09.01.2009: "Traumhaftes" - "Heilkräfte des inneren Arztes"


Margret Schlüter-Teichmann

Rätselhafte Heilungen bewegten die Menschen in allen Jahrhunderten. Welche Rolle spielen Seele und Geist, wenn Menschen sogar von unheilbar erscheinenden Krankheiten genesen? Können Menschen auf natürliche Weise, z.B. mit Hilfe Ihrer Träume einen Weg zur Genesung finden? Nicht erst seit Sigmund Freud und der Entwicklung der Psychoanalyse wissen wir, daß die Psyche und das Seelenleben Einfluß auf unsere Gesundheit haben. Dieses Wissen wandten bereits die alten Griechen an, die Kranke in den Tempel brachten und so lange dort verweilen ließen, bis sie einen Traum hatten, der den Weg zur Heilung wies.

Geist und Seele spielen im Krankheitsgeschehen eine große Rolle. Jeder Krankheit liegt eine Unausgewogenheit zugrunde, die, wenn sie unbewußt und unerkannt bleibt, sich als körperliche Störung oder Krankheit manifestiert. Die Ursachen dafür sind in verschiedenen Bereichen zu suchen, in jedem Fall aber ist die Homöostase, das Bestreben des Körpers, einen Zustand des Gleichgewichts und der Harmonie zu erhalten, gestört. Heilung kann geschehen, wenn sich der Blickwinkel eines Menschen ändert. Das kann durch Träume geschehen, denn im Unbewußten schlummern Potentiale, die wir für für unsere Genesung nutzen können. Durch Träume können wir innere Hilfsquellen und Ressourcen anzapfen, natürliche Heilkräfte aktivieren, die Körper und Seele heilen.

Bereits die Bibel ist voll von Träumen, dort werden zahlreiche, außergewöhnliche Heilungsgeschichten beschrieben. So wird beispielsweise durch Moses immer wieder auf die gesundmachende Wirkung positiver und die krankmachende Wirkung negativer Gedanken und Emotionen hingewiesen. Es sind unbewußte Konzepte, die wir uns angeeignet haben, die uns aber krank machen können. Sind wir ernsthaft erkrankt, brauchen wir auf dem Weg zur Heilung neben dem körperlichen Bewußtsein dann auch das seelische. Dann sind Traumbilder Brücken, sich auch in der Landschaft unserer Seele zurechtzufinden. Die Signale des Unbewußten sind wichtige Botschaften, die uns vor allem durch Träume zugänglich gemacht werden. Menschen berichten immer wieder, daß sie während einer Krankheit bestimmte Einsichten, Gefühlsregungen und Träume hatten, die für sie ein wichtiger Wegweiser auf dem Weg zur Gesundung waren.

So haben wir beispielsweise einen inneren Arzt, der seinen Beitrag zur Erhaltung unserer Gesundheit leisten und uns konkrete, wirkungsvolle Hinweise geben kann. Taucht ein Arzt, Heilpraktiker oder anderer Heilkundiger in unseren Träumen auf, nahen mit ihm die Kraft und die Funktion der heilenden Seele. Mit dem inneren Arzt kommt aus der eigenen Tiefe Hilfe, die auf Gesundung bedacht ist. Wichtig ist zu erkennen, daß dieser ‚innere Arzt’ ein Teil von uns selbst ist. Er ist ein innerer weiser Teil, der in schwierigen Situationen erscheint, in denen der Träumende den intensiven Wunsch verspürt, befreit oder geheilt zu werden. Der Innere Arzt fügt dem Wachbewußtsein des Träumenden kompensierend einen fehlenden Aspekt hinzu. Jetzt kann Erkenntnis stattfinden, ein Ratgeber, Hiilfebringender tritt in Erscheinung. Der Arzt oder Heilkundige im Traum weiß die Lösung, kennt die Wege, die zum Ziel führen.

Träume lassen Ungesundes sterben - schaffen Raum für Neues

Das erste Beispiel beschreibt Träume einer Frau, die seit 40 Jahren unter Migräne und Trigeminus-Schmerzen leidet. Sie nimmt sehr viele Medikamente, damit sie ihr Leben halbwegs schmerzfrei bewältigen kann, aber ihre Lebensqualität ist sehr beeinträchtigt. Während eines Aufenthaltes in einer Naturheilklinik gewann sie neue, wichtige Erkenntnisse. Sie entkam einer depressiven Phase und arbeitete statt dessen motiviert an der Veränderung ihrer bisherigen Lebensweise. Durch Entspannung, Ruhe und sanfte Therapien gelang es ihr zunehmend, ‚Bewegung’ in ihren Schmerz zu bekommen. Sie ‚lauschte’ außerdem nach innen und notierte ihre Träume. So zeigt ihr auch ein Traum, daß sich Neues ankündigt, sie sich auf einem erfolgversprechenden Weg befindet: ,Ich will sterben“,  berichtete sie, ‚meine Mutter ist bei mir, begrüßt es. Eine Ärztin verabreicht mir 3 Todesspritzen, mit denen ich einschlafen werde. Die ersten beiden funktionieren nicht, vor der dritten Spritze muß ich noch auf die Toilette gehen. Dann erlebe ich, wie ich sanft hinüberdämmere.’

Der Tod im Traum informiert über ein Wandlungsvorgang. An die Stelle dessen, was im Traum stirbt, tritt etwas Neues. Mit der Ärztin naht die heilende Kraft der Seele. Mit einer Spritze werden Körpergrenzen durchstoßen, das verweist damit auf Offenheit im emotionalen Sinn. So kann man dieses Traumgeschehen auf den kurzen Nenner bringen: „Ich will mein bisheriges Leben ‚sterben’ lassen. Meine fürsorgliche Seite (meine Mutter) ist bei mir ist, ich erlebe Wandlung. Meine innere Ärztin sorgt für Offenheit, ich entspanne mich. Bevor ich es aber tatsächlich erlebe, muß ich noch etwas loslassen.“ Der Traum zeigt: Hier soll Altes sterben, aber zunächst muß noch etwas losgelassen werden (Symbol der Toilette), mit großer Wahrscheinlichkeit bisherige, hinderliche Einstellungen oder Verhaltensweisen.

In der folgenden Zeit fügen ihre Träume ihrem Bewußtsein neue Aspekte hinzu, was zu weiterer Entspannung beiträgt. Dem beschriebenen Traum folgen nämlich weitere, die den Gesundungs-Prozeß fördern und unterstützen. Sie findet heraus, was ihr guttut, mit was sie sich wohlfühlt. Das nämlich hatte ihr ebenfalls die Ärztin im Traum empfohlen: Sie solle, anstatt immer nur Vokabeln pauken, doch einfach mal Singen -anstatt also den Kopf anzustrengen, Entspannendes tun. Mit dieser Neuorientierung war eine spürbare Erleichterung für ihren Kopf verbunden. Weitere Träume kommen und als sich in einem ihrer nächsten Träume eine Lotosblüte entfaltete, in der buddhistischen Lehre ein Sinnbild für Weisheit, Erleuchtung und Heilung, deutet sich mit diesem Bild an, daß sich ihre eigene innere Weisheit, ihre Erfahrung, Stück für Stück entfaltet. Eine ‚traumhafte’ Bestätigung, daß sie sich ihrer Körperwahrnehmung und der Weisheit ihrer Seele anvertraut. Da auch noch aus jedem Blütenblatt ein kleines Baby auftaucht, ein Symbol für ‘neues Leben’, bestätigt darüber hinaus, daß sie mit ihrem eigenen Wesenskern in Berührung gekommen war, neues Leben entstanden ist.  Diese positive Entwicklung nahm ihren Anfang, als sie begann, ihrem inneren Arzt zu folgen und die im Traum empfohlene ‚Therapie’ im Alltag umsetzte.

Träume präsentieren unsere Inneren Heiler

Nicht nur der Arzt erscheint im Traum, sondern natürlich auch Heilkundige jeglicher Art. Personen, mit denen unsere Seele eine heilende Funktion verbindet. So auch bei einer Frau, die sich übermäßig viel Gedanken über ihre berufliche und private Zukunft machte. Als sie mitten in der Nacht aufwachte, das Gedankenkarussel nicht abstellen konnte, traten Panikgefühle auf. Plötzlich erinnert sie sich an die Aussage einer Psychologin: ‚Warum machst Du Dir solche Sorgen, es läuft doch alles sehr gut. Wenn Du gedanklich eine Zukunft vorwegnimmst, die noch gar nicht stattgefunden hat, verursacht das natürlich Panikgefühle!’

In dieser Nacht entdeckt sie eine Flasche mit Melissenöl, öffnet sie und nimmt einen tiefen Atemzug. Unglaublich, aber damit gelang es, plötzlich alle Gedanken loszulassen. Sie hatte wohltuende Entspannung ‚eingeatmet’ (Melisse), war wieder in ihrem Körper gelandet, hatte den Kopf losgelassen. ‚Der Verstand ist ein plappernder Affe’ sagt der Osten, und sie begriff, daß sie diesem Affen freien Lauf gelassen hatte. Keine sorgenvollen Gedanken mehr über die Zukunft! Mit diesem Entschluß entspannte sie sich, schlief wieder ein und träumt einen Traum, der die Richtigkeit ihres Tuns bestätigt: ‚Ich tanze mit Y., einer Heilerin und Priesterin aus New York. Obwohl sie recht schwergewichtig ist, ist es ganz leicht und es ist ein herrliches, ganz wunderbares Gefühl. Wir bewegen uns gemeinsam, völlig im Einklang. Sie sagt mir, sie habe gleich zu Anfang festgestellt, daß ich Gold liebe und da sei es ihr bereits klargewesen, daß ich es schaffe.’

Das Symbol ‚tanzen’ zeigt: Hier kommen Energien in Bewegung und so fühlte sie sich wieder: lebendig. Die Heilerin gibt ihr durch das Symbol des Goldes, höchste Kostbarkeit und ein Symbol der Ganzheit und Vollständigkeit, die beruhigende Botschaft. Zusammengefaßt übermittelt ihr der Traum nämlich: „Ich bin mit der geistigen Heilerin (in mir) in völligem Einklang. Außerdem erhalte ich von ihr die Bestätigung, daß ich es schaffen und erfolgreich sein werde, da ich etwas Kostbares liebe, nämlich Ganzheit und Vollständigkeit. Eine ‚traumhafte’ Bestätigung.

Zärtlichkeit, Liebe und Entspannung schaffen Wohlbefinden

Eine Träumende berichtete, daß sie sich in ihrer Partnerbeziehung nicht mehr wohlfühlte und Gespräche keinerlei Veränderung bewirkten. Eines Abends besuchte sie einen langjährigen Freund, Arzt und Heilpraktiker, in seiner Praxis. Er, hauptsächlich als Chiropraktiker tätig, ist ihr zugewandt, positiv und humorvoll, genau das, was sie jetzt braucht. Der ‚renkt’ ihr Wohlbefinden auch tatsächlich wieder ein, aber nicht manuell. Er merkte, daß es ihr nicht gutgeht und machte ihr eine ausgiebige Wohlfühlmassage, die ihre ganze positive Lebensenergie wieder auf den Plan rief. Danach gingen sie noch gemeinsamen essen und genossen den Abend. Sie berichtet: Ich fühle mich danach wieder richtig gut, schlafe ausgiebig und träume: ‚Ich bin bei P. in der Praxis’. Bin also am inneren Ort der Heilung, wo ich spüre, was ich brauche: Liebe und Zärtlichkeit, das, was ich in der Beziehung zu meinem Partner vermisse. Im nächsten Traum dieser Nacht schlage ich ein Buch auf und sehe als erste Seite ein wunderbares tiefe dunkles Rot’.

Auch der Traum signalisierte, was ihr guttut und die Seele heilt: Klugheit (Symbol des Buches) Herzensliebe und Gefühl (Farbe Rot). Mit diesen Bildern und Botschaften ihrer Seele beschloß die Träumende, die Beziehung zu beenden und den Mann, von dem sie nicht bekam, was sie brauchte, loszulassen. P. als Freund stellt als Traumsymbol eine hilfreiche Seite in ihr dar. Da er gleichzeitig auch Arzt und Heilpraktiker ist, ist er aber gleichzeitig ihr innerer Arzt, von dem sie bekommt, was ihre Seele braucht: Liebe, Zärtlichkeit, Lebensgenuß und Leichtigkeit. In einer Praxis - oder im Krankenhaus - erfährt der Träumer etwas über seine psychische ,Bedürftigkeit’ die einer Zuwendung bedarf. Hier wird nach der Ursache für das Leiden geforscht. Die Träumende fühlt sich nach dem Aufwachen gut, faßte den festen Entschluß zur Trennung und lernte kurze Zeit später den Mann kennen, der ihrer Seele tatsächlich guttat.

‚Traumhafte’ Gesundheit durch gesunde Ernährung

Träume betreiben auch Krankheitsprophylaxe, sie reflektieren Geschehnisse, von denen wir mit unserem Wachbewußtsein keine Notiz genommen haben. Unsere träumende Seele greift auf, was mehr Aufmerksamkeit erfordert, als wir ihm haben zukommen lassen. Sie übermittelt uns nächtliche Traumgeschichten, um zum Ausdruck zu bringen, was wir tief in unserem Innern über uns und die Qualität unseres Lebens empfinden.

Das läßt sich am Traum einer Frau ablesen, die in früheren Jahren mit Alkoholproblemen zu kämpfen hatte. Die sind lange überwunden, sie lebt sehr bewußt. Sie ist aber noch starke Raucherin und ihre Ernährungsweise läßt zu wünschen übrig. Sie beschäftigt sich lieber mit geistigen Dingen. Um sie aufmerksam zu machen, was ihr fehlt, gibt ihr die Trauminstanz einen eindeutigen Hinweis. Ihre innere Ärztin taucht auf und informiert sie über einen Mangel, sie träumt: „Ich bin auf dem Weg in eine Naturheilklinik. Die Innenräume sind völlig weiß und die Räume sind aufgeteilt in psychische, körperliche und geistige Behandlungszimmer. Für mich steht zu meinem Erstaunen nur das Zimmer für körperliche Behandlung bereit. Ich möchte aber lieber in eines der beiden anderen Zimmer gehen. Eine Ärztin sagte mir jedoch, daß dieser Bedarf gedeckt sei. Ich lege mich also auf die Liege im ,körperlichen’ Zimmer und warte, was da kommen mag. Dieselbe Ärztin betritt das Zimmer mit einer dicken, vor Gesundheit strotzenden Apfelsine in der Hand. Mir läuft bereits beim Anblick schon das Wasser im Mund zusammen.“

Sie hatte tatsächlich ihrer körperlichen Gesundheit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Sie trank lieber Kaffee, rauchte und las geistige Literatur! Der eindeutige Hinweis auf das ‚Körperzimmer’ schließt aber nun sehr klar die anderen Bereiche aus. Die Aufmerksamkeit wird auf den Körper und seine Bedürfnisse gelenkt. Die Ärztin hat Gesundes in der Hand, und es gelingt ihrem Traummacher, daß der Träumenden das Wasser im Mund zusammenläuft. Durch das intensive, sehnsüchtige Gefühl nach der Orange wird ihre Aufmerksamkeit gezielt darauf gelenkt. Die Träumerin plagte sich sehr oft mit Erkältungen und Infektionen, daher leuchtete ihr diese Information, daß sie Obst und Vitamine braucht, vollständig ein und sie beschloß, ab sofort auf gesunde Ernährung zu achten.

Lese-Empfehlungen:

Margret Schlüter-Teichmann: Träume - Geschenke der Nacht - Windpferd Verlag
Michael Schredl: Träume - Ullstein Verlag
Dr. med. Christiane Northrup: Mutter Tochter Weisheit - Wege zu körperlicher und seelischer Gesundheit - Verlag Zabert Sandmann
Clemens Kuby: Heilung - Das Wunderbare in uns - Kösel Verlag
Brandon Bays: The Journey - Der Highway zur Seele - Allegria Verlag
Bärbel Mohr: Neue Dimensionen der Heilung - Koha Verlag
Joachim Faulstich: Das heilende Bewußtsein - Steinbach sprechende Bücher
Rüdiger Dahlke (Hg) Das große Buch der ganzheitlichen Therapien - Integral Verlag   Dr. Horst Braun, Heilpraktiker


 
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