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Peter Noack, Heilpraktiker
Das Familienstellen hat seit den 1980er Jahren weite Verbreitung gefunden und wird heute in vielen Varianten angewendet. In der Einzel- und Paarberatung bietet das Familienstellen mit Figuren die Möglichkeit, auch ohne Gruppe diese Methode nutzbar zu machen und so sehr fokussiert auf den Klienten, eventuell auch in mehreren Sitzungen, einzugehen. Der geschützte Raum, den dieses Vorgehen bietet, ist ein weiterer Vorteil, den viele Klienten schätzen.
Der Berater benötigt ein Brett, das Aufstellungsfeld, das circa 80 x 80 Zentimeter groß sein sollte. Welche Figuren benutzt werden, ist letztlich nicht von Bedeutung. Bewehrt hat sich die Arbeit mit Playmobilfiguren, da diese farblich differenzierte Männer, Frauen und Kinder bieten und so bei größeren Aufstellungen die Übersicht erleichtern.
Nachdem der Klient sein Anliegen formuliert hat und der Berater in „Kontakt“ mit dem Klienten gekommen ist, kann die Aufstellungsarbeit beginnen. Gegebenenfalls, wenn bisher noch keine Aufstellungserfahrung vorliegt, erklärt der Berater kurz die Vorgehensweise. Da beim Aufstellen möglichst nicht gesprochen werden soll, ist es vorteilhaft, vor dem Beginn eine kurze Sammlungsübung zu machen. Ich arbeite in diesem Fall mit Atemübungen oder kinesiologischen Balancen.
Zu Beginn wird meistens die Gegenwartsfamilie, vielleicht auch ein Symptom aufgestellt, im weiteren Verlauf die Ursprungsfamilie oder auch die Ursprungsfamilien von Vater und/oder Mutter. Der Berater wählt die Figuren für die Personen aus, die zur Aufstellung kommen sollen.
Der Klient nimmt, in der vorgegebenen Reihenfolge, eine Figur nach der anderen und gibt ihr auf dem Aufstellungsbrett einen Platz. Wichtig ist, daß der Klient konzentriert vorgeht und mit der nötigen Zeit und aus seinem Gefühl heraus spontan aufstellt, und alles, was er „weiß“ vergißt. Nach dem Aufstellen der Figuren schauen sich Berater und Klient die Aufstellung an und lassen diese auf sich wirken.
Es gibt für den Berater zwei Möglichkeiten weiter zu arbeiten:
Das Anschauen der Struktur und das Gespräch darüber, was er sieht und vermutet, ist die eine, das sich Einschwingen auf das wissende Feld und das Aufsteigen lassen von Bildern, Sätzen, Körperempfindungen und Gefühlen, so wie es in der Gruppenaufstellung durch die Stellvertreter passiert, die andere. Je erfahrener der Berater, desto gleichzeitiger werden diese stattfinden. Er hat Bilder und Gefühle, kann aber wählen, ob er diese anspricht oder erst das im Aufgestellten Gesehene.
Es gibt zwei Vorgehensweisen, die systemisch-strukturelle und die phänomenologische (die Arbeit mit dem wissenden Feld). Arbeitet der Berater systemisch-strukturell, benötigt er aus- reichen- des Wissen um die familiären und transgenerationalen Dynamiken. Dazu gehören zunächst die Ordnungen der Liebe nach Hellinger. Auf den ersten Blick ist zu sehen, ob jede Figur seinen gemäßen Platz hat und ob jemand fehlt.
Dazu ein Beispiel aus der Praxis.
Eine Mutter kommt mit ihrem zehnjährigen Sohn in die Beratung. In der Schule hat er Konzentrationsstörungen, zu Hause streiten sich Mutter und Sohn oft aus nichtigen Anlässen. Ich lasse den Jungen die Familie, Vater, Mutter, sich und seinen kleineren Bruder aufstellen. Sofort wird sichtbar, dass der Vater ganz abseits in einer Ecke steht. Auf mein Nachfragen stellt sich heraus, daß sich der Junge mehr Kontakt zum Vater wünscht. Dieser erlebt seine Frau als zu dominant in der Kindererziehung und hat sich zurückgezogen. Sofort wird klar, daß das eigentliche Problem in der Paardynamik, eventuell in Themen aus den Ursprungsfamilien von Mutter und Vater zu suchen ist. Die Frau kann jetzt einen anderen Blick auf die Thematik bekommen. Hier haben wir weitergearbeitet. Das Verhältnis von Mutter und Sohn entspannte sich, sobald der Vater an Stelle des Jungen an der Seite der Mutter seinen Platz eingenommen hatte.
Ein weiteres Beispiel. Eine Frau kommt in die Beratung, weil sie immer wieder für Unfrieden in der Familie sorgt, obwohl alles in bester Ordnung ist. Immer wenn es gemeinsame Ausflüge oder andere Freizeitaktivitäten geben sollte, hatte sie Einwände. Es müsse noch aufgeräumt oder geputzt werden. Obwohl sie wußte, daß ihr Verhalten auf Dauer die Beziehung belastete, konnte sie nicht von diesem Verhalten lassen. Ich bat sie, ihre Familie aufzustellen. Sie stellte sich abseits und schaute in eine andere Richtung. Sie bestätigte meine Vermutung, daß es eine frühere Beziehung ohne Kind gegeben habe. Nach einer Abtreibung gefragt, kamen ihr die Tränen. Als der erste Mann und das abgetriebene Kind einen guten Platz bekommen hatten, konnte sie in ihrer jetzigen Familie ihren angemessenen Platz einnehmen und ihr Verhalten ändern.
Das Wissen um die Dynamiken der Seele, die Stellvertretung, Identifikation, Nachfolge und Nachahmung sowie das Wissen um die unterschiedlichen Wirkungsweisen des individuellen und des kollektiven Gewissens, sind ebenfalls Voraussetzung, um in Aufstellungen zu sehen, inwieweit Verstrickungen an den aktuellen Problemen beteiligt sind.
Ein junger Mann, Referendar kommt in die Beratung. Er beschreibt sich als depressiv, ist sich seiner Berufswahl unsicher, fühlt sich als Außenseiter, seiner Leistungen nicht gewürdigt und hat öfter Selbstmordgedanken. Erst nachdem die Ursprungsfamilie seiner Mutter aufgestellt wurde, zeigte sich seine Verstrickung mit dem ersten Mann der Großmutter, der in Russland gefallen war und von dem niemand „etwas wußte“. Ich arbeite häufig mit Genogrammen, wenn ich den Eindruck habe, daß mehr Informationen nötig sind.
Beim phänomenologischen Vorgehen spürt sich der Berater in das aufgestellte Feld und die aufgestellten Personen ein, achtet auf seine inneren Bilder und Gefühle und teilt diese dem Klienten mit.
Ob die erkannten Dynamiken stimmen, ist an den Reaktionen des Klienten erkennbar. Der Klient hat ein Aha-Erlebnis, zeigt emotionales Berührtsein und beschreibt häufig eine körperlich wahrnehmbare Erleichterung im Sinne von: „Ja, das fühlt sich stimmig an“, ähnlich dem im Focussing beschriebenen Körper-Shift.
Die Aufstellungsarbeit weitet den Blick, führt aus der Problemtrance, gibt dem Symptom „einen guten Sinn“ und ermöglicht so konstruktive Veränderungen.
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