Eupatorium perfoliatum - Wasserhanf


Markus Acker, Heilpraktiker

Im Volksmund wird die Pflanze „Knochenheil“ genannt. Verwendet wird die oberirdische, während der beginnenden Blüte gesammelte Pflanze. Das Mittel wurde erstmals durch Williamson und Neidhard geprüft. (1)

Allen (2) zitiert fünf Prüfer und führt 101 Symptome auf. In einem modernen Standardrepertorium finden sich über 1300 Einträge zu dem Mittel. (3)

Thema

„Grippe in der katarrhalischen, rheumatischen und gastrisch-biliösen Form.“ (4)

Allgemeines
Eupatorium wirkt auf Knochen, Muskulatur, Magen, Leber, Hinterhaupt und Bronchien. Erkrankungen gehen einher mit enormem Zerschlagenheitsgefühl des Bewegungsapparats. Als ob die Knochen brechen würden. Die Muskulatur von Brust, Rücken und Gliedern fühlt sich wund, wie zerschlagen an (vgl. Arnica). Schmerzempfindlichkeit der Lebergegend. Der Patient ist ruhelos und frostig; ihm ist übel. Erkältung. Grippe. Trägheit aller Organe und Funktionen. Schwäche.

Modalitäten
Verschlimmert durch: Kalte Luft. Wettersturz von warm nach kalt. Periodisch; 7-9 Uhr vormittags; dritter oder siebter Tag. Liegen auf der betroffenen Seite. Husten. Geruch oder Anblick von Speisen. Bewegung.

Gebessert durch: Galleerbrechen. Schweiß. Liegen auf dem Gesicht. Unterhaltung.

Gemüt
Stöhnt mit den Schmerzen.

Kopf
Schwindel, mit der Neigung nach links zu fallen, < beim Liegen auf der rechten Seite, > durch Erbrechen. Klopfende Schmerzen im Occiput, nach dem Hinlegen. Kopfschmerzen und gichtige Schmerzen alternieren. Empfindung, als ob er eine Kappe auf dem Kopf trägt. Kopfschmerzen > durch Galleerbrechen; > durch Unterhaltung. Kopfschmerzen alle drei oder alle sieben Tage. Hält den Kopf aufrecht, während Kopfschmerzen. Klopfende Kopfschmerzen besser nach dem Aufstehen; im Hinterhaupt < durch Bewegung. Hitzewallungen mit rotem, erhitztem Gesicht.

Augen
Schmerzhafte, wunde Augäpfel mit Kopfschmerzen. Gelbe Skleren.

Nase
Schnupfen und Niesen mit Schmerzen in allen Knochen.

Gesicht
Hitzewallungen mit rotem, erhitztem Gesicht. Trockene Haut. Ikterisch. Anfallsweise Kontraktionen der rechten Gesichtshälfte

Mund
Zungenbelag gelb oder weißlich pelzig. Mundgeschmack bitter. Rhagaden der Mundwinkel.

Hals/Kehlkopf
Wunder, trockener Rachen. Heiserkeit. Heiserer, trockener Husten durch Kratzen auf den Bronchien.

Abdomen
Verlangen nach kaltem Wasser; anschließender Frost und Galleerbrechen. Übelkeit durch den Geruch und den Anblick von Speisen. Verlangen nach Eiscreme, sauren Getränken. Aufstoßen. Qualvolle Magenschmerzen, die erst besser werden, wenn alles erbrochen ist. Kleiderdruck. Ranziges Aufstoßen. Durst vor dem Erbrechen. Empfindlichkeit der Leber. Weißliche, häufige, grün-wässrige Stühle.

Nieren/Harnwege
Harnmenge profus oder spärlich.

Männliche Genitalien
Juckreiz im Schambereich.

Brust
Heiserer, trockener Husten durch Kratzen auf den Bronchien. Hält sich die Brust wegen der Schmerzen, mit Blutandrang zum Kopf, berstenden Kopfschmerzen (vgl. Bryonia) und Tränen der Augen. Der Husten wird besser in Knie-Ellenbogenlage. Atemnot mit Schweißen. Wunde Schmerzen der Brust. Nächtlicher lockerer Husten. Beengung über dem Sternum mit Herzklopfen.

Nacken/Rücken

Klopfende Schmerzen in Nacken und Occiput, > nach Aufstehen. Intensive Schmerzen des Rückens und der Extremitäten; wie zerschlagen. Zittern des Rückens während Fieber.

Extremitäten
Intensives Zerschlagenheitsgefühl der Extremitäten, der Unterarme, der Waden. Schmerzen wie wund. Hände und Füße eiskalt. Hitze der Handinnenflächen mit Schweißbildung. Schwellung der Füße und Knöchel. Harnsaure Knoten schmerzen, alternierend mit Kopfschmerzen.

Haut
Gelbliches Colorit.

Schlaf
Kopfschmerzen beim Aufwachen.

Fieber/Frost/Temperatur
Starker Durst vor dem Frost. Frost während der Nacht und morgens mit Übelkeit bei der geringsten Bewegung. Dabei Schmerzen im Rücken und den Gliedern; wie zerschlagen. Frost morgens, beginnt im Rücken. Hitze für den Rest des Tages, ohne oder nur mit wenig Schweiß. Schweißausbruch > die Schmerzen aber < den Kopfschmerz. Intermittierendes Fieber, wenn der Anfall morgens einsetzt, mit Durst einige Stunden vor dem Frost; der Durst setzt sich fort während Frost und Hitze, Erbrechen nach dem Frost.


Literatur
(1) Transactions of the American Institute of Homoepathy 1846
(2) Allen, Timothy Field: "The Encyclopedia of pure Materia Medica", Vol. I-XII, reprint Jain Publishers Ltd./Dehli
(3) Mac-Repertory Pro-Version 5.6.2, Complete Repertory 5.0
(4) Mezger, Julius: Gesichtete homöopathische Arzneimittellehre, 10.Aufl., Heidelberg 1993.

 

Das Bild freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Homöopathisches Labor Gudjons", www.gudjons.de

 

Ferrum phosphoricum - FePO4 - Eisenphosphat

Unsere Arzneimittelkenntnisse von Ferr-p. basieren zu einem guten Teil auf den Arbeiten von Wilhelm Schüßler (21.08.1821 – 30.03.1898) sowie seiner Nachfolger, die das Mittel gemäß der Indikationen seiner Therapie angewendet haben. Darüber hinaus wurde das Mittel von J.C. Morgan an einer einzigen Person geprüft (American Journal of Homoeopathic Materia Medica1876/5).

Allgemeines

Ferrum phosphoricum ist besonders geeignet bei anämischen, nervösen, empfindlichen Menschen mit Neigung zu Kongestionen und auffallender Erschöpfung. Als Fieber- und Entzündungsmittel für akute und subakute Erkrankungen ist es sehr häufig wirksam bei Erkrankungen der Luftwege: Schnupfen, Pharyngitis, Laryngitis, Tracheobronchitis, Pneumonie, Pleuritis. Grippe.

Die Schleimhäute sind gereizt. Starker Fließschnupfen mit vielem Niesen. Lästiger dauernder Reizhusten. Mittelohrkatarrhe.Das Mittel unterscheidet sich deutlich von der Unruhe und Angst des Aconitum-Patienten mit gespanntem Puls und erregter Blutzirkulation, von der aktiven Kongestion und Reizbarkeit der Belladonna sowie von der Lähmigkeit und Benommenheit von Gelsemium.

Wie Ferrum affiziert Ferrum phosphoricum die venöse Zirkulation. Es entwickelt sich eine lokale passive Kongestion. Der Puls ist weich und ein wenig gespannt. Hämorrhagien durch Hyperämie. Blutarmut. Absonderungen sind häufig mit Blut vermischt oder wäßrig, fleischfarben. Erkältungsneigung. Beginn einer Erkältung. Zerschlagenheitsgefühl der Brust, der Schultern, der Muskulatur. Weichteilrheumatismus. Akute Exacerbation einer Tuberkulose. Rheumatischer Schub etc.. Beschwerden durch unterdrückte Schweiße, mechanische Verletzungen. Starke Erschöpfung, kann kaum gehen. Anfallsweise Ohnmacht. Allgemein frostig, lokal häufig durch Wärme gebessert.

„Bei Lungentuberkulose mit subfebrilen Temperaturen wird oft mit D3, D4 Entfieberung erreicht, auch bei Patienten, die vorher wochenlang subfebrile oder febrile Temperaturen hatten. Beobachtung von Köhler am Robert-Bosch-Krankenhaus (Hippokrates 1949, 3: 105)“ (1).

Modalitäten

Verschlimmert durch: Nachts; nach Mitternacht, 4-5 Uhr morgens. Plötzliche und schnelle Bewegung. Erschütterung. Berührung. Geräusche. Kalte Luft. Kalte Getränke. Saure Speisen. Fleisch. Hering. Unterdrückte Schweiße.
Gebessert durch: Kalte Auflagen. Freie Blutungen. Niederlegen. Ruhe.

Gemüt

Fröhlich und erregt. Redselig. Schweigsam. Zorn. Cerebraler Reizzustand. Gleichgültig gegenüber schönen Dingen. Abneigung gegen Gesellschaft. Furcht in einer Menschenmenge.

Kopf

Klopfende Stirn- und Schläfenkopfschmerzen; < auf der rechten Seite. Kopfhaut empfindlich gegen Luftzug, Geräusche und Erschütterungen. Haarspitzenkatarrh. Kongestionen zum Kopf. Kaum auszuhaltender, starker, dumpfer Schmerz auf dem Schädeldach; während reichlicher Mens. Leereempfindung im Kopf während Mens. Einschießende Schmerzen. Schmerzen er- strecken sich vom Scheitel über die Seiten des Kopfes mit Ohrenschmerzen, > durch Epistaxis, kalte Applikationen. Schmerzen mit heißem, rotem Gesicht und Erbrechen.

Augen

Konjunktivitis mit brennenden Schmerzen. Lichtempfindlichkeit. Beim Bücken schwindet die Sehkraft. Empfindung, als ob das Blut in die Augen schießt.

Ohren

Starke Ohrenschmerzen; akute Otitis media, wenn Belladonna indiziert scheint, aber nicht wirkt. Taubheit; durch Kälte, während Mens. Tinnitus < im Liegen. Katarrh der Eustachischen Tube häufig mit Bronchitis oder Darmkatarrh. (Tubenkatarrh und akute Otitis media = Ferr.phos.)

Nase

Epistaxis mit hochrotem Blut; bei Kindern. Schnupfen im Anfangsstadium. „Controls soreness and bleeding after operations.“ (2)

Gesicht

Partielle Kongestion. (vgl. acon ,bell. bapt.) Rötliche Flecke auf der sonst blassen, erdfarbenen Haut. Heiße Wangen bei Zahnschmerz.

Mund

Hitze. Zahnschmerzen > durch kalte Getränke, < durch warme Getränke. Zahnscmerz unten rechts.

Hals/Kehlkopf

Entzündung des weichen Gaumens, der Fauces, des Pharynx, mit Trockenheit, Röte und wunden Schmerzen. Laryngitis mit Heiserkeit nach Überanstrengung der Stimme. Viel Schleim im Rachen.

Brust

Akuter, kurzer, trockener, krampfartiger, sehr schmerzhafter Husten. Rasseln auf der Brust. Bronchitis bei Kindern. Unwillkürlicher Harnabgang, in der Schwangerschaft. Hustenattacken < an frischer Luft. Husten < nachts oder tagsüber während des Schlafs. Schleimbildung. Rasselgeräusche. Geringes Fieber. Keuchhusten mit Würgen und Erbrechen; wirksam während der entzündlichen und während der katarrhalischen Phase. Aconit sehr ähnlich. Pneumonie und Pleuritis im Initialstadium mit stechenden Schmerzen der rechten Seite beim Husten oder beim Tiefatmen. Hämoptysis. Bluthusten, gleichzeitig Nasenbluten, bei Pneumonie. Palpitation durch Kongestion. Beschleunigter, klopfender, voller Puls, 120-160/min, leicht zu unterdrücken. Rheumatische Schmerzen in oberen Thoraxabschnitten.

Abdomen

Appetitverlust. Starker Durst auf viel Wasser. Abneigung gegen Milch und Eier; < nach Fleisch, Hering, Kaffee, Kuchen. Essen < die Magenschmerzen. Verlangen nach sauren Nahrungsmitteln. Nach dem Essen Übelkeit und Erbrechen des Unverdauten. Grünlich. Haematemesis. Plötzliche Attacken „tödlicher Übelkeit“ zu unbestimmten Zeiten, wecken sogar aus dem Schlaf und dauern eine halbe bis eine Stunde. Auftreibung mit Kleiderdruck. Chronische Diarrhoe. Stühle: gelblich, blutig, wäßrig, häufig, < zwischen Mitternacht und Morgengrauen. Fieber, bei Sommerdiarrhoe.

Nieren/Harnwege

Dauernder zwingender Harndrang mit Schmerzen im Blasenhals, in der Glans penis, > durch Wasserlassen. Harndrang < je länger der Patient steht, > durch Liegen. Unwillkürlicher Harnabgang beim Husten. Harnverhaltung bei Kindern während Fieber. Cystitis mit starkem Fieber. Blutiger Urin.

Männliche Genitalien

Entzündungsstadium einer Gonorrhoe.

Weibliche Genitalien

Herabdrängungsgefühl der Gebärmutter und dumpfe Schmerzen in den Eierstöcken. Vaginismus, Schmerzen während Coitus. Dysmenorrhoe mit beschleunigtem Puls und rötlicher Ge- sichtshaut. Reichliche Mens alle drei Wochen mit Druck im Abdomen und lumbalen Rückenschmerzen. Kopfschmerzen auf dem Schädeldach während reichlicher Mens. Chlorose. Unwillkürlicher Harnabgang beim Husten während der Schwangerschaft. Kopfschmerzen im dritten Schwangerschaftsmonat.

Nacken/Rücken

Verspannung im Nacken oder Rücken. „Schmerzen im Rücken, nachts; v.a. während Menses.“ (3)

Extremitäten

Akute, stark ziehende, reißende Schmerzen der rechten Schulter und des Oberarms < durch starke Bewegung, > durch leichte Bewegung, weshalb der Patient den Arm nicht still hält. Verlust der groben Kraft und Gefühllosigkeit des Hand. Der Arm ist berührungsempfindlich. Akute Periarthritis humero-scapularis; der Deltamuskel ist besonders betroffen. Schwellung des Ellbogengelenks nach Zerrung. Rheumatische Schmerzen in den Handwurzelgelenken. Heiße Handinnenflächen bei Kindern. Kontraktionen der Finger. Akute rheumatische Schmerzen in beiden Kniegelenken. Einschießende Schmerzen in den Sprunggelenken und Füßen. Akuter Gelenkrheumatismus < durch Bewegung.

Haut

Kapillare Kongestion mit brennenden Schmerzen < durch Anstrengung oder im Warmen. Teleangiektasien. Masern. Akne. Erysipel. Im Initialstadium bei Windpocken mit hoher Temperatur und cerebraler Kongestion.

Schlaf

Ruheloser Schlaf mit ängstlichen Träumen. Schlaflos durch Schmerzen. Ruhelos und schlaflos.

Fieber/Frost/Temperatur

Frost; mit Verlangen, sich zu strecken, periodisch täglich zur gleichen Stunde. Häufig um 1 Uhr mittags. Allgemeine Hitze mit wenig Durst. Haut trocken und heiß. Reichliche nächtliche Schweiße, ohne Verbesserung der rheumatischen Schmerzen. Intermittierende Fieber mit Erbrechen des Genossenen. Kontinuierliche Fieber. Hohe Temperaturen mit beschleunigtem Puls. Ferr-phos wird häufig fälschlicherweise mit nur geringen Temperaturen in Verbindung gebracht. „As regards temperature and pulse rate, it is very difficult to distinguish between Aconite and Ferrum-phos. Both run high temperature, and both have rapid, bounding puls.“ (4)

Literatur:

(1) Mezger, Julius: Gesichtete homöopathische Arzneimittellehre, 10.Aufl., Heidelberg 1993.
(2) Phatak S.R., Materia Medica of Homoeopathic Medicines, Indian Books & Periodicals Syndicate 1982
(3) Kent J.T., Lectures on Materia Medica, reprint Jain Publishers (P) Ltd
(4) Borland Douglas, Pneumonias, reprint Jain Publishers Ltd./Dehli 1987


 
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