füllten Flasche (nicht ganz voll machen!) noch frische Blätter und Stengel hinzu und stellt das Ganze noch einige Wo­chen (bis zu 6) an die Wärme (Sonne), um durch den Alkohol noch mehr aus der Pflanze auszuziehen. Mit diesem Tonikum werden die Haare (Kopfhaut) über Nacht eingerieben und erst am nächsten Morgen ausgewaschen. Mischen Sie das Ganze ruhig noch mit etwas Rosmarin-Sud. Das verstärkt die Durchblutung und Wirkung insgesamt.

Aber auch innerlich angewandte Bren­nesseln wirken sich positiv auf`s Haarwachstum aus.

Bei schmerzenden Gelenken kann man Umschläge mit „blanchierten“ Bren­nesselblättern machen.
 
Brennnesselsud geben Sie in die Badewanne für die Haut und zur Nierenanregung.
 
Es gibt ein vorzügliches Gel (auch Salbe) auf dem Markt, welches die Brennessel beinhaltet. Dies wirkt sehr gut bei Verbrennungen, Insektenstichen und anderen Hautleiden. Fragen Sie in der Apotheke nach Combudoron von Weleda.

Als Insektenvertreibungsmittel, speziell gegen Blattläuse
Kräftigen Sud machen und damit die Blumen/ Pflanzen gießen. Natürlich den Sud zuvor auskühlen lassen. Ist zu­gleich einem Bio-Düngemittel gleichkommend. Durch Mineralien der Brenn­nessel.

Nach wenigen Wochen ist der Vorgang zu wiederholen, um langfristig Erfolge zu sehen.
 
Fazit
Die Brennessel ist eine wirkliche Heilpflanze und verdient mehr Be­achtung. Sie hilft bei vielerlei Be­schwerden und ist eine köstliche Abwechslung in unserer Küche. Mit Kräutern zu kochen, macht die be-wußte Ernährung aus! In unserer Natur finden wir eine Vielzahl an gut schmeckenden, natürlichen und wertvollen Kräutern. Dies sollte mehr in unser Gedächtnis kommen und allen voran die „brennende Nessel“, da sie oft zu finden ist und Wertvolles in sich birgt.
 
Noch was Prinzipielles
Heilkräuter werden entweder morgens oder bis etwa zum Mittag gesammelt. Nie abends, da die „Heil-Inhaltsstoffe“ zur späten Tageszeit geschwächt sind.
Vor der Teezubereitung muß die Pflan­ze (ungewaschen!) getrocknet werden. Dazu legt man sie aus und trocknet sie im Schatten bis zu mehreren Tagen, je nach Wärme, bis sie absolut ausgetrocknet ist, um eine spätere Schim­melbildung bei La­ge­rung zu vermeiden. Auch verursacht die getrocknete Nessel kein Brennen mehr.
 

 
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