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Heike Lück, Heilpraktikerin
Auf Grund neuer Forschungsergebnisse erfährt eine in Deutschland noch wenig bekannte, dennoch alte Heilpflanze derzeit eine Renaissance.
Botanik: Das Mutterkraut gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae, Compositae) und erreicht eine Höhe von etwa 60 cm. Die aromatisch duftende, stark verzweigte Pflanze hat ähnliche Blütenstände wie die Kamille und fiederteilige Blätter. Die Strahlenblüten sind weiß und stehen gerade ab, die Scheibenblüten sind gelb. Das Mutterkraut blüht von Juni bis August. Seine Heimat ist Kleinasien und Südeuropa. Es gedeiht an Wegrändern, auf Schuttplätzen und als Zierpflanze in Gärten.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (u.a. Campher, trans-Chrysanthenylacetat), Sesquiterpenlactone (Bitterstoffe), Germacranoloide, Eudesmanolide, Flavonoide, Reynosin, Costunolid und einige chlorhaltige Guajanolide.
Geschichte: Die Pflanze kam ungefähr um 300 v. Chr. nach Griechenland und breitete sich von dort über den gesamten Balkan aus. Sie wurde damals in erster Linie bei Menstruationsbeschwerden und Geburtsschmerzen eingesetzt. Der Name Mutterkraut ist vermutlich auf den spasmolytischen Effekt bei Entbindungen zurückzuführen. Der griechische Arzt Dioskorides (1. Jh. nach Chr.) verordnete Mutterkraut gegen Fieber und Rheuma. Im Mittelalter wuchs die Pflanze auch in den Kräutergärten Mitteleuropas und viele setzten sie wegen ihres starken Geruches in die Nähe des Hauses, um vor Malaria gefeit zu sein. In Großbritannien erlangte Mutterkraut, wo die Pflanze „Feverfew“ (wenig Fieber) heißt, als „Aspirin“ des 18. Jahrhunderts Ruhm.
Heilwirkung und Anwendung: Die Briten entdeckten die Heilpflanze auch als Prophylaktikum gegen Migräne. Studien zufolge, die in Großbritannien mit 270 Migränepatienten durchgeführt wurden, besserten sich bei 72 % der Betroffenen Häufigkeit und Stärke der Migräneanfälle sowie Übelkeit, Emesis und Vertigo, wenn Mutterkrautblätter über zwei bis vier Monate eingenommen wurden. Im Akutfall hilft das Phytotherapeutikum jedoch nicht. Mutterkraut verfügt über mindestens zwei antiphlogistisch wirkende COX-Hemmer, nämlich das Sesquiterpenlacton Parthenolid und das Flavonoid Apigenin und einen indirekten COX-Hemmer, das Melatonin. Hauptwirkstoff der Pflanze ist jedoch Parthenolid, das neben der vorbeugenden Wirkung gegen Migräne auch antirheumatische, antibakterielle, sowie fungizide Eigenschaften hat. Apigenin ist auch in anderen Pflanzen wie Kamille, Petersilie, Rosmarin und Oregano enthalten und für seine spasmolytische Wirkung bekannt. Melatonin findet man außerdem in Ingwer und Baikalhelmkraut. Durch Analysen entdeckte man, daß Melatonin in seinem Aufbau dem nichtsteroidalen Antiphlogistikum Indometacin ähnelt. Auch Melatonin besitzt über die COX-Hemmung starke antiinflammatorische Wirkungen. In Kombination führen die Inhaltsstoffe der Mutterkrautblätter zu einer Hemmung der Thrombozytenaggregation und der Prostaglandinsynthese sowie zu einer geringeren Sezernierung von Serotonin aus den Thrombozyten und den basophilen Granulozyten. Die Ausschüttung des Neurotransmitters Serotonin gilt vermutlich als Triggerfaktor für Migräne. Wegen der Sesquiterpenlactone ist die Einnahme in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Auch allergische Erscheinungen können auftreten.
Möglicherweise stellt die Pflanze auch ein wirkungsvolles Mittel gegen Leukämie dar. Darauf deuten jedenfalls amerikanische Studien hin, bei denen sich Inhaltsstoffe des Mutterkrauts, die Parthenolide, als wirksamer gegen entartete, maligne Stammzellen erwiesen als auf dem Markt befindliche Zytostatika. Die Parthenolide verursachten den Zelltod der entarteten Stammzellen, wobei jedoch andere blutbil- dende Zellen nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Damit scheint der Einsatz von Mutterkraut-Substanzen gegen Leukämien zielgerichteter möglich zu sein als mit den konventionellen Chemotherapeutika. Entartete Stammzellen gelten als hauptverantwortlich für die Entwicklung von Leukämien. Die bösartig veränderten Blutkörperchen sind direkte Nachfahren von Knochenmarksstammzellen, deren Reifungsprozess unterbunden wurde. Statt sich zu funk- tionstüchtigen Zellen zu entwickeln, bleiben sie auf einer Zwischenstufe stehen und beginnen, sich unkontrolliert zu teilen. Aufgrund der erfreulichen Resultate will das US-National Cancer Institute die Forschungen um den neuen Therapieansatz ausweiten. In einer früheren Studie zeigte sich schon eine Wirkung der Mutterkrautsubstanzen bei Hautkrebs.
Empfehlenswerte Präparate:
Nemagran Tropfen, Fa. Nestmann: enthält Chrysanthemum parthenium ex herba sicc. Urtinktur; Therapeutische Anwendung: Migräne und Arthritis, zur Schmerzprophylaxe. Mutterkraut Extrakt Tabletten, Fa. Atlantis-Pharm (NL);
Literatur:
Apotheker M. Pahlow, Das große Buch der Heilpflanzen, genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH, Augsburg by Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München, 2004; Viel versprechende Versuche mit Substanzen aus Mutterkraut bei Leukämie, Reform Rundschau 04/2005; Mutterkraut enthält Mittel gegen Leukämie, Ärzte Zeitung, vom 24.02.2005; www.impfschaden.info/Enzyklopaedie/Mutterkraut.htm; www.gesundaktiv.de/Artikel/mutterkraut-forschung.html; www.gesundaktiv.de/Artikel/mutterkraut-chemie.html; www.awl.ch/heilpflanzen/tanacetum_parthenium; www.natur-forum.de/lexikon/kraeuter/33.html; http://shortnews.stern.de/start_ppp.cfm?id=562630&free_id=1&rubr... www.atlantis-pharm.com/Tanacetum%20 parthenium.htm •
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