04.10.2010: Warum Psychotherapie bei allen Leidens- und Krankheitszuständen hilft - oder auch nicht!


Raimar Ocken, Heilpraktiker
 
Landläufig wird unter Psychotherapie eine Zusammenfassung von chemischen, physikalischen, verbalen (ge­spro­chenen) oder körperlichen Me­tho­den verstanden, die in der Anwendung die Veränderung des psychischen Zu­stands bewirken sollen und können. Das Hauptaugenmerk liegt im All­ge­meinen auf den Bereichen verbale Therapie­methoden wie zum Beispiel Psycho­analyse, Hypnose, Ver­haltens­therapie, Gesprächstherapie u.a., und so genannten Körper­psycho­thera­pien, also den Methoden, die einen körperlichen und einen gesprochenen Anteil besitzen. Dies soll hier aber nicht näher ausformuliert werden.

Viele Menschen – selbst Heilkundige – gehen, wenn sie den Begriff Psycho­therapie benutzen, davon aus, daß es Möglichkeiten gibt, mittels derer nur der psychische Persönlichkeitsanteil behandelt werden kann. Sie irren sich. Da es keine Trennung zwischen Körper (So­ma) und Psyche gibt, ist auch eine Psy­chotherapie Ganzheitstherapie, das be­deutet, daß sie immer den körperlichen Persönlichkeitsanteil (und die Mitwelt) mit einschließt. Daraus leitet sich die Sinnhaftigkeit her, sie auch bei scheinbar rein körperlichen Krankheiten und Leidenszuständen anzuwenden.
 
Um das zu verdeutlichen, möchte ich zuerst das Wort Psyche definieren. Als Psyche kann das zusammen Wir­kende aus den Bereichen:
 
-    Wahrnehmung (Fühlen, Sehen, Hö­ren, Riechen, Schmecken und Epi­physieren) und den damit zusammenhängenden Gefühlen (Emo­tio­nen),
 
-    gemachte Erfahrungen und
 
-    Erwartungen, Hoffnungen, Wünsche … bezüglich der Zukunft (Den­ken = Ratio)
 
bezeichnet werden. Einfach ausgedrückt: die Wechselwirkung von Emo­tionen und Ratio. Psychotherapie kann zum Beispiel das Fühlen, das Hören, das Wünschen, die Hoff­nun­gen oder das Denken allgemein verändern.
 
Beherrscht der Heilkundige sein Hand­werk, und ist der Patient unterbewußt willens, gesund zu werden, dann wird die angewandte Psychotherapie positive Wirkung zeigen. Nun kann es allerdings geschehen, daß der Erfolg nur von kurzer Dauer ist. Und zwar aus folgendem Grund: Geht der Patient nach der Therapie wieder in sein altes Um­feld, das sich in der Zwischenzeit nicht verändert hat, zurück, dann bewirkt dieses unter Umständen, daß sich der Therapieerfolg wieder verbraucht, weil gesundheitsschädliche Faktoren erneut auf den Patienten einwirken. Mit­ent­scheidend für einen langfristigen Erfolg ist, daß die Mitwelt (das Umfeld) des Patienten sich ebenfalls positiv verändert. Findet keine diesbezügliche Ver­änderung statt, und ist es dem Patienten nicht möglich, seine Mitwelt zu verlassen, so ist es eventuell notwendig, daß er mehr oder weniger regelmäßig psychosoziale Betreuung, Supportive (=stüt­­zende) Psychotherapie oder Sur­rogatpartnerschaft in Anspruch nimmt, um gesund zu bleiben.

Zusammenfassung
Auch wenn die Gegebenheiten in der Beziehung von Heilkundigem und Pa­tient gut sind –  das heißt zum Beispiel: Heilkundiger und Patient glauben an die Möglichkeit eines Therapieerfolges und der Heilkundige setzt die adäquate (pas­sende) Methode ein – kann es sein, daß die Therapie nicht oder nur kurz gelingt. Im Wesentlichen scheitern The­rapien in der Regel an den falschen Glau­benssätzen des Patienten (und/ oder des Heilkundigen), dem unbewußten Widerstand gegen die Heilung, der Inkompetenz des Heilkundigen oder an den Gegebenheiten der krankmachenden Mitwelt des Patienten.

 
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