Dipl.-Ing. (FH) für Ernährung Ulrike Metzler, Heilpraktikerin
Einführung
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat im vergangenen Jahr die Verankerung von Verbraucherthemen im Unterricht gefordert. Eine Bildungspolitik, die Kinder und Jugendliche auf das 21. Jahrhundert vorbereitet, müsse ein lebenslanges Lernen von mündigen und eigenverantwortlichen Menschen sein. Eine wesentliche Kernkompetenz, die neben Lesen, Schreiben und Rechnen in der Schule vermittelt werden muß, ist das Wissen um eine gesunde Ernährung, Lebensführung und Verbraucherkompetenz.
Warum ist diese Änderung so notwendig?
Trotz vielfältiger Reformen haben viele Menschen heute kaum oder keinen Zugang zu ihrer Gesundheit und zu ihrem Körper. Immer mehr Kinder erkranken in immer jüngeren Jahren an Erkrankungen, die wir normalerweise erst im weit fortgeschrittenen Erwachsenenalter gewohnt sind. Fakt ist, daß immer mehr Kinder an Allergien, Asthma, Diabetes Typ II erkranken – und das mit steigender Tendenz.
Lt. Prof. U. Wahn leidet jedes 3. Kind in Deutschland an einer Allergie, jedes 5. Kind ist übergewichtig, und jeder 3. Jugendliche leidet unter psychosomatischen Beschwerden, wie Nervosität, Kopfschmerzen und Konzentrationsproblemen. Die Hälfte der jungen Menschen im Alter von 11 bis 15 Jahren fühlt sich häufig überfordert, müde oder gestreßt. Ein Drittel dieser Altersgruppe leidet ebenfalls an Allergien unterschiedlichster Ausprägungen (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Lt. Aussage der dt. Gesellschaft für Kardiologie und Krebsforschungszentrum haben auch Jugendliche inzwischen ein erhöhtes Herzinfarktrisiko.
Alles in allem läßt sich feststellen, daß wir uns auf dem Weg zu einer multimorbiden Gesellschaft bewegen, was gleichzeitig auch ein volkswirtschaftliches Problem darstellt.
Ernährungsbedingte Krankheiten verursachen z. Zt. im Gesundheitswesen jährlich 75 Mio. EURO mit steigender Tendenz. Kosten für Therapien und deren Folgekosten betragen ca. 85 %, die wir über unsere Versicherungsbeiträge finanzieren.
Gleichzeitig ist in den letzten 30 Jahren allein in Deutschland der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Limonaden und Erfrischungsgetränken von 19 auf 40 l gestiegen, der Konsum von Fruchtsäften hat von 70 auf 100 l und bei Coca-Cola von 18 auf ebenfalls 40 l zugenommen.
Eine israelische Studie bei 9-jährigen Kindern, die unter regelmäßigen Kopfschmerzen (mehrmals pro Woche) litten und täglich ca. 1,5 l Cola getrunken haben, kam zu dem Ergebnis, daß sowohl der Gehalt von rd. 200 mg Koffein und der hohe Zuckergehalt täglich der ursächliche Auslöser für die Kopfschmerzen waren. Durch die Änderung der Trinkgewohnheiten verschwanden auch die Beschwerden wieder.
Besorgniserregend ist auch die Tatsache, daß es bundesweit ca. 200 000 Kinder gibt, die an zum Teil chronischen Schmerzen leiden und bereits in jungen Jahren zu Dauerpatienten werden. Einflüsse von Impfungen, Umweltchemikalien, Auswirkungen von Mobilfunk sollen an dieser Stelle ebenfalls nicht unerwähnt bleiben – auch sie tragen ihren Anteil an diesen komplexen Krankheitsgeschehen bei.
Das Forum „Trinkwasser“ hat im Jahr 2004 ein Projekt gestartet unter dem Motto: „Wasser trinken im Unterricht“. Vorangegangen waren zum einen eine repräsentative Umfrage unter 1002 Eltern schulpflichtiger Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren und aktuelle Forschungsergebnisse des Bundesforschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund.
Die Ergebnisse der Befragungen geben Anlaß zur Sorge, weil besonders Klein- und Schulkinder zu wenig trinken und das Trinken im Unterricht an den meisten Schulen leider keine Normalität ist. Lediglich an 16 % der Schulen ist Trinken während des Unterrichts überhaupt erlaubt. Selbst im Sportunterricht gibt es keine besseren Ergebnisse. Nur an jeder 5. Schule ist das Trinken beim Sport eine Selbstverständlichkeit. Auch unter den Eltern herrscht große Unwissenheit: 39% der Eltern wissen nicht, ob ihre Kinder im Sportunterricht trinken dürfen.
Die aktuellen Forschungsergebnisse des Bundesforschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund lauten:
- Besonders Klein- und Schulkinder trinken zu wenig. Ausreichende Wasserzufuhr hilft bei den Hausaufgaben und steigert die Leistungsbereitschaft im Unterricht.
- Lehrer könnten die Konzentrationsfähigkeit ihrer Schüler deutlich erhöhen, wenn sie darauf achten würden, daß während des Unterrichts genügend stilles Wasser getrunken wird.
Auch was die Getränkeauswahl der 6- bis 18jährigen angeht, muß man aufgrund der Ergebnisse besorgt sein: Lt. Informationen der Eltern treibt nahezu die Hälfte der Kinder und Jugendlichen keinen Sport oder ausschließlich im Rahmen des Schulsports, und gerade diejenigen bevorzugen auffällig oft kalorienreiche Getränke und trinken insgesamt zu wenig!
Warum müssen gerade Kinder möglichst frühzeitig dazu angehalten werden, ausreichend Wasser zu trinken?
1. Weil sie ein deutlich schwächer ausgeprägtes Durstgefühl haben als Erwachsene.
2. Weil sie aufgrund ihres Körperwachstums einen deutlich höheren Wasserbedarf haben (bei der Ausdehnung und Teilung der Zellen wird viel Wasser verbraucht).
3. Weil sie sich mehr körperlich bewegen durch Spielen und sportliche Aktivitäten.
Jede Zelle besteht zu 75% aus Wasser. Der Körper eines heranwachsenden Kindes braucht daher ständig Wasser. Wird das natürliche Verlangen des Körpers nach Wasser durch industrielle, Chemikalien enthaltende Flüssigkeiten und zuckerhaltige Getränke gestillt, können Wachstums- und Ent- wicklungsprozesse nicht effizient ablaufen. Dies kann sich in den unterschiedlichsten Krankheitsbildern auswirken. Nicht alles, was flüssig ist – die vielgepriesene Milch eingeschlossen - ist automatisch und selbstverständlich gut für einen heranwachsenden jungen Menschen. Wachheit und Lernvermögen des Gehirns stehen in einem proportionalen Verhältnis zur Wasserzufuhr. Aus diesem Grund mahnen führende Ernährungswissenschaftler, dass Kinder nicht früh genug von den Eltern und Erziehern dazu angehalten werden, ausreichend Wasser als wichtigstes Getränk und „Lebensmittel“ zu trinken.
Zur Orientierung sei auf die Tabelle der Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Auszug) hingewiesen:
So viel reines Wasser braucht der Mensch:
Wasser ist in seiner Funktion als „Lebensmittel Nr.1“ durch nichts anderes zu ersetzen – wenn es fehlt, fließt das Blut langsamer, und gleichzeitig werden Muskeln und Gehirn (besteht aus 85% aus Wasser) mit weniger Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Konzentrationsschwierigkeiten und Erschöpfungszustände sind so quasi vorprogrammiert.
Fazit
Wenn der Pädagogenspruch „nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“, gelten soll, sind wir alle – Eltern, Erzieher, Pädagogen und Therapeuten, gefordert, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg in die Selbstverantwortung wirkungsvoll und nachhaltig zu unterstützen. Wir müssen sie ermutigen und gleichzeitig befähigen, ihre eigene Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Vitalität mit einfachen Mitteln zu realisieren.
Vielleicht liegt darin auch der Schlüssel zu weniger Drogenkonsum und anderen Süchten, die dann keinen Nährboden mehr finden … nach dem Motto „Mens sana in corpore sano“ (In einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist).
Literatur:
Dr. med. F. Batmanghelidj; Sie sind nicht krank, sie sind durstig
www.aid.de www.was-wir-essen.de www.Forum-Trinkwasser.de www.Trinken-im-Unterricht.de Natur und Heilen 9/2004
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