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Peter O. Neumann, Heilpraktiker Noch heute fragen viele Patienten nach einer Belastung kontaminierter Pilze, Fleisch, Milch, Getreide, Gemüse etc. ihrer Nahrungsmittel gut 20?Jahre nach dem Tschernobyl-GAU.
Im Folgenden erfährt der Leser etwas über den heutigen Stand.
In der Nacht vom 25. zum 26. April 1986 ereignete sich die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl. Große Mengen von Radio-Nukliden zogen in Wolken zunächst über Polen nach Skandinavien, wo sie am 28.04. eintrafen. Die zweite Wolke zog während der folgenden 10 Tage nach Änderung der Wettersituation westwärts über die Slowakei, Tschechien und Österreich nach Deutschland und bewegte sich weiter über Frankreich nach Großbritannien und Irland. Eine dritte Wolke zog Anfang Mai Richtung Süden über Rumänien, Bulgarien, Griechenland und die Türkei.
Bedingt durch lokale differierende Niederschläge wurde der Süden Deutschlands deutlich höher als der Norden kontaminiert. Es wurden im Bayerischen Wald und südlich der Donau bis zu 100.000 Bq/qm Cäsium-137 abgelagert. In der Norddeutschen Tiefebene betrug die Ablagerung kaum mehr als 4.000 Bq/qm. Die Nuklid-Zusammensetzung ändert sich mit der Entfernung zum Reaktor (Tschernobyl).
Direkt in unmittelbarer Nähe des Unfall-Ortes wurden die weniger flüchtigen Elemente wie Strontium (Sr-90) oder Plutonium (Pu-239) abgelagert. Jedoch wurden die Cäsium- und Jodisotope über weite Strecken transportiert. Nach mehr als 20 Jahren ist für die Strahlenexposition in Mitteleuropa nur noch das langlebige Cs-137 von Bedeutung. Dieses Radionuklid ist mit einer Halbwertzeit von 30 Jahren seit der Ablagerung bis heute zu knapp 40% zerfallen.
Kontamination von Waldprodukten (Wildpilze, Wildbeeren) in Deutschland Waldböden tragen im Gegensatz zu landwirtschaftlich genutzten Flächen eine organische Auflage (sich zersetzendes Streu und Humus). Hier ist Cäsium gut verfügbar und wird leicht von Pilzen, Bodenorganismen aufgenommen; und wenn Blätter und Nadeln fallen, wieder dem Boden zugeführt. Cäsium verbleibt daher im Nährstoffkreislauf und kann kaum in die tieferliegenden bindenden mineralischen Bodenschichten (Tonminerale) abwandern.
In dem Maronenröhrlingen z.B. aus Südbayern und Bayerischem Wald werden noch bis zu einigen 1.000 Bq/kg Cs-137 gemessen. Heidelbeeren und Preiselbeeren zählen mit Werten bis zu einigen 100 Bq/kg Cs-137 mit zu den höchst kontaminierten.
Die gemessenen Werte können punktuell verschieden ausfallen. In gleichem Maße, wie Cs-137 in die Tiefe verlagert wird, nehmen die heute noch relativ hoch belastenden Werte langsam ab.
Kontamination von Wildbret in Deutschland Im Vergleich zu den landwirtschaftlichen Produkten ist die Kontamination des Wildbrets, ähnlich wie bei den wildwachsenden Beeren und Pilzen, derzeit noch relativ hoch.
In einzelnen Gebieten Deutschlands sind Kontaminations-Werte über 1.000 Bq/kg Cs-137 zu beobachten. Die höchsten Werte fand man im Muskelfleisch des Schwarzwildes. Die gemessenen Unterschiede beruhen im wesentlichen auf dem Ernährungsverhalten der verschiedenen Tierarten. Da die von Wildschweinen gefressenen Hirschtrüffeln, unterirdisch hoch kontaminiert werden, ist das Wildschweinfleisch höher belastet, als das Fleisch anderer Wildtier-Arten. Rehfleisch zeigt niedrigere Werte.
Höhere Kontaminationen sind dann zu erwarten, wenn die Tiere ihr Futter vornehmlich im Wald suchen und nicht auf landwirtschaftlichen Flächen äsen. Kontamination landwirtschaftlicher Produkte in Deutschland
In Deutschland wurde schon Ende der 1950er Jahre mit systematischen Messungen insbesondere von Cs-137 und Sr-90 begonnen. Man beobachtete damals in allen tierischen und pflanzlichen Nahrungsmitteln einen steilen Anstieg der Cs-137-Aktivitäten bis 1964, der auf den Fallout oberirdischer Kernkraftwerke zurückging. Danach reduzierte sich die Cs-137-Aktivität in der Nahrung kontinuierlich, bis 1986 der Tschernobyl-Fallout die Kontamination wieder deutlich erhöhte.
Heute sind die landwirtschaftlichen Kulturen nur mit wenigen Bq/kg belastet.
Die Werte der Tabellen stammen aus Messungen im Jahr 2005 (mit freundlicher Genehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz, Salzgitter).
Richtlinie zum Lebensmittelverzehr
Die Cs-137-Kontamination von landwirtschaftlichen Erzeugnissen liegt heute im Bereich von weniger als einem Bq/kg Frischmasse.
Dagegen sind wild wachsende Pilze, Beeren und Wildbret noch höher kontaminiert.
Wichtig für die Beurteilung möglicher gesundheitlicher Folgen ist die Strahlenexposition, die sich aus dem Verzehr belasteter Lebensmittel ergibt.
Als Faustregel gilt, daß 80.000 Becquerel Cs-137 bei Erwachsenen einer Strahlenexposition von etwa 1 Millisievert (mSv) entsprechen. Anders ausgedrückt: Eine Pilzmahlzeit mit 200 g höher kontaminierten Maronenröhrlingen aus Südbayern (4.000 Bq/kg) hat eine Exposition von 0,01 mSv zur Folge. Das entspricht weniger als einem Hundertstel der jährlichen natürlichen Strahlenexposition, der jeder Mensch ausgesetzt ist. Sie beträgt in Deutschland im Mittel 2,1 mSv und liegt je nach örtlicher Gegebenheit zwischen 1 und 10 mSv. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät von einem Wildpilz-Verzehr von mehr als 250 g/Woche wegen der eventuellen Belastung von Quecksilber- und Cadmium-Anreicherung ab. Häufiger Genuß könnte zu Nierenschäden führen. Wildpilze aus In- und Ausland dürfen nur gehandelt werden, wenn der Grenzwert von 600 Bq/ kg für Radiocäsium nicht überschritten wird.
Grundsätzlich sollte man die Strahlenbelastung so gering wie möglich halten. Wer seinem Körper keine zusätzliche Belastung zumuten möchte, sollte noch auf den Verzehr von vergleichsweise kontaminierten Pilzen aus dem Bayerischen Wald, insbesondere auf Wildschweinfleisch verzichten.
Alle anderen Feldfrüchte dürfen bedenkenlos konsumiert werden.
Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz, Salzgitter Spezifische Aktivität von Cs-137 Bq/kg Frischmasse | Probenzahl | Mittelwert | Minimalwert | Maximalwert
| | | Maronenröhrlinge | 40
| 193
| 7,3 | 1.150
| | Pfifferlinge | 22
| 52
| 0,2
| 259
| | Steinpilze | 18 | 61 | 0,08
| 150
| | Parasolpilze | 6 | 1,3
| 0,2
| 2,5
| | Heidelbeeren | 13 | 14 | 0,1
| 79
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Spezifische Aktivität von Cs-137 Bq/kg Frischmasse Probenzahl
| Mittelwert
| Minimalwert
| Maximalwert
| | | Hirsch | 12 | 18 | 0,2 | 60 | | Reh | 119 | 21 | 0,1 | 257 | | Wildschwein | 425 | 210 | 0,2 | 3.290 | Spezfische Aktivität von Cs-137 Bq/kg Frischmasse bzw. Bq/l
| Probenzahl | Mittelwert
| Minimalwert
| Maximalwert
| | | Milch (Sammelmilch)
| 795 | 0,2 | 0,01 | 2,5
| | Fleisch (Rind, Kalb, Schwein, Geflügel)
| 786 | 0,5 | 0,04 | 13,8 | | Blattgemüse
| 559 | 0,2 | 0,02 | 1,8 | | Frischgemüse ohne Blattgemüse
| 503 | 0,1 | 0,02 | 0,5 | | Kartoffel
| 163 | 0,2 | 0,03 | 0,7 | | Getreide + Freilandanbau
| 563 | 0,2 | 0,02 | 2,1 | |
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