Die Zeit der Kleingärtnerei muss vorbei sein
Eröffnungsrede des Vorsitzenden des Freie Heilpraktiker e.V. Dieter Siewertsen
anläßlich des 15. Heilpraktikerkongresses 2011 Düsseldorf-Neuss am 17.09.2011
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Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
ich werde nicht halb so gut sprechen können wie die Gruppe Les Sirene gespielt hat. Sie werden sie gleich nochmals hier und auch heute Mittag, wenn wir alle in unsere erste große Pause gehen, im Kongreßbereich hören.
Neues Team und neuer Vorstand Ich freue mich, daß Sie heute Morgen zu uns gekommen sind. Unser 15. Heilpraktikerkongreß hier in Düsseldorf-Neuss wird heute von einer neuen Organisationsgruppe organisiert. Viele von Ihnen haben das über verschiedene Mitteilungen oder über unsere Mitgliederversammlung bereits erfahren. Obwohl mich viele Mitglieder gebeten haben, zu den Ereignissen der letzten Wochen in unserem Verband Stellung zu nehmen, werde ich das hier heute in der Eröffnungsveranstaltung nur sehr begrenzt machen. Ich bitte da um Verständnis, heute stehen andere Themen im Vordergrund. Heute geht es darum, daß wir mit Ihnen zusammen und mit der ausstellenden Industrie, die wieder sehr zahlreich vertreten ist, einen Weiterbildungskongreß veranstalten und das bedeutet schlichtweg, was wir als Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker in unserer Selbstverpflichtung übernommen haben, dafür zu sorgen, daß wir ordentliche Arbeit in der Praxis machen, eine ordentliche Weiterbildung durchführen, daß wir uns aber nicht vorschreiben lassen, wie diese Weiterbildung auszusehen hat. Ein Kongreß wie dieser ist einer der Elemente der Weiterbildung und ich weiß, daß die vielen Referentinnen und Referenten, die heute und morgen für Sie da sein werden, diesem Anspruch genügen.
Ich möchte zunächst unseren neuen Vorstand begrüßen. Auf unserer Mitgliederversammlung vor zwei Wochen war es durch bestimmte interne Vorkommnisse notwendig und auch sinnvoll, einige Nachwahlen durchzuführen. Ich möchte Ihnen jetzt gerne den neuen Vorstand vorstellen, damit Sie ihn von Angesicht zu Angesicht sehen und auch heute und morgen die Gelegenheit wahrnehmen, unsere neuen Kolleginnen und Kollegen, die im Verbandsleben so neu natürlich nicht sind, anzusprechen, wenn Sie dies möchten. Wir haben eine neue stellvertretende Vorsitzende, die mit überwältigender Mehrheit gewählt wurde. Ich darf Ihnen vorstellen unsere Kollegin Anne-Christine Heuhsen, neue stellvertretende Vorsitzende des Berufs- und Fachverbandes Freie Heilpraktiker e.V. Wer Kollegin Heuhsen noch nicht kennt, sie ist auch Regionalleiterin Berlin-Brandenburg. In den letzten drei Wochen war sie fast nur in Düsseldorf statt zu Hause in Berlin, um diesen Kongreß mit vorzubereiten. Wir haben dann zwei Beisitzer im Vorstand nachgewählt. Ich darf begrüßen als neue Beisitzerin die Frau Kollegin Cynthia Roosen aus München. Frau Roosen ist Regionalgruppenleiterin in München und für unseren Verband in Bayern schon recht lange tätig. Sie ist zudem als Gutachterin tätig und wird morgen wichtige Vorträge zu diesem Thema hier halten. Wir haben dann die zweite Beisitzerin nachgewählt, den zweiten Beisitzerinnenplatz, Frau Kollegin Nina Stickelmann, Facharbeitskreisleiterin Ohraktupunktur. Nicht nachgewählt werden mußte unser allen bekannte Klaus Fertig, Facharbeitskreisleiter Chiropraktik und Neuratherapie .
Das ist er, der neue Vorstand und wir versuchen, den Verband in eine nicht ganz neue Richtung zu führen, aber in eine, die in der Lage ist, mit den Herausforderungen der heutigen Zeit umzugehen.
Ehrengäste Ich begrüße dann ganz ganz herzlich unsere Ehrengäste, die wir eingeladen haben. Viele Kolleginnen und Kollegen, und daran sieht man dann, daß ein Verband nicht nur sechs Monate, sechs Tage oder sechs Jahre alt ist, sondern schon etwas älter - viele Kolleginnen und Kollegen sind 20 Jahre, 25 Jahre Mitglied. Verzeihen Sie mir, daß ich nicht die Namensliste vorlese. Sie sitzen hier unter uns und wissen, daß sie gemeint sind. Ich begrüße unsere Ehrengäste, unsere Kolleginnen und Kollegen zum Teil aus der ersten Stunde. Herzlich willkommen.
Und um die Vorstellungsrunde jetzt perfekt zu machen: Sie wissen das aus unseren Veröffentlichungen. Wir sind nicht der kleinste Berufs- und Fachverband. Wir sind der zweitgrößte mittlerweile in der Bundesrepublik Deutschland nach dem FDH. Das hat auch damit zu tun, daß ein Kollegenverband sich aus einem Großverband gelöst hatte und ich begrüße ganz herzlich unseren Kooperationspartner, mit dem uns jetzt schon seit vielen Jahren eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit verbindet. Ich begrüße ganz herzlich den 1. Vorsitzenden des Bund Deutscher Heilpraktiker und Naturheilkundiger BDHN aus München, den Kollegen Claus Peter Neumann.
Zusammenarbeit der Berufsverbände Sie sehen auch daran, daß wir es sehr ernst nehmen mit der kooperativen Zusammenarbeit. Heilpraktikerverbände sind auf der einen Seite individuell aufgestellt. Wir haben alle so unsere ganz persönliche Note, wie wir unsere Arbeit verstehen, in der Praxisberatung, in der Art und Weise, wie wir Berufspolitik versuchen durchzusetzen. Da gibt es zwischen den großen und traditionsreichen Verbänden gewisse nicht nur graduelle Unterschiede. Auf der anderen Seite steht gerade unser Berufsverband seit einiger Zeit auch wieder dafür, daß wir den kollegialen Schulterschluß suchen und ihn auch gefunden haben. Was sich auf der berufspolitischen Ebene seit einigen Monaten verstärkt abzeichnet ist etwas, wo die Zeit der Kleingärtnerei vorbei sein muß, wo wir nicht nur gezwungen, sondern auch ehrlichen Herzens sagen müssen: Wenn uns die gesammelte Politik in eine Auseinandersetzung hineinzwingt, die wir nicht wollen, die aber die Frage des Heilpraktikergesetzes und die Frage der Zukunft der Naturheilkunde durch die Heilpraktiker aufwirft, dann müssen wir darauf natürlich reagieren. Nicht, indem wir abseits stehen und vielleicht mehr oder minder deutliche oder bissige analytische Artikel verfassen, sondern es geht dann schon darum, daß wir uns zusammensetzen mit den Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Verbänden und Vorständen, die ein ähnliches Richtungsbild, was Berufspolitik angeht haben und daß wir versuchen, mit einer Stimme zu sprechen gegenüber Ministerien und den Politikern.
Wir als Berufsverband haben vor ungefähr drei Jahren eine nicht ganz so rühmliche Rolle in diesem Spiel gespielt. Wir sind seinerzeit, das war im Sommer 2009, aus der damaligen Verbändegemeinschaft DDH ausgetreten, haben dann einen, ich sage das aus heutiger Sicht, unsäglichen wettbewerbsrechtlichen Namensprozeß gegen die Kollegenverbände geführt.
Noch im Gerichtssaal des Landgerichtes Köln Ende letzten Jahres habe ich als Vorsitzender dieses Verbandes eine radikale Kurskorrektur vorgenommen. Der Richter hatte uns allen sehr deutlich ins Gewissen geredet, welche Verantwortung wir vor den Mitgliedern haben und ich habe da gesessen und gedacht, mein Gott nochmal, muß das soweit kommen, daß uns ein Richter erzählt, was eigentlich Berufspolitik ist. Nämlich sich zusammenzusetzen, gemeinsam zu diskutieren, auch zu streiten, aber am Ende dann eine gemeinsame Linie zu finden und das nicht irgendwelche Gerichten zu überlassen. Wir haben noch im Gerichtssaal umgesteuert. Ich habe zu unserem Anwalt gesagt, ich werde diesen Prozeß nicht mehr weiterführen. Das wird der erste und letzte Prozeß gewesen sein, der unter meiner Regie, unter meinem Vorsitz gegen Kollegenverbände geführt wird, wir nehmen den Rat des Richters an und schließen sofort einen Vergleich und diese Sache kommt vom Tisch.
Wir mußten dann natürlich versuchen, die Scherben, die wir angerichtet haben, wieder wegzuräumen. Das haben wir hinbekommen. Wir haben den Vergleich geschlossen und wir haben dann am 19. März diesen Jahres im Vorstand einheitlich beschlossen, die Diskussion und das Gespräch mit den anderen Kollegenverbänden wieder aufnehmen um zu versuchen, eine gemeinsame berufspolitische Linie zu finden. Wir haben gehofft, daß noch ein Vertrauenskapital vorhanden ist, sich mit uns erneut an einen Tisch zu setzen. Dabei hat uns die Zusammenarbeit mit dem BDHN sehr geholfen. Diesen bitte ich nicht zu verwechseln mit dem anderen, bei dem dieser letzte Buchstabe N nicht vorkommt, mit diesen Kollegen suchen wir durchaus auch wieder das Gespräch, wenn es sich ergibt. Die vertrauensvollen Gespräche mit dem Kollegen Neumann vom BDHN, mit dem Vorstand des BDHN, haben dazu geführt, daß wir viel Mut gefunden haben uns dieser Auseinandersetzung zu stellen.
Sie müssen sich vorstellen, wir sind in der Kooperation BDHN/FH eine Verbändegemeinschaft, eine Kooperationsgemeinschaft, die weit über 6.000 Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker vertritt. Vor einigen Monaten wurden auch wir geladen von der nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerin Steffens zu einer Gesprächsrunde über die Zukunft der Heilpraktiker. Wir wurden über mögliche Initiativen der Politik über den Bundesrat informiert und welche Veränderungen auf uns zukommen könnten. Dann ist es natürlich eine gute Sache sagen zu können, die Position die wir jetzt vertreten, wird geteilt von uns von dem BDHN, wir vertreten über 6.000 Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker. Aus vielen vertrauensbildenden Maßnahmen der Vorwochen und Monate ergab sich anläßlich dieses Treffen, bei dem alle relevanten Heilpraktikerverbände anwesend waren, nicht nur aus Nordrhein-Westfalen, sondern auch aus dem ganzen Bundesgebiet, es ergab sich, daß wir alle durchgängig mit einer Stimme sprechen konnten.
Die Ministerin erklärte uns grundsätzlich, sie halte die Heilpraktiker in Deutschland für absolut notwendig. Sie outete sich als jemand, die selber Heilpraktiker aufsucht. Sie war aber der Meinung, daß wir eine größere Anerkennung in der Gesellschaft und bei den Ärzten erreichen müßten und diese Anerkennung könne im wesentlichen nur dadurch zustande kommen, daß man versucht, eine Wissenschaftlichkeit und eine gewisse Akademisierung des Berufsstandes versuchsweise, modellhaft einzuführen. Sie war sehr erstaunt, als mehr oder minder wirklich alle Verbände sich meldeten und sagten: Frau Ministerin, Grundsatz Nr. 1 für uns Verbände ist, daß keine Maßnahme oder Idee das Heilpraktikergesetz und die heutigen Regularien verändern darf. Alles, was in Zukunft kommt, wird auf unseren erbitterten Widerstand treffen, wenn sie oder andere Politiker versuchen, unsere Berufsgrundlage anzugreifen und eine Änderung des Heilpraktikergesetzes anstreben, egal, mit welchen blumigen Worten dies ausgedrückt wird. Diese einhellige Position ist vor zwei Wochen noch einmal bestätigt worden. Es fand ein Treffen fast aller wichtigen Berufsverbände in Deutschland und aller Fachgesellschaften statt, vom VKHD über BKHD, der AGTCM bis zur Acon. Wir ringen in dieser Gesprächrunde seit geraumer Zeit, ein besseres Miteinander hinzubekommen.
Wir haben also zusammengesessen in Offenbach, und auch dort haben wir nach langer und intensiver Diskussion der verschiedenen Verbandspositionen über eine Abstimmung einheitlich festgestellt, alle Berufsverbände, alle Fachgesellschaften in Deutschland lehnen es ab, das Heilpraktikergesetz zu verändern. Auch eine Änderung mit scheinbar positiver Absicht wird in der folgenur eine Verschlechterung für uns bringen können. Das ist eine Position, die uns Stärke verleiht, die uns auch eine starke Auseinandersetzung mit den politischen Kräften ermöglicht. Um diese werden wir nicht herumkommen.
Teilzugelassene Heilpraktiker Sie wissen alle, daß wir vor Jahren ein schwieriges höchstrichterliches Urteil bekommen haben, nachdem Teilzulassungen für Heilpraktiker möglich sind. Es ging primär um die Physiotherapeuten. Es ist dann leider nicht nur bei den Physiotherapeuten geblieben. Es gibt Gesundheitsamtsbezirke, wo sehr viele Anträge auf Teilzulassung vorliegen z.B. von Hebammen, denen ich es auch absolut gönnen würde, von Logopäden, von Ergotherapeuten und Physiotherapeuten, Arzthelferinnen Krankenschwestern und -pflegern. Es gibt inzwischen eine ganz lange Liste von sog. Gesundheitsfachberufen, die auf Grundlage des Urteils eine Teilzulassung als Heilpraktiker beantragen. Die Unteren Gesundheitsbehörden, die diese Überprüfungen abnehmen sollen, werden von ihren vorgesetzten Ministerien dabei weitestgehend im Stich gelassen, d.h. es gibt kaum Durchführungsbestimmungen, es gibt keine Gegenstandskataloge, was überhaupt gefragt und gewußt werden soll. Wir haben mittlerweile einen Zustand, daß wir als Berufsverband in verschiedenen Bundesländern den Gesundheitsämter und den Amtsärzten Fragen bzw. Themen vorschlagen, die aus unserer Sicht abgeklopft werden müssen. ZB.: sind denn diejenigen, die eine Teilzulassung anstreben, überhaupt in der Lage, differentialdiagnostisch abzuklären, ob das was sie im Rahmen ihrer Ausbildung als Physiotherapeuten zum Beispiel gelernt haben, das Mittel der Wahl sein kann. Und ob sie wissen, wo ihre Grenzen sind, ob sie das Notfallszenario beherrschen.
Es ist ein absurder Zustand, der möglicherweise durchaus bewußt herbeigeführt wird, um dann auf Ministeriumsebene sagen zu können, es ist so ein Chaos bei den Überprüfungen, wir müssen jetzt eine neue Gesetzgebung schaffen. Es gibt einen Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Länder-Gesundheitsminister, die an einer Reformierung, wie sie es dann nennen, des Heilpraktikergesetzes arbeiten. Dazu gehörte auch dieses Treffen bei der Ministerin in Nordrhein-Westfalen. Die Bandbreite der politischen Ideen von Bundesländern reicht von: laßt uns endlich Schluß machen mit den Heilpraktikern, das nervt sowieso nur, bis hin zu denen, die sagen, um Gottes Willen nein, Heilpraktiker haben eine Tradition, die gehören auf jeden Fall weiter mit in das Bild der Gesundheitsdienstleistung.
Das Bundesgesundheitsministerium hat in dieser Auseinandersetzung signalisiert, sie hätten im Moment vollkommen andere Sorgen, als sich darum zu kümmern und möchten mit dieser Diskussion nichts zu tun haben. Also sind die Landesgesundheitsminister dabei zu überlegen, wie kann man eigentlich mit diesen Teilzulassungen umgehen, muß das wirklich zu einer Veränderung des Heilpraktikergesetzes führen oder nicht. An diesem Diskussionsprozeß sind wir in den Ländern über unsere Regionalgruppen wo es möglich ist beteiligt. Da läuft jetzt in Kürze eine Gesprächsrunde in Hessen zur Änderung der Länderregelungen zu den Heilpraktikern und auch hier in Nordrhein-Westfalen wird es weitergehen.
Und in solch einer Situation, ich will jetzt gar nicht dramatisieren, in der es aber partiell darum gehen kann, daß man an unserer Berufsgrundlage von interessierter Seite kratzt - in solch einer Situation wird wie selbstverständlich deutlich, daß alle Kräfte gebündelt werden müssen.
In kritischer Kollegialität werden wir zusammen den möglichen Versuch, uns unsere Berufsgrundlage wegzunehmen, abwehren. Ich bin da recht optimistisch, weil nicht zuletzt auch durch unsere politische Kurskorrektur in den letzten Monaten, den Gesprächsfaden untereinander wieder aufzunehmen und berufspolitisch das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen und nicht das Trennende, eine Stärkung der Vertretung der Heilpraktiker entsteht. Dies wurde von den Vorsitzenden und Präsidenten der Berufsverbände mit Erleichterung aufgenommen. Einige hätten heute hier sein wollen, um das auch durch ihre Anwesenheit zu dokumentieren, haben aber zum Teil eigene Kongresse an diesem Wochenende. Auch in diesem Zusammenhang freue ich mich besonders, wenn der BDHN als wirklich starker Koalitionspartner durch den Kollegen Neumann hier vertreten ist, weil damit dokumentiert wird, daß FH Freie Heilpraktiker e.V. unter dem neuen Vorstand nicht in eine Isolierung oder weitere Zersplitterung gewandert ist oder wandert, sondern ganz im Gegenteil. Wir werden in Zukunft mit als Motor einer Verbändezusammenarbeit wirken.
FH-Intern Intern werden Sie in Zukunft von uns ein anderes Erscheinungsbild des Verbandes erleben. Wir haben begonnen, unsere Publikationen und die Art unserer Kommunikationzu zu entstauben. Sie werden, was unsere Kongreßbroschüren, was unsere Seminarprogramme, was unsere Zeitung WIR angeht, Neuerungen in Bild und Text erleben. Wir haben eine Kollegin eingestellt, die sich um die Koordinierung und Neubewertung des gesamten Seminar- und Ausbildungsprogramms kümmert. Das kostet noch ein bißchen Zeit, aber Sie werden es Stück für Stück erleben und erschrecken Sie dann nicht, wenn eine Broschüre oder Zeitung WIR im Briefkasten liegt, die nicht mehr ganz so aussieht wie vorher, ganz sicher aber moderner, lesefreundlicher und auch einheitlicher erscheint. Es geht uns nicht um die Modernität an sich, sondern wir versuchen im neuen Vorstand, den Verband und sein Auftreten zu renovieren.
Verbände unterliegen den demokratischen Prinzipien. Die Zeit der Patriarchen und der Familienunternehmen ist vorbei, das zeigt sich nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Berufsverbänden. Wir versuchen das, was vor vielen Jahrzehnten in der Politik einmal mit dem Schlagwort, mehr Demokratie wagen, gesellschaftlich begonnen wurde. Wir versuchen dieses Prinzip zu unserem Maßstab zu machen. Das wird sich über einige Zeit erstrecken. Manche sind darin auch noch relativ ungeübt, d.h. ein Verband, der eine patriarchische Struktur gewohnt war, kann nicht innerhalb von wenigen Wochen auf eine andere Basis gestellt werden.
Sie können aber sicher sein, daß der neue Vorstand das und nur das im Auge hat und dafür sorgen wird, daß es eine neue lebendige demokratische Struktur zwischen Vorstand, Geschäftsstelle und Mitgliedschaft geben wird.
Qualitätssicherung Abschließend: Es wird viel über Qualitätssicherung diskutiert. Sie kennen diese Debatte seit Jahren. Aus unserer Sicht erwächst die Existenzberechtigung der Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker nicht aus Qualitätspunkten, Titeln oder noch so schönen Urkunden und Qualitätssiegeln, im übrigen auch nicht aus guten oder teuren Werbeanzeigen oder aus Internetauftritten. Das hat alles seinen Stellenwert, kommt aber erst an zweiter, dritter oder gar keiner Stelle.
Was wichtig ist und was uns als Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker die Existenzberechtigung und Existenzsicherung vor den Patienten gibt ist unsere besondere Art der Behandlung, die aus Menschlichkeit, Korrektheit, Wissen und Begabung besteht.
Das sind unsere wirklichen Qualitätsmerkmale, aus der unsere Existenzberechtigung erwächst, die uns auch niemand nehmen kann, egal wie in Zukunft gesetzliche Regelungen aussehen werden. Niemand kann ernsthaft glauben, daß man durch Industriestandards solche Qualitätsmerkmale jemals messen oder festschreiben kann.
Unsere Berufsordnung und die Rechtsprechung verpflichtet uns zu Sorgfalt und Weiterbildung, das sind für uns Selbstverständlichkeiten. Wir lassen uns aber nicht zwingen, eine bestimmte Weiterbildung, bestimmte Punktezahlen oder bestimmte Stundenzahlen abzuliefern ohne die dann zum Beispiel einige Versicherungen neuerdings meinen, bestimmte Leistungen gegenüber den Patienten nicht erstatten zu müssen. Im schlimmsten Fall sollen dann also Therapien nicht mehr angewandt werden, weil der Patient um die Erstattung fürchtet? Das ist eine Absurdität bestimmter Versicherungsbedingungen und eine willkürliche Festlegung von Versicherungen, uns vorschreiben zu wollen, welche Ausbildungsabschlüsse dazu führen, die Therapie zu erstatten. Zusammen mit dem BDHN und auch der Gebühren- und Gutachterkommission der Heilpraktikerverbände sind wir hier in die Auseinandersetzung gegangen, die noch nicht abgeschlossen ist.
Unsere Weiterbildung ist freiwillig und nicht reglementiert, weil wir selber am besten wissen, was für die effektive Arbeit mit den Patienten notwendig ist.
Unser Verband, FH- Freie Heilpraktiker e.V. steht für diese Eckpunkte:
Jede Weiterbildung muß konkret anwendbar und freiwillig sein.
Die kollegiale und faire Zusammenarbeit unter den echten Heilpraktikerverbänden ist das Gebot der Stunde. Wir arbeiten mit an einer vernünftigen und von gegenseitigem Respekt des Andersdenkenden getragene Verbändestruktur
Wir lehnen jede Änderung des Heilpraktikergesetzes ab.
Wir stehen für demokratische Strukturen zwischen Mitgliedern, ehrenamtlichen Funktionären, der Geschäftsstelle und dem Vorstand.
Wir entstauben das Erscheinungsbild des Verbandes und werden damit auch auf andere Verbände ausstrahlen.
Ich wünsche mir, daß die persönliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem BDHN intensiver wird. Zusammen vertreten wir über 6.000 Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker über die Achse Bayern - Nordrhein-Westfalen.
In diesem Sinne wünsche ich uns und Ihnen einen erfolgreichen Weiterbildungskongreß. Nutzen Sie die Möglichkeit, unsere neuen Vorstandskolleginnen und -kollegen anzusprechen. Wenn Sie Fragen haben, wir stehen Rede und Antwort. Wir werden jetzt noch einige Musikstücke hören, heute Mittag natürlich noch einmal und im Anschluß an diese Eröffnungsveranstaltung wird hier um 9.45 Uhr der Kollege Bengt Jacoby TCM Gesichtsdiagnose demonstrieren. Ich wünsche Ihnen und uns noch vergnügliche Minuten mit der Gruppe Les Sirene.
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