Fit in den Frühling


Wie Sie Ihre körperliche und seelische Vitalität steigern können

Dipl. oec. troph. Roland Possin
 
Der Ernährungswissenschaftler und Buchautor Roland Possin gibt Ihnen Tips, wie Sie die Zeit des Frühlings nutzen können, um Ihre Vitalität zu steigern.
 
Wem geht es nicht so? Der Winter mit seiner Kälte, Dunkelheit und Schwere steckt einem noch in den Knochen.
 
Verwundert stellt man auf der Waage fest, dass der Genuß der Leckereien in den Weihnachtstagen und auf der Silvesterfeier nicht spurlos an einem vorbei gegangen ist. Man fühlt sich schwer und behäbig und fragt sich, wie man es bis zur warmen Jahreszeit schaffen soll, sich der überflüssigen Pfunde und der angestauten Schwere zu entledigen. Abspecken und entschlacken ist angesagt! Die Natur zeigt Ihnen, wie Sie Ihren Organismus von seiner Labilität befreien können. Haben Sie sich in der kalten Jahreszeit einen Winterspeck zum Schutz vor dem feuchtkalten Wetter angelegt, so gilt es in der Frühlingszeit sich wieder des Mantels zu entledigen und die Zeit des Wachstums und des Sprießens der Pflanzen zu nutzen, um Körper, Geist und Seele zu Vitalität zu verhelfen.
 
Nicht nur für wellness-bewußte Menschen, sondern auch für diejenigen, die an Rheumatismus, Arthrose oder Gicht leiden, ist die entschlackende Vitalkur im Frühling, eine gute Möglichkeit sich zu reinigen und die Gesundheit zu stärken.
 
Fasten - Balsam für Körper und Seele
 
Eine schöne Möglichkeit sich der angesammelten Schlacken zu entledigen ist das Fasten. Diejenigen, die denken, daß sich der Nahrungsverzicht nur zum Abnehmen eignet, täuschen sich. Fasten gibt einem vielmehr die Möglichkeit, nicht nur den Körper, sondern auch der Seele Freiraum zu gewähren. Durch Fasten erfährt der Organismus eine Reinigung. Giftstoffe werden zur Ausscheidung gebracht, was sich positiv auf die Gesundheit auswirkt.
 
Empfehlen tut sich für Einsteiger ein Tee- und Saftfasten von fünf bis sieben Tagen. Nehmen Sie sich dazu am besten Urlaub von Arbeit und Familie, damit Sie einmal Zeit nur für sich selbst haben. Nutzen Sie die Zeit des Fastens, um viel in der Natur zu sein und Sonne und Sauerstoff aufzutanken. Auch das ist ein wichtiger Bestandteil der Frühjahrskur.
 
Ablauf vom Fasten
 
Am ersten Tag, dem Entlastungstag, wird nur Obst und leichtes Gemüse, bzw. Salat verzehrt. An den Folge-Anschlußtagen gibt es dann nur Wasser oder Kräutertees und als Zugabe zweimal am Tag ein Frucht- oder Gemüsesaft. Empfehlenswert ist es parallel dazu mittels Glaubersalz oder Einläufen (beides in Apotheke erhältlich) den Darm zu entleeren. Nach der Zeit des Fastens ist es wichtig, den Körper wieder ganz langsam an feste Nahrung zu gewöhnen. Das Fastenbrechen wird eingeleitet mit leichter Kost, beispielsweise mit einem Apfel. Es empfiehlt sich in den ersten zwei Tagen nach dem Fasten nur leicht verdaubare Speisen zu verzehren, so zum Beispiel Rohkostsalate, Gemüsesuppen und Pellkartoffeln. Vermieden werden sollte der Genuß von fett- oder eiweißreichen Speisen, wie Fleisch, Quark und Käse.
 
Wildkräuter für die Gesundheit
 
Eine weitere Möglichkeit, fit durch den Frühling zu gehen, ist der Verzehr von Wildkräutern. Sie brauchen dazu gar nicht in die Ferne zu schweifen. Gerade die im Volksmund als „Unkraut" angesehenen Pflanzen üben einen entschlackenden Effekt auf den Menschen aus. So zum Beispiel die Brennessel oder der Löwenzahn.
 
Die Brennessel
 
Wer kennt ihn nicht, den brennenden Schmerz, wenn man aus versehen eine Brennessel angefaßt hat. Die Ursache für diese Pein ist die Ameisensäure, welche in den Brennhaaren der Blätter der UrticaBrennessel sitzt. Sie wird bei Berührung freigesetzt und wirkt schon bei geringsten Mengen. Der Brennessel wohnt eine reinigende Kraft inne. Mit ihrer Hilfe können Schlackenstoffe aus dem Körper über die Niere ausgeschieden werden. Diese würden sich sonst im Organismus ablagern oder zum Beispiel über die Haut ausgeschieden werden. Die Brennessel hat auch eine sehr blutreinigende Wirkung. Grund genug, die im Frühjahr noch zarten Blätter der Brennessel zur Entschlackungskur zu nutzen. Bei Herz- und Nierenleiden, die mit Wasseransammlungen einhergehen, sollte die Brennessel allerdings nicht angewendet werden.
 
Zubereitung: Die Brennessel kann als Tee genossen, kleingehackt dem Salat beigegeben oder als Spinat zubereitet werden. Es eignen sich dazu die im Frühling noch jungen Blätter der Urtica-Pflanze.
 
Rezept von Brennesseltee: 2 TL frisches oder getrocknetes Brennesselkraut mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen. Fünf bis zehn Minuten ziehen lassen und abseihen. Zwei bis drei Tassen pro Tag trinken.
 
Der Löwenzahn
 
Löwenzahn, auch unter dem Namen Butterblume bekannt, gehört zur Familie der Korbblütler. Schon die alten Griechen schätzten ihn sehr. Seine „Blütezeit" erlebte er allerdings im späten Mittelalter. Ähnlich wie die Brennesel wirkt der Löwenzahn harntreibend und ist ein vorzügliches Blutreinigungsmittel und hat damit einen hohen Stellenwert bei einer entschlackenden Vitalkur. Er regt den gesamten Zellstoffwechsel an, aktiviert die Hormondrüsen und wirkt stärkend auf die Arbeit der Nieren. Löwenzahn verbessert die Funktion vieler innerer Organe, wie zum Beispiel der Leber, des Magens und des Kreislaufs. Er kann auch gezielt bei Verstopfung und Hämorrhoiden eingesetzt werden. Löwenzahn ist auch sehr gut dazu geeignet, Bildung von Gallensteinen vorzubeugen. Diese Wirkung ist auf den hohen Gehalt an Bitter- und Schleimstoffen zurückzuführen, die sich besonders positiv auf die Galle auswirken. Grund genug ihn in die Frühjahrskur mit einzubeziehen und täglich zwei bis drei Tassen Löwenzahntee zu trinken.
 
Zubereitung: Löwenzahn kann als Salatbeigabe genutzt werden. Dazu empfiehlt es sich im Frühjahr die jungen Blätter zu verwenden, die in dieser Zeit noch besonders zart sind. Im Laufe des Jahres schmeckt er dann mehr und mehr bitterer.
 
Für die Herstellung von Tee eignen sich neben den Blättern auch die Wurzel des Löwenzahns, die im Frühjahr gestochen werden sollte, denn zwischen April und Mai wohnen ihr die meisten Wirkstoffe inne.
 
Rezept von Löwenzahntee: Man übergießt 1 1/2 Blätter oder Wurzeln mit einer Tasse kochendem Wasser, läßt das Ganze fünf Minuten ziehen und trinkt täglich zwei bis drei Tassen des Tees. Er sollte im Rahmen der Frühjahrskur nicht länger als Genuß vier bis sechs Wochen genossen werden.
 
Fit sein mit Gemüse
 
Um fit ins Jahr hineinzugehen eignen sich natürlich auch die verschiedenen Gemüsesorten, die im Frühling aus der Erde sprießen, so zum Beispiel Spargel, Spinat und Kräuter wie die Petersilie.
 
Der Spinat
 
Man nimmt an, daß Spinat vor vielen Jahrhunderten aus dem Mittleren Osten Einzug in unsere Region gehalten hat.
 
Spinat ist reich an vielen Wirkstoffen, die die Vitalität des Menschen fördern. So zum Beispiel Magnesium, einem Mineral, welches gut für Muskeln und Herz ist und die Körperzellen fit hält. Schon 50 Gramm Spinat decken den Tagesbedarf an Magnesium. Spinat enthält auch das Spurenelement Mangan. In dem Blattgemüse kommt auch viel Eisen vor, welches gut für die Bildung von roten Blutkörperchen und die Sauerstoffversorgung des Blutes ist. Auch Kalium, das entwässernd wirkt und daher wichtig bei der Behebung von Ödemen ist, ist reichhaltig in Spinat enthalten. Es ist auch reich an Vitaminen: Vitamin B-Komplex (Stabilisierung des Stoffwechsels und des Nervensystems), Vitamin C (Stärkung der Abwehrkräfte und des Bindegewebes, Förderung der Eisen-Verwertung, Verbesserung der Wundheilung).
 
Spinat sollte frisch genossen werden, da durch eine lange Lagerung und beim Wiederaufkochen die Nitratwerte steigen. Der Nitratgehalt bei Freilandspinat ist geringer als bei Blattgemüse aus dem Gewächshaus. Spinat enthält zwar viele gesundheitsfördernde Wirkstoffe, aber auch die Eisen- und Calcium-Resorbtion hemmende Oxalsäure. Deshalb sollte das Blattgemüse nicht öfters als ein- bis zweimal pro Woche verzehrt werden.
 
Zubereitung: Spinat kann als Salat genossen, zum Beispiel mit einem leckeren Mandelmus-Dressing, oder als gekochtes Gemüse mit Kartoffeln gegessen werden.
 
Viel Chlorophyll in grünem Gemüse
 
Spinat, Löwenzahn und Brennessel haben gemein, dass sie reich an dem Pflanzenfarbstoff Chlorophyll sind. Das Blattgrün ist ein wirksames Mittel gegen Blutarmut. Es belebt den menschlichen Stoffwechsel und ist daher bestens dafür geeignet, in die Frühlings-Vitalkur mit einbezogen zu werden.
 
Der entwässernde Spargel
 
Ein weiteres entschlackendes Gemüse ist der stoffwechselaktivierende Spargel. Die Erntezeit beginnt im April und dauert bis zum Juni an. Spargel ist reich an Vitamin C, Beta Carotin und Vitamin E und eignet sich damit bestens zur Stärkung des Immunsystems. Eine Portion Spargel deckt bereits fast die Hälfte des Tagesbedarfs an Vitamin E, welches sich auf schlecht heilende Wunden und auf früh alternde Haut positiv auswirkt. Beta Carotin schützt die Schleimhäute vor Bakterienbefall und dient darüber hinaus auch zum Schutz der Zellen.
 
Außerdem sind noch Vitamine des B-Komplexes im Spargel enthalten, so zum Beispiel Vitamin B1, was wichtig für die Nervenkraft ist, Vitamin B2, welches sich gut auf Haut, Haare und Augen sowie auf den Gesamtstoffwechsel auswirkt. Hervorzuheben ist auch der Gehalt an Folsäure, die zur Blutbildung und Hormonproduktion wichtig ist und zur Zellverjüngung beiträgt. Bereits 100 Gramm Spargel decken den Tagesbedarf an Folsäure!
 
Aber auch viele Mineralstoffe sind im Spargel enthalten. Er gehört zu den wichtigsten Kalium-Lieferanten. Auch Zink, daß das Bindegewebe kräftigt und die Hirntätigkeit aktiviert ist im Spargel enthalten. Eine Portion Spargel deckt übrigens auch zwei Drittel des menschlichen Mangan-Bedarfs. Dieses Spurenelement ist an der Bildung der Knochen und des Bindegewebes beteiligt. Last but not least sind die Ballaststoffe im Spargel hervorzuheben. Sie sind die Entschlacker schlechthin. Ballaststoffe reinigen den Darm, beugen Verstopfung vor und sind in der Lage, Giftstoffe im Darm zu binden und damit Darmkrebs vorbeugen.
 
Zubereitung: Spargel im Wasser gekocht und mit Butter und Kräutersalz serviert ist ein Genuss!
 
Gartenkräuter - die Petersilie
 
Mit dem Frühling halten auch die entschlackenden und stoffwechselstärkenden Kräuter im Garten Einzug.
 
Hervorzuheben ist dabei die Petersilie. Geschichtsschreiber erzählen, dass die Römer früher ihren Gladiatoren vor dem Kampf zur Stärkung Petersilie zum Essen gaben. Diesem Gewächs wurde der Ruf nachgesagt, Kraft und Reaktionsvermögen zu steigern. Heutzutage haben sich die Einsatzbereiche ein wenig verschoben. So wird Petersilie meist als Garnitur von Gerichten oder als Salatbeilage serviert. Nur wenigen ist bekannt, dass Petersilie bei Blutarmut eingesetzt werden kann. Sie enthält auch viel knochenstärkendes Calcium und abwehrsteigerndes Vitamin C.
 
Petersilie regt auch die Schweißproduktion an, was zur Entgiftung des Organismus beiträgt. Das Doldengewächs senkt Fieber und kann deswegen bei Erkältungen, die oft während des Übergangs der Jahreszeiten auftreten, eingesetzt werden. Vor allem aber reinigt sie den Organismus und befreit ihn von Giftstoffen. Deshalb gehört das Gartenkraut als fester Bestandteil zur Vitalkur im Frühling.
 
Zubereitung: Petersilie bereichert jeden Salat, kann auch Salaten zugegeben oder auf Aufläufe und Suppen gestreut werden. Sie schmeckt darüber hinaus vorzüglich als Tee:
 
1 EL Petersilie mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen. 5 Minuten ziehen lassen, abseihen und täglich eine Tasse trinken (max. 2 Wochen). Diese Kur sollte allerdings nicht von Nierenkranken oder Schwangeren durchgeführt werden.
 
Qi Gong im Stadtpark
 
Um sich der Schwere des Winters zu entledigen, bildet die Ernährung nur eine von vielen Punkten. Grundlegend wichtig ist es, sich während der Frühjahrskur täglich mindestens eine Stunde an der frischen Luft aufzuhalten.
 
Ausgiebige Spaziergänge in der Natur stärken nicht nur das Immunsystem, sondern reinigen auch das Blut und reichern die Zellen mit Sauerstoff an.
 
Sehr zu empfehlen sind während der Frühlingskur Bewegungsübungen, wie zum Beispiel Qi Gong oder Tai Chi Chuan. Sie stärken die Lebenskraft und vitalisieren nicht nur den Körper, sondern auch den Geist und die Seele. Die aus China stammenden, fließenden Bewegungsarten werden schon seit Jahrtausenden von den Menschen im „Land des ewigen Lächelns" praktiziert und eignen sich bestens, an Schwung zu gewinnen.
 
Buchtips:
 
Die Stimme des Körpers - Ernährung im Einklang mit der Inneren Führung, von Roland Possin Hausmittel, von Jörg Zittlau, Norbert Kriegisch und Dagmar P. Heinke
 
Das Mességué Heilkräuter-Lexikon, von Maurice Mességué
 
Obst und Gemüse als Medizin, von Klaus Oberbeil und Christiane Lentz
 
Das große Buch der gesunden Ernährung, von Jörg Zittlau und Norbert Kriegisch
 
Wie neugeboren durch Fasten, von Dr. H. Lützner
 
Der Autor, Roland Possin, ist Ernährungswissenschaftler und Buchautor. D
 
er Oecotrophologe arbeitet als freier Publizist für verschiedene Fachzeitschriften.
 
Er gibt in Lübeck ganzheitlich orientierte Ernährungsberatungen und bietet Vorträge sowie Seminare zum Thema Ernährung und Gesundheit an.
 
Buchveröffentlichungen von Roland Possin:
 
Essen Sie sich gesund!
Von Allergie bis Übergewicht, Hugendubel Verlag
Hüter der Schöpfung - Die Erde heilen mit der Weisheit der Naturvölker, Hugendubel Verlag
Die Stimme des Körpers - Ernährung im Einklang mit der Inneren Führung, Bastei Lübbe Verlag
Vom richtigen Essen - Ernährung im Einklang mit den vier Elementen, Hugendubel & Heyne Verlag

 
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