Konstitutionelle Medizin und Sa-am Akupunktur


Traditionelle Koreanische Medizin, Puramo Chong, 250 Seiten, 90 Abbildungen, viele Tabellen. Großformat, MZ-Verlag, ISBN 3-89240-083-0
 
Wer in Deutschland an Akupunktur denkt, der denkt automatisch an die chinesische Akupunktur. Aber Akupunktur bedeutet nicht nur China, sondern auch Korea.
 
Sa-am war ein koreanischer Mönch, der vor rund 400 Jahren gelebt hat. Der Name setzt sich zusammen aus Sa Haus und am Fels. Dreizehn Jahre hat der Mönch in einer Felsgrotte gelebt, bis er die Idee für sein Akupunktur-Prinzip vollendet hatte.
 
In seinem Vorwort schreibt Dr. Puramo Chong: „Aber der eigentliche Wert der Medizin, die einen Kranken heilt, liegt nicht in ihrem Ursprung, sondern in der praktischen Wirkung der Behandlung. Ich glaube, daß dieses Buch eine Revolution ist gegen die Traditionelle Chinesische Medizin und Akupunktur und diese Revolution beginnt ganz leise mit diesem Buch.“
 
Das sind große Worte, aber wer - wie ich - die Chance hatte, schon mehrfach in der Praxis von Dr. Chong hospitiert zu haben, der weiß, daß das keine Übertreibungen sind. Manches von dem, was ich dort gesehen habe, muß ich als Sekundenphänomen bezeichnen. Der andere Teil ist solide Arbeit, die zum Großteil sehr erfolgreich ist. Mehr als 100 Patienten werden von Dr. Chong und seinem Team täglich, sechsmal in der Woche, behandelt. Das führt zu sehr großer Erfahrung.
 
Diese gibt Dr. Chong in seinem Buch an die Leser in zehn Kapiteln weiter. Für Heilpraktiker ist das Buch sehr gut lesbar, denn wir können die Kritik an der Schulmedizin sehr gut verstehen: Schulmedizin behandelt Krankheiten - Sa-am (und wir) behandeln kranke Menschen. Neu ist für uns, daß Dr. Chong diese Kritik auch auf die TCM ausweitet, denn auch dort werden Syndrome diagnostiziert und behandelt statt Menschen.
 
Bei der konstitutionellen Medizin und der Sa-am Akupunktur ist das anders.
 
Sie geht davon aus, daß jeder Mensch von Geburt an eine bestimmte Ausstattung erhalten hat. Daraus ergeben sich für jeden Menschen Krankheitsneigungen, wie wir sie auch in der Augendiagnose als Disposition kennen.
 
Weil nicht alle Organe gleich stark sind, ergibt sich das organische Ungleichgewicht. Wenn wir erkranken, vergrößert sich dieses Ungleichgewicht. Die Aufgabe des Behandlers ist es also, dieses vergrößerte Ungleichgewicht wieder auf das Normalmaß zu reduzieren.
 
Um das tun zu können, muß der Behandler zunächst die Konstitution des Patienten feststellen. Dafür gibt es eine Reihe von Möglichkeiten.
 
Sa-am hat den Menschen in vier Bereiche eingeteilt, die von je einem Organ beherrscht werden.
 
Der obere Bereich ist die Lungengruppe, zu der neben der Lunge Speiseröhre, Zunge, Ohr, Gehirn und Haut gehören. Ist er sehr gut entwickelt, sind auch die zugehörigen Organe sehr gut entwickelt. Sichtbar ist das z. B. durch einen kräftigen Brustkorb.
 
Der mittelobere Bereich ist dem Pankreas (in der chinesischen Akupunktur der Milz) zugeordnet. Dazu gehören Magen, Busen, Auge, Rückgrat und Muskeln.
 
Die Lebergruppe bildet den mittelunteren Bereich. Neben der Leber gehören der Dünndarm, Bauchnabel, Nase, Taille und Unterhaut dazu.
 
Der untere Bereich ist die Nierengruppe mit Niere, Dickdarm, Geschlechtsorgane, Mund, Blase und Knochen. Wer dazu gehört, hat ein starkes Becken.
 
Daraus ergeben sich, oberflächlich betrachtet, vier Konstitutionen, eben die mit größter Lunge, größtem Pankreas, größter Leber oder größter Niere.
 
Zwischen dem größten und dem kleinsten Organ liegen zwei weitere Organe. Diese können größer oder kleiner sein. So ergeben sich acht Konstitutionen, die sich nach Yin und Yang noch einmal in 16 Typen unterscheiden lassen. D
 
ie Erkennung der Konstitution kann auf mehrere Arten erfolgen. Eine ist der O-Ringtest, eine verbesserte Kinesiologie. Sie basiert darauf, daß sich kleine Muskeln schneller regenerieren als die großen. Hier wird die Fingermuskulatur benutzt.
 
Eine andere ist die Pulstastung. Sie ist nicht mit der chinesischen Pulsdiagnose vergleichbar. Während bei der Pulsdiagnose 28 verschiedene Qualitäten unterschieden werden sollen - selbst Fachleute meinen, daß das nur sehr subjektiv möglich ist - braucht man bei Sa-am nur drei zu unterscheiden. Ganz einfach ist das auch nicht, aber durchaus erlernbar.
 
Die Grundlage zur Behandlung ist die 5-Elementen-Lehre. Deshalb werden bei Sa-am die 60 Elementen-Punkte (auch Transport-Punkte genannt) der zwölf Meridiane benutzt.
 
Zum Vergleich: allein auf den zwölf Meridianen kennt die chinesische Akupunktur schon mehr als 350 Punkte. Dazu kommen noch die sonstigen Punkte. Jeder Punkt hat ein bis viele Indikationen, die man alle kennen muß.
 
Bei Sa-am gibt es keine Indikationen bei den Punkten. Die Punkte werden nach der Konstitution ausgewählt.
 
All dieses Wissen vermittelt Puramo Chong didaktisch sehr gut aufbereitet. Das liegt an der großen Erfahrung, die er bei der Vermittlung seines Wissens hat, denn seine Kurse für Traditionelle Koreanische Medizin, in denen er Sa-am und die konstitutionelle Medizin unterrichtet, sind immer bis auf den letzten Platz gefüllt.
 
Auch in Korea gibt es einen großen Nachholbedarf an Traditioneller Koreanischer Medizin, die Dr. Chong bereits in der zweiten Generation anwendet. Das koreanische Gesundheitswesen ist zweigeteilt: entweder studiert man Schulmedizin und darf nichts anderes als Schulmedizin betreiben, oder fernöstliche Medizin und darf nichts anderes betreiben. Beide Studiengänge dauern jeweils sechs Jahre.
 
Zusammenfassend: Das Buch von Dr. Chong leitet tatsächlich die Revolution ein, von der er in seinem Vorwort schreibt. Mit diesem Buch kann man hervorragend die Grundlagen der Sa-am Akupunktur erlernen. Wer sich schon mit der Akupunktur auskennt, kann danach eine ganz neue Therapie anwenden. Für die anderen wird Dr. Chong in Deutschland Seminare durchführen, bis sich hier erfahrene Therapeuten finden, die diese Arbeit übernehmen können.
 
Sein Buch ist nicht einfach ein weiteres über Akupunktur. Es ist ein Buch über eine für uns ganz neue Akupunktur, die sehr viele Vorteile aufweist. Jeder wird es mit Gewinn für sich und seine Patienten lesen. So beginnt auch bei uns diese Revolution gegen die chinesische Medizin langsam und leise, aber sicher.
 
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.sa-am.de
 
Harald Schicke, Heilpraktiker

 
zurück top Druckversion