Auch im Infarkt ein Herz und eine Seele


Ehepartner leiden oft unter denselben Krankheiten

Dr. Jörg Zittlau

Eigentlich stabilisieren Ehen die Gesundheit. Verheiratete Männer leben in den westlichen Industrienationen etwa acht Jahre länger als unverheiratete, bei den Frauen beträgt der Unterschied drei Jahre. In Japan bringt die Heirat sogar 15 bis 20 Jahre auf der Lebensjahrskala.


Dennoch ist der Trauschein alles andere als eine Garantie für Wohlbefinden und viele Lebensjahre. So kommen englische Wissenschaftler in einer Erhebung an über 29000 Menschen (davon 17000 verheiratet) zu dem Schluß, daß Ehe- partner ein ähnliches Erkrankungsprofil haben. „Wer mit einem Partner zusam- men lebt, der an Asthma, Depressionen oder Magengeschwüren leidet, dessen Risiko für diese Erkrankungen erhöht sich im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung um 70 Prozent“, erklärt Studienleiterin Julia Hippisley-Cox von der Universität Nottingham.


Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen fallen die ehelichen Gemeinsamkeiten noch stärker ins Gewicht. Eine aktuelle Studie der katholischen Universität im italienischen Campobasso ermittelte: Hat einer der Eheleute einen Infarkt, stehen die Chancen bei zwei zu drei, daß sein Lebensgefährte auch einen bekommen wird.


Stellt sich natürlich die Frage nach den Ursachen für den annähernden Gleich -
klang der ehelichen Krankheitsgeschichten. Die naheliegende Erklärung besteht darin, daß Eheleute sich gegenseitig schnell mit Keimen anstecken können. Außerdem sind sie nahezu identischen Umweltbedingungen ausge- setzt und sie haben in der Regel einen ähnlichen Lebensstil. Wenn etwa einer der beiden raucht, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß auch der andere raucht – und wenn nicht, dann nimmt er schon allein durchs Passivrauchen am erhöhten Gesundheitsrisiko seines paffenden Lebensgefährten teil.


Selbst Haustiere können sich auf den gemeinsamen Gesundheitszustand der Partner auswirken. Positiv, wenn etwa Herrchen und Frauchen durch ihren Hund gleichermaßen zu Spaziergängen gezwungen werden. Aber auch negativ:
Der ehemalige US-Präsident George Bush Senior leidet genauso wie seine Frau an Basedowscher Krankheit – und beim Familienhund wurde tatsächlich auch eine Überfunktion der Schilddrüse festgestellt.

Auch im Sport und in der Ernährung entwickeln Mann und Frau im Laufe der Ehejahre ein ähnliches Risikoprofil. Es ist selten, daß in einer langjährigen Ehe nur einer von beiden zum Vegetarier wird und der andere beim Schnitzel mit Pommes bleibt. „Bei Bluthochdruckkranken zeigt auch deren Partner einen hohen Fett- und Kochsalzkonsum“, beobachtete Hippisley-Cox.


Nicht zu vergessen schließlich, daß schwere und chronische Erkrankungen für Streß sorgen und auch auf diesem Wege den Partner krank machen können. Eine Studie der Hadassah Universität in Jerusalem fand nur wenige Unterschiede zwischen dem Streß von Krebspatienten und dem ihrer Lebens- gefährten. Manchmal leidet der Partner sogar stärker, weil er sich oft als ohn- mächtiger Zuschauer fühlt, der das Therapiegeschehen den Ärzten und anderen Experten überlassen muß, ohne selbst etwas dazu beitragen zu können.


Auch steigt, wie der Schweizer Psychologe Guy Bodenmann betont, „der Grad der ehelichen Unzufriedenheit“, wenn einer der Partner krank ist. Allerdings zeigen diesen Trend vor allem Männer, deren Partnerin krank ist, und nur selten Frauen, die einen kranken Gatten bei sich haben. Was natürlich die Frage aufwirft, ob sich dieses Phänomen durch das größere weibliche Mitgefühl für den leidenden Partner erklären läßt. Oder aber einfach dadurch, daß der Mann im Falle seines Krankwerdens unausstehlich wird.

 


 
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