07.04.2009: Anthroposophische Heilkunde


Werner Schmötzer, Heilpraktiker
 
Mit einer Folge naturheilkundlich-anthroposophischer Beiträge soll das Grundverständnis für diese „besondere Therapierichtung“ aufgezeigt werden.
 
Der Autor wird zunächst mit einer einführenden Darstellung den Zusammenhang der Wesensglieder und der so grundlegenden Bedeutung der „STEINER`schen Dreigliederung“ erörtern.
 
Nach dieser Einführung sollen anthroposophische Betrachtungen zu verschiedenen Themen, wie beispielsweise zu der „kosmischen Herkunft der Substanz“, den „Entwicklungsstufen des Menschen“ , zu der „Bedeutung des Fiebers“, zu der „Problematik von Impfungen“, zu „Regulationsstörungen durch Herdbelastungen“ und anderen für die Naturheilpraxis interessanten Bereichen folgen.
 
Einführung in die anthroposophische Heilkunde
 
Seit 1976 zählt die anthroposophische Medizin in Deutschland neben der Homöopathie und Phytotherapie zu den vom staatlichen Gesundheitswesen (AMG Abt. 5; SGB V) erklärten „besonderen Therapierichtungen“.
 
Die Therapierichtung Phytotherapie erstellt Monographien für pflanzliche Einzel- und Komplexmittel und beantragt für diese durch die Arzneimittel-Kommission E beim Bundesamt f. Arzneimittelsicherheit (BfArM) eine Zulassung bzw. eine Registrierung.
 
Maßgeblich für die Definition der Phyto-Präparate sind das Spektrum und der Gehalt an pflanzlichen Wirkstoffen.
 
Die Therapierichtung Homöopathie erstellt Monographien für homöopathische Einzel- und Komplexmittel und beantragt für diese durch die Arzneimittel-Kommission D beim BfArM eine Registrierung. Diese homöopathischen Arzneimittel sind immer ohne Indikationsangabe.
 
Maßgeblich für die homöopathischen Mittel ist das „Arzneimittelbild“ mit der Vielfalt an Symptomen.
 
Die Therapierichtung der anthroposophischen Medizin erstellt Monographien für anthroposophische Einzel- und Komplexmittel und beantragt durch die Arzneimittel-Kommission C beim BfArM eine Zulassung bzw. eine Registrierung.
 
Maßgeblich für die anthroposophische Richtung ist neben der physischen Substanz das Geistige, das hinter der Stofflichkeit steht. Da gelten besondere  Maßstäbe, die über eine rein stoffliche Beschreibung hinausgehen, deswegen sind anthroposophische Arzneimittel immer mit folgendem Zusatz versehen: Anwendungsgebiete gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis.....
Abb. 1: Rudolf Steiner

Die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse Rudolf Steiners (Abb.1) sind geeignet, das sinnlich Wahrnehmbare, das Stoffliche, das naturwissenschaftlich Erforschbare durch das Geistige, das hinter jedem Prozeß und hinter aller Substanz steht, ergänzend mit einzubeziehen.

Die anthroposophisch erweiterte Heilkunde bezieht, neben einer rein physischen Betrachtung, das Geschehen im Vegetativen, die Seele und die Persönlichkeit des Patienten in ihr ganzheitlich-orientiertes diagnostisches und therapeutisches Vorgehen mit ein.

Gesundheit ist nach dem Verständnis des Heilpraktikers ein „Sich im Gleichgewicht Befinden“, Krankheit dagegen ein Herausfallen aus der Harmonie von Leib, Seele und Geist. Alle Therapiebestrebungen des Heilpraktikers zielen auf die Stärkung der Selbstheilungskräfte und auf ein Wiederherstellen dieses Gleichgewichtes ab, sei es durch die Homöopathie, durch die Akupunktur oder durch andere Behandlungsmaßnahmen.

Grundlage einer anthroposophisch-erweiterten Heilkunde ist die funktionelle Gliederung des lebendigen Organismus in vier Seinsebenen – die sogenannten Wesensglieder:

-    den „physischen Leib“, der dem Stofflichen, dem Mineralischen entspricht. Im Sinne der vier Elemente kann man sagen, hier ist das „Feste“ organisiert.

-    den „Ätherleib“ oder auch den Bildekräfteleib, die ätherische Organisation – auf dieser Ebene ist alles Wässrige, Wachstum und Fortpflanzung, also vegetatives Leben, organisiert.

-    den „Astralleib“,
der Empfindungsvermögen, seelische Regungen wie Triebe, Angst, Mut, Begierden, Bewegungsdrang umfaßt. Der Mensch ist beseelt, d.h. der Astralleib organisiert das Luftige.

-    das geistige Wesensglied (Ich),
die Ich-Personalität. Diese macht den Menschen erst zum Menschen. Er kann im Gegensatz zum Tier kreativ und schöpferisch tätig sein. Durch das ICH wird der Mensch zum Individuum.

Diese Wesensglieder stehen nur beim Gesunden in einem ausgewogenen Gleichgewicht – beim Kranken ist Letzteres in Schieflage. Ziel jeder Therapie ist es, dieses gesunde Verhältnis der Wesensglieder zueinander zu erhalten oder wieder herzustellen.

Einer sogenannten „Wesensglieder-Diagnostik“ – welche jedoch auch objektivierbare Befunde mit einbezieht – folgt eine sogenannte „Wesensglieder-Therapie“(1).

„So daß Heilen, Gesundmachen heißt: Die Möglichkeit haben, im Ätherleib die Gegenwirkungen zu bilden für die krankmachenden Wirkungen, die vom Astralleib ausgehen.“
Rudolf Steiner 1921 (GA 313)

Diese vier Wesensglieder wirken in einem dreigliedrigen System, bestehend aus Denken, Fühlen und Wollen, zusammen.

Dem Denken ist das Nerven-Sinnes-System zugeordnet. Dieses zeichnet sich durch abbauende oder auch verhärtende Prozesse aus. Pathologisch gesteigert finden sich diese Prozesse des Abbaus und der Verhärtung in der Krankheitstendenz der SKLEROSE:

Fühlen hingegen ist Ausdruck des rhythmischen Systems, das durch Atmung, Herz und Kreislauf repräsentiert wird. Es hat die Aufgabe, zwischen dem Nerven-Sinnes-System und dem Stoffwechsel-Gliedmaßen-System auszugleichen.

Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System, dem das Wollen zugeordnet ist, baut auf, ist aktiv und regelt Wachstums- und Vitalkräfte. Pathologisch gesteigert, über ein normales Maß hinaus, finden sich diese Prozesse des übermäßig Stoffwechselhaften in dem Krankheitsprozeß der ENTZÜNDUNG.

Rudolf Steiner hat immer wieder darauf hingewiesen, daß die Gesundheit, das Gleichgewicht, die Balance zwischen diesen beiden Polen Sklerose und Entzündung immer nur durch das Rhythmische System neu geschaffen und gefunden werden kann.

Gesundheit ist nichts Statisches, sondern ein durch und durch dynamischer Prozeß, der von Minute zu Minute neu eingependelt werden muß. Diesen vollzieht das rhythmische System.

Fazit: Wenn wir Heilpraktiker so genannte Selbstheilungsprozesse im Patienten anregen wollen, so haben wir uns im Sinne der anthroposophischen Vorgehensweise an vornehmlich zwei Instanzen zu wenden: Wir wollen versuchen, äthe- rische und rhythmische Prozesse zu stärken, anzuregen und zu pflegen.

„Aber immer muß die Gesundung vom Ätherleib ausgehen.... Der physische Leib hat eben die Krankheitsursache in sich, die Ursache zur Heilung muß immer vom Ätherleib kommen.“
Rudolf Steiner 1924 (GA 316)

Zu Hilfe kommen uns dabei im Wesentlichen Subtanzen aus dem Mineral-, Pflanzen- oder Tierreich.

Anthroposophische Heilmittel
werden besonders aufbereitet, um die Entfaltung der speziellen Bilde- und Gestaltungskräfte anzuregen. Die aus dem Zusammenhang von Mensch und Natur gefundenen Heilmittel regen, dem Verständnis der Anthroposophie zufolge, die Grundvorgänge des menschlichen Organismus an. Somit richten sie sich nicht gegen bestimmte Erkrankungen, sondern unterstützen den Körper, indem sie körperliche Prozesse dem gesunden Urbild angleichen.
 

Abb. 2: Goetheanum in Dornach/CH

Die anthroposophische Bewegung hat ihr geistiges Zentrum im Goetheanum in Dornach / CH  (Abb. 2)

Anthroposophisches Welt- und Menschenbild –
daraus abgeleitete Erkenntnisse zur Findung von therapiegerechten Heilsubstanzen


Die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse Rudolf Steiners sind geeignet, das sinnlich Wahrnehmbare, das Stoffliche, das naturwissenschaftlich Erforschbare durch das Geistige, das hinter jedem Prozeß und hinter aller Substanz steht, ergänzend mit einzubeziehen.

„Bei vielen ist der Respekt vor der exakten Naturwissenschaft im Grunde immer am größten, jedenfalls größer als vor einer geistigen Erfassung des menschlichen Wesens.“
Viktor von Weizsäcker (Internist und Neurologe, 1886 – 1957)

Die anthroposophisch erweiterte Heilkunde bezieht, neben einer rein physischen Betrachtung, das Geschehen im Vegetativen, die Seele und die Persönlichkeit des Patienten in ihr ganzheitlich-orientiertes diagnostisches und therapeutisches Vorgehen mit ein.

Grundlage einer anthroposophischen Heilkunde ist die funktionelle Gliederung des lebendigen menschlichen Organismus in vier Seinsebenen (Wesensglieder). Diese stehen nur beim Gesunden in einem ausgewogenen Gleichgewicht – beim Kranken ist Letzteres in Schieflage. Ziel der Diagnose ist es, den Bereich des gestörten Gleichgewichtes zu erkennen. Ziel jeder Therapie ist es, dieses gesunde Verhältnis der Wesensglieder zueinander zu erhalten oder wieder herzustellen.

Um Mißverständnissen und Mißdeutungen vorzubeugen, soll hier grundsätzlich das Verhältnis der Naturreiche (Mineralreich, Pflanzenreich und Tierreich) zum Menschen nach geisteswissenschaftlichen Aspekten der Anthroposophie Rudolf Steiners dargestellt werden.

Diese außergewöhnliche Darstellung soll niemals Fakten der Naturwissenschaften als ungültig erklären, sondern sie untermauern und ergänzen durch eine erweiterte Schau mit dem Ziel, das mit einzubeziehen, was hinter dem Materiellen, Meßbaren an Geistigem steht.

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 3: Wesensglieder
Man kann hiernach ganz grob die Natur, die Schöpfung unterteilen in ein Mineralreich, ein Pflanzenreich, ein Tierreich, und als Krönung der Schöpfung, sagt man heute so schön, stünde der Mensch.

Naturreiche - Wesensglieder

Bei flüchtigem Betrachten läßt sich Folgendes erkennen:

Mineralreich – physischer Leib

Das sogenannte Mineralreich (Abb. 1) stellt den unbelebten Bereich der Natur dar. Hier ist absolut kein Leben vorhanden. Hier in diesem Bereich ist alles meßbar und wägbar. Alles, wirklich auch alles, läßt sich in Formeln und Zahlen prägen. Das in Abb. 1 als Stoff Bezeichnete ist tote, unbelebte Materie, bestehend aus den bekannten chemischen Elementen und den Verbindungen, die sich daraus ableiten lassen. Diese chemischen Elemente stehen in Gesetzmäßigkeiten zueinander, welche sich in dem Periodensystem darstellen. Alles unterliegt chemischen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten – Gesetze der Schwerkraft haben volle Gültigkeit. Das Mineralreich zeigt eine „Raum- und Strukturgestalt“.  Diesen Bereich der Natur beherrscht die heutige Naturwissenschaft aus dem Effeff.

Im Sinne der Vier-Elementenlehre des Aristoteles ist das Feste repräsentiert im Mineralreich.

Pflanzenreich - Ätherleib

Geht man über zu dem Pflanzenreich (Abb. 1), so ist bei dieser Darstellung zu erkennen, daß die Pflanze ebenfalls ihre Physis aufbaut aus denselben stofflichen Bausteinen, die das Mineralreich hervorbringen. Was bei der Pflanze mit Stoff bezeichnet ist, sind wieder die bekannten chemischen Elemente und Verbindungen, die sich daraus ableiten lassen.

So läßt auch die Pflanze sich in stofflicher Hinsicht eindeutig naturwissenschaftlich definieren.

Auf der pflanzlichen Stufe kommt jedoch ein Weiteres hinzu. Eine Instanz, (in Abb.1) als Leben bezeichnet. Schon hier im pflanzlichen Bereich gibt es Phänomene, die sich nach naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten nicht komplett fassen und einordnen lassen.

Da gibt es beispielsweise das Phänomen der formgleichen Reproduktion, eines Wachstums unter Beibehalten der Form. Da sind Schwerkraftgesetze teilweise aufgehoben. Flüssigkeit samt gelösten Salzen strebt nach oben. Wasser wird  bis in die höchsten Wipfel empor gedrängt (bei Bäumen, die Höhen bis zu 40 Metern erreichen), der Erdenschwere entgegen. Dies sind Phänomene des Lebens.

Ein weiteres, nicht so leicht faßbares Kräfteprinzip ist am Wirken.

Steiner spricht von sogenannten Bildekräften, ätherischen Kräften, von einem sogenannten Ätherleib der Pflanze. Da wird Stofflichkeit, Materie angeordnet nach artspezifischer Gesetzmäßigkeit und Form, in einer nicht zu übertreffenden Ästhetik. So prägt die Calendula ein ganz anderes Erscheinungsbild aus als die Arnika oder die Brennessel.

Dies besorgt, im anthroposophischen Terminus gesprochen, die sogenannte ätherische Bildekraft.

Unter Anthroposophen wird oft stolz erwähnt, Isaac Newton  hätte die Gesetzmäßigkeiten der Schwerkraft  entdeckt. Mit anderen Worten, er hat die Menschen gelehrt zu berechnen, wie schnell der Apfel vom Baum fällt. Rudolf Steiner hingegen hat uns gelehrt, wie der Apfel auf den Baum hinaufkommt.

Vegetatives Leben, Ätherisches läßt sich weder messen noch wägen, nicht in Formeln und Zahlen festmachen – nur die Wirkungen auf das Physische können erkannt und beschrieben werden. Während wir bei dem Mineralreich von einer Raumgestalt sprechen, zeigt die Pflanze eine Zeitgestalt beispielsweise im Gestaltwandel des Jahreslaufes.

Das Ätherische lebt sich vornehmlich im Wässrigen (Pflanzen bestehen im allgemeinen aus einem sehr hohen Wasseranteil) aus. Flüssiges strömt nicht der Schwerkraft sondern der „Leichte“ folgend – also mit Auftriebskräften ausgestattet.

Steiner beschreibt das „primäre Strömen“ im Ätherischen, in kleinsten kapillaren Gefäßen, drucklos Sog- und Auftriebskräften folgend. Selbst Mammut- bäume haben keine großen Gefäße – Kapillaren bewerkstelligen den Flüssigkeitsstrom nach oben. Das Ätherische organisiert den Flüssigkeitsorganismus in der Pflanze.

Der Vier-Elementenlehre nach, im aristotelischen Sinne, waltet das Wässrige in der Pflanze.

Zur Wesensart der Pflanze gehört ebenfalls, daß die Pflanze mit keiner aktiven Bewegungsfähigkeit ausgestattet ist sowie daß sie keine innerlichen Organe ausbildet, sondern nur äußerlich angelegte Organe hat.

Bezogen wieder auf den in Abb. 1 genannten Stoff, sprechen wir Anthroposophen bei der pflanzlichen Stufe von belebter Substanz.

Ätherisches generiert und fördert Wachstum.

Tierreich - Astralleib

Geht man in der Betrachtung weiter zum Tierreich, so  kann man, wie etwa bei der Pflanze geschehen, konstatieren, daß das Tier seine Physis aus den bekannten chemischen Elementen und den chem. Verbindungen, die sich daraus herleiten lassen (in Abb. 1 als Stoff benannt), aufbaut. Auch hierüber können wieder ganz exakte Mengenanalysen erstellt werden.

Das Tier hat, der Pflanze ähnlich, eine ätherische Organisation. Vegetative Vorgänge wie Wachstum und Reproduktion, unter Beibehaltung der Form, fortwährend organisierte Zirkulation von Körperflüssigkeiten (Blut, Lymphe, Liquor etc.) spielen sich, rein chemisch-physikalisch nicht zu erklären, ab im tierischen Organismus.

Während die Pflanze von „außen her“ gestaltet wird, geschieht dies beim Tier von „innen heraus“. Das Tier hat im Gegensatz zur Pflanze innerlich veranlagte Organe, nimmt Luft in sich hinein, ist beatmet, ist beseelt. Beseeltheit sagt, das Tier hat ein Empfindungsvermögen. Es zeigt Regungen wie Angst, Mut, Begierden, Bewegungsdrang, Lust und Schmerz. Ein solches Empfindungsvermögen hat die Pflanze nicht.

Das Elemement im Sinne des aristotelischen Elementenkreuzes, das im Tier repräsentiert ist, ist dasjenige der Luft.

In der anthroposophischen Terminologie wird diese Instanz, nach Steiner, als der sogenannte Astralleib bezeichnet.

Das Tier ist durch und durch geprägt von seinen „astralen“ Wesensmerkmalen. So steht der Löwe gewissermaßen symbolisch für seine seelische Eigenschaft, für seinen sprichwörtlichen Mut. Der Hase steht hingegen für seine seelische Eigenschaft. Er ist ein Angsthase und wird immer davonrennen. Kein Tier kann sich von diesen Zwängen frei machen, sie sind ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt. Das Tier muß seiner „astralen Konfiguration“ folgen.

Dafür ist es mit einem untrüglichen Instinkt ausgestattet. Jedes Tier kennt seine Fähigkeiten und Grenzen und dasjenige, was notwendig ist, seine Art zu erhalten.

Kein Eichhörnchen wird jemals aus dem Geäst hoher Bäume abstürzen, es weiß, wenn es springt: es reicht oder es reicht nicht. Wenn’s nicht reicht, springt es nicht, sondern sucht einen anderen Weg.

Das in der freien Wildbahn lebende Tier kennt im Falle der Krankheit sein Heilmittel. Es heilt sich selbst.

Die bei der Pflanze schon erwähnten Bilde- und Formkräfte greifen beim Tier ein über die astrale Instanz. Das Tier ist artspezifisch, im Sinne der Entelechie geformt durch seine astrale Konfiguration.

Das Tier ist hochspezialisiert, was
Fähigkeiten anbelangt wie Fliegen, Schwimmen, Tauchen etc. – hochspezialisiert, was Körperbau anbelangt (gefiedert, bepelzt, geschuppt, gepanzert etc.). Der Vogel Greif, durch sein Astralisches hoch ausgeformt und hochspezialisiert, kann mit seinen Fängen greifen wie kein Zweiter. Dies besorgt die beschriebene astrale Instanz.

Bezogen auf den in Abb. 1 genannten Stoff, spricht man in der geisteswissenschaftlichen Betrachtungsweise bei der tierischen Stufe von beseelter Substanz.

Astralisches staucht und hemmt Wachstum.


Diese Betrachtung soll ja nicht das naturwissenschaftliche Wissen ersetzen, sondern dieses durch geisteswissenschaftliche Erkenntnis erweitern.

In diesem Sinne spricht man in anthroposophischen Zusammenhängen auch von „übersinnlichen“ Wirkprinzipien.

Auf den ersten Blick fällt auf, daß Begriffe wie „Ätherisches“ und „Astrales“ kosmischen Sphären angehören. Dies wird später noch des Näheren begründet. Nach der Anthroposophie Rudolf Steiners kommen Pflanzliches und Tierisches, Leben letztendlich, aus dem Kosmischen, aus der Sphäre der Planeten unseres Sonnensystems sowie aus dem Umkreis der Fixsterne.

Mensch – Geistiges Wesensglied - ICH

Auch der Mensch baut natürlich seine Physis auf, wie die Pflanze und das Tier aus Stofflichkeit (Abb. 1), aus den bekannten chemischen Elementen und den Verbindungen, die sich daraus ableiten lassen. Zu der rein physischen Ebene kommt bei ihm eine vegetativ-lebende, ätherische, wie bei Pflanze und Tier. Darüber hinaus hat der Mensch wie das Tier eine seelische, astralische Organisation. Diese stellt das Tableau für Empfindungsvermögen, Angst, Mut, Begierden, Bewegungsdrang, Schmerz und Lust.

Doch im Gegensatz zu dem Tier sollte der Mensch nicht überwältigt und geprägt sein von diesen seelischen Zwängen. Beim Menschen kommt noch eine weitere Instanz, ein weiteres Wesensglied hinzu, das ist sein Geistiges, sein ICH, seine Personalität.

Dieses geistige Wesensglied verleiht dem Menschen ein Eigenbewußtsein, ein klares Denkvermögen. Der Mensch kann sich über seelische Regungen stellen, aus Freiheit entscheiden, wie er handeln möchte, kann kreativ und schöpferisch tätig sein.

Er sollte nicht, wie das Tier, triebgesteuert sondern geistgeleitet sein.

Der Mensch ist nicht wie das Tier hochspezialisiert, astralisiert und mit untrüglichen Instinkten ausgestattet. Der Mensch ist nackt, unvollkommen, schutzbedürftig (Hüllen wie Kleidung, Behausung etc. sind nötig).

Der geistbegabte Mensch strebt in seiner Entwicklung nach vorne, sucht neue Formen (Kultur, Künste, Architektur, Wissenschaften etc.). Das Tier bleibt stehen. Der Biber baut heute noch seine Burgen wie vor mehreren tausend Jahren.

Der Mensch muß, da ausgeprägte Instinkte nicht (mehr) vorhanden, immer wieder und immer neu abwägen, berechnen und erproben.

Doch Dank seiner Kreativität und technischen Entwicklung kann er mittlerweile höher, schneller und länger fliegen als Vögel; tiefer, länger und schneller schwimmen und tauchen als Fische; millimetergenau und tonnenschwer greifen – besser als der Vogel Greif.

Der Mensch kann seine Unvollkommenheit kompensieren aufgrund seiner Universalität.

Im Sinne der Vier-Elemente im aristotelischen Sinne ist das Element des Feuers im Menschen repräsentiert.

Steiner weist immer wieder darauf hin, daß der Mensch eine ganz feinabgestufte Wärmeorganisation habe. Wärme ist nach Steiner menschen-spezifisch.

Wärme bestimmt das tägliche Leben der zivilisierten Menschheit (Öl- und Gaspreis bzw. deren Resourcen, Kriege und Machtansprüche um Energievorkommen).

Wärme korreliert mit dem geistigen Wesensglied des Menschen (Abb. 1); so kann sich der Mensch für Ideen begeistern, sich erwärmen, sich entzünden usw.

Die Form- und Bildekräfte im Menschen greifen ein über das ICH,
über das geistige Wesensglied. Der Mensch ist individuell ausgeformt im Äußeren (siehe Fingerkuppen – individueller Fingerabdruck), wie auch auf zellulärer Ebene (siehe individuelle DNA-Struktur, genetischer Fingerabdruck; individuelle Immunabwehr).

Steiner weist in seinem gesamten Lebenswerk immer wieder darauf hin, daß das ICH – also unser Wesenskern, nur ordnend (im Sinne einer Bildekraft und einer Repair-Funktion) in den Organismus eingreifen kann über die Wärme – im Extrem- und Krankheitsfall durch die „Überwärmung“, durch das Fieber.
Wärme ist also bei dem Menschen „form- und gesundheitserhaltend“.

Die so beschriebenen Wesensglieder durchdringen sich gegenseitig und erstrecken sich auf den gesamten Organismus.

Daß der Mensch in seiner Biographie bestimmte Entwicklungsstufen durchläuft, ist keine Frage. Nach anthroposophischen Gesichtspunkten verlaufen diese in etwa 7-Jahresrhythmen.

Der Mensch baut seine Körpersubstanz stark um. Dies ist deutlich zu erkennen in den ersten Lebensjahrsiebten (Zahnwechsel, Epiphysenwachstum etc.) Dies geschieht auf Grund des verstärkten Eingreifens der ICH-Organisation mittels Wärme – Häufung fiebriger (Kinder-) Krankheiten im ersten und zweiten Jahrsiebt.

Alle Entwicklung verläuft nicht linear, sondern in Rhythmen, Schritten und Perioden.

Literaturangaben:


1) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008
Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar „anthroposophische Naturheilpraxis“ – unter www.werner-schmoetzer.de

Die „Dreigliederungs-Idee“ Rudolf Steiners
Ein sehr wichtiger Aspekt des anthroposophischen Welt- und Menschenbildes würde noch fehlen, würde man jetzt innehalten, nachdem in den bisher erschienenen Artikeln die Naturreiche und die entsprechenden Wesensglieder beschrieben wurden.

Steiner hat „nach über 30-jähriger Forschung“ das Modell der „Dreigliederung“ entwickelt, einer Dreigliedrigkeit, vorzufinden in allen Bereichen der Natur.
 
Es ist ein Verdienst Rudolf Steiners, daß er hingewiesen hat auf gewisse Einseitigkeiten bestimmter Pflanzen im Prozessualen, was den Schlüssel gibt für das Erkennen und Erschließen von deren Heilwirkung.
 
Dieses soll im Folgenden vorgestellt werden:

Dreigliederung des Menschen
 Alles im Leben geschieht im Spannungsfeld von Polaritäten. Wie Leben selbst nur möglich ist im Mittelfeld, in der „gemäßigten“ Zone von Gegensätzlichkeiten, sei dies Frost und Hitze, Höhe und Tiefe, Licht und Finsternis, Dürre und Feuchtigkeit etc., so weist Steiner auch darauf hin, daß der menschliche Organismus eingespannt ist in Polaritäten. Was oben so ist, ist im Unteren des Menschen gegensätzlich.
Abb. 1: Dreigliederung
Diese Polarität wird sehr klar ersichtlich am Knochenskelett des Menschen. Oben, im Kopfbereich sind die Schädelknochen sphärisch gerundet; wo man hinfaßt: Härte. Die Weichteile, die Sinnesorgane sind innen drin. Außer dem Kiefergelenk keine weiteren Gelenke.

Unten, etwa unterhalb des Zwerchfelles,  was den Knochenbau anbelangt, völlig diametrale Verhältnisse. Die Knochen sind stabförmig, die Weichteile  (Muskeln, innere Organe) sind außen, um die Knochen herum angeordnet. Zur Peripherie hin nimmt die Vielgliedrigkeit in strahliger Weise zu, eine Vielzahl von Gelenken läßt ein großes Maß an Beweglichkeit und Bewegung zu.
 
Hier waltet Weichheit, im Gegensatz zu der oben aufgeführten Härte (Abb.1).
 
So haben wir oben im Kopfbereich relative Kühle nötig, um klare Gedanken bilden zu können, im unteren Menschen haben wir Verdauungs- und Verbrennungsvorgänge.
 
Die Kerntemperatur von Kopf und Leber sind so gut wie gleich. Die Polarität in der Temperatur lebt sich aus an der Peripherie, an der Hautoberfläche. Und da ist es von enormer Bedeutung für eine stabile und nachhaltige Gesundheit, daß der Mensch eine kühle Stirn zeigt und warme, gut durchblutete Hände und Füße hat.
 
Ein Sprichwort sagt: „Die Stirne kalt, Hände und Füße warm - das macht den besten Doktor arm“.
 
Steiner hat im Zusammenhang mit der Ich-Organisation erwähnt, daß diese beim  Menschen mit der äußerst fein differenzierten Wärmeorganisation korreliert.
 
Weitere Polaritäten sind: Oben beim Haupt haben wir das Kriterium der Ruhe (Abb.1). Der Mensch ist normalerweise bestrebt, sein Haupt ruhig zu tragen, um klare Gedanken fassen zu können. Unten, im Bereich der Gliedmaßen, steht diametral gegenüber die zuvor beschriebene Bewegungsfähigkeit.
 
Also wiederum relative Gegensätzlichkeiten. Selbst bei der schnellsten Bewegungsart, zu der der Mensch fähig ist, beim 100m-Sprint, sind im Zeitlupenablauf die relativen Polaritäten klar zu erkennen. Während das Haupt fast  linear, geradlinig und „ruhig“ durchgetragen wird, haben wir unten bei den Beinen ein Höchstmaß an in Bewegung umgesetzter Kraftentfaltung.
 
Eine weitere Gegensätzlichkeit vom oberen Menschen zum unteren ist der Tatbestand, daß im Kopfbereich, in dem nach Steiner genannten Sinnes-Nerven-System, waches Bewußtsein zu walten hat, Wachheit und Geistesgegenwart, während wir im unteren Bereich, unterhalb des Zwerchfells, im sogenannten Stoffwechsel- und Gliedmaßen-System, Sinnes-Dumpfheit brauchen. Der Mensch darf, wenn gesund, sich nicht spüren. Wer sich bewußtseinsmäßig mit der Mittagsmahlzeit auseinandersetzt, der ist krank. Dieser Bereich ist vegetativ und unbewußt.

Als letzte der Polaritäten ist zu nennen der fortwährende Abbau im Sinnes-Nerven-System.
 
Zeitlebens, schon kurze Zeit nach der Geburt, ist die Entwicklung des ZNS abgeschlossen und es findet so gut wie keine Regeneration mehr statt (Nervenverletzungen oft irreparabel). Der Mensch ist gewissermaßen lebenslang auf den Pool der angelegten Nervenzellen angewiesen. Nach Steiner ist dieser fortwährende, schleichende Abbau Grundlage und Voraussetzung für unser Bewußtsein.

Im unteren Bereich, im Stoffwechsel- und Gliedmaßen-System (z.B. Leber, Darm), finden fortwährend Stoffwechsel- und Verbrennungsvorgänge statt. Die Rate der Zellerneuerung ist enorm hoch. Da ist Aufbau, Millionen von Zellen werden binnen kürzester Zeit neu gebildet.

Die beiden Gegenpole würden unvermittelt aufeinander treffen, wäre da nicht ein Mittleres, ein vermittelndes System, das Rhythmische System.
 
Dieses Mittlere im Brustbereich, das zeigt sich schon in der Knochenform der Rippen. Diese sind zwar einhüllend ähnlich wie die Schädelkalotte, aber doch die Knochen stabförmig, ähnlich wie Gliedmaßen-Röhrenknochen. Auch die Beweglichkeit im Bereich BWS ist nur eingeschränkt und bedingt.

Die Organfunktionen im Brustbereich sind rhythmischer Natur, fortwährend, Tag und Nacht, von der Geburt bis zum Tod. Herz, Lunge, evtl. auch noch der Magen (arbeitet nur nach Nahrungsaufnahme) als Stoffwechselorgan in der Mitte, arbeiten pausenlos in rhythmischer (nicht in gleichbleibendem Takt) Weise.
 
Steiner weist im Zusammenhang mit dieser Dreigliederung darauf hin, daß dieses Rhythmische System, diese Mitte, die Polaritäten von oben und unten ausgleicht, vermittelt, immer wieder neu einpendelt. Er weist darauf hin, daß Gesundheit als Gleichgewicht von Stoffwechsel/Bewegungs- und Sinnes-Nervenprozessen gesehen werden muß. Gesundheit ist nicht statisch, sondern dynamisch, muß von Minute zu Minute neu austariert werden. Man kann dies sehen wie ein Pendel, das mal nach der Stoffwechsel-Seite, mal nach der Sinnes-Nerven-Seite ausschlägt; oder zu vergleichen mit einer Balkenwaage. Auf der einen Seite Stoffwechsel-Prozeß, auf der anderen Seite der Sinnes-Nerven-Prozeß. Nur wenn ein anhaltend stabiles, physiologisches Gleichgewicht gehalten werden kann zwischen diesen Polaritäten, ist der Mensch gesund. Dreh- und Angelpunkt stellt das Rhythmische System dar.

Steiner betont in diesem Zusammenhang, daß Gesundheit resultiert aus der Mitte, dem Rhythmischen System und aus dem Ätherleib!!!  
 
Dies sind die Instanzen der Selbstheilungskräfte, des inneren Archäus.
Nichts sollte uns Heilpraktikern näher liegen bei unserem Heilungsbemühen mit unseren Patienten, als daß wir uns an diese Instanzen wenden.

Es zeigen sich übergeordnet ganz große Polaritäten, auch was die Krankheitstendenzen anbelangt. Die Kriterien des Sinnes-Nerven-Systems: Härte, Kälte, Abbau, Bewußtsein sind zugleich die Merkmale chronischer, sich im Kühlen entwickelnder, degenerativer Erkrankungen. Steiner nennt diese große Tendenz der Erkrankung SKLEROSE.
 
Das sind in der Regel Erkrankungen des Abbaus und des Alters.

Die andere Polarität wären Krankheitstendenzen mit den Kriterien des Stoffwechsel- und Gliedmaßen-Systems: Weichheit (Auflösung), Wärme, Aufbau, (Sinnes)Dumpfheit. Dies sind zugleich Merkmale fiebriger, akuter, entzündlicher Erkrankungen. Steiner nennt diese andere Polarität ENTZÜNDUNG.

In der Regel Erkrankungen der Kindheit, Jugend, des Heranwachsenden.

Schwierig für den Therapeuten wird es, wenn diese polaren Krankheitstendenzen alternieren (Autoaggressionskrankheiten – degenerative und entzündliche Tendenz zugleich).

Wie man in der Volksheilkunde eine hoch-fieberhafte Erkrankung mit Delirium mit physikalischen Maßnahmen, ganz im Sinne dieser Balkenwaage, pariert hat – kalte Waden-Wickel am Gegenpol - so kann man sich ebenso denken eine Behandlung von Gicht und Rheuma mit Wärme-Anwendungen, mit einer gelinden Bewegungstherapie, mit einer stoffwechselaktiven Diät etc. Einfach, indem man Dinge in das Krankheitsgeschehen hereinholt, die der Gegenpolarität angehören.

Genau wie man im Sinne dieser Dreigliederung mit physikalischen Anwendungen umgehen kann, so hat uns Rudolf Steiner gelehrt, u.U. einseitige Polaritäten von Pflanzen, Mineralien und auch Heiltieren ganz gezielt einzusetzen.

Wie mit einem Schlüssel lassen sich nach diesen Kriterien Heilsubstanzen erkennen, begreifen und ausfindig machen.

Hierzu müssen noch die Pflanze, das Mineral und das Tier nach den Kriterien der „Dreigliederung“ betrachtet werden.

Dreigliederung der Pflanze
Die Pflanze läßt sich ebenso „dreigliedern“ wie der Mensch. Auch sie läßt sich in 3 funktionale Bereiche unterteilen: in Wurzel, Blatt und Stengel, Blüte.

Die Kriterien wie Härte, Ruhe, Bewußtsein und Abbau, die geschildert wurden für den Kopfbereich des Menschen, sind fast in derselben Weise zutreffend auf den Wurzelbereich der Pflanze (Abb. 1).

Das Gros der Pflanzen zeigt verholzende Tendenzen, Zellulosebildung in der Wurzel – also relative Härte und Abbau.

Die Pflanze ist fest eingebunden und verankert in der Erde im Wurzelbereich – also herrschen hier Ruhe und Kälte.

Bewußtsein“ hat die Pflanze vielleicht insoweit in der Wurzel, als sie mittels feinster Haarwürzelchen ganz selektiv die Substanzen aus der Erde aufnimmt, die sie zum Aufbau ihrer Physis unbedingt benötigt.

So kann eine Entsprechung der „Wurzel-Bildung“ zu dem Sinnes-Nerven-Pol des Menschen, zu dem Kopfbereich gesehen werden.

Betrachtet man die Blütenregion der Pflanze, so kann konstatiert werden, daß die Kriterien, die für den Stoffwechsel- und Gliedmaßen-Pol des Menschen angeführt wurden, sehr deutlich der Blüte entsprechen.

In der Blüte findet man meßbar die höchsten Temperaturen. Hier hat die Pflanze ihren Wärme-Pol.

In der Blüte werden ätherische Öle gebildet, verströmt und an den Umkreis abgegeben. Später, im Zustand der Reife, werden hier in den Früchten und Samen auch fette Öle gebildet – also Stoffwechsel-Pol der Pflanze.

Die Insektenwelt korrespondiert hauptsächlich mit der Blüte der Pflanze – ein ständiges Kommen und Gehen. Dies ist auch der Bewegungs-Pol der Pflanze (Abb. 1).

So betrachtet, kann auch hier in den Blüten-Prozessen eine Entsprechung zu den Stoffwechsel- und Bewegungs-Prozessen gesehen werden.

Das Hauptaugenmerk bei einer solchen Betrachtung liegt eindeutig hingewandt auf das Prozessuale, viel weniger gerichtet auf die stoffliche Ebene.

Die deutlichste Entsprechung zwischen dem Menschen und der auf dem Kopf stehenden Pflanze zeigt sich in der Mitte, in dem schon geschilderten Rhythmischen System.

Im Blatt- und Stengelbereich vollzieht die Pflanze ihre „Atmung“, nicht nach einem Eigenrhythmus, sondern nach dem Tag- und Nachtrhythmus - Assimilation und Dissimilation.

Die Entsprechung von Pflanze und Mensch geht in diesem mittleren Bereich bis hinein in die Stofflichkeit, bis in die chemische Strukturformel.

Der Sauerstoffträger der Pflanze (Chlorophyll) ist sehr ähnlich dem des Menschen (Hämoglobin). Die Anordnung der Porphyrine, der Pyrrol-Ringe ist so gut wie identisch, lediglich das zentrale Atmungsmetall der Pflanze ist das Magnesium, das des Menschen das Eisen. Bei niederen Tieren wie Schnecken und Muscheln ist es das Kupfer.

Ein unglaublicher Kunstgriff der Schöpfung – Atemprozeß mit ein und der selben Formel!!!

„Es ist ein grundlegender Unterschied, ob eine Substanz auftritt im Blatt oder im Wurzelstock. Viel wichtiger, als zu wissen, von welchem Teil der Pflanze sie stammt. Die Wurzelstöcke sind mehr der Hauptesorganisation des Menschen, die Blüten- und Blattorganisationen mehr dem unteren Menschen verbunden. Und eine wirklich gar nicht ausschlaggebende Rolle spielt eigentlich die chemische Beschaffenheit. Man muß aus ganz andern Dingen heraus die Beziehungen des Menschen zur Umwelt erkennen, wenn man das Gesundende und das Krankmachende, also den richtigen Krankheitsstoff (-Prozeß) und das Heilmittel auch wirklich beurteilen will.“
Rudolf Steiner 1924 (GA316)
 
Nach dieser Erkenntnis kann man sich auf den Weg machen, diese Phänomene zu deuten und nach einer Bedeutung für die Heilkunde suchen.

Kosmische Herkunft der Substanz
Die Ausführungen des folgenden Artikels stellen gewissermaßen eine „Leseprobe“ aus dem neuen Buch von Werner Schmötzer „Anthroposphische Naturheilpraxis“ (1) dar.

In den vorangegangenen Beiträgen zu dem Thema Anthroposophie wurde dargestellt, daß imponderable Kräftemäßigkeiten, wie Ätherisches und Astrales, einwirken auf Substanz, auf Materie. Bisher wurde dargestellt, die „tote Stofflichkeit“ des Mineralreiches gehöre der absolut unbelebten Natur an, da sei absolut kein Leben vorhanden.

Bisher hatte ich mich immer gescheut, schriftlich zu formulieren, was hinter der Materie steht. Das, was es nun zu erörtern gilt, ist sehr heikel. Sehr leicht läuft man Gefahr, als Spinner angesehen zu werden. Doch ich denke, die Zeit ist reif. Solche Menschen, die ich bisher in meinen Fachfortbildungen und Seminaren zur anthroposophischen Heilkunde kennengelernt habe, die sind ernsthaft interessiert. Es wäre in meinen Augen unlauter, würde ich weitere Erkenntnisse denen vorenthalten, die bei mir lernen wollen.

Wir haben bisher die „Wesensglieder“ wie Physischen Leib, Ätherleib , Astralleib und das geistige Wesensglied betrachtet, die sich auch in den Naturreichen und im Menschen inkarniert wiederfinden. Wir haben gesprochen über die Dreigliedrigkeit von Mensch, Pflanze, Tier und Mineral. Wir haben erkannt, daß Einseitigkeiten in dieser Dreigliedrigkeit von Sinnes-Nerven-Pol, rhythmischem System und Stoffwechsel-Pol in Beziehung stehen zu den großen Krankheitstendenzen SKLEROSE und ENTZÜNDUNG.

Wir sind bereits so weit vorangeschritten, daß wir aus dieser prozessualen Schau ableiten können, warum beispielsweise die Birke auf eine Nierenwirksamkeit hindeutet; warum der Schwefel beispielsweise als Arzneisubstanz sehr starke Stoffwechsel- bzw. Entzündungsprozesse in Gang setzt; und warum der Blutegel eingesetzt werden kann, um bei Prozessen im rhythmischen System, Prozessen der (Ab-) Fließfähigkeit des Blutes, etwa bei lokalen, stark geröteten, angeschwollenen Entzündungen (Abszessen) entlastend zu wirken.

Da ist immerhin ein sehr großer Schritt getan in der Naturerkenntnis – losgelöst von dem reinen Wirkstoffdenken!

Doch hier stehen zu bleiben, würde unbefriedigend sein. Die Frage, wie kommt Materie zustande, bliebe unerklärt. Und vor allem bliebe die Frage nach der Wirkung der Substanz unbeantwortet.

Warum steht der Stickstoff in Zusammenhang mit dem Astralen?

Warum steht der Sauerstoff, auch therapeutisch, in Zusammenhang mit dem Ätherischen?

Warum hat der Kohlenstoff in der ganzen Welt die Funktion des Gerüst-Bildners?  Nicht etwa nur bei der Pflanze in der Zellulose, nein, auch im Knochen des Menschen (Calcium carbo- nicum), auch im Stahl gibt er dem Eisen die nötige Härte, um schmiedbar zu sein, und zuletzt noch ist der Kohlenstoff in der gesamten organischen Chemie – in der Strukturformel der Kohlenwasserstoffe – derjenige, der das Gerüst, die Struktur der sogenannten „Strukturformel“ gibt.

Kohlenstoff steht für den Prozeß der „Gerüst-Bildung“, der Strukturbildung in der Schöpfung. Selbst über Tausende oder Millionen von Jahren hinweg, sichtbar in der fossilen Kohle bleibt das „Kohlenstoff-Gerüst“ sichtbar. Geronnene Formprozesse!

Aus der geisteswissenschaftlichen Forschung wissen wir:

Materie ist niemals ohne Geist.
 
Rudolf Steiner wies in seinen Schilderungen der Evolution und Weltentwicklung immer wieder darauf hin, daß Leben zuerst da war. Stofflichkeit fiel aus dem Leben heraus.

Leben, Äther-Kräfte, Astral-Kräfte kommen aus dem Kosmos.

Die Äther-Kräfte, die Organbildekräfte, kommen aus der Planetensphäre. Dies wird in meinem Buch (1) des Näheren erläutert. Ebenso beschreibt dies Rudolf Hauschka in seiner „Substanzlehre“ (2).
 
Wir Anthroposophen sprechen von einer Beziehung zwischen Planet – Metall – Organ.

Diese Beziehung stellt die Grundlage der Therapie mit den sieben Planeten-
Metallen dar – eine Domäne der anthroposophischen Heilweise.

Abb.1 Meteoreisen
wikipedia.org/wiki/bild: Seycham.jpg

Abb.2 Meteoriten-Hagel
wikipedia.org/wiki/Meteore
Die Astral-Kräfte kommen aus der Sphäre der Fixsterne, der Ekliptik, des Zodiaks.

Unser Sonnensystem durchläuft in dem Zeitraum von 25 920 Jahren den Tierkreis einmal, um am selben „Frühjahrspunkt“ wieder anzukommen.
 
Bildekräfte, Formkräfte, wie sie aus dem All kommen, werden je nach kosmischer Konstellation durch die Sphären „nahestehender“ Fixsterne des Tierkreises und durch die weiter im Zentrum liegenden Planetensphären beeinflußt bzw. tingiert.
 
Die Elemente C, H, O und N stehen ganz klar in Beziehung zu den vier Elementen der Weisen des Altertums.
 
Aristoteles hatte von den vier Elementen gesprochen, die Bibel spricht von den vier Winden etc..
 
In meinem Buch (1) sind die großen kosmologischen Zusammenhänge aus meiner Sicht erläutert. Jene, denen meine Ausführungen da jedoch zu dünn und zu wenig belegt erscheinen, sollten nachlesen bei RUDOLF STEINER (5; 6; 7) oder bei Guenther Wachsmuth (8), bei Rudolf Hauschka (2) oder in meinem Grundlagenbuch (Kapitel Substanzlehre) (4).
 
In STEINERs Gesamtwerk nachzulesen, ist mitunter sehr schwierig und wird oft dann wieder eingestellt.
 
Guenther Wachsmuth, ein sehr gründlicher Naturwissenschaftler,  beschreibt in seinen Werken diese Zusammenhänge sehr ausführlich, jedoch auf sehr anspruchsvollem und hohem Niveau.
 
Rudolf Hauschka, der Begründer der WALA, beschreibt diese Zusammenhänge „leichter verdaulich“.
 
Das waren noch Pioniere, Zeitgenossen STEINERs, die wagten noch zu forschen und zu lehren.
 
Der anthroposophische Arzt und Physiker Jürg Reinhard, er ist auch Bergführer,  befaßt sich in seinem Buch „Geosophie“ (3) ebenso mit diesem kosmischen Werden der Substanz, jedoch in einer etwas blumigen Weise.
 
Mir scheint, die meisten anthroposophischen Autoren der „Neuzeit“ scheuen sich mehr und mehr, solche Dinge „beim Namen zu nennen“, wohl um ihre (Schul-) wissenschaftliche Reputation, ihren Ruf in Fachkreisen nicht zu gefährden.
 
So möchte ich als „extra-universitär Gebildeter“ den schwierigen Versuch unternehmen, meine KollegInnen noch tiefer in kosmologische Zusammenhänge aus geisteswissenschaftlicher Sicht hineinzuführen.
 
Ich möchte so weit kommen, daß etwa folgende Fragen hinreichend beantwortet werden:
 
Warum kommt der Kiesel aus dem Sternbild des Widder?
 
Warum bringt der Kiesel Ätherisches, Form- und Bildekräfte auf unsere Erde?
 
Warum hat der Kiesel, der Quarz, zu tun mit Information (Computer-Chip), mit Zeiterfassung (Quarz-Uhr), mit Sinnesorganen (Auge, Ohr...)?
 
Warum sind die Nabelschnur eines Föten und das Amnion die kieselreichsten Organe des Menschen?
 
Wenn wir Antworten auf solche Fragen finden, dann wird es möglich sein, daß wir als Therapeuten ein klareres Bild erhalten, um solche Substanzen dann auch gezielt bei entsprechenden pathologischen Situationen einsetzen zu können.
 
Warum beispielsweise Stickstoffverbindungen, vorkommend in Substanzen bzw. Pflanzen wie Nikotin, Koffein, Strichnin, Atropin, Morphin etc., astrale Prozesse im menschlichen Organismus anregen, auf astrale Organe wie etwa die Nieren wirken, und deswegen sehr gezielt als Arzneimittel in Frage kommen können.
 
Diese generalistische Schau, die ganz große, kosmische und geistige Zusammenhänge mit einbezieht, vermag zu einer virtuosen Arzneimittelfindung zu führen.
 
Es ist ein mühsamer Weg, doch das Ziel ist lohnend.
 
Hellsichtigkeit würde das Problem der Heilmittelfindung ebenfalls lösen. Wenn wir jedoch keine Hellsichtigen sind, müssen wir mit Hilfe der geisteswissenschaftlichen Erkenntnismöglichkeiten der Anthroposophie uns solche Einsichten erarbeiten.
 
Literaturangaben:
1)    Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008
 
2)    Hauschka, Rudolf: Substanzlehre. 7. Aufl. Frankfurt: Vittorio Klostermann GmbH, 1978
 
3)    Reinhard, Jürg: Geosophie. 1. Aufl. CH-3658 Merlingen: Eigenverlag, 2004
 
4)    Schmötzer, Werner: Grundlagen der anthroposophischen Heilkunde, einschließlich Mistel- und Metalltherapie. 1. Aufl. Bonn: Verlag Volksheilkunde, 2005
 
5)    Steiner, Rudolf: Die Geheimwissenschaft im Umriß. 1.-10. Tsd. Dornach: Rudolf Steiner Verlag, 1972
 
6)    Steiner, Rudolf: Die Theosophie des Rosenkreuzers. 6. Aufl. Dornach: Rudolf Steiner Verlag, 1979
 
7)    Steiner, Rudolf: Aus der Akashachronik. Dornach: Nachlaßverwaltung 1972
 
8)    Wachsmuth, Guenther: Die Entwicklung Wachsmuth, Guenther: Die Entwicklung der Erde. 1. Aufl. Dornach CH: Philosophisch-anthroposophischer Verlag am Goetheanum, 1950
 
Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar „anthroposophische Naturheilpraxis“ – Näheres unter www.werner-schmoetzer.de 
Entwicklungsstufen des Menschen (Lebensjahrsiebente)
In den bisher erschienenen Beitragsfolgen wurden grundsätzliche Betrachtungen angestellt – das anthroposophische Welt- und Menschenbild, die Dreigliederungsidee Rudolf Steiners wurden beschrieben, und es wurde auf die kosmischen Zusammenhänge ätherischer wie astraler Kräftewirkungen hingewiesen.

Nun soll eine Schilderung der leiblich-seelisch-geistigen Entwicklung des Menschen folgen, der Entwicklungsschritte der Wesensglieder, aufgegliedert in die sogenannten Lebensjahrsiebente.

Folgende Darstellung zeigt Lebensjahrsiebente in ihrer temporären Abfolge. Siehe Abb.1.
Lebensjahrsiebente
In diesem ersten 7-Jahres-Abschnitt der kindlichen Entwicklung wird nach anthroposophischem Verständnis der Physische Leib des Menschen erneuert und ausgebildet. Vor dem Hintergrund der Reinkarnation und vor der Gewißheit, daß der Mensch aus einer geistigen Welt auf die Erde kommt, kann man davon ausgehen, daß das Neugeborene seine Physis mitbringt aus dem Erbstrom der Eltern. Der physische Leib muß in den ersten sieben Jahren neu gestaltet und neu ergriffen werden, was dann im Zahnwechsel seinen Abschluß findet.

Dieses erste Lebensjahrsiebt läßt sich in drei Abschnitte unterteilen.

Erstes Drittel, das sind die ersten 2 1/3 Jahre: Das Baby, erst liegt es, krabbelt, mit einem Mal richtet es sich auf. Das Kind lernt sprechen, erst sagt es: Hannele trinken. Es redet in der dritten Person von sich, dann erkennt es sich in seiner Individualität und gebraucht das Wort Ich. Mit diesem Sich-selbstwahrnehmen kommt auch schon die erste Trotzphase. Es möchte seinen Willen am Widerstand erleben.

Zweites Drittel, das ist die Zeit bis es etwa 4 1/2 Jahre alt ist: Da erlebt das
Kind die Spielphase als Phanthasiephase. Es spielt ohne Vorsatz mit allem, was sich ihm bietet und ihm begegnet. Erst spielt es in der Horizontalen, dann spielt und baut es auch in die Höhe. Das Kind ist geprägt von einer „Leichte“. Es hüpft und springt den ganzen Tag, verspürt keinerlei Müdigkeit. Es gebärdet sich, als sei es schwerelos.

Drittes Drittel, bis zum Alter von 7 - das Kind denkt beim Spielen: Heute spielen wir Feuerwehr! Es setzt ein Längenwachstum des ganzen Körpers ein, aber auch der Gliedmaßen. Die Körperproportionen ändern sich, der Kopf wird in Relation zum Körper kleiner, die Gliedmaßen länger. Zeichen der Schulreife war früher, auch bei den Staatsschulen, bis heute noch bei den Waldorfschulen, das Vermögen, sich mit der linken Hand über den Kopf gegriffen am rechten Ohr fassen zu können. Dann war die Entwicklung der Proportionen so weit vorangeschritten, daß das Kind „schulreif“ war. Die Gliedmaßen wirken in dieser Zeit schlacksig. Das Kind beherrscht in diesem Alter seine Gliedmaßen nicht mehr so perfekt wie zuvor. Es stolpert, läßt jedoch auch andere stolpern, indem es ihnen den „Fuß stellt“ - ähnlich wie in der Pubertät. Diese dritte Phase des ersten Lebensjahrsiebents endet mit dem Zahnwechsel. Milchzähne werden abgestoßen, neue Zähne, die bleibenden wachsen nach. Mit dem Erneuern der härtesten Substanz, die der menschliche Organismus überhaupt im Stande ist hervorzubringen, findet auch die Erneuerung des gesamten Physischen Leibes seinen Abschluß. Das Kind hat, so sagen wir,  seinen mitgebrachten erbgebundenen Leib abgelegt und den neuen mit seiner Individualität durchdrungen.

Im 2. Jahrsiebent wird der Ätherleib, der Bildekräfteleib fertig entwickelt (siehe Abb. 1). Im ersten Drittel dieser Entwicklungsphase erreicht das Kind seinen „Rubikon“, einen neuen Abschnitt auch seiner seelischen Entwicklung. Das Kind kann Trauer fühlen. Das Kind erlangt dann auch gegen Ende, zum 14. Lebensjahr hin, die bei manchen Glaubensgemeinschaften sogenannte Religionsmündigkeit, es wird konfirmiert. Ebenfalls in dieser Zeitspanne erfährt der junge Mensch das Werden seiner Geschlechtsreife. Obwohl er im Seelischen mit diesen Vorgängen nur unzureichend zurechtkommt, praktisch noch gar nicht reif ist, ist dennoch auf biologischer Ebene die Reife, die Reproduktions- und Fortpflanzungs-Fähigkeit entstanden – gerade in der heutigen Zeit, in der die Akzeleration sehr stark zum Tragen kommt. Der / die Pubertierende ist hin- und hergerissen. Er ist unstet, hat seine Richtung noch überhaupt nicht gefunden. Dieses 2. Jahrsiebent bezieht sich auf die Reifung des Ätherleibes – der Astralleib, der ja die Emotionen reguliert, der wird erst in dem 3. Jahrsiebent vollständig ausgebildet. Kein Wunder, daß der Jugendliche sich mit seinen Gefühlen schwertut. Der Ätherleib, der generative Pol wird in diesem 2. Jahrsiebent zur vollständigen Ausbildung gebracht, deswegen sind auch generative Prozesse wie Reproduktionsfähigkeit  zur Funktionsfähigkeit gereift.

Der gesamte Organismus ist im Umbau, erhält eine neue Gestalt. Sexuelle Merkmale zeigen sich ebenso wie eine Gestalt(ung) zum Erwachsenen hin. Jungs erleben den „Stimmbruch“.  Umgebaut wird durch das vermehrte Eingreifen des geistigen Wesensgliedes, des Ichs, über die Wärme. Da darf es nicht überraschen, daß zu dem ersten und zweiten Lebensjahrsiebent die „Kinderkrankheiten“ gehören. Krankheiten, die zwar häufig durch Ansteckung erworben werden, die jedoch nicht unbedingt als klassische Infektionskrankheiten zu sehen sind. Sie dienen der kindlichen Entwicklung, sind nötig beim Umbau. Aus diesem Grunde sollten solche Kinderkrankheiten in ihrem Verlauf zwar therapeutisch begleitet, jedoch keinesfalls unterdrückt und bekämpft werden.

Mehr dazu jedoch im nächsten Kapitel dieser Folge: Bedeutung des Fiebers.

Im 3. Jahrsiebent, da wird, nachdem die Bildung des Ätherleibes mit seinen generativen Prozessen abgeschlossen ist, nun der Astralleib zur Ausbildung gebracht. In dieser Zeitphase wird man erleben, wie der / die Heranwachsende sich wirklich schwertut, im Emotionalen seine/ihre Mitte, seinen/ihren Weg zu finden – viel mehr noch als etwa mit 14. Mal zeigen sich Gefühle des Erwachsenenalters, wie Liebe, die morgen wieder um ist, mal ist der Heranwachsende wieder begeisterter Idealist, kämpft an gegen die Ungerechtigkeit in der Welt, möchte diese verändern. Hier ist auch der Ursprung sogenannter Jugendideale. Ein andermal läßt er fernab von jeglichem Idealismus einen gleichaltrigen Kameraden stolpern, macht dumme Jungenstreiche. Mal stellt er sich Erwachsenen entgegen, möchte Kräfte erfahren und messen, läßt sich ein auf Mutproben. Gewissermaßen ein Üben im seelischen Bereich. Im Physischen zeigt sich die Ausbildung der astralen Organisation ganz stark in der Zunahme der Lungenkapazität und des Brustumfanges. Der Heranwachsende wird sehr stark. Dies zeigt sich im Sport. Lediglich in der Ausdauerleistung, da steht er dem Älteren noch nach.
Mit 21 ist der Mensch erwachsen. Das Längenwachstum der Röhrenknochen kommt zum Ende. Der Mensch ist dann wirklich reif, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen.

Bis hierher hatten wir es zu tun mit Entwicklungsschritten des Leibes, der Soma (siehe Abb.1).

Das 4. Jahrsiebent ist benannt als der Entwicklungsschritt der Empfindungsseele. Da lebt der junge Mensch, gerade erwachsen geworden, noch sehr in der Empfindung. Zwar ist der Verstand des jungen Erwachsenen durch die immer länger währende, hochqualifizierte Ausbildung sehr geschult. Er ist mit kognitivem Wissen schon sehr angereichert; dies wird jetzt in der Zeit des Studiums noch fachspezifisch sehr vertieft. Irgendwo in seiner Seele spielt jedoch noch sehr die Empfindung mit. Das ist die Zeit auch der Partnerwahl, der u.U. längerfristigen Bindung, der Familien-Gründung. Da spielt natürlich Liebe mit eine große Rolle, Bereitschaft zur lebenslangen Treue, romantische Hochzeit. Honeymoon, das hat sehr mit der Empfindungsseele zu tun.

In dem 5. Lebensjahrsiebent wandelt sich die Stimmungslage etwas. Nicht, daß der junge Mensch nicht mehr empfinden würde, ganz und gar nicht. Jedoch ist zu dem Empfinden noch etwas anderes hinzugetreten: rationale Nüchternheit. Der Mensch hat sein Studium in der Regel abgeschlossen und inzwischen gelernt, sich zu behaupten, sich durchzubeißen – für sich selbst, in der Familie, im Beruf, für die Karriere. Da zählt meist nicht, wer das sensibelste Empfinden hat, sondern am besten kann sich durchsetzen derjenige, der rein verstandesmäßig und rational klar die Sache angeht. Da werden im Beruf die ersten Führungsaufgaben übernommen, vielleicht noch etwas zu forsch. Für die Familie wird evtl. ein Haus gebaut. Das Leben ist keine Romanze mehr, sondern wird zielstrebig und verstandesbetont geführt. Im Vordergrund steht die eigene Karriere. Man lebt primär für die eigenen Belange. Mit 35 sagt man: Das ist ein gestandener Mann.

Im 6. Lebensjahrsiebent, im Alter zwischen 35 und 42, da  hat man schon einige Erfahrungen im privaten Leben wie im Berufsleben gesammelt. Man hat erlebt, daß da, wo es viel Licht gibt, auch viel Schatten sein kann. Nicht alles läßt sich rational planen, manches läuft auch völlig anders, als gedacht. Da gibt es Not, Krankheit, Tod, menschliches Unvermögen um einen herum. Die Umwelt droht, zerstört zu werden – wir als Bewohner der westlichen Welt richten sie möglicherweise zu Grunde. Mutter Natur war durch Naturvölker noch niemals bedroht; es ist die Zivilisation. In der Dritten Welt verhungern täglich Kinder, wir leben in einem die Gesundheit bedrohenden Überfluß. Da kommen schon Fragen auf, die über die Interessen der eigenen Person und diejenigen der Familie hinausgehen. Der Mensch, der in dieser Zeitphase auch seine Lebensmitte erreicht, bildet über seinen rationalen Verstand hinaus ein Bewußtsein aus für andere und für die Welt, obwohl ein Mensch in diesem Alter noch voll in der beruflichen Verantwortung steht. Zur Reife kommt in dieser Zeitphase das, was wir die Bewußtseinsseele nennen.

Hatten die Zeitabschnitte von der Geburt bis zur Volljährigkeit der Bildung des Leibes gegolten, so waren die Zeitabschnitte von 21 bis 42 zur Ausbildung der Mitte (da wird auch die Lebensmitte erreicht), der Seele angelegt – im Sinne einer Dreigliederung von Denken, Fühlen und Wollen.

Die nun folgenden Lebensabschnitte und Entwicklungsstufen von 42 aufwärts gelten der Entwicklung geistiger Qualitäten.

Das 7. Lebensjahrsiebent, nach Rudolf Steiner Geistselbst, dient der geistigen Entwicklung. Wir konnten verfolgen an den bisher vollzogenen Schritten, daß es sich tatsächlich um einen Entwicklungs-Prozeß handelt. Unter diesem Aspekt muß man das Alter tatsächlich als Reife-Prozeß sehen. Der Mensch sollte eigentlich ein Reifen seiner selbst zulassen, so wie man auch einer Frucht zugesteht zu reifen. Heute sieht man dies leider oft ganz anders. Heute besteht das Ideal in ewiger Jugend, in Anti-aging. Anti-aging heißt, den natürlichen Reifeprozeß künstlich aufhalten zu wollen. Der modisch geblendete Mensch ist ja noch bereit, seine seelische Entwicklung zuzulassen, seine geistige Entwicklung, die würde er jedoch am liebsten unterbinden. Es ist fast verpönt, alt zu sein, doch gerade dies gehört zum Leben. Wenn sich das Geistige im Menschen ab etwa 42 entwickelt, so hat dies damit zu tun, daß bei ihm eine soziale Haltung reifen sollte. Vorher, bis 42, hatte der Mensch immer noch mit sich selbst zu tun. Er arbeitete daran, seinen sozialen Status auszubauen und zu erhalten. Ab 42, da sollte er über sich, über die Eigenfürsorge hinaus, soziale Verantwortung beispielsweise für Schwächere, erbringen können. Wurde bisher erfolgreich an der eigenen Karriere gebastelt, so können nun auch Belange in größerem Rahmen betreut werden. Der Lebensstandard ist in diesem Lebensalter in der Regel gesichert. Die Kinder sind außer Haus. Der lebensreife Mensch kann nun auf Grund seiner Erfahrung auch große Verantwortung, Führungsaufgaben für viele Menschen übernehmen. Er kann auch ideelle Organisationen wie Stiftungen, Vereine, Verbände etc. gründen bzw. leiten.

Im 8. Lebensjahrsiebent, nach Rudolf Steiner Lebensgeist genannt, da sollte schon etwas mehr Gelassenheit, Überschau in das Leben eines Menschen jenseits der 49 bis 56 kommen. Wie schon angedeutet, die Kinder sind außer Haus. Das, was an Karriere bisher noch nicht erreicht wurde, das kommt auch durch Schuften und Buckeln nicht mehr. Man muß mehr loslassen, Druck wegnehmen.

„Herr, gib mir das Vermögen, unterscheiden zu können, was sich ändern läßt und was nicht. Und gib mir die Gelassenheit, das zu ertragen, was nicht zu ändern ist“.

Dies fällt natürlich in einer Zeit, in der ein Mensch in der Arbeitswelt mit über 50 als unvermittelbar gilt, besonders schwer. Es fällt wirklich schwer für den, der noch große Verbindlichkeiten hat, wie auch für den der keine Ersparnisse hat, um sich einigermaßen über die Runden zu bringen. Das kann jedoch auch ein Geschenk sein für den, der loslassen kann. Trotz aller Not ist Gelassenheit gefragt. Chance zur Neuorientierung, zum Neuanfang. Da wird es ganz entscheidend darauf ankommen, sich nicht niederen Arbeiten zuzuwenden. Die lassen verzweifeln. Höheres, Geistvolles kann jetzt unter Umständen schon angegangen werden. Kulturreisen, Musik, Literatur, bildende Künste etc. ein breites und reiches Feld tut sich unter Umständen auf. Ein solches, das durchaus noch mit Einnahmen verbunden sein kann. Das Sammeln von Kunst, Handel damit, Vorträge in speziellen Fachgebieten etc., das kann selbst oder gerade im Alter noch ungemein beflügeln. Jeder muß sich eine Nische suchen, schauen, wo er gut ist, was ihn fasziniert, was ihn wirklich in jeder Lebensfaser miterleben läßt. Es muß eine Aufgabe sein sinnstiftend, der Welt nicht zum Schaden, sondern ihr zum Nutzen. Das ist erfüllend und trägt. Trägt den Menschen in ein neues Jahrsiebt.

Das 9. Lebensjahrsiebent, nach Rudolf Steiner benannt als „Geistmensch“. Ein Lebensalter der Reife, 56 bis 63 Jahre, da geht der Mensch seiner Reife entgegen. Lange Zeit war das Rentenalter, das Ruhestandsalter der Frau bei 63, beim Mann bei 65 Jahren angesetzt. Nun, in diesen unglücklichen Zeiten, wo die Sozialkassen leer sind aus mannigfaltigen Gründen, wo wenig Arbeit, wenig offene Stellen existieren, da hat man das Rentenalter erhöht, stufenweise bis 67. Zu früheren Zeiten, da war die durchschnittliche Lebenserwartung bei weitem nicht so hoch, da war es eine Gnade, wenn einer die 67 erreichte. Rudolf Steiner sagte, das Lebensalter des Menschen liege bei 63, was darüber hinaus ginge, das sei Gnade. Heute werden Frauen durchschnittlich 82, Männer 78,5 Jahre – was für eine Gnade. Oft werden alte Menschen jedoch durch eine „Kunstmedizin“ lange am Leben erhalten, sind oft völlig vereinsamt, oft sind auch die geistigen Fähigkeiten sehr beeinträchtigt (Alzheimer, Demenz etc.), sie können nicht mehr in ihren „vier Wänden“ bleiben und werden asyliert in Heimen, in denen oft nur wenig Raum für geistige und altersgemäße Betätigung bleibt. Ob man in diesen Fällen dann noch von Gnade, von einem begnadeten Alter sprechen möchte, das ist eine ganz andere Frage.

Im Alter zwischen 56 und 63 sollte der Mensch noch mehr Gelassenheit zeigen und an Weisheit zunehmen. Weisheit, das ist etwas anderes als kognitives Wissen und Bildung. Weisheit gewährt einen Ausblick in Höheres, gewährt eine Überschau weit über Alltäglichkeiten hinaus. Weisheit mahnt zu besonnenem Handeln. Das bräuchte unsere Welt. Schauen wir mal die Idole der heutigen Zeit an von Michael Jackson bis Jimmy Hendriks; die Politiker und Wirtschaftskapitäne der heutigen Zeit, Persönlichkeiten, die die Welt regieren – da tut man sich außerordentlich schwer, wenn man versucht, Weisheit oder irgendsoetwas auch nur andeutungsweise zu finden.

Nun kann sich der Kreis wieder schließen. Wie bei der Schilderung der somatischen Entwicklung schon beschrieben, sollte der alte Mensch allzu Materielles loslassen, sollte Irdischem nicht mehr so sehr verhaftet sein wie in der Aufbauphase seines Lebens. Er sollte sich Höherem zuwenden, wie im vorigen Kapitel beschrieben, dann wird er sicherlich auch in hohem Alter, trotz der Gebrechen, dem Leben noch Gutes abgewinnen können und danken für die Gnade, die ihm zuteil wird.

Der gealterte Mensch sollte mehr und mehr „leibfrei“ werden, sich allmählich lösen von einer allzu materiell-orientierten Lebensart. Auch seine Ernährung sollte mehr auf „Exkarnation“ ausgerichtet sein, als auf ein allzu starkes Verhaftetsein im Irdischen. Mehr lakto-vegetabile Ernährung, weniger Fleisch- kost.

Das Bewußtsein sollte ein „höheres“ sein. So sollte der Mensch auch am Lebensende sich wieder mehr mit Dingen befassen, die der Welt entstammen, wo er ursprünglich herkommt und wo er wieder hingeht. Der Mensch sollte sich mehr und mehr mit geistigen Dingen befassen. Dies muß durchaus nicht kindlich sein. Religion, Kunst, Musik, Philosophie, Geisteswissenschaften, Belletristik etc., damit sollte der Mensch seine alten Tage verbringen, nicht mit den Banalitäten des Alltags. Mag das Leben im Alltag für den greisen Menschen auf vielen Feldern beschwerlich geworden sein, die Schwere des Alters und des Alltags auf ihm lasten. Sollte er sein Sinnen und Trachten erheben zu dem, was Bestand hat über die Zeiten. Er kann eins werden nicht nur mit seinem Schöpfer, er kann eins werden mit den alten Großen und Weisen. Moses, Sokrates, Aristoteles, Leonardo da Vinci, Archimedes, Hippokrates, Galen, Michelangelo, Mozart, Bach, Goethe, Schiller, Shakespeare, Kepler, Galilei, Paracelsus, Hufeland, Hahnemann, Kneipp und andere Größen der Menschheits- und Kulturgeschichte - mit ihnen kann er im Geiste schon an einem Tisch sitzen. Dann, wenn ein greiser Mensch sich in solcher Runde weiß, kann dann ein Abschiednehmen von der physischen Welt vielleicht nicht mehr so schwer sein. Er ist abgenabelt und gerüstet für einen neuen Anfang.

Literaturangaben:
1) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar „anthroposophische Naturheilpraxis“ – Näheres unter www.werner-schmoetzer.de
Bedeutung des Fiebers
Schon seit jeher galt das Fieber als nötiges Element, bedrohte Gesundheit wiederzuerlangen. Der Ausruf des im 4. vorchristlichen Jahrhundert tätigen grie- ­­chischen Arztes Parmenides: „Gib mir die Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile jede Krankheit!“ läßt auf Be­obach­tungen schließen, wie unerwartet Bes­serungen eintraten bei damals als un­heilbar geltenden chronischen Le­iden, nachdem Kranke eine hochfieberhafte Infektion überlebt hatten. Der Wunsch, Fieber gezielt als Thera­peu­tikum einzusetzen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte der Medizin­geschichte. Die Naturheilkunde hat diesen Grundsatz des heilsamen Fiebers nie aufgegeben.

Dagegen ist unsere moderne Medizin enorm fieberfeindlich. Dies hat sich auch im Bewußtsein der Bevölkerung sehr stark eingeprägt. Fieber wird als gefährlich eingestuft, muß deswegen be­kämpft werden. Die Pharmazie hat dafür ein ganzes Arsenal an fieber- und entzündungshemmenden Medikamenten ge­schaffen. Antipyretika, Antiphlogistika, Antibiotika und Corticoide vermögen das Fieber „schnell und zuverlässig“ zu senken. Ganz besonders hat sich dieses antipyretische Denken bei den Kinderkrankheiten und den Erkran­kun­gen von Kindern durchgesetzt, ob­wohl längst von schulmedizinischer Seite, im Tierexperiment an Säugern, nachgewiesen werden konnte, daß selbst bei starker, künstlich erzeugter, viraler Infektion, ein Großteil der Tiere überlebte, wenn keine antipyretischen Maßnahmen vorgenommen wurden. Mehrfach bestätigt ist inzwischen, daß Viren in der Regel sehr thermolabil sind und durch Tem­peraturen über 39°C eliminiert werden. So wäre jegliches Fieber, ob natürlich oder künstlich, grundsätzlich bei jeder viralen Erkrankung eine sinnvolle Reak­tion des Organismus. Dennoch, trotz dieses Wissens, versucht die Schul­medizin, jeglichen Versuch des Körpers, sich selbst zu heilen, durch antipyretische Maßnahmen zu unterdrücken.

Nach den bereits, in vorhergehenden Beiträgen dieser Serie, dargestellten Kriterien des anthroposophischen Welt- und Menschenbildes bedeutet das Fie­ber eine starke Betonung des Wärme­organismus, ein verstärktes Eingreifen des Ichs über die Wärme in die leibliche Organisation des Menschen. Fieber ist also letztendlich Ausdruck einer gesteigerten Ich-Tätigkeit, um seine Herr­schaft gegenüber den leiblich-seelischen Vorgängen wiederherzustellen. Fieber ist ungefährlich, wenn es zeitlich befristet verläuft. Prof. Fintelmann weist darauf hin, daß ein nützliches, therapeutisch zu nutzendes Fieber im allgemeinen eine Zeitgestalt aufweist, die den Wochenrhythmus wiederspiegelt (1) Seite 160.

Er beschreibt die Beobachtung aus der „Vor-Antibiotika-Ära“, daß beispielsweise bei der Lungenentzündung bekannt war, daß etwa für die Zeit von 7-8 Tagen Dauer die nützliche Seite des Fiebers erlebt werden konnte, während ein über diese Zeit hinaus bestehendes Fieber im allgemeinen umschlägt und sich als „verzehrend“ erweist. Deshalb war die um den 7. oder 8. Tag zu erwartende Krise bei den Entzün­dungs­krank­heiten auch immer eine Art Ent­schei­dung, ob die Krankheit überwunden wurde zum Weiterleben im Leibe, oder ob sich Seele und Geist aus diesem lösten, um ihr Weiterleben in rein geistiger Existenz fortzuführen.

Oft ist zu beobachten, daß Kinder, ehe eine fiebrige Krankheit sich einstellt, quengelig, unausgeglichen und schwierig sind, mit sich und ihrer Umgebung kaum mehr zu Rande kommen. Dann kommt die hochfiebrige Erkrankung, sie sind aufs Bett niedergeworfen. Der­jenige, der Kinder hat oder hatte, kennt diesen Vorgang nur zu gut. Nach durchlebter Krise begegnet uns ein „völlig neues Kind“. Es ist wieder in seinem körperlich-seelischen Gleichgewicht. Alles, was disharmonisch war, ist wie abgestreift. Fieber bringt das gestörte innere Gleichgewicht im Menschen wieder ins Lot, indem es harmonisiert, entgiftet und die Abwehrkräfte steigert. Hinzu kommt, daß es die Per­sönlich­keitsentwicklung fördert. Oft sind Ge­sichtsausdruck und Verhalten eines Kindes völlig anders nach überstandener fiebriger Krankheit.

Kinderkrankheiten stellen mitunter zyklische Infektionskrankheiten dar, welche häufig eine Umformung der Konstitution nach sich ziehen, so daß ein Kind nach überstandener Krankheit wie noch einmal geboren erscheint. Da das Ich des Menschen in der Wärme lebt, bedeutet das Fieber ein verstärktes Eingreifen des Ichs in den Organismus. Die im Vorfeld der Erkrankung in Disharmonie zueinander geratenen Wesensglieder werden wieder neu geordnet und zueinander ausgerichtet. Das Fieber steht an dem Pol der Entzündung – polar dagegen steht die Sklerose, welche die Disposition zum Karzinom mit ein­schließt.

Diese Perspektive weist den Infektions-, vor allem den Kinderkrankheiten, eine bedeutungsvolle, in der Zukunft liegende Aufgabe zu. In dieser Beziehung wird die Krankheit, das Fieber, Mittel zum Zweck, eine Neuordnung herzustellen.

Die Infektions- oder Kinderkrankheit stellt natürlich auch eine Gefährdung des Erkrankten dar. Diese wird von einer Schulmedizin oft übermäßig bewertet, handelt es sich doch beim Überwinden einer Krankheit um einen „Trainingsakt“. Es gilt Hindernisse zu überwinden, so daß dem Betroffenen Kräfte dabei erwachsen – Immunkräfte, Ab­wehr­kräf­te. Im Sport wird kein Hürdenläufer seine Fähigkeiten und Höchstleistungen erlangen ohne Risiko. Er kann jederzeit stürzen. Geht er das Risiko ein und trainiert, hat er die Chance, zu guten Leistungen und zu einem trainierten Bewegungsapparat zu kommen. Wer absolut sicher gehen will, versäumt das Leben. So verhält es sich auch mit den fiebrigen Erkrankungen. Sind sie überwunden, so geht der Betroffene meist gestärkt daraus hervor.

Es liegt hier eine grundsätzlich andere Definition des Krank­heits­begriffs zu Grunde. Fieber per se ist keine Krank­heit. Fieber ist ein Symptom. Vo­raus- ­gegangen ist jeder Erkältung, Ent­zündung oder Infektion ein kataboler Prozess (2). Dieser hat seinen Aus­gangs­punkt in der gegenüberliegenden Polarität: Kälte, Abbau etc., deswegen findet man bei sehr vielen fiebrigen Erkrankungen im Vorfeld Symptome wie Abgeschlagenheit, Überreizbarkeit, Bläs­se (Vasokonstriktion), Kältegefühl (Schüttelfrost) etc. Wie beispielsweise die Unterkühlung abbauende Ten­denzen im Physischen hervorzurufen vermag, so können auch Streß, psychische Schocks eine Änderung der Dis­position herbeiführen und als Reaktion ein vermehrtes Engagement des Ichs in Form eines klärenden Fiebers herbeiführen. Fieber, als vermehrte Tätig­keit des Ichs, sollte nicht unterdrückt werden, Fieber sollte therapeutisch begleitet werden, gegebenenfalls mit kalten Wadenwickeln, Einläufen und anderen physikalischen Anwendungen, medikamentös mit Aconit, mit Echi­nacea (Abb.1) und Argentum (Abb.2). Fieber sollte andererseits auch unterstützt werden, falls es nicht richtig in Gang kommt, beispielsweise mit Linden­blütentee, heißem Vollbad, Schlenzbad und Bettruhe.

Bei Einhaltung von Bettruhe in akuten und chronischen Fällen können sowohl die verabreichten Medikamente besser wirken, als auch die körpereigenen Selbst­heilungskräfte besser zur Ent­faltung kommen. Wir vergessen nur allzu oft, daß es die Natur selbst ist, die meist unmerklich heilt. Diesen Vorgang sollte man unterstützen.

Es scheint wichtig, hier noch anzufügen: Im Fieber besteht nur sehr selten eine Lebensbedrohung. Die Gefahr liegt viel eher in der ganzheitlichen Disharmonie (Wesensglieder) – ihrer Weiter­ent­wicklung wird durch das Fieber Einhalt geboten.

Deshalb sollte Fieber in seinem Verlauf sinnvoll unterstützt werden.

Als unterstützende Maßnahmen wurden bereits genannt: initial Lindenblütentee, heiße Vollbäder, Bettruhe etc.

Bei sehr hohem Fieber u.U. kalte Wadenwickel, Einläufe etc. Medi­ka­men­tös kann man geben initial Aconitum napellus, anschließend oder darauf folgend Belladonna, Apis, Apis-Bella­donna, Argentum D30/Echinacea D6; Amp. (WELEDA) etc.

Fieberkrämpfe bedürfen einer besonderen Beachtung und erhöhter Auf­merk­samkeit.
 
Fieber ist von größter therapeutischer Bedeutung, insbesondere bei viralen Erkrankungen. Eine artifizielle Senkung des Fiebers begünstigt die Vermehrung der Viren, mit allen Folgen.
 
Wenn das Leben des Patienten tatsächlich bedroht ist, sollte eine Behandlung mit Antibiotika aus weltanschaulichen Gründen nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Der Einsatz von Antibiotika in lebensbedrohlichem Zustand läßt sich vergleichen mit dem Rettungsversuch eines Nichtschwimmers im reißenden Fluß per Rettungsring. Keiner würde dieses Vorgehen im Akutfall verurteilen. Sinn­voll wäre es jedoch, wenn der Gerettete anschließend das Schwimmen erlernt, um für weitere Vorkommnisse gewappnet zu sein.

So ist auch einmalige Fieber­unter­drückung, um Leben zu erhalten, kein Beinbruch. Doch sind unkritische Antibiotika-Gaben in keinem Falle zu befürworten, zumal schulmedizinische Untersuchungen vorliegen, die bestätigen, daß Viren bei Temperaturen unter 39°C sich vermehren können, und daß antibiotisch bekämpfte Bakterien­stäm­me mehr und mehr sich in therapieresistente Varianten wandeln.

Abb.1: Purpurfarbener Sonnenhut
http://de.wikipedia.org/wiki/sonnenh%C3%BCte_(Echinacea)

Man weiß auch, auf Grund von Tier­versuchen, daß virale Ent­zün­dungs­krankheiten von einem Großteil der infizierten Tiere überlebt wurden, wenn diese fiebern konnten. Bei antipyretischer Behandlung starben praktisch alle Tiere.

Statt einer dramatischen, kurzfristigen Auseinandersetzung, der eine Neu­ordnung folgt, besteht ein andauernder „kalter Krieg“, der die Krank­heits­si­tua­tion nicht überwindet, sondern zu einer Schwächung führt.

Anfangs besteht die Empfänglichkeit gegenüber Erregern. Nach abgelaufener Krankheit ist eine Immunität entstanden gegen die betreffende Krankheit.

Mit der Ausbildung der Immunität ist ein Entwicklungsschritt vollzogen, der für den gesamten Lebenslauf des Men­schen von Bedeutung ist, nicht nur im Sinne einer größeren Resistenz. So betrachtet, können Kinderkrankheiten wahre Helfer sein, nicht nur in Belangen der körperlichen Entwicklung, sondern auch für die gesamte Entwicklung der Individualität.
 
Es wäre jedoch verfehlt, die rettende und heilende Wirkung allein in den hohen Temperaturen des Fiebers zu sehen. Ein solches erfaßt die gesamte Krankheitslage nur in der ersten Zeit, in einem Anheben der Körpertemperatur; es gehört ebenso die Beherrschung des Fiebers dazu, d.h. die Begrenzung auf das nötige Maß und die entsprechende Dauer. Damit ist jedoch nicht eine generelle Senkung des Fiebers gemeint, sondern eine besonnene, therapeutische und medikamentöse Begleitung.
 
Durchgemachte Fieber können sehr gut schützen vor späteren Tumor­bil­dun­gen (3). Oft kommen Patienten in unsere Sprechstunde, im Alter von 37-42 Jahren, mit der Diagnose Krebs - bei einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt. Wenn man die dann fragt nach durchgemachten Kinderkrankheiten, dann ist die Antwort: so gut wie keine. Fieber in den letzten 20 Jahren: so gut wie nie. „Ich war immer gesund bisher, und nun diese Krankheit“. Dies ist eine Situation unserer Zeit. Mehr dazu im Kapitel Tumorerkrankungen.
Abb.2: Argentit - Silbersulfid
www.Mineralienatlas.de/lexikon/index.php/minerlienportrait/Silber/Discussion

Literaturangaben:
1) Fintelmann, Volker: Intuitive Medizin. 1. Aufl. Stuttgart: Hippokrates Verlag GmbH, 1987


2) Husemann / Wolff: Das Bild des Men­schen als Grundlage der Heilkunst – Band II und III. Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben GmbH, 1986

 

3) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volks­heilkunde; 2008

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar „anthroposophische Naturheilpraxis“ – Näheres unter www.werner-schmoetzer.de

7 Problematik – Impfungen
Soll das Kind geimpft werden oder nicht?  Diese Frage bewegt viele Eltern. Von allen möglichen Seiten erhalten sie Ratschläge, oft gegensätzliche. Häufig wissen die Eltern dann wirklich nicht mehr, sollen sie - sollen sie nicht. Nicht nur in Laienkreisen, sehr wohl auch in Fachkreisen, wird die Impfproblematik sehr emotional und kontrovers diskutiert. Die Naturheilkunde sah, was In­fektionskrankheiten anbelangt, schon seit jeher den Schwerpunkt in einem in­takten Immunsystem und in der Stär­kung der körpereigenen Abwehrkräfte. Der verantwortliche Heilpraktiker wird von der Impfung, die Bestandteil unseres Gesundheitswesens ist, nicht grund­sätzlich abraten. Er wird mit den Eltern jedoch die Problematik, d.h. Für und Wider erörtern. Impfgegner berufen sich auf das große Werk von Harris L. Coul­ter (1) – weltweit bekannt in Laien- wie in Fachkreisen. Coulter ist schlichtweg der Impfgegner. Nach seinen Dar­stel­lungen ist das Impfen mitverantwortlich für „alle möglichen Encephalopathien, Allergien, hyperkinetische Syndrome etc.“ Daß Wissenschafts-orientierte Schul­­mediziner die Impfung uneingeschränkt empfehlen, wird kaum jemanden überraschen. Moderne „Ärzte für Naturheilverfahren“ sind da nicht so sehr festgelegt. Sie impfen im begründeten Einzelfall. Also, was gilt, was ist richtig?

Diese Frage etwas erhellen, kann vielleicht die vom Verfasser selbst gemachte Erfahrung:
 
Bis vor kurzem war ich auch noch entschiedener Impfgegner. War doch unsere Tochter Anja, seit ihrer Pocken­im­p­fung im Alter von 11 Monaten (damals bestand noch staatlich verordnete Impf­pflicht), in ihrer Entwicklung stehen geblieben. Sie ist heute 37 Jahre alt und zu 100% geistig behindert. Diese Bio­graphie ist ja auch in der Einleitung meines Buches (2) ausführlicher beschrieben. Damals ein Schock für uns Eltern. Man hätte diesen „Impfschaden“ natürlich einklagen können, um evtl. eine Rente für das Kind zu beziehen. Wir hatten darauf verzichtet, zumal uns Zahlen vorlagen, die belegen, daß in Baden-Württemberg 97% aller Impfschäden, die geltend gemacht wurden, abschlägig beschieden wurden. Dem Kleinkind blieben so unnötige stationäre Unter­suchungen, die immer an Uni-Kliniken durchgeführt werden, erspart.

Daß solche Eltern zu Impfgegnern werden, ist nachvollziehbar.
 
Da gibt es jedoch auch noch die andere Seite. Wie beschrieben, zählte ich jahrzehntelang zu den Impfgegnern. Jedem, der mich fragte, später auch als Heilpraktiker fragte, der erhielt die Ant­wort von mir, daß Impfen risikoreich wäre, daß, wenn man nicht das Ver­trauen in ein individuelles Schicksal hätte, man impfen lassen solle – ich hätte Vertrauen und ließe deswegen mich und meine Kinder nicht impfen.

Sehr naturverbunden wie ich war, ließ ich keine Gelegenheit aus, mich im Freien aufzuhalten, die Natur zu erfahren und neue Kraft in ihr zu schöpfen. Ich war viel unterwegs im Wald, viel in den Bergen und in den Fluren. Zecken­bisse hatte ich schon unzählig viele abgekriegt, war dann immer der Mei­nung gewesen, mehrere Male nach der Läsion Ledum D4 einzunehmen, das würde ausreichen. Bislang war das auch so gewesen.

Wir wohnen in einem Gebiet mit erhöhtem FSME-Risiko, hier im Schwarzwald. Doch viele Waldler, das sind Wald­ar­beiter oder Waldbesitzer in unserer Region, die sind seit jeher mit Zecken­bissen konfrontiert und erfreuen sich bester Gesundheit.

So war ich auch wieder Anfang Juli 2005 im Wald Pilze sammeln, dabei holte ich mir zwei Zecken, welche auch gleich nach Entdeckung entfernt und mit Ledum nachbehandelt wurden. So nach 10 Tagen bekam ich Fieber, ziemlich hoch. Ich dachte mir nicht viel dabei. Das Fieber war so rasch, wie es gekommen war, wieder weg. Mit der Familie fuhren wir an die Ostsee. 2005 war wieder ein sehr heißer Sommer. Das Wetter war bilderbuchhaft. Soweit war alles wieder o.k. – nur eines war anders als sonst. Normalerweise war ich ein sehr hitziger Mensch, dem kaltes Was­ser eher recht war, als daß er es scheute. Ich fror in dem frischen Ostsee­was­ser, wie ich es eigentlich nicht gewohnt war. Ansonsten fühlte ich mich noch wohl. Nachts, in einer etwas weniger noblen Pension, da hatte ich starke Schweiß­ausbrüche. Doch gegen Mor­gen da gings wieder. Nach 3-4 Tagen fuhren wir wieder nach Hause. Unter­wegs, die Strecke hat immerhin 1000 km, da hatte ich schon das Gefühl, wieder krank zu werden. Glieder­schmer­zen, Abge­schla­genheit etc. Zu Hause angekommen, legte ich mich sofort ins Bett. Ich fror, wie noch nie in meinem Leben. Außen hatte es 33°C und mehr, und ich war bekleidet mit 2 Schlaf­anzügen, bedeckt mit 2 Deckbetten und brauchte eine Skimütze als Kopf­be­deckung. Mir war kalt durch Mark und Bein. Fieber 41°C!!  Anfangs dachte ich noch: Fieber ist immer gut – ein starkes Eingreifen des Ich – Neuordnung der Wesensglieder – Hyperthermie – Tumorprophylaxe.... Doch das Fieber hielt an über Tage. Es stieg noch weiter. Der gerufene Arzt, ein anthroposophischer Arzt, stellte Fragen, ich konnte gar nicht richtig antworten. Na ja, er meinte, man müsse eine Blutuntersuchung vornehmen. An die Zecke, da dachte im Moment kein Mensch. Ich merkte selbst, daß ich nicht mehr richtig denken konnte. Na ja, das hing wohl mit dem immer noch sehr hohen Fieber zusammen. Doch ich konnte auch nicht richtig sprechen, und kurze Zeit später hatte ich Lähmungs­erscheinungen in den Beinen und ataktische Gang­stö­rungen. Ich fühlte mich im Grunde ge­nommen mehr im Jen­seits, als hier auf der Erde. Der Arzt rief an, ob es sein könne, daß ich Kontakt mit einer Zecke gehabt hätte. Der La­borbefund wiese einen außerordentlich hohen Titer im Blut aus, der hindeute auf eine FSME-Infektion, keine Borre­liose. Den Zecken­biß hatte ich schon längst vergessen, zumal ein solcher bei mir keine Selten­heit war. Nie hatte ich unter den Folgen auch nur im Gering­sten gelitten. Nun war es mit einem Male klar. Ich hatte eine Frühsommer-Meningo-Enzepha­litis. Der biphasische Verlauf des Fie­bers, nach einer 10-tägigen Inku­ba­tions­zeit, deutete ganz eindeutig darauf hin. Doch wer denkt schon an solches! Erst vier bis fünf Tage Fieber, dann Fieberabfall, außergewöhnlich starkes Frieren, dann erneut Fieber, so hoch wie eigentlich noch nie in meinem Leben. Unerträgliche Kopf­schmerzen, Lähmun­gen, Sprech- und Gangstörungen. Ich konnte fast nicht mehr schreiben. Einer Kollegin hatte ich eine Glück­wunsch­karte gesandt. Sie hat sie mir später gezeigt. Unvorstellbar – es war nur schrecklich entstelltes Ge­kritzel.

Tja, nun war alles klar. Der Arzt fragte, warum ich keine FSME-Impfung habe vornehmen lassen. Eine solche nützt nach erfolgter Infektion nichts mehr. Klar war mir, der Arzt konnte es leider nur bestätigten, daß es dagegen eigentlich kein Arzneimittel gibt. Das Fieber blieb für 3 1/2 Wochen bei 41°C und drüber. Ich konnte nur hoffen. Alle möglichen Kollegen, die von meiner Misere erfahren hatten, gaben mir in bester Absicht gute Ratschläge. In einem war ich mir mit meinem anthroposophischen Haus­arzt einig, daß es nur eines gab: die körpereigenen Abwehrkräfte zu steigern und zu hoffen und zu beten. Bei einer Virusinfektion das Fieber mittels Anti­biotika zu senken, schied aus. Glück­licherweise hatte ich bis dahin eine so robuste Konstitution, daß ich diese sehr ernste Erkrankung überstehen konnte, ohne bleibende Schäden. Lange dauerte es, bis ich wieder geschmeidig und fließend schreiben konnte.

Warum schildere ich diesen Krank­heits­fall so ausführlich? Weil natürlich auch mit diesem Niedergeworfensein, mit den Lähmungserscheinungen, mit den zerebralen Defekten sich Fragestellungen ergaben, denen ich bisher ausgewichen war. Ärzte, Heilpraktikerkollegen und Kolleginnen, sonstige Bekannte erzählten mir aus ihrem Bekannten- und Pa­tientenumfeld von vielen Fällen, die eine FSME-Infektion gar nicht oder mit schweren lebenslangen Schädigungen überlebt hatten. Von Betroffenen, die hinterher teilweise gelähmt im Rollstuhl saßen, die ohne Gehhilfe nicht mehr gehen konnten, die in ihrem Intellekt dauerhaft sehr geschädigt waren, von Patienten, die wunderlich wurden, die lebenslang nicht mehr auf den Boden der Realität zurückfanden.

Als bei mir alles soweit wieder zu funktionieren schien, fragte mein Hausarzt, ob ich mich nun gegen FSME impfen lassen würde. Ich konnte eigentlich nur, wohlüberlegt, diese Frage mit einem Ja beantworten. Nun, nach zwei Jahren, ist der Titer im Blut immer noch hoch, also keine Impfung nötig. Doch den werde ich weiterhin im Auge behalten und bei einem entsprechenden Ab­sinken mich einer Impfung un­terziehen.

Absichtlich habe ich nebeneinander ge­stellt zwei Schicksale, am eigenen Leibe erlebt.

Zum einen das Schicksal unserer zu 100% geistig behinderten Tochter, verursacht mit höchster Wahrscheinlichkeit durch die Pocken-Impfung. Ein sehr ein­schneidendes Schicksal, dessen Schwe­­re nur derjenige ermessen kann, der es lebenslang zu tragen hat.

Zum anderen ein Schicksal, das mit höchster Gefährdungsintensität hätte ein lebenslanges Siechtum auslösen können, eskaliert wegen einer unterlassenen Impfung.
 
Keinem könnte ich, nach den durchlebten eigenen Erfahrungen, grund­sätzlich dazu raten, sich nicht impfen zu lassen.
 
Man muß, so denke ich, die Sache differenzierter angehen.  Wie bereits be­schrie­ben, werden allzu oft die Er­fah­rungen von Impfgegnern und -be­für­- wortern sehr emotional ausgetauscht. Ärzte arbeiten oft mit dem Mittel der Angst.  
 
Andererseits muß man eben auch zur Kenntnis nehmen, daß in Deutschland die Impfpflicht abgeschafft wurde. Bei uns herrschen freiheitliche Verhältnisse, wie in keinem anderen europäischen Land. In Italien kann den Eltern zeitweise von Seiten des Staates das Sor­gerecht für ihre Kinder entzogen werden, wenn sie sich weigern, ihr Kind impfen zu lassen. Eine Impfung wird dann durch die Staatsgewalt durchgesetzt. Von anderen Mitgliedstaaten der EU wird Deutschland argwöhnisch be­trachtet wegen seines laschen Impf­verhaltens.
 
Beim Impfen ist ein nüchternes Ab­wägen nötig. Wir in Deutschland ha­ben das Privileg, frei entscheiden zu kön­nen. Dies ist ein sehr hohes Gut. Den­­noch wird das Impfen in Deutsch­land von großen Teilen der Bevöl­ke­rung irgendwo als selbstverständliche Not­wendigkeit angesehen. Es sollte durchaus kritisch hinterfragt werden (6).
 
Mit obigem Beispiel der FSME-Infektion sollte gezeigt werden, daß im Falle des Nicht-Impfens ebenfalls sehr hohe Ri­siken drohen.

Zunächst soll dargestellt werden, was das Impfen, das ist ja ein Immunisieren, aus anthroposophischer Perspektive bedeutet, welche Gefahren und Risiken für die persönliche Entwicklung und Ge­sundheit dadurch u.U. entstehen können.
 
Dazu schreibt Professor Dr. med. Volker Fintelmann in seinem Buch: „Intuitive Medizin“ (3):
 
„Bei den überwiegend gutartigen, zur Spontanheilung neigenden Erkran­kun­gen wird wegen der seltenen, z.T. sicher auch schweren Komplikationen jedem Menschen durch die Impfung eine Ent­wicklungsmöglichkeit genommen, die ein Beitrag zu seiner Indi­vidua­li­sierung ist. Dieser Eingriff in die freie Ent­wicklung des einzelnen Menschen ist so schwerwiegend, daß er gar nicht anders bezeichnet werden kann als eine umfassende Manipulation der Men­schen. Dahinter steht vordergründig das heute so übliche Versicherungsdenken, das sich in der Fülle und Größe eindrucksvoller Versicherungsbauten einen äußeren Ausdruck verschafft. Gegen was nicht alles meint der Mensch, sich versichern zu müssen. Und natürlich kann ein solches Denken rasch auf Krank­heiten übertragen werden. Wie schön wäre es scheinbar, sich auch gegenüber jeder Krankheit so versichern zu können, daß sie nie einträte. Eine solche Versicherung ist die Im­pfung.

Es soll hier nicht generell die Frage der Impfung diskutiert werden, sondern die Frage der Impfungen speziell gegen die Kinderkrankheiten. Um eine besondere Brisanz aus dem Thema zu nehmen, sei extra darauf aufmerksam gemacht, daß die Kinderlähmung nicht zu den speziellen Kinderkrankheiten zählt.

Die Impfungen gegen die Kinder­krank­heiten, denen in dem vorhergehenden Kapitel ein ganz besonderer Sinn zugewiesen wurde, müssen aber in Frage gestellt werden. Es wurde bereits darauf aufmerksam gemacht, daß eine Krank­heit auch eine biographische Zeitgestalt hat, daß sie also zu einem für das Individuum geeigneten Zeitpunkt eintreten muß.

Bei den aktiven Schutzimpfungen trifft aber diese Krankheit auf einen darauf völlig unvorbereiteten Organismus, der den Zeitpunkt seiner Krankheit noch nicht mitbestimmen konnte und insofern überrumpelt wird. Ein solcher Vorgang führt nach den Forschungen Steiners zu einer starken Bindung der Individualität an den Leib, im besonderen an den Erbleib. Schaut man auf die Hinter­grün­de – was jetzt durchaus spirituell ge­meint ist – der scheinbaren Beglückung durch das Impfwesen, so steht dahinter der Versuch, den Men­schen an die Erbbedingungen zu binden und eine freie Entwicklung zu verhindern.“

R. Steiner wurde von Ärzten zu seiner Zeit auf die damals noch relativ neue Pockenschutz-Impfung und ihre Aus­wirkungen auf das Kind und Individuum angesprochen. Seine Antwort ließ keinen Zweifel offen, daß mit dieser Imp­fung stark in die freie Entwicklung des Menschen eingegriffen würde. Sie verhindere eine spätere spirituelle Ent­wicklung des Menschen, was auch da­hingehend interpretiert werden kann, daß sie den Menschen an die Materie und die materialistische Gesinnung bin­de. Leiblich gesprochen bedeutet dies wiederum übermäßige Sklero­se­ten­denz, Verhärtung.

Die heutige Medizin hat sich aus Un­kenntnis dieser Tatsache an vielen Stel­len ganz in den Dienst einer Geistes­haltung gestellt, die eine freiheitliche Ent­wicklung des Menschen negiert.
 
Unter Prävention und Krankheits­pro­phy­laxe wird heute nahezu an erster Stelle das Impfen gesehen.
 
Hier liegen dieselben Verhältnisse vor wie bei einer allopathischen Medikation: ein möglichst rascher Rückgang der Symptomatik besagt nichts über die Heilung. Ein „Erfolg“, d.h. hier ein Rückgang einer Krankheit, ja sogar deren Ausrottung ist u.U. nur ein verhindertes Symptom und besagt ebenfalls noch nicht, daß damit auch die Hinter­gründe, die zu ihrem Auftreten führten, überwunden sind. Hier wie da kann es zu Rezidiven oder – was weit schwerer zu erkennen ist – zu Verdrängungen kommen. Diese stellen das größere Problem dar.

Überspitzt könnte man formulieren: Relativ harmlose Kinderkrankheiten, die der Entwicklung des Menschen dienen sollten, werden zwar verhindert, aber dadurch schwerste Krankheiten wie Karzinome vorbereitet.

„Es ist eine Zeitnotwendigkeit, den Sinn von Krankheiten und ihr polares Ver­halten zu erkennen.“ (Zitat Dr. med. Otto Wolff (4), S. 304) „Verhin­de­run­gen von Krankheiten allein können ebenso wenig Maßstab für eine sinnvolle Maß­nahme sein wie die Fie­ber­senkung bei einer Krankheit. Das Be­streben der Ausrottung von allen Krank­heiten um jeden Preis entspringt der Auffassung der Krankheit als lästiger Be­triebs­störung; diese kann für die Zukunft keine Basis sein. Solange in der Krank­heit nicht ein tieferer Sinn gesehen wird, fehlt die entscheidende Grund­­lage für eine Beurteilung. Ins­besondere gilt dies für die Kinder­krankheiten, die einen wahrhaft konstituierenden Faktor in der menschlichen Entwicklung darstellen. Daß ein ge­wisses Risiko be­steht, soll nicht in Abrede gestellt werden. Gerade dieses ist jedoch ge­ring, wenn der Krank­heitsverlauf nicht unterdrückt, sondern sinnvoll unterstützt wird. Gewiß muß das Nutzen-Risiko-Verhältnis bezüglich der Impfung sorgfältig abgewogen werden, so jedoch auch der „Nutzen durch die Krankheit“ und das Risiko, einen wesentlichen geistig-seelischen Entwicklungsschritt evtl. nicht vollziehen zu können.“

Daher ist es so notwendig wie noch nie, daß Patienten und Eltern sich ein eigenes Urteil über alle Fragen der Ge­sundheit bilden – wie zum Beispiel über die Impfungen –, um sich dann selbst entscheiden zu können.

Ausführlich beschrieben finden sich Empfehlungen und Ratschläge zu dem Thema „Impfungen im Kindesalter“ in der Broschüre des Vereins für An­thropo­sophisches Heilwesen e.V., verfaßt von dem Pädiater Dr. med. K.-R. Kummer (5). Im Folgenden sind sie sehr verkürzt wiedergegeben.

Impfung gegen Tetanus
Tetanus, der Wundstarrkrampf, verläuft in den westlichen Ländern bei ca. 60% der Erkrankten tödlich. Die Impfung schützt sicher gegen die Erkrankung. Der Impfschutz wird sogar schneller aufgebaut, als ein Tetanus nach der Ver­letzung entstehen kann. Die Neben­wirkungen sind relativ gering.

Da der Impfschutz im Verlauf der Jahre abnimmt, sollte die Impfung nach etwa 10 Jahren wiederholt werden.
 
Die Impfung ist erst dann nötig, wenn sich das Kind verschmutzte Wunden zuziehen kann, in der Regel erst im Alter von 10 bis 12 Monaten.
 
Impfung gegen Diphtherie
Diphtherie ist eine Erkrankung des Kin­des­alters, die von Rachen und Kehlkopf ihren Ausgang nimmt. Zwei Gefahren stehen im Vordergrund: Durch Ver­schwel­len des Halses mit dichten Mem­branen kann es zum Ersticken kommen. Außerdem kann das Gift der Bakterien zu Herz- und Kreislaufversagen führen. Die Diphtherie ist heute bei uns sehr selten.  Kaum ein Arzt kennt sie aus eigener Anschauung. Die schweren Verläufe beruhen meist darauf, daß zu spät wirksame Behandlungen ergriffen werden. Da diese Krankheit beinahe ausgestorben ist, leiden wir heute weniger unter den Krankheitsfolgen als vielmehr unter den Folgen der Schutz­impfung.

Wenn die Impfung erfolgt, wird sie meist mit 10 bis 12 Monaten in Kombination mit Tetanus verabreicht.
 
Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis)
Keuchhusten ist eine typische Kinder­krankheit, doch oft sind Erwachsene die Überträger. Außer bei kleinen Säug­lingen und bei allgemein schlechter Ab­wehrsituation, ist der Keuchhusten selten gefährlich. Der lange Verlauf ist je­doch eine Anspannung für Eltern und Kind.

Keuchhusten ist nicht sehr infektiös, die Ansteckungsrate liegt bei etwa 30%. Le­bensgefährlich ist er aber für Neuge­bo­rene und kleine Säuglinge. Der Impf­schutz tritt erst nach der 3. Impfung, also nicht vor dem 6. Monat ein.
 
Wenn man im Keuchhusten als Kinder­krankheit keinen Sinn sieht, wird man versuchen, dagegen zu impfen. Ande­rerseits gibt es viele Beobachtungen von Eltern und Ärzten, daß ein Kind durch die Pertussis-Krankheit wesentliche Fortschritte macht. Der Lungen­be­reich wird durchgestaltet, die Sprache wird häufig verbessert, gelegentlich kann Stottern verschwinden, auch kann ein bestehendes Asthma positiv beeinflußt werden.
 
Die Impfung schützt nur einige Jahre, außerdem erreicht sie die gefährdete Altersgruppe unter 3 Monaten nicht.
 
Impfung gegen Polio
Früher war die Kinderlähmung eine häufige Krankheit, vor der viele Menschen zu Recht Angst hatten. Heute droht bei uns in den westlichen Ländern keine akute Gefahr einer Kinderlähmung mehr. Nur etwa 1% der Polio-Erkrankten er­leidet eine Lähmung. Infolge der Impfung ist Polio seit etwa 40 Jahren bei uns keine Volkskrankheit mehr. Die Impfung gegen die Kinderlähmung ist eine der wenigen Impfungen, die eine Krankheit bis auf Einzelfälle zum Ver­schwinden gebracht hat. Da bei uns keine akute Gefahr einer Kinder­läh­mung mehr droht, hat die Impfung das Ziel, den Anteil der Menschen mit Schutz gegen Kinderlähmung ausreichend hoch zu halten. Daher kann man die Impfung ohne Gefahr zu einem späteren Zeitpunkt, etwa nach dem 1. Ge­burtstag, durchführen. Nur bei einem Aufenthalt in Risikogebieten (Naher Osten, Tropen, Asien) ist ein individueller Schutz notwendig.

Impfung gegen Masern
Früher galten die Masern als harmlose Kinderkrankheit, die zu durchlaufen ist. Sind die Masern überstanden, so hat das Kind einen lebenslangen Schutz erworben. Schaut man heute in ein Lehrbuch der Pädiatrie, so werden die Masern als gefährlich dargestellt. Die jetzige Impfpolitik verfolgt das Ziel, die Masern weltweit ganz auszurotten. Die deutsche Regierung hat sich gegenüber anderen europäischen Mitgliedsstaaten der EU verpflichtet, an der „Ausrottung“ der Masern durch verstärkte Impf­maß­nahmen mitzuarbeiten. Das erklärt die geplanten Zwangsimpfungen bei Ma­sern­epidemien. Die Impfung gegen Masern erzeugt keine lebenslange Fei­ung. Es muß nachgeimpft werden.
Fast jeder, der an Masern erkrankt, er­wirbt einen lebenslangen Schutz, selbst der gegen Masern Geimpfte. Nach durch­­gemachter Masernerkrankung konnte Dr. Kummer nachweisen: die Kinder laufen besser, sprechen flüssiger und erhalten eine bessere Feinmotorik; ihr Blick wird klarer, sie machen einen deutlichen Ent­wicklungsschritt.

Impfung gegen Mumps
Diese Viruserkrankung befällt vor allem den Drüsenorganismus, allerdings auch das ZNS. Besonders gefürchtet ist die Hodenentzündung bei einer Mumps­erkrankung. Ähnliches wie für die Masernimpfung gilt auch für die Impfung gegen Mumps. Impfversager sind häufig. Die Impfung hält nur begrenzte Zeit, bis zu 6 Jahren, danach muß sie aufgefrischt werden. Zur Zeit ist Mumps im Vergleich zu den Masern selten.

Impfung gegen Röteln
Die Röteln selbst sind eine fast immer harmlose Krankheit. Neben dem leichten Ausschlag kann es zu Gelenks­ent­zündungen kommen. Gefürchtet ist die Röteln-Embryopathie. Wichtig ist, daß Schwangere einen sicheren Schutz haben, um Schäden des ungeborenen Kindes zu vermeiden. Die heutigen Impfmaßnahmen sollen, ähnlich wie bei den Masern, die Röteln ausrotten. Durch­­gemachte Röteln gewähren le­benslange Feiung, die Impfung nicht, sie muß aufgefrischt werden.

Optimal wäre, wenn Mädchen die Rö­teln vor einer möglichen Schwan­ger­schaft durchgemacht hätten.
 
Impfung gegen Haemophilus-Influenzae (HIB)
Ab 1992 wurde diese Impfung sehr propagiert. Es geht um den Schutz von Säuglingen und Kleinkindern gegen eine bestimmte Form von eitriger Hirnhautentzündung. Gegen dieses Bakterium verfügen Kinder erst nach vollendetem 3. Lebensjahr über eine spezifische Abwehr. Die Gründe hierfür sind unklar. Die erwartete Wirkung der Impfung ist ausgeblieben. Zu wenig sind die Ursachen bekannt, warum ein bestimmtes Kind an einer eitrigen Meningitis erkrankt.

Impfung gegen Hepatitis B
Seit 1995 wird in Deutschland die Impfung gegen Hepatitis B für alle Säuglinge mit 3 Monaten empfohlen. Das Argument dafür ist die hohe Zahl chronischer Verläufe dieser entzündlichen Virus-Leberentzündung. Bisher wurden nur Menschen geimpft, die ein besonderes Risiko hatten, an Hepatitis B zu erkranken: Angehörige medizinischer Berufe, Menschen mit Drogen­kontakt, Prostituierte oder Sozial­ar­bei­ter.

BCG – Impfung
Die BCG-Impfung gegen Tuberkulose wurde bis vor 20 Jahren bei fast allen Neugeborenen durchgeführt. Ob die BCG-Impfung an der Verminderung der Tuberkulose einen Anteil hat, wird unterschiedlich beurteilt. Am Beispiel unseres Nachbarlandes Frankreich zeigt sich, daß die Pflicht zur BCG-Impfung aller Kinder, wie sie dort gilt, keine Vorteile bringt. In Deutschland ist diese Impfung aufgegeben worden.

Zu den Impfungen und deren möglichen Folgen für die Gesundheit, schreibt der Kinderarzt Dr. Kummer in der sehr interessanten Broschüre „Impfungen im Kindesalter“ (5):

„Nach den geltenden Empfehlungen soll ein Kind bis zum 12. Lebensjahr insgesamt nicht weniger als 35 verschiedene Impfungen gegen 8 verschiedene Krank­­heiten erhalten. Bereits mit 3 Mo­naten, bei der Vorsorge­unter­su­chung, soll das Impfprogramm starten, und der Säugling soll zwei Injektionen mit Kom­binationsimpfstoffen gegen 6 Krank­hei­ten erhalten. Das wiederholt sich mit 4 Monaten und zum dritten Mal mit 5 Monaten.

Auf der anderen Seite hat sich der allgemeine Gesundheitszustand der Kin­der in den letzten Jahren verschlechtert. Wir sind bald ein Volk von Allergikern; Hal­tungsschäden, Zappeligkeit und Kon­­zentrationsstörungen haben zugenommen, die Leistungsfähigkeit und die In- ­fekt­abwehr haben abgenommen.

Zunächst ist ein Mißverständnis auszuräumen: Bei den Bedenken gegen die gegenwärtige Impfpraxis geht es nicht in erster Linie um direkte Folgen der Impfungen. Notwendig ist es, die ganze Problematik umfassend zu betrachten. Wie häufig in der Medizin, verläßt man sich darauf, daß man keine sichtbaren Folgen sieht. Aber man rechnet in relativ kurzen Zeiträumen; bei nur wenigen Untersuchungen verfolgt man die Kinder länger als 5 Jahre. Doch muß man den ganzen Lebenslauf des Menschen be­rücksichtigen.

Zur Zeit werden lebenslange Impfpro­gramme mit noch unklaren Folgen ge­fordert. So geht man davon aus, daß die Masern in den nächsten Jahren ausgerottet sind. Nach bisherigen Erfah­rungen scheint das aber nur bei be­stimmten Krankheiten wie der Polio möglich zu sein.

Es wurde erwähnt, daß bei den Im­p­fungen gegen Masern, Mumps und Röteln keine Auffrischung durch eine Nachimpfung möglich ist. So haben Impfungen dazu geführt, daß große Teile der Bevölkerung in den USA keinen Schutz mehr gegen Röteln oder Masern haben. Damit besteht die Gefahr, daß man die Krankheit im späteren Lebensalter bekommt, wenn sie weitaus gefährlicher verläuft als in der Kindheit. Werden Masern, Mumps und Röteln jedoch durchgemacht, dauert die Immunität gegen diese Krankheiten praktisch lebenslang an.

Fraglich bleibt, ob nicht an die Stelle einer durch Impfungen ausgerotteten Krankheit eine andere treten kann.

Das Beispiel der HIB-Impfung weist in diese Richtung.
 
Es ist zu befürchten, daß ein Überanstrengen des Organismus zum Beispiel durch Massen-Impfungen ohne gleichzeitige Verbesserung der Rege­nera­tions­kräfte in der Zukunft katastrophale Folgen haben wird. Der starke Anstieg der Allergien in den letzten 30 Jahren ist vielleicht nur ein erstes Anzeichen zu­künftiger Probleme. Der Impfstoff wird mit Bestandteilen wie Konser­vie­rungs­mitteln oder Quecksilberzusätzen meistens in die Muskulatur gespritzt. Diese Regionen sind sonst vor Infektionen geschützt. Zugunsten des Impfschutzes wird der normale Schutzwall des Orga­nismus, wie zum Beispiel die Mandeln, umgangen. Langfristige Folgen für das Immunsystem sind daher möglich. So tritt eine Neurodermitis oftmals nach einer Impfung erstmals in Er­schei­nung.“
Auch gibt es über den „richtigen“ oder optimalen Zeitpunkt der Impfung keine gesicherten Erkenntnisse. Mit 3 Monaten ist die eigene Immunität eines Säuglings erst im Aufbau. Ob spätere Impfungen günstiger sind, ist nicht bekannt.

Literaturangaben:
(1) Coulter, Harris L.: Impfungen der Großangriff auf Gehirn und Seele.
1. Aufl. München: F. Hirthammer Verlag GmbH, 1993

(2) Schmötzer, Werner: Anthro­po­so­phische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008

(3) Fintelmann, Volker: Intuitive Medizin. 1. Aufl. Stuttgart: Hippokrates Verlag GmbH, 1987

(4) Husemann / Wolff: Das Bild des Menschen als Grundlage der Heilkunst – Band II und III. Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben GmbH, 1986

(5) Kummer, Karl-Reinhard: Impfungen im Kindesalter. 1. Aufl. Bad Liebenzell: Verein für Anthroposophisches Heil­we­sen, Heftreihe: Aktuelle Themen; Heft 2, 1998

(6) Goebel, W.; Glöckler M.: Kin­der­sprechstunde. 5. Aufl. Stuttgart: Verlag Urachhaus, 1986

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar „anthroposophische Naturheilpraxis“ – Näheres unter www.werner-schmoetzer.de
Abb. 1. Impfungen pro und contra
Salutogenese – Eigenregulation

Dem Wortsinn nach bedeutet „Saluto­ge­nese“ soviel wie „Ursprung der Gesund­heit“. Die konventionelle Medizin ist von dem Paradigma der Pathogenese ge­prägt. Im Fokus dieser etablierten Medi­zin stehen alle potentiellen Vorgänge, die Krankheit entstehen lassen (Erreger, schlechte Ernährung, physische und psychische Traumen, Genußgifte, To­xine etc.). Man macht die Krank­heits­ursache aus und therapiert die Sympto­me. Ganz im Gegensatz dazu richtet die Denk­schule der Salutogenese ihr Augen­merk auf die Vorgänge und Vor­aus­setzungen, die Gesundheit schaffen.

Das Modell der Salutogenese wurde von dem Medizin-Soziologen Aaaron Antonovsky (1923 – 1994) entwickelt.
 
Antonovsky hat hauptsächlich darüber geforscht, warum Menschen gesund bleiben, selbst unter widrigsten Um­ständen.
 
Antonovsky hat Untersuchungen und Befragungen vorgenommen mit Men­schen, die in Konzentrationslagern ne­ben Tausenden von Sterbenden die Stra­pazen überlebt haben, und die zum Teil erstaunlicherweise noch eine gute Gesundheit aufwiesen und teilweise ein erstaunlich hohes Alter erreichten. Heutige sozialmedizinische Studien gehen oft davon aus, daß Menschen einer sozial gehobenen Schicht, was Einkommen, Bildung, Status usw. anbelangt, eine höhere Lebenserwartung haben, da sie sich alle möglichen Un­annehmlichkeiten vom Halse halten können. Dieser Standpunkt scheint fragwürdig vor dem Hintergrund der For­schungsergebnisse Antonovskys.
 
Antonovsky sah nicht die Polarität von Gesundheit und Krankheit. Nicht gesund oder krank war für ihn die Frage. Kein Mensch kann die absolute Gesundheit erreichen, keiner ist nur krank. Jeder Mensch, auch wenn er sich als gesund erlebt, hat auch pathologische Anteile in sich. Solange Menschen am Leben sind, sind auch noch Teile von ihnen gesund.
 
Es stellt sich die Frage, wie nahe ist einer der Gesundheit, oder wie weit ist er entfernt davon – nicht, ist er gesund oder ist er krank.
 
Warum bleibt ein Individuum gesund, selbst unter den widrigsten Umständen, während andere schnell erkranken und sterben?
 
Da gibt es eine individuelle emotionale Grundhaltung, die bestimmt, wie gut Menschen in der Lage sind, vorhandene Ressourcen zum Erhalt ihrer Ge­sundheit zu nutzen. Je ausgeprägter das „Kohärenzgefühl“ einer Person ist, desto gesünder ist sie bzw. desto wahrscheinlicher ist oder bleibt sie gesund.
 
Antonovsky beschreibt das Kohä­renz­gefühl als:
 
eine grundlegende Lebenseinstellung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß je­mand ein alles durchdringendes, überdauerndes und zugleich dynamisches Gefühl der Zuversicht hat, daß seine innere und äußere Erfahrenswelt vorhersehbar ist und eine hohe Wahr­schein­lich­keit besteht, daß sich die Ange­legenheiten so gut entwickeln, wie man vernünftigerweise erwarten kann.“
 
Antonovsky definiert das Kohärenz­gefühl, die Grundhaltung, wie die Welt erlebt wird, nach drei Faktoren:
 
a)    nach dem Gefühl der Verstehbarkeit:
    Fähigkeit des Menschen, erlebte Informationen verarbeiten zu können.
 
b)    nach dem Gefühl der Hand­hab­bar­keit, nach der Einschätzung der Bewältigbarkeit:
Überzeugung des Menschen, daß er genügend Fähigkeiten hat, den An­forderungen zu begegnen.
 
c)    nach dem Gefühl der Sinnhaftigkeit:
Das Gefühl, daß wenigstens einige der vom Leben gestellten Probleme es wert sind, daß man sie meistert – eher als Herausforderung denn als Last und Qual.
 
Ohne eine Sinnhaftigkeit zu erkennen, neigt der Mensch dazu, das Leben als Last zu empfinden, die Überwindung als Qual.
 
Ein stark ausgeprägtes Kohärenzgefühl führt dazu, daß der Mensch He­rausforderungen annimmt und daran wächst.
 
Ob sich ein starkes oder schwaches Kohärenzgefühl im Laufe des Lebens herausbildet, hängt von den gesellschaftlichen Gegebenheiten ab, insbesondere von der Verfügbarkeit generalisierter Widerstandsressourcen, die ein starkes Kohärenzempfinden entstehen lassen.
 
Während sich das Kohärenzgefühl in der Adoleszenz noch umfassend verändern kann, ist es ab etwa dem 30. Lebensjahr ausgebildet und relativ stabil.
 
Gesundbleiben hängt also nicht nur ab von der Hygiene, der Meidung eines virulenten Umfeldes; dies ist die eine Seite. Gesundheit hängt auch ab von der inneren Einstellung des Menschen zu den Problemen, die sich ihm in den Weg stellen.
 
Im Gegensatz zu der heute nahezu allein gültigen, von der Wissenschafts-Medizin verfochtenen Ansicht der Pa­thogenese, verfolgt das salutogenetische Modell die Seite des Ge­sundbleibens, des Heilbleibens, zeigt auf die Faktoren, die die Gesundheit schützen.
 
Daneben zu stellen wäre nun noch die Selbst- und Eigenregulation, die er­folgt über rhythmische Prozesse. Steiner hat mehrfach darauf hingewiesen, daß die Quelle der Gesundheit aus dem Rhythmischen System kommt, daß die Mitte heilt. Daß durch eine Un­ter­stützung rhythmischer Prozesse Ge­sund­heit bewahrt bzw. neu erworben werden kann.
 
Steiner hat in seinem Vortrag vom 11.2.1923 (GA 221): „Erdenwissen und Himmelserkenntnis“ folgendes ausgeführt:
 
„Das Heilen besteht eben darin, daß man dasjenige, was im Organismus als ursprüngliche Heilkraft schon vorhanden ist, durch äußere Mittel unterstützt.“ Zitatende.
 
Zu diesen Darstellungen soll betrachtet werden die Bedeutung rhythmischer Prozesse in der anthroposophischen Therapie:
 
Eigenregulation durch rhythmische Prozesse
 
Seit Urzeiten hatte der Mensch immer schon die Gestirne und Planeten im Auge. Er versuchte, mit ihnen im Ein­klang zu leben. Tag und Nacht, die Jah­reszeiten, nach denen mußte er sich richten. Die Menschheit blickt auf eine Entwicklung von  Tausenden von Jahren zurück. Schon immer wurden Rhythmen gepflegt, die Menschheit folgte diesen wie einem Gebot. Bis vor etwa 120 Jahren noch, bevor die großen Städte elektrifiziert wurden, blieb dem Men­schen nichts anderes übrig, als mit den Hühnern ins Bett zu gehen und bei Tagesanbruch des Morgens sehr früh wieder aufzustehen. Unser Alltag war mehr oder weniger bestimmt von dem Rhythmus des Kirchengeläuts – morgens früh Andacht, Gebetsstunde, Mit­tagszeit, Nachmittagszeit, Abendgebet etc. Keiner scherte aus. Es war Sitte, um dieselbe Zeit, möglichst ge­meinsam, zu Mittag zu essen. Das heißt, alle Menschen hatten mehr oder weniger einen gemeinsamen Lebens­rhythmus. Jahresfeste wie Weih­nach­ten, Ostern, Pfingsten wurden quasi von allen gefeiert und erlebt. Wenn man heute schaut, da ist nicht mehr viel davon übrig geblieben. Heute gibt es Menschen, die klagen vor Gericht gegen das Kirchturmgeläut. An Weih­nachten und Ostern fährt man möglichst weit weg, da ist es wärmer – an Pfing­sten anderswohin, man weiß gar nicht mehr, was Pfingsten soll. Der Mensch hatte bis vor kurzer Zeit noch in den Rhythmen ein Gerüst, eine ständige Orientierung. „Im Rhythmus liegt Kraft!“ sagten die Alten. Heute ist dies alles aufgelöst. Heute kann man die Nacht zum Tag machen und umgekehrt; man geht erst nach 23 h außer Haus, kann Essen einnehmen morgens um 2 und schläft dann bis um 11. Der moderne Mensch hat sich völlig emanzipiert von Rhythmen, die von Natur aus vorgegeben sind.

Rudolf Steiner hat immer wieder darauf hingewiesen, daß die Gesundheit des Menschen auf drei Säulen ruht. Rhyth­mus, Wärme und die frei fließende Lebensenergie, das Ätherische, wie wir sagen. Die Wärme wird von dem mo­dernen Menschen fast genauso mal­trätiert und ignoriert wie die Not­wen­digkeit der Rhythmen. Betrachtet man Völker des Fernen Ostens oder Afrikas, sie müssen nicht mal besonders archaisch leben, so sieht man sofort, daß sie, trotz der Hitze am Tag, jahraus, jahrein verhüllt und relativ warm bekleidet sind. Es wurde in vorhergehenden Kapiteln schon mehrfach auf die Bedeutung der Wärme und der Rhyth­men hingewiesen.
 
Fundamental ist in einer anthroposophisch ausgerichteten Heilkunde, daß das Ich, das ist unser Per­sön­lich­keits­kern, nur über die Wärme gestaltend und reparativ eingreifen kann. Des­wegen spielt bei der Tumorbehandlung die wärmebildende Mistel eine so große Rolle. Wir haben heute Antibiotika, Anti­pyretika und Corticoide, damit können wir jeden vielleicht wichtigen Wärme­impuls in Form eines Fiebers zurückweisen.
 
Doch zurück zum Thema, zu den Rhyth­men. Im menschlichen Orga­nis­mus gibt es Rhythmen von einhundertstel bis eintausendstel Sekunden im Bereich der Nervenaktionen. Bei dem Flim­mer­epithel der Schleimhäute, bei der Ge­hirntätigkeit walten Rhythmen von einer zehntel Sekunde. Beim Herzschlag Rhythmen von etwa einer Sekunde. Der Unterschied von Takt zu Rhythmus: ersterer ist zwingend gleich, maschinenhaft; der zweite ist freilassend und modulierbar, nicht exakt. Bei Peristaltik, Atmung, Motorik haben wir meßbare Rhythmen im Minutentakt; bei der glatten Muskulatur, Sekretion etc. gelten solche im Stundentakt. Schlafen, Wachen, Speicherung und Aus­schei­dung vollziehen sich im Tag- und Nacht-Rhythmus. Dieser Rhythmus wird sehr häufig mißachtet. Ob bei Schichtarbeit, Jet-lag bei Interkontinentalflügen oder bei „früher“ Einkehr (nachts um halbzwei) bei Mac Donald`s. Dann kennen wir den Wochenrhythmus, dieser ist oft nicht so präsent, bei Infek­tions­krank­heiten werden wir jedoch immer wieder damit konfrontiert: eine Woche, zwei Wochen, oft 10 Tage, das sind 1 ½ Wochen. Wir sprechen bei der Re­ge­neration, bei der Heilung von ein- oder zweiwöchiger Dauer. Kuren wurden früher in ihrer Dauer in Wochen bemessen, heute nur noch in Tagen. Den Monden- oder Monatsrhythmus kennen wir am ehesten vom Zyklus der Frau. Die Erythrozyten haben eine Le­bens­dauer von etwa120 Tagen, das ist 1/3 Jahr. Dann kennen wir den Jahres­rhythmus, nach dem bemessen wir das Menschenalter. Jeder kann sich unter einem 3-jährigen oder 12-jährigen Kind etwas vorstellen. Nach dem anthroposophischen Welt- und Menschenbild sind die Lebensjahrsiebente Meilen­steine in der Entwicklung. Da spielen z.B. „durchgemachte“ Kinderkrankheiten eine große Rolle. Wir sprechen von einem 7-Jahres-Rhythmus. Früher sagte man, die Zellmasse des ganzen Organismus würde sich in 7 Jahren erneuern. Und dann sprechen wir Anthroposophen noch von einem „platonischen Welten­jahr“, das ist ein Zy­klus, den unser Son­nensystem braucht, um den Tierkreis, den Zodiak, einmal zu durchlaufen, um am selben Früh­lings­punkt wieder anzukommen. Dieser Durchlauf benötigt 25 920 Jahre. In 24 Stunden macht der Mensch auch 25 920 Atemzüge (18x60x24=25 920). So sagen wir, der Mensch sei mit all seinen Rhythmen kosmisch eingebunden. Das Verhältnis von Pulsschlag zu Atmung ist beim Gesunden 72:18 = 4:1; das der Pe­ristaltik des Magens zu der des Duode­nums 1:4. So gibt es viele ganzzahlige Verhältnisse von Rhythmen im menschlichen Organismus. Der Puls-/Atem­quotient von 4:1 gibt in der anthroposophischen Therapierichtung Auf­schluß über den Gesundheitszustand des Pa­tienten. Da gibt es lange Unter­su­chungs­reihen an gesunden und er­krankten Probanden, die dies be­- stätigen. Nach dem anthroposophischen Welt- und Menschenbild ist ein Mensch gesund, wenn er sich im Einklang mit der Natur und dem Kosmos befindet, Krankheit ist ein Herausfallen aus natürlichen und kosmischen Zu­sam­men­hängen. Kosmische Rhyth­men und Be­ziehungen spielen in der anthro­po­so­- phischen Therapie­rich­tung eine sehr große Rolle, so hat darin die Therapie mit den 7 Planeten-Me­tallen einen sehr großen Stellenwert. Der moderne Mensch, wie schon erwähnt, mißt diesen Beziehungen der Rhythmen keine Bedeutung mehr bei, deswegen sind die zivilisatorischen Erkrankungen so stark im Zunehmen. In den westlichen Nationen stehen die Herz- und Kreis­lauferkrankungen an erster Stelle als Todesursache. Kein Wunder, wenn eine ganze Population die Bedeutung von Rhythmen ignoriert. So ist die „Drei­gliederungsidee“ Rudolf Steiners mit Grundlage einer geeigneten Therapie für solche Krankheiten, bei denen die „gesunde Mitte“ verloren ging.

Steiner beschreibt diese Dreigliedrigkeit des Organismus, bestehend aus Den­ken, Fühlen und Wollen. Dem Denken ist das Nerven-Sinnes-System zugeordnet. Dieses zeichnet sich durch abbauende oder auch verhärtende Prozesse aus. Pathologisch gesteigert finden sich diese Prozesse des Abbaus und der Verhärtung in der Krankheitstendenz der Sklerose. Fühlen hingegen ist Ausdruck des rhythmischen Systems, das durch die Atmung und das Herz repräsentiert wird. Es hat die Aufgabe, zwischen dem Nerven-Sinnes-System und dem Stoffwechsel-Gliedmaßen-System auszugleichen. Das Stoff­wech­sel-Gliedmaßen-System, dem das Wol­len zugeordnet ist, baut auf, ist aktiv und regelt Wachstums- und Vitalkräfte. Pa­thologisch gesteigert, über ein normales Maß hinaus, finden sich diese Prozesse des übermäßig Stoffwechselhaften im Krankheitsprozeß der Entzündung. Steiner hat immer wieder darauf hingewiesen, daß die Gesundheit, das Gleichgewicht, die Balance zwischen diesen beiden Polen, Sklerose und Entzündung, immer nur durch das Rhythmische System neu geschaffen und gefunden werden kann. Gesundheit ist nichts Statisches, sondern ein durch und durch dynamischer Prozeß, der von Minute zu Minute neu eingependelt werden muß. Diesen Prozeß vollzieht das Rhythmische System.

Fazit: Wenn wir Heilpraktiker die Selbst­heilungskräfte im Patienten anregen wollen, so haben wir uns im Sinne der anthroposophischen Vorgehensweise nur an vornehmlich zwei Instanzen zu wenden: Wir wollen versuchen, ätherische (vegetative, Lebens-energetische und regenerative) und rhythmische Prozesse zu stärken, anzuregen und zu pflegen. Zu Hilfe kommen uns dabei im wesentlichen Substanzen aus dem Mineral-, Pflanzen- und Tierreich.

Wie wir im menschlichen Organismus eine Dreigliedrigkeit vorfinden, so auch bei der Pflanze. Da gibt es Pflanzen, die haben einen sehr stark oder sehr einseitig ausgeprägten Blatt- und Stengel­bereich, d.h. rhythmischen Bereich. Nach der anthroposophischen Betrach­tungsweise sind meist solche Pflanzen, die im Prozessualen Einseitigkeiten aufweisen, „heilpflanzenverdächtig“. Zum Beispiel weist die Brennessel (Urtica dioica) die Einseitigkeit auf, daß sie nicht etwa ihre Blüte gewissermaßen als „Krönung“ oben bereithält wie etwa die Calendula, noch schön dazu in Farbe. Bei der Brennessel ist die blattgrüne Blüte immer in rhythmischer Folge mit dem Blatt angeordnet, d.h. der Blüten­prozeß durchdringt den gesamten Blatt- und Stengelbereich – Blatt, Blüte, Blatt, Blüte, von unten bis oben. Dabei hat die Brennessel noch einen sehr hohen Eisengehalt, auch damit unterstreicht sie ihre Beziehung zum Rhyth­mischen System des Menschen, zum Blut. Wir können also bei der Bren­nessel von einer sehr rhythmischen Pflanze sprechen. Ganz ähnlich aufgebaut ist der Ackerschachtelhalm (Equi­setum arvense), dieser bringt nicht mal mehr Blüten, auch keine Blätter hervor. Er ist über der Erde „nur Stengel“, und das in einer außerordentlich rhythmischen Weise. Man stelle sich vor das geistige Auge die Farne. Eine Blattrippe in der Mitte und überaus fein und rhythmisch gezahnt und gefiedert das Blatt – nur Blatt. So sind auch Farne geeignet, rhythmische Prozesse anzuregen, etwa die Motilität von Magen und Darm. Man stelle sich vor die Königin der Nacht (Cactus grandiflorus), sie hat die un­glaubliche Einseitigkeit in ihrem rhythmischen Bereich, sie hat keine Blätter, nur Stacheln, sie ist ein Kaktus. Sie hat nur einen Stengel, gedrungen, gestaut und livide. Und die Einseitigkeit in ihrem Blütenrhythmus - sie öffnet ihre Blüte (ca. 22 cm im Durchmesser!) mitten in der Nacht und verschließt sie vor dem Morgengrauen. Das war`s – nur für eine Nacht. Cactus wird verwendet in der Phytotherapie, in der Homöopathie und in der anthroposophischen Medizin, um das rhythmischste aller Organe, das Herz, zu therapieren. Es gibt nicht nur außerordentlich rhythmische Pflanzen, ähnliche Einseitigkeiten finden wir auch im Tierreich. So ist der Blutegel (Hirudo officinalis) das rhythmischste Tier, das ich kenne. Er dockt direkt an an der Blutbahn, um sich in rhythmischer Pe­ristaltik vollzusaugen. Er verbessert die Hämodynamik.  Die Vorstellung solcher Einseitigkeiten im Rhythmischen könnte noch endlos fortgesetzt werden. Näheres in meinem Buch „An­thro­po­sophische Naturheilpraxis“ (1).

Wichtig ist zu erkennen, daß die Rhythmen gepflegt werden müssen, um Gesundheit zu erhalten und wiederzuerlangen. Dazu kommen, nach anthroposophischer Lesart, nicht nur rhythmische Pflanzen in Frage; alle möglichen rhythmischen Prozesse sind geeignet, das Rhythmische System, den Quell der Gesundheit, zu unterstützen. Beispiels­weise pharmazeutisch-rhythmische Ver­fahren wie das Potenzieren, wie rhythmische Herstellverfahren der Firmen WELEDA und WALA. WELEDA und WALA haben spezielle Präparate, die rhythmische Prozesse unterstützen: das Cardiodoron von WELEDA bzw. Primula comp. von WALA wird eingesetzt bei Herz-Kreislauferkrankungen, bei Hyper­tonie wie auch bei Hypotonie. Es soll harmonisierend die gesunde Mitte herbeiführen, einen Beitrag dazu leisten, den Puls- / Atemquotienten von 4:1 herbeizuführen. Das WELEDA-Präparat Digestodoron bzw. Aquilium comp. von WALA, Zubereitungen, die verschiedene Farne und Weiden beinhalten, sollen die Motilität des Verdauungstraktes, von Magen und Darm ausgleichend wiederherstellen – bei Obstipation, wie auch bei Diarrhoe. Rhythmische Massagen, wie sie die anthroposophische The­rapie­richtung anbietet, sollen Beitrag sein, das Rhythmische zu unterstützen, ebenso die Eurythmie, eine Bewe­gungs­kunst, die Rudolf Steiner entwickelt hat, die Heileurythmie, sie ist besonders im Krankheitsfalle anzuwenden.

Nicht vergessen werden sollte die aktive Bewegung, die rhythmische Pro­zes­se im ganzen Körper anstößt, sehr wichtig in einer Zeit der Bewe­gungs­armut. Bewegungsarten, die durch Rhythmen unterlegt sind, wie etwa Tanzen – nicht etwa zu getakteter Techno-Musik, viel eher zu dem Rhyth­mus eines Walzers, der auch ein Hüpfen der Seele zuläßt. Auch im Bereich der Seele haben Rhythmen ihre Bedeutung. Im Zeitalter der Coolness versucht jeder, Emotionen zu verbergen und zu unterdrücken, um cool zu sein. Der Mensch soll leben im Span­nungsfeld von Freude und Trauer, er muß ein „himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt sein“ zulassen, um gesund zu bleiben.

In der Erforschung der Salutogenese, also der Frage: „Was erhält den Men­schen gesund?“, ist man auf völlig unerwartete Ergebnisse gestoßen: Die Eli­mination einzelner isolierter Risi­ko­- faktoren trägt nicht zur Vermeidung von Erkrankungen allgemein bei. Dies zu­mindest lange nicht in dem Ausmaß, wie es eine möglichst selbstbestimmte und selbstbewußte Lebensführung im Ein­klang mit der Schöpfung tut (schöpferische Pausen im Rahmen eines von Rhythmen geprägten Lebens). Damit ist eine im weitesten Sinne religiöse Lebenshaltung gemeint („Kohärenz­gefühl“).
Abb. 1 Struktur der Gesundheit - entnommen aus (3)
„Grossarth-Maticek hat den Grad der Fähigkeit zur Selbstregulation auf einer Skala von 1-6 bewertet. Mit 6 wurden diejenigen bewertet, die mit jeder Si­tuation in ihrem Leben, ohne ernsthaft krank zu werden, fertig geworden sind, die ihrem Leben Sinn geben können, die konfliktfähig sind, die aus eigenem Wollen Nähe und Distanz zum anderen Menschen herstellen können, die für ihre Aktivität nicht abhängig sind von der Zustimmung und Ablehnung anderer, die viel Arbeit bewältigen, aber diese mit Pausen auszugleichen verstehen. Wer sich also Ausgleich gönnt zum beruflichen Alltag, und dadurch immer wieder Abstand zu diesem schaffen kann, wer interessiert ist an der Welt und gerne von ihr lernt, wer religiöse Bindungen und Empfindungen hat, wer über das alles verfügt, gehört in die Gruppe 6.“ so Zitat von Dr. J. Schürholz aus (3)(4).

Sowohl Allopathie als auch Homöo­pathie orientieren sich an Krank­heits­sympto­men. Der allopathische Ansatz versucht, diese zu unterdrücken; in der Ho­möo­pathie werden die Mittel nach dem Arzneimttelbild, d.h. Symptomen, die ein Arzneimittel beim Gesunden auslöst, ausgewählt. Unter salutogenetischen Ge­sichtspunkten gegebene anthroposophische Mittel hingegen sollen jene Pro­zesse der Selbstregulation anregen, die auch im gesunden Orga­nismus wirksam sind (2). Allerbestes Beispiel für ein solch salutogenetisches Vorgehen sind die von Rudolf Steiner gegebenen „Ty­penmittel“. Sie stellen in der Medizin einen ganz neuartigen Ansatz dar. In diesem Zusammenhang sind zu nennen Präparate wie Cardio­doron, Hepatodoron, Choleodoron, Ke­phalodoron etc. Sie stärken allesamt gesunde ausgleichende Lebens­funk­tionen, um so den Patienten in Ge­sundheit zu halten oder ihn dieser wieder zuzuführen.

Literaturangaben
1) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volks­heilkunde; 2008
2) Meyer, Frank. Besser Leben durch Selbst­regulation. 1. Aufl. Frankfurt. Info 3-Verlags­gesellschaft; 2008
3) Schwerdtfeger, H.D.: Rationelle Paradon­taltherapie. 1. Aufl. Stuttgart. Hippokrates Ver­lag GmbH; 2005
4) Grossarth-Maticek, R.: Systemische Epi­deiologie und präventive Verhaltensmedizin chronischer Erkrankungen. 1. Aufl. Berlin; 1999
Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar „Anthroposophische Natur­heilpraxis“ – Näheres unter www.werner-schmoetzer.de
Regulationsstörungen durch Herdbelastungen
Wenn bei der Behandlung chronischer Erkrankungen die gewohnten Erfolge auf sich warten lassen bzw. ganz ausbleiben, so ist immer an eventuelle Herd­belastungen oder sonstige Stör­faktoren zu denken. Wenn Schmerzen, Schwindelgefühl, Kreislaufstörungen, neurologische Störungen, allergiforme Beschwerden, tetaniforme Er­schei­nun­gen einer Therapie nicht weichen, dann kommt ein ganzheitlich arbeitender Therapeut nicht umhin, das Herd- und Störfaktorgeschehen in seine Diagnostik wie Therapie mit einzubeziehen.
 
Der Praktiker, der mit Homöopathie, Akupunktur, Phytotherapie oder anthroposophischer Heilkunde keine Heilung oder nur eine vorübergehende Bes­serung erreicht, sieht sich genötigt, sich mit dem Herdproblem auseinanderzusetzen.

Da gibt es endogene Faktoren, die eine Regulationsstörung auslösen bzw. erhalten.
Rudolf Steiner 1861-1925
Dies sind:
a)    Kopfherde
b)    Zahn- und Kieferherde
c)    Körperherde
b)    Appendix, Gallenblase, Prostata, Ne­benhöhlen, Ohr, Mastoid
c)    Narben, Stiche, Traumata, Frak­tu­ren, Fremdkörper (Wurzelfüllungen, Im­plantate)
d)    Restbelastung nicht vollständig ausgeheilter Krankheiten
e)    z.B. Grippe, Scharlach, Masern, Keuch­husten, Tbc und Impfungen
f)    Latente Darmerkrankungen
g)    Dysbiose, Dysbakterie, Enteritis, Kolitis
h)    Blockaden, herrührend von der Wirbelsäule
i)    Erbbelastungen

Des weiteren können exogene Fak­to­ren eine Regulationsstörung auslösen bzw. erhalten, möglich sind:
a)    akute Infektionen
    Bakterien, Viren, Würmer, Pil­ze, Pro­tozoen
b)    physikalische Belastungen
elektrische und magnetische Felder; geopathische Be­lastun­gen, Mund­ströme, Mikrowellen (Rundfunk, TV, Mobiltelefon, DEKT-Telefon, Radar etc.)
c)    chemische Belastungen durch Haut- und Schleim­haut­kon­takt: Amalgamfüllungen, Schmuck, Pro­the­sen, Pessare, Spiralen, Me­talle, Kunst­stoffe etc. durch Nahrungsaufnahme: Konser­vierungsmittel, chemisch aufbereitetes Trinkwasser, Insektizide, Phar­maka, Kontrazeptiva durch Atemluft: Nikotin, CO2; Fein­stäube, Emissionen, Formaldehyd
d)    psychische Belastungen
e)    Ernährung
Unverträglichkeit eines Grund­nah­rungsmittels (z.B. Sprue)
 
Im Pschyrembel steht unter Fokal- bzw. Herdinfektion:
 
„Durch Bakterien, insbesondere durch Streptokokken und deren Toxine verursachte sekundäre Erkrankung, die mit zeitlicher Latenz nach einer lokalen Infektion (häufig im HNO-Bereich und im Bereich der Zähne ...) auftritt. Die Er­reger und Toxine gelangen durch septische Metastasierung bzw. schubweise Aus­schüttung  aus dem primären Fokus über den Blutkreislauf zu entfernten Organen und verursachen dort entzündliche bzw. allergische Krank­heits­pro­zesse ...
 
Unter Fokus steht im Pschyrembel: „Herd, Sitz eines lokalen Krank­heits­pro­zesses, der über die direkte Umgebung hinaus pathologische Fernwirkungen auslösen kann ...“ So beschreibt dies das offizielle medizinische Lexikon.
 
Wenn man dies so liest, dann müßte eigentlich klar sein, daß man dieses Thema nicht ausklammern kann.
 
Pischinger und Perger, jedem Thera­peu­ten bekannt, sie hatten das System der Grundregulation entdeckt und be­schrieben (1). Demnach werden in der Matrix die Lebensgrundfunktionen, nämlich der Wasser-, der Säure-Basen-, der Sauer­stoff- und der Elektrolythaushalt gesteuert. Das Grundregulationssytsem regelt weitgehend die Intensität der Immun­antwort und damit die Ver­laufs­form der Reizbeantwortung; d.h., ob die Abwehr in Form einer akuten, subakuten, chronisch progredienten oder konsumierenden Reaktion abläuft.  Ein Fo­kalherd ist eine Regulationsstarre, lokal begrenzt.

Die „Deutsche Medizinische Arbeits­ge­meinschaft für Herd- und Regulations­forschung e.V.“ (DAH) – das sind die Spezialisten - definiert das Herd­ge­sche­hen folgendermaßen:
 
Ein Herd ist diejenige krankhafte lokale Veränderung in weichem Bindegewebe mit noch nicht abbaufähigem Material, mit der sich die lokalen Ab­wehr­reak­tionen in ständiger aktiver Auseinan­der­setzung befinden. Erst mit dem Zusam­menbruch der lokalen Abwehrschranke durch endogene oder exogene Faktoren beginnt die Fernwirkung des Fokus auf den Organismus und damit die allgemeine Herderkrankung. Herdwirksame Gewebsveränderungen bakterieller oder abakterieller Natur reichen in das Grund­gewebe hinein und erzeugen einen Dauerreiz, der die Grund­funk­tionen mehr oder weniger schwerwiegend verändert, nämlich durch:

1)    Herabsetzung der Reizschwelle
2)    Änderung der Reaktionsweise
3)    Einschränkung der Reagibilität
4)    Einschränkung der O2-Utilisation
5)    Änderung der ungesättigten Bin­dun­gen im Blut und in der Gewebs­flüssigkeit
6)    Seitendifferenzen – stärker belastete Seite zeigt Einschränkungen
 
Kurz zusammengefaßt:
Ein Herd ist ein chronisch veränderter Ge­webebezirk im lockeren Bindege­webe, aus organischem oder anorganischem Material, das nicht mehr abbaubar und nicht mehr über Nekrose oder Entzündung eliminierbar ist, ein Prozeß von dem eine Fernwirkung ausgeht ...

Dies soll zunächst genügen, soll aber auch zeigen, daß dieses Gebiet keineswegs ein Gebiet für Phantasten darstellt, sondern grundlegend erforscht ist.
 
Nach Auffassung  des Verfassers könnte oftmals die Effizienz einer, in guter Absicht betriebenen, Misteltherapie ge­steigert werden, wenn einer eventuellen Herdbelastung des Tumorpatienten mehr Beachtung geschenkt würde (2) - Seite 327.
 
Die anthroposophische Medizin kümmert sich in der Regel in sehr geringem Umfang bis gar nicht um das Herd­geschehen. Umso mehr können oder sollten wir Heilpraktiker dieses Ressort aufgreifen. Die Patienten kommen oft zu uns, nachdem sie von einem Facharzt zum andern gezogen sind, oft ohne Erfolg. Wenn das Problem schwer lösbar und knifflig ist, dann sollte der Heil­praktiker viel Zeit aufwenden und nach ganzheitlicher Manier alle Möglichkeiten abklopfen, die einer Heilung im Wege stehen.
 
Dies ist für den Heilpraktiker, wie auch für den Patienten sehr unbequem, wenn man diesem dazu rät, seine neue Zahn­prothetik, die auf devitalen Zähnen ruht, auszutauschen. Oft hat diese den Pa­tienten Tausende von Euro gekostet. Nun stellt sich aber eine permanente Unverträglichkeit ein. Es entstehen u.U. ganz neue Beschwerden, oder bisherige werden massiver. Ohne einen Arzt oder Zahnarzt, der einem in naturheilkundlicher Weise zuarbeitet, läßt sich eine solche Herddiagnostik und -sanierung gar nicht vornehmen.

Die Herde lassen sich nur in messender Weise ermitteln. Sie können nicht im Einzelnen ausgemacht werden über eine Wesensgliederdiagnostik. Natürlich wird ein solches Wissen um das Wirken der Wesensglieder ein gezielteres Vor­gehen erlauben. Es gibt mehrere Test­methoden. Sehr bewährt hat sich die „Bioelektronische Funk­tions­diagno­stik“ (BFD) mit den dazugehörigen Test­me­thoden, dem Regulationstest, dem Me­dikamententest, dem Reiz­strom­test, dem Decoderdermogramm in Ver­bin­dung mit dem Neuraltest und mit dem Elektrohauttest.
 
Sehr häufig sind Beherdungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich. Hier am Kopf­pol, wo ohnehin schon Abbauprozesse vermehrt ablaufen, ist die Kunst der Reparatur-Medizin am weitesten verbreitet. Zahnplomben aus Amalgamen, Inlays, Kronen, Brücken etc. aus den vielfältigsten Legierungen, die metallurgisch nicht mal aufeinander abgestimmt sind, verursachen oft Unver­träg­lich­keiten. Wurzelbehandlungen, zahnerhaltende Maßnahmen um jeden Preis, schaffen devitale Zähne en masse.
 
Von den üblichen Relikten im Kiefer wie Knochensplitter u.a. ganz zu schweigen, das sind iatrogen geschaffene Fokal­herde! Hier geht es nicht darum, pauschal gegen die Zahnärzte zu wettern; es soll zeigen, wie vertrauensvoll eine solche Zusammenarbeit vom Heil­praktiker zu dem biologisch arbeitenden Zahnarzt sein muß und auch wie schwierig es u.U. sein kann, einen solchen zu finden.
 
Im Anhang sind Adressen von In­stitu­tionen, die sich um das Herdgeschehen in Deutschland und auf internationaler Ebene bemühen. Regionale Adressen von Therapeuten sind dort zu erfragen.
 
Zahnherde stellen oft grobstoffliche Fremdkörper dar, die es gilt, grobstofflich zu beseitigen. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß Amalgamreste, Knochen­reste, devitales, fokal streuendes Ge­we­be allein durch homöopathische Gaben saniert werden könnten. Da sind chirurgische Eingriffe und spezielle Aus­lei­tungs­ver­fah­ren, wie beispielsweise das nach Dr. med. Dietrich Klinghardt mit Chlorella, Ko­rian­der und DMPS (Di­mer­capto­propan­sulfon­säure) oft unumgänglich (3).
 
Dr. med. dent. Helge Runte hat 1995 zu diesem Thema einen sehr bedeutsamen Vortrag gehalten bei der WELEDA-Ärzte-Tagung in Hannover. Dieser Vor­trag ist abgedruckt und über die WELEDA- Korrespondenzblätter für Ärzte, Heft 142 April/ 1996 veröffentlicht (4). Darin wird erörtert, wie bei der chronischen Entzündung, so auch beim Herd­ge­sche­hen, die klassische Ent­zün­dungs­fähig­keit mit Dolor, Rubor, Calor, Tumor praktisch zum Erliegen kommt. Wie die Wesensglieder, insbesondere das Ich, nicht mehr in der richtigen Weise über die Wärme eingreifen können, um die Dinge zu ordnen. Das Fieber bleibt aus,  wir haben subfebrile Temperaturen. Auch der Astralleib ist nur eingeschränkt beteiligt, der Schmerz bleibt aus.

Dr. Runte wörtlich: >>Warum kommt es zu diesem Rückzug des Ich aus dem Geschehen?

a)    Weil die „störenden“ Strukturen (Fremd­körper) trotz Anstrengung des Organismus nicht aufgelöst werden konnten. Das Ich „resigniert“, es erlahmt, weil eine wirkliche Heilung nicht möglich ist. Dies gilt zum Beispiel für Implantate, devitale Zähne, Metalleinlagerungen und so weiter.
 
b)    Weil in andern Fällen das Ich von vornherein so schwach ausgebildet oder auch so stark geschwächt ist oder eine so geringe Affinität zum Stoffwechsel hat, daß eine akute fieberhafte, alles bereinigende Si­tuation gar nicht erst zustande kommen konnte. Dies gilt z.B. für die Primär chronische Polyarthritis (PcP) oder das Karzinom, bei dem die geringe Neigung zur Fieberreaktion bekannt ist.
 
... An keinem anderen Ort im Körper gibt es so viele verschiedene Möglichkeiten, daß ein Störfaktor oder Herd zur Wir­kung bzw. Fernwirkung kommen kann, wie im Mundbereich. Wahrscheinlich ist das der Grund, weshalb sich die Herddiagnostik so auffallend häufig in den Händen von Zahnärzten befindet.
 
Aber an keinem anderen Ort im Körper lassen sich Störungen auch so leicht beseitigen wie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich, weil sie leicht zugänglich und beeinflußbar sind.“ Zitatende.
 
Es ist zu hoffen, daß aus dem Dar­ge­stellten die Wichtigkeit und die Not­wen­digkeit einer Herddiagnostik und einer Herdsanierung bei chronischen, auf der Stelle tretenden Beschwerden, hervorgehen und deutlich werden. Daß dies von einem Heilpraktiker nie im Allein­gang bewerkstelligt werden kann, daß er Verbündete braucht, sollte auch deutlich gezeigt werden.
 
Bevor man die Gründe einer nicht zu­stande kommenden Heilung auf karmische Zusammenhänge zurückführt, sollte nichts unversucht bleiben. Sehr oft stehen endogene oder exogene Fak­toren, wie oben angeführt, einer Heilung im Wege.
 
Wichtig für den Patienten ist, daß er von seinem Leiden befreit werden kann.
 
Anschriften von Institutionen, die sich um das Herdgeschehen bemühen.
Regionale Einzeladressen von praktisch tätigen Spezialisten lassen sich dort erfragen.

Deutsche Medizinische Arbeitsgemeinschaft für Herd- und Regulationsforschung e.V.
Postfach 1380, 68168 Wiesloch
Tel. 06222 / 9278-0, Fax 06222 / 50215
 
Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche Zahnmedizin e.V.
Seckenheimer Hauptstr. 111
68239 Mannheim
Tel. 0621 / 4824300; Fax 0621 / 473949
GZM-Mannheim@t-online.de
www.gzm.org

BNZ- Bundesverband der naturheilkundlich tätigen Zahnärzte in Deutschland e.V.
Von-Groote-Str. 30, 50968 Köln
Tel. 0221 / 3761005; Fax  0221 / 3761009
bnz.de@t-online.de, www.bnz.de
 
Internationale medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie nach Hunneke e.V.
Am Promenadenplatz 1
72250 Freudenstadt
Tel. 07441 / 91858-0; Fax 07441 / 91858-22
mail@ignh.de
www.neuraltherapie-online.de

Literaturangaben:
(1) Pischinger, Alfred: Das System der Grundregulation. 3. Aufl. Heidelberg: Karl F. Haug Verlag, 1980
2) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volksheilkunde; 2008
(3) Mutter, Joachim: Amalgam – Risiko für die Menschheit. 1. Aufl. Weil der Stadt: Fit fürs Leben-Verlag, 2000
(4) Runte, Helge: Herd- und Störfaktorlehre – eine grundsätzliche Betrachtung.
WELEDA-Korrespondenzblätter für Ärzte; Heft 142 / April 1996

Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar „anthroposophische Natur­heil­praxis“ – Näheres unter www.werner-schmoetzer.de
Schlafstörungen
Im wachen Zustand stellt der Mensch ein ineinandergreifendes Gefüge der vier Wesensglieder dar. Diese We­sens­glieder (physischer Leib, Ätherleib, As­tral­leib und geistiges Wesensglied) wurden im Rahmen dieser Artikel-Serie in vorausgegangenen Folgen dargestellt.

Beim Schlaf sind Astralleib und Ich abgelöst vom Physischen Leib und vom Ätherleib. Beim Aufwachen finden diese gelösten Wesensglieder mehr oder we­niger rasch wieder zueinander. Bei der Bewußtlosigkeit und beim Koma haben wir dieselbe Situation, lediglich eine andere Ursache. Meist ist diese pathologisch oder medikamentös herbeigeführt.
 
Beim Tod lösen sich die nicht physischen, übersinnlichen Wesensglieder, Ätherleib, Astralleib und Ich vom Phy­sischen Leib. Dieser bleibt sich auflösend und allmählich zerfallend zurück.
 
„Der Schlaf als der kleinere Bruder des Todes!“
 
Es wurde mehrfach dargestellt, wie Ich und Astralleib eine abbauende Tätigkeit ausüben, vornehmlich abbauend an dem Todespol wirken, um dem Men­schen ein waches Empfinden und Be­wußtsein zu ermöglichen. Nur  durch Abbau sind Bewußtsein und Denken möglich. Diese abbauenden Prozesse entfalten ihre Tätigkeit hauptsächlich im Sinnes-Nerven-Pol. Hier im Zentral­ner­ven­system sind auffallend  wenige bis gar keine regenerativen Prozesse. Hier waltet bewußte Wachheit.
 
Ganz anders im „unteren Menschen“, da haben wir schlafende und schlummernde Sinnesdumpfheit, intensiven Aufbau und Regenerationsfähigkeit. Hier dominiert ätherisches, aufbauendes Wirken.
 
Löst sich im Schlaf der Astralleib samt Ich, so bleibt zurück, gewissermassen im Bette liegend, der vom Ätherleib durchdrungene Physische Leib. Bei Nacht, da haben wir regenerativen Auf­bau, die Hochphase der Lebertätigkeit und ein Minimum an Galletätigkeit. Die abbauende Aktivität der Galle hat ihre Hochphase am Tage, wenn der Mensch am meisten wach ist.
 
Gesunder Schlaf, das weiß der Volks­mund zu berichten, ist Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung und gute Gesundheit. Frisch erholt und regeneriert sollte der Mensch am frühen Mor­gen seinem Lager entsteigen.
 
Abbauende, stressende Faktoren  sollten nicht mit in die Nacht genommen werden, da sie die so wichtigen Tief­schlafphasen stören bzw. erst gar nicht zustande kommen lassen.
 
Alles, was astral geprägt ist und wach macht, hindert den nötigen Ab­löse­pro­zeß von Astralleib und Ich. Der Mensch erreicht die gewünschte Schlaftiefe nicht, bleibt halbwach, dösend bis hellwach, wenn er zuviel Kaffee oder andere Reizgifte wie Nikotin, Tee etc. genossen hat. Auch Kummer und Sorgen, geopathische Reizzonen können die Qualität des Schlafes beträchtlich stö­ren. Dies alles sind Hemmnisse, die teilweise das Bewußtsein förmlich festhalten. Der Mensch sollte, um zur Ruhe zu kommen, loslassen können, ausatmen können.
Abbildung 1: Wesensglieder
Das Wachsein am Tag, der Schlaf in der Nacht, auch sie kommen einem rhythmischen Ein- und Ausatmen gleich. Sie sollten rhythmisch aufeinander folgen. Störungen des Schlafrhythmus’ sind heute bei unserer modernen Lebens­weise gang und gäbe. Nicht nur die Zeitverschiebungen bei interkontinentalen Flügen, nicht nur die Nachtschicht-Arbeit stören den Schlafrhythmus. Auch die unrhythmische Lebensweise vieler Zeitgenossen in der Freizeit  trägt mit dazu bei, daß Schlafstörungen auftreten. Der Mensch macht die Nacht zum Tage und umgekehrt den Tag zur Nacht. Er ißt zu Unzeiten. Oft ist der abgefallene Blutzuckerspiegel mit beteiligt am Aufwachen.
 
In den Phasen des Tiefschlafes hat der Mensch die Chance, nahe an den ge­sundheitsfördernden Puls-Atem–Quo­tient Q = P/A = 4 : 1 heranzukommen. Klinische Studien und Un­ter­suchungen an einer großen Anzahl von Patienten wie an gesunden Probanden ergaben, daß der Ge­sunde im Tiefschlaf sehr nahe an das Verhältnis von Pulsschlag zu Atemzug pro Minute von 4 : 1 herankommt; der Kranke bzw. der funktionell Gestörte hat viel größere Ab­wei­chun­gen. Bei P / A = 72 : 18 = 4 : 1 ist der Mensch „mit dem Kosmos im Einklang“. Bei 18 Atemzügen pro Minute ist die Zahl der Atemzüge an einem Tag, d.h. in 24 Stunden:

18 x 60 x 24 = 25 920. Diese 25 920 stehen für eine kosmische Größe. Unser Sonnensystem benötigt 25 920 Jahre, um den Tierkreis einmal zu durchlaufen, um am selben „Frühlingspunkt“ wieder anzukommen. Die Weisen des Alter­tums bezeichneten diesen Zeitraum als das sogenannte „Platonische Welten­jahr“.
 
Dieses Beispiel soll zeigen, wie sehr der Mensch im Schlaf, wenn der Astralleib in die „Sphären der Fixsterne“ geht (so Rudolf Steiner), wie nahe er an solch kosmische Zusammenhänge herankommt. Dies ist wichtig für seine Ge­sundheit. Bei der Schilderung der kosmischen Zusammenhänge wird dar­ge­- stellt, wie Bilde- und Formkräfte aus den Sphären der Planeten und der Fixsterne kommend auf unser irdisches Leben wirken (1).
 
Im Wachen und Schlafen begegnen uns die Polaritäten von astralem Abbau und ätherischem Aufbau.
 
Tagsüber, da sind in unserer modernen, hektisch lebenden Welt mannigfache Sinneseindrücke und -reize, die auf den Menschen einstürmen. Teilweise muß er sich dagegen wehren, daß er nicht den Boden unter den Füßen verliert. Das ist Abbau pur! Der Mensch, ob jung, ob alt, ist mehr und mehr Sinnes-Ner­ven-Mensch als Bewegungs­mensch.
 
Berufswelt, Medien, Schule, aber auch Freizeit etc. fordern den Menschen einseitig in seinem Sinnes-Nerven-Pol. Er ist mittlerweile „Kopfmensch“ geworden. Oft ist es schwer, sich den Reizen des Alltags zu entziehen. Umsomehr sollte der nach westlichen Gepflogenheiten lebende Mensch, wenn er sich schlafen legt, abbauende, astral wirkende Im­pul­se und Elemente abstreifen, um regenerativen Aufbau zu erfahren. Dies ist wichtig für seine körperliche und seelische Gesundheit.
 
Ein gesunder Schlaf läßt sich nicht durch die Einnahme von Schlafmitteln herbeiführen, nötigenfalls kann man versuchen, mit pflanzlichen Sedativa besser schlafen zu können. Aus der anthroposophischen Sicht heraus lassen sich auch ganz andere, ungewohnte The­ra­pieansätze zur Anwendung bringen, die, ohne Sedativa zu sein, eine schlaffördernde Wirkung entfalten.
 
Polaritäten von Wachen und Schlafen können beispielsweise durch Phosphor unterstützt werden. Über längere Zeit gegeben: morgens Phosphor in niedriger Potenz (D4) macht wach, abends Phosphor in hoher Potenz (D30) wirkt gegensinnig und macht den Menschen schlafbereit.  Die gegensinnige Wirkung von Hoch- und Tiefpotenz läßt sich hier beispielsweise gut einsetzen. Die Tief­potenz bringt in der Regel das Ver­giftungsbild (Arzneimittelbild) hervor, die hohe Potenz das Gegenteil.
 
Dies zeigt sich in obigem Beispiel beimPhosphor deutlich. In der Tiefpotenz wirkt er wachmachend, in der D30 ge­genteilig, nämlich schlaffördernd.
 
So auch Coffea – in niedriger Potenz, gar als Ursubstanz, sehr wachmachend. In hoher Potenz (D60) sehr gut beruhigend. Dieses wird angewandt in dem WELEDA-Mittel Avena sativa comp; Tropfen oder Streukügelchen. Darin enthalten ist neben Avena sativa, Humulus lupulus, Valeriana und Passiflora auch Coffea in Hochpotenz, in der D60.

Auch andere Ansätze im therapeutischen Vorgehen sind denkbar. Der Ma­nager, der des Nachts im Bett liegt, hellwach. Alle Probleme stehen vor ihm. Er kriegt kein Auge zu. Ein starkes Schlaf­mittel zu nehmen, ist nicht tauglich. Er muß morgens wieder wach sein. Man könnte es versuchen mit Cinis-Prä­pa­raten. Der Cinis-Prozeß ist ein Ver­aschungsprozeß. Bei der Besprechung pharmazeutischer Pro­zesse in Kapitel 5.1 meines Buches (1) wird gezeigt, wie solche Aschen-Präparate auf „feinere Lungen­atmungs­prozesse“ wirken. Wenn der Mensch nachts nicht „ausatmen“ kann, sich nicht fallen lassen kann, wenn As­tral­leib und Ich sich nicht lösen wollen, dann kann man versuchen, Cinis Arnicae D8; Dil. zu geben, bereits schon am späteren Nachmittag und vor dem Schlafengehen nochmals. Na­türlich müssen Reizgifte, aufregende Dis­kus­sionen, Fernsehkrimis etc. ge­mieden werden.
 
Pflanzliche Potenzen, die die Schlaf­bereitschaft unterstützen, sind:
 
Passiflora, Humulus lupulus, Avena sativa, Lavandula und Valeriana. Beim Bal­drian wurde die Einseitigkeit im Wur­zel­bereich in Kapitel 4.1 unter „Ein­seitig­- keiten bei Pflanzen“ dargestellt.
 
Auch kann WELEDA-Aufbaukalk 2 abends gegeben werden, bei Le­ber­schwäche Hepatodoron Tabl. - abends bis zu 5 Stück zerkauen.
 
Bei Unruhe vom Herzen her kann Cardiodoron mite als Tropfen eingenommen und Aurum / Lavandula comp. Salbe in der Herzgegend dünn aufgetragen werden.
 
Bei der Schlaflosigkeit alter Menschen können Scleron-Tabletten verordnet werden.
 
Das ätherische Öl des Lavendels entfaltet eine überaus segensreiche Wirkung bei der Schlafförderung. Ätherische Öle über die Sinnesfunktion der Haut wahrgenommen, wirken augenblicklich und unstofflich, ohne den Organismus zu belasten. Selbst bei Kleinkindern hat sich bewährt, wenige Tropfen Ol. aeth. Lavandulae auf das Kopfkissen zu träufeln; den Rumpf abzureiben mit La­vendel-Entspannungsbad (WELEDA), das  bringt den Menschen, ob groß, ob klein, oft in eine behagliche Ruhe vor dem Einschlafen. Dagegen wirkt Ol. aeth. Rosmarini als Einreibung am Morgen sehr belebend und aktivierend (nicht bei Kindern!).
 
Ein ausgeglichener Wärmehaushalt ist beim Einschlafen sehr wichtig. Kalte Füße lassen nicht einschlafen. Dagegen kann man mit ansteigend warmen Fußbädern angehen, mit Bewegung am Tage (man kann sich die kalten Füße weglaufen) oder mit Wollsocken.
 
Kalte Naß-Abreibungen des Körpers im Sinne von Kneipp sind schlaffördernd (Körper und Füße müssen warm sein).
 
Pfarrer Kneipp hat auch entdeckt, daß feuchte Wollsocken schlaffördernd sind (Füße müssen warm sein!).
 
Selbstverständlich kann man es auch mit dem alten Hausmittel, der heißen Honigmilch, versuchen.
 
Die WALA empfiehlt als schlaffördernde Mittel folgende:
 
Aurum / Stibium / Hyoscyamus;
Amp. / Glob.
Avena comp.; Amp. / Glob.
Lavandula, Oleum aethereum 10%; Dispersionsbadeöl
Passiflora comp.; Amp. / Glob.
Passiflora Nerventonikum; Sirup
Passiflora Kinderzäpfchen
Passiflora Zäpfchen
Valeriana comp.; Glob.
 
Bei langanhaltender, therapieresistenter Schlaflosigkeit, sollte natürlich der Schlaf­platz auf eine eventuelle Be­la­stung durch geopathische Reizzonen, auf elektrische und elektromagnetische Felder (ausgehend von PC; TV; DECT-Telefon etc.) untersucht werden. Wenn solche Störfaktoren vorliegen, muß Ab­hilfe geschaffen werden. Dies gilt auch für Störfaktoren, die eventuell einer Be­herdung des Zahn-, Kiefer- und Mund­bereichs entstammen. Diese können oft nervale, neurologische Belastungen dar­stellen und ebenfalls sehr schlafbehindernd sein.

Bei hartnäckiger Schlaflosigkeit sollte man evtl. auch an Praekanzerosen denken.

Wenn Angst, Furcht und Alpträume die Schlaflosigkeit hervorbringen bzw. unterhalten, dann sollte man versuchen, die seelischen Ursachen zu ergründen und behandeln.
Fruchtstände von wildem Hopfen
http://de.wikipedia.org/wiki/Echter_Hopfen
Ein altes Sprichwort hat da immer noch Bedeutung: „Ein gutes Gewissen ist das allerbeste Ruhekissen.“
 
Der Verfasser kann von einer Patientin berichten, die in die Praxis kam, um ihre schon lange bestehenden Schlaf­stö­rungen behandeln zu lassen. Sie wollte unbedingt die Meridian-Farb-Therapie nach Christel Heidemann angewendet wissen. Da könne man doch am Rücken durch Ertasten der Bindegewebszonen erkennen, wann und ob sie „energetisch im Gleichgewicht sei“. Sie war eine sehr gepflegte und attraktive Patientin, die regelmäßig mit dem großen Mercedes-Coupé vorfuhr. Was von Anfang an rätselhaft war, war die Tatsache, daß sie immer in Begleitung ihrer Freundin kam, und daß sie vorgab, alles übrige sonst in ihrem Leben sei in allerbester Ord­nung.
 
Die Erfolge nach drei Sitzungen waren mäßig, da tat sich nicht viel. Einmal kam sie ohne Begleitung. Die Freundin sei verhindert. Auf die direkte Frage, was denn da sonst noch sein könne, brach sie mit einemmal in Tränen aus. Alles in ihrem Leben sei chaotisch. Sie sei heillos verliebt in einen verheirateten jüngeren Mann. Das Verhältnis bestehe schon seit geraumer Zeit. Er läßt sich nicht scheiden, sie kann sich nicht scheiden lassen von ihrem Mann. Im Falle einer Trennung sei der ganze Wohlstand dahin. Sie wisse nicht mehr ein noch aus. Der Patientin konnte deutlich ge­macht werden, daß die Meridian-Farb-Therapie dies nicht lösen kann, eine andere wohl auch nicht. Mit dem Hinweis konfrontiert: ein gutes Ge­wissen sei das allerbeste Ruhekissen, stand die Patientin auf und äußerte unter Tränen, jetzt habe sie begriffen, sie müsse das Problem lösen. Sie bedankte sich sehr überschwenglich. Offenbar war der „Groschen gefallen“ – unverständlich, daß erst jetzt. Sie bat, keinem von der Begegnung zu erzählen, was ja wohl selbstverständlich ist. Sie ging gefaßt, mit dem Vorsatz, das Problem lösen zu wollen.
 
Was es nicht alles gibt in der Welt. Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich.
Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
http://de.Wikipedia.org/wiki/Baldrian
Künstlerische Therapien
seelische Hygiene - geistige Kreativität

In den vorausgegangenen Beitrags­fol­gen zu dem Thema „Anthroposophie“  wurde immer wieder darauf hingewiesen und betont, daß der Mensch sich vom Tier dadurch unterscheidet, daß bei ihm, über das astrale Wesensglied hinausgehend, noch ein geistiges inkarniert ist. Der Mensch verfügt über seine Ich-Personalität, sein Ich. Der Mensch sollte nicht astral angetrieben und triebgesteuert sein wie das Tier – er sollte geistgeleitet sein und seine Triebe unter Kontrolle haben. Dieses Ich verleiht dem Menschen die Fähigkeit, kreativ und schöpferisch tätig zu sein. Während das Tier seiner astralen Konfiguration folgt, seinen artspezifischen Verhaltens­mus­tern, an denen sich im Verlauf von Tausenden von Jahren nichts ändert, sucht der Mensch ständig nach neuen Formen, nach neuen Ausdrucksformen, beispielsweise in der Architektur, in der Kunst etc., so auch in seinem sozialen Zusammenleben. Der Mensch macht eine Entwicklung durch, das Tier hält an dem fest, was ihm „in die Wiege gelegt“ wurde.
 
Dieses geistige Wesensglied des Men­schen korreliert mit der Wärme, mit dem Feuer, so wurde es auch schon mehrfach dargestellt. Der Mensch kann sich „begeistern“, sich „entzünden“ und erwärmen“ für eine Idee. Dies kann das Tier nicht. Das Heraussetzen und Ver­folgen von Ideen, das ist menschengemäß. Es war bisher schon so viel die Rede von Bilde- und Formkräften, wie diese den Menschen individuell formen und gestalten; auf der physischen Ebe­ne bis in die Fingerkuppen hinein, auf der zellulären Ebene bis in den „genetischen Fingerabdruck“, bis in das Genom hinein. Diese Bilde- und Form­kräfte, von denen Steiner immer wieder gesprochen hat, sind von höchster Be­deutung beispielsweise bei der Ent­stehung der Tumorkrankheit, wie auch bei deren Therapie. Wir sprechen nach anthroposophischem Verständnis da­von, daß bei der Tumorerkrankung die Ich-Kräfte, die Formkräfte zu schwach geworden sind, daß die Form „entgleist“ sei. Die Integrität der Form ist gestört. Es kommt bei der Therapie der Tumorkrankheit darauf an, die zu schwach gewordenen Formkräfte wieder anzuregen, auf möglichst vielen Ebenen. So versuchen wir beispielsweise mit der Misteltherapie über die Wärme, über eine Temperatur­er­hö­hung bis hin zu subfebrilen Tempe­raturen, der Ich-Organisation zu er­möglichen, reparativ einzugreifen, um ein solches Formdefizit wieder zu beheben (1).
 
Man versucht einerseits, durch medikamentöse und physikalische Maß­nah­men (z.B. Hyperthermie), solche Bilde- und Formkräfte zu stärken und zu mobilisieren. Andererseits lassen sich solche Formkräfte anregen durch aktives ge­stalterisches und künstlerisches Tun des Patienten. In unserer heutigen Zeit, die sehr stark geprägt ist von Information, Unterhaltung und Spaßverbreitung, läuft der Patient permanent Gefahr, einer unendlichen Passivität und Konsum-Mentalität anheim zu fallen. Keine körperliche Bewegung, kein handwerkliches Tun und ein Minimum an kreativer und gestalterischer Tätigkeit kennzeichnen unsere heutige Lebensweise. Der Mensch ist mittlerweile von unserem westlich geprägten System dazu erzogen worden, aus der Passivität heraus zu konsumieren. Der Glaube an ein Höheres ist ihm oft schon seit Jahren abhanden gekommen. Der moderne wissenschaftsgläubige Mensch wurde gelehrt, zunächst grundsätzlich Zwei­fel zu hegen, bevor er sich auf eine Sache einläßt. Glauben gehört heute in den Bereich des nicht Ob­jekti­vier­baren. Alles, was nicht meß- und wägbar ist, hat heute keinen „Bestand“ mehr. Der wissenschaftsorientierte Mensch ist zu einem Ungläubigen und zum Zweifler geworden. So wie der Natur­wissen­schaftler zunächst skeptisch an eine Sache herangeht, so glaubt heute auch Otto-Normal­ver­brau­cher, alle Lebens­lagen angehen zu müssen.
 
Während früher der Handwerker sich noch aktiv formend und kreativ strukturebend mit seinem Werkstück auseinandersetzte, hat die Fertigung heute die Maschine, der Automat übernommen. Das Durchformen der Materie, willensmäßig, von Hand, ist heute zur Sel­tenheit geworden.
 
Oft hat man frühere Hobbys, die teilweise noch kreativ waren, der Karriere, der Familie, der Bequemlichkeit geopfert. Wesentlich weniger Menschen als früher sind noch kreativ und schaffend tätig.
 
Mit der Durchgestaltung und Durch­formung von Materie, mit dem kreativen Umgang mit Tönen, Klang und Farbe, mit Bewegung läßt sich solch verlorengegangenes, schaffendes und spielerisches Tun wieder neu beleben und lassen sich Formkräfte im Orga­nismus anregen.
 
Geistige Impulse sind nötig, um in menschengemäßer Weise einerseits wieder kreativ zu werden und andererseits den Anschluß, die Religio, die Rückbindung an Geistiges neu herstellen zu können. Der Mensch braucht Glaube, Hoffnung und Zuversicht, braucht Vertrauen in ein Höheres. Nicht erst, wenn er krank geworden ist, um sich daran wieder „hochzuziehen“. Er braucht es ständig, um gesund zu bleiben und gesund zu werden. Neben einer stofflichen Nah­rung braucht der Mensch seelische und geistige Nahrung. Die Kunst in Form von Musik, Literatur, Malerei, plastizierender Kunst, Bewegungskunst etc., Religion können den Menschen beflügeln und aufrichten. Kunstgenuß ist wertvoll, viel wertvoller noch ist aktives künstlerisches Tun.
 
Selbstverständlich ist auch eine seelische Hygiene notwendig, ein sich Enthalten von allem möglichen Unrat, der sich heute an Sinnes-Nerven-Eindrücken so bietet. Die Medien sind voll von Tand und Unrat, Dingen, die den Menschen in seinem geistig-seelischen Bereich viel eher herunterziehen als erheben. Es kommt nicht von ungefähr, daß man in anthroposophischen Zu­sammenhängen von einer sogenannten Ich-Verschmutzung spricht. Der Mensch, so er gesund werden bzw. bleiben will, muß an sich arbeiten und Dinge von sich weisen, die unsauber, seicht und niedrig sind.
 
So hat die anthroposophische Thera­pierichtung eine Vielfalt an künstlerischen Therapien anzubieten, um dem Menschen individuell das anzubieten, was ihm am ehesten entspricht und was ihn am ehesten fördert. Neben der medikamentösen Versorgung sollen, mit all den künstlerischen Maßnahmen, geistige und gestaltende Kräfte im Orga­nismus angeregt werden.
 
Die anthroposophischen Kunsttherapien wurden vor allem von Dr. med. Margarethe Hauschka entwickelt, die auch die erste Ausbildungsstätte für diese Therapieform gründete. Diese künstlerischen Therapien umfassen im Einzelnen:
 
Therapeutisches Zeichnen und Ma­len
Mit Kreide und Stiften, Pinsel und Farbe, Papier oder Leinwand setzt der Patient Bildhaftes und Farbiges aus sich heraus. Speziell beim Malen mit Aquarell-Farben kann man erahnen, wie durch die ineinanderfließenden, wässrigen Farben Ätherisches unterstützt und angeregt wird.

Musiktherapie
Eingesetzt werden Schlag­instrumente wie Glockenspiel, Xylophon, Zimbeln, Klanghölzer, Trom­mel und Pauke; verschiedene Blas­in­strumente wie Flöte, Krummhorn, Schal­mei, Trompete und Alphorn; Streich- ­instrumente wie Chrotta (vereinfachtes Cello), Geige, Bratsche und Kontrabaß; Zupf­in­stru­mente wie Harfe, Leier und Kantele. Gemeinsam mit dem The­rapeuten werden Melodien, Klänge und Rhythmen improvisiert oder auch nur gehört. Die Auswahl der Instrumente erfolgt nach der individuellen Situation des Pa­tienten, nach dem Schweregrad und dem Stadium der Erkrankung.
 
Wenn wir in anthroposophischen Zu­sammenhängen von dem sogenannten Klang- bzw. chemischen Äther sprechen, wenn man von einer kosmischen Sphären-Harmonie spricht, wenn Py­tha­goras schon in der Antike die Gesetze des Kosmos und der Ma­thematik in den Gesetzen der Musik wiederfindet, so kann man davon ausgehen, daß Mu­siktherapie nicht nur eine Gefälligkeit für das Ohr und für die Seele darstellt, sondern daß sie eine tief strukturell-ordnende Wirkung auf den Organismus hat.

Sprachgestaltung
Zur Anwendung kommen Lautbildung, Konsonanten, Vokale, Textrhythmen, Hexameter. Die Atmung spielt beim Sprechen eine be­sondere Rolle (Sprache ist gestaltete Ausatmung). Die Indikationen zur Sprach­gestaltung liegen nicht nur bei der Behandlung von Sprach- und Sprech­störungen, sondern auch bei der Behandlung internistisch-allgemeinärztlicher Erkrankungen, sowie im psychosomatischen, psychiatrischen und heilpädagogischen Bereich.
Abbildung 2 Maltherapie
Künstlerisches Plastizieren
Wie das Malen Form- und Farbensinn anspricht, das Aquarell-Malen ätherische Bilde­kräfte anregt, so kann man davon ausgehen, daß Plastizieren bzw. das Schaf­fen von Skulpturen plastizierende und formende Kräfte im Menschen bzw. Patienten anregt. Formgebend gearbeitet wird schnitzenderweise mit Holz, hauenderweise mit Stein und Speck­stein und plastizierenderweise mit Ton­erde, Bienenwachs, Plastillin und Sand. Ton, das Erden­element, schafft Be­ziehung zum Blut, schafft „Finger­spitzengefühl“. Nicht-anthroposophische Therapeuten betonen häufig den reinigenden Charakter des Töpferns und Plastzierens. Ton würde viel Krankhaftes und Mias­ma­tisches aus dem Menschen „herausziehen“. Töpfer seien gesunde Menschen mit auffallend warmen Händen! – sagen solche Stimmen.

Literaturangaben:
1) Schmötzer, Werner: Anthroposophische Naturheilpraxis. 1. Aufl. Bonn. Verlag Volks­heilkunde; 2008
Mehr über diese Zusammenhänge: Buch und Seminar „anthroposophische Naturheilpraxis“ – Näheres unter www.werner-schmoetzer.de
www.farbraum.biz/mediavik/index.php/Hauptseite
 
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